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ZEITSCHRIFT
FÜR
DEUTSCHES ALTERTHÜM
HERAUSGEGEBEN
MORIZ HAUPT.
NEUE FOLGE. VIERTER BAND.
SECHSZEHNTER BAND.
BERLIN
WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG.
1873.
?F
Z5
INHALT.
Seite
Glossen zu Prndcntiiis, von Steinnieyer 1
Zu den Virgilglossen, von demselben 110
Azzaria, von Unger 111
Metrische untersuclinngen über die spräche Otfrids, von Wiinianns . 113
Zur ahd. litteraturgescliiclite. von Steinnieyer 131
Vittea, von MüllenhofT 141
Mennor und Wippeon, von demselhen 143
Um ragnaröckr, von demselben 146
Wära und wara, von demselben 148
Ist Haitmann der alte, der verfafser des Linzer Entecrist?, von Scheins 157
Das sogenannte namenrätsel des Primas, von Wilmaiins 164
Sant Cecili;i, von Scliönbach • 165
Hohenforter Benedictinerregel, von Scherer 224
Grabschrift aus dem aciiteii Jahrhundert, von Dümmler 279
Predigtbruchstiuke, von Hildebrand 281
Lateinische Übersetzung des altfranzösischen gedichls auf S. Brandan,
von Martin 289
Lateinische rätsei, von demselben 323
Gabilun, von Jänicke 323
Das schwache adjectiv im ags , von Lichteiilield 325
Bruchstücke des Passionais, von Hildehrand 393
Beiträge zur kritik und erklärung des Seifrid Helbling, von Jänicke . 402
Zur kritik der Eneide, von Braune 420
Nachtrag zu der grabschrift aus dem aclilen Jahrhundert, vou Dümmler 436
Lügenmärchen, von Wagner 437
Nachtrag zu den predigtentwürfen (zs. 15,439), von demselben . . 466
Drei gedichte von der Würdigkeit der priester, von Strobl .... 467
Zu Ebernand, von Steinmeyer 474
Die heimat des buclies der rügen, von Jänicke 476
Ein urbar des elften Jahrhunderts, von Scliönbach 478
Zur thierfabel, von Dümmler 4S0
Nachtrag 480
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS.
Mit ausnähme der von Graff in der Diutiska 2,308/f «nrf der
im vorigen bände der zs. (F 350 — 355, D h\lff) veröffentlichten
stelle ich hier sämmtliche glossen zu Prndentius zusammen die mir
albnälich bekannt geworden sind, sie verdienen eine besondere be-
handlung weniger wegen ihres alters oder ihres sprachlichen und
lexikalischen ivertes als wegen der nahen Verwandtschaft in der sie
unter einander stehen und die ich nachher des \oeiteren nachzuweisen
versuchen will, die hss. denen sie entnommen ivurden sind folgende.
ßi, die hs. 9987 der k. bibliothek zu Brüßel, aus dem anfange
des elften jhs. in quart , stammt aus der burgundischen bibliothek.
noch frühere besitzer xoeist die noliz auf bl. V (Theodoro Pulmauno
Joannes Haechtius dono dabat anno CIO.IOLXXX die XIDecembris)
nach, sie enthält auf 154 blättern — von denen 21, 44, 88 doppelt
vorhanden sind — zu je 32 zeilen die tverke des Prndentius: die
psychomachie ist mit zahlreichen bildern geschmückt, dafs die glossen
dieser hs. aus einer andern abgeschrieben wurden ergibt sich leicht
nicht soivol aus schreib fehlerii wie floz statt floz 82, als vilmehr
aus fehlem oder Varianten des lateinischen textes deren deutsche
Übersetzung der richtigen oder einer andern lesart entspricht, zb.
maculentis 39 für muculentis, uno 24 für unco, ganz besonders
aber aus stellen welche beweisen dafs der abschreiber die deutschen
Worte nicht überall verstand, dahin gehören f. niithon (dh. scilicet
mitlion) 59 für fmilhon und i. leniua {dh. id est l'enina) 75 für
ifenina. endlich ist hierher die falsche beziehung von tuiulig 24
zu rechnen, diese glosse steht unmittelbar hinter uuincpndi, gehört
abbr zu dubiam in der vorangehenden zeile. das alter der gll.
bezeugen die beiden in huuitpn 30 und hrpt 55 erhaltenen h, wenn
auch der ursprüngliche sprachstand durch jüngere formen beein-
Z. f. D. A. neue folge IV, 1
2 GLOSSEN ZU PRUDEiMlUS
tr ächtigt erscheint, denn das ie m kiefeiiath 10 setzt bereits den
\imlaut des langen a voraus, der spräche nach dürfte die hs. ans
einem kloster in der Maasgegend stammen. (X)
B2, hs. 9968 der Brüf seier hibliothek, quart, elftes jh., gehörte
früher dem Maximinkloster zu Trier {hl. 116^ Codex monasterii
sancti maximini extra muros treuerorum. si quis abstulerit aua-
thema sit), dann den Jesuiten zu Antwerpen, endlich der hurgundi-
schen hibliothek. die psychomachie ist mit bildern welche denen der
vorigen hs. sehr ähnlich sind, geziert, die glossen rühren von drei
händen her: es war aber nur nötig die der zweiten hand im ab-
drucke zu kennzeichnen, loeil sie ganz sporadisch auftreten, während
die erste hand in der ersten und die dritte in der andern hälfte
der hs. die deutschen sowol als die lateinischen erklärungen schrieb,
die glossen dieser beiden Brüfseler hss. sind zuerst von Bethmann
zs. 5, \^^ ff herausgegeben worden, in meiner edition ist die reihen-
folge bei Bethmann angegeben und ein blick darauf dürfte zur genüge
die Unzulänglichkeit und unzuverläfsigkeit seiner glossenpublikationen
zeigen. (XI)
C, die hs. der Cölner dombibliothek nr 81 des Hartzheimschen
katalogs, in quart aus dem anfange des 11 jhs. zählt 112 blätter
zu je 28 bis 33 Zeilen, vor bl. 94 fehlt ein blatt mit psych. 840
bis 901 und vor bl. 111 ist ein anderes mit Symm. II. 877 bis
977 ausgeschnitten : diese einbufsen hat die hs. erlitten ehe die jetzige
foliierung vorgenommen wurde, ferner ist eine läge verbunden:
die hll. 31 bis 40 gehören hinter 41 bis 48. in der psychomachie
sind die räume für bilder leergelafsen, doch nur das erste und zweite
bild sind vollständig, das dritte in den umrifsen ausgeführt, auf
hl. 62'' steht Explicit Amartigenia und darauf folgt, wie mir scheint
von der hand welche die glossen schrieb, ohne absatz folgender passus :
ChrisUis lector fuit quando. aperuit librum esaite et legit. Spiritus
domini super me. et cetera. Exorcista. quando eiecit .VII. doemonia
de maria magdalene. Subdiaconus. quando fecit uinum de aqua.
Diaconus. cum lauit pedes discipulis. Sacerdos. quando accepit
panes et benedixit. Osliarius. quando percutiebat ostia inferni.
episcopus. cum eleuauit manus et benedixit apostolis. Argentaria.
Strazburg. Agrippina. Colina. Nemidona. 1 nemeta. Spira. Basilea.
baliia. Aquas grana. i. acblt. Radasbona. Regenefburg. Msegontia.
maginza. Confluentia. Couelenza. Turegum. Zurih. Constantia.
Coftinza. Torta aqua. i. Zurzacba. Curia, i. chura. Cumae .i. chuma.
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS 3
Mediolana. f/ uosegus. ii"afigo. Papigia. pauiia. Uerona, penia.
die bll. 63 und 64 werden durch die bekannten lateinischen ab-
schnitte über die messe und die priesterliche kleidung ausgefüllt.
bl. 65^ nimmt zur hälfte ein kurzes stück de octo priucipalibus
uitiis in welchem die gl. accedia zurelxl't vorkommt, ein und mit
65'' beginnt die psychomachie. am schlufse des ganzen endlich
bl. 112'' stehen eine reihe lateinischer Worterklärungen, wenn nicht
die gleichmäfsigkeit der schrift in den lateinischen und deutschen
gll. durch die ganze hs. hin bereits bezeugte, dafs loir es mit einer
kopie zu tun haben so würde sich diese tatsache aus der falschen
beziehung von feima 64 auf piimices statt auf spuma ergeben,
ebenso scheint mir auch gifegot, gihoiman 413 nicht zu striictile
sondern zu forata dolatu der folgenden zeile ursprünglich zu ge-
hören, ich habe die glossen dieser hs. mit denen der vorigen in der
weise vereinigt, dafs die deutschen ivorte von B'^ mit antiqua, von
C cursiv gedruckt wurden, die drei bisher namhaft gemachten hss.
konnte ich durch die geneigte vermittelung des k. knltusministeriums
hier benutzen. (XI)
E nenne ich die hs. der ehemaligen Ebnerischen bibliothek zu
Nürnberg , deren glossen Eckhard, comm. de rebus Franciae orien-
talis 2, 1002/f veröffentlichte, sie befindet sich jetzt als geschenk
Cramers auf der Kieler tiniversitätsbibliothek unter nr 84 {vgl.
Serapeum 31 (1870) 347). icar sie jemals ganz vollständig so müfsen,
da sie gegenwärtig auf 179 oder vilmehr 180 bll. — denn 144 ist
doppelt vorhanden — zu durchschnittlich 20 Zeilen bis psychomachie
605 reicht, ungefähr 113 bll. verloren sein, geschrieben ist sie zu
Augsburg in den jähren 1012 bis 1014: dies bezeugt der auf dem
übern rande von bl. 4' stehende name S AFRE dem unten der fast
erloschene REGINB entspricht, ganz dieselbe bezeichnung findet sich
bekanntlich in dem prachtvollen Boethiuscodex Gud. fol. 73 zu
Wolfenbüttel, während der angegebenen zeit loar Reginbald abt des
Stiftes, und in Augsburg befand sich die hs. noch im 15 jh. nach
der ausradierten inschrift auf bl. 2^: Monasterii S. Vdalrici Aug.
die deutschen glossen rühren von verschiedenen händen her : ich habe
sie so von einander zu scheiden gesucht dafs ich denen xoelche mit den
sie umgebenden lateinischen glossen von derselben hand waren, einen
Stern beifügte, die sporadischen aber unbezeichnet liefs: beide Massen
umfafsen glossen verschiedener bände, nachdem ich durch eine mir
von hm prof. Frommann mitgeteilte notiz Schmellers dem jetzigen
1*
4 GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
aufbewahrungsorte der hs. auf die spur gekommen icar vermittelte
Mi'dlenhoffs gute die hersendung. (VIII)
G, die Göttweiher hs. J. 7 in folio aus dem elften jh. Hoff-
mann von Fallersleben hat mir seine im jähre 1827 genommene
abschrift mit gewohnter freundlichkeit übcrlafsen. (III)
LI, hs. des British museum zu London, add. 16S94 in oktav
aus dem ende des elften jhs. siehe S. (II)
L2, ebendaselbst, add. 15090 in folio aus dem ende des elften
oder dem anfange des zwölften jhs. abschriften beider Londoner
hss. verdanke ich meinem fretmde ESievers. (XIV)
Ml, dm. 14395 in quart aus dem 11 jh., in der Emmeramer
bibliothek mit E. XVIII bezeichnet, 209 bll. die lateinischen sowol
wie die deutschen glossen sind von mehreren gleichzeitigen händen
geschrieben. Graff hat die hs. im Sprachschatze unter Prud. 1 auf-
geführt. (V)
M-, dm. 1S922 aus dem \0 jh. zählt 195 bll, auf deren
erstem ein stück eines lateinischen physiologus steht, bei Graff
Prud. 2 genannt. (VII)
M3, dm. 13108, früher Rat. civ. 108 in quart enthält auf
bl. 1 bis 168 die werke des Prudentius von einer hand des 12 jhs.
und auf bl. 168 bis 191 glos^ super Prudeiitium von einer schon
dem 13 jh. angehörenden hand. Prud. 3 bei Graff. (XIII)
M^, dm. 475 in quart aus dem elften jh. entstammt der alten
churfürstlichen bibliothek und enthält auf bl. 3 bis '2V die Hamar-
tigenie und auf bl. 21'' bis 58^ die büclier gegen Symmachus. Graff
bezeichnete die hs. mit Prud. 4. (VI)
Diese vier Münchener hss. gebe ich nach abschriften die hr
bibliothekssekrelär FKeinz mir besorgt hat.
.P, die hs. VIII, H. 4 der Prager Universitätsbibliothek in quart
oder kl. folio stammt aus der klementinischen Jesuitenbibliothek
{Ilanslik, geschichte der Prager Universitätsbibliothek s. 615), mufs
aber schon früher einer gröfseren büchersammlung angehört haben
da auf der innenseite des vorderdeckeis von einer harA des \5jhs.
die Signatur p\lenti,, ympnOi 2" 5" 6 s« lesen ist. der codex zählt
85 oder vihnehr, da bl. 30 und 41 sich je zweimal vorfinden,
87 bll.; jede seite hat 37 Zeilen, die glossen dieser hs. wurden zu-
erst von Hoffmann {mein leben 2,234/") entdeckt, dann von Schleicher
in Frommanns deutschen mundarten 1, 264: ff besprochen und endlich
GLOSSEN ZU PRUDEJNTIUS 5
von IPetters in der zs. 10, d61 ff herausgegeben, da ich die hs,
selbst habe benutzen können so trage ich kein bedenken die glossen
unter angäbe ihrer stellen hier zu loiderholen, teils der Vollständigkeit
wegen teils loeil sich trotz der ersichtlichen muhe die Petters auf seine
ausgäbe verioandt hat, sowol druck- und lesefehler eingeschlichen
haben, als auch eine reihe worte von ihm übersehen sind, die
deutschen und lateinischen glossen sind abgeschrieben, für erstere
wird diese tatsache durch die zahlreichen fälle bewiesen in denen
das deutsche wort nicht über demjenigen lateinischen welches es
übersetzt sondern einem andern steht: so finden tcir mit iiitlar-
feigigan 38 über natatibiis statt über languidulis , ratifcunt 126
über ineptias statt über fingunt des folgenden verses, duerahiu 149
über diuorcia statt über obliqua, kifniteniu 196 über exciso statt
über dolata der vorhergehenden zeile, imechiu gipurt 257 über
fortis agit statt über sexus male fortis, giimarar 345 über iiinaciiis
statt über sollers, man vergleiche noch die anm. zu 5. 155. 180.
226. dasselbe ergibt sich für die lateinischen gll. aus folgenden
stellen: frans coniiigü steht statt über adulterium Hamart. 397 zu
welchem es von der angehängten glosa richtig gesetzt wird, über
meror v. 395 ; captiiiator finden loir statt über manceps Vinc. 345
über ianitor am ende von v. 346 usic. endlich kommen hier noch
in betracht die zahlreichen Schreibfehler in der glosa sowol als im
lateinischen und deutschen teile der textglossen. (IV)
P2, die in dx,r gräflich Äpponyischen bibliothek zu Pressburg
befindliche Prudentiushs. auf 201 blättern in quart, welche im an-
zeigeblatte zum 31 bände der Wiener Jahrbücher 1825 s. ^"^f näher
beschrieben ist. da es wir leider nicht möglich loar die hs. selbst
einzusehen so mufs ich ihre glossen hier nach einer mir von Hoff-
mann vFallersleben mitgeteilten abschrift Stephan Endlichers geben,
freilich steht zu befürchten dafs diese kopie nicht allen anforderungen
die ivir jetzt zu stellen berechtigt sind, entspricht und vor allem
nicht ganz vollständig ist. die hs. gehörte nämlich im anfange des
n jhs. dem Augsburger arzte Karl Widmann (j 1638) und wurde
damals von IWeitz für seine ausgäbe des Prudentius (Hanau 1613)
benutzt, im anhange teilte er aus dieser und einer hs. des Bongars
unter dem titel glossae Isonis eine Sammlung lateinischer scholien
zu Prudentius mit. dabei liefen aber auch deutsche glossen unter
die er durch schwabacher druck kenntlich machte soweit als er sie
unserer spräche angehörig erkannte, und von diesen findet sich
6 GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
loenigstens eine, carbasea klein Ps. 186 nicht in der mir vorliegenden
abschrift.i (IX)
S, hs. des Stiftes SPeter zu Salzburg in quart aus dem ende
des 11 jhs. ich verdanke eine ahschrift der gute Hoffmanns, hei
der nahen Verwandtschaft dieser hs. mit L^ könnte man geneigt sein
die letztere deshalb für das original zu halten, weil in ihr einige
glossen von einer zweiten und dritten hand herrühren, ohne dafs
sie deshalb in S fehlen, doch dieser umstand beweist nichts: die
nachtrage in \A können ja ebenso gut von correktoren geschrieben
sein, vilmehr machen es fehler und auslafsungen die jeder der beiden
hss. eigentümlich sind, wahrscheinlich dafs beide einem originale
entflofsen. ich habe sie daher zusammen drucken lafsen und nur
die glossen in denen beide differieren oder welche in einer allein
nns erhalten sind durch die buchstaben L und S ausgezeichnet,
die blattangäben beziehen sich nur auf L^ da dieselben in der von
mir benutzten kopie von S fehlen, in letzterer hs. scheint eine
läge verbunden zu sein: denn die passio Romani toird plötzlich
durch die passio Hippolyti und Cypriani, die ihr vorangehen sollten,
unterbrochen, demgemdfs ist die gl. maiestate heri 28 an der ihr
nach der reihenfolge von L^ gebührenden stelle eingereiht worden,
unmittelbar hinter den werken des Prudentius und vor der glosa
stehen in L^ (bl. 244'') und S die iiersus de uolucribiis et imnentis
welche von Reifferscheidt in den reliquiis Suetonii s. 308 bis 311
utid zuletzt von Schenkl in den Sitzungsberichten der Wiener aka-
demie 1863 bd. 43 s. 42 herausgegeben sind, die darin vorkommen-
den deutschen glossen sind folgende:
13. merulus amfla. 21. palumbes liolatubun.
17. tardus drufca. L drofca. S 23. grus ehranoh.
sturnus ftara. 24. ancipitres habob.
19. anser ganf. 26. pauo pbao. 10
5 20. turtur turtilituba. 28. graculus riioh.
cohimba tiil)a. [245^] 29. ciconia ftorab.
' ßeilt'infig- henierke ich dafs die oben enoähnte Bongarsisc/ie hs.
welche jetzt zu Bern aufbewahrt ioird wid deren giosse?i Graff viit 33
bezeichnet hat aus Slrafsburg stammt {Sinner, catal. eodd. Bernensiwn
1,170). IVeitz liat übrigens die geheimschrift m der die mehr zahl ihrer
gll, aufgezeichnet ist, fast immer richtig entziffert, so 2oar also das
princip der slegunographie jvelches Doce?i (misc. 1, 15S) wider aufge-
funden hat, auch schon im siebenzehnten Jh. bekannt.
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 7
33. pica agalftra. 52. aper epor.
37. biibo vuo. [245''] 53. onagri wilde efila.
15 43. merobs gTuonrp'*&. L gm- 55. verres per,
onfpeht. S 62. sorex miif. [246'] 20
51. linces luhfi. 64. rana vorfhe. L vorfhc. S
An derselben stelle finden sich diese verse auch in der Wiener
Prudentinshs. (Dintisca 3, 185/"), doch loeicht die glossierung teil-
weise ab. (II)
Wi, cod. Aug. 56. 18 in quart zu Wolfenbüttel, dem zehnten
jh. angehörend, stammt aus dem S Michaelskloster zu Hildesheim,
der rand der bll. 82 bis 93 und 104 bis 106 ist zur auf-
zeichnimg eines — teilweise wider ausradierten — lateinischen
alphabetisch geordneten liflanzenmrzeichnisses benutzt, die wenigen
deutschen gll. zu Prndentius hymnen teilte zuerst, aber unvollstän-
dig und fehlerhaft Obbarius in'der vorrede zu seiner ausgäbe des
(lichters s. XLII mit. (XII)
W2, cod. Wissenb. 77 in öktav zu Wolfenbüttel, aus dem
neunten jh. , enthält auf 52 blättern die Äpotheosis und Hamarti-
genie sowie Ercanberti diaconi uersiis, die gll. stehen mit aus-
nähme der letzten, loelche sich in einer wenige Zeilen einnehmenden
und dem scMufse der Hamartigenie angehängten glosa vorfindet,
am rande und rühren von derselben alten hand her. ^ (I)
Aufserdem gibt es noch glossen zur Psychomachie in einer
Admonter hs., welche in den altd. bll. 1, 19Q f abgedruckt sind,
auch kann hier noch die glosse radiorum der chipht (vgl. Schmeller
2, 318) erwähnt werden, die im dm. 2622, einer sammelhs. des
12 ^ind 13 jhs. ivelche unter anderm die Psychomachie enthält, bei
V. 337 vorkommt.
Von ags. gll. zum Prudentius sind mir nur die von Mone im
anz. 8, 233 /f. publicierten und die wenigen von Cockayne in den
Heechdoms, wortcunning and starcrafl of early England' (Rerum
Britannicarnm medii aevi scriptores) bd. 2, London 1865 s. 366 /f
aus einem 'glossary on Prudentius printed but unpublished' ange-
führten bekannt geworden: unstreitig wird es aber mehr geben.
' Im folgenden werden die bei Graff gedruckten glossen mit den
siglen bezeichnet welche er ihnen gegeben hat. zu bemerken ist ?iur dafs
für den codex aus SPelcr im schwarzwalde (S) noch Mo?ics collalion
(ans. 5, 230), für die SGaller hss. Haltemers abdrücke und für die Wiener
hs. (ÜB) eine abschrift JGrimms benutzt wtirde.
8 GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
Wie nahe B^ und B2 mit einander verwandt sind wird erst
durch die vergleichung von C recM einleuchtend, diese letztere hs.
hat mit B- den grösten teil des Wortschatzes gemein: und für das
enge Verhältnis in dem beide zu einander stehen bürgt gleiche ge-
heimschrift in kfbnfxbrtpt 448 und besonders in klfini 251 —
beide hss. ersetzen also nur den ersten vokal durch f, wahrend sie
den beiden anderen keine consonanten substituieren — , sodann die
gleiche trenmmg in fer uual chenemo 442. weyin in hss. zusam-
mengehörige elemente eitles wortes getrennt erscheinen, so kann die
Ursache davon eine doppelte sein, entweder bedingen lang herab-
reichende Unterschäfte von Worten der darüberstehenden zeile die
trennung oder der ungewöhnliche Zwischenraum ist durch die aus-
radierung eines buchstaben entstanden, loo aber keine dieser beiden
Ursachen die erklärung für das willkürliche auseinanderreifsen eines
Wortes an die hand gibt, da mufs man annehmen dafs in der vor-
läge eine derselben obgewaltet hat. denn wie sklavisch die abschrei-
ber ihrer vorläge folgten wird recht durch 448 und anm. illustriert.
an der stelle stand in der abzuschreibenden hs. ein wort in geheim-
schrift: der kopist löste sie während des Schreibens in gedanken auf
und so kam es dafs er einen vokal den die vorläge mit geheimschrift
gab mit seiner gewöhnlichen bezeichnung niderschrieb. kaum aber
hatte er seine abweichung erkannt als er das e wider ausradierte
und durch den consonanten ersetzte, und dieser selben abhängigkeit
ist es zuzurechnen wenn die abschreiber jene abstände innerhalb
eines wortes zuweilen getreulich conser vierten: insofern sind gleiche
spatien bei denselben worten in verschiedenen hss. Zeugnisse für
deren nähere Verwandtschaft, man vergleiche auch die anm. zu 9
und 140. für den nahen Zusammenhang von ßi und C spricht
die gleiche trennung in ftf chf thp 6^66 C197, gleiche geheimschrift
in man)r ßi 47 C 164, gkri zot ßi 18 gkrizih C 153, heithfniffe
B^SS C 187, vor allem aber die tatsache dafs zum teil die glossen
welche in der einen hs. am rande stehen denselben platz auch in
der andern einnehmen, ich meine selbstverständlich damit nicht
diejenigen welche in längeren anmerkungen vorkommen und daher
überall am rande verzeichnet sein würden, sondern solche welche
mit demselben oder gröfserem rechte interlinear über dem lateini-
schen texte angetroffen werden könnten, so B^SO C 137 ßi32
C 108 B'6G C 197. dagegen wüste ich für ein engeres Verhältnis
von ßi zu ß2 nur die gleiche abkürzung holant ßi 72 ß^ 250 bei-
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 9
zubringen, die eben angeführte distanz bei ftf chf Ihp beweist aber
nicht nur für die nahe verwandschaft von B^C sondern auch dafür
dafs die gemeinsame vorläge — die wir uns durch einige mittel-
glieder von beiden erhaltenen hss. bereits getrennt denken müfsen —
wenigstens stellenweise tli statt d kannte und dafs dies und andere
tli nicht von jeder hs. selbständig eingeführt sind.
Ich habe oben ein Verzeichnis von städtenamen aus C mitge-
teilt, zweierlei ist daran klar, einmal müste das doch ein sonder-
bar organisierter mensch gewesen sein der die beiden stücke welche
in der hs. von derselben hand und ohne absatz unmittelbar sich
folgen, nämlich die aufzählung symbolischer handlungen Christi und
die Städtenamen, in einem atem eingetragen hätte. vilm,ehr zeich-
nete jemand auf einem leeren blatte einer hs. die erste partie auf
und ein anderer benutzte dann den gebliebenen freien räum zur
eintragung des Städtekatalogs: und in C haben wir nur eine ab-
Schrift beider notizen vor uns. andererseits aber ist deutlich dafs
das Verzeichnis nicht von einem geistlichen der Cölner diöcese ab-
gefafst sein kann: denn wie sollte dann wol der kleine ort Zurzach
im Aargau dicht an der mündung der Aar in den Rhein belegen
der aufnähme für -wert erachtet sein, ganz abgesehen davon ob er
überhaupt im norden Deutschlands bekannt war? nun findet sich
der katalog aber auch in 3- ^war in der Diutiska hat ihn Graff
nicht erwähnt, aber im Sprachschatze bezeichnet er mit Z ''gesam-
melte ahd. glossen auf den letzten seilen des carm. Prudentii ent-
haltenden cod. C. 164 der Stiftsbibliothek zu Zürich'; und wenn
man die in C überlieferten städtenamen im Sprachschätze nachschlägt,
so finden sie sich dort sämmtlich (aufser iiiiafigo und pauiia deren
fehlen zufällig sein kann) aus Z mit nur einer abweichung (bafala
statt bafila) belegt, und in einer schweizerischen aufzeichnung ist
das vorkommen von Zurzach völlig gerechtfertigt, mit 3 ^^ifß S2
die nächste Verwandtschaft, nur weist es bedeutend jüngere formen
auf: und beide hss. stimmen an zahlreichen stellen mit B^B-C
überein. es wird also hierdurch sicher dafs eine Prudentiushs. eines
alemannischen klosters, deren glossen denen von ^(E'2 nahe standen,
nach dem Mittel- oder Niderrhein gelangte: dies geschah, wie die
in B ^ erhaltenen \\ bezeugen , entweder noch im neunten jh. oder
wenigstens datierte die vermittelnde hs. aus diesem Zeiträume, so
vil sich erkennen lä/'st pflanzte sie sich in zivei recensionen fort:
zur einen, mehr niederdeutschen, gehören B^C, zur anderen B'^ und
10 GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
W. die letztere hs. enthält mir den an fang der' glossen, später
toar der Schreiber zu träge seine arbeit fortzuführen, von D wird
nachher die rede sein, zur genaueren erkenntnis dieser reihe wäre
es iDünschenswert dafs jemand die Egmonder Prudentiush^. zu Ley-
defi auf gll. hin ansähe.
Dafs den hss. B-C und somit auch B^ eine oberdeutsche auf-
zeichnung zu gründe ligt würde allerdings auch ohne die verglei-
chung mit anderen Prudentiusglossen und ohne jenen Städtekatalog
sich ergeben, denn in C und noch mehr in B- finden sich zahl-
reiche reste oberdeutscher lautbezeichnung : nicht nur sehr häufig ch
für k im an- und inlaut; sondern auch vile p für b und sogar k
für g in crioz B2 290 und vorzüglich in der vorsatzpartikel ki,
ke (keliubit B2 303, kefuntero B2 C350, kifläfen B2 424, kitruchnaz
C 432). es ist dies eine neue bestätigung einer beobachtung die wir
oft zu machen gelegenheit haben, der nämlich dafs alle uns erhal-
tenen glossen , soweit sie eine ihnen vorangehende historische ent-
wickelung voraussetzen — und das ist bei den allermeisten der fall
— oder was dasselbe sagt soweit sie abgeschrieben und erweitert
sind, nicht eine würklich gesprochene mundart vertreten sondern
elemente verschiedener vereinigen, sie sind daher für dialektunter-
suchungen nur mit vorsieht zu verwerten und die forschnng kann
als festen boden blofs die ältesten denkmale etwa bis zur mitte des
neunten jhs. betrachten, weil bei diesen teils wegen der volleren
formen, teils wegen des kürzeren Zeitraumes der seit ihrer ent-
stehung verflofsen ist, jede mischung ungleich schärfer in die
äugen fällt.
/;t M* ligt uns ein auszug von M^ vor; nur die gll. 32. 38.
40. 44. 47. 48. 49. 55 sind nicht daher genommen und werden
von dem Schreiber selbst oder einem leser zugesetzt sein, aber auch
andere hss. zeigen nahe Verwandtschaft, von diesen hat P mit M^
einen speciellen dialekt gemein, einen dialekt der den a-laut in den
end- und bildungssilben von Substantiven, adjektiven, verben bevor-
zugt und der bei den schwachen verben auf o dem u gleiche gel-
tung einräumt, so hat M' 36 nom. sg. mask. adj. auf ar und eben-
sovil auf er, 36 dat. pl. adj. auf an tiebeti 23 auf en, 24 dative
mask. {und neutr.) starker Substantive der a- und i-deklination auf
a, 8 auf e, 2 auf o. bei den verbis auf o iveist das praeter itum.
diesen vokal in allen formen auf (aufser gimarhtvft 1147), ebenso
der conj. und überwiegend der indikativ praes. {doch die dritte p.
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 11
pl. mir u), dagegeji der inßmtiv meist, das part. praes. immer
{m(fser hizzontero 89) u. dies u hat auch zuweilen für andere o
eingang gefunden, so im Superlativ oparufto 207 {dagegen entroftiin
1090), im Substantiv chlagvt 424. ich stelle hier die übrigen vo-
kalischen abtoeichungen von dem durchgehenden lautbestande zusam-
men: e für ei begegnet m trukihetin 27, viiegiri 273, iinrcnnuffi-
duii 751, viiedispioze 1690, pachvueguu 1829, ledezeuliu 1967,
chleni 2100, hedinifchi 2117; i /Vir ie in fridilo 2095; o für oii
in ungichoftiu 102, togantem 457, gitogini 553, afcloh 2331;
ou für HO in altoum 446; n für uo in mudiu 154, crupim 464,
viiranter 1334, dingftul 2141, plumun2310; u für in in turida
1198; iia für uo in chuano 1154; uo für u in halftruohin 467
(halftrucliin ?) , für ou in cruouuilin 559. was die consonanten
anlangt so ist der dialekt sehr consequent: die dentalen und labia-
len werden mit ganz loenigen ausnahmen streng verschoben, ebenso
got. k zu ch {aufser in craphun 466, cruouuilin 559, uuarre-
kinlih 786, crumba 1375, crone 1457, incnehto 1577, crazzot
1584, gikerida 1759, cleini 1762, cradamtum 1840, stacuUa
2015, crumpiz 2089), nicht aber got. g. dies finde ich nur in
trukihetin 27, crifiga 334, crupun 464, fufouca 765, krintila 834,
cruft 984, goucallih 1045, calftar 1046, kaliar 1295, crafun 1492,
crino 1651, kifale 1775, crapent 1899, crintil 2093, cota 2118,
vuickarivvi 2160, cruopa 2187 und crozza 2210 verschoben, dem-
gemäfs lautet auch die vorsatzpartikel gi: daneben erscheint fünf-
mal ge und vierzehnmal ga, aber auch dreiundzwanzigmal ki, drei-
mal ke, zweimal k und zweimal ka. in betreff der übrigen Par-
tikeln ist endlich noch die gleichberechtigung von ar und ir neben
einzelnen er und die von far und fir neben fünf fer und je einem
uor (1432) und uur (1940) anzumerken, in P stellt sich das
Verhältnis nun folgendermafsen: die dat. pl. adj. enden sämmtlich
auf an, die nom. sg. mask. alle (aufser paftiner 95) auf ar, die
dat. mask. und neutr. sg. von Substantiven immer auf a ; bei den
verbis auf o erscheint dieser vokal nur in der zweiten und dritten
person sg. praes. und im praeteritum, sonst stets u. neben uo ^re-
ten drei ua auf. h für p finde ich achtmal, k für cli einmal
(crümun 93), viermal k für g (ketilofa 2, kinungan 26, ratkepo
186, lialpkotun 243). von den vorsatzpartikeln haben ar und far
keine neben formen ; ki kommt einundzwanzigmal neben sechszehn gi
und fünf ga vor. man ersieht aus diesen Zusammenstellungen dafs
12 GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
die Schreibung in P conseqnenter und daher ursprünglicher als die
in M^ ist. dies hestäligt sich noch loeiter. M^ loeist nämlich in
seiner anfangspartie fast ausnahmslos jene dative pl. adj. auf an,
nom. sg. auf ar, die vorsatzpartikeln ar und far auf; allmälich
mischen sich aber in steigendem mafse en, er, ir %md flr ein und
in dem zweiten teile von 1299 an kommt nur er als nom. mask.
adj. vor, von 1408 an (aufser kigrapotan 1502 und dem zwischen
beiden formen schwankenden bifuihlichaen 1760) nur en als dat.
pl. adj. so sind zuerst far und ar regel, fir iind ir ausnähme, in
der letzten partie herscht das umgekehrte Verhältnis, es ergibt sich
hieraus dafs der Schreiber anfangs sich bemühte seiner vorläge treu
zu folgen, später aber immer mehr bei abnehmender aufmerksam-
keit den ihm geläufigen formen eingang gewährte, zu ähnlichen
resultaten führt die betrachtung anderer nahe verwandter hss. M^
bietet den dat. kirigilotan 3 neben sonstigem en, k für g in tru-
kiheitin 13, gi aufser in kiiimrdirotun (/. ka-) 2 und kirigilotan 3,
tieben irgremiter 88 und irpolgnuffin 121 drei ar in ariiafteta 26,
alpolganora (/. ar-) 55 und arfceinan 140. LiS und ihr auszug
G {es ist bei diesen wie bei P fiur von den textglossen, nicht von
der angehängten glosa die rede) zeigen k für g in kalster G 5
L^Sll, criionant 58, ketilofi 123, kiiol 125, feltcangun 136, k
für eil in marcat 17, maneufa 22, inknehta 39, kerrent 85, caffa
115, eil für g in umbihancha 20. neben gi kommt kiheiztin 78,
kilazzen 98, kidanc 156 S und keluppotem 88 S vor. endlich
herscht ar aufser irlitinen 61 S. 33 kennt k für g in kalfter,
caffa, erimmin, für ch in furcnufitemo, marcat, knehta, incnehta,
nebe7i gi und gii {einmal ge) ein ka (kacliranztaz), zivei ki (kiliei-
zent, kifcallita), ein ga (anagatana), neben ir drei ar (armezzana,
arfleiznan verschrieben für arfkeinan, arnuortana). bei E kommt
hier nur die Schreibung umbanclia 115 in betracht. je jünger die
aufzeichnung war — und die jüngste dieser reihe ligt wol in 2B
vor vgl. den nmlaut in cliefiluppa und chefichar — desto mehr
war der Schreiber bemüht die allen formen zu verdrängen: trotz-
dem erhielten sie sich stellenweise durch die Unaufmerksamkeit oder
die mechanische treue des kopisten. und ihre widerkehr in ver-
schiedenen hss. bei denselben worten, loie sich aus obigen auf-
zählungen ergibt, bezeugt ihre ursprünglichkeit: aus P ist ersichtlich
dafs es würklich eine gestalt der Überlieferung gab welche diesen schlufs
rechtfertigt, aber auch P ist eine ziemlich späte redaktion und
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 13
manche jungen von den durchgehenden regeln abweichenden formen
dieser hs. sind in andern hss. in älterer geslalt überliefert, so bie-
tet M^ paftinar 647, während das paftiner von P die einzige aus-
nähme unter den nom. sg. auf ar bildet, ferner erscheinen die
Worte loelche in P ein h aufxoeisen in M^ soweit sie dort vorhanden
sitid immer mit p; und für eins der in P vorkommenden gi we-
nigstens zeigt Ml ga (324). dann folgt aber auch dafs der eintritt
von a in den flexionssilben und von u bei den schivachen verbis
auf 0 gar nicht so jung ist wie man gewöhnlich anzunehmen ge-
neigt ist.
P ioelches mehr als die hälfte seines Wortschatzes mit M^ ge-
meinsam hat, ist also mit dieser hs. aufs nächste verwandt: darauf
weist auch hin der beiden gemeinsame fehler arlöftar revulsä P 52
Ml 309 — es ist dort übersetzt als stände im lateinischen ein no-
minativ seil, fil^iila nulcil — und die glossierung von thymus durch
pinipliiomo P22M163, während alle andern hss. pinefiiga getoäh-
ren. sodann ist mit M^ eng verwandt M^: ein äufseres zeugnis
dafür ist die gleiche abkürzung unpilid Mi592 M^ 98. doch ent-
hält M2 auch eine reihe worte die in M^ sich nicht finden (1. 3*.
5. 6. 8. 15*. 18. 20—22. 23*. 25. 26. 29—35. 50. 51. 77. 82.
88*. 101. 104. 106. 115. 116. 123 — 125. 127*. 129. (132).
137. 139. 141), aber zum teile in anderen hss. dieser reihe —
und dann ist ihnen ein stern beigesetzt — vorkommen, mit 3B
zeigt Ml besonders in der zweiten hälfte der p. Romani große
Übereinstimmung; doch ist an direkte kopie auf keiner seite zu
denken, mit 3B stehen dann L^S und G in naher Verbindung.
E nimmt dagegen seinen platz näher bei M- ein: mit dieser hs.
teilt es gleiche abkürzung in den Worten irgremil und gicriniiot
(E 102. 103 M2 88. 90).
In GL ISP ist dem texte eine glosa super Prudentium angehängt,
es ist dies der commentar der unter dem namen des Iso magister
geht und dessen erklärungen sowol in denjenigen hss. welche die
glosa enthalten als in denen die derselben entbehren, ihren stellen
über- und bei geschrieben sind, leider habe ich nur P selbst ein-
sehen könnot : und gerade diese hs. zeichnet sich durch grofse flüch-
tigkeit aus; im übrigen weifs ich nur dafs L^ nicht ganz bis zum
schlufse reicht, solidem bereits mit clientes ainicos a coleii dicunt
Symm. 2, 117 abschliefst, doch kann dieser umstand durch verlast
eines blattes verschuldet sein, ob die in der glosa zusammengestell-
14 GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
ten erkläningen die übrigens soweit ick urteilen kann grofsenteils
dem Festus und anderen lexikalischen hilfsmitteln alter zeit ent-
nommen sind, aus einer Sammlung von niarginalglossen entstanden
sind oder ob die entgegengesetzte entioickelung stattgefunden hat,
dies zu entscheiden ist nicht meines amtes: persönlich neige ich mich
der ersten annähme zu. überhaupt interessirt uns die glosa hier
nur deshalb, weil sie eine reihe deutscher Übersetzungen auftoeist.
diese letzteren kehren mehr oder minder vollständig in allen —
über einige unsichere fälle ist nachher zu handeln — glossierten
hss. des Prudentius wider und in Urnen haben wir den grundstock
der deutschen erklärungen zu diesem Schriftsteller anzuerkennen,
hier müfsen ivir die frage ividerholen die loir soeben für den haupt-
teil der glosa von uns abgewandt haben: sind die deutschen loorte
in der glosa genuin oder aus interlinear- und marginalglossen her-
übergenommen? zu ihrer entscheidung finde ich mir einen anhalts-
punkt: GL^S setzen zu der auch in P vorhandenen lateinischen er-
klärung teretem .i. rotundum das deutsche loort chnopf. teretem
steht Ps. 187 und chnopf glossiert nodum in demselben verse.
nodum jedoch kommt in der glosa nicht vor. dieser letzte satz ist
freilich nur auf P gebaut: doch scheint mir diese hs. hier eine
zuverläfsige Vertreterin der andern nicht eingesehenen zu sein, sonst
darf man allerdings P nicht allzuvil glauben beimefsen: so setzt es
gilubbiv 369 zu medicato, lüährend es zu medicata (in der vorher-
gehenden zeile) gehört und auch von W^L^S dazu richtig gestellt
wird, aber medicata fehlt überhaupt in P. kein gewicht wird da-
gegen auf den gemeinsamen fehler der glosa P und der textglosse
von LI (380 und 114) quafi labaref und nuafi labaref für quec-
filabaref zu legen sein, da sich derselbe auch ohne die annähme
direkter Übernahme graphisch leicht erklärt und d^ (S®3 das rich-
tige bieten.
Die hss. der glosa weichen in der anzahl der deutschen worte
von einander ab. es fragt sich was als der älteste bestand anzu-
sehen ist. unbedenklich werden wir dazu die allen gemeinsamen
Worte rechnen, sodann begegnen einige glossen mit dem zusatze f
dh. fraiicice. dieses praedikat hat nur in dem falle einen sinn,
wenn entweder die so bezeichneten worte andern aus einer fremden
spräche, also angelsächsischen (f) und irischen (fcot.) loürklich gegen-
übergestellt werden oder wenn der Schreiber ein ausländer loar und
wenigstens stillschweigend dieses gegensatzes sich bewust blieb, mm
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 15
Icommen auch in der glosa zwei irische Übersetzungen vor: villeicht
waren es ursprünglich mehr , loenigstens kennt ® 2 noch fcot. ne-
. mau (Hattemer 1, 272'). es ist erklärlich dafs sie bald schwanden
und dafs daher die hs. W'^ deren gll. der schrift nach gewis noch
dem 9 jh. angehören und die Jiur loorte der glosa — darunter be-
reits eins (10) falsch bezogen — enthält, keine der irischen Über-
setzungen mehr aufführt, die einzige hs. welche aufser @ 2 eine
irische vokabel unter die int erlinear glossen aufgenommen hat, ist
M^ 1892. waren aber die irischen loorte geschwunden ., so verlor
auch die bezeichnung t'rancice ihren sinn, daher erscheint denn
diese angäbe nur noch ganz sporadisch in dieser oder jener hs. der
glosa (in G sogar das eine mal misverständlich als f); und allein
dem conservativismus oder der Stupidität der Schreiber ist es zu
danken wenn das f noch in C 329 über rihlichen, wo es in seiner
Vereinsamung sich sonderbar genug ausnimmt, uns erhalten ist.
aufser den beiden hier aufgeführten momenten sehe ich aber keinen
anhaltspunkt zur aufhellnng der geschichte der deutschen worte in
der glosa.
Aber noch eine frage erwartet uns: nach welchem lokale müfsen
wir die entstekung des deutschen teiles der glosa verlegen? leider
haben wir es mit verhältnismä/'sig sehr jungen auf Zeichnungen zu
tun: dies beweist zb. das fehlen des h vor viierbo, viierbile (L^S
177 P382), ivährend doch ßi das ja eine lange entwickelung zwi-
schen sich und der glosa vorausetzt, noch zwei li kennt, zu einer
sicheren entscheidung läfst sich daher auch diese frage nicht führen
und ich kann nur einige momente namhaft machen welchen zusam-
mengenommen eine relative beweiskraft nicht abgesprochen werden
kann, nicht mir die deutschen worte der glosa sind nämlich den
uns erhaltenen Prudentiusglossen gemeinsam, sondern noch eine zahl-
reiche menge anderer, wir werden letztere also einer entwickelung
zuerteilen welche sich an eine hs. die den deutschen teil der glosa
enthielt, anlehnte, und von dieser zweiten stufe zweigten sich einer-
seits die bairischen hss. ab, andererseits die alemanischen und nider-
rheinischen die %oir teils oben besprochen haben teils noch erwähnen
werden, beide klassen unterscheiden sich sowol durch grofse partien
von einer jeden eigentümlichen Worten als auch zuweilen durch ver-
schiedene glossierung derselben stellen, da aber glossen in ungleich
höherem grade als fortlaufende texte Schädigungen durch ausla/'sung,
änderung oder vertauschung mit anderen Worten preisgegeben sind,
16 GLOSSEN Zu PRUDENTIUS
ja gerade recht alter bestand am ersten späteren Schreibern zum
Opfer fiel, so darf weder die tatsache dafs eine zweite gemeinsame
stufe der späteren entwickelung voransgieng, so aufgefafst werden-
als ob alle tcorte derselben in allen hss. erhalten seien, noch auch
ist es angesichts der Kärglichen reste die den verlorenen reichtum
wol ahnen laßen, nimmer aber ihn ersetzen können, möglich die
geschichte der überlief erung mit annähernd so scharfen zu gen zu
zeichnen, wie dies methodischer forschung für schriftstellerische er-
zeugnisse gelingt, es wird somit nicht wunder nehmen wenn durch
die auffindung weiterer glossierter hss. die zahl jener sonderausdrücke
hin und wider abnimmt, so zb. hat D einige worte mit M^ oder
andern bairischen hss. gemein die sich in keiner alemannischen hs.
vorfinden, nichtsdestoweniger nötigt aber eine reihe anderer glossen
die sonst nur alemannischen hss. angehören, sie diesen zuzurechnen.
Die alten formen auf die D und zum teile ßi schließen laßen
zwingen uns die glosa und die sich an sie anreihende zweite stufe
in die erste hälfte des neunten jhs. zu verlegen, wir stehen also vor
der frage: ist die glosa in Baiem entstanden und ist von dort aus
eine hs. in sehr früher zeit nach Alemannien gekommen oder ist
die entwickelung umgekeLrt? nun deutet alles darauf hin dafs die
ursprüngliche form der vorsatzparlikel in der glosa ki toar. da-
gegen sahen wir daß in den bairischen hss. die sämmtlich auf ein
gar nicht loeit zurückligendes original wiesen, neben vielen ki auch
eine reihe ga auftraten, und nur in bairischen: denn auf das eine
anagatau in (52 zu Laur. 290 ist bei dem sehr jungen charakter
dieser hs. kein gewicht zu legen, zwar sind bisher die gesetze des
wechseis zwischen ka ki ke ga gi ge nicht untersucht loorden, aber
(las ist sicher dafs in Ba'ern die älteste form der partikel ka und
ga lautete, wäre also die glosa in Baiern ursprünglich, so hätte
sie in der frühen zeit in die wir ihre entstehung zu setzen haben,
die Partikeln ka und ga führen müfsen: und da loäre es gewis
höchst sonderbar, wenn nicht nur sonst überall wo die vorsatzpar-
tikel der glosa in ungeschoächter gestalt erscheint, sondern selbst in
den bairischen hss. der glosa ki steht, während doch ka ga auch in
alten alemannischen quellen häufig genug ist. wir finden aber ka
ga nur bei solchen worten in den bairischen hss., die sich aus an-
dern Prudentiusgll. nicht nachweisen lafsen. hiernach würden diese
loorte der speciell bairischen entwickelung zuzuschreiben rmd die
entstehung der glosa aufserhalb Baierns, dh. in Alemannien zu
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 17
suchen sein, diese annähme dürfte durch den umstand bestätigt
werden dafs wir in Baiern nur einer reihe ganz nahe verwandter
hss. begegnen, ivdhrend in Älemannien die differenzen zwischen den
einzelnen vil bedeutender sitid und dadurch eine ungleich geglieder-
tere entwickelung vorausgesetzt toird. als ausgangspunkt wird am
ersten SGallen in betracht kommen: dort war die bezeichnung mit
f und fcot. besonders beliebt und in ® 2 fanden wir noch ein
drittes irisches wort, sollte so die tradition der zufolge Iso die glosa
abgefafst hat, ein körnchen Wahrheit enthalten ? für sie scheinen frei-
lich Weitz, der im indiculus inlerpretum {band 2) die erklärungen
als Isoüis magistri, vt creditur, giossse bezeichnet, und Goldast in
der vorrede zum manuale biblicum (Frankfurt 1610) die ersten
zeugen zu sein.
Noch auf einen umstand möchte ich hinweisen, die der glosa
zu gründe ligende hs. bot Hamartig. 401 die falsche lesart inde
cameiia foro lalrat facuiidia loto und glossierte dies camena durch
poetica 1 canina. 1 canina ist aber keine erklärung sondern die
lesart welche sämmtliche bei Dressel aufgeführte hss. und auch
sämmtliche die ich gesehen habe im texte geben, so auch P: trotz-
dem glossiert es canina durch poetica -1 canina. dies war doch zu
unsinnig als dafs es alle andern hss. hätten beihehalten sollen: aber
poetica das zu canina gar nicht, nur zu camena passt, blieb, so
lautet die gl. in E und D (vgl. s. 18); bei den andern hss. habe
ich versäumt mir die erklärung zu notieren, es gab also genug
Prudentiushss. in Deutschland die aus andern quellen abgeleitet loa-
ren als die hs. welche der glosa voilag; aber die glosa selbst wurde
überallhin aus dieser einen hs. direkt oder indirekt übernommen,
diese tatsache wirft denn auch ein licht auf die geiois höchst merk-
würdige zusamtnenh äugende entwickelung welche loir in allen deut-
schen Prudentiusglossen wahrnehmen, nicht nach ihnen war das
verlangen so gro/'s dafs man sie wider und wider abschrieb, sondern
nach dem lateinischen kommentar welcher rasch zu ansehen gekom-
men und in vilen klöstern den wünsch, ihn abschriftlich zu be-
sitzen, erregt zu haben scheint, aber schon damals als die erste
kopie genommen wurde, war die anzahl der deutschen glossen eine
bedeutende : als integrierender ^ bestandteil der lateinischen erklärun-
' So fehlen in B' «?//' öl. 4" bis 28" Ufid in P att/' Ol. 57//' die deut-
schen gll., weil an diesen sielten die laleinischen erklärungen mangehi.
Z. f. D. A. neue folse IV. 2
18 GLOSSEN ZU PRUDEPsTIUS
gen mit diesen zusammen abgeschrieben louchsen sie weiter unter
der hand eifriger leser.
Von den bisher noch nicht besprochenen hss. ist nur D eticas
eingehender zu behandeln, auf den ersten blick fällt der unter-
schied zwischen den fränkischen bestandteilen im anfange und den
sächsischen im späteren verlaufe der gll. in die äugen, und diese
differenz tiHtt auch in der schrift hervor, mit ausnähme ganz
weniger woi^te sind die gll. 1 bis 90 von einer feinen hand ge-
schrieben, ebenso J78 bis 190; von anderer aber auch zierlicher
rühren eine reihe glossen zwischen diesen beiden komplexen her, der
ganze rest dagegen von mehreren kräftigen, jedoch unschönen händen.
die fränkische partie kennt fast kein t statt z U7id hat noch eine
reihe ch aus der oberdeutschen urquelle geivahrt, ja sogar ein ki
der glosa (kifcalcten 81). h im anlaute vor konsonanten ist bereits
abgefallen (uuaffero 56, denn hriitan 6 und hripo 73 sind von
andern händen). dafs dieser teil abgeschrieben ist beweisen mis-
versiändliche beziehungen sowol deutscher loorte wie adüzufti 52 auf
Spiritus statt auf Üain, harun 62 auf setas statt auf villis v. 153,
fcuzilon 166 auf fercula statt auf lancibus, als lateinischer — zb,
steht bl. 23* fraus coniugii über obtrectatio statt über adulterium
und poelica über facundia statt über canina {Hamartigenie 397 und
401) — , ferner unsinnige fehler wie def&mo 184 und endlich das
krasse verkennen eines dem Schreiber wol ungeläufigen weil ober-
deutschen Wortes, es findet sich nämlich bl. 17'' (Apoth. 817) über
taljentibus zuerst die glosse putrescentib ; und darüber .i. male-
uiuentib; 1 deficientibus. dies wunderbare maleuiuentibus ist aus
moleimenten entstellt, der eine der Schreiber dieses fränkischen teils
hat endlich auf bl. 15'' wo hinter Finit apotheosis contra Judaeos
(v. 551) einiger räum geblieben war, eine reihe lateinischer worte
verzeichnet, deren 15 erste den hymnen und der Apotheosis bis v. 472
angehören und die ich hier genau nach der hs. mitteilen will weil
mir princip und zweck ihrer answahl nicht verständlich ist.
Mcsalia
afflare
cymbia
eboimm
lanugo
actutum
slrofium
chelis
sichofaiita
confestim
gnosium
energima
dia
mcandrum
chyllenius
marcida
gelonus
qualis
hecaten
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS 19
Die hanptpar^ti'e der glossen von D ist aber altsächstsch. wir
finden dort h vor konsonanten bis auf ivenige fälle (214. 395. 400.
425. 461. 486. 578) noch erhalten, zuweilen auch unorganisch vor-
geschlagen (135 neben 753 und liimari? 146). für die genauere
feststellimg des dialektes kommen hauptsächlich die formen des diph-
thongen iu in betracht, in entspricht dem gleichen gotischen laute,
seine brechung ist ia (87. 137. 148. 300. 330. 342. 394. 510. 514.
749). aber noch andere ia kommen vor: 1) für e in loorten die
aus dem lateinischen entlehnt sind: fpiagal 725 : daneben ist jedoch
6 geblieben in preftera 685, gibreuid 798. 826. 2) = ahd. ei
as. 6: kiafiir, kiafarlicara, iiiiaganliafa 299. 492. 708: dafür findet
sich ie in fkiethiinga 700 und hierher gehört das ie das für e in
kierta 657, bikiert 666 auftritt. 3) doch nicht nur für langes e
sondern auch für kurzes gebrochenes erscheint ia: giliaha 695 und
für umgelautetes ie: kieuil' 210, kierzivn 566. — dagegen begegnet
e in den praeteritis reduplicierender verba (347. 661) iind für iu
in vuemanthivn 324. 371 sowie in dem zweifelliaflen gemcddan
377 == gimietteii. loenn somit der dialekt gestattete lange und
kurze e dergestalt zu diphthongisieren dafs bei folgendem a ia, bei
folgendem i oder u ie eintrat, so müste bei kiafur ein fehler für
kiafai- oder kiefiir vorliegen, völlige konsequenz herscht nicht und
es ist nicht einzusehen, tveshalb nicht auch priaftera und vuiaman-
Ihiiin geschrieben wurde, wenn dies nicht seinen grund in der ver-
schiedenen person des glossators hatte, von sonstigen dialektischen
besonderheiten wären noch g für w (363. 524. 692) , h für f
(krahl 113. 556, tbrubtigcno 610), ?i für gebrochenes e (411. 576)
und e für a (geuuede 655) hervorzuheben, am nächsten steht der
mundart nach die homilie Bedas {MSD LXX), und ivenn diese nach
Essen gehört so ivird unser denkmal aus dem nahen Werden stammen.
(las hd. original klingt übrigens noch durch in liicik 375 , flacun
822; und so ist wol der fehler rokagun 261 aus rocaguii für
rozagun .zu erklären [wäre vielleicht auch kip 549 aus dem an-
fange des lateinischen cippus ähnlich entstellt?), darauf tveisen femer
das cb in facberi 651, das u für uo in tanrtutblia 373 ^rnd der
nom. pl. preftera 685 Am.
P2 und F stehen unter einander in näherer Verbindung, sie
gehören zwar im allgemeinen der alemannischen klasse an, scheinen
aber xoenigstens in der p. Vincendi und Laurentii auch eine hs. der
bairischen reihe benutzt zu haben, die glosa hat nämlich im laufe
2*
20 GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
der zeit znsätze erhalten, während also die ursprüngliche fa/sung
auleis Vinc. 366 nur durch cortinis übersetzte, ist später dafür
eine anmerkung folgendes Inhaltes eingetreten: aiilea proprie ab
aula attali regis dicta. ich erinnere mich nun zwar nicht ob diese
noie nur in bairischen hss. sich befindet, das aber ist sicher daß
nur in diesen die Übersetzung umbihancha (fast immer mit ch)
und zwar hinter dem worte proprie — D mit seiner glosse iimbi-
liaugon 512 ist daher unabhängig — widerkehrt, so begegnet umbi-
hancha, umbihanga auch in FP^ und dieser umstand sowie die
Wahrnehmung zahlreicher sonst nur in den bairischen hss. auftreten-
der gll. dürften die vorhin ausgesprochene Vermutung rechtfertigen,
von den andern hss. gehört nur 9? 2 zur bairischen Masse , zur
alemannischen dagegen Q. 1 welches zwar vil ihm eigentümliche
Worte aufweist, im ganzen aber zu (5 2 stimmt, ähnlich verhält es
sich mit dl^. (5 und (B 2 sind abschriften eines Originals : in jeder
wurden worte des alten beslandes ausgelafsen — so fehlen zb. in
® 2 oblita biklenan, lolio raden, mento chinne, vitricus ftiffader,
in (5 calculus merigrioz, scutulis fkibabten, baga rahchinza, cou-
lus flanga — und Jede ist sehr fehlerhaft, auch sie sind zur
(demannischen reihe zu rechnen, ö dagegen enthält neben zahl-
reichen ihm eigentümlichen glossen kaum andere als welche in der
glosa oder der zweiten stufe vorkommen: und aus dieser letzteren
möchte ich es direkt ableiten, allein mit S teilt (S 4 die glosse
uuildero ingangida und beide werden daher wol in einem engeren
verbände stehen, doch läfst sich, da (54 nur 9 gll. enthält, genaueres
nicht feststellen, auch (5 3 und ® 3 toerden dieser stufe zuzurechnen
sein ; dagegen ist ® 1 durchaus nicht, wie Hattemer meint, eine ab-
schrift von ® 2 mit vermehrten glossen, sondern nur verwandt.
"^ ist die einzige, wie es scheint von der alten tradition un-
abhängige hs. L2M''9?1 aber vermag ich nicht zu fixieren, teils
ihres geringen umfangs teils ihrer späten zeit halber, sie gehören
jedoch auch in die ganze entwickelungsreihe und setzen die glosa
voraus. äP ist aus einer andern hs. abgeschrieben, denn die über
nuntia latititia übergeschriebene glosse encrgia i. vvotu 27 gehört
nicht zu diesem worte sondern zu energima der nächsten zeile.
übrigens scheinen die gll. von M^ einige Verwandtschaft mit ^l^ zu
verraten.
Die reihenfolge der glossen in dieser ausgäbe entspricht ihrer
Zusammengehörigkeit, auf die hss. ivelche die glosa enthalten
I. II. AUS WOLFENBÜTTEL, LONDON UND SALZBURG 21
(I — IV) folgt zuerst die bairische (V — VIII), sodann die alemannische
(IX — XII) Masse, endlich die beiden nicht fest bestimmbaren L-M^
(SAU. XIV). im übrigen habe ich nur noch zu bemerken dafs runde
einklammerung eines lateinischen ivortes anzeigt dafs die dazu ge-
hörige glosse am rande steht: in W2 ivo dies bei allen der fall ist,
wurde denen welchen das verweisungszeichen fehlte noch ein stern
beigefügt, steht hei einer glosse ein wort übergeschrieben, eins am
rande, so ist dies durch klammern vor dem zweiten angedeutet,
bei M^ ist Graff in dem falle citiert worden wenn entweder die
glosse ziemlich selten oder von ihm verbefsert war.
Ich hoffe die Untersuchung so weit geführt zu haben als es mit
einiger Sicherheit bei dem mangelhaften materiale das ich benutzen
konnte möglich war. abgeschlofsen und nach allen Seiten hin gleich-
mäfsig sicher ist sie nicht und kann sie nicht sein so lange nicht
sämmtliche hss. ausgebeutet werden, es ivürde mir aber lieb sein
wenn ich gezeigt hätte dafs auch das geringfügige der beachtung
wert ist und wenn ich dadurch erreichte dafs künftig glossen nicht
mehr mit der üblichen leichtfertigkeit veröffentlicht ivürden.
ST.
L WOLFENBÜTTELER GLOSSEN.
APOTHEOSIS. 140. (plagis) maculis. mafcon.
609. [lö**] (lancibus) fcuzilon.* t^^"^
Mgai 216. (lappas) clethon. [35^]
725. (rudere) mina.i.ari.z. [20^] ^^^' (sutilibus) giriganeii.
817. (tabentibiis) molouuenten. ^71. (concariim)merigreoz. [Sö"^] 10
822. (oblita) bicienan. [21'] ^^^- (scutulis) scutulatis uestibus
5 860. (uola) fuft.* [32'"] •*• fci^aliten.
297. (piiluere)miiscus .i. bifanio.
HAMARTIGENIA. [40'']
114. (medicans) infundeiis. lub- 539. (medicata) gihibbiv. [49"]
bonti. [32'^] phasides aues .i. felihuanir.
IL LONDONER UND SALZBURGER GLOSSEN.
PRAEFATIO. H. A. CIHUM.
8. [3'']toga,indetügalusrprah- 18. seria ornunbaniii. [8']
man. L [T] 29. strophio houpilpant.
^2
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
42. pedicis ftricli.
5 maculis mafcun.^ [9"]
74. thimo binifuga. [10"]
148. discidiiim zurfliz. [13']
H. P. CIBUM.
30. congeriem uberchollun.
[151
H. A. INC. LUCERNAE.
20. stuppa, fimale täht. [16']
10 52. calamis ceiuiin. [20'']
H. A. SOMNUM.
140. (prestigiator) prestigium
kalfter.
H. JEJUNANTIUM.
9. aruina fpint.^ [23"]
119. oftam pifcun.^ L
120. palatiim chiimu.^ [28"]
H. 0. HORAE.
15 1. clioreis chorrangun. [32"]
H. AD EXEQLIAS DEF.
141. cariosa uurmalig. [37"]
P. CALAGURR.
47. forum marcat. S
P. VINCENTII.
1 1 6. palpitet fprat. [39^]
230. chauterem polz. prant. [40"]
20 366. (aiileis) aulea urabihancha.
[431
552. stipitcm Itoch. [44"]
P. LAURENTU.
101. aureos mancufa. I [451
140. lucri fkazzef. [45"]
208.
insolescat miffeimon&.[46"]
282.
(mucculentis) muccus roz. 25
[491
480.
pessulos floz. [49"]
550.
civicam leibfl. L [55"]
P. HIPPOLYTI.
218. maiestate heri. [661
P. AGNETIS.
42. uerendiim[locum] fcamilina.
[671
76. calentia [uota] heiza. [78"] 30
P. CASSIANI.
46. feile abii°fte. L abunfte. S
48. relisÄ [fronte] ferch°ufite-
mo. L ferdmufitemo. S
[801
101. perceuseo zalta.
105. successibus thiefmon. [80"]
P. ROMANI.
10. palpitet zabat. [811 35
28. immoratur [dentibus] zanot.
[81"]
52. heros gomo. [82"]
94. Inas tholef. [831
111. (apparitores) inknehta. L
inkuetha. S
(snggernnt) unterzalton. 40
114. noxialem marterlicben.
117. (exlnberet) tuber mafar,[841
156. (essedo) bastcrnuni fampoh.
[84"]
166. miseret arparmet. S
\11. supinns ufcbaffenter. [851 45
4 dh. ftiicheii 13 = pifzun, pizzun 18 dli. fpratalo 27 auf
einer grüfseren rasuv. das wort ist wol ein zusammengez,ogenes adj. zu
leigo vgl. leiihhiu Gr. 2, 152 35 dh. zabalo
IL AUS LONDON UND SALZBURG
23
190.
212.
221.
239.
50 242.
253.
264.
266.
284.
55 303.
333.
334.
335.
356.
60 383.
407.
467.
490.
495.
65 499.
500.
553.
557.
582.
'0 606.
810.
846.
863.
918.
75 993.
1058.
licentiä urloube. [85'']
indigiiabitur zuriiit. [86^]
pulpita lectar. S
fusos fpinilum. L
fistularum fuegolouo. L
[86"] fuegulono. S
promiscue gilicho.
sarculatis gihouuuoten.
forma pilidi. [87"]
liquore crispo reidemo gi-
giizze. L [87''] reidemo
gigozze. S
circulator rizari. [88'']
subiugales zamiu.
frutecta chrutir.
uernaut cruonant. [89^]
pudorem cliufki. [89'']
offellis praton. [91"]
[post] euolutos irliteneu. S
catasta harfa. [92"]
cauteribus polziin.
artbesis balfuth. [92'']
uisciis platra.
scalpella fcrotifarn. [93"]
follibus uiiangun.
cliaraxat chrazzot. [94'']
occalkiit arharl&a. [95^]
congressa est iugagangi-
giench. [99"]
edacitas azzilini. [100"]
pyram roft. [lOr]
torres prcnti. [102"]
abdomina anpanta. [104^]
strepat cberre. (105"]
crudüs zabe. [106']
1067. inguine gimabhe.
1078. igniueriut kibeiztin.[108'']
H. Vlll. KAL. JAN.
67. syrtium faiito. [112^]
EPILOGUS.
18. parapsis fulzuaz. [119'] SO
APOTHEOSEOS PRAEF.
7. competa auvicki. [119"]
27. tenaces zacha. [134"]
APOTHEOSIS.
579. coruscantisci^rif.-I[135"]
635. specimeii fimtrunga.[136']
663. uerrunt kerrent. [137"] 85
720. gemit quirit. L [146"]
HAMARTIGENIAE PRAEF.
6. certante ilegomo. [153"]
HAMARTIGENIA.
230. medicante keluppotem. S
233. cicutas fcerilinga. [154']
268. sutilibus giriganeii.[155'] 90
296. peregrino puluere, miscus
bifamo. L [156'']
368. 0 pbasidcs au es .i. fefi ho-
ner. L [158"]
442. frangere arfkeiiian.^[159''l
501. statione heripgo.^Z [160"]
heripergo. S
533. noii eqiie nobfama.'' 95
541. excussa uzulazzaniu.^ L
[163"] uzulozzaniu. S
666. resoluit inbintit. (166']
771. remissum kilazzen. [166'']
83 das geschwäazle e scheint gesetzt zu sein damit das worl nicht
zierif gelesen loürde. es ist mir ztueifelhaft wovon ich es ableiten soll, oh
von er erz oder era. Jedes/ulls ivird c als k zu fafsen sein
24
GLOSSEN ZU PRUDENTIÜS
796. ditibiis rihlihen. [168"]
100 853. oblectat locliot. [168"^]
874. pupula affol. [173^]
PSYCHOMACHIAE PRAEF.
33. boiis lialft..ihin. L [178'^]
halftruliin. S
237.
254.
105 312
314.
316.
324.
110
325
335.
339.
115 358,
359.
367.
370.
377.
120 414
426.
433.
435.
125 439,
PSYCHOMAGHFA.
tepefacta vualacbin. L [\ 79']
ATialacbiu. S
temeraria, uelox alfraualii.
L [180''] fraiialiu. S
languida zartoutiv.
petulanter g&ilofo.
amoenas wnnifama.
mai'cida uvaragiv. [IST]
nemo feiiimn. S
stridula ruzente. S
ammento lazze. S
bratteolis blecbiin.
flexura felga.
electri ..nnafi laboref. L
[181"]
mitra caffa.
religamine gibente. [182']
cantharus fcala.
thoreumata fcafreita. S
crapula viiorac. [183']
uertigo [rotai'um] felga.
offas ballun. [183"]
nugatrix ni\T.
petulaiUia k&iL
sistro fuegalon.
pompa kuol.
441. iienustatis fconi.
444. uoluptatem zart.
448. crinalis acus fpinula.
redimicula iieftila.
449. fibiila nufea. [187'] 130
468. persultant mancblotun. 5
594. palpitat zabulot. [188']
633. exfibulat ingurta. S
635. priuata fimtr. S
636. coniicinum bcritrumpun. 135
[190"]
722. cloacis feltcangun. [191']
744. carbasa plabun. [193"]
852. pai'ietibus vuentin.
854. natiiio fippemo. L [197']
CONTRA SYM.M. I. PRAEF.
68. adolent zuntun. [226"] 140
CONTRA SYMMACHUM II.
456. tigillis fparriin. raiion. L
[228"] fparroii l rauon. S
519. petaso, iiirga clmlbif. L
534. axe cluioli. [229"]
564. successustbieffemon. [232"]
675. ludere fpiL [235"] 145
808. dana dacbna; den^ vocan-
tiir nobiles nordnianni.
viiaiidaliis vvinit.
bunus Imni. L
809. alamanmis fuab. [238']
pr^rogatiua fürdrunga. L 150
[238"]
aiiena turd. [239"]
122 gemeint ist iiimiilif = m\gü ode?' eine komposition dieses Wortes
123 rf//. kctilofi 131 iiiandilotun? 134 rf//. funlrigiu 142 cm cholpo?
145 d/i. fpilon. dai'or steht in S zrc v. 614 per vadimouia .i. vuadia, ^-e-
wis lateinisck 148 oder lateinischer plural 150, 1 m der prosa
vor V. 910.
IL AUS LONDON UND SALZBURG
25
943. granaria meifa. [24r]
1 002. improba vngimachigiv.
1008. fasciolis neftilim. [241'^]
155 1043. sentix dornahi. [253'']
1051. sollertia kida. S
GLOSA.
H. JEJUNANTIUM.
165. Papilla tuttili. [254']
P. LÄLRENTII.
254. prurit iuchit.
255. scalpit fcebit.
160 282. miicculentus a miicca .i.
roz. [255*']
P. ROMANI.
156. essedo. famboli. [256'J
APOTHEOSIS.
609. lancibiis fcuzzilun.
725. rudere, stercore. al minia
.i. aruz. [256'^]
817. tabentibus moluvuenten.
165 822. oblita bichlenaii. [256""]
HAMARTIGENIA.
230. medicans. infundens. liip-
ponti. i[257']
233. cicutas scot. bind, fcerniinc.
L
271. calculus albens. vnio. me-
rigreoz.
274. fuco. colore. kaiiikc.
170 289. scutulis. scululatis fcibali-
ten uestibus. [257*^]
539. medicata gilupbiv. [257"^]
796. ditibus ribliben. [258'']
PSYCHOMACHIAE PRAEF.
31. greges equariini ftuot. S
46. magalia loiiba 1 hulta. [259'J
11,
45
95
^16
138
151
187
188
191.
237.
254
260,
312,
314,
316.
318.
324
325.
331.
335.
339.
358,
PSYCHOMACHIA.
meliore manu kifuntero 175
benti. [260^]
suffundere [fumo] irdem-
phen. S
uortex vueruo. [260'*]
conto petit mit ftangun
gifuohta IIa.
conisa zilenti. [260^
missile fpirilin. 180
teretem. rotundum. i.
chnopf. [260']
limbus. i. foum.
madidis lupatis fuohlen
mindilon.
tepefacta vualacbiu, [261']
temeraria. uelox. al fraualiu. 185
uersuta opifex. i. abahiu
ftriunera.
languida. zardontiu.
petulanter. instabiliter ge-
tilofo.
amoenas vunnefama.
marcida uuaragiu. f. [261''] 190
lituos. i. lieridrumbun.
nemo fenuun. 5
stridula ruzente.
amento .i. lazze.
obliso. i. fuperato. al lebeia. 195
bratteolis pleclum.
nexura. i. felga. [261']
mitra cafplia.
156 l. kidaiic vgl. Diul. 2,354«
teretem in folge eines ivurinloches
181 in L feiilt die silbe ere von
195 zum folgenden bratteolis
26
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
359. religamiue gibeute.
200 367. cantliai-Qs. i. fcala. S
370. tore^mata fcafreita.
377. crapula vuorac. f.
414. uertigo. i. felga. [261'']
426. ofas ballun.
205 435. sistro fuegalou.
444. uoluptateni zart.
448. crinalis acus fpinula. 5
rcdimicula neftila.
449. fibula nufca.
monile geftile. f. [262'] 210
594. palpitat. zabulot.
633. exfibulat. ingurta. S
636. corüiciiium. i. heritrunbun.
I [262'']
722. cloaca feldganc. [263^]
CONTRA SYMMACHÜM I.
65. pessulus plochili. [263''] 215
259. uitricus ftiiifater.
III. GÖTTWEIHER GLOSSEN.
H. A. CIBUM.
29. [3''] strophio höbitpaut. [4"]
74. thimo binifuga. [4'']
148. discidium zurfliz. [5"]
H. P. CIBUM.
30. congeriem vberchoUen. [8^]
H. A. SOMNUM.
5 140. (praestigiator) praestigiura
kalfter. [1 r]
H. 0. HORAE.
1. choreis chorfangun. [14*]
H. A. EXEQUIAS DEF.
141. cariosa vurmazig. [21'']
P. LAURENTII.
140. lucri fcazzef. [22"]
258. (struinas) tumores chelch.
10 282. (mucculentis) muccus roz.
[24*]
480. pessulos floz.
GLOSULE.
H. JEJÜNANTIÜM.
165. papilla tuttili.
P. LAURENTII.
255. scalpit fkebit.
282. mucculentis a muca rotze.
P. ROMANI.
156. essedo. vehiculum gallica- 15
num .i. fambuh.
280. tirso ftanga.
906. rictu. ringo .i. zäunen ut
canis et grino.
H. VIII. KAL. JAN.
39. mancipatam .i. kifcalchta,
nianceps .i. fcalchmacho.
APOTHEOSIS.
343. surculus zuio.
725. rudere, stercore. aL mina. 20
.i. aruz.
210 f'ü7' gefteine
III. IV. AUS GÖTTWEIII UND PRAG
27
817. tabentibus mohi uuenden.
822. oblita biclcnaii.
HAftlARTIGENIA.
140. plagis mafcüu.
233. cicutas scöt bind fkerninc.
25 271. calculus albens. vnio meri-
greoz.
274. fuco. colore. keinke.
796. ditibus rihbben.
PSYCHOMACHIAE PRAEF.
46. magalia hutta louba.
PSYCHOMACHIA.
95. vortex werbo.
30 151. missile a mittendo dicitur.
al. fpirilin.
187. teretem chnopf.
191. raadidis lupatis .i, fuohten
mindilon.
237. tepefacta viiala cbiii.
254. temeraria al fraualiu.
35 314. petulanter. instabiliter. ge-
lilolo.
314. am(,'nas vunnefama.
318. lituos borindruiibun.
324. stridula ruzente.
325. amento ,i. lazze.
335. brateolis plechun. 40
339. flexura .i. flegai.
358. mitra cafla.
359. religamiue gllx-nti.
367. cantarus .i. fcala.
370. toreumata fcaffreta. 45
377. crapula vuorac. f.
414. uertigo felga.
435. sistro fiiegalon.
444. uoluptatem zart.
448. crinalis acus fpinula. 50
redimicula neftila.
449. libula niifca.
594. palpitat zabulot.
636. cornicinum beritrimbun.
722. cbloaca feldgaiic. 55
CONTRA SYMMACHUM I.
65. pessulus plocbili.
IV. PRAGER GLOSSEN.
PRAEFATIO.
7. [1'] crepitantibus preftan-
tan.
10. lasciua ketilofiu.
44. emicem vzuare. [l''J
H. AD GALLI CANTÜM.
28. stertere ruzan.
41. inuisa diu b'ida.
85. conuokilis kirigilolaii. [2^]
H. MATUTINUS.
6. percussa [solis spiculo]
pifcinaniu.
44. suspiraut agaleizunt. [2'']
71. ibeno baganpuocba.
75. eo usqiie iinzan an daz. 10
81. iuguen lancbo.
II. A. CIBUM.
10. capere niozan.
5 die gl. sieht übir uicinitas
28
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
14.
42
15
43.
48.
67.
70.
20 74
80.
107.
134.
25 22
51.
77.
102,
17.
30 18.
2t.
85.
89.
94.
35 101,
118,
123.
143
41
fauor fegan. [3^]
pedicis mit iiualzun.
maculis mit feitun, nezzun.
illita pifmizzaniu.
calamiim angiil.
latices lid.
calatho chasichara.
liquat kiulozit.
thymo pinipluoma. [3"^]
puniceos rota.
dedo argipo.
nefas fint. [4']
H. P. CIBUM.
tetrum chiirugo. [4*^]
rictibus mitkinungau.
inpotentis uilomahtigero.
constanter paldlicho. [5*]
H. A. INC. LLCERNAE.
testula chachala l fcripbi.
linteolo charza.
liquido [uertice] fmelzan-
tero. [5'^]
rapidis estibus mitrazalan
eppiingun.
loquacibus mit diozzantan.
uenia guoti.
uentiis kiuiiaido.
cinnama, cinuamomum cy-
nimin.
modulis iiuifan.
iiatatibus mit nidarfeigigan.
m
H. A. SOMNUM.
(sensus) finiia.
51. uibrans [lux] pifcinanti. [6*"] 40
94. recondit 1 tundit [iram]
authabat. [7"]
H. JEJUNANTIÜM.
93. motibus arpolganuffiu.
94. fragosos diozzanta.
95. tonantum donaruntero.
99. suspendit iram inthäbata 45
droa.
112. unia loz.
114. beluinis uifclihan.
119. offampallun. [8^
125. anbelus unehantai*.
estuantibus uuilluntan 1 50
undultantan.
133. inputans itauuizzantar.
157. reuulsä arloftar.
fibula nufkil.
158. sutiles kirigana.
160. inpeditus kihontar. 55
163. uagientium fcriantono.
167. sollers kiuuara.
173. sinistrum [oraculum] die-
apanun.
190. appetendis zi gigerunna.
[8"]
H. P. JE.TUNIUM.
8. palpas locchoft. 60
9. summissum [solem] nidar-
gachertiu.
rotat uuaripit.
42. inpexis mit ftrupantan. [9"]
5 1 . conpcnsant uuidir mezzunt.
24 aus iirti oder fiiiiia entstellt? vgl. M» 75 27 am rande ualde
potentis 35 gehUrl zu anlielitu 49 Pellers koiijekliir uuehantar \st
falsch 55 gl. fcdalus 58 /. apahuii 61 wo/ zu hora konstruiert
IV. AUS PRAG
29
H. 0. HORAE.
65 15. globo kifemina. [10*]
64. [aiirium] meatus lofunga.
[10"]
101. tepescere uuaraman.
102. glutino zahi.
H. A. EXEQUIAS DEF.
10. ortiis iiffaniTinft. [W]
70 26. graue fcadou. [11"]
118. suspendite authabat. [12"]
P. CALAGURR.
86. orarium oucfanun.
89. sequacem uolgalina. [13^]
P. VINCENTII.
41. commotior arpolganora.
75 60. extorque iizariuiint.
79. aucupes [salutis] uarara.
95. obtriidite piuuerafat.
98. lictores miizanara.
122. euiscerando Icurphaiito.
80 124. [lacertorum] toros dichi.
142. cicatrix mala. [14']
177. callum giruuil.
201. saucius argremitar.
217. serrata regula kkchrknnp-
Ibr rtbp.
85 230. cauterem lauit poIz nazta.
[14"]
252. diuaricatis kifcrettan.
259. acuminata kifpiztiu.
259. informia unimatlihiu.
271. stipitis dnibi.
280. nectar svzzi. 90
283. augustior herlihora. [15']
316. concauum cbemiiiatun.
377. coquebant crnmun. [15"]
446. niurices tupflcina. [16"]
457. sparteus pal'tiner. 95
(sparteus culleus) pale. päft.
[16"]
540. laureas figinOpfti.
560. nee inputet niuuiza. [18^]
P. LAURENTII.
190. rudera, hoe rudus. ris. i.
molt.
219. fragmenta pruhhi. loo
231. maneum iiuanheilo.
244. () dominum bertuom. [18"]
253. intemperans ungifluoma-
ger.
254. prurit iuebit, () Gniffit.
258. strumas eböluebö. 105
(strumas) tumores puilla.
264. [morl)o] regio gelaguut.
[19^]
325. austeritas larpbi. [20']
493. repens gabiu.
indoles ana uuan. [20"] 110
571. laetantelokebuntemo. [25"]
P. AGNETIS.
71. tener zartbbar. [27"]
86 oder kifcreitan 90 v hl in o hincinkon-i^-iert 96 die
glosse sieht am rande , darüber Puluiiiiar und darunter De sparto. die
sodann von Petlcrs aufgeführte gl. culleus fac steht nicht in der hs.
102 am rnnde bei diesem verse. dicht darunter steht ardens desidero
das sich auf feruens ambitu v. 249 auf der folgenden seile bezieht, viel-
leicht ist hertuom eine erklürung zu Hunc 237 oder Isluui 245 112 die
dann von Pellers aufgeführte glosse carpit rupil (P. Eulaliae 45 : iude
per inuia caipit itui) ist gewis lateinisch
30
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
P. FRUGTUOSI.
39. relinquant pigepan. [28'']
125. [sceleris] notam fiinta.
P. QUIRINI.
115 7. Illiricos macediifca. [30'']
P. ROMANI.
127. Stemmatis chunnizalo.
132. magistratus hertuom.
139. ampliatus kiu^'erdatar.
143. toge portun. [3r]
120 172. rigens parrantar.
182. amasioinim freidiio. [31^]
235. leno machari.
239. fusos fpinnila.
242. faunos alp.
125 243. aquatiles uuazzarlicha.
249. ineptias ratifciint.
253. promiscue zafamana.
258. ibis fcariia.
267. officinis fmittun.
130 274. limat [capillos] kiflihtit.
275. asperat ftrupit.
280. thyrso ftanga. [3 2']
295. conflatilis kigozzanar.
299. trulla chella.
135 beluis lapel.
315. superfluit iibar uuirdit.
324. pollet uualtifuot.
333. iumenta grozziu. [36^]
918. abdomina anbana. [39'']
H. EPIPHANIAE.
140 145. cautum [et statutum ius]
uafto. [40'']
PRAEF. PERIST.
26. obsoletum aruuortanaz.
ADAM ET EUA.
2. fraude imtriuo.
3. tinxit pifmeiz.
ABEL ET GAIN.
5. distante untarfceidimtemo.
[AV]
EX AQUA VINUM.
127. [iiasa] aqiiaria iiiiazzarlihiu. 145
128. defunditur kifcenchituuart.
APOTHEOSEOS PRAEF. I.
1. tria summa driu uuriftöm.
3. subsistit kiftet. [41*=]
APOTHEOSEOS PRAEF. II.
9. diuorcia duerahiu.
23. questionum ftrito. 150
24. syllogismos uarlpracha.
plectiles kiuuntana.
26. uersipelli astncie uuiluuar-
pigun hintarfkrenchi.
34. impingat anoftoza.
46. auenas tiirdi. 155
54. recrementum unchrut.
APOTHEOSIS.
1. relatii infago.
11. uiolenta tuendo [acies] har-
te fehantiu.
12. acumine feha. [42"]
94. [non] secant uirizant. 160
95. alapis orllegun.
135 das hinter lapel von Petters aufgeführte ?i^ti\t scheint allerdings
so in der hs. zu stehen : es ist aber darin nur Schreibfehler für a pede
vgl. gll. Isonis beluis uas pedium 137 der Schreiber wollte zuerst
uualtil'ut setzen 151 vor u ist eine rasur. vgl. 244. uuahfpracha würde
man erioarlcn 155 tiiidi steht über eiiuilas
IV. AUS PRAG
31
106. iierecunde fcamalinero= 464.
114. conspicuum oucfihanlihaz. 476.
134. intersecat untarfceidat. 480.
165 149. siipersticio gimeilheit. [42''] 481.
175. compendia gimachiu. 482.
198. acerram uuirouhfaz. 495.
216. cane rudo 1 fiuf. 520.
223. abiurare anfagan. 521.
170 236. orsa diefagun. [43^] 533.
243. diictii anzogan. 537.
260. tendere [gressiis] anacher- 548.
ran. 551.
272. decisus pifnitanar. 561.
280. (proditus [ignisj) dispensus 586.
kifpentotaz. 592.
175 293. [deiiotHs] cippo zemo fto- 594.
cha. [43''] 611.
315. genealogus chunnizalari. 617.
321. intellecta iiarnomaniu. 622.
322. fibras herzadra. 631.
333. (presso [amictii]) uurihan-
geiiemo. 652.
180 343. siirculiis zuuio. 666.
355. non sapis ni iiueftu. [44']
400. (energia) illusioneni, ima- 714.
ginationem topazunga.
407. spiras ringa. 720.
414. mit pifouita. 725.
185 439. Iripodas drilpici. 735.
452. consultor ratkepo. 756.
456. plantis lolun. [44"] 761.
464. insertato ingiftactcmo. 765.
reserabat fcrfta.
tracto uar ractemo. 190
pigrescat [pruna] pitrehana.
pateram partun.
elisa [dexträ] pipanantero.
flaiiiconiantiim ualafahfono.
(dolata) doIo...unde pari. 195
exciso kif'niteniii.
munimine uuarnungo. [45^]
tiimulant pigrabant.
captiua iingaiuialtigiu.
sortita antphalmntiu. 200
senesciint araltiint.
concretus kirunnanar.
uagire zuafpilun.
fastus iartati. [45'']
austro fundariuiint. 205
diriguit arftabata.
labitiir uuancta.
non cumulem [muneribus]
niera.
tendi kiepanad uerdon.
submersus ympafoiphit. 210
[461
inrundnnt [agmina se] fi-
daltun.
gemit qxbr.
rudere aruzi.
consummata uolauuahfaniv.
exequias uzleiti. [46''] 215
in speculum inl'couunga.
ßleba fcorna.
170 ^1. uciba 171 vcrinutlich f^ehört anzogan nl.i pari, praet. zum
vorhergehciidm separe. wpgcn an für ant i^gl 1(59, 226 178 gl. uenas
cordis 180 über oliiii 184 pifoufta steht allerdings über effera, aber
mir weil über xmi bereits obruit geschriebenwar 192 zu feirum i'. 484?
193 gl. tremula 195 das lat. wort zu part , nämlich dolatura, fehlt
214 i ist inileii an das n angehängt
32
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
7S2.
dissertator redinari.
87.
spicula corta.
240
801.
simulatio pilidunga.
88.
mentitos armezzana.
220 812.
(incomprensa) inconpre-
97.
examiua fuarama.
hensus uuito fili.
99.
semideis halpkotun. [50^
817.
tabeutibus molauautan.
124.
dialectica imarfpracha.
822.
oblita pichlenan. [47^]
137.
reuocat [laqiieos in üodum]
245
848.
sublidit [murmur] drultit.
af tarridat.
[481
144.
amfractibus cherun.
976.
mendum iugi, urdancha.
156.
infecit iiarata.
225 981.
refellit falfkat.
181.
inflrmare giuiiseihan. [50"]
1021.
adire anpbaban.
201.
micat lechazzat.
1034.
fabro, fabrili meiftarlihhe-
mo. [48"]
206.
siibuerso preside pifturzte-
mo heiriin.
250
1083.
inflictos anagatana.
218.
auenis turduii.
HAMARTIGENIAE PRAEF.
3. sistiint kant uurtunt.
230 14. parricidalem priiodarflec-
228.
242.
260.
271.
gemmantia pmahlichiu.
repagula pachefleda.
eliquat iilozit. [öV]
concharum merifcalano.
255
CU. [1i7 J
calculus perala.
HAMARTIGENIA.
277.
fortis agit uuechiu gipurt.
4.
insincera acies uiilutriu
feua.
289.
scutulis mit fkipun.
perfundere piuahan.
19.
dicione heirtuomo. [49'']
291.
stamine mit imarfa.
260
50.
distaus [niimen] kifceidan-
lihan.
294.
uersicoloriim miffauara-
uuero.
54.
coniurata fides gifuorauiu
302.
fotibus iiafcun.
triua.
315.
pigmeutato mit kipimim-
235 74.
agitiir gatripaii iiurdit.
totemo.
77.
ductu uarti.
316.
liric(^ fpilalihero.
82.
coniectare ratifcun.
324.
lass& gimouit. [51"]
265
83.
non intellecta unuar no-
mana.
368.
proscenia loupa.
(proscenia) atria fpilofteti.
85.
glaucomate prehau ougi.
[52-1
218 (he darauf von Peilers angefülirle gl. ulut; liiiii ist in ilireji
beiden teilen lateinisch 220 zu spatiuni v. 813 vgl. Gr. I. 71 226
über iledigiialur 231 feha? 232 zu apicum 252 zu prom Gra/f
3,300? 253 das ist pachef l'leda, rivi ripae. das a in fteda darf bei
einem bairisvlien de/ikmale nicht wunder nehmen, es ist für i eingetreten
vgl. M' Apolli. 710 conciliabula diiiclifleta
IV. AUS PRAG
33
426. rüdes unchunftiga.
428. mammoncam otaga.
270 433. limite reina.
439. ambitionis rihtuomaf.
442. frangere ärfkenan.
444. limat gnitifot.
463. penitusqiie ioh mittalo.
275 477. botrionis trupun. [52'']
488. arietat torrazzat.
492. per propugnaciila af tarden
pruftireirun.
501. stacione heripergo.
539. medicata giluppota. [53']
280 581. praesumere uzneman.
589. coitu mitsamautuuifti.[53'']
637. pellatia iugi, eloquentia.
669. iniiito undanchaf.
699. in subiecta indeii un tar
tanan.
285 702. nee exigo noh na iiergun.
[541
714. male fabris mit iibil liftigan.
715. illectam uarfcunta.
774. renutat uuidarota. [54'']
796. ditibus ribliban.
290 806. (auceps) uogalari.
836. fouentque iohfparant.
844. properanda zurganclicha.
852. postliminio beulen tuama.
[551
862. [flammarum] apices beizi.
295 892. expertüs anocbimdiga.
915. procinctum, paratum inga-
rauui. [55'']
300
305
951. damnos^ [uitae] funtigaf.
1611
PSYCHOMACHIA.
714. plaga marcha. [631
CONTRA SYMM. I. PRAEF.
19. luxuriam geili.
49. afflictos fiiara.
68. senio muodi. [63'']
CONTRA SYMMACHUM I.
1. egram aruuortana.
49. putandis zi fnidanda.
61. amatam m'iudila.
65. pessulus leichilo.
82. fidem [nebulonis] trugina.
88. experientia chleini.
117. transtris direrahpauc 1
duuerahftuolon.
efferbuit luialzta.
119. celebs iiuituo. [64'']
123. lasciuit fpilota.
125. defluit uloz.
130. chelindros hafala.
160. deprensa ariiaraniu. [ph"]
234. picus agalaftara. 315
258. pactam gimaliala.
259. vitricus ftiulTatar.
260. priuigni ftiuffun. [65"]
269. in anioribus in giluftun.
276. lieum lid. 320
331. ad Signa trionum za den
nordzeicbanun. [661
ii39. contiuuare [laborem] gafa-
mantfatun.
310
282 lu^i? 292 ^'Z. ccleritcr fugicuda 305 verschrieben für
plocchilo? 322 die belrachkung des Zusammenhanges , welcher dem
coiitinuare Ial)orem das sumcrc rcquiem gegcnübersiellt und ßr den erslcrcn
ausdruck die bedculung 'weiter fortschreilen' verlangt, /ührt zu der
Z. f. D. A. neue fokc IV. 3
34
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
354.
385.
325 387.
436.
482.
485.
490.
330 568.
578.
605.
608.
utcunque ettiuilo.
amphithoatralis dero fpili-
chiiii.
inferias ophar. [66'']
brattea pedalun. [67^]
exceptum hintarfkiftan.
pila tarti.
concreto mit giuiiahfene-
mo. [67']
emersisse iizzan pftan.
(quota pars) quaiita ut
uuia luzzic teil ift.
sensisse [inuniim] gaeinun.
siibsellia dincftiiala. [68'']
CONTRA SYMM. II. PRAEF.
36. pessum mergere nahpifou-
fan.
CONTRA SYMMAGHUM II.
335 pliira menagera.
24. aspera hantigi. [69']
31. diffisus miffitrimunter.
42. imitata [pictiira] piliduntaz.
* [69'']
120. conicit ratifcot.
340 157. addicat untar toa.
165. distantia untarfkeit. [70']
180. corrnmpitiir [aiiro] gim'etit
iiuirdit.
221. ortas anapurtiga.
231. ministeriis dionoft. [IV]
345 333. uiuacius giuuarar.
385. componere uiiidar mezzan.
[72"]
479. prescripto uarmeinido. [72'']
603. rhenus rin. [74']
800. liquitur fpringit.
iniindat rinnit. [77'] 350
GLOSA.
H. JEJUNANTIUM.
165. Papilla, tuttila. [77'']
P. VINCENTII.
396. carix. fahar.
P. LAÜRENTII.
254. prnrit .i. iiichit.
255. scalpit .i. fkebit.
258. striimas .i. tumores. puilla. 355
288. muciilentis a raucca .i. roz-
ze. [78"]
P. ROMANI.
280. tyrso. ftanga. [79']
906. rictu. ringo .i. zannen. ut
canis & ring.
H. VIII. KAL. JAN.
39. mancipatam .i. kifcarta.
manceps .i. fcalniacho.
[79"]
APOTHEOSIS.
343. surculus .i. zuiiio. [80'] 360
609. lancibus fkuzzilon.
725. rudere, stercore afenama.
aruz.
817. tabentibus. molimenden.
822. oblita bidenan. [80'']
annähme da/s das deutsche v>ort die beiden lateinischen loidergibt und
zusammengesetzt ist mit phadöa {Gr. 3, 326) 335 in der in den hss.
zwischen v. 6 und 7 eingeschobenen ^ prosa aus Synwiachus briefen
368 dahinter steht Abdomen, iiuenem de folliculo suis, ist das uuenefl?
362 /. al (dh. alii) miiiia 364 /. biclenan Petters
IV. V. AUS PRAG UND MÜNCHEN
35
HAMARTIGENIA.
365 140. plagis .i. mafcon. [81"]
233. cicutas. scot. bynd, fker-
ninc.
271. calculis. albens uiiio meri-
greoz.
274. fiico, colore. kainke.
538- medicato. toxato. gilubbiv.
[81"]
370 796. ditibus richlichen. f.
CONTRA SYMMACHUM. I.
65. pessuliis .i. pPchili. ser§.
[82"]
PSYCHOMACHIAE PRAEF.
31. greges a^quarum .i. ftuot.
33. bagis. baga halftuuinc. [83']
46. mappalia.loubatbutta.[83']
PSYGHOMAGHIA.
95. uortex. uuereuo.
116. conto .i. ftanga. [84^]
325. amento. lazze.
335. bratteolis. lebeleia.
339. flexura felga.
eloclri. qua(i labaref.
359. religamine .i. gibenti. [84'']
435. sistro. fuegalon 1 uuerbile.
449. moiiile. mlleiiie. f.
375
380
V. MÜNCHENER GLOSSEN.
10
PRAEFATIO.
3. [l''j rotat uuarbolot.
4. terminus umbiuare.
7. crepantibus praltantan.
10. lasciva proteruitas diu g&i-
lofa razaheit.
11. petulans [luxus] birtilofa.
12. IVdauit güionta.
14. pertinax eiiiftritigaz.
Studium ilunga.
20. euectum kafurdiroten. [2'
37. continuet geemmizzigoge.
42. deuoueat geheize.
44. emicem vzfare. [2'']
H. A. GALLI GANTUM.
18. segnibus tragan.
28. stertere rüzzan. [3"]
41. inuisa leidiu. 15
58. prolapsum [nefas] in fluf-
tiu. [3"]
89. friuola gebofiu.
H. A. MATUTINUM.
6. percussa [solis spiculo] pi-
fkinaniv, zatripaniv.
21. versuta liftiga, uuitheruuer-
diga.
callida uizufa, tumiga () bin- 20
tarfcrencha.
31. temperans mezigiu.
32. nugator gipofa.
34. ludicrum fpöt. [4']
39. miles togatus fprahman.
41. forensis dinlicb. 25
45. fenoris lehnes.
367 /. calculus. vo7i Peilers ist die gl. falsch bezogen worden 370
das von Petlers anfgepilirle fiilclira booz ist lat. vgl. den text v. 7SG 20
die drei glossen von ebensovil händen 22 /. gipofari ?nit Gr. 3, 216
3*
36
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
59.
71.
75.
30 81.
86.
94.
95.
35 8.
10.
14.
16.
18.
40 25,
45
32.
41.
42.
43.
44.
45.
46
47,
55 48,
49,
51,
50
fucis trukihetin.
ebeno haganpuocha.
eo usque unzin auandaz.
nutabat viuhta. [4'']
obsitum pifanganen.
in praeceps in gab tiuphi.
sinistris gressibus mit apa-
hen gengin.
H. A. CIBUM.
omniparens alfordoro.
irradia brichn.
capere [epulas] niozzan. [5']
fauor fegan, foUeift.
sapiant gi fmechan.
seria gibepi, gidiginiu.
fusus [liquor] quemana.
indigena bnbpxrtkgkv.
callidus [dolus] Ikftkgb.
inlaqueat pkfxkchkt.
pedicis mit uualzun.
dolus xnqxxft.
maculis ftricbint fnarchun.
illita pifmizziu.
glutine Ikmb.
vimina uuidabi.
seriem dkcbk.
impediunt pkhfftbnt.
fluctiuagos undirrigvn.
texta deigkprpltbuxn.
sinuosa nfzzk.
calamum angol 1 hfgknb.
acumine xxbffk.
ingenuas [opes] bdkllkchkx.
52. aristifer^ [segetis] cbprn-
fuorigef. [b^]
63. [holeris] coma giuafoti.
67. latices lid. 60
70. calatho chafichar.
74. liquat kivlozit.
tbimo pinipluomin.
78. tremefacta [arbor] gifcuttar.
79. deciduo dkchfmp. 65
pluit trprkt.
80. puniceos rptbn.
92. tremit fprbngxt.
97. cespite Ikmp.
107. dedo argipo. [6*] 70
112. illicit uarfcunta.
125. foedera gizumfti.
130. suspicit intl'izzit.
132. posteritas bftfr cbxmft.
135. crimina uirina. 75
143. jure fktp.
144. nee genialibus nph fpnnb
gkpxrtkgbn.
148. digladiabile discidium t'reif-
Ikb ..k...fcbft.
151. merita urebtigiu. [6""]
176. baustus unc. 80
amarus [baustus] du pittara.
178. vetitum [quid] fbrpptfnff.
182. liba impiz.
195. situ unnuatiibi, gilegini. [7']
H. P. CIBÜM.
13. vigemus fteromef. 85
22. tetrum chürugo.
30 vgl. 350 tmd D 11 35 die gl. ist sehr uiideutlicli. etwa \m\i{\'*
47 /. piCniizzaniii 56 hs. acumina 58 hs. aiistisen; 69 vielleicht
lateinisch 70 das o ist erloscheti 78 die punkte bezeichnen ve?'-
blastes. Gr. 3, 383 las noch fiantfcaft 80 die ersten buchstaben sind
erloschen, l. tiuiic 85 o ka7in auch e sein, das wort ist mir iinver-
stündlich
V. AUS MÜNCHEN
37
22.
23.
90 27.
30.
31.
34.
95 37.
41.
45.
51.
56.
100 57.
58.
105
61.
62.
65.
77.
93.
94.
110 96.
98.
102.
flagrat ftfnchkt. 5.
horror egkfp. 9.
estuante izzontero.
siiiu in varti, in dfrp kn- 12.
xxfrtkgk. 13.
ad congeriem zafeti. 14,
parcis fpnnb gklk^flkchbn.
expedita gklkhtkx. 15.
fouens ziohenter. 17.
tua praecluens potestas diu
din viloveritnv fturrin. 18.
f7"]
sub expolitä vntar vuaho
gipilidoteio. 19.
liaustibus lluntun.
rictibus mit ginungvn.
pastum fuöra. 20.
raptim gizalo.
forte oduüila. 21.
inemptas [dapes] iingk-
chpftku.
cesarie fable. 22.
grauem gkubzzptbn. 27.
canistris zeinun.
sensim fnkump. 28.
impotentis , ualde potentis 29.
dero uilomabtigun. [8']
metunt brnxnt. 32.
magis saporum gifmachera. 33.
orsa fagun. 37.
irroget irbiote.
constanter paldliho. 40.
H. A. INC. LUCERiNAE. 42.
borridum [cbaos] diudkcbb. 44.
innumero xnzblbbbftfmp.
ne nesciret daz ni uuiffi 115
funtar unolauifli.
genus gkflbbtk.
rore nbzzk.
pascimus nerin.
(facibus) maceriam nazzi.
scirpea pinizziniv. 120
viuax [flanima] qxfccbbr.
testula chacbala, fcirpi.
linteolo täbtb, charzae.
suggerit intbapat.
ebrio ginaztfmp. 125
piceam alimoniam pebbina
fuora.
fert pringkt.
stuppa vvericb.
calens \'uaramanta.
nectar vuabf. 130
liquido [uertice] fmelzan-
tero.
lacrimis trouf vuabfun. [8'']
agit faruabit, antrot.
emula [hix] daz pilidara.
lacero durcbklfmp. 135
arduam [originem] daz pe-
rabta.
conspicuo zorftcnio.
sentibus ftvdun.
sanguinis flbbtff.
inclyli dlTxrmbrkn. 140
[per| auia bxxkkkn.
mouerant furd;u' fbztxn.
micantior bfktbrfrl).
89 Graff" 4,\01i hat befscr hizzontoro 90 invvarti? 95 Graff
H, 20!) xüol aus richtiger konjectur viloberahtiu 110 es steht orsiis und
daneben a 119 in einer längeren anmerkung 132 trouf wird wol
verbal zu fafsen und zu slillal zu ziehen sein
38
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
145
50
51
52.
55
150
56
58.
60
155
61
64.
68.
48. clangere classicum plbfbn
hfrkhprn.
tuba hörn,
hie l'umiHhar.
spicula kifcoz.
gnosiis cr&tifcaii.
celeres hprfcb.
pr^tendunt vfrbhtxn.
tumidis giplatan.
draconibus fbnxn.
pelusiacis egyptiifcim.
fessa miidiu.
hostis dirus hfrb daz
grkmmb.
constans pirnantar. [9']
bifido zuifpaltigemo.
permeat durahfuori.
^quore vuazzari.
160 69. pubes menkgk.
decolor diumbffbvbrxxb,
fvarta.
73. turbine ...frf.
percita [agmina] klbgb,
75. confusa zafamanagiganga-
niu.
165 76. confluo fluzzigemo.
78. vaga fiümmantin.
79. nare fveparun.
satellitum rätgepano.
80. iustitium triste unfrolih för.
170 83. multimodis manacfaltigeu.
86. refluo in demo fluz.
89. jejuna [saxa] truchina.
89. loquacibus dkpzbntbn.
90. exundant vzquxUxn.
scatebris xxkxmkzzxngxn. 175
93. tristifico in [lacu] indfrp-
pkttbrxn.
95. sapiunt fmfcchbnt.
aspera dfk hbntbgxu.
98. illabens nkdarqufmbutk.
gelidä grandine fpnnb 180
chxplfmp gkxxktkrb.
densius dkcchpr.
101. ventus gkxxbkdb.
anhelitu zifamanaprungida,
givuagidi.
102. crassä [nube] dichfmp.
1 03. difflata gk. 185
104. Üuxerint gkfkldliltkn.
non reuolant dbnbnkflxgxn.
108. pascentes fxorxntb. [9*"]
111. mille [laboribus] fonua uu-
zblbhbftfn.
114. pinguia fxlitb. 190
(caltha) chle.
116. fonticulis fugacibus quec-
chbn vrfpringkn , fliv-
zante.
117. gracili chleinemo.
surculo zuokin, Initilinga.
118. cinnama cinnamin. 195
119. fönte vrfprkngb.
124. candidis reinan.
126. celebres vkik bgb.
feri^ fira.
161 /. rnkflb-. Gr. (i, 900 liest fuarza 162 der an fang des Wortes
ist erloschen, etwa unfte? 171 das weitere ist nnleserlich. e?itweder
fluzzigemo oder zu refluo in salo fluzze 185 die folgenden buchstaben
nicht lesbar, etwa gifamanota 186 /. gifidaltin 198 zwischen k und
k ist nur ein strich tmd zwischen k und b eine leere stelle. Graff liest
5,360 virataga
V. AUS MÜNCHEN
39
200 130. imbuit arfrencliit.
142. subfixa xntbrhbngbnb.
per laquearia aftbr dfngk-
mblkn.
143. de languidulis uonnaforgli-
chen, 0 mit nidarfeigan.
natatibiis gifuumfftin. [10*]
205 156. vnguine nbzzk.
164. texens fxprxntbr.
H. A. SOMNUM.
1. supreme ppbrxftp.
9. fluxit irgiencli.
10. quietis rfftk.
210 19. miseris dfnxxfnbgxn.
doloris Ifkdff.
25. pererrat arferit.
27. feriatuni [pectus] firvntvn,
rbftbntxn.
28. rigante fxpzbntfmp. [lO*"]
215 42. horror ftropalöt.
48. ambage racba.
51. uibrans, uuennentiu, pifci-
nanti.
66. perplexa xnffftkx.
72. resedit mfkftrotb.
220 73. [profunda] dknc. [11']
86. anceps [gladius] zuivaltaz,
zuiuuaffaz.
87. \1rimque iouuedarhalp.
88. ictum flbc.
94. retundit vuidarhap&.
225 102. extiiictor farniderari , ar-
dempfari, xpbrcbpparari.
103. furente xxinnkntkn.
110. prf;ferre gkxblgbii.
118. error krrbbfkt.
122. foiiere gkrkgklxn.
123. sinistrum [nihil] egi'lihef. 230
124. van^ die trxgklihxn.
128. (chrismate innouatum) gi-
firn. [11"]
136. fluctuare vuadalun.
138. portenta dfkxkrkxxkzzk, ui-
rivuizzi.
139. peruicaci xrchxftkgfrp. 235
140. astii xkzxfhfktk.
142. meandros chrQpi.
144. agitas gimuift.
149. fatiscens miiida.
150. recline gkrkgkiptbz. 240
H. JEJUNANTIUM.
8. domantur [uiscera] gylutrit
vuirdit.
aruina fpint.
obstrangulat^ [mentis] ir-
uurchtef.
9.
10.
11.
12.
13.
15,
19.
20.
22.
23.
24.
26.
28.
29.
34.
41.
43.
gula gitigi.
245
250
degener zagilicha.
sordens fxflchbntkv. [12
lepos gifprahhi.
disciplinani kiduinc.
tepescat flfxxb.
stertat ruzza.
detersa gifuparun.
excitato gkmxntkrbtfrp.
flatv atbmxngb.
observantia iaftun.
fragore chradama , prahle. 255
frequentiam emizigunga.
afflarct anagipliefi. [12'']
victus lipnara.
pressit nov.
218 /. unfeinftiu 232 gifirmotan? 248 hs. disciplina
40
GLOSSEN ZU PRUÜENTIUS
260
43.
cennio mit nidarfihtigeino.
125.
estuantibus uuilleiiten, un-
44.
perstrictiis gigruozter.
dultentan.
49.
flexiiosa mauacflahtig\ii.
126.
intactus ganzar.
dispendia pftunga.
127.
singultibiis vuorgahm.
53.
cliuosa die talafeigvn.
129.
pumices fteina. [14']
265
7S.
recocta aruuntaniii.
133.
imputans itauuizzentan.
295
79.
nietalli aruzzef.
134.
impendet analigit.
lux gliz.
138.
struem daz gihufodi.
80.
purgamine fintara.
139.
flagellis zuogilun.
81.
stemraa zierda.
mullinodi manac chnorz-
270
84.
fulmen droa.
zigef.
86.
insolenti iactantia unftftmi-
143.
heiu lautes uueuerhentiu.
300
gere rumifala.
148.
claucos fmaha.
pollebat guotifüta.
amictös garavui.
89.
bruto fastidio unfruotero
150.
fluentem [crinem] zotaranta.
vuegir., Mieigiri.
151.
recincta [veste] in curterao.
93.
rompheali [inceiidio] vua-
152.
textiles gavuepana.
305
fanlihhero.
153.
impexa ftrubentiu.
275
(inceudio) arpolganuffi.
154.
velamine hullitvocha.
94.
fragosas diozantim.
156.
aestuantem [laenam] flidan-
95.
tonantium tonareutero.
taz, lohazautaz.
96.
diecula tagadinc.
157.
reuulsa arlöftar. [\A^]
98.
condomare givueichau.
fd)ula uufkil.
310
280
99.
svspendit inthapata.
158.
sutiles girigina.
ictiiin droa.
160.
impeditus kihaftar.
100.
siibstitit iiihapata.
163.
vagientium fcriantero.
112.
vrna löz.
165.
papille tultili, tilli.
114.
beluinis vifclichan.
167.
sollers [curaj diu giuuara,
315
285 117.
ictiis chiiivnga.
giuuariv.
119.
offam palluu.
169.
stropeutis fpringentef.
123.
per latel)ras aftar den in-
170.
personaut pxllptxn.
vuertigun.
172.
oraculum pimeinida.
124.
recessus varti.
tortiles die giridanun.
173.
sinistrum [oraculum] apaha,
die freillicbun.
290 125.
anhelus fnehantar, imchant.
prona giuuiligiu.
320
273 l. uuegiri 284 vifclichan sieht ayfserdein noch einmal etwas
weiter unten am rande 290 /. uiiehanter 295 /. itauuizzentar
314 /. (iittili 318 i i^t an n an^ehänst
V. AUS MÜNCHEN
41
174,
183
188.
190
325 193
203,
204,
205.
330 207,
211
214
215
217,
335 218
2,
7.
9,
340 13,
17,
19.
23,
27
345 28
31
33
haud difficulter nalf uii-
gerno.
arta mit chreftiero.
vendicauit kivalcta. [15']
appetendis zigagerunna.
explorat brfpflipta.
aram dke invuertigi.
(aram) planiciem epanot.
excitat brmxntrkt.
egram [rubiginem] daz iin-
fiipara.
tabescunt fmelzant.
virtutis tvgundi.
sortis gipurti.
ducere machvn.
rapacem [dextram] girniga,
crifiga. [15"]
dulce factum guotat.
H. P. JEJUNIUM.
habenis zu km.
remisso dogmate mit antlaz-
gero lera.
palpas flihtift, ginerift, loc-
choft.
rotat \'uaripit.
vendicatä[dape] giualctamo.
fauor volluft.
lactat gifpana.
pexum [capitis lionorem]
die giflih...tv. [16"]
luteus [color] diu leitlicha.
pailor pleichi.
latentem farhelante.
residem [ovem] arzibvta.
38,
39,
42.
43,
46.
47.
51.
54
63.
74,
9,
14,
29,
31,
33
34,
36,
37
38,
exclusis giuzzotan.
aprico apirin.
vibrat viugit. 350
impexis vngiflihtan, stru-
pentaii, () strupantan.
germen vuahfunga.
sudibus mit vuaffm.
perarmat gitapffarit.
coma vuiphil. 355
gurgitem .rnol..
compensant uuirdarmez-
zunt. .
confectos gapalagatvn. [16"]
dominetur kium
vultu anafiuni. 360
H. 0. HORAE.
plectrum citerpfm.
(uelocitatem gizeli.)
per medullas altar den in-
mertigvn.
comminus giuuorramo.[17']
fossa [ponti] diu tiuphi. 365
[ex] ydria vuazzirfazin.
[membra] die.
ulcerosa miffamahchotvn.
putredines die villi,
turgidam die ziplaitvn. 370
sepulta lumina deiplitvn
ougvn.
orbibus oucringin. [17'']
tristibus freillichan.
vertat vmpicli6rta.
fundo ab imo fonna tiu-375
femo grvnla.
336 zwischen u vnd 1 sind melirerc hiichslahen verbhist. l. zugilun
343 Gl', gidilitv 356 das wort ist verwischt 358 nur ki ist sicher,
um undeutlich und das folgende ganz verblast 362 in einer längeren
anvierhung zu v. 1 371 G/-a/7" 3,251
42
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
40.
42.
49.
51.
380 53.
55.
57.
63.
64.
385 65.
72.
73.
390 74.
75.
76.
77.
78.
395 79.
82.
89.
92.
95
98
100
400
extimum [uestis] lecifti.
sistitur varftredit vuard.
summa dia opanentigi.
fatiscit [unda] zifloz.
efleratis griman.
milleformis manacflahtic.
lymphaticum vuotic. [18']
lacunam grvoba.
[aurium] meatus diu lofa.
t die lofunga , durah-
vartiga.
crassa obstacula die dicchi,
gaganftentida.
cadit ziviel.
cardo fcerdar.
cardo dissolubilis daz vn-
uuerfliha fkerdar.
tenax argiu.
obice pifparrida.
atrum fmftara.
antra dei hol.
stupentibus arquemantan.
tristia dia tvnchalun.
sordidus finftarar.
mens sonora du frvota gi-
vuizzi.
mobilem [linguam] chofili-
nun. [18"J
perusti [fellis] dero han-
tagvn.
versipelli mitbön chuftigero.
hortamine fpanunga.
insuesceret giuueniti.
demum zalazzuft.
fauillis moltvn.
101. frigidum pulverem die
chaltvn erda.
102. glutino vmpivengida. t mit 405
dero zahi. zahl.
103. post aftardef.
107. cluis vualtifoft. [19*]
112. lapsus [fluminum] runfti.
litorum ftedo,
crepidines vohaldi. 410
H. A. EXEQUIAS DEF.
11. feruens der heizo.
12. liquorem dia gifluzzida.
14. labefacta garpeitiv.
senescere arvuefanan.
15. compacta dei gizumftun. 415
16. dissona texta die vngilichvn
vuiftvnga. [19'']
26. graue captat fkadun gerot.
36. coUegia dia ginoz femi.
42. putrefacta [cadavera] arvu-
lata.
43. volucres in auras in dei 420
heitarun vuetar.
45. hinc danna.
49. nitentia chleiniu.
62. aggere huffin.
66. gemitum chlagvt. [20']
74. ciatos ftöphi. 425
83. mordax hantigaz.
amara medela diu hantigi
fellis, diu pittiri fellis.
94. redeunt irstent.
95. recalescens vuarmanta.
96. tabo vuarahga. 430
377 Graff 6, 742 405 das zweite zahi rührt von anderer hajid her
417 die beiden worle sitid von verschiedenen händen 427 fellis ist
lateinisch
V. AUS MÜNCHEN
43
97. color albidus vnfupara va-
rauua.
98. flore pliiomin.
100. tinguet fariuuit.
cute amoena mit uuola-
varauuero Iiilti.
435 102. carpet gizohcharut.
106. populatur gapalagal.
* anhelos fnehantvn.
108. luet arftvit.
111. gementem chlaguntaii.
440 1 12. mouerat machota.
dolores dei fer.
114. ululamina vuebrunga.
118. suspendite inthapet. [20'']
123. reddita gifkozzaniu.
445 141. cariosa vurmpeizigiu.
vetustas altoiim.
149. dum iinzi.
resolubile [corpus] den var-
uuortanun.
167. genitali gipurdihemo. [21']
P. GALA GURR.
450 6. hospes vuirht.
sanguinem pluoht.
7. tinctus ginaztar.
10. colonus lantfidilo.
12. patronos vpiUkftbrk. [21'']
455 23. dispendio ungiuuore.
25. decorum fconi.
probis toganlem,
26. languidis vueihhun.
30. scde [cordis] uon dero iu-
uucrtigi.
460 exilit uzuerit.
31. crudi hbrtkn.
32. [ad perenne] cingulum ra-
uui.
35. palliis vainin, luolihun.
38. fossis crupuii. [22^]
40. p oster OS bflfrcbpmkn. 465
44. bisulcas ungulas die zui-
vurhigun clu'ovuila, zui-
uuaffi craphun, zuiuuri-
cba.
46. bogishblftrxohkn, bougum,
halfdrucb.
47. exercet vuantalota.
56. [post] uim chrepbti.
[post] catastas röftan. 470
61. cyrographo gifcripe. [22'']
65. torques balfpouga.
66. stipendia vuora, heriftiura,
Ion.
68. infames zurliumuntigun.
69. ridenda die fpothaftun, 475
huonlihiu.
monstra trugidinc.
73. obsoleta arfcimpalatiu.
75. cartulas puoh.
86. orarium oucfanun. [23*]
88. liquentis lutrif. 480
89. sequacem volgalina.
92. obpalluit arpleicbata.
93. ictum flac.
96. relatos prungana.
98. rictu ginunga. 485
99. strangulant arvurigant.
101. spumoas die veimantun.
el'ilans uzplafantar.
saliuas fpeichellun.
449 Gr. gipuitlihemo
sein 467 /. lialf-
451 wh'd eine f(l. zu calentes iindas v. 7
44
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
490 101. torquens uuentantar.
102. expiandiis der dar ift ziga-
hitaranna.
questione url'uoche.
103. heiulatus flebiles chlaga-
licha \iieverimga.
104. flagra xkllbtb.
495 106. spurcum xnrfknkn.
110. imgue nagala. [23'']
113. algidiis chalto.
decoloros diemiffaiiarauun.
horror fcvtilöt.
500117. sospitant gigenzent.
alluit pifliuzit, nezit.
P. VINCENTII.
16. ferro mit vuaffi.
19. captator varari.
20. alludit mendilut.
505 25. as[sistile] zuo. [24']
33. praesint meiftrogen.
41. commotior arpolganora.
48. permouet viiigit, arplödit.
49. decretiim pimeinida.
510 56. exere giurumi.
60. extorque iizaruuint,
62. Stridens fulanta.
lammina bleh.
69. fabrili mann mit meiftar-
lichero, fmidihbero henti.
515 73. snmptuosa dei giziuchaftvn.
74. delnbra trvgidinc. [24'']
79. aucnpes piheftara, värara.
81. incitos gigruozta.
95. obtrndite pinncrfat.
520 96. iactet uuit nnerl'o.
98. raptim horfco.
98.
101.
102.
105.
107.
111.
112.
113.
116.
120.
122.
123.
124.
126.
131.
132.
138.
139.
140.
141.
142.
lictores vuizzinara.
pretorium phalanza.
connitiator challari, fcel-
tari.
contnmax zanuara hohvar- 525
tigar.
obteras varfmabist.
compago din givögida.
diuulsa zilochaniv.' *
membratim gilidilazlicho.
crepet ziprefta. 530
liinlcis vüitan, ginentem.
ictibns ftihin.
palpitet flagaza, fpratala.
ungula craffo.
eniscerando fknrphanto, 535
, [251
(nisnsqne anhelus) iob din
fnebanta einftritigi tor-
tornm. iob der ätamanto
fliz nincentii.
nisns cilnnga.
solnerat zilöfta.
toros dichi.
nnbilo vnvremi. 540
renidet lahhat.
tortore vnizinare.
par ginofapbt.
cobibete intliab&.
respiret gipolezze. 545
pre^sicca die pifangauun,
piraita.
ulcera vuntvn.
cicatrix mäfa.
coUigit giraphit, zifamana-
fahit.
514 fmidilihero? 525 isl das erslere wort als za uuara und als
verstärkunif des zweiten oder Übersetzung von ergo zu fafsen?
V. AUS MÜNCHEN
45
650 144.
diruet ziprehcha, ziftorre.
148.
age uuola.
carnifex uuizinari.
220.
150.
imos recessiis dei tiuphun
invuertigun, gitogini.
225.
151.
intersere instecchi.
555 152.
feruentes vzquellantiin.
226.
163.
fictile erdinaz.
227.
169.
lacesse gigruohi. [25'']
173.
stridentibus fufantan, ril-
228.
z im tan.
230.
174.
uncis cruoimilin.
560 177.
calliim fvil.
231.
178.
obstinatio hartifraza, ein-
ftritigi.
232.
179.
puhiinar gotopeiti.
243.
183.
praiium seminans unrehto
244.
rabchutiv.
249.
191.
interpretem [bnguam] döz-
zunta.
252.
565 198.
fuligo ruoz.
258.
199.
bitumen et mixtum pice
259.
vnta daz kimifta hon lim.
203. torquens [lumina] upiro-
her ront.
204. spunias feiuara.
spumas egerit vzveimti,
uzuuarf.
570 210. proripit furinam.
213. ad palestram za dero l'pili-
fteti.
217. serrata regula kkcbkrnnp-
tbr ftbp.
218. dente infrequenti mit ma-
2«1.
263,
264,
270
271,
280,
283,
284,
291
nagemo, fobemo zanda.
[261
uaporat doumta.
halitum ftanc. 575
crepante chrabbuntero.
aspergine gifprengida.
scintillat vfgneifta.
punctis tophin.
stridulis fufantan. 580
sparsim vparal.
cauterem polz, praut.
lauit nazta, tvpfta.
roris nazi.
immersa ingidübtiu. 585
liquitur ziflöz.
fornicis fuipogou.
clausuni invart.
baratrum belliloh.
it
diuaricatis zifcretan , ki- 590
fcranctan.
vngulis vuaffin.
acuminata kifpiztiu.
informia vnuuiUlichiu, un-
pilirt.
cubjle legar.
spiculis vuaffin. 595
insomne flaflofiz.
mucrone vuaffi. [26'']
fulgurat feein.
stipitis drübi.
nectar IVozi. 600
augustior berbch.
conpellat gigruozta.
exitv binauarti.
557 Gr. gigruozi 562 Gr. gotopetti 563 rahchütiv? 567 mit
Graff 4 , 986 das wort zu harjan zu bringen erlaubt der Zusammenhang
nicht; doch auch iipircherronter befriedigt nicht völlig 572 /. kkchrkn-
nptbr
46
GLOSSEN ZU PRUDEIVTIUS
303.
dissipatum ziviiorfanaz.[27'']
446.
scabri Ikivarobtun.
605 316.
conclaue chainara, daz pi-
murices tüpfteina.
640
lohchana.
447.
[inter] recessus scrupeos
concauiiui cheminatun,hol.
unfemftMi vartin.
319.
acies feha.
scrupeos fcarfa.
331.
pastum fuora.
448.
(viscera) gitougani.
338.
siilcos rizzi.
449.
strenue eruofthafto.
610 343.
tutamen pifcirmidi.
450.
pellere tripan.
645
348.
ianitor hiiotari.
453.
palustri e cespite von demo
356.
siti giridi.
mofalichin vuefin.
362.
lauacris padun. [27']
457.
sparteus paftinar. [28'']
366.
(aulaeis) aulea umbihanc.
459.
conuexus lapis zuogicbnuf-
615 368.
capessit ganavartota.
tar ftein.
378.
coquebant chrOmun.
460.
preceps gahar.
383.
euasit intran.
in altum tiuphi.
650
388.
[canibus] carpendum ciza-
nunni.
462.
rorante fprengantemo, na-
zemo.
396.
carices faharahi, femidahi.
palmulä ruodara.
620 401.
clangens ziiiziruntaz.
improbe vngainezzigo.
469.
funale textum feillicha gi-
chnuffida.
407.
sediilo agaleizo.
consent zafamanahafta, gi-
410.
infestus fariger. [28']
faminota.
415.
congredi giveblan.
471.
emeusus vilo arvaranar.
655
625 417.
malignum murmurans vue-
475.
que diu.
liho Aiiinfuntar. •
482.
dehiscere zigepan.
423.
spiculis uuaffin.
487.
quietis lapsibus ftillan var-
424.
figebat ftab.
tin, ruuftin.
428.
minor hintarero.
488.
ad curua litora za den ga-
430.
spiritum uuillim.
piugotan ftedin.
630 432.
frangit giuueichit.
489.
molaris ponderis dero 660
434.
immanitas hantigi.
cburnlicbun fuari.
438.
insana diu ungihepiga.
490.
spuma candens vuizo veim.
441.
aut semper iob iomcr.
innatat fueparo.
442.
incerta per ludibria aftar
494.
remeuso vuidarüuzzigemo.
vngauuiffan vartin.
498.
faselo fkiphil.
635 443.
feretur zivuorit uuirdit.
499.
preuolant vorafuumun.
665-
flatibus vuintin.
500.
sinum piugun.
445.
fragosis diozantvn.
503.
nisibus ilungun.
rupibus rdifvi).
506.
successus zuovard. [29"]
V. AUS MÜNCHEN
47
507. foiiens girigiluntar.
670 510. aggerem leo.
515. quietem debitain fculdiga
refti.
518. condita [ossa] pifolhana.
520. hauriunt nemunt.
524. proximum nahan.
675 529. sector fagari.
531. segmenta ftuchi.
535. raptam pellem apagivilta
hüt.
543. proteris uurtrati,
547. efficax frumiger.
680 552. stipitem fuozdruh. [29"]
560. nee imputet ni vuize, gi-
vuizza.
566. fauorem foUeift.
P. LAURENTII.
19. diruit zauuarf. [30']
40. pr^stantior herero, for-
droro.
685 41. claiistris flozun.
42. archanum die gitougini.
45. versat fordarota.
famem [peciiniae] gltigi.
48. exactor fuochari, () duen-
gil.
690 49. eruat üzarvunti.
54. exquirit eifcota.
57. conqueri ftouuan.
58. seuire vuotan.
60. cruente grimliclio.
695 62. motibus irpolgnuffifin.
63. afllagito llehon.
64
65
69,
77.
84,
86.
89.
90.
91.
94.
100.
104.
110.
112.
117.
126.
127.
131.
132.
134.
137.
140.
143.
150.
159.
162.
163.
165.
178.
obire ingantan.
orgiis ubtifangan.
scyfls chelichiin. [30'"]
predia eigen. 700
duices [liberos] livpiu.
malis prestigiis mit vpilan
goucalheitin.
usus publicus diu frona
giuuonaheit.
fiscus vronogeld, fonagafte.
aerarium trifachamara. 705
slipendiis herifturan.
suum daz iro.
(signatj vendicauit giualgit.
inanis italer.
marsupio fechili. 710
[nil] turbidum zorulichef.
annuit giiäzta, gihan'^ta.
tantum ebanlih. [31']
induciarum tagadingo.
quo fungar daz nioze. 715
efficatiös frador.
calculanda zigicellanne.
summula fcaz.
deuorat uirterchinet.
pepigere kidiggotun.
720
lucri fcazef.
stipem lipnara.
crure fcincbun.
penu cbellari.
uiritim cinbertvn, einazin. 725
locatos gillalta.
pr(;scriptus dies der fora-
gilegitotac. [31'']
sacratam ianuam vronotvri.
697 vgl. Schynellei'^ 926 704 die beziehung des zweiten worles das
von anderer hand herrührt ist mir nicht klar 719 Gr. uirtercliiueta
48
GLOSSEN Zu PRUDENTIUS
180.
inciilta [examina] vnvunni-
danfari.
fama, vnfanui.
254.
prurit chuzilot, iucchit.
730 181.
fragor der Pyföt.
255.
scalpit chrazzot, fkepit,
182.
horrescit arquani.
gnifit.
189.
ardenter gerohafto.
258.
striimas chelcha, putila.
190.
rudera molta, arizin.
259.
purulenta eitriga. [32'']
191.
metallis squalidis vnfupa-
264.
regio morbo gelafuhti, ge- 760
ran aruzzin.
laguud.
735 208.
insolescat turgida ungiftuo-
277.
suppetat gilagi.
migo arvueigara.
281.
pannis hadarun.
209.
disicit gapalagat. [32']
obsitos pachuzta.
215.
effectus erfcaffaner.
282.
muculentis rozzegen amuc-
216.
elumbe uirus viieihaz eitar.
ca roz.
217.
optio vueli.
284.
lippos fufouca. 765
740 219.
fragmenta pruhhi.
putri frat^ro.
221.
committe gaganmezzo.
299.
[gemmas] corusci [luminis]
pestium palavuo.
glizinuntaz.
222.
confer gaganmezzo.
301.
Sacra tas virgines nunnun.
227.
uenusti fconna.
305.
monile gifteini.
745 231.
mancum hantalamon, uuan-
309.
eccum fih nu. [33'] 770
heilo 0 uuanheilo.
317.
furcifer tv virfcurgo.
234.
iieste pulcha.
318.
strofas fkerna, chera.
239.
lucido ueneno mit offaii-
cauillo ganauinzode.
parero gitigi.
mimico mit fcernlihamo.
240.
tendit zidenit.
320.
saltas [fabulam] vvihbuft. 775
242.
in volam invüft.
fabulam fpel.
750 243
plicans faltenti.
321.
concinna gihelanu.
245.
foetida ftinchantiu.
urbanitas gizungali.
247.
cloacis mit unrennuffidun,
322.
[tractare nosmet] ludicris zi
fol'fatun.
fpilun.
248.
dum spurca mendicat [stu-
324.
acroama festiuum liutparaz 780
pra] in den /.•vnfuparvn
fkimpl', cilimpflih gichofi.
vitavuchut/; varleganin.
325.
austeritas farpbi, arendi.
249
ambilum rihtuom.
328
retundit nivuit.
755 253
intemperans ungiriuomiger,
329
oppetam gentvn.
729 />V/' vnvunniranui? 733 die zweite gl. wird 5;< metallis in dem
folg. V. gehören 736 von balawjan vgl. 358 und -130 758 l. puilla
765 /. furouca 781 Gr. 1, 427
V. AUS MÜNCHEN
49
330. uotiua [mors] pilipo.
785 335. compeudiosus exitus giuar-
famer enti.
339. inextricabilis unarrekinlih.
341. tepentes rehananta.
sternite fcuttet.
342. feriior ignitus nimis der
vparheizo prädain, () fili-
heizer.
790 343. contumacis honchuftigef.
occupet pitemma.
345. senescens [vapor] dreha-
iient.
348. semiustulati halp pruiina-
nef.
358. parant flizzun. [33'']
795 361. decore fcoiio.
362. fulgor fchimo.
366. decolor [plebs] aiitadaltaz,
miffigengigaz, vngilihhiu.
368. detorsit cherta.
378. situ unvuathlihi.
800 380. obducta farhelitiv.
darum zorfti.
381. plagp cheftigo.
in modum ziuvuif.
389. sensus inphuntnuffi.
805 390. aurä ftancha.
afticit pittarata.
392. mulcet gifuozta.
oblectamine lufüfunga.
399. catasta barapba 1 rici pou-
me, fcreiatun.
810 400. compellat gigruozta.
affatu "icbofe.
402. iugiter famathaftiv.
403. perichnii vrluüh. [34']
408. an vuedar.
409. ludibundus frolichar. 815
419. togp berfkefti.
426. concessit gig&.
429. magis ftüran.
430. ins givuald.
432. illigares piviengift. 820
437. coufoederentur gizura'ftit
vuerdan.
445. confuudit gifkentit, gitriio-
pit.
446. curiam dinchuf.
450. horreo irgruvuife.
452. senis def gizobbarotiu. [34''] 825
463. recludit infparrit.
466. oblite pifcizzano.
469. exterminat iago, farra'cba.
470. exturbat vzftöza, giltoiipit.
475. tetris den fcantlicban. 830
478. obstruat pivuirüt.
479. damnet pifparri.
480. obdens furiftozzantar.
pessulos floz, krintila.
487. erupit uzuor. 835
493. repens gaba.
medullas invuertigi.
indoles anavvani, anauani.
496. nugas gipofbeiti.
497. refrixit cbuobHa. [35'] 840
514. sinpiibium daz partobta.
523. pignera pfant.
526. adscitur giuuifit vuirdit.
531. comminus Camabaft.
787 /. drehaiiaiita 809 ritipoume? 818 u atis o korrigiert
824 Gr. irgiuvuifu 838 anauani von anderer hand
Z. f. D. A. neue folse IV. 4
50
GLOSSEN ZU PRÜDENTILS
845 533. licet muozauuifit.
537. Hiberiis fpanifka.
539. cotianorum gvdo.
iuga die hohimverri.
540. Pyrenas ningiiidos fnelihe,
verfniegun perga.
850 543. urbanum [soliim] piirch-
liher. [35"]
557. videor pidunchet.
564. adnuis hilfift.
567. iocanter fröliho.
571. lactante sin« hapaluntemo
parma.
855 572. nutrias locchiift.
576. prodentem goffineutem.
578. quem vuielihhen.
579. patronos viiegara.
P. HIPPOLYTI.
4. replicare gicellan. [36^]
860 17. siciibi fuarfofa.
18. apices puochftapa.
19. scisma d'e irratvoma.
23. mirere vimtaro. [36'']
30. scismata irratuoma, dia zi-
riizzida, laftar.
865 reddite vos argepat iu mih.
40. [per] Ostia gimundin.
42. quateret miioti.
45. rostra fcefftefti.
47. protiilerat fräprahta.
870 rabiem hantigi.
oram ort.
52. idolii apgothufif.
perfidiae dero vngalonpa.
[371
53. crinita [agmina] lancfahfün. 875
situ fmftri, vnfupri, vn-
uuatlichi.
55. [catenarum] tractus chlaf-
foda.
flagra geiflun.
56. stridere uuifpilun.
virgarum pefamono. 880
concrepitare praftun.
fragor döz, ' praftod.
57. ungula chrovuil, chrovul.
fixa ingiflaganar.
58. secessus gitougini. 885
60. cognitione vrcha'da.
62. uitiare irvuartin.
64. questio \Tiizi.
agito gifrumi.
69. rimosae [cjmbae] durchi-890
lemo, fcruntiuef.
70. pellere farfcuzzan.
71. suta [cymba] gifuoctaz.
72. labarit farfoupha.
73. dissociata cifuocta.
laxent flazan. 895
tabulata gitavili , vuenti,
mantaln.
putrem carinam den gi-
durchilatun podam.
74. bibant [naufragium] infin-
cban.
76. consumptis frezzanan.
cruda [bellua] fatan. [37''] 900
77. persultanti cballontemo,
cbozzuntemo.
83. insolitum genus feldfani
giflahti.
846 gl. fluiiius liispanifus und demgemäfs alia zu ergänzen 868
/. fceffteti 886 Gr. vrchnaida 890 Gr. fcnintine 891 farftozzan?
900 fatar?
V. AUS MÜNCHEN
51
85.
supinatä [cervice] parran-
temo.
87.
fiat viierda.
905
agilet iago.
liirbet ftoiipa.
89.
cogunt ziramauahaplitun.
animalia rof.
91.
palpata gitallaztiu.
910
92.
iniperiuin den giduuinc,
die ziiht.
eqiiitis reitmannef.
subacta gizamata.
93.
campestre [pecus] vuildim.
grege ftiioti.
915
94.
agit iagota, nmota.
95.
sociariint ziramanagiuua-
lun.
96.
nexuerant zifamanehaftun.
97.
lemonis dihfilo.
98.
diiiidit gifki&.
920
tangit zilta.
99.
retro aftar.
100.
protendeus[fimis] gilanctaz.
transit IVritraf. [38']
101.
piiluere summo in michi-
lero nioltvn.
925
102
refugas [vias] die fluhligun.
orbita uuaganleifa.
Irita firnozaniu.
uias varli.
104
cumque rudente vnta mit
leila.
930 105
composito girihtemo.
satis instruxere vuola gi-
mahcliotvn.
paralii giziuga.
107. instigant fcractim.
clamoribus gifcreigin.
108. infestis ana feigin. 935
perfodiunt gartotvn.
stimulis ftvphin.
111. prorunipunt nah liiifun.
1 1 2. exagitanl iagatun.
113. incendit cherta. 940
impetus praht.
vrget notta.
114. ciirsus volucer diu horfca
vart.
mobile sentit onus die luzzi-
lun inpbant pvrdi.
115. ruunt ftruchatvn. 945
retardat lazta.
116. torrens drati.
cohibet piduanch.
117. prosternunt nidar duhtun.
118. prona nidiriu, epaniu. 950
fragosa ftechaliu.
119. scissa arl^ftiv.
minutalini lidilicho, ei-
nezen.
labefacto corpore von demo
zidenitin lichamin.
frusta dei ftucchi. 955
120. carpit apaprah.
spinigeris slirpibus mit
dorn fuorigan ftocchun.
liyrtus [ager] vngiriuttar.
122. frondes vuippliila.
123. inlitus [paries] gimalotiv. geo
124. fucus malizzi.
digeril läget. [38'']
126. el'ügians pilidunti.
913 ver/nulliv/i gehört vuiUlim zu dein hinter campesire stehenden
UagO [fcMTgc]
4*
52
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
127
apices fpizzi.
167
subter terranea unt erdi-
965 128
. uotas tophun.
fcuD. [39"]
130
Inserat malota, truginota.
182
adnuere gilazaii.
131
ordine nullo mit nihheiui-
185
leui Oehtemo.
gero famanthafti.
186
recauum speculum fiiivuer-
132.
[per] Situs legarvn.
palaz gifteini.
135.
attouiti arquemana.
187
aditus iuvarti.
1000
970
rimantibus fpiirilinten.
obducere pifezzan.
136.
siuus dei fcozzvn.
191
cuneum folcli.
138.
gremio fkozin.
Latios laucbpartifcin.
139.
ulnas ellinpogvn.
192.
permixtum drato gimifkit.
140.
legit vflaf.
[W]
975 141.
siccantur fvurpvn.
200.
patricios furiftun.
1005
142.
ros nazi.
201.
pbalanx fcara.
144.
rapit [spongia] vuidar
trviiclii.
plebeia phalaux folclicha
fcara.
146.
fraudat piteilta, uirhintreta.
exsequiis retuldin. [39']
umbonibus aequis mit ftarc-
licban draugodiu.
980 149.
piirgata arlefaniv.
202.
discrimeu vntar fkeitvnga.
151.
metando mezzanto.
Ostia dei gimimdi.
204.
explicat vzginimit , furi-
priugit.
1010
154.
mersa tiuphiu.
207.
atrox chuonna.
crypta cruft, () gruft.
212.
heret heripergot.
985 155.
[uia] prona inhaldar.
reflexis uuidrauimtanuii.
214.
(amplä fauce) vuitero eugi,
uuitovuli.
157.
summotenus zuobaroft.
218.
maiestate hßri.
159.
nigrescere finftran.
potens herlichaz.
1015
161.
iuniissa forainina ingimei-
(opulens) ehtigaz.
zaniu fenftar.
219.
laquearia dei gimali. [40'']
990 162.
iaciunt gipreitant.
221.
graciles engo.
163.
texant hapaii.
recessus umpihufi, varti.
hiuc iude iouuedarhalp.
222.
exsiuuent gipiugunt.
1020
ancipiles recessus vufeinfta
223.
medios tractus inhufi.
varti.
aperit intluchit.
165.
[subter] viscera [moutis]
tractus gengi.
givurhtin.
224.
editiore roftirin.
995 166.
terebrato fornice durabpil-
225.
fronte fcioze.
1025
loteino, giporlemo l'ui-
229.
gremium fedal.
pogin.
cüudat kilidilla.
V. AUS MÜNCHEN
53
234. (linumerare prievan.
236. restituens ürgellent.
1030241. excludatiir vzpilohhan viier-
(la. [4r]
P. CYPRIANI.
1. tiilit prahta.
2. inde domo fonniro he'mi.
4. (pollet) giiotlihot.
12. liqiior lid.
1035 13. pererrat iruerit.
16. exsecutor rechari 0 gifprah-
haler.
17. locuples diu ginuhtfama.
doceret gilerti.
18. dispntaret redinoti.
1040 19. perpolita gihafanotiu. [41'']
21. sinistris vnrehtan.
22. fraude zovpara.
periringere girran.
piitare ahton.
1045 23. magicmn govcallih.
cantamen germinot, calftar.
24. genitale thori ins daz gi-
flvaftlicha reht hileichef.
solueret girti.
§stiiante niipta vuotantero
quenun.
1050 29. exiiitur pinoman viiart.
tenui dero vnchvcvn.
29. Iransit deh do.
in seuerum inchulki.
30. deflua c(jsaries daz zotaran-
ta, niderhangagiu falif.
1055 compescilurgil'coran uiiard.
31. modcsta clmfchiu.
34. prouehitiir gichoran viiart.
40.
41.
42.
44.
45.
48.
52.
57.
62.
67.
68.
70.
77.
78.
79
81.
85.
86.
87,
93.
94.
100.
101.
104.
106.
degener plödar.
conferat prahti.
intermina ungentotiiu [42"] 1060
transuolare firuaran.
CHi'sim gizalo.
graue hebic.
ut comes dar ergiverto.
abdicata firziganiu. 1065
oblitum pifmizzanan.
vise gifebano.
libens gernvuilligo.
ergastula charchara.
caeca finftri. 1070
iners vuanchalar. [42'']
cadat uvancbo, vuicha.
titubet vuancbo.
permouerat gigruozta.
calce clialche. 1075
saxa recocta die gluintvn
fleina.
uomunt vzlovgaztvn.
ardet gluita.
flatus prädä.
micam [salis] fprät. 1080
suis fuinef.
fundo tenus unzi zigrunte.
habet buit.
Candida niassa vuiz in lä-
mantliaftigi. [43']
l'ulmen dia Itvri. 1085
luat [poenam] gelta.
minus feltanör.
disserit rcdinot.
instruit vuarnot.
ultimis entroftun. 1090
patronus vuegara. [43'']
1036 executor wird dui'ch praedicator glossiert 1051 Graff hat
unchufcun 1070 6>«/7" finCtra 1085 g/. potesialem 1091 G/-. viiegari
54
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
P. PETRI ET PAULI.
7. paliis niof, nmft.
labitur vliuzit.
11. sententia urteila.
1095 13. emulando leifaiuinto.
14. ambire anagigean.
15. imprimant iiagaltin.
16. stipitem ftoc.
17. figitur ginegilit vuard.
1100 18. minor [figura] fmahera.
21. ut teres rota iofofa diu
liiivuerbili.
(teres) fiiiauueller.
perciiciirrit arviior, arliuf.
29. sacer [Tibris] giuuihtah.
[441
1105 31. regio halpa.
33. liquor nazzi.
35. lubricat tluzzit.
36. colymbo gicuinfti.
37. lapsibus sonoris mit lutaii
runftin.
1110 38. stagniim niiiale fniovara-
uiiar feo.
39. omnicoior pictura alvara-
vuaz gimali.
superne üfviiertigo.
tinguit kivehit.
40. musci dei gimufi, miofa.
1115 vircscit [aurum] lohazat.
41. cyaueus blauaruer giifa.
42. lacunar himilezzi.
43. rigore nazzi.
46. stringit pivahit.
1120 48. ambitum rihtuom.
49. aurulenta [lux] esset golt
varauuaz vuari.
50. iubar l'tri^un.
51. laquearibus gimälin.
52. distinguit gvntarfiieitvt.
53. camiros crumpa. 1125
varie meiftai'licho.
percucurrit argruop.
arcus fuipogen. [44'']
61. ulterius enont.
63. transtyberina sacra dei en- 1130
trigvn opphar.
64. recurrit vuidiri verit. [45^]
P. XVm. MARTT. CAESARAUG.
21. diadema pulchrum fconi
gifteini.
23. intexit ingiflaht.
24. sutile vinclum fcono ga-
flobtanan rinc.
25. stropbio gipente. 1135
35. (praepoUens) frapara. [45'*]
50. forsan 6t vuan.
51. hostiarum frifkin.
52. piguore denio pbanta.
55. flauis oleis mit feimfuori- luo
gan olun.
reuincta [uerticem] zifa-
managiflihtantiu.
57. numerosiores zalahafta.
75. togate giciertun. [46']
78. hie dar.
peperit giuuan. 1145
82. tremeiecit giprutta.
90. notasti gimarhtvft.
1104 6;/-. giuuihta 1108 Gr. 4, 675 vermulet gifuumfti 1116 Gr.
4, 293. aber vielleicht lateinisch anaglifa, zur bezeichiiung dafs das ganze
mir ein bild vorstellt 1138 fiil'kinc?
Y. AUS MÜNCHEN
55
101.
paiesträ fpilifteta. [46'']
47
117.
retexis zelift, giuiiilt.
48
1150 122,
, impensus irpotun uuard.
129.
cicatrix mafa.
49.
132.
labiiUis humor gund.
137.
reuulsam aljagaprocliaua.
50.
[47»J
51.
155.
acer cliuano.
56.
1155 164.
prisca vetustas diu alta
59.
entifki.
65.
169.
adnotatas gizeihneta. [47^]
66.
173.
recolet zelit.
70.
178.
specimeii gilihiiuffi.
71.
182.
incruentum inpluotagaz.
1160 183.
ferre uuoriaii.
prouenit caohahc.
72.
193.
nos vuir.
perluamus nezimef.
75.
198.
deinde daranah. [48']
P. AGNETIS.
76.
1165 8.
[virginal] virginitas heit.
85.
10.
habitam gimacha.
87.
13.
renisam uuidarftritan.
90.
14.
addicta piineintiv, geicho-
tiu.
98.
16.
blandi ilitarazzantiii.
101.
1170 18.
feroci lianligi.
pertinax einftritigiu. [48'']
105.
25.
truderc ftozan.
39.
flexu indiechera, vuikki.
110.
41.
petulautius getiluHiho,
116.
huorlicho.
117.
1175 45. Uiiniiic lubiico mit luo-
galinemo ougin.
121.
t'erit vzftiez.
corusco lumiiie von demo
hanlagiii pliccha. [49']
puluere dero vnfüpri.
palpitat zapalota.
semiiiecem halptoten. 1180
deflent piruzzun.
experta arfindeiitiu.
alitum atazuht.
exere giurumi, givrumi.
sumnü heroftin. 1185
tiu'bidus zoruager.
laiiguidiis huorlichar.
teuer zartlichar.
moUis zagiliher.
tiuctus pifmizaner. [49''] 1190
iiTiientis ziohantef, zuoil-
laiitef.
demorabor gitvello.
Vota caleiitia diiia vuotanta
vuillvii.
cernuo mit nidarfihtigemo.
paratius givuilligo. 1195
sensum inphiintnvffid. [50"]
atro lurbine mit dero iiiif-
favaruuu flelTiri.
pompas turida.
inlusa die giprortotun.
pietae [uestis] givehtel. 1200
inania vnpiderpi.
tetrius uuirferi.
(solo) plantä trenun,
crislas dei porst ( ) champa.
[50"]
edita [merces] arractar. 1205
1149 Gr. 1,1066 verbefscrt giuuifift 1150 incruentum scheint der
glossator als zwei worle gefafst zu haben 1161 cafchahc? 1165 dh.
magatheit 1167 uuidarftritan ist verbtwi, nicht adj. 1170 ^vol Sub-
stantiv zu feroci robore gehörig 1173 von Graff ah ein wort betrachtet
56
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
122. conficit gituot.
127. gemello diademate zuifkero
zierida.
129. vel oiih.
1 32. iiil non pudiciim nupa rei-
nez. [5P]
VERSUS CONSTA^TINE.
1210 10. referens auarent.
ITEM DAMASI.
10. faiieas folleiftef.
PASSIO EULALIAE.
4. ciiius ab ubere von dero
gipurcfkefti. [öP]
15. rata ahto.
18. dicare pimeinnen.
1215 19. crepundia chintlicliiv fpil.
22. monilia gifteini.
23. seiiera gidiganiii.
24. moribiis teneris in den
chindifcan fitvn.
26. furiata vnotigiu.
1220 27. excitat arpiirita.
30. adolere prennan.
31. infremiiit argremizota.
32. ferox hantager.
33. frangere givueihun.
1225 34. rüde [pectus anhela] cbin-
difkero.
anhela iligiv.
35. femina fi vuipihha.
37. animosa niuothafta, mihil
inuoligiu.
38. rure iizze.
1230 41. perosa leiduntiv.
42. degeneri mit zagilichero.
44. septaque claiistra ioh die
pifpartvn pilohchida.
47. per loca senta situ in dero
vnuuatlichi.
situ giligido.
51. sie fofo. [52^] 1235
55. chao gimifchid.
62. milia milla, mila.
prius peragit er arvuor.
64. superba herlichiu.
68. prodiga Ipentigiu. 1240
sui iro felpero.
83. prostituat varfezza fih.
85. quatit muoit. [52'']
95. exagitante muogentemo.
dolore fverin. 1245
101. quam uuimichilicho.
109. flore in tenero in dero
chindifcvn fconi.
113. temeraria vueigiriv.
debilitas honift, giferif.
119. ululanda za chlagvnna. 1250
122. modicum [salis]* fprät.
eminulis chleinan.
129. dissipat zavuarf.
molam chorin.
130. prosubigit fpurnta. 1255
132. iuncea [pectora] die chin-
difcvn.
134. pulsat durahfluoc. [53^]
135. notas rizzi, tophun.
137. apices puohftapa.
144. picta gimalota. 1260
145. lauant padunt, naztun.
148. crate tenus unzazen rippun.
151. criuis odorus fahf ftinchili,
fkiero silanctaz fahf.
1213 ahtonti?
V. AUS MÜNCHEN
57
153. piulibunda pudicitia diu 5
fcamiliolin chvfki. 19
1265 154. lateret farhulan viiari. 20
155. tegmine techi.
156. crepans [llamma] praftun- 33
tar. 35.
iiolat [flamma] dahhazta.
157. uegetata gichreftetiv.
1270 161. repens flogarazzantiu.
165. lacteoliis vuizer.
166. fliuint figun. 40.
167. emoritnr [rogus] aiiaf'c. 50.
171. satelles feffo. 55.
1275 172. femine viiipihhiin. [53'"]
180. pallioli tuochef. 61.
iiice in ftalle. 62.
liiiteoli linanef.
182. suprema iiingiftiin.
1280 185. exequias retvocha. 64.
188. meniorabilisamnisliiimunt- 66.
mara aha.
189. iiiridante giluchemo. 73.
rapax dratiu. 75.
190. luit piflivzit. 88.
1285 197. de laqiiearibiis gimalin, 90.
himilez. 95.
203. genialis lufüiher. 99.
204. teperis glacies doantahif. 115.
205. calathos zeinniin, fv piri.
206. cornantibus foliis vuifülun. 118.
1290 210. niarcida arfuelchatiu , fle- 135.
viiiv.
festa niizzifamiv. [54^] 141.
145.
P. FRUCTÜOSI. J49
2. ignibus hertvomin. 150.
quando uuanla.
timor untroft.
vehemens kabar, drato. 1295
[541
catast(^ fcreiata.
atrox grimmar.
turbidiis zornagar.
insolens vnzuhtiger, un-
giftuomer.
profanus feruiiazaner. 1300
sapias uuizi'. [55']
destinat pimeinta.
[nondiim] resignat ninfpar-
rit.
rotunda finvuerbalero.
conclusum [lociini] pifanga. 1305
caueä gruopvn, holi, che-
vina.
perstrepunt pralitvn.
fremit fpilota, prabta, chra-
demta, chradampta. [55**]
ofticiis dionoft.
detrahere apaneman. 1310
creäniationem higizziinga.
pura pariii. [56']
citata [poena] kihurlltaz.
olim noli vuenna.
uaporus ardor diu unmez- 1315
hafta hizza. [56'']
oljirc genton.
Iklele piguus daz tiura her-
tuom.
(mixtum) famabaft. [57']
patronis muntportun.
anula alticcha. 1320
rite fitibbo.
1268 lohhazta?
1305 dh. pifaiigana
1269 Gr. ^chrefteliu
1285 /. Iiiiiiiiezziii
58
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
152. modis leichin,
162. reuoluens redinont, [57'']
P. OUIRIxNI.
5. complexu pifengida.
1325 fouent pihaltant.
11. rigor vuaffi.
14. lympliis tluuialibus giflvz-
ziduii.
15. abliiit padota, gireiiita.
16. aequore vuäga.
1330 18. tinguat iieze.
19. proueiiit gipurit.
23. in praeceps tiuffi.
29. natatibiis gifvvmt'tin.
30. sustinens vuranter.
1335 34. siuuainiua piugvn.
35. sepserat pifienc. [58']
44. constaus faftmuottiu.
46. fluitantibus fliozantan.
47. uadis rvnltin.
1340 50. dehiscerezigepan,zaluchun.
53. exitus hinauarti.
54. negarier arzigan vuerdan.
59. fremitum den phehvn.
60. prona [tlumina] runltiguu,
rinnento.
1345 sistere giftellan.
67. tortis uorticibus vuidarfual-
tan vuervun.
uaguni ftelligan.
69. ad lontem zem urfpringa,
vrfpringe.
69. retro vuidar.
70- confugisse tliozan. 1350
meatibus fartin.
73. suspeudar enthapat ^'uirdo.
leue lilito.
prenalans opalueparunti.
76. titulus tui kihiict din felpef. 1355
77. prodita golTanotiu.
78. hebet irquimit.
82. liquor vuäc. [58'']
89. fit graue vuart fär fväri.
P. CASSIANI.
8. acumina yuaffi. 1360
12. minutis chleinan.
punctis ftophvn.
15. piigillares [ceras] tauallahiv.
Geras vualif.
19. hystoriam tatraliha. [59"] 1365
26. inpube vulgus die chint-
lichun menigi.
mouerant arpalctvn.
31. extrahitur erdenchit uart.
akunni tief chintlichin.
32. quod pediv. [59"] 1370
46. ardens zurnanter.
47. fragiles die dunnun.
48. relisa [fronte] vuidarpolla.
dissilit zipraft.
50. curva di"ki crumba. 1375
51. acumina vuaffi.
uibrant uuenzentin, uueni-
tun.
1334 tis. sustines 1348 die beiden gll. rühren von verschiedenen
häiiden her 1368 Graff 5, 145 vei'jnutet erdeiiit. doch scheint mir da-
bei dem lal. worle nicht genüge zu geschehefi. eher möchte ich an
erdenCit denken, wenn auch das schwache verb nicht ?iachweisbar ist
1373 die gl. ist wol nicht zu ende geschrieben und vuidarpollauemo zu
lesen 1377 da die erste gl. verschrieben war, so unirde die richtige
Übersetzung; durch ein ztveites wort gegeben
V. AUS MÜNCHEN
59
53.
secti girizona, giftrichaiia.
12.
balbutut ftämalul.
aequoris hyrti riihef '
k'elde*.
absouis iingililihen.
1380
54.
nitesceiis gliziiiuuta.
15.
impeditos gimai'ta.
area, plaiiicies ep.
20.
imparalis ungaravun.
56.
sciiidit fiieit, reiz.
22.
dissei-et rodiiiot. [62']
57.
duceutae zueihunt.
44.
maucipaiidain zipiheftonna.
59.
pupugerat rizzota ,
riahc,
49.
aram die epiiii.
rizta.
52.
acris [excelientiae] vuifero.
1385
61.
ille leuis vuaiita der
liizi-
56.
conspirat geinidota. [62'']
loftih.
64.
obstinate eiuftritigo , ein-
62.
seuire farphiluu.
chrigilichü.
spiculis vuafrin.
65.
oppetant daz figentotin.
63.
piilsat traf.
67.
fax [omiiium] anazari.
64.
applicat zuogit&a.
73.
bisulcis ungulis zuiuuaffen
1390
67.
conatus teuer flizzigi
iu iu-
chrophun.
gvut. [601
77.
infame honlib.
68.
fatiscit muodeta.
intestabilis ieidfamer.
77.
pingere malon.
78.
Ventilator girrari.
puncta ftopfphvn.
81.
populäre [quiddam] li\l-
übet muoza ift.
lihef.
1395
78.
impedire zifamanaheftan.
84.
gigantes rifen. [63']
79.
emendas kibuozift.
88.
profanos uertanen.
84.
soluebat irlofta.
94.
luas firgelteft.
87.
retinacula piheftida.
95.
feras diiltef.
91.
loraniinibiis lohhvn.
[60"1
96.
libero mit fiheremo.
1400
96.
aestuas foragef.
97.
amplector ih peuao.
101.
percenseo zalta. [61']
98.
immoler gioftirot vuirdo.
1410
1415
1420
1425
1430
1405
P. ROMANI.
1. assertor redinari.
2. elinguis [oris] fprahhalofef.
Organum [oris] gibelnuffida.
3. infantissimo ungifprahlih-
Inftemo.
6. palati huriuun. [61'']
108
109
111,
114
115
incensus unzunter. [63'']
cuiscerandum zi uorfcuri-
fanne, zi brehanne.
equuleo galgin.
apparitores inchnehta.
noxialem martarlilien.
l)lebeia poena daz folcliha
uuizzi.
1435
1381 drei hiichslabcn liabcn hinter ep noch gestanden. I. epaiii
1419 /. chrapliuii 1429 so liest Graff. in der hs. sind aber noch
mehrere unleserliche buchstahen dahinter 1430 i aus e korrigiert, es
sollte also der konj'uncliv ursprünglich geschrieben werden
60
GLOSSEN ZU PRüDEMIUS
116
tiindalur kennen iiiierda.
165.
verbere uillan.
117.
plumbo mit plian.
ludicro fpililihhemo.
extuberet fiielle. () tuber
166.
niiseret irparmit.
.i. mafer l fiiä.
172.
vultuosus grozlut.
1440 121
grandine hagala.
rigeus parrent.
124.
prest& gitiie.
179.
abnepotes ferneuuon. [65^]
curie phalanza.
182.
amasionuni IViudilo.
127.
(stemmatis) chunnizale.
183.
incesta höra, huor.
132.
ut io. [64^]
moechorum huoraro.
1445 134.
iniista [uulnera] anagi-
187.
vervece uuida.
pranta.
188.
palestrici fpililibif.
136.
peruersibilis pefturzlihcer.
190.
effeminauit kehonta , pi-
137.
remissus antlaziger.
huorta, pilacb.
139.
ampliatiis geuuodereter.
gjiiinadis fpilef.
siiccessibns framdihtin.
191.
impuratus kihonter, piu-
1450 140.
flocci fecero pilmaho.
reinter.
141.
dignitatiim erono.
192.
disco p.hueigo.
142.
ciirsim gizalo.
cucubam cuprefpoum.
143.
(praefextt^) portim.
193.
Conductus gimiet.
145.
quibus tumetis von den
195.
bubulcus fueigari.
irfuellat.
201.
aniplector pifaho. [65']
1455
detiunescitis infvellat.
211.
dissidentum miffabel. l
146.
uern(^ inchnebta.
lern.
148.
arrogantiam crone.
221.
[inter] pulpita reftin.
152.
[infra] sectilem [quercum]
222.
tauricornem farhurnun.
gifneitotero.
[661
siti iierlegena.
235.
leno zibuore.
1460 155.
togatos fprab.
exoletum giuuafbfinen.
156.
lapis nigellus agatftein.
239.
fusos fpinilun.
(essedä) fäbocha. [64"]
rotantem draenter.
157.
clausus gichaftot.
244.
more ziuuif.
160.
riuuluni runfa.
245.
algis reiethcrafun.
1465
1470
H75
1480
1485
1490
1448 Grayf 3, G35. doch vgl. P l\S 1460 /«;• fprahman 1472
von verschiedenen händen 1474 7iicht zu ende geschrieben, l. uuidare
1477 gl. ludi 1478 /. piQrcinter 1479 /. pahiieigo 1484 das i
bedeutet Ion. das dann folgende lern gehörte villeicht zu Lemnius (vgl.
?>. 213), indem über (lissidentiini niiminura geschrieben ivurde oder werden
sollte lemnii et marlis
V. AUS MÜNCHEN
61
245.
(gragen.) [66"j
315
256.
simiam athin.
324
1495 258.
(crocodrillus) iiihluif, ni-
331
chiif.
334
ibis fcariua 1 fteingeiz.
345
260.
cepe furio, afcloiih.
348
mordax hantaga.
349
allium clüoiialovhc.
356.
1500 261.
fuliginosi ruozaga.
359
lares luifgota.
373
264.
sai'culatis kigrapotan.
374
267.
officinis fmiddon, fmittin.
269.
forceps zanga.
381
1505
malleus liamar 1 flaga.
383
272.
rigentem ftapantan.
396
274.
limat riihttit.
399
coryml)OS drupun.
400
liberi hachcufef. [67°]
402
1510 280.
thyrso rtanga'"''maldn ruo-
pitqrfin.
419.
281.
molle f. affo.
424
succinctam nidargazogana.
433
284.
liquore fmelzi.
crispo mit giridinemo.
441
1515 285.
clauä mit cholpin.
452
290.
seuerä [fronte] fchiemo.
295.
conflatilis kigozzaner.
460
299.
trulla chella.
peluis label.
407
1520
sartagines phannun. [67"*]
303.
circulator rizzari, malari.
472
307.
perpensa uparuueganiu.
477
superfluit uparuuirdit.
pollet dihit. [6S°]
prorupta Itechaliu. 1525
frutecta fpreidalii.
quod [nectar] vuelih.
incapacem Tiunuuflic. [68'']
veniistam hafna.
pudorem reini. 1530
parcitatem mazigi. [69']
spissus dicher.
[geniis] deditum [cadaueri]
frahhun.
(deasciato) ascia dehfala.
offellis ballun, pratuu. 1535
pro! hui, ah. [69"^]
perorat redinil.
foedans [ore] pifceltaiiter,
inuenta pifuntinuffidi.
procinctiis vuicgaravui. 1540
[70°]
solve firgilt.
suculentis rinnenten.
imperator cheifar, herifari.
170"]
mucrone iiiiaff.
hiiilco zuiviiaflemo. 1545
laucinamur giiuiizinun.
dolet gilcartit luierd, fuirit.
catastä roftun , fcreiatun.
_ [711
iuge iomer.
oHm noln-ueiini. 1550
1403 Gr. 4,310 vermutet grafeu. icli glaube, es ist graben zu lesen
t/nd die gl. gehört zu dem unmittelbar darüber steheude7i lacu 1510
sollte mit niatdü ctjva niittilun gemeint sei?i, da in liss. eine gl. zu lyrso
lautet tyrsus est mediiis frulex? 1511 /. flaflu 1516 es ivird flelilemo
zu lesen sein 1528 /. uiiiuuiftic 1544 /. nualli 1547 gifcartil
uuerd (rfA. uueiden) gehört zu laucinamur; die über das letztere geschrie-
bene gl. wird dem entsprechend giuuiziiiut zu lesen sein
62
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
481.
485.
488.
489.
1560 490.
492.
495.
1565 498.
499.
500.
501.
1570 508.
511.
512.
514.
1575
518.
524.
526.
536.
1580 550.
551.
552.
553.
557.
1585
fidiciile feiton. 559.
pleurisis fitafuht. 566.
summa fornahtigi.
papnlas eiza, ancgiieiza. 567.
stridulis füfenten. 581.
caiiteribiis polzun. 582.
reiielluntur zilohhan viier- 588.
dint. [71^']
Podagra fuozfiiht. 596.
arthesis chelafuht. 614.
läna accensa fnitkmfzrgf. 615.
viscus innadri. 618.
scalpella mezeref, fnita
mezrehf. 623.
abraditur gifcapan viiirt. 625.
ferriim ramphun, lii^ovuilla. 627.
dolet fiiirit. 633.
regestiim giporginaz.
illusa [vestis] giprortotaz. 656.
bombix böbari, poum- 664.
imolla. 667.
luxiis giliift. 677.
aruinam fpint. [72^] 690.
situ unvuathlihi.
uernularum incnehto. 692.
iactura pivuirfida. 705.
plicabitur zuotan vuirdit.
[72''] 709.
fidiculas feitin. 733.
verbositatis gizungili. 744.
scaturrientes vuamecenten. 747.
follibus palgun, vuangon,
igiplaftin. 757.
charaxat reiz, crazzot. 758.
scribenlil)us rizintun. 759.
carptim einazin. [73']
rimas fcruntun.
edita uzqueminiu.
rictibus ginungun.
rigorem giftapidi. 1590
obcalhiit erfvilleta.
incapacem uufirnunftigin.
[73"]
protulit pralita. [74"]
fastis iarzalun.
augure heilifare. 1595
gnosiam gr&igifca.
(capellam) egidam geiziuel.
expedita irractiu.
consono ore gihellanlihi.
stilo fcriphti. 1600
conspicabili ovchfvinigemo.
[74-^]
circiter famahaphto. [75^]
roga frage,
indolem anavuani.
decebat gizam. [75''] 1605
orba piftiuphtiu.
corrupit iruuar.
quantulus [dolor] luzilaz.
roscidis liuoribus nazen
vuntun. [76"]
scribas puobmeiftra. [76''] 1610
affatim follichlicbo,gimiocb.
exepit vznä.
garrulorum chronlih, chri-
gilon. [77"]
mouebatur gigruozit uuat.
stridula fufentiu. 1615
frixum girovpten.
1565 villcic/it kein Schreibfehler, sondern g steht nach anderer Ge-
heimschrift für e 1569 Gra/f las noch (hiamphuii und tiirovuilla
1582 .9. Gr. 1,852 1583 i. giplaftin? 1613 Gr. 4,584 liest chragilon
1614 /. uuart
V. AUS MÜNCHEN
63
761. reimlserat fcinta.
762. testa gepol.
763. dehonestaret gihonti. [77'']
1620 784. cropiiiulia lochunga.
789. impeiulere irpotan vuird.
797. tlenuo itnivuef.
798. reciiidescentibusraphentin.
800. ignavos zipiin. [78']
1625 809. fatiscitis irviierdet.
814. conburere ürprenit vuirt.
818. appello gidingo. [78'']
831. poposcit eifcota.
841. retexens redinintiv.
1630 844. palpitantis Jpratalon.
848. sarmenta fpaicli.
849. liqiiato rore zirantero nazi.
852. actus giflozaner. [79']
863. torres prenti.
1635 884. maniplis vuicchiliniin.
stuppeis ziinterinun.
868. quousque tandem niie
laiichfamo.
869. thesaloriim garminaro.
874. reglutinahitur chlepit. [79"]
1G40 887. confinia gimarhidi,
889. reiuilsis appaiiirprohhenen.
890. sarcieiis beillent.
conipaginat givuogi.
893. procaci frapaldero.
1645 894. prolanauit firviiiez.
899. tractat hantalot.
900. explorat irgreiffota. [80']
902. scalpelluni niezref.
903. üla adra.
1650 906. rictii ginunga.
906. (rictii) a ringo a zannen
iit canis & crino.
909. fert fiiorta.
913. oblatraret ingaganpiilli.
916. deniio itniiiuef.
918. exta inobli. 1655
abdomina ampana.
924. edissere redino. [80'']
932. testudine fiiipogun.
934. pectine ziterphinne, chä-
pe.
940. parce mezigo. 1660
948. coit igiran. [81']
972. ictibiis viiaffin. [8P]
980. echo galim.
981. refiitat rennit.
988. plectro hiirivun. 1665
991. pericliim vrfiioh.
ciiius vuelib.
993. porca fmi.
grunnitiim kherrin , ro-
hunga.
strepat chirrit. 1670
995. stridiilum [uilj cherrentif.
[82"]
1000. disertus gifpraher.
1001. piirgat ficbirota.
1007. biibnlus [sanguis] rindri-
naz.
1014. repexns giftralt. 1675
1015. sericam gota.
fultus gigurt.
1016. superne opana.
1017. rari pegmatis unmanegero
decbi.
1630 das wort ist wol nicht atisgeschriebcn , vgl. Ipratalontef in der
Wiener hs. 1661 dh. i. giran 1676 dh. golanneppina
64
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
1680 1017. compagibus zifamana vuo-
gida.
(fcitirero.)
1018. terebraut poruiit.
areain dillun.
1019. perforant holant. [82*^]
1685 1022. armos puogi.
floreis pluomlihen.
1025. setas har.
brattealis plechilinin,pleh-
liher.
1026. hie dar.
1690 1027. uenabulo fpiozza, vuedi-
fpioze.
1030. aestuat rivcbat.
1038. perluit durahuezit.
1041. egesto vzkruunemo. [83^]
1047. piaculi puozzi.
1695 1050. lauerint naztin.
1056. macelhunfleifcbmarcliath.
(puluinarium) opphertifca,
gota p&ta.
1057. lancinatores flalitari.
1058. euisceratA [carne] gfcurph-
tema , fonnagifcriph-
temo.
1700 1061. exerit givopit.
1063. rotari tümun, uuiutan.
1066. dedicat pimeinit.
genitalia gimahti. [83'']
1076. fragitidas preccun, ana-
mali, zeichan.
1705 1077. minutas cleina.
1078. igniverint gluant, gi-
heizent.
1080. stigmarit rizzit.
(stigmarit) notarit gana-
malit.
1082. pomi)a tiurida.
1083. bracteae pleh. [84'] 1710
1098. (modo) ninnidduut.
1103. straugulatrix irimrigariu.
1104. garruli chroulihef.
1 105. tubam drozun.
1108. elidit iruvrcta. 1715
1113. (tragoediae) fcophfangef.
1114. fasces iarpuohc. [84''J
1117. uligo uvhti, ruoz.
fuscat pifuarzit.
situ unuvatlihi. 1720
1120. obsolescit, irfchimpalat,
iruuirdit,
1122. pertulit dulta.
1127. ut quanique vuieinaie-
uvelihha.
1129. qu^, fuelib.
1133. olim vuenna. [85'] 1725
H. VIII. KAL. JAN.
11. denuo itniuvef.
12. lineas zila.
26. digesto irractemo.
29. rotata givuarpto.
aunalium iarzalano. 1730
30. transuoluerentur irgien-
gin.
1681 das von Graff 6, 537 zweifelnd ah fcitirero oder fciurero com-
paginatio an'^cführle wort wird zu rari v. 1017 als zweite gl. gehöreti.
vgl. Graff' 6, 540 s. v. Cketer. conipaginatio ist gl. zu pegmatis 1688
es ist möglich dafs plechiliniii nicht adj., sonderti dat. pl. ist, iyidem
brattealis als bratteolis aufgefafst tvurde 1690 hs. uenabulum
V. AUS MÜNCHEN
65
35. algida [saxa] clialta.
39. mancipatam [uitain] pihaf-
ten, gifchali. [85"]
55. [per] fastidia peitun.
1735 62. prodidit offanota.
67. arenas syrtium grioza.
80. credita giloup.
83. excors unfrovtiu. [86"]
112. tartarum helliuiiir. [86'']
H. EPIPHANIAE.
1740 55. qua dara. [87"]
81. altrice zuhtari.
101. mas [infans] deganchind.
105. suspecta zuruvariv, ant-
fazzic.
108. indolis anuvaiii. [87'']
1745124. singultat raCkezta.
139. uurus fnuron. [88'']
174. dispendia ung'uuori.
175. tribulibus gipur.
178. aliieo tivffi.
1750 199. rasiim gifcapanuu. [89'']
EPILOGUS.
26. obsoletum iruvortanaz. [90"]
CAIN ET ABEL.
6. aestimat chof. [93']
PISCINA SILOA.
129. horis fluntun. [94"]
DOMUS CAIPHAE.
159. hie luflih. [95"]
APOTHEOSEOS PRAEF. I.
1755 1. specimen funtrigi. [95'']
APOTHEOSEOS PRAEF. II.
9. diuortia chcra.
10. orbitis uuaganleiron.
18. pruriat fcape.
24. sillogismos plectiles uuah
Iprebigun gikerida.
25. captiosis bifuihliehaen. 1760
strophis eher, tumiin.
26. versipelli astutie uii'lli
rbiero eleini. [96"]
49. culmiim lialm.
52. coquat girife.
54. recrementum vnchrut, an- 1765
vahft. [96'']
11.
20.
69.
99.
126.
143.
145.
149.
160.
162.
167.
175.
179.
182.
193.
198.
200.
201.
APOTHEOSIS.
acies vuaffiv. [97"]
glaiico plauvemo. [98"]
quandoquidem vuanla. [98'']
haiirit trancli. [99"]
loquor heizo ili. [99'']
[non] iussa [aura] firpotanaz.
[per] tiaras huotiin, gapha.
superstitio gimcilheit.
mutaret mvozoli.
obsidc kifale. (100"]
intercute inuartigemo.
compeiidia churzi.
insane urfinno.
fraudas piteilif. [100'']
instrueta [ratio] giviiar.
acerram morihi, cherolun.
doliramenta topazunga.
quos vuelihiia.
1770
1775
1780
1733 //»■ giCcIialliteii oder ü/mtiches 1762 zioisclien i und r ist
ei?ie rasvr. l. uuilliuu;ulneio. ei in cleiiii ist durch teibmg ei?ies o
gejnaclU worden 1765 /. auvahlt 1766 vuaffiv {Gr. ^,\2\1 vermutet
vuafriii) gekört villeic/il nicht zu acies so?idern ztim nächsten wortc vio-
lenta (tuendo) 1780 nicht ausgeschricbejies givuarnotiu
Z. f. D. A. neue folge IV. 5
66
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
202. torta vertigine gmintinemo
ferli.
1785 210. spera l'cipa. [iOr]
212. non recipit nigidenchit.
216. semifer halptioro.
223. abiurare feii'agen. [10 1*"]
249. (ridiculum) hüi. [102^]
1790 265. cui vuemo.
272. decisus pifcrotaner, [10.3']
315. genealogus chunnizalari.
325. coctile gigozana. [103']
341. cortice rinto.
1795 libri faphef.
343. surculiis fnitilinch.
353. lasciuire fpilon.
similaginis fimile. [104'']
380. ausoniae lanch.
1800 388. testudo haraüa.
392. fidibus feitun.
400. inerginia topazunga, vrfin-
nigi. [105^]
407. spiras ringa.
416. griinnitibus cherun.
1805 424. biberi [solis] fpanifce.[106']
458. gypso hovare.
459. siifire rovhan.
463. vmbrabat pivienc.
472. cymbia napha, fcala. [106^']
1810 477. thessala [camiina] zovpar.
479. frigentibus fufenten.
480. pigrescat dreba.
481. pateram fcala.
490. exerto irzoganemo.
495. flauicomaiitum falaloh. 1815
[1071
509. quo demo.
511. cuius vuef.
proterat tirtritit.
515. cementum phlafter.
516. politum gitilotaz. 1820
519. fabriliter fmidilibo.
520. dolata gibaliietiv, gifnitiniv.
[107'']
528. esto daz finvfo.
533. seruor pibaltan pin.
534. suspendunt intbapent. 1S25
546. dilapsa piflifTaniv.
551. sortita louzentiv. [108']
594. fastos iartärin.
609. lancibus pacbvueg. [108^']
617. diriguit arftapata. 1830
619. manco [ordine] lamero.
621. villis zotan.
630. orbe ringe.
635. specimen funtrigi. [109'']
663. ridenti lacban. [110'] 1835
685. roranti pumice nazemo
tupbfteine.
686. scatebras vuimezunga.
705. summatim enezin. [110'']
710. conciliabula dinchfteta.
712. feruent cradamtuni. 1840
717. ambesis halpezonen.
cumulatim huflibo.
aggesta gifamanota.
redundant knuhten.
1786 hei v. 212 steht am runde tagef das ich nicht unlerzubringeii
weifs. villeicht ist das wort verstümmelt oder gar nicht deutsch
1799 abgekürzt ßi' lanchpartifcun 1805 fpanifcero? 1828 die
letzten buchsfaben des Wortes sind uns^her. wol iäitati. dahinter steht
zu V. 597 notis jsrerif. ich glaube gerif ist lateinisch und = gifis 1835
abgekürzt für lacliantemo
V. AUS MÜNCHEN
67
1845
718,
720.
725.
734.
1850
74J,
744.
747.
753.
1855
766.
769.
812.
817.
822.
1860
844.
848.
860.
861.
906.
1865
907.
935.
977.
983.
18701036.
, niollibiis mitter mchala.
gemit chiurit,
siib fasce iintar der purda.
rudere arize, molto.
primum ift. [111"]
retexo cello.
penetrauit verit.
caribdis nemo,
obice grintile.
substricta unfzimptiv.
[111^]
infecto iriiiiartemo.
cui viiemo. [1 12']
linea zila.
tabentibiis molaviienten.
(oblita) sordidata pichlenta.
[113^]
parcus meziger,
siiblidit firchnufit. [113']
vola füft.
patulam [palmam] gifprei-
tan. [114"]
illecebris luft.
nimiiim ziiiilo.
vohitabris folagiin. [115^]
expositam furgifazta.[l 1 6^]
mendum vrdancha.
notat celit. [117']
quorsum vvbrftfp. [118'']
HAMARTIGENIAE PRAEF.
14. parricidalem pruodar.
16. sarculo iatifarne.
23. quod pidiv. [119"]
59. lympbaüco vuotigemo.
ii2n
HAMARTIGENIA.
[122"]
1875
[122"]
1880
1885
1890
56. damnat fciltit
120. alii andremo.
125. attoniti irfcaltel'.
frenesis topaziinga
138. pedicas Yualza.
140. inretire inpeheftaü.
plagis mafcon. [123^]
160. creaiiit ardahta.
168. (ferox) haiitagef.
170. ostentat ruomta.
licito vrlovpe. [123"]
188. zeli zornef. [124"]
201. micat lechezta.
202. trisiilco trifurihemo,
207. siipellex giziugi. [124"
226. ambiat piuabe.
232. frutectis fpreidahin,
233. cicutas fco! pint fcarnin
herba fcerelinc.
238. legiriipis eciflizen.
242. repagula floz. [125^]
247. rotantur giviiarpit vuerdint. 1895
257. parto givunnancmo.
259. scatebras viiimi.
260. eliquat farfmalzit.
262. scalpens crapeiü. [125"]
271. concbarmii peralono.
calculus meregrioz.
273. tedct pidrioz.
285. viros gommana.
289. (sciitulis) scutulalis uesti
bus fcopobteu givvaten
291. stamine viiarfa.
292. lanngo uvolla. [126']
1900
1905
1845 niüUibiis für molibus 1848 molto auf rasur 1849 dk
eriCl 1871 /. pruodarCleccun ähnlich P 1883 lianlagcr? 1904 /.
(cipohten
68
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
294. veuantem [tunicas] ziohan- 461.
tcn, plagenten.
295. plumea giarahotiu. 477.
296. peregriuo puluere pifamun. 478.
1910 297. aiiras ftanche. 485.
303. lotibus tolungiin. 521.
308. pupiila felia, apfol. 525.
310. theatrali fpililihemo. 538.
uertigiiie liimodi.
1915 316. lirice fpilililiero. 540.
317. neruorum feitouo. [126"^] 610.
322. ganeonis filafrezin. 615.
iuescent inpefcen. 649.
327. sensu pifuntnulTidi. 652.
1920 329. fulchro fedarpetc.
334. necaddicitnpimeiiiat.[127"] 680.
361. drei ringef. [127"] 696.
372. consessus gifidili. 707.
(renale) vuedanlihi. 759.
1925 382. stertere ruzan. 760.
386. commendat giluipat. [128'] 762.
395. superstitio zuruuari.
400. personal chronit. 796-
402. clauam cholpun. 797.
1930 403. gymnosophystas fpilivuifun,
iiuerolt uvif. 807.
408. triumpliat gidoupot. 810.
410. casside helme. [128"] 813.
414. volitantia rennenliu. 814.
421. insultat Ipiloit. 822.
1935 434. manicis liantdruhun. [129'] 844.
441. exanimare [reos] irteilan. 848.
i'asces l)cfemon. 851.
442. frangere [fasces] irfceiuan. 852.
444. limat snit. 853.
anathemata furvuazana. 1940
[129"]
botrionis drupin.
vcrsare [solum] arton.
nimbos tunfti. [130"]
conliictamur ingaganin.
affectus lultunga. [131'] 1945
medicato [vulnere] giliip-
pero.
iacit gifcoz. [132"]
haustu filmte,
pensare fergeltan. [133']
grassarier viiotiu. 1950
concipiat [sonos] ferneme.
[134']
preficeret furigiftati.
emicet dauafcriche. [134"]
licentia muoza. [135"]
perustuni pizufcten. 1955
tabularia prieiiida.
popinas tranhc liuf, chu-
hina. [136']
ditilius rihhiin.
stjnalentibus ftiuchenten.
[136"]
illeuit piftreih. 1960
retinacula fnarachun.
spatiantur l'perzipeinant.
suspectam zuruuare.
iiiscosiis cldeip. [137']
properanda horfco. [137"] 1965
compes fuozdruh.
exosa lodezentiu.
postliminio ellentuomo.
oblectat lochot.
1921 di-r ernte buchstabc ist forlgesclniitlcii. l. nipimeiiial 1939
wahrsc/ieinlich nicht ausgeschriebenes giiilifot wie P 1964 clileip ist
subsl. , entweder zu viscosus paslus oder zu einem aus viscosus zu ent-
nehmenden viscus gehöriir 1965 gl. cita
V. AUS MÜNCHEN
69
1970 854. deliciis zarton.
857. libat chorot. [138"]
868. lucida telia.
882. transadigit ratifcot. [139^]
917. mugitiis [tilbarum] doza.
1975 921. iimolucris piuimtiiurfuu.
926. chao [dirimeute] gimifcido.
[139"]
929. proditur gioll'aii.
935. iienialjüe antlazlih. [140']
957. castrata pilieriontiv.
1980 recisiim [animuin] pilhi-
tanaz,
964. tepescat flevve. [UV]
PSYCHOMAGHIAE PRAEF.
5. senile altlihaz.
12. uirtute tugindi. [141'']
31. greges equarum ftuot.
1985 33. (l)acis) baga halfduinc, bac(?
gemme . i . halfpouga.
[142^'
46. magalia loupa, hutta, [142'']
PSYCHOMACHIA.
5. milite chempbin.
9. libertate ftate.
11. meliore manu kifuntcro
henti. [143"]
1990 31. labelactat piualta. [143"]
45. subliindere fumo pideni-
plieu. [144"]
95. uortex vuerauo. [145']
116. conto ftango. [145'']
122. crispata fuacliazcnti.
1995 127. neruos cnopf.
137. capuluni helza.
139. cerebiuni hirni.
141. tinnitum galm. [146']
ISl.missile gilcefti, fpirilin.
[146"]
180. arnios puoc. 2000
181. iubis zatun.
184. ciiTos cranza. [147']
191. madidis nazzen.
lupatis gipizz,
195. faleratum fatalgereiti. [148'] 2005
234. desidiam zagahcit. [148"]
255. umbonis rantboug. [149'']
314. amoenas uvnnifama. [150']
316. marcida vuaragiu.
324. lancea tart. 2010
328. eblanditis lochotun. [150"]
337. inhiant Itornetun.
339. electri fmelzif.
340. deditionis zurgüti.
348. cuspide ftaculla. [151'] 2015
358. mitra gapfa.
367. cantharus channala.
370. toreuniata travaz.
371. excidit untluor.
373. clicuit furiprahta. 2020
374. prima forncnligiv.
376. vespertiniis i'pater.
377. crapula uberazi. [151"]
390. incircumcisuni [regem] hei-
dinilcun.
396. proditione zurgüti. 2025
398. sceptri garti. [152']
406. legionc meniga.
414. uertigo felga. [152"]
1077 d/i. gioflänot uuirdil 1988 oder lateinisch? in der i^losa zu
diesem v. kommt state vor 1999 G/v///' 0,461 gifcefti 2004 /lintcr
z )'asia: Gr. gipizzun 2005 ///. zu lalera
70
GLOSSEIN ZU PRUDENTIUS
426. frustis fclierrun.
2030 430. lasciuas huorino.
431. asperet inplanta.
435. sistro fuegalon.
441. uenustatis erlihi. [153^]
448. redimicula neftilun.
2035 451. miles heri.
453. coniuente palantemo.
466. comitatus gl [153'']
472. exerei'e arlofau.
475. biillis pulchunim. [155^]
2040 540. anathema firmeinramida.
[155"]
570. portenti pitrogif. [156']
594. palpitat zapalota. [156"]
600. marsuppia fecchili. [157']
633. exliljiilat iingurta.
2015 636. corniciniim heritrfipan.
aera horii. [158"]
704. deprensa ferrtantiniv.[159']
722. clacis xfltgaiigan. [159"]
726. composito giftatiten.
2050 737. carum gkinfkn.
738. aggere hohpuri.
743. languore flali. [160']
755. rure heime. [160*^]
777. bile galla.
2055 o])liqu;i fcflblierp. [16 P]
795. feritate lärphi. [161"]
820. comminiis ('l)ml)nlibftp.
829. argutam ganziin.
829. ne mutilet nigirri. [162']
837. vestibulumuvrichelli.[162''] 2060
872. conco fcalae.
877. retractat trahtot. [163']
883. colio rtiii.'
890. stercore mifta.
894. couÜictibus ftritun. 2065
898. ferre lidiui. [163'']
908. lux guoattat.
teiiebr^ vpiltat. [164']
CONTRA SYmiACHüM I. PRAEF.
10. praelia liinfti.
13. ex[ponitj uz. 2070
16. palmitum zuogun.
18. congerit zuotruoc. [164'']
31. liuidä plauuero, gifuolle-
nero.
40. sanies eittai\
43. rotat hinafuanch. [165'] 2075
49. (turbine) alitungo.
54. (inuolucris) implicitis nexi-
bus piuuntinuff dun.
65. condiderat giftatota. [165'']
68. senio niuodi.
71. concreta zifamenagiuuah- 2080
faue.
72. illuviem upbruuafhfkni.
74. spcs vuan. [166']
88. citus [Impetus] gahia.
CONTRA SYMMACHUM 1.
1. aeijram aruuortana.
2029 vgl. Hier ?n/id. wb. 22,399 2036 =pilazzenteino? pa für
pi kommt vor (paclmzta 763); die ahd. beispicle von läii für läzan sind
allerdini^s selten, bei Graff habe ich la , lat und lie belegt gefunden
2037 dahinter raszir mehrerer biichstaben und dann schatten eines n.
etzva yiuertun wie P- 2039 zuerst sta?id plechun das atisradiert ist
2050 gehört villeicht zu par 2063 dh. ftiuri. gl. summitati 2075
Graff' zieht die gl. z7i inipotus 2077 zzvischefi C und d ist ein i 7iicht
?iichr sichtbar 2083 schwanken zioischen eahiu und gaha
V. AUS MÜNCHEN
71
2085
5.
15.
16.
17.
49.
2090
50.
58.
65.
66.
2095 68.
70.
71.
73.
2100 88.
97.
109.
117.
119.
2105 12.3.
130.
1,32.
137.
147.
2110156.
160.
175.
182.
183.
2115 188.
195.
turbare girran. 198.
clausam pirafla. 204.
tabentis i'uleutero. 211.
pure gunde. [167^]
incurMim crumpiz. 216.
putaiidis zifnidana. 228.
calybem fichilan.
adhinniiiit vuegota. [167''] 230.
pessulus plochili, criutil. 234.
cuueis vuecgun.
amicae fridilo. 249.
compressu afficiens pilic- 256.
kint.
catamitiim kiflafun, dio- 258.
chuii. 259.
pelice chepilliiige. 260.
fiiixit ratifcota. [1681 263.
experientia chleui. 269,
incantare pigerminon.
[168"^] 276.
intendens auacherent. 289.
efferbuit vualzota. 322.
celeps vuituo. [169^ 324,
lasciuit fpilola. 331
chelindris hafala.
satyrorum fpilara. 335.
scortum bupr. [169"^] 345.
induperator huorari. 349.
quae diu. 353.
deprensa aruaraniv. [170"] 354,
lusa pitroganiu. 383
capitolia liobkizimpiri. 385,
titulo cro. [170''J
orgia nabtranc. 386
penatum beimgoto. 387
superstitio hedinifcbi.
lares liufcota. [17r]
pcrsuasum [babiiit] gifpa-
nun.
capitolia bobzimpri.
2120
It^deia proles zuitarna.
[171"]
verii fpiz.
picus Iptlit.
(picus) pica agalftra.
consulta fraga. [172^ 2125
prouuba likpbrkgkx.
geniale gibiUbaz,
pactam gimabaita.
vitricus ftivffaler.
priuigni ftuuffuii. 2130
tedas bileib.
ciaras mara.
amoribus giluftin. [172'']
lyeum lid.
ducta gileittu. [173"] 2135
coiitractior eiigiro.
circinus rizza.
ad sigiia trionuni za den
nord zeichanun. [174^
(deditus) gigifler.
commenti ardencbenti. 2140
sellam curulem dingftul.
vaporat rpxbbkt. [174"]
utciunque &tauuie. [175"]
pasta gifrovuitiv.
ampbiteatralis dero fpili- 2145
cliun.
iuguUs riablun.
inferias oppbar.
2116 vofi anderer liand
nothi 2130 Gr. fluulTun
dies splendef?
2121 die gl. gehört zum vorhergehenden
2135 über omicat v. 317 sieht fpcldet. ist
72
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
397.
421.
2150422.
434.
436.
437.
439.
2155
444.
447.
455.
460.
2160 461.
472.
485.
2165 488.
490.
525.
532.
2170 536.
545.
569.
575.
578.
2175 579.
584.
588.
soluat firgelte. [176^]
ob iimpa.
retimdit gifaluvit.
cariosorum vurimpizigero.
bractea pedahin, pleh.
rarescit dünnet, t'oliet. [1 76''}
lima fila.
terens filontiv.
damnata pimeintiu.
genius ftetigot.
iura giviialta.
rüdes iinchunftiga. [177^]
prociüctus vuickariwi.
pace frid.
quietas [leges] rau.
intercepta iinterviiangane-
ro. [177"J
pila, pilus har.
cristis champun.
concreto mit gavuaffemo,
[178"]
numidam numediifcen.
interno innartigi.
serpente chrefintemo.
lumina hertuom. [179'']
[si Status urbis] in Ins est
famahafti ift.
aegre chumo.
quota vuelih.
despuit pkfmkz.
obses gifai.
volentem vuilligi. [180^]
599. curia dinchuf.
608. subseilia dincltuola.
609. infame bonlih. 2180
pulvinar gotapelti. [180'']
610. idolum abgot ftuol.
612. pedibus vuendun.
614. probatum daz pivuarta, un-
gipotane.
615. ratioue vuillun.
630. mimica fcernlibiv. [181'] 2185
638. (eburnis) eleplias belfant.
641. scrobis cruopa.
653. petita est anapichit ift.
[181"]
655. ventosas [sagittas] gizala.
657. ferat pere. [182''] 2190
CONTRA SYMMACHUiM II. PRAEF.
31. desiliat uzftafti.
36. pessum mergere nahpi-
foufan. [182"]
57. exultat cballoto.
fremit pralitoto.
intonat dozzoth. 2195
58. ventis eloquii giredin. [183^]
CONTRA SYMMACHUM II.
2. error hebes gipofi.
multa managiu.
debebit danccbön. [183'']
9. calentes gilerneten. 2200
10. classica borntrumbun.
ll.iactat uvitvuerftbta.
2157 gl. dcus loci 2162 das wort ist villeic/it nicht zu ende ge-
schrieben 2163 die deutsclie Übersetzung gibt einen abl. sg. f. loider;
an der stelle des I'rud. sieht aber ein acc. pl. 2166 /. gavuaffenenio
2175 zu despuit gehört die gl. sicher nickt, villeicht zu saiiie ivie Graff
will oder axicU, unvollständig, zu infectam 2183 die zweite gl. gehört
zu non iussum der folgenden zeile 2198 9 in der prosa nach v. 6
2200 gehört zu dem vorhergehenden congesla oder edoctos
V. AUS MÜNCHEN
73
23.
(mardvr, eichorn.)
154
(farre) far genus frumeuti
157,
qiiod proprie triticum
177,
est qiiod galli emerum
180,
(licunt.
2205
24.
, aspera hantagiu.
181
25.
(vis animi) paldi.
ardor girida. [184']
196,
29.
explicet fpreite.
198,
38.
(tumidas) crozza.
2210
vestita untaruahentiu.
217,
41.
lepida liiiplihhiu.
225,
46.
concipiiint gidenchenth.
226,
[184^']
227,
50.
praestet faraftet.
231,
52.
poesis fcopffanc.
245.
2215
(poesis castrauerit) daz me-
262.
ter diochint.
271.
53.
lucis lohim.
273.
54.
miisa daz fanhc.
276.
66.
aede gizimpre.
277.
68.
concentibus liUin.
284.
2220
69.
allegat redinota. [ISS'']
286.
72.
contingunt vuerdenta.
287,
75.
latebras livfi.
300.
78.
cessisselingan() vuolagigan.
307.
84.
reprehenderit gilal'trot.
309.
2225
91.
magnificis ftiiirren. [185'']
310.
93.
vestibuluin pforzih.
318.
99.
acicm fehiin.
331.
103.
(hebetem) hebes Ileviier.
352.
107.
inane [resolutus] in italaz.
[1861 '
378.
2230 120.
conicit ratifkota. [186'']
410.
148.
captina iinginialtigiv.
419.
^18"
2240
. ostent& ruomme.
, addical untartua.
, aniis Itiiif.
. corrvimpitiir gimietit vuir- 2235
dit.
. percellit triphit, haram-
fcarot.
. riuirescere gruonam..
. vixere impbfun.
mortiia fuliv. [188']
. (faiTajlarragineazza. [188'']
, lasciuis biiorilinen.
. pretexitis firterchinet.
. mole [laboris] unfemfti.
. luinisteriis dionurtun.
cementa phalfter. [189'
celso iVapari. [189'']
accipias üriiemift.
dici giheizan.
iides triviia.
nascentis vuerdantero.
rglandibus druof. [190']
strictura herda, effa.
, restillet tropheze.
fulchra ftuola.
uariare niuzon. [190'']
Senator herro.
scita gifezzida.
repit afolb. [191']
decocto [robore] irvuenero-
2245
2250
2255
hoc fumvuelili.
bimaris zvimerilib. [192']
species funtringi. [192'']
captiua unguvaltigiu. [193'
clauuni l'tivra.
2260
2203 vermöge welclier gcdankeyiverbindung diese beiden worle am
rande beigefügt sind weifs ich nicht 2221 vuerdant? 2234 dh.
rtiufmuoter vgl. gl. uetula mater 2246 /. i'iTipari 2258 lir. 1,470
2250 von Gr. 1, 944 in irviiorencro gebefserl
74
GLOSSEN ZU PRUDENTIÜS
2265 423.
fastigia hohi.
604.
liyster tvonouva. [197"]
424.
(fasces) fascia iieftila.
614.
vadimonia vuette.
(fasces) alligatura gipimtini.
625.
tuentibus pifcirminten.
430.
deprendere iruaran. [193*^]
626.
iucompositos uugirihti.
2300
443.
nientem rihtunga.
[1981
2270 454.
male fortia [fila] viieicha.
646.
persona fcemim. [199']
455.
trabes kehret.
669.
instinctu anazunga.
pendere hangaii.
671.
inussit anagiteta , anagi-
457.
fraxinus afc. [194']
pranta.
464.
inevitabile iinvirmitanlicho.
681.
placidiim [quid] femftif
2275 466.
retimdite irvuentet.
[199"]
468.
meritos fculdiga.
693.
claustra floz.
2305
471.
ac fit ioh mirth.
699.
mastrugis badaf.
480.
spirat [maiora] gidenchit.
703.
nimbos dichi. [200^]
[194"^]
716.
rependit firgalt.
487.
uanescunt zigent.
723.
reuidenti lachautemo.
2280 495.
dedidit gigifti. [195'']
724.
sertis plumun.
2310
523.
qui uuie.
728.
pallia phellola. [200"]
531.
[iiiter] turritas liburnas gi-
739.
petitae anagiftozauiiii.
turrotiin chiolin.
740.
tremefacta iruueigitiv.
537.
exterris [ordo] recchun.
repagiüa floz.
[196^]
747.
acrem chuonen.
2315
544.
acris [Ulixi] vizifigef.
755.
situ gilegidi. [20 T]
22S5 553.
dethrahit giprichit.
761.
qvi der.
554.
fortiter chn&hliho.
763.
nee \idet ananifihit.
555.
adscribit pizelit.
770.
admittenda zilazzanne.
559.
captivos haphta. [196'']
[201"]
566.
coruiniim fogalrarta.
780.
tabida pluotiga.
2320
2290 571.
osciuc fangai', fogalrarte.
789.
furis divpef. [202^
partha partifcemo.
808.
uuandakis uiuid.
577.
limbum foiim.
814.
[sues pmne] uatat fih fo
582.
fercula difci. [197^]
lagat. [202"]
595.
prosperat gihvildit.
828.
sordesceret ftiilTitati.
2295 596
604.
exasperat irgremit.
rheiius rin.
836.
840.
t'ornice fuipogin. [203*]
laruas Icraton.
2325
2289 die jjfl. gekört wol zu alcs am ende des vorige. i v. 2290
faiigar zieht Gra/f zu cornice 2297 dat erste v ist aus o gcnacht
3206 Gr. 4,S12 bcfser hadaruii
V. AUS MÜNCHEN
75
847.
longe filo.
974.
848.
perplexius tovganori. [203^']
976.
862.
ferulee feralun.
979.
2330 863.
magalesius perezintifcer.
985,
867.
cope afcloh.
987,
879.
distat mimiiillit. [204=]
988,
885.
facies anafiht. [204'']
prerogatiua fpenta, forda-
991,
runga.
995,
2335
parcissimi argiftun.
stipendio fuora.
1002,
priuilegiis funtrigin.
1008,
trapezitas meziaruu.
1009,
aegra aruuortaniv.
1015,
2340
nee neeuil iiirdäphta.
1036
913.
fraiidentur firhiiitrit iiur-
tun. [205"]
1037,
918.
iiiuidiosa leidfamiv.
1041.
922.
stagnare fevuaziii.
923.
siceo [flumine] pifiganero.
2345 925.
sudare nazaii.
927.
aruit pifeli.
1044,
932.
arida [per] plana erdun.
1054.
933.
glebas fculpun.
1076.
9.34.
[ad] pingue [lutuui] piri-
gero.
1080.
2350 935.
crinitis giliarelon.
1082.
fluctuet hehif. [205']
1084.
947.
corna quirnperi.
1086.
952.
opimus [orbis] pirigiv.
1089.
[206'^]
1091,
963.
tiilit par.
1094,
2355 967.
reposto [igne] pitrohlia-
nemo.
1106,
discussa girtiu.
rubigo miltiv.
Caput [ciümi] ahir. [206'']
ancipites maffa.
temperies givuitiri.
morbos irvuartnulTida.
vulnerat givuirfirot.
excessu upfengidi.
senescunt irvuerdent.
[2071
gignitur irrinnit,
fasciolis vuitton.
terminus marchftein,
friigi mezigi. [207'']
siunniä [aure] fornenti-
ffemo.
2360
2365
2370
upviiah-
[2081
[208"] 2375
disponil giribta.
uitiosa [flagella]
fina.
necent irdemfen.
flagella vuipbila.
glarea ftein, fant.
giirgulio engirinc.
quandoque nobvueuni.
uigor ftarchi.
(unfibc.)
perliincta lirnozaniu.
riigas zuhbun.
infiila vuiüa.
retecto intactemo. [209^
caue^ ringif.
(pbaleris) gipentin.
licia rablretla, ridila. 23S5
2380
2334 — 40 in der prosa vor v. 910 2351 wol zu aristis der
folgendan zelte 2368 inozis;! sieht für niczigo 2374 ^'7. glarea
terra petrosa vel harenosa 2378 wohin unfihc zu ziehen ist toei/s ich
nicht 2382 hs. rectecto 2384 gl. phaleiis imiliebrilnis oniamentis
76
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
VI. MCNCHENER GLOSSEN.
HAMARTIGENIA.
120. [6^] alii andremo.
125. attoniti irfcalte.
frenesis topaziinga. [6'']
138. pedicas uiialza.
5 140. irretire plagis inpeheftant
mafcon. [7^]
167. ferox, tumidus hantagef.
170. ostentat ruomta. [7"^"]
188. zeli zornef.
202. trisiilco trifurihemo. [8^]
10 226. ambiat piuahe.
233. cicutas fcarniu herba, fce-
relinc. [S''j
247. rotantiir giimarpit iiuer-
dit. [9"]
271. calculus meregrioz.
291. stamine uiiarfa.
15 292. laniigo vvolla.
294. venantem [tunicas] ziohan-
ten, plagenten.
295. pluniea giaraiiotiu.
297. aiiras ftanche, pifamiin. [9^]
308. pupula apfol.
20 310. vertigine tumod.
316. liricae fpililibero.
322. ganeonis filafrezin. [10']
327. sensu pifuntnnfl'idi.
329. lulchro fedarpete. [10"]
25 361. circi ringef.
372. consessus giffidili.
venale vucdanlibi. [ll'j
382. sterterc nizan.
386. commendat giliupat.
395. superstitio zuriiuari. [12'] 30
441. fasces befemon.
443. compede druhe. [15']
610. haustu flunte. [17"]
762. propinas tranhchuf, chii-
hina. [19']
844. properanda horfco. 35
848. compes fuozdrnh.
853. oblectat lochot. [22']
CONTRA SYMM. I. PRAEF.
39. acumina angula. [22"]
54. inuohicris piuimtinuffidun.
cubilibus legariin. 40
65. condiderat giftatota.
68. senio muodi.
71. concreta zifaniena giimah-
lane.
72. siluosi [idoli] leidholz.
74. spes uuan. [23"] 45
CONTRA SYMMACHUM I.
17. pure gunde.
24. rebus facha.
curam ruh.
futuris cufting. [24']
68. amicae fridilo. [24"] 50
71. pelice chepiflinge. [27']
211. persuasum gifpanun.
230. veru fpiz. [29']
324. circinus rizza. [35']
640. uluas riotgraf. [54'] 55
CONTRA SYMMACHUM II.
925. sudare nazan.
18 s. M' 1909/' 34 /. popinas 49 /. ciinftig
VI. VII. AUS MÜNCHEN
77
VII. MCNCHENER GLOSSEN.
PRAEFATIÜ.
8.' [2"] toga dincuuati. [3'J
20. euectum kuuurdirotun. [4']
H. A. GALLI CANTUM.
85. conuolulis kirigilütan. [S"*]
H. A. INCENSUM LUCERNAE.
114. calta chlfp. [9M
5 147. temo dkfblb. [W]
H. A. SOMNÜM.
48. ambage xmbkffgk. [IT]
138. portenta uiriuizci.
140. praestigiator gbiftbrbrk.
[131
H. MATUTINUS.
6. percussa pifcinaniii. [IS'']
10 39. togatus fprachman.
41. forensis dinclicli.
45. fenoris lechner.
59. fucis trukiheitin.
71. ebeno haganpuocha. [14']
15 81. inguen laiicho. [\A^]
H. A. CIBLM.
10. capere niozan.
14. favor fegaii, folleift.
26. hederas fbp^mb. [15"]
48. calamiim angol.
20 53. pampiiieo iiuinblatiHchen.
55. ahimna zuitarin.
56. opulenlia gniUfama.
74. (thmio) pinefuga. [15'']
104. latex uuazzar. [17']
H. JEJUNANTIUM.
25 119. olTam ftxcchk. |19'1
H. P. JEJLNIÜM.
54. confectos aruafteta. [22^]
H. 0. HORAE.
112. crepidines phbldk. [23']
H. A. EXEQÜIAS DEF.
26. graue Icbdpn. [25']
P. CALAGURR.
3. notis gimarhten.
15. impetratum gitVumitaz.
16. suftVagantum de lielfautauo. 30
23. dispendio dero praftimga.
[25"]
24. rependit virgillit.
25. decorum zirida.
probis dengoteu. 35
32. [ad perenne] cingulum
raiiui. [26']
56. [post] uim crhephti.
66. stipeiidia Ion.
69. ridenda honUhiu. [26"]
75. cartulas puoh. 40
86. orariiun ougiuanun.
89. sequacem uolgalina. [27']
96. relatos prungana.
98. rictu ginunga.
102. questione urfuoche. 45
104. [per] flagra fiUado.
110. iingue nagahi.
117. sospitant gigenzent.
alluit nezit.
119. coniugum charolo. [27"] 50
P. VINCEXTII.
1. prospera girilili.
19. captator uarari.
25. as[sistile] zuo.
21 Gr. 6,619 liesl, viUeicht atts richtiger konjeclitr zulilaiiii 31
dero"? 32 ti aus a geynaclit 42 lis. seqnaco 48 hs. sospilat
78
GLOSSEN ZU PRUDEiMlUS
■33. praesint meiftrogen. [28'] 204.
55 41. commotior alpolganora. 217.
49. decretum pimeinida.
60. extorque uzariiuint, 220
62. strideiis fufentaz.
lammina blehc. 227.
60 69. fabrili fmidilihero.
73. sumptuosa ziiichartiu. 243.
79. auciipes uarari. [28''] 249.
98. lictores iiiiizinara. 259.
101. pr^toriiim phalaiiza.
65 102. conuiciator fceltari. 261.
112. diimlsa intlochaniii. 263.
113. liiulcis ginenten. 266.
116. palpitet fpratalo. 343.
120. iingula cräfFo. 396.
70 122. euiscerando fciiriphento.
123. nisus cilunga. 409.
131. reiiidet lahhet. 410.
132. tortore imizinare. 416.
138. par gnozfcaphat. 505.
75 140. respiret gipolezze. 518.
141. presicca pirafta. 520.
142. colligit gifamanot. 529.
144. diriiet ziftorre. 531.
148. age ipse vuola du. 547.
80 carnifex viiizinari. 560.
1 50. recessiis gitougini. 566.
167. perstat iiuifit,
169. lacesce gichruoni. 7.
173. stridentibus ruzintim. 36.
85 1 74. uncis crouuihin. 40.
179. piiluinar gotopetti. [29^] 41.
198. iuligo riioz. 48.
201. saucius irgreniil. 57.
egerit iiziuirf.
serrata regiila gichrinnot 90
ftap.
iiaporat diiomta.
halitum ftanc.
punctis trophiin.
stridulis fiifenten. [30^]
fornicis fui pogin. 95
baratriim helliloh.
accuminata gifpizzitv.
informia unpilid.
spiciilis ^Taffin.
iusomne flaflofiz. lOO
meditator deinchar. [31"]
tutamen pifkirmida. [3P]
inter carices imter den fa-
hahin.
friitectis fpraidahin.
infestus giiiarrer. 105
pliimis iiedarun. [32'']
amoeni def heirin. [33*]
condita [ossa] pifolahna.
haiiriuDt nemint.
sector fegari. 110
segmenta ftuccbi.
efficax frumiger.
nee imputet niuuize. [33'']
fauorem folleift.
P. LAUREXTII.
monstruosis trogalihen.[34'] 115
retexens zellent.
praestantior fordroro.
claustris flozun.
exaetor nrfuocbari.
conqueri ftouuuan. 120
61 /. ziuchaftiu 70 i scheint der rest ehies a zu seht 83 /.
gichiuozi 89 /. uzuuarf 93 Gr. 5.384 hat doplmn 103 Gr. 6,148
vermutet faharahin
VII. VIII. AUS MÜNCHEN UND KIEL
79
62. motibus irpolgnuffin.
65. orgiis iihtifangan. [34'']
76. sestertiorum dero mezza.
78. aiictionibus merungan.
125 86. praestigiis zouprungä.
91. stipendiis heriftuirin.
102. pliilippos mancula.
104. marsupio fechili.
112. obtemperanter giborfamo.
[351
130 126. induciarum tagidinga.
127. fiingar niezza.
132. summula fcazalanga.
143. stipem lipnara.
150. criire fcincbun.
135 159. peini cbellara. [37'j
318. caiiillo mimico f lichon
Ip.... [50"']
P. XVm. MARTT. CAESARAUG.
79. infulata ginuenteta. [86*]
P. ROMANI.
1078. igniuerint giheizent.[131']
HAMARTIGExMA.
238. legirupis bebrucbcban.
[135"]
442. (frangere) arfceinan.[170'']
CONTRA SYMM. I. PRAEF.
68. sohiendis zinfroranne.
senio muodi. [174^
CONTRA SYMMACHUM I.
123. lasciiiit fpilota.
140
VIII. KIELER GLOSSEN.
H. MATUTINUS. '
32. [5'] niigator triigenari.
34. (hidicriini) fpil. l fpöt.*
39. togatiis fpracb man.*
45. ff-noris, vsurse. l analeb nef.*
m
H. A. CIBUM.
5 12. appetere gegeron.*
14. imbuerit nezen.* [6'']
18. seria erneft.*
24. nectaream femigun.*
27. tempora .i. tu uuinga. *
28. serta böbet gebente. * lo
29. stropbio gurtele.*
31. generosa du edebu.*
34. [si] recinat biten.*
44. umiina uuidabc.*
45. impediunt merrent. * [7^ 15
52. aristifere [segetis] abertra-
gigef.*
53. panpineo rcbeplatinemo. *
55. pacca pere. *
122 davor viUeicht ein z erloschen 135 das letzte a köjmte auch
i sein 136 verblast. Gr. 6,550 las noch mit fciinlihon fpoltum 137
das wort ist ganz verblast und wisiclier. gimiittcta? 139 dahinter rioch
ein strich und dann eii 141 zirftoranne? 11 wenn hinter dieser gl.
von Eckhard ornata conias habensa aufgeführt wird, so hat er eine lat.
erklärung falsch gelesen, in der hs. steht liabens .i. per (sc. comas)
12 zuerst stand diu, der letzte strich ist ausradiert 13 Infinitiv 18
vor p ein neumejistrich, kein C
80
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
63.
coma giuafota.*
113.
rosariis rofgarten. *
20
siliqua fceliiia.*
117.
gracili deinen.*
68.
coit zefameneferit. *
surculo fcuzelinc. *
74.
(thimo) pinefug. *
122.
concentu gehellin. *
' 77.
mitia rifin.*
126.
sub stige hello.* [13'']
82.
fidibus feitoii.* [7"]
143.
languidulis feigiren.
25 101.
virecta gruoni.*
148.
hesperos fternen.
112.
(illicit) infpuon. [8^]
149.
roscid^ touuegun. [14"*]
127.
plectitur ingeltit uuart.
H. A. SOMNUM.
148.
discidium gifcliz.* [8"^]
66.
perplexa ziuuiuiligiu. [15^
163.
exagitans iagonte. * [9'']
110.
preferre biualgen.* [15"]
H. P. CIBUM.
138.
portenta getroc.
30 14.
regnat rihifocht.
140.
prestigiator galfterare.
21.
sacellum betebura. [10^]
149.
fatiscens mudente. [16^]
49.
iiibas zaten.*
H. JEJUNÄNTIUM.
69.
liba celten.* [10"]
12.
degener unedeliu. *
86.
trucis grimmin.* [11^]
socordia Ilaffi. *
H. A. INC. LUC.
13.
(lepos) fuzzi.
35 16.
collita[fila]birmizena.*[ll"]
20.
Stert at riuze. [17"]
27.
agit [emula] aiitrot.* [12^]
53.
cliuosa uhalden. *
68.
(sub bifido) vndiir demo
63.
(lanugine) bartfprungeli
zirfpaltenemo.
[17"]
69.
decolor miffeiiarua.
81.
stemma geflahte.*
78.
proceres hereii.
92.
censura urtelda. [18']
40 80.
iustitium fer.* [12'']
98.
nugas gebole.* [18"]
89.
loquacibus clingelonten.
129.
pumices tubfteina. *
93.
instar [fellis aqua] daz uaf
138.
struem dehufen. *
zere uif.
139.
flagellis gertuu.* [19']
94
lignum est deiftaz holz. [13^]
148.
claucos plauue.
45
50
55
60
65
20 da/imter v. 66 ist über nuilclia eine rasitr: villeic/U stand dort
chubeliu 22 hinter g ein buchstabe erloschen: es scheint eher e als a
getücseri zu sei?i 24 oa sehr undeutlich, limo bei cespite v. 97 7oird
wol laleiriisch sein 28 davor ist gifliz ausi>etvischi 30 c katm auch
t sein 37 vndiir demo tmter ziifpalteuenio von anderer hand; dahinter
wie es scheifit ein zioeites ziifpalteiiemo, vo7i der hand des vndur demo,
atisradiert 49 teilweise auf rasur 52 das letzte in hier und so?ist
zuweilen sieht %vie ui aus 56 in fatiscens i aus e gemacht 65 atif
bl. 18 zahlreiche rasuren 67 de" von anderer hand 69 ein accent-
strich unter e hat Eckhard zur annähme eines ii verleitet
VIII. AUS KIEL
81
70 153
168
172
184
75 185
188
192
42
44
80 51
1
51
70
45
85 46
. 47
56
62
67
90 68
77
86.
62
79
, inpexa diuingaftiita. *
luillis zaton.*
, rorulenta touiiegen. [19'']
oraculum imbot.
emaiicipator beualgore.
, cupidinis gegirdo.
gratiam liubi.*
perpeti tulten. [21']
H. P. JEJUNIUM.
.lappis clibon.*
Carduus tiftil.*
, compeusaut uergeltent.*
[21'']
H. 0. HORAE.
plectrum .i. citerpfiu.* [23']
fatiscit intueihc* [23^']
expertes ateile. [2S'j
P. CALAGURR.
ultro eginif tauche!',
bogis .i. bovga.* () Boia. &
baga. vnum sunt, half-
druch. *
(forum) mercat.* [28'']
, [post] catastas roft ifeueii.
functa nizen.
pr^sidet meftrot. [29']
, infames unliuminthaftigen.
proditum fernieldet.
orarium ovgivanvn. [31"]
P. VIXCEMII.
lammina blelic*
. aucupes heilifarc. *
80. sordidi varara.* [31''] 95
94. profanus firuuazeno.
98. lictores uvizinara. *
102. conuitiator fceltari. *
124. thoros dicchi. * [32']
140. respiret gipolezze.* [32''] 100
179. puluinar gotopeti.*
201. saucius irgremit.* [33"]
217. serrata regula gicrinnot
ftap.*
230. cauterem lauit polz naztta.*
241. ergastulo carcare.* [33''] 105
249. (baratrum) helliloch.*
252. diuaricatis gifcreitteu. *
258. ungulis uuaffiu.*
259. accuminata gifpizhtiv. *
271. stipitis druhi.* HO
282. comminus gifurfamo.
283. augustior herlihora.* [34']
290. (munia) ambaht.
316. concauum chemi natvn.*
[35']
366. (auleis) aulea proprie um- 115
bancha. *
373. (stipant) unil)edrangout.
394. profanus firuuazeno.
396. carices faharahi.* [35'']
407. sedulo flizigo,
410. iufestus farare. 120
420. imbellis pofe.
430. spiritum vvillvn.* [36']
446. murices tvfftein.*
457. (sparteus) Sparteus culueus
(/. culleus) .i. desparto
70 Ubei' r eiti a und da es wideiiüick geworden, noch höher ein
zweites 71 z uOcr ta der vorigen glosse 87 zivei warte 92 vor-
her ein wort ausradiert 95 zum vorigen aucupes 97 das letzte a
aus e 107 über crucis v. 254 steht p?eni, u<ol für pociie 108 l. uuaffin
Z. f. D. A. neue folge IV. 6
82
GLOSSEIN ZU PRUDENTIUS
.i. pal (7. pale) foliis {l.
follis).* [371
125 531. segnienta fegunga.* [38']
P. LAURENTIJ.
57. conqiieri Ctovvuan.* [38'']
90. iisciis fronakelt. *
erariumtrifa chamari.* [39^
102. (philippos) .i. manciifa.*
130 104. inanis italer.* [40']
190. (riulera) hoc riis. ruris .i.
molt. *
215. effetus irfcafTauer. *
216. elumbe viiechi. *
iiiriis eittir.* [40^]
135 254. (prurit) .i. ivchit t chuci-
lot.*
255. scalpit fokalbit. *
258. (striimas) chelcha * .i. tu-
mores. [4r]
259. purulenta eittriga.*
(piirulenta) saniosa. tri'ba.
140 264. morbo regio gelakunt. *
282. miicculentis rozzeger. *
mucculentis, muccus roz. *
[41"]
324. (acroma) fpot.* [43^
449. (sterciilum) i. clo^cinvm
delangenna. * [43'']
145 480. pessulos floz.* [51'']
P. HIPPOLYTI.
244. sedulus agaleizer. * [55^"]
P. PETRI ET PAULI.
40. miisci miofe. * [56'']
P. XVIII. MARTT. CAESARAUG.
24. siitile kiriginlich. [61'']
P. AGNETIS.
76. (calentia) heiza.* [67']
P. EULALIAE.
137. (iuuat) i. iociindum. t lu- 150
rtit.* [68'']
203. (genialis) luftlicher.
205. (galathos) Ceiniin. [72'']
P. OUIRINI.
20. quolibet mit iouvederemo. *
[741
P. CASSIANI.
15. (piigillares) .i. haut tava-
la.* [75'']
76. (ferias) .i. iiirra. [77''] 155
P. ROMAM.
41. negotiis äbachtin. [78']
53. (perduelles) mitainuigen.
73. (bisulcis) mit cüibizikeu.
[78"]
77. intestabilis .i. laidaz.
78. iientilator Mierrari. * [79''] 160
156. lapis nigellus agath.* [81']
222. tanricornem farhunuin.*
124 das c von pale ist abgeschnitten 131 It durch ein loch ijn
pefga?nent teilweise verletzt 136 /. fkabit 138 man kann auch
eitiriga lesen 139 zwischen i und b rasur 144 wo! lateinisch vgl.
Dicfenbach 317. das zweite a ist unten angehängt 148 durch den
oöerscha/t voti h scheijit ein strich zu gehen, also kiiiginlicliez 153 t
erloschen 154 wenTi darauf öl. 74" über frangiint v. 4^ iiilidiiint steht,
so ivird das nur ein Schreibfehler für inlidunt sein 160 selir zweifel-
haft ist V und rar 162 ganz verblast
yil. AUS KIEL
83
222. lidiiis, tonus miisicusleih.*
[82'']
260. cvpe fnitelouc*
165 alliiim clobeloiic. *
261. lares fiurgota.*
262. holuscula gartgota. *
269. forceps zanga.*
274. limat uigelot.* [82"J
170 280. tyrso torfin.*
294. camiiiis deeffon.*
299. trulla .i. chella.*
peluis labal.* [Sd']
302. lana iiolla.* [86']
175 489. papulas bvllon.*
490. cauteribus pol zoii.*[90']
697. nates arfbelli.
699. secent fnitin. [92^]
798. recrudescentibus luiider
rciiuuian'dan. *
180 805. inertiiim deretrago.
807. uulturiim deregiro. [93']
848. struem luiifc. [94']
918. abdomina äpan. imenfth.*
[951
980. ecbo gale. [96^]
185 1017. (compagibiis) dilon, legi.
1018. terebrant durecboront. *
1025. brattealis bleccina.* [97']
1057. (lancinatores) lidare. [99']
H. VIII. KAL. JAN.
39. (emancipatam) manceps
.i. fcakb.* [1031
EPILOGUS.
18. olla laiila. rina.* [105^ 190
HELIM LUCUS.
56. libris rintvii.* [105'']
KAVlIt.
76. fiinda fliugun. [110"]
APOTHEOSEOS PRAEF. II.
22. nequior areger.* [110''j
54. recrementum fpriv * vn-
chrut. [112"]
APOTHEOSIS.
55. excita tlamma lado'Hoc. 195
59. siidibus diftilin.
61. frutex fprad. [114"]
148. sambiicasharephan.*[115"]
167. solidata gafta'tter. [115"]
185. adimas danaginimift. [1171200
249. ridiciilum huobc. * [1191
341. libri faphef. [1201
380. testudo cyttbara.* [1211
431. miscet cbt^nchit.*
433. mauri fercin. [1221 205
473. uerbena ifarna.* [1231
515. cementiim mortare.* () ce-
mentuni dicitur a ceden-
do .i. fcutenne.* [1281
681. [fluclum] anbelat flöz.*
[12S''l
718. fercula fcvzel vn. *
720. gemit ercrahcbota.* [1291210
725. rudere .i. arvzze. *
169 ziveifelhaft 176 das danach von Eckhard aufgeführte obcal-
luit diiiuii 5S2 ist duiuit 170 /. raphantan. der sclireiher verstand
seine vorläge nicht 180/" diese beiden gU. scheinen von dem Schreiber
des tat. textes Iterzin Uhren 183 zioischen beiden warten scheint ein
s zu stehen 195 beide warte von derselben hand über est ex((ifa)
203 über clielis in demselben verse scheint harplia * gestanden zu haben.
204 /. fclieiiiliit 207 in ftulenne ist ein zweites t ausradiert
6*
84
GLOSSEN ZU PRUDJINTIUS
727. [nil] daz.* [135'']
987. conficit gifrumit.* [138"]
HAMARTIGEMAE PRAEF.
16. samilo hovgvn.* [142'']
HAMARTIGEMA.
215 97. examina fvarama.* [142'']
114. medicans fvndens, Ivppon-
ti.* [144"']
197. corde kuoti. *
200. spiris rigiii. [144"']
233. cicutas Hemara. [145']
220 260. eliquat fmelzit.* [146']
289. scutulis fcyphoteiigeuua-
ten. *
292. laniigo vuolla.* [147']
362. leuitatis getilofi.* [148'']
402. clauam cholpun.* [149']
225 403. (gymnosophistas) fpilouvi-
fvn.* [149'^]
428. mammoneam otaga. *
442. frangere erfceinnen.* [150']
457. degenerant vuarpent. *
[150'']
467. quo dara.* [151']
230 485. iiimbos vnfti. *
488. ari&af torrezit.* [152']
525. pulsus lurtunga.*
538. medicato [iiulnere] toxicalo.
venenato. gilvppotero. *
[157"]
762. popinas .i.traiiclmf.*[158'']
789. [ad] hiulcum cuifpaltigemo. 235
795. iiirecta gruni.
801. (paliides) priic. [159']
809. illiciunt iiiicint. [162']
924. (loiigum per inane) durich
lange uuiti. [166"]
PSYCHOMACHIA.
68. quilnis uufder.* [172'']
314. (amoenas) imnnifama.*
[173']
329. inspirat anigiteta.
337. (radiorum) fpaiclione.[173"]
349. alam kirit.
358. mitra liuot.
359. (nardumj gefelbe. [175"]
436. lita giluppotaii. *
439. (ponipa) Cuolichi. *
444. (uoluptatem) zarth.* [176']
448. aciis fpenela. *
redimicula neftila. *
449. fdnila imfca. *
flammeolum orck* [176"]
465. corniptela mita.
466. emiienides hazafa.
475. bullis mitpalzon. [177"]
507. prestringens ritzinte. [178"]
554. Irugi nuzza. [179']
566. erynis hazafa.*
2i0
245
250
255
219 H xvie CS sc/iehit aus h. vgl. zs. 5, 326, 90 221 das letzte
n dw-c/i rasur aus m 235 bei bifido v. 791 sla7id am ra7ide ein
deiilSL'hes jetzt ansi'adiertes 2voi't von dem noch z"in zu erkenneji ist.
viUeicht zuuirkcino wie (£23 257 über eml)lemafa i-. 527 {bl. 178")
scheint plcc ausradiert und über aiiallicina v. 540 dürfte ucruuazana fast
sra?iz erloschen sein
IX. AUS PRESSBURG
85
IX. PRESSBURGER GLOSSEN.
H. JEJUNANTIUM.
133.
[18'] impiitans cellente.
37,
146.
frementem gremizonf. [18']
47,
165.
parca argiu.
56,
172.
oraculiim bimeinida. [19^]
66.
5 205.
limat chihafinot.
73,
rubiginem roft. [19'']
76.
210.
blanda miltiu.
41.
H. P. JEJUNIUM.
79.
10.
vixdiim nobiii. [20*]
88.
15.
imbuatur kilabot.
116.
10 24.
comat chiCiibere.
124.
25.
terge bifih.
141,
42.
impexis ftrul)ent.
lappis cleddon.
174.
43.
germen fmenvTaffenom.
177.
15 44.
Carduus diftil. [20'']
198.
64.
euervans kivueihhende.
204.
73.
annuit kifolleftit. [22*]
217.
226.
H. 0. HORAE.
227.
90.
sibila lofa.
228.
95.
iusvesceret geuuenide.
229.
20 101.
tepescere lauuen. [23'']
230.
H. A. EXEQUIAS DEF.
70. lieros gomo. [24'']
169. fouebimus bifeiinef. [25''
271
P. CALAGURR.
spicula tarta.
forum markit. [26']
catastas ritebouma. 25
stipendia heriftiura. [26'']
obsoleta irfcimbclegatiu.
tenacibus feften. [28']
P. VINCENTII.
commotiorirbolginoro.[28'']
aucupes neniare, farare. 30
tremendum antfazichif.[29*]
palpitet zabalo.
toros dikki.
prfesicca [uulnera] birafta-
ta. [29"]
uncis clauuii. 35
clauum luil.
fuligo ruoz. [30']
frendens gremizonter.
regula ftap.
scintillat rafkizta. 40
stridulis fufiuten.
sparsim vuar unteuuar.
ariiina feizti fuialz.
cauterem polz, prant. cau-
terium i. e. douil.
lauit nazta. [30''] 45
morsus slipitis locli Itoc-
chif.
14 die gl. gehört wol zu sudibus und ist finen vvaffen zu lesen,
mit om weiß ich nichts anzufangen 22 zu fouebimus passt die glosse
nicht, denn selbst toenn man Itifezimef das schon durch seilte volle form
hier auffallen würde, lesen xvollte, würde ein schiefer sinn enlsteheri;
auch bifeimeC ist nicht angcmefsen 27 hinter u steht 7toch ein m;
dies dürfte die silbc in der lat. gl. inuetcrata sein 46 gl. foramina uerui
86
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
289. decursa irlilina. [ZV]
311. nianserat vuaf.
315. aemule pilidliclioro.
50 318. postibus turiftodilin. [31"^]
342. tingunt iiazton.
355. aeger cluimiger.
366. auleis fiiliiviiin. aulea pro-
prie iimbihancha.
378. coqiiebant cbrummin. [32"]
55 380. efferata irgremitiu.
exusserant pranton.
403. tmcis gremizer. [32'']
436. voraces kitiga.
446. murices tubftein.
60 451. remo rvodere.
rudente feile,
carbaso fekile. 133"]
492. üscella cburbili.
495. labi fleozzen. [33'']
65 506. secessus kifuafi. [34'']
P. LAURENTII.
40. praestaiitior furiro,
48. exactor urfuocbare.
56. monet» muniza.
57. conqueri ftoiivuon. [db^]
70 125. flagito fergoii.
126. iiiduciarum tagidingo.
140. lucri fkazzes. [36"]
208. insolescat miffeuuonet,
217. optio Mieli.
75 231. manciim vuanbeilo. [37"]
242. volain liilt.
85
90
253. intemperans iinkiftomer.
255. scalpit cbiniffit.
258. strumas cbelc.
264. morbo regio kelofuhete. 80
282. (iimciüeiitis) muciis roz.
[37"]
284. lippos fiirougen.
294. proxime ininabun. [38'']
407. experimentum cbuft. [42"]
P. HIPPOLYTl.
94. agit tril)it.
102. [orl)ita] trita kiiioziniu.
103. loqueus ftrictio.
111. prorumpunt uzpraftin. [43
186. speculum Ipiegil.
201. couiundit kimilcit. [46'']
P. PETRI ET PAULI.
40. musci miof. [48"]
: P. XVIII. MARTT. CAESAR AUG.
101. palestra fpilehus. [48"]
132. tabidus [bunior] guntigiu.
[50"]
P. AGNETIS.
129. fornicem buorhuf. [53"]
P. EULALIAE.
151. odoriis fpradelendo. 95
in iugulos in de brufti. [55"]
P. FRUCTUOSI.
91. calce mera pararo l'uozaro.
[57"]
48 die wähl der deulsclien Übersetzung wird durch den ztisainmen-
hang erklärt, quem cura pernox manseral seruare feialem domum ist
identisch mit cuius erat cura 87 ftrictio gehört e?itweder, da bei der
annähme von laqueus ftric die buchstaben tio unerklärt bleiben als ftricla
SM innectit oder ist für das lat. subst. zu erklären : die glosa erklärt la-
qiieus durch coiislruclio für constrictio
IX. AUS PRESSBURG
87
P. CASSIAM.
572.
17.
aeditiius figirifto. [57'']
586.
68.
fatiscit irmuodet. [60'']
P. ROMANI.
589.
100 156.
lapis nigelliis agatlftein.
[621
592.
603.
267.
L " .1
ofücinis fmiddon.
609.
280.
thyrsus rebetorfo. [84'']
APOTHEOSEOS PRAEF.
621.
630.
27.
tenaces zaha.
635.
45.
interpolat unterkernit. [88^"]
APOTHEOSIS.
652.
105 145.
tiaras huota. [88'']
663.
161.
adsvesceret kiiioneti. [89'']
681.
198.
acerram uuirochfaf. [90^
685.
223.
abiiirare firneinnen. [91"]
709.
293.
cippo ftocche. [92'']
718.
110341.
libri rinto.
720.
343.
surculus zuig. [93"]
725.
354.
turgescaut fuellent.
368.
posteritas hinderdicuf. [93^*]
747.
388.
testudo barafFa.
764.
115 389.
calaniis l'uegilon.
818.
390.
aemula pildlicbu. [94^
847.
413.
suspirat sufzota.
884.
416.
gruniiitibus grunizoton.
[94"]
923.
431.
miscet fcencbit. [95'']
953.
120 472.
cymbia nappba.
1067.
480.
canis grauuen. [96"]
1068.
500.
saceUum opt'erbur. [96'']
528.
csto dazigilo. [97"]
H.
533.
munimine uuarnaga. [98"]
1.
. aiiioris giliifte. 125
. coiicretus [auditus] fergan-
geniii.
. anili altero.
. piisio bizilo. [98"]
, pacti[pudoris] gimahiltero.
. lancibus fcuzilon, obuuei- 130
gon. [99"]
. viHis zbtpii.
. orbe ringe.
specimen funtrunga. [99'']
, tendi kedinot iiuerdin.
[100"]
. verriint cberrent. 135
. lluctus floz. [100"]
. piimice tubfteine. [lOP]
, uicos imicba.
. fercula fcuzzilim.
. gemit cbirrit. 140
. rudere .i. mina aruze.
consvescit irizzet. [101"]
. cbarybdis fantvurfi. [102"]
. uluae imazin. [103"]
. faece iinrubiri. [104"] 145
. exile cleino. [105"|
. absurde unredehafto.
[105'']
, concretagiuuafiniu. [106"J
. atomi Itupili. [109"]
. ungue nagale. 150
. fraudatuni ferhintirtin.
[109'']
AMARTIGENIAE PRAEF.
. fossor acbiriiian. [111*]
104 unlerlernit? vgl. die erkläriing der glosa iiUcrpolat intermiscet,
iiitercelat 110 odei' zu cortice? 113 hiiiderclififf? 123 für daz
figiro? 130 /. bahuueii2:oii 134 /. kebinol 136 villeicld zu aulie-
lal 142 der glossalor scheint an uosci ^cdac/il zu haben
GLOSSEN ZU PRUDEMIÜS
HAMARTIGENIA.
13. coniicit ratiffet. [112'']
65. fore iiuerdin.
155 70. caveam viiiti. [113']
82. coniectare ratifcon.
85. glaucomate plehiuouki.
[113"]
97. examina fuarama.
106. sordet bifmahat. [114']
160 125. attoniti cerebri irfcaltero
hirnibollun,
136. [per] lubrica balen.
140. plagis nezzin. [115'']
216. lolium ratiii.
lappas cletten.
165 21S. aveuis habiron. [116'']
233. cicutas fcerelinga. [117"]
289. (scutulis) scutulatis vesti-
bus fcibohteu. [118']
296. pigmentis bifimo. [120']
383. pronus imiliger. [120']
170 410. mento chinne. [121']
433. limite marchftein. [121"]
467. prodigialia feltfäniu. [122']
477. bothonis drubiii.
483. dimensa [iiigera] gimenfo-
ta. [123"]
175 492. propugnacula pruftvveri.
539. medicata giluppiu.
541. exciissa urfarlatiniu. [125']
605. exciilpens grabinti.
615. pensare firgeltin. [128'']
180 702. popinas tranchuf. [129']
796. ditibus rilicbeu. [131']
868. palla hell.
881. Tbulae ifilo. [134'']
PSYCHOMACHIAE PRAEF.
46. mapalia huttun.
48. exsanguis afeliu. [136'] 185
PSYCHOMACHIA.
48. taedas facala. [136*^]
62. aspera hantiguu.
79. glutinat cleipta. [137"]
106. scabrosä [sorde] roftegemo.
uitorem gliz. 190
1 12. leuta lindiu.
116. conto ftango, colbin.
117. birsutas ruho.
122. crispata [pinus] kiuueniter.
124. repulsu uuidirftozze. 195
125. prouida kiuuariu.
conserto kihaftemo. [138']
130. monstri unaholdun.
146. minutas [partes] cleniu.
[138"]
153. rasile fcabilicb. 200
165. severus ruiber. [139']
172. referre priugin.
181. iultis manon.
184. cirros ftragun t cranza.
185. congerios huffo. [140"] 205
236. truci bantigemo.
253. calcaribus fporon.
255. umbonis equini ruffinef
rantbogen. [141']
264. deprendere firmidin.
270. eques uuefkinara. 210
271. biatum ginunga.
273. impressu ftozze.
276. parce mezzigo. [141"]
285. grande loqui guotlicho
fprechiii, kbozzon.
197 kihaCanio 210 feminimini 214 kliozzon steht bei diesem
V. am rapide; ein worl zu dem es befscr passte als zu ^Maiule loqui liabe
ick in der nähe nickt (gefunden, vgl. M' 901 pcisiiltauti chozzunlemo.
IX. AUS PRESSßURG
89
215 298.
expertus ernindinter.
397.
ludicra fpil.
400.
300.
ille [puer] daz.
408.
virtutis piibe granifprun-
413.
giger. [142']
308.
duces leitare.
220 312.
langiiida zartliliiu.
416.
314.
petulanter girigo.
418.
316.
marcida imoriigiii. [142'']
419.
324.
stridula ruzo.
424.
325.
amento lezze.
425.
225 327.
calathos ceiiinim.
426.
328.
inlex fkuntar» I fpenftiger.
331.
thoros mulcet dikchi gi-
444.
flilita.
448.
335.
crepitantia lora claftbnta
zuhila.
449.
337.
radionim fpeichono.
230 339.
electri fmelzi.
orbe felgo.
451
340.
deditionis firrachini.
343.
ganearum liazefo. [143']
454.
347.
qiiod [uexillum] den.
459.
235 348.
cuspide ftacchilo.
349.
alain kirit.
462
358.
mitra huot.
463
caesariem falif.
466
359.
crocco [rcligaminc] gele-
luiero.
240 362.
syrmate verrat zagele che-
ric. [143"]
468.
373.
salientem fpringenten.
476.
382.
quis Uli er.
479.
384.
germen kniuie. [144']
480.
387.
exercita giioptiu.
485.
poenituit rou. 245
iiirata sacra ei da.
quadrigis reitmannin.[144'']
nequiquam niippun.
loris zuhilin.
aiiriga reitrihtara. 250
sufflamine gurgulun.
rupis fcollin.
ictiim iiiirf.
frustis Ituccliin.
crudescit liarteta, 255
hauserat flant.
oflas pallun. [145"]
uoluptatem zart.
crinalis aciis fpinilun.
libiila niifkil. 260
flammeolum rifil.
strofium hoiipitpant.
moiiile kifteine.
ferfprochina
gidiiiiu. [145"]
capaci criffigimo. 265
iiifarcire inftoiichcn.
crumenis feccbilin, fecchila.
celat hellit.
abradit crazota.
eiimenides bazufa. 270
monstri unaholdun.
comitatus giuertun.
criinina bazel'a.
grassantia uuotinta. [146^]
cingula fezzila. 275
famis girida.
cdebat giliuniila.
temptare greifoii.
248 in uiipun? 264 am rande. ferCpiocliina bezieht sich auf
daniiiata und gidiiiiu loird ah gidiginin zu castis gchUren 267 leccliila
loird zzi fiscos am eude des folgenden v, gehören 277 gil'umila
90
GLOSSEN ZU PRUDErsTIUS
486.
2S0
487,
496,
507,
285 515,
524.
534.
535.
537.
290 538,
547.
551.
553.
295 554,
556.
564.
566.
300
572.
574.
575.
576.
305 578
582.
583.
592,
593,
310 594
601.
fallil pitriugit. 604.
videntem zuefehenten. 608.
petit gerot. [146'J 620.
(lamuet kimeine.
prestringeus rizzonte. 626.
ledit reizze. 636.
aera fcacza. [147^]
qui fit uuio gipurit. 653.
infamem honlichin. 661.
luiturus firgcltin fculinter.
cum do. 662.
superbus frambarer. [147'']
populäres cbunnelinga. 665.
toruam [faciem] gremizzez.
virtus tugind. 670.
seuera refkiu. 672.
frugi furiburtiga. 674.
parce mezzigo. 677.
sedula agalezziu. [148^] 678.
illudens huohonte. 680.
dum unzife. 685.
impia erynis topontiu ha- 686.
zez. 692.
lubricat biualta. 693.
capessit peuiench. 697.
duello einuuig. 698.
[superjsit uuare. 717.
leuarat kelihta. 733.
inanes fkarca. [148']
summam zala. 738.
mentum chinnc. 739.
extorquent uziruuntin. 742.
intercepto [aditu] untiruo-
meuero. 744.
exesa [marsupia] irezzena. 745.
aerugine fcimbile. 747.
315
coronam riuc. [149^]
licet nuiazza ift.
venalibus feilen,
asse fenninge.
alat nerit. [149'']
cornicinum horinplafono.
[1501
calcis ferfinno.
incisis erhouueneu. 320
subsistente giftullintero.
suspensos globos erhabena
dicki.
castrensis heriberclichQ.
[150"]
[iuter] confertos huffoten.
ictu ftiche.^ 325
texta giuuifte.
impactum anigiftoziniz.
puncto ftopbe.
squama rinc.
flagellum geifila.
strage flahto. [151"]
summotenus zuzzeroilt.
riuum pach.
iuuat half.
sanctum heiligi. [151''
impedit marta. [152^
inoffenso aere unuuidirpol-
'inero liufte.
aggere grabin.
conspicue zohrato.
sinu piugin. 340
[per] conceptacula felidon.
carbasa l'egila.
stertens ruzzenti.
vocet holoti.
330
335
285 fcacka 299 fe ist pronomen 306 ^vol fkacca zu loculos
336 niafta 339 Gr. 5, 705
IX. AUS PRESSBURG
91
345 748. quam mieliclia.
753. circumsepserat unibiuiench.
[154^]
826. harundo mezruota. [157'']
CONTRA SYMM. I. PRAEF.
60. nasse fuimmen. [159']
CONTRA SYM.MACHUM I.
49. incuruum i'afiliun. [159'']
350 63. immorienlis neccliiiizint.
65. pessulus plocliili.
70. catamitum kifliUun. [160'']
97. incantare begalon. [164"]
259. vitricus ftiulTun. [165^]
355 288. scissent vvizfiu. [166'']
349. seUam faltftiiol. [168"]
censeo irteilo. [176']
425.
29
50
360 135
286
311
347
367
365 402
416
427
456
473
370 523
CONTRA SYMMACHUM II.
. explicet fpreite. [176'']
praestet foreftante. [178'']
parcis meHihen. [182"]
strictura effa. [182'']
placiti dingif. [183"]
. deiude bidef fram. [184"]
. exulat vuallota. [184'']
. lituis trumbon. [185"]
. Status giftifta. [185'']
. fastos iarbuocb. [ 1 86"]
tigillis fpaiTou. [186'']
alterutium biouuederez.
[187"]
qui vuif.
531,
553.
561.
574.
577.
595.
604,
607.
675.
690.
699.
764,
791
808,
809,
839,
865,
913,
927,
943,
946,
963
967.
977.
983,
375
3S0
385
rostra granfa.
[inter] liburnas bielen.
detraliil laftrot. [ISS"*]
trunco ftucke.
noctua u\uila. [189"]
limbum foum.
consensus einnuffida. [189
rbenus rin.
Ostia kimuudi. [191"]
ludere fpil. [191"]
qui vueli.
mastrugis badrou. [193"]
cui bi dir. [194"]
piratis fcefbcrgin. [194'']
vandalus uuiiiida.
getulus gotb.
alamannus fuab.
saxo labfo. [195"]
urnis lozfazzen. [195"]
quadriviis kiuuickin. [196"] 390
fraudentur firbintirit vurtin.
sumptilnis kicuikin, kicui-
giu. [197"]
aruit irfeb.
liquorem nazzi. [197'']
classis fcefuienibi.
quornas eicbiua.
glandos eicbilla. [198"]
calaniüs balma.
reposto biti'oldiencmo.
culpam fculd. [198'']
residente kifincbintemo.
395
400
349 vei'sclirieben für falifiliii, falilin zu cli;^lyl)cni? 350 /. iiecchi-
ziiiten, wol zu nafizaii Gr. 2, 1053 354 gehört zu iiiiiiigiii am anfange
der 7iächsten zcile. die gl. ivird am rande stehen 363 vgl. hinuaii
bi def Gr. 5, 2S 366 das deutsche wort gehört wol zu exortam im
selben verse 369 stand in der mir vorliegeiiden abschrift bei rcatuni,
171 der hs. also am rande 370 d/i. iiuclicliero vuif 372 /. ciiielcn
380 2Vol fpil d/i. fpiloii 392 zu zwic 401 kifiuliinttiiio
92
986,
998.
999,
405 1002
1008.
1009.
1015.
1041.
410 1043
1044,
1046
1047,
GLOSSEN ZU PRUDEMIIS
sicca triichiniu, durri.
flueiites [annos] irfchiez-
zintiu.
iniquis imebinen. [199"]
gignitur irrinnit.
fasciolis neftilon.
terminus marcftein.
frugi mezziga, [199'']
flagella uuiflili.
sentis fpreid.
glarea greiz. [200^]
effetis irrfcaffenen.
detritä [parte] fernozge-
iiemo.
1054. curculio hamftero.
1057. priuatiis [bonos] fiintiri-415
giu.
1063. volvitur vualgot. [200'']
1070. ingratis leiden.
1074. viüniis luft.
suspirat fufftit.
tedas kihileicha. 420
1075. ignem luft.
1076. resides irloffcan.
faces lüfte.
1080. habilis uigor kimachiu
craft.
1
Auf bl. 202 stehen noch folgeyide glossen die aber nicht zu Pniden-
tins gehören loerden: aruina iinflit. — dextralia riftilla. — feminalia braga
(lateinisch).
X. BRÜSSELER GLOSSEN.
10
H. A. GALLI CANTÜM.
13. [1^] strepunt cra gent. 1.
14. culmine fireft. 2. [2^]
H. MATUTINUS.
21. nersuta liinder fcrenki^s
[2"]
H. A. CIBüM.
18. seria gethegenhet. 3.
hidicra fpil. 4.
uerba fpraca. 5.
iocus lahter. [3^]
42. pedicis clouon. 6. [3'']
69. coil gerinn&. 7.
70. calatlio Riefe uath. 8.
82. flatibus balgiin. 9.
fidibus fnarin. 10. [3"=]
120. dedecus ho nitba. 11. [28'']
P. CASSIANI.
15. pugillares [ceras] handta
flicon. 14.
(pugillares) Pugnus. pugil- 15
kempio masculinum
lus.pugil. pugna.pugillar.
■laris. bandtbflb. 12. 13.
[29^]
49. (inpacta) anagf ftp tf nb.42.
50. (curla tumens) vvfr pandi.
kfrindi. 43.
413 /. fernozzenemo 13 das erste h siebt einem b leuscherid ähn-
lich, hinter diesem blatte hören die glosse?i , auch die lateinischen,
gänzlich auf und beginnen erst wider auf bl. 28 in der passio Cassiani
X. AUS BRÜSSEL
93
55. secatur gkri zot thuruftf
can. Uli : rd. 44.
56. uiscus inathiri. [29'']
20 76. ferias fpil. 15.
77. p'angere anaftotau. 16.
78. catenis rei zen. [30']
104. (nutautem) uuiii cpiuli.
tili ulig. 17. [31"]
P. HIPPOLYTl.
63. iiiio crap pon. [31'']
25 107. instigantftp'ftxn. 18. [32"]
153. (pomena)pomanum. pome-
rium bpm gard. 19. [33^]
186. speciilum fpe g:l. [33"]
225. tribiinal lector. [34^]
P. PETRI ET PAULI.
17. siibter nither. [34'']
30 32. (caiiens) hiiuitpn. graiiupn.
20.
42. lacimar him .I.e. 21 . [39'']
P. LAüRENTII.
55. (massis) gfgptpn.
56. monete mxniton. [39'^]
77. predia eg: ii.
35 79. exheres .i. ^nerkup.
84. imdare gearmen.
89. piiblicus frpiip. 22. [40'']
190. riidera arvt. [41']
282. maciilentis rottp gpn.
40 283. mentum ciuni. [41'']
324. acroma fppt. [43']
533. ciii thfmp. [44']
P. EULALIAE.
80. friuula gfbpll. 23. [44"'']
P. ROMANI.
26. ictii ftikf. [45'J
53. perduelles, milites githicni. 45
79. procella iiTari. [46']
117. extiiber&, tumeat. tiiber. i.
mafbr. |46'']
156. lapis nigellus agaht.
essedo famboc. 31.
172. siipinus calTent. [47'] 50
182. (amasioiiiim) amatorum
frxthklp. [47"]
240. 0 textrina .i. diincb. 24.[48']
245. (algis) alga .i. I'emib. 25.
258. ybis, genus auis. ibix
Itlnbybd. 27.
261. (fuliginosi) Fiibgo. brpt.26. 55
264. sarculatis gegedenen. 32.
269. forceps tbngb. 28. [48*']
291. mentorem Bilid:ri. qui
coli] tu fecit illis. 37.
294. caminis l'.mitbou.
296. pago,pagauismohoillit'nirfe. 60
35.
(pago) Pagus dicitur gp.
Pgum. bf tbk nkff : . 36.
301. ignosco nixxitx. [50']
18 dh. girizot. falsch erklärt im DIFB 5, 2344 25 das zeichen '
soll wol die stelle eines circumflcxes vertreten 30 vgl. nr XI. 137
35 dh. vncriuo 47 das a in mafbr ist tmtcn an das m angehängt
52 in einer aninerkung zu diesem versc 54 die zweite silbe, beson-
ders das y, ist nicht ganz sicher, es scheint eine nnorga?iische dentale
an ftc(i)nl)uc angefügt zu sein (vgl. zs. 15,28) 61 /. I'aijum
94
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
383.
436
65 467
485.
495.
500.
70 745
1080.
148.
293.
344,
75 473.
537.
offellis braton. [5P]
(pupilla) puppa fkp. 30.
catasta hbr php. [51"]
(pleurisis) ftf chf thp. 38.
podagra fiiot fuh. 39.
(arthesis) articiiloriim do-
lor .i. cräpp. 40. [52']
(scalpella) scalpriim .i.
fcrohifar. [55"]
uagitibus xxeiii:n. [6V]
(stigmar&) Stigma, hant-
mali. [68^]
AP0THE0S1S._
sambucas holant. [69']
cippo ftoche. [70']
ungiiine falba. [72']
uerbena .i. fenina. [73']
tumulant bigrauant. [76']
725. rudere, mina dicitur. arize.
738. muribus miifin. [76"]
765. gleba fcorfo. [79']
917. uena ida. [80'] SO
984. uenam iduii. [86']
HAMARTIGENIA.
242. repagiila lloz. [87']
289. (scutulis) scutulatis iiesti-
bus fck fbt tkn. 41.
296. [piiluere] peregrino bifamo.
[98']
PSYCHOMAGHIAE PRAEF.
31. [greges] equarum ftptk. 29. 85
buculas läbala. coi.
(biiculas) genus iiasorum
t rantboga t geuuaigi.
33.
33. bacis rakinzun. 34.
XI. BRÜSSELER UND CÖLNER GLOSSEN.
PRAEFATIO.
10. [l**] lasciua Getelofa. [2']
getdelofa.
proteruitas fra fer-
zartheit.
11. petiilans ungeftiioma. [2"]
mujeftuoma.
14. male pertinax ein ftridigo.
einftridigo.
15. Studium iiuillo. 1. [2'] uuillo. 5
H. A. GALLI C.\NTUM.
13. strepuiit cradement. [S'^Q
chruthement.
14. cubiiine firfle. [2*=]
43. [tenebrarum] situ thichi.
131
64 fkp m fip mit Betlimann ai/fz-i/lüsen geht nicht an; es mu/'s I'io
verstanden xverden. dies würde dem im mhd. wb. 2-, 2S1 beigebrachten
schw. mask. der felie der Windberger ysabnen entsprechen 1 in C
sieht das t einem i seiir ähnlich 2 es habeJi in B hinter fra 7ioch eine
ganze reihe buchstaben gestandeyi ; sie sind aber so verblast dafs ihre
enlzifferung mir nicitt gelungen ist. der vergleich viit G aber macht
wahrscheinlich dafs in B l'razarlieit wird anzunehmen sein 5 o m G
fast erloschen
XI. AUS BRÜSSEL UND CÖLN
95
H. MATLTINUS.
21. uersuta hin tertfcrenchiga.
2. [3'^]() Hinter fcrenckiga.
10 32. niigator pofare. hpffri.
33. seuerimi, grauiter gedigeno.
26. 0 gethigem. [3'']
34. liulicrum ziio zekengb.-
42. classicum lieriboiichen. 27.
[4*] heriboiichan. [4^]
74. liictator geringo. 28. [4'']
geringo. [V]
H. A." CIBÜM.
15 18. seria gedigeni 3. gethigem.
(seria) gflhigenhfkdi. seriiis
gethigfnfr. serium g\th.
g:nh-.Jit.
liulicra fpil. 3. fpil.
iierba iechofe. 3. gecofi.
iocos Iaht. 3. [5'] lahter.
20 42. pedicis luozdroh. 29. [5'']
fnoz trohin.
43. (ghitline) Um. [b']
63. (holeris coma) zeuiielega.-
69. coit gerinnit. 30. gerinnit.
70. calatho chafecbar. 31. mfi-
car.
25 72. faiiiis luiaba."- 32.
74. liqu& fliiizit.- 33.
thymo pinefuga. 34. bini-
fnga.
SO. cumulos hufon.- 35.
82. llatibiis palgeii. 36. balgen.
82. fidibus fetton. 37. [5^] fei- 30
(Ion. [5"]
97. madido fuhtemo. [5''] ßt
temo.
112. illicit befuech. 38.0 ^ß-
fneih. [5^]
120. dedecus honida. ^9.honitha.
130. suspiciat uui der fehe. 41.
[6^] 0 uui therfehe. [b^]
152. domat thoubot. 42. thoubot.iö
153. inexplicitis uner ftrahten. 4.
[6'] uner ftrahten. [6^]
180. iecur lfu\rb. [6'']
203. sarcofago Hh char. 43.
[6''] 0 lihc}'ar.
H. P. CIBUM.
12. perdoniitor doiibare. thito-
nare. [6*^]
22. uapore thoiime. 44. [7"] 40
thoume.
39. illapsis choraenen. 45. cho-
menen.
41. expoHtä fiole ten. 46. [7*^]
flehten. [T]
94. (saporum) saporus gffxbh
haftfr.
97. insolens iingeftiioma. [7**]
ungeftuoma. [1^]
H. A. LNC. LUCERNAE.
3. ingruit aneualHt. ananaUit. 45
15. cirpea pinez. biniz.
18. linteolo kerzftbllf.
9 in B sieht das zweite r übe?' e. ?iach Hinter ist in G eine rasier
22 die glosse ist sehr undeutlich. = ziielga 30 in fetton liönnle das
ci
erste t auch i sein 34 in B suscrpiat 36 in beiden hss. ist in so-
wie 1 in inexplicitis nachgetragen 43 /. gffnilililiaflfr
96
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
20. stuppa chariz. [8''J ckariz.
[V]
59. hospita gaft. [8^ gaft.
50 73. precipite turbine gae uerte.
[S"*] ga erouerdi. [S^]
IIB. desudata iizfloz zeiita. 47.
[9'] uzßoz zenda.
123. modulisleih. 5. leikchm. [8']
147. temo thihfila. 48. [10^]
ththfla. [9"]
H. A. SOMNUM.
140. prestrigiator Terato, fcrafo.
55 146. liquesce linilz.- 49. [10"]
ffrf.x.nt. [9'^]
H. JEJUNANTIUM.
15. disciplinam lera.-
20. stertat ruzot.^ [10']
62. hirtis ruen. 51. rmn. [10']
63. setis purfta. 50. [W] bur-
fton.
60 86. insolentimigeftiiomene. 52.
0 ungeftuo mero. [10'']
98. nugas. gebof. 54. gehofe.
100. substitit geftul ta. 53. [11'']
0 geftulta. [W]
119. offam balla. [\V] balla.
129. pumices feima. [lO**]
65 138. t'umum rohe. 55.
139. flagellis, sureulis imiphi-
len. 56. [11']
152. setas raginna. 57. t^aginna.
153. impexa ungortralit. 58. nn-
geftralü.
158. sutiles thxrgbprbdnn.
164. cunul^, eunabule. iiuaga. 70
59. uuagun.
165. papill»,', uberis tut tili. 60.
166. [greges] armentaliumSueia.
[12''] 0 fueik''"- [11"]
H. P. JEJUNIUM.
39. aprico aber. [14''] funne'"""-
42. lappis deühon.
59. (cratem) crates hurt. [13^] 75
H. 0. HORAE.
95. insueseeret geuueniti. 61.
[15''] geuuenidi. [14']
H. A. EXEOUIAS DEF.
102. earpit zuchot. () znchot.
108. luet ingiltit. [15'] mgüdü.
[141
141. cariosa uuur mazzig. 62.
[18^] unrmazzic. [14']
H. VIII. KAL. JAN.
34. (nenias) fkffxn. [16''] 80
H. EPIPHANIAE.
199. (rasum) gffcbxbn, gfflkftlL
(dolatum) dolatura .i. bbr
do. inde iierbum dolo.
dolas. i. Icchx. [16'']
P. CALAGÜRR.
55. bipennembartuD.63. brmlb.
[171
74. inuidentur erbunnen iiur-
tun. [19'] erbunnen. [17'']
54 gl. nionstruiu 55 m C ist hhiler f 7Uir ein ptmkt zu erke?i-
71671; villeicltt ist derselbe rest eines \. — ^7. euanesce 65 r ist kaum
zu erkennen 69 dfi. tliiugboradim 73 dh. funneliumen = funna-
luoincii. fumic auf rasur 77 in C carp(k 80 fkffxn? oder ßr
fkffpklxn? 81 in gfflkfllli ist das erste 1 diwch rasur aus 1) geviacht.
etwa gfflkCtlkh zu seclik? 82 Ikchu?
XI. AUS BRÜSSEL UND CÖLN
97
P. VINCENTII.
85 61. unguis cj'hmppn.
7ü. lollibus balgin. 64. [19"=]
bßgkn. [18'']
177. callum luil. [19-^] /ml
199. bitiimen clßf. [181
217. regula c'fin.
90 224. rogum laccare. facclieri.
Tll. punctis plalera. ( ) hlaterqn.
230. chauterem lauit bolz uazta.
6. polz nazta.
(cbaiiterem) chauter bpUp.
252. diuaricatis zefcranc ten. 65.
[20"] 0 zefcranten. [18"]
95 258. impolitis angulis xngeef-
npten eindkn.
271. stipitis ftochef. 66. [20"]
fto che/: [19^]
316. conclaue cbaimenata. ke-
tninadn.
(conclaue). i. gkxxelni.ll^"]
328. dedecus honitba. 40. [21^]
100 457. sparteus fuer telliii. 167.
fuertellin.
culleus cborp. 177. chorp.
[m
funale feillib. 168. [21'']
feilin.
auram cbiioli. 178. chuoli.
458
469
519
531. s(!iTam rcgun. 187. /'egnn
551. ungulas craphen. 188. crS- 105
fon.
552. stipitem, cippum .i. ftoc.
[21'] /toh. [20"]
P. LAURENTII.
14. (Cossi) Cossus. affricorum
lingua rugosus a ruga .i.
fcrxntiflp. [20"]
55. massis gegozzon. 186. ()
56.
77.
84.
89.
122.
190.
230.
231.
254.
255.
258.
264.
282.
gegozzan.
monet(,' munizza. 185. mu-
niza.
predia gen. [22'] eigant. HO
nudare gearmen. 166. gear-
man.
publicLis frouo. 176. frono.
[211 ^
minis p undun, [221
riidera arizze, 175. [22'']
arizK [21"J
lepra mi/hl/xh. 115
Claudicat liinchit. 172. ()
henchit.
pruritchitilot. 174. ckuzilot.
scalpit fcebit. 173. /^kebit.
strumas chelca. 165. chelca.
morbo regio Keleliiht. 184. 120
[231 kele/ut ( ) gvlpnbfxt.
[211
mucculentis rozzegen. 183.
0 ruzzegen.
85 r ist aus 1 gemacht 91 o Jmd der pimht in C mit anderer
dinle 93 der untere schaß des ersten p in lipllp ist bedeutend kürzer
als der des zweiten 107 fcrxntif ist dmtllich, I ziemlich sicher, p aber
ist fast ganz verblast und zwei/'elhaft. dann folgt dr == dicilur. wol
fc-rxiitiflp 110 vor tjen ist ein huchstabe , wahrscheinlich e, erloschen
114 das zweite i in aiiz' über einer rasur 116 in C ist das c von
hciicliit aus i gemacht 121 es ist zweifelhaft ob ruzzegen oder rozzege»
dasteht
Z. f. D, A. neue folge IV. '
98
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
282. naribus naruii.- [25"]
283. mentiim chinni.
317. fiircifer fuorfcbltfrk.[2\^]
125 324. acroma fppt. [22'']
474. quandoqiie npc uubnne.
[22'']
557. iiideor mihün kit. [23"]
P. HIPPOLYTI.
57. ungiila aafo.
63. imco mif. [23"]
130 107. instigant ftoupton. [26']
ftouptnn. [24'']
153. (pomeria) pomarium. po-
iiieriiim. i. bpxngbr.
167. subterranea erd huf. 171.
[27"] erd huf. [2¥]
186. speculiim fpkfgal [24"]
225. tribunal lector. [25"j
P. CYPRIANI.
135 77. calce cbalcke. 170. [28']
calc. [26^]
P. PETRI ET PAULI.
7. paliis ftrxph. [26'']
32. (canens) caneo xxkzpn.
grbxxpn.
36. tluctuet fneno.
40. miisci mief. mief.
140 42. lacunar bimilicin.()Ami7?c«.
[261
Ol. pontis brucca. 169. [29^]
brxccx. [26"]
P. XVIII. MARTT. CAESARAUG.
42. ferculum fuora. 164. [31^]
fuora. [29^1
P. AGNETIS.
117. cristas chäba. ['dl%)cambb.
[29"]
P. EULALIAE.
23. ore seiiera, sobria. fiieri.
[351
62. milia mkl'.xn. 145
80. friuola gßpff. [31"]
P. FRUCTUOSI.
33. tergeminos thr'ifcxn. [ST]
65. gladiator keimpp. [32"]
132. uindicabat gkfg «orf&.[32"]
P. (JLIRINI.
20. quolibet mit einimederemo. 150
163. [3S']0 mit eimme-
theremo, mit iegimifremo.
[41"]
P. CASSIANI.
15. (piigillares) piigillar. i. hbnt
taflb. [411
n
50. curiia tiimens ceuuerfente.
55. secatur gkrizih. [42'']
P. ROMANI.
1. (adseilor)monomociis kfim-
php. [42"J
53. (perduolles) milites. ^e- 155
hkni.
124 sehr undimlliclt geschrieben, ob tiiir oder t'urka darin steckt
weif's ich 7iicht 127 das \\ hat am oberen ende seines scliaf'les links
ei?ieti starken (leck, welchen villeicht ein nachgetragenes t verschuldet
129 dh. ciafen = crapfcn 140 hinter hiniilici rasur 144 ist fuiiari
oder fiibari gemeint? 150 l. iegiuufthfremo 152 a und der punkt mit
anderer dinte 153 vgl. 136. 155. 200. (204 = X. 69). 214
XL AUS BRÜSSEL U.>D COLN
99
53,
56.
64.
78.
160 79,
90.
IM.
117.
165 120,
127.
143.
156.
170
172.
182.
187.
175 228.
239.
240.
245.
(perdiielles) diielluiii fhi-
xxtgk.
conspirat gf einetafkh.
obstinate em/'trkdfgp. [43"]
uentilator imifgelare. 162.
[38"! zeuui/gelari.
procella irrari.
signifer zekhfneri. [43'']
apparitores inknehta. tn-
knehta.
suggei'iiiit linder zalton.
161. [38"] 0 under zal-
tun.
(extiiberet) tulier .i. mafbr.
gradu hertuomf.
(textu stemmatis) chxnnk-
zalx. [43*^]
(togae) tremhila.
(pretexte) gebrprtptf.
lapis nigelhis agalit. 181.
agaht.
essedo irdjoc. 1 82.
fambuc. [43'']
siippinus caffenter.
caffenter.
rigens parrenl. 180.
bareuiler.
amasionnm frxthklp.
ucruece uuidere. [39''] uui-
thare. [44'']
scenica fpih'ch.
fusos Ipinnila. [40'] /pin-
nilxn.
(textrina) dun.
(algis) alga . i. femih, [44']
[39"]
180.
[39"]
260. ct;pe fxirrpn.
264. sarculatis gegetenen. 198. 180
gegedenen.
267. oflicinis ant iiucrchun. 22.
0 fmihthpn.
269. forceps tbngb.
271. (ei'licax) frxmerkn. [44'']
280. tyrso ftange. 23. [40"]
ftange.
284. crispo [liquore] ftrxvfra. 185
294. caminis fmitlmn. 24. ßni-
tlion.
296. pago, paganismo. heithf-
niffe. 0 pagus .i. gpkxxi.
pagum . i. heitliknkffk.
299. triilla chella. 1 59. chella-
trxflb.
303. circulator rizzare. 160. riz-
zari. [45"]
305. ( edentiilarum ) anularum 190
acendero. 179. [42"]
329. hesperos b nbnt fterren.
[45^]
383. (offellis) bratou.
(bubulis) biibulus p finfr.
bul)alus . i. xxk/'xnt.
385. (urnas) Ikkcbr. [46"]
436. (piipilla) puppa /kp. 195
467. (cataslä) hb'r phb. [W]
485. pleiiresis ftecbedo. 194. ()
ftf chf thp.
488. coquit bldlrkt.
489. i)apulas blateriin. 195. bla-
drnu.
excitat fr hexkh. 200
I
177 (/er oder die huchstahen hinter dun xind gänzlich erloschen
184 der Schreiber von ftaiigc in B fügte auch das 0 in lyrso zu 187
die zweite und drille glosse auf bl. 44' am rande 188 vgl. D 273
100
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
490. cauteribus bolzon. 196. 848.
bolzon. 864.
495. potlagra fiiczfuht. () fiiot-
siih, fx in (xh. 890.
arthesis . i. cramfo. () cram-
pho.
500. scalpella, scalprum. fcrot
ifaii. 197. [42''] () fcroh- 905.
ifar. [47']
205 557. caraxat chraz zot. 193. [44'] 918.
rizza. [48^]
715. indulgentiae zartunga. 191.
0 zardungx. 932.
721. toriia erbolgeua. 192. [44'']
0 erholgena. [48''] 981.
738. papillarum tut ti.
745. iiagitibus xxeinin. 988.
210 746. saepe öfdi. 993.
alliuleres zuo zechotilt.207.
747. gaiTulorumuerborum chro-
nelinero imorto. [45'] () 1016.
chronelinero uuordo. [33']
762. testa gebel. 205. [45'']^eie/ 1018.
0 gkuklla. [33*^] 1025.
793. actum gebph. 1027.
215 798. recrudescentibus bera"fiu- 1029.
ten. berafinten.
800. ignauos zagun. 206. [45*^] 1076.
zagun. 1080.
812. concitat behiez. 204. behiez.
818. appello ibferdingo. [45'] 1103.
ihfertkmgo. [33*^]
848. sarmenta fpachun. 203. 1104.
I'pac}i07i.
foeui ftro.[46'] Aroe/:[33''] 220
maniplis uuicheliuen.200.
[46''] miichelinen.
nodis geleicheu. 201. ge-
leichen.
sarciens zelgenti,201. zel-
genle gefcknenti. [34']
[dentibus] artis geclaucten.
2U2. [46^] gecm ten.
abdomina ambon 1 uue- 225
neft. 199. [47'] abam. l
nnaneftb. [34"]
([oris tortä] testudine) gf-
xxbrnkthb. [W]
calumniam leidun. 216.
[47''] leithun. [34'']
plectro citherepiime.
porca fu.
grunnitum gra noth. [47*^] 230
granoth.
tabulis bit thiliii. thilon.
[35']
aream i.deni.
setas zaton. () zaten.
uenabula fpiezi.
pontis prucca. [48'] brnc23b
cxn. [35*^]
(fragitidas) thruofe.j3recÄj)f .
(stigniarit) Stigma auimale.
[48''] "antmali. [35'=]
(strangulatrix) straugui-
rium xxriftfklli.
gaiTuli kroneuten. 215.
[52'] krön nen den. [36']
205 /. rizln 217 in B ist i verblast 223 zu fkina Gr. 6.499
224 zwischen a 2ni(l I rasur 225 a in uuaneftb aus e 228 citlie-
repiiiiie auf rasur 237 in C h wid i von anderer hajid auf rasur
238 stranguirium in der bedeutwig '■tvursthülse finde ich sonst flicht
XI. AUS BRÜSSEL LIND CÖLN
101
240 17
130
193.
19.
30.
245 46.
54.
4.
33.
95.
250 148.
209.
216.
293.
340.
255 343.
344.
353.
EPILOGUS.
[olla] fictilis thbknb. [37"]
PISCINA SILOA.
. (eructat) erxxfgit. [38^]
APOCALYPSIS JOHANNIS.
. pateris fcblpn. [38"]
APOTHEOSEOS PRAEF.
. lacessunt irrent. 214. [52"]
irrent.
. sophystica xxkßichxn.lZ^"]
. auenas tard. 212. durthb.
(recrementum) xiigf nubf,
fprin.
APOTHEOSIS.
gestamen fuora. 213. [52*^]
fuora. [3S'']
amicitic,^ Imldi. 211. [53"]
hui dt. [39"J
relisis Icellenten. 210. [53"]
0 Icellenten. [39''J
sambiicas holant. [54"J ho-
lanter. [40']
argumenta kltini. 209. [55"]
klfini. [40"]
fcane) h'pue xxhrtf. [40'']
cippo ftoche. [55''] fto che-
[49']
'\w&Q\'ioanegimbitote'mo.['W']
surciilus zuic. 189. znic.
iactat geilit. nee niiiiomit.
190. 0 geile.
unguine I'alba. [56"J falba.
similaginis fimula.
360. plaga harx fcb. [W]
388. clielys harfa. 208. harfb. 260
407. spiras geuiiel. [57"] geuuel.
sohle enuuint. [49''J
431. miscet fcenchü. [50']
. 467. (anim(^) xxeref.
473. uerbena ifenina. [50"J 265
501.domini herren. 158. [59']
he'rren. [50']
515. cementum mprtbii. [51"]
619. cancrum crfukz.
621. iiillis ftrddpn. [52']
718. fercula fcuzilun. 157. () 270
fcuzilxn.
725. rudere, mina dicitur arize.
[60'] 0 arize. [52"]
765. (gleba) terra fcorfo. [52"]
817. tal)entibus moluente. [61']
mol'.'nenten.
822. oblita biclenan. [53']
917. uena ida. 275
923. concreta geuuahfaniu. 156.
[62''] gfxxbffbnkx. [53"]
953. atomi gebofk. [54']
984. uenam idun. 155. [65'J
idnn. [54"J
1002. (sursum) upp port. [54'']
HAMARTIGENIAE PRAEF.
6. certante iligimo. [55"]
HAMARTIGENIA.
4. (diuortia) diuoreium xxf- 280
gffci.t. [55'1
13. coniicit rdli/'cöt. [55'']
50. inducere mächon. [56"]
259 /u'?i(e7' X u?id h sind noch einige spuren von buchstahcji zu er-
keiinen. I. haixmfcbra 262 darunter eine kleine rasur 264 ganx,
deullich. für xeief dh. forlief?
102
GLOSSEN ZU PRUDENTlüS
125. attouiti undfrcopfnff. [65"] 397,
138. pedicas iiiozthni." 153. 400.
2S5 140. plagis malcon. 154. [66'] 402.
mdfcon. [57^] 404.
216. lolium rddo.
217. glebis Icorfo. [66''] fcorfon. 424.
233. cicutas Ikereling. 151. fce- 430.
reling. [57^]
242. repagula floz. 152. [66^] 433.
290 259. scatebras crioz. 150. yrioz.
267. res fachiin.^ 149. [66^'j 444,
.271. conchanim fcalono. [57''] 488
289. scutulis, sciitülatis uesti-
lius fkibahten.
291. stamiiic varfe. 146. xxbrff. 492.
295 295. telis vuebifan. 147. uue-
bm. 523,
296. (peregrino piiluere) miiscus 539.
bifaino.
302. fotibus vu'nninon. 148. 555.
[67"] xxerminon. [57'']
317. neruoruin feinten. 601.
322. ganeonis urazef. 145. ura-
zef. 619.
300 329. atteimante Certentemo.[67'']
certentemo. ]58'']
364. perfurit imodit. 650,
379. suspiria liiltunga. 142. [67''] 658,
fuftnnga. 663.
386. commeiidat keliubit. (je- 721,
liubü. 749.
(obtrectatio) hkfprbhnk.
personal cliallöt. callöt. [58*^] ^05
claiiam kolbon." 143.
(idololatrix) abgodlicbo. 1 44.
[681
viris thegenon. [68'']
(nebiilonum) nel)ulonis
fcrbti). [58"]
finitimis gfmfrklikbfn. 141.310
[68"]
limat figlot. [59']
fragor cbradem. 140. chra-
thü.
arietis heühx.
propugnacula l)ruft imeri.
139.[69']ftrM/"MMen.[59']
irri''mina gremi fala. [69''] 315
medicata geluppm. 137.
gflxpplitx.
concreta geuualifana. 138.
[69''] 0 geuuahfana\ [60']
n it eiitiljus fpf rdf rfii df n .136.
171']
(piierperiis) hoc Puer-
perium .i. tuet gebor.
160"]
damna [aures] ferftopfo. 320
taceaui ferfuige.
[post] dixmivdxxeninen. [61']
consistit gefteit. 133. [71"]
litpiitur zeüuizit. 134.
289 in C ist über rcjjagula ei?ie rasur ; man sieht tmr noch den
hinter dem aiisradierten woi'te gesetzten pnnkt und dann obsiacula. es
wird wo! ebenfalls floz gestanden haben, auch sonst finden sich bei-
spiele dafs in dieser hs. deutsche glosscn getilgt sind oder loenigstens
ci/i versuch der tilgung untcr7io?n7nen ist 297 m G ist e aus i ge-
viacht 300 SM zaitjan 319 da tncl ganz deutlich ist, so mufs tvol
em Schreibfehler vorliegen für cnetgebor welches das lat. puerperium
wörtlich übersetzen 7vürde. vgl. Ra. 269'' puerperium knelitperandi
323 dat. pl. von uuaiii, defectus
XL AUS BRÜSSEL UND CÖLN
103
325 761. propolas fcafreidon. 135.
[71'] dranchuf,
(propolas) propino .i.
fcfkncx. [61"]
772. alterutram [uiam] einxxf-
thfrfn.
IIA. renutat uuankalot. 132.
[71"]
796. (ditibus) rihliclien. [<6V]
330 804. (ac si olim) Ibanne dir fii-
menef. 21. [73'']
807. iiisco miftil.
810. saett? feiten, [ei"*]
853. leneris maminden.
oblectat lihlochot. [62']
335 868. palla tuhil.
873. setis burftxn.
cibo flegebraxxb. [62'']
910. (tacitis) ferfuigelen. [62']
940. quandoque meae noch
iiiianne iiiincra. 20. [74'']
340 957. castrata erfurrentiu. [66']
PSYCHOMAGHIAE PRAEF.
11. coiiiugalem finbibh. 131.
[75'] finhilih. [67']
19. sinistris niintiis mit uii-
froii"en bodcrkefin. 130.
[75"]
31. greges equariim lluoto.
129. ftuoti.
(biicculas) gcnus uasonun.
\ rantbogen. 19. rant-
böga 1 CK e.
345 33. bacis racbin zun. 25. () ra
chin zun, halfthru uukn.
33. (bacis) Baccas dicimus uin-
cula & bace dicuntur
gemmo nee non & olei
fructus&laiiri baccas uo-
camns. vuiffila uitiuni.
vuinirebon. 25. [77']
Baccas dicimus ninculas
n
. i. nniffilxn et ba'^cp di-
cuntur gemmo nee non
olei fructus et lauri ba-
c':as uocatnus. [67"']
46. (mappalia) magalia. loiiba
l butta. 127. louba l
hxttw.
49. poenitens fcamente. 128.
[77"] Scamenti. [68"]
PSYCHOMACHIA.
5. mibte kempben. kemphen.
1 1 . meliore mann keTterobenti. 350
[78"] 0 kefnntera henti.
[69']
31. labefactal bifleifta.l26.[79"]
biflifta. [69'']
45. sullnndcre fumo erdemieu.
125. [82"] 0 er thfmfbn.
[72']
116. conto ftanga. [84'] ftbngb.
[72"]
127. ([per] intortos) gfxxntinfn.
[73']
137. capnbnn kilzk. 355
151. (missile) a mittendo dicitur
rpiribn.|86"l/i;/n7m.[74"]
186. coibal nahzo tela.
187. nodum copf. 123. chopf.
351 in C das zweite i auf rastir
104
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
188. limbiis foü l linis. 124. 367.
[87'] foum 1 finis. 370.
360 191. liipatis chamif. 122. [88']
chamif.
(madidis lupatis) fochten 402.
mindilon. [75'']
216. (ridiculum) huohlichaz. 407.
217. calidos checha.
237. tepefacta erfleimediii. 121. 414.
[88"] erfleunetin. [IQ']
365 254. temeraria frabiliu. 1 1 9. frb- 420.
nblkx. 426.
255. umbonis rantbogen. 120.
[90"] rbntbpgen. [78"] 431.
282. orantis cronunderu. 118.
[92'] 435.
312. (languida) .i. zartontiu.
314. amoenas uiinnifamen. 117. 440.
[92"] vuxnnffbmfn.
370 (petulanter) instabiliter .i. 444.
gftklpfo. [19']
318. (lituos) heretnmibun. 116. 448.
[93'] heritrxnbxn.
323. rariindo) ftrala. ftrblb.
324. nemo (eneuua t arcii. ()
fenua. l arm. 449.
stridiila ruzondc. 114. ru-
zönte.
375 325. ameiito laze. leze.
326. lasciua gettelofiii. 115. [94'] 453.
getelofin. [79"]
337. radiorum fpekhpnp. 463.
339. flexiira felga. 113. [94"] () 471.
felga. [80'] 472.
358. mitra huot. () hxpt. 475.
380 359. religaminc, alligatione gi- 476.
bendi. HO. () gkbfntk.
3Ö6 in C ixl das deutsehe worl zum
ist hl G ein g ausradiert
cantharus fcala. 111.
(toreumata) toregmata fcaf-
reita. 112. [95"] fcbff-
rfitbn. [80"]
(seciires) partun. pbrtxn.
[811
feruentibiis charronten.
[96'] carronten.
uertigo iielga. 18. fflgb.3Sb
[81"]
insigne iirmari.[96"]Mrman.
offas. particulas .i. ballun.
17. bal hin.
liaustiis .i. fiipfa. 109. [97']
M fa. [82']
sistro fuegelon. 108. [97"]
puegelxn.
peplo, pallio tuhil. 107.390
[98'] () tnliil.
uoluptatem zart. 106. zart.
[82"]
criualis acus ruil \ fipi-
nila. 12. rifil. \ fpinnla.
redimicula rena \ ueftilo.
13. neftüxn.
fibula nofca. 14. nxfcb.
stropliiuin tuhil. 15. tnh'l.S%
monile gefteue. 16. ge-
fteini.
conibonteniimenteniü. |99']
ninentemo. [83'J
iingues nagala. 105.n6^& l:.
commilito herig fffkllp.
(socio) fbmfnt ITndl'ndrinp. 400
buUis cbaftou. caftpn.
cingula, l)aUeiim balta.
[100"] 0 bUz:. [84']
teil ausradiert 398 vor 1
XI. AUS BRÜSSEL U^D CÖLN
105
500. classica hereboiichen. 104.
[lOr] heribo iichan.
507. laedit rizta. [84"]
405 529. docta giler neten. () gelir-
nctem.
532. parapside fulz care. [85'']
0 fulzchare. 103. [103"]
563. iactet tiiomla.
567. manicis. alfdruen. 102.
[105"] half tru en. [86"]
594. palpitat zabulot. [106"] za-
nelot. [87"]
410 633. exfibulat, disciugit .i. m-
gurta. [88*] () Ingurta.
101. [107*]
636. coiniciDum heiibouchen.
100. [IIO'I heribonchati.
[9r]
731. (acuto) alto hög. 99. [116"]
hög. [93"]
834. (striictile) gkfegpt, gkhpu-
ubn. [96"]
CONTRA SYMM. I. PRAEF.
15. algidi froftega. 98. [116^]
froftega. [96*^]
415 39. aciiniina chlntnma.
43. impeüis liieil't. 96. [117"]
fueift. 197"]
88. inipt'tus l'ucift. /neift.
CONTRA SYMMACHUM I.
5. turbare gei rren. 97.[117"']
geir rhu. [97"]
49. [uitibns] incuriuim [putan-
dis chalybem] rebe fabf.
11. [11 SM rehefahf.
58. adhinniuit ziio er luie gota. 420
94. zno eruuegota.
65. pessiilus plochili. () plochil.
66. cuiieis iiuecon. uufccpn.
67. imbricibus fkintelon.()/"Äm-
telon.
70. catamitum kifl'afen. 95.
giflafen.
71. sorore kelhm. [HS'] /te;-425
hm. [98"]
115, (ramo) zgrfg.
1 17. transtris fezzon. 92. fezzon.
119. (concubitns) uuidillo. 93.
unidillo.
126, prohiit pegoz. [119"] () pf-
gpz. [98"]
159, ludilaia zuo zecunga, 91.430
[119''] zuozechunga. [W']
234. (PicHs) in aiieni siii Homi-
nis mutatus est . i , fpeht,
[120*] fpfh.
235. (epotum) küruchmz. [99']
257. saliente Tprunge zentero.
10. 0 fprnngezentero.
259. (vitriciis) Itiulater. 89. ftkf-
fbtfr.
260. priiiigni Itinfcbindef. 90. 435
0 l't.xf ch.mlff. [99"]
269, Claras marra. [120'] mbrf.
272. delicias Irüt. [121*] tn'it.
[100"|
345. conimenli erdabton. [121'']
erdahton.
366. succincta ul'gefcorzotiu, 88.
[122"| 0 xfgefcor zpthi.
[101"]
422 171 B ist c undeutlich 426 sehv zweifel/iaft. mit anderer
f;e/iei7nsc/irifl = zerfe'l 431 in C ist hinter fpfh das tjlall ab-^cschnitlen
106
GLOSSEN ZU PRUDENTIUS
440 436.
476.
490.
540.
631.
445 638
640
643.
653,
654
(brattea) pedela. [lOr]
iiulignatio leid. 87. [122^
leid. 1101"]
concreto fer uiial chenemo.
|123'] fer nual chenemo.
tio2r]
adsuescit geuuenita. [123'']
0 geuuenita. [103']
lariias fcraten. [124'] fcra-
ten.
rastris egitha. egkthpi.
hgonibus feclion. fegxn.
iie thaz: [103"]
petita est kfbnfxbrtpt. 86.
[124^] 0 kfbnfxhrlpt.
(siiiiiamine) MWöM che. [103']
CONTRA SYMM. II. PRAEF.
450 57. intonat prahtit. 83. brbhtit.
58. turnet geilifot. 84. ge'lißt.
CONTRA SYMMACHUM II.
4. refellam ferflaho. 85. [124"]
0 ferflaho. [103"]
9. calentes eruuabfente. 81.
eruuaffente.
10. classica horntrumbun. 82.
[125'] hprntrxnbxn.
455 30. hastis fcafto. [104']
37. stropbio tiibile. 79. txhilf
recincta zizufotiu.
38. papillas tutteii. 80. [127']
txU[n. [106']
283. rastri hacbo. 78. hdcho.
286. strictura liiii da. [129'] 460
fmida. [107']
419. (clauiim) floz.
428. turbauit geirta. [129''] pe?V-
ta. [107"]
455. fusis fpinniliin. 76. ppi-
nul.
456. tigillis fparron. 77. () fpbr-
rpn.
fraxinus afc. 75. [130'] 465
bfc. [108"]
577. limbiim foum. 74. [131"]
fpxm. [109']
647. liguo cauato fcema. [133']
698. (mastriigis) lüdiron. [110"]
808. Dana dene. 9. dene.
üuandalus uuinid. 9. uui-4~tO
nid.
Hiinus liun. 9. [133'] hun.
[HO"]
858. (tliyrsigeri) thyrsum dor-
Ibn. [133"] dorfon.
868. serapen chenela. 73. che-
nela.
870. crocodrillus nichuf. 72.
[134"] nichuf. [111']
rubigo uuintprant. 70. 475
auena turd . 1 churfpoto.
8. [134"]
946. corna cbnnielbere. 71.
[135']
976. rubigo vuint brant. 69.
[135"]
448 dh. keanefaitot. m C ist vor dem zweiten f eine rastii', ivie
es scheint von c 450 in B das i aus a corrigievt 455 dahinter
ist ein buchstabe, wol n erloschen 467 villeicht hat auch in G 109*
dies wort avi rande gestanden, man sieht noch spuren von buchstaben
469 in C ist aus dein ersten e von anderer liand a gemacht 475 6
in der prosa liinter v. 910
XL— XIII. AUS BRÜSSEL, CÖLN, WOLFENB. U. MÜNCHEN 107
1002. inproba ungeiTiahc. un- 1054. gurgulio meftro. [136^]
gemach. 1056. iielamine xx l:. [111'^]
480 1008. fasciolisneftilon.eS. [135"] 1089. pileutofamlnilic.67. [136"]
neftilon. [\\V] fübuch. [11 2']
1043. (sentix) thornakf. 1106. litia neftilun. 7. neftilon. 4Sb
XII. WOLFENBÜTTELER GLOSSEN.
PRAEFATIO.
10. [l*"] lasciua proteruitas Ge-
tolofa frazarheit. [2'']
H. A. GALLI CANTUM.
14. culmine frifte. [3^]
28. stertere . i . ruzat. [4']
H. MATUTINUS.
32. migator pofare.
5 33. seucrum, grauiter gedi-
geno. [6^]
H. A. CIBUM.
69. coit gerimit.
70. calatho gafechar.
74. thymo binifoga.
82. fidibus fegitou. [10^]
H. A. INC. LUCERNAE.
3. ingruit ane uellit. [10'*] lo
15. scirpea pinez.
XIII. MÜNCHENER GLOSSEN.
H. A. CIBUM.
66. [51 mulctra chiufehter. [5'^]
92. tremit fpragunt. [7'']
H. A. INC. LUCERNAE.
14. lichnis taht. [8'^]
94. atticum humbcliiic. [12''J
H. P. .IE.TUNIUM.
5 44. cardiis diftiila. [19']
P. CALAGURR.
55. bipeiinem aclicf.
72. (calybs) ochel. [20'']
P. VINCENTII.
13. idoli rhiiic. [2^]
70. follilms l)laifbalgc.
79. aiicui.os lügclar. [23"]
243. fornicis fvvibovgö. [25''
492. fiscclla zainfaz. |27"]
10
482 der anfaiig des Wortes ist ganz erloschen. /. hameflro 483
zuüsclien xx tnid 1 hat ein x oder o gestanden 2 /. fprangul 7
Gr. 1, 130 8 gehört wol zu satellcs (iiloli)
108
GLOSSEN ZU PRUDEMIUS
P. LAURENTII.
76. sestertiorum [milia] fechele.
[29^] •
2S2. muculentis rozegeii, [29'']
15 318. cauillo trugeheit.
mimico fpillicher.
320. sciirra fnuiTinch. [30']
399. catasta hurd.
409. ludibimdus froiliclier. [31^]
20 478. ualuas iialdeltivre. [35"]
P. HIPPOLYTI.
153. (vallo) graben. [52"]
P. ROMANI.
187. verbece widere.
221. cygnus elbiz. [55^]
467. catasta prennif. [55'']
490. cauteribus prennifen. 25 ]
511. [aiiriim] regestum gebraute.
[78^]
APOTHEOSIS.
399. nuntia laetitia, energia i.
vvotu. 0 energia . i . wo-
tunga. [79"]
472. (cymbia) fcala, napa. [107']
HAMARTIGENIA.
761. propolas tranchuf. [151']
CONTRA SYMMACHUM II.
285. cuneis weken. 30
286. strictura effa.
XIV. LONDONER GLOSSEN.
H. MATLTLNUS.
21. [4''] callida viza.
32. castum chufchi.
33. seuerum kidigini. [6'']
H. A. CIBÜM.
63. coma imiphila.
5 siliqua bala.
70. calatho ceinun.
74. thinio pinfugun.
79. deciduo rifantemo.
82. fidibus fuuegaliin. [8']
10 199. de flegetonte lona hello.
203. sarcofago licliaro. [14'']
H. A. SOMNU.M.
139. periiicaci mitchleinero.[17'']
H. JEJUXANTIÜM.
119. (offam) palhin. [18"]
153. uillis zotun. [19']
169. strepentis fpringentef. [22''] 15
H. 0. HORAE.
48. iecur lepara. [23']
64. meatus [aurium] lofunga.
79. ferrugine plaiuii. [23'']
95. insuesceret giuueniti. [24']
112. lapsus runle. [26'] 20
27 das erste mal ist die gl. nicht zu ende geschrieben 21
zwischen u und ni rasiir
XlII. XIV. AUS MÜNCHEN UND LONDON
109
H. A. EXEQUIAS DEF.
141. cariosa iiu mazig. [27*]
P. CALAGURR.
23. dispendio hinafpentunga.-
[27"]
46. bogis halfpant.
47. forum marchat. [28']
25 68. infames zurlmniimtig. [34'']
P. \ INGENTII,
396. [inter] carices faharen.^
[351
453. palustri [cespite] mofuhin.^
[3S1
P. LAUREiNTII.
90. fiscus lierf.2 [40^
258. strumas kelca..
282. (muccilentus) a mucca .i. 30
[40"]
[42^
[42'']
roz.
284. lippos plehenoca.^
318. cauillo liintrehren.
441. atuerlat uuarnem'
448. peiiates liemcote.
449. sterculum miftrol. 35
457. obsides gifala.
465. adulter freien.
469. exterminat uztript.
472. officit tart.
480. pessulos floz. [45'] 40
P. HIPPOLYTI.
41. secesserat cleifuh.^
45. fora fuora.^
rostra marchat.*
su))ura ftracha.*
46. eluui»^ hunti.^ 45
25 /. zurliumuutige 28 herftiura zu stipendiis dei' folgenden
zeile 32 diese gl. und 41 vermag ick nicht zu deuten 33 dh.
uuar uenie 37 zu sororis v. 460 44 /. ftraza
Einige kleine nachtrüge füge ich hier an s. 4 es hätte bemerkt
werdeji sollen dafsM"^ aus Tegernsee stammt, wo es die Signatur X. 2b. 2°
führte, so erklärt sich auch das s. 13 besprochene nahe Verhältnis
zu E, denn die ?nönche von SAfra loaren aus 7'egernsee gekommeii
(Braun, geschickte des stifts von SUlrich und Afra s. 230) s. 6 hr
gxjmnasialprofessor Richter zu Salzburg, den ich um eine collation vo?i
S ersuchte, hat die gute gehabt, mir zu berichten dafs diese hs. (A. 6. 19)
jnit mehreren a?ideren des stiftes das Schicksal, verschiounden zu sein,
teilt 5. 11 u für uo m M' steht noch iii giniuifl 238 7ind runiifala 271;
c für ch m M' ferner cleina 1705 ; ein zweiter nom. sg. auf er ist niif-
fitruuuiiter P 337 s. 19 als hd. spuren in D loaren vor allem die z in
bolzoii 309 und ciazoda 32ß anzuführen s. 24, 144 lautet in S tief-
fcnion s. 25, 191 in S heriilriinluiii hinter s. 30, 14ü fehlt [41']
s. 37, 137 lautet zorftemo hinter s. 44, 549 fehlt die glosse 144. re-
siilcans vuidaicliiazzuiitiu s. 4t), ti4S iti der von mir benutzten äb-
schrift steht lapsiis /'///• lapis Jind ebenso s. 47, 6b2 faiiorum 7iach
s. 50, 805 fehlt 37. anfiactibus clirumbiii
HO ZU DEN VIRGILGLOSSEN
ZU DEN VIRGILGLOSSEN.
Eine der oben für die Prudentiusglossen wahrscheinlich ge-
machten analoge enhvickelung dürfte auch für die Virgilglosseu
anzunehmen sein, denn die soeben in der Germ. 17 s. 18ff
verötTentlichten Melcker gll. sind zwar, wie es scheint, am Mittel-
rhein aufgezeichnet, weisen aber auf ein alemannisches original
des 10 jhs. zurück, der alemannische dialekt dieser zeit unter-
schied die praeterita plur. starker und schwacher konjugation
durch die endungen -eu und -on. dies ist regel bei Notker, im
Georgsieich, in den Reichenauer von Mone (anz. 4, 82ff) heraus-
gegebenen glosseu und so auch in den Melcker, nur dafs einmal
(316) ein a für e eintrat, eine derartige differenzierung konnte
aber nur stattfinden, wo schon ursprünglich starke und schwache
konjugation sich von einander abhoben, und war somit im bai-
rischen und fränkischen nicht möglich, wenn also in fränkischen
glossen -oti als endung schwacher verba in der 3 p. pl. praet.
auftritt, so wird es auf alemannische grundlage zurückzuführen
sein, beispiele geben die Prudentiusglossen X. 25. XI. 130,
XI. 163, XI. 438. an den beiden ersten stellen hat nur B^ das
-ön beibehalten, während es von B' uud C in -nn geändert wurde,
an der dritten auch C. ferner die Xantener und Mainzer gll.
im vergleich zu den Reichenauer aao. erscheint aber -on (neben
-im) als praeteritalendung starker verba zuweilen im fränkischen
(Xant. gll. pnton 166. anagegiongon 177. namon 192 Virgilgll.
III. 2. 574 namon. zeunron zs. 15, 539, 9 chuaron), so mochte
ich auch darin eine, verschieden erklärbare, einwürkung ale-
mannischer -en der vorläge erkennen.
Der herausgeber der Melcker glossen hat die Verwandtschaft
derselben mit den Pariser Jiemerkt. dafs diese eine ziemlich nahe
ist, bezeugt der gemeinsame fehler bei Aen. 1, 167 nr 99 und
344 selpuna seneino, wo ein h oder s ausgefallen ist. denn mein
änderungsvorschlag in der anmerkung war töricht.
Ich benutze diese gelegenheit, um einige befserungen zu
diesen und andern im vorigen ])ande veröffentlichten glossen
nachzutragen, s. 40, 383 ist gewis nicht so zu fafsen, wie von
mir in der note geschehen, sondern als acc. sg. then leidon,
wobei etwa eid als ül)orselzung von iura zu ergänzen wäre.
nr 399 auf derselben seile findet sich allerdings bei Graff (1, 796),
AZZARIA 111
aber unter w, fälschlich, wie sich aus nr 450 ergibt, s. 42, 527
wird wohl drancscif zu lesen sein. s. 90, 2668 und bei Graff
4, 1167 ist ama wahrscheinlich als eine lateinische glosse zu
squama aufzufafsen, statt amo, hämo. s. IIS ist die anmerkung
zu 2817 zu streichen, s. 122, z. 25 1. pitulonti* endlich fehlt
auf s. 538 hinter nr 30 die glosse: 63' Tim. I. 2, 9 cum vere-
cundia & sobrietate .i. cum sobrietate \ fcamu, und bei der darauf
folgenden gl. mufs die blattangabe 63'' lauten.
STEINMEYER.
AZZARIA.
Mime der alte, der lehrer des Schmiedes Wieland und ver-
fertiger von drei berühmten Schwertern, wohnte nach dem Biterolf
in Azzaria, zwanzig meilen von Toledo, diese form der sage ist
nicht alt. andre Überlieferungen verlegen den Ursprung der
schmiedekunst nach osten zu mongolischen stammen, nach Sä-
munds Edda ist Wieland oder Volundr söhn eines Finnenkonigs,
obgleich die Finnen nach Tacitus (Germ. 46) so arm waren dafs
sie aus mangel an eisen ihre pfeilspitzen von knochen machten,
was die nürdhchen Lappen nach Sven Nilson (Steinzeit s. 142)
vor hundert jähren noch thaten. nach der Vilkinasage aber wird
der neunjährige Wieland von seinem vater, dem riesen Vadi, zu
dem kunstreichen schmiede Mimir nach Hunnenland in die lehre
gebracht und später noch einmal durch den Grünasund zu zwei
kunstreichen zwergen in dem berge Ivallowa (dem Kaukasus?)
getragen, von wo er <lrei tage nordwärts bis zur Weser reisen
mufs um von da auf einem von ihm selbst verfertigten schiffe
nach Jütland zu gelangen, gräberfunde weisen zu Skythen, ver-
mutlich den Arimaspen Herodots, am AUai hin, wo die Rufsen
alle bedeutenden bergwerke bereits zehn bis fünfzehn meter tief
von einem volke ausgebeutet fanden das sich dabei noch steinerner
Werkzeuge bedient hatte, die gräber am Altai und Jenisei stehen
in unverkennbarer Verbindung mit den Skythengräbern die sich
von dort bis zum Dniepr erstrecken, enibalten aber nur in höchst
seltener ausnähme erzcugnisse griechischer Industrie , die am
Dniepr durchaus vorhersehen, dagegen viele eigenthümliche ge-
räthschaften , die hauptsächlich aus kupfer und broiize gegofsen
sind und grofse ähnlichkeit mit den grälierfunden in Peutschland,
112 AZZARIA
Skandinavien, Frankreich und England haben, namenüich kom-
men dort die lanzettförmigen zweisclmeidigen bronzeschwerter vor,
die man überall findet wo Indogermanen sitzen, in Griechenland
wie diesseits der Alpen, in Finnland dagegen hat man nur stein-
geräth und keine bronzen gefunden, die darstellung des Zu-
sammenhangs der Arimaspen, Skythen oder Tschuden mit den
Indogermanen, der allerdings nicht zu den bisherigen ansichten
über das sogenannte bronzealter stimmt, mufs einer andern ge-
legenheit vorbehalten bleiben.
Die sage von Minies sitz in Azzaria ist aber nicht allein mit
dem bisher erörterten im Widerspruch, sie kann auch nicht älter
sein als das zehnte Jahrhundert. Wilhelm Grimm (Heldens. s. 148)
kennt diese Stadt nicht und vermutet dafs sie südlich von Toledo
in der Sierra Morena gelegen habe, sie lag aber in der nähe von
Cordova, wo noch grofse Schutthaufen zu sehen sind die wahr-
scheinlich ihre trümmer bergen, es ist ohne zweifei Medinet
Azzahra, das chalif Abderrahman III zu ehren seiner geliebten
Sklavin Azzahrä, d. i. die blühende, erbaute und mit ihrem namen
benannte, dort liefs er durch Maslama ben Abdallah ben Yunus *
im jähre 936 einen prachtvollen palast mit zauberischen gärten
erbauen und die arabischen dichter wai*en unerschöpflich in der
lobpreisenden beschreibung dieses Wunderwerks. K. Fr. von Schack
(Poesie und kunst der Araber in Spanien und Sicilien 2, 202
bis 213) hat danach ausführliche mittheilungen gegeben.
Es leidet wohl keinen zweifei dafs die auffafsung im Biterolf
durch den verkehr der nordischen Vikinge mit Arabern ent-
standen ist. sie kannten einerseits die berühmten klingen von
Toledo und anderseits den vielbesungenen palast Azzahrä mit
seinen zaubergärten, so konnte Toledo nicht unerwähnt bleiben,
aber Mime wohnte doch befser an dem glänzenden lieblingssitze
des chalifen. die entfernung zwischen Azzahrä und Toledo ist
in dem gedichte etwas zu kurz angegeben ; sie beträgt in würk-
lichkeit etwa dreifsig meilen. die läge von Azzahrä hat jedoch
Wilhelm Grimm ziemlich richtig errathen.
' so sind die beiden vorkommenden namen, deren Schreibart mein
freund und College Wüstenfeld berichtigt liat, zu vereinigen, vergl. All-
gemeines künstlerlexikon von Julius Meyer bd. l (Leipzig 1872) s. 15 unter
AüdaUak ben Yunus..
GÖTTINGEN. FR. W. UNGER.
METRISCHE UISTERS. ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 113
METRISCHE UNTERSUCHUXGEN ÜBER DIE
SPRACHE OTFRIDS.
1. Die zweisilbigen en düngen.
Sehr viele verse Otfrids scliliefsen mit einem worte, in wel-
chem auf lange Stammsilbe zwei minder betonte silben folgen.
Wörter wie helfante, ahtönti, blklenti, giemötun, frdgetun, gan-
ganne, nennenne, unemönnes, bösheiti, umsdnames, he'röti, truhtlne,
seltsdnes, kraftlicho, guallkhi, githningnisses, mennisgon, mammunli,
drutinna, göringi\ zeihminga, libhaftaz, angusti, heizista, heroston,
kastelle, einizen w. ä. sind ganz häutig im versschlufs. aber je
gröfser die anzahl solcher verse und je mannigfaltiger die bildung
der schliefsenden Wörter ist, um so bestimmter tritt es hervor,
clafs Otfrid solche Wörter mied, die zwischen der langen Stamm-
silbe und der letzten eine kurze silbe haben, die Wörter der
ersten art tragen im versschlufs ausnahmslos drei versaccente
gangänne: wenn er die der andern nicht zuläfst, so mufs ihm
weder die betonung gilöubigün noch gilöubigm statthaft erschie-
nen sein.
Diese Wahrnehmung ist nichts weniger als neu. Lachmann
hatte dies und manches andere beobachtet, als er vor vierzig
Jahren seine abhandlung über althochdeutsche betonung schrieb,
auch dafs ausnahmen vorkonnnen war ihm nicht entgangen,
zusammengestellt hat sie RHügel in seiner abhandlung über
Otfrids versbetonung (Leipzig 1569) s. 39f. es sind folgende
Wörter: uurzehm 1, 3, 27. muzagon 1, 3, 37. zeizero 1,4, 9.
nugiloubige^ 1,4,43. nnirdige 1, 4, Aö. irbolgono ], 4,bl. sdligun
1, 5, 19. ebaneuui'gan 1, 5, 26. giburdinot 1, 5,61.*^ Ikhamen 1, 7,4.
' Die adjectiva auf -ic sind mit aufgeführt, weil nichts verschwiegen
"werden sollte, was jemand als ausnähme ansehen könnte, es soll aber
damit keineswegs ausgesprochen sein , dafs sie Wörtern mit entschieden
kurzer ableitung gleich zu stellen seien, denn daraus dafs Otfrid im
Aveitern verlauf der arbeit diese formen mied, geht nur hervor, dafs iiun
das i nicht als volle länge galt, nicht aber dafs die ursprüngliche quantitäl
in seiner spraciie sclion ^iänzlicli erloschen war.
* Per vers ist vielleicht entstellt: die Wiener lis. hat eiiio aus^reslrichene
correctur und der reim fehlt.
Z. f. D. A. neue folge IV. 8
114 METRISCHE UMERSÜCHUISGEN
armem 1, 7, 10. ölmuatige 1, 7, 16. itale 1, 7, 18. sdlidon 1, 7, 24.
nngiloubige 1, 5, 43. a/^e/'o 1, 22, 1 . nuenege 1, 23, 7. fcerfero H 50 ;
denen sich noch ein viersilbiges mit kurzer Stammsilbe anreiht
managero 1, 4, 49. 16, 2. ob man uuolkono im reim auf frono^
(1,5,6) hierher ziehen will, hängt davon ab, ob man es von
dem stn. wolkmi, oder einem svvm. wolko oder swf. wolka her-
leiten will (Kelle 2, 164). für die vorliegende Untersuchung,
ist die entscheiduug gleichgiltig.
Nicht hierher zu zahlen sind erdbiba 5, 4, 21, wo langes *
anzunehmen ist (Hügel s. 40) und frambari 5, 12, 88, wo das-
zweite a lang ist (vgl. Grimm gr. 2 , 732 f). auch andrema
(4,11,50. 12, 13. 5, 10,23) steht nicht auf gleicher stufe, weil
hier zwischen d und r ein vokal unterdrückt ist, den die Frei-
singer hs. an allen drei stellen hat; noch Aveniger ältfördorön
2, 14, 57, wo abweichend von den übrigen beispielen die vor-
letzte silbe in die Senkung tritt, wie schwach ihr vokal war^
geht daraus hervor, dafs er gelegentlich gar nicht geschrieben
wird (s. Kelle 2, 452 vgl. 436. Hügel 31f).
Alle übrigen beispiele gehören, eins ausgenommen, dem erstea
buche an, und das eine steht in dem widmungsgedicht an die
SGaller mönche, welches Otfrid bekanntlich dichtete, ehe das
ganze werk fertig war (Kelle 1,43 und Hügel s. 37 nebst anm.).
es ist also einleuchtend, dafs wir es hier mit ausnalunen von
einer regel zu tun haben, die der dichter mit bewustsein oder
aus einem sehr bestimmten gefühle unverbrüchlich beobachtete,,
sobald er einige geläufigkeit im versbau erlangt hatte.
Wenn nun als gesetz gilt, dafs ein dreisilbiges vAort mit
langer Stammsilbe nur dann versschlufs bildet, wenn die vorletzte
silbe lang ist, so wird man folgern dürfen:
Wenn eine bildung, in der auf lange Stammsilbe noch zwei
Silben folgen im versschlufs gemieden wird, so ist die vorletzte
silbe nicht lang.
Dies gilt nun aber von den genetiven pluralis auf -ono. die
Wörter, in denen diese endung an lange Stammsilbe tritt sind
durchaus nicht seilen bei Otfrid. er braucht gmddono, minnonOy
mietono, palmono, selono, sptsotw, suntotio, zdlono, bluomono, bros-
mono, dnbono, niidono^ sterrono, nrkundono, ongono, aber nur im
innern verse. es ist wohl sicher, dafs Otfrid diese bildungen vom
versende absichtlich ausschlofs, denn zufall wird niemand daria
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 115
sehen, wenn worlcr die im innern verse zwei rhythmische accente
bekommen, am versende, wenn die endung -öno wäre, deren drei
haben müsten, an dieser stelle nie vorkämen, da doch der ganze
vers nur vier hebimgen hat. an zufall wird man um so weniger
denken, als die drei Wörter, in welchen bei Otfrid die endung
-ono an kurze Stammsilbe tritt, sämmtlich auch im versende vor-
kommen, es folgt also dafs Otfrid die langsilbigen mied und in
ihnen der erste vokal der endung -ono nicht mehr lang war.
für die kurzsilbigen ergibt sich aus dem rhythmus der verse
nichts, aber für sie mag man aus der analogie auf dieselbe quan-
tität schliefsen, vielleicht auch aus dem umstände, dafs sie auf
Wörter mit kurzer paenultima reimen : frumono : gebono 3, 22, 30.
forasagono : redino 2, 18, 3. drütbotono : sibino 1, 4, 59.
Wo hingegen die endung nicht unmittelbar an die hoch-
betonte Stammsilbe tritt, hat sie den alten vokahvert erhalten,
oder wenigstens noch nicht ganz verloren, für solche Wörter,
obwohl lange nicht so zahlreich wie die einfachen, fehlt es an
belegen in den reimen nicht: selidöno : scöno 4,9,8. judeöno:
scöno 5, 6, 30. judeono : offonoro 3, 15, 48. fordorono : giuudro
3, 20, 10 und mit unterdrücktem o der ableitung fordröno : scöno
1,4,41.^ die verschiedene entwickelung der endung, je nachdem
zwischen sie und die hochbetontc Stammsilbe eine minder betonte
silbe tritt oder nicht, kann nicht auffallen, der ton der endung
trat neben der minder betonten nachbarsilbe mächtiger hervor,
als neben dem stamme, und unter dem schütze des starkem
accentes erhielt sich die quantität befser.
Für die genetivendung -ino darf man wohl dieselbe entwicke-
lung wie für -öno voraussetzen, aus dem rhythmus läfst sich
für sie keine enlscheidung gewinnen, sie ist nur einmal belegt
und nicht im reim (Kelle 2, 227).
Sichere länge hat der bindevokal im praeteritum der zweiten
und dritten schwachen conjugation bewahrt, wie zahlreiche verse
beweisen; auch wohl das flectierte participium dieser conjugatio-
nen, das zweimal im reim vorkommt gthe'rete 4,5,52. gibösötes
4, 28, 7.
Unentschieden bleibt die quantität der endung -emes in der
' 5,6,30 ist zu betonen iüdeonö; 3, 15, 4b iiideonö; 3, 20, 10 i'ördö-
ronö ; 1, 4, 41 f6rdorönö.
8*
116 iMETRISCHE UNTERSUCHUNGEN
1 p. pl. conj. daraus dafs sie nicht im reim vorkommt, darf
man nichts schhefsen, denn das kann seinen grund in ihrer syn-
taktischen Verwendung haben. —
Das betonungsverhähnis in den endsilben eines Wortes wie
imuntaron, welches nicht gestattet, dafs die letzte silbe sich über
die vorletzte erhebe, wenigstens nicht an der stelle des verses,
die am sorgfäUigsten behandelt wird, dünkt mich nun merk-
würdig genug, um bedenken gegen die gangbaren auslebten über
die quantität der endungen zu erregen, denn quantität und be-
tonung, obwohl sehr verschiedene dinge, stehen doch in so enger
beziehung und häufiger Wechsel würkung zu einander, dafs eigen-
tümliche erscheinungen in der einen Vermutungen für die andere
veranlafsen können ; und die ansichten, welche die grammatik für
die quantität der endungen aufsteht, scheinen so sicher gegründet
nicht, dafs sie von vornherein jeden zweifei zurückdrängen müsten.
die grammatik kennt lange endungen im ahd., im mhd. nur kurze ;
der syllaba anceps, welche die beiden enden der entwickelung
\x)raussetzen, hat sie bisher wenig aufmersamkeit geschenkt.
2. Die einsilbigen endungen.
Das mittel die quantität der endungen in Otfrids spräche
genauer zu bestimmen als bisher geschehen ist, bieten die asso-
nanzen. mancher, der den Otfrid doch auch gelesen hat, mag
die anwendung dieses mittels sehr bedenklich finden; denn wer
liest, ohne den reimen besondere aufmerksamkeit zu schenken,
wird leicht den eindruck gewinnen, als wäre der einzige schlufs
den man aus ihnen ziehen könne der, dafs es mit der reimerei
damals noch nicht zum l>esten bestellt war, und dafs man auf
keinen fall aus den ungenauen assouanzen irgend welche resultate
für die quantität der vocale gewinnen könne, dieser einthuick
ist wenigstens sehr natürlich — er ist bedingt durch unsere aus-
spräche, die den accent der Stammsilben so übermäfsig hervor-
treten läfst, dafs wir in den zahlreichen versen, deren gleichklang
in der endung beruht, vielmehr die Verschiedenheit der vokale
. in den stannnsilben , als ihre Übereinstimmung in den endungen
gewahr werden — aber er ist nicht richtig, eine vorsichtige und
methodische Untersuchung ergibt, dafs der fleifsige mönch in sei-
ner klosterzelle durchaus nicht das ürefühl für die sinnliche seite
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 117
der spräche verloren hatte, einige hemerkungen, den gang der
Untersuchung zu bezeichnen und zu rechtfertigen, mögen vorher
gestattet sein.
Da in Otfrids versen der letzte rhythmische accent durchaus
auf die letzte silbe fällt, so ist sie als der eigentliche trager des
gleichklangs anzusehen; also mufs eine Untersuchung über die
genauigkeit der assonauzen von den vokalen der letzten silhen
ausgehen, freilich, wo der glcichklang in wenig betonte endungen
fällt, liebt es Otfrid auch die vorhergehenden consonanten mit
hineinzuziehen (unorto : harto), oder den reim auf die vorhergehende
Silbe auszudehnen (kieüio : reim) ; aber das ist nicht ein notwen-
diges erfordernis, sondern ein erwünschter schmuck, der nur
zeigt, dafs dem dichter, wie uns, der reim der endungen weni-
ger genügte als der vollbetonter silben.
Dafs Otfrid den Vorzug hochbetonter silben für den reim
empfand geht aus der gesteigerten anwendung, die er von ihnen
macht, aufs deutlichste hervor, anfang und schlufs dichtete er
zuerst, später die mitte: dem entspricht die anwendung hoch-
betonter worter im reim, mindestens eine hochbetonte reimsilbe
haben
von 1230 langversen des 1 buches 251 also 20,4 "'0
" 1244 „ „ 2 „ 372 „ 29,8 0/0
'' 1576 „ „ 3 „ 478 „ 30,3 0/0
" 1572 „ „ 4 „ 454 „ 28,90/0
" 1474 „ „ 5 „ 396 „ 26,8 «/o
in allen fünf büchern also 1951 verse, zu denen aus den drei
Widmungsgedichten noch 114 hinzukommen.
Da nun die quantität der endungen in Irage gezogen ist, so
mufs die Untersuchung zunächst alle verse ausscheiden deren reim
in den endungen liegt, und sich auf die bezeichneten 2065 lang-
verse beschränken.
Ferner wird es gestattet sein diese 2065 reimpare in zwei
abteilungen zu sondern, in solche die auf den assonierenden
vokal ausgehen (132), und solche in denen auf den assonieren-
den vokal noch ein consonant folgt (1933). zweckmäfsig und
gerechtfertigt scheint diese sonderung durch folgende erwäguiig.
die reimgenauigkeit eines dichters bestimmen heilst niclits als
feststellen, in wie weit erlaubt sich der dichter solche laute zu
118 METRISCHE UNTERSUCHUNGEN
binden, die in seiner spräche nicht gleicli waren.' die genauig-
keit der Otfridschen assonanzen also läfst sich nur auf grundlage
seiner spräche feststellen, die spräche können wir bestimmen,
einmal aus seinem werke selbst — aber insofern es die quantität
der enduugen betrifft, soll das mittel sie zu bestimmen erst als
anwendbar erwiesen werden — , sodann aus der entwickelung
der deutschen spräche überhaupt — aber schlüfse über die quan-
tität der endimgen können aus ihr nur mit grofser liehutsamkeit
gezogen werden, nun scheint die quantität des auslautenden be-
tonten vokales viel weniger gesichert, als die des inlautenden;
da und dU, ja und ja stehen wenigstens nach unserem gefühle
einander viel näher als stät und stät, lam und läm und weder
ahd. noch nihd. haben auslautenden betonten vokal in reiner
kürze bewahrt, es sind also durch die gemachte teilung die un-
sicheren fälle von den fester stehenden getrennt, von den letztern,
auch weit zahlreicheren mufs die Untersuchung beginnen.
Endlich ist noch eine dritte aber selbstverständliche reduction
nötig: es müfsen die 92 reimpaare, in denen auf eine hochbetonte
silbe eine flexionssilbe reimt, welche die grammatik mit langem
vokal ansetzt, ausgeschieden werden; denn der angeklagte kann
nicht zeuge sein.
So bleiben zur Untersuchung noch 1841 reimpaare, von denen
alle die, welche nach den gangbaren festsetzungen der grammatik
nicht genau sind, im folgenden angeführt und geprüft werden
sollen.
Damit aber die prüfung nicht von vornherein aussichtslos
unternonunen scheint, soll die Sorgfalt des dichters an einem
speciellen falle gezeigt werden, von Stammsilben auf ot kommen
bei Otfrid got, gibot, imbot vor; 6t haben not, bröt, bot. not kommt
etwa 70 mal im reim vor, sehr häufig nur als flickwort, bot 29
mal, got 14 mal, bröt 5 mal, gibot 2 mal, imbot 1 mal, also 6t
im ganzen etwa 100 mal, ot 11 mal: wenn da nur ein einziges
mal die Vermischung beider klassen vorkommt (got : not 4, 30, 31),
so mufs man doch wohl annehmen, dafs der dichter bestimmte
empfmdung der quantität hatte und sich mit ungenauen assonan-
' Das ist so selbslverstiindlicli, dafs es trivial erscheint, aber oft wird
die grenze zwischen dialektischen und ungenauen reimen nicht gehörig
beachtet.
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 119
zen nicht gern begnügte, auf zu viele verstofse gegen die qiian-
tität darf man also nicht rechnen.
Bindung von vokalen verschiedener quantität vor r.
Otfrid reimt
sär : unnntar 1, 12, 7. meistar 4, 16, 51. wazar 4,33,31.
Mar 4, 14, 13.
nudr : hungar 2, 4, 4. 5, 20, 73. 105. dufar % 22, 31. altar
3, 20, 93. jamar 5, 6, 40. swangar 1, 5, 37. nnuntar 4, 1, 30. sun-
.?ar4, 6, 41. hiar 4,2,34. 6,26. 5,4,45. 25,87.
jdr : meistar 4, 1 1, 45. jamar 5, 23, 1 69.
giddn : unnntar 2,9,39.
thdr : nunntar 1, 4, 71. 3, 13, 44. meistar 2, 14, 95. 4, 6, 37.
kuphar 1, 1, 69. wazar 3, 20, 25. uuachar 4, 7, 66. 67. jamar 4,
26, 8. 32, 6. lastar A, 30, 23. hnngar 5, 23, 78. hiar 5, 21, 13.
sndr : hiar 3, 5, 21.
er : er 1, 27, 55. muater 3, 20, 5. sunester 3, 24, 3.
ser : snesfer 3, 24, 7. bruader 3, 24, 21. 23, 15. H 34.
mer : snester 3, 23, 13. bruader 4, 6, 32. er 5, 6, 15.
es ist bekannt dafs in mittelhochdeutschen gedichten und in einer
zeit, wo mustergültige dichter sich genauer reime beflifsen, häufig
vokale verschiedener quantität vor r gebunden werden, nicht nur
im Wälschen gast, im Wigalois, der Krone u. a. die sich weit-
gehende reimfreiheiten gestatten, sondern auch in sorgfältigem
werken. Gotfrid von Strafsburg reimt gar : gebdr 21, 37, hdr
102, 3, war 484, 5, Rudolf von Ems hörten : worten Barlaam 253,
17, und selbst liederdichter bebon vor dergleichen nicht zurück.
Gotfrid von INeifen reimt gar : klar, Jacob von Warte gar : offen-
bdr, Worte : hörte, Rudolf von Rotenburc porte : hörte, Ulrich von
Wintersteten hörten : orten , worten : störten , Ilesso von Rinach
var-.kldr, der von Sahsendorf dar: jdr, der von Wildonie vor:
wdr, Ulrich von Lichtenstein schar : kldr, gar : hdr, wdr, jdr, kldr,
gewariwdr und andere ähnliches, daraus geht hervor, dafs in
Worten wie gar und kldr, worten und hörten die vokale wenn
nicht gleich waren, so sich doch näher standen als in rdt und stat
oder got und tot, dh. dafs einer der beiden vokale aufgebort hatte
entschiedene länge oder kürze zu sein, also anceps geworden war.
Welcher von den beiden vokalen seine ursprüngliche quan-
tität verändert hatte, ist nicht zweifelhaft: der kurze vokal erfuhr
120 METRISCHE UMERSLCHU>GEN
unter eiüflufs des folgenden r dehnung, und zwar eine art ersatz-
dehnung. die ungenaue articulation des r, die heut zutage in
unserer spräche den weitesten umfang gewonnen hat, mufs sehr
früh schon begonnen haben, indem nun das zeitmafs, welches
die silbe mit genau articuliertem r erforderte, im sprachbewust-
sein haftete, wurde dem vorangehenden vokale an Zeitdauer zu-
gelegt, was dem consonanten entzogen wurde.
Wenn nun bei Otfrid dieselbe bindung ursprünglich langer
und kurzer vokale vor r sich zeigt, und diese reime einen nicht
unerheblichen teil aller ungenauen reime, die bei ihm vorkom-
men, ausmachen, so scheint es zuläfsig für seine spräche dieselbe
ungenaue articulation des r und die ersatzdehnung des voran-
gehenden vokales anzunehmen, dann sind aber diese reime nicht
sowohl ungenauigkeiten des dichters, als zeichen seiner spräche,
meinetwegen zeichen der unorganischen entwickelung oder des
Verfalls seiner mundart.
Die schwache ausspräche des r hat auch andere spuren in
Otfrids werk hinterlafsen. aus ihr erklärt sich der abfall des r
in hia, der viermal in der Freisinger, einmal auch in der Wiener
hs. begegnet, aber nur einmal der Sorgfalt des correctors ent-
gangen ist', so der umstand, dafs uuidarort nur einmal auf wort
(4,3,5) reimt, dagegen viermal auf not 1, 22, 22. 2, 12,23. 3,
24,99. 4,18,26, zweimal aui gebot 3,8,7. 14,29; so auch die
Schreibung uuidorot statt nuidorort die in allen drei hss. je einmal,
aber an verschiedenen stellen sich zeigt-, so vielleicht auch der
unorganische einschub eines r in uuerdar^ uuirdar, fordorot u. e. a.
den die hss. hier und da bieten.^
Bindung von vokalen verschiedener quantität vorn.
In der mittelhochdeutschen dichtung ist die bindung von
vokalen verschiedener quantität vor n noch häufiger als vor r. in
keinem gedichte tritt sie entschiedner hervor als in den >'ibe-
' Die stellen bei Kelle 2. 512 und in Müllenhoffs und Scherers Denk-
mälern s. 290.
2 Kelle 2,511.
3 \<i\. auch die reime imLol : loort I, 13, 2. gab : loarb 4, 11, 7. wort :
gisamnot 4. 19, 9. hen'sha/': Uiarf 4. 5, 42. anion : körn 2, 14, 109.
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 121
lungen, in denen -an : -an über 400 mal vorkommt, da die reime
sonst doch sehr genau sind, selbst der sorgfältige Hartmann hat
sich undertdn: gewan, manihdn erlaubt, der grund wird wie
beim r zunächst in der unvoUkomninen articulation , vielfach in
einer nasaherenden ausspräche des auslautenden n zu suchen sein,
wenn es ganz vorzugsweise das a ist, welches vor n und r die
dehnung erfährt, so liegt der grund wohl in der natur des vo-
kales, der von den kurzen vokalen der gewichtigste und quali-
tativ dem langen d ganz gleich ist.
Dafs auch in Otfrids spräche das n einen derartigen einflufs
geübt habe, kann man bei der geringeren zahl der fälle, wo kurze
und lange vokale vor n reimen , nicht so sicher behaupten wie
beim r. es finden sich
wdn : man 4, 17, 31. niinan 4, 10, 11. icerdan 5, 20, 89.
firddn : man 4, 22, 6. bifahan' 2, 1, 48.
gdn : gisprockan 1, 25, 1 1.
min : bin 1, 5, 35. nudnin (dat. pl. s. Kelle 2, 144) 2, 14, 89.
sin : hilidin H 52. seginin 2, 14, 91.
nbarlüt : leidunt 4, 24, 26.
in dem letzten falle, wo das n durch den folgenden consonanten
gedeckt ist, liegt sicher ungenauigkeit des reimes vor, und so
vielleicht auch in den andern, dafs in den hss. vor t zuweilen n
ausgelafsen ist, bietet nur eine scheinbare analogie zu dem was
vorhin über r bemerkt wurde, es beschränkt sich dies nämlich
auf das praeteritum von statidan : gistnat 2, 6, 40 VP. 1, 17, 42 P.
gistuatun 1,9,23 \ VF. 1,20, 5 V^, das auch häufig im reim auf
gnat, muat erscheint "*, und hier gemahnt die erinnerung an das
alts. stöd an eine andere auffafsung.
Nur bei einem worte auf n möchte ich einen schwankenden
vokalwert annehmen, beim dativ pluralis in, der an fünf stellen
auf si7i, an dreien auf min reimt.^
* An bifän zu denken verhindert der rhythmus der bifähän verlan^'t.
2 In den Nibelungen findet sich dieser fall nur einmal gewant : ergdnt
1475; aber hier steht A allein.
^ Angeführt von Kelle 2,514.
" 2,6,40. 2,11,54. 3,17,47.52. 24,43.101. 4,15,30. 7,32. 5, 4, 2. G2.
6,6S. 9,1. 12,11.61. 14,1.
M,7,44. 14,15. 5,20,67. 1,28,19. 2,7,16. — 5,4,61.64. 3,22,24.
122 METRISCHE UNTERSUCHUNGEN
Bindung einfacher vokale und diphthongen.
An nicht wenigen stellen reimen einfache vokale auf diph-
thongen. *
dnit : giltit 3, 13, 37. Hut : ubarlnt 3, 6, 31. 16, 61. 4,
(gidue : thie 2, \9, l^)- 7,89.
(zua : thanana 4, 29, 57. th'ot : not 4, 21, 12.
: leiba 3, 6, 3). : wachorot 1, 12, 31.
gihiaz : allaz 4, 16, 50. (m : nü % 1 4, 52).
hiar : wachar 4, 7, 83. Ä/ar : ?oar 4, 2, 34. 6, 26. 5, 4,
5?7?a2 : mwaz 5, 7, 38. 45. 25, 87.
: sdr 4, 14, 13.
duü : slf 4, 7, 61. : f/mr 5, 21, 13.
: p/f 3, 17, 15. :s?mV3, 5,21.
als diphthonge sind auch die lautverhindungen in duü und gidue
anzusehen, da sie nur einen accent im verse haben. — Wie man
sieht, kommen nur solche diphthonge im reim auf eiufache vo-
kale vor, die mit i oder u anlauten dh. mit den vokalen, welche
die fahigkeit und oft die neigung haben in consonanten über zu
gehen, der Übergang in / und ic, oder die annäherung an diese
consonanten tritt, wie jeder fühlt, leicht ein, wenn auf unbeton-
tes ^■ und n betonter vokal folgt: aus iacio wird leicht jacio, aus
nnas leicht was. dafs aber in den diphthongen, welche hier in
betracht kommen, der zweite laut der betonte war, sieht man
daraus dafs auf ihm allein der gleichklang beruht, wie nahe fer-
ner in Otfrids spräche die vokale i und n den entsprechenden
consonanten standen, ersieht man aus seiner lateinischen vorrede:
'Huius enim linguae barbaries, ut est incvUta et indisciplinabilis
atque insueta capi regulari freno grammaticae artis, sie etiam in
multis dictis scriptu est propter litterarum aut congeriem aut in-
cognitam sonoritatem difficilis. Nam interdum tria nun, ut
puto, quaerit in sono priores duo consonantes, ut
mihi videtur, tertium vocali sono manente'^ und vom ^'
sagt er weiter unten : 'Hie sepius i et o ceteraeque similiter cum illo
' duan : blgan kommt durch richtige verseiiileiliuig- in vvegfall. s. Hügel
s. 47.
2 Holtzmann in seiner altdeutsciicn gramniatik bemerkt s. 248 ganz
richtig: dM-i7 wird einsilbig dtdi, (asl dwit gesprochen, wie die reime zeigen-
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 123
uocales simul inveniuntur inscriptae, interdum in sono diui-
sae uocales manentes, interdum coniunctae, priore
transeunte in consonantium potestatem.' der annähme,
dafs in den angeführten reimen die vokale i und n consonantisch
ausgesprochen wurden, scheint also nichts im wege zu stehen,
wenn dies aber der fall war, so tritt im wesentlichen ganz das-
selbe ein wie beim unvollkommen articulierten r, eine minderung
des lautgehaltes der silbe. wir haben also auch dieselbe beglei-
tende erscheinung zu erwarten, dh, ersatzdehnung des neben-
stehenden vokales, so erklärt sich dann, dafs so oft der zweite
laut des diphthongs auf langen vokal reimt.
in, -lieh, -ic, les.
Das adverbium in lautet wie später, auch schon bei Otfrid
in und in. sehr häufig reimt es auf das pronomen m, dessen
quantität selbst als schwankend bezeichnet ist; auf min 1,22, 57.
5, 5, 7. auf min 2, 14, 27 : sin 1, 23, 9. druhtin 3, 24, 41.
Auch die nachsilbe -lieh braucht Otfrid schon mit kurzem
vokal, wie zahlreiche reime beweisen zb. m«/« : sama?/A 3, 16, 48.
4, 15, 36. gilumflih 4, 15, 4. 11, 23. thih : missilih 2, 19, 23. H 58-
egislih 4, 13, n. sih: e'gislih 2,Q, A4, selbst das adjectivum gilih
neigte sich, wenigstens wo in Zusammensetzung die letzte silbe
an ton verlor, der kürze zu: nngilih: thih 3,23, 4. 4,7,30. 5,
12, 3. mih 5, 7, 25. leidogilih : thih 5, 23, 218.
Seltner als -lieh konmit -ic im reime vor: nur eimnal auf i
(sdlig : ivrg 2, 16, 25 j, sechsmal auf i githig : kreflig 4, 37, 15. nuir-
dig H 36. 56. sdlic 5, 23, 54. thing : uuirdig 4, 7, 87. giweltig 4,
23, 37. also auch hier war wohl die länge schon aufgegeben
(vgl. Hügel s. 40).
Sicher ist dies bei der interjection les der fall, die achtmal
im reim vorkommt, innner auf die genetivendung -es. les : t ödes
2, 11, 47. leides 3, 24, 76. gilhningnisses 4, 7,29. githigines 4, 16,8.
halsslagonnes 4, 19, 72. uuortes 4, 26, 18. uuerkes 4, 28, 11. alles
5,1,43.
Flexionen mit kurzem vokal im reim auf lange silben.
Dieser fall kommt nur bei langsill)igen verben <ler ersten
schwachen conjugation vor und nur wo i der vokal der endung
ist. irfullit (prtc.) : zU l, 4, 69. gihörit (prtc.) : qnit 4, 19, 67.
124 METRISCHE liNTERSUCHüNGEN
gmnahinit fprtc.) : zU 1, 9, 1. lougnit (3 ps. sg.) : giqmt 3, 22, 53.
gilouhis (2 p. sg) : wh 3, 24, 85. — Diese beschränkung auf «-stamme
macht es mir schwer zu glauben, dafs die reime nicht einen an-
lafs in der ausspräche hatten. Grimm (1-, 870) setzte für die
langsilbigen verba der ersten schwachen conjugation in der 2 und
3 p. sg. ?s, it an 'vorläufig, wofür sich vielleicht noch beweise
entdecken werden'.
Als ungenaue reime bleiben nur noch die folgenden übrig:
mäht : hrdht 3, 23, 19. scalt : zigät 4, 7, 8.
gifnah : näh 5, 5, 10. dinfal : thdr 4, 11,2.
wizzod : (bof 3, 16, 23. mmt : duent 2, 9, 96.*
binam : gdn 4, 3, 1 6. got : not 4, 30, 31.
es mag leicht sein, dafs auch von ihnen einer oder der andere
in der ausspräche des dichters rein erschien, aber auch wenn
diese acht reime ungenau sind, und wenn aucli einige vorher
besprochenen als ungenau anzusehen sind, so ist doch jedesfalls
ilire zahl im Verhältnis aller die in betracht gezogen sind, so ge-
ring, dafs man getrost das urteil aussprechen darf:
Otfrid beachtet in seinen assonanzen nicht nur
die qualität sondern auch die quantität der vokale
mit nicht geringer Sorgfalt. Endungen die häufig
mit einander reimen, können in seiner spräche
nicht als länge und kürze gegenüber gestanden
haben.
Mit bilfe dieses satzes wird es gelingen die quantität der
einsilbigen endungen fest zu stellen.
A. Quantität der endungen mit consonantauslaut.
a. Die verbalendungen -6t, -et, -it.
Wenn man von einer endung erwarten darf, dafs sie bei
Otfrid noch die volle länge des vokales bewahrt hat, so ist es
sicher die endung -ot in der zweiten schwachen conjugation, die
ihren vollen wert länger behauptet hat, als irgend eine andere
flexion. sind doch die gewarnöt und ermorder öt noch in der poesie
des dreizehnten Jahrhunderts nicht verschollen, gelingt es für sie
eine Schwächung des vokales nachzuweisen, so wird man von den
andern endungen nichts befseres erwarten, sie kommt vor:
' Hier hat der erste laut des diphthongs den hauptton.
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIÜS 125
im reim auf -öt:
Participium. not : biredinot 5, 19, 17. biseganot 5, 3, 15. fir-
damnot 2, 5, 24. 5, 16, 34. firhuarot 4, 5, 17. giaforot 1, 3, 10. gi-
einot 3, 15, 2. 4, 1, 2. gimamgfaltot 4, 6, 48. giredinot 1, 1,7. g'«-
zeinot H 117. gisamanot 5, 1 1 , 2. gizeigot 3, 3, 3. -5o/ : gifirot 3, 16, 1.
gimalot 2, 1, 14. -brot : giseganot 4, 10, 9.
3 pers. sg. praes. not'.reinot 1,1,28. red»«of 4, 6, 46. min-
not 2, 2, 36. firdamnot 3, 13, 34. ^öjarfo^ 2, 16, 19. s^oso« 3, 7, 18.
bizeimt 4, 5, 20. i^«'/*«/ 4, 7, 77. zeinot 4, 23, 23. scommo? 5, 2, 12.
w wisof 5,21, 11.
2 pers. plur. iiul. n6t:giscouuot'd,%\\. 4,24,29.
2 pers. plur. conj. noV : 6«7«rfo? 2, 19, 18.
2 pers. plur. imp. not : nueinot 4, 26, 32.
im reim auf -ot:
Participium. got : gibilidot 3, 3, 21. 5, 6, 5. gireisot 1, 4, 11.
bimunigot 4, 19, 47. gilockot 5, 20, 76.
3 pers. sing. iiid. got : ginadot 1, 24, 11. leinot 1, 26, 9. min-
not 5,25,41.
2 pers. plur. imp. got : minnot 2, \9, Ib. bredigot b,]Q, 28.
also 31 mal kommen diese verbaU'ormen im reime auf -d^ 10 mal
im reim auf -ot vor. der zahl nach seltner auf -ot , verhidtnis-
mäfsig aber öfter; denn die würter auf -öt kommen fünf bis
sechsmal so oft vor als die auf -ot. wenn man sich nun er-
innert, mit welcher Sorgfalt der dichter in Stammsilben ot und öt
auseinanderhält, so wird man 'den schlufs gerechtfertigt linden,
dafs in seiner spräche die o in got und in ginadot und in not
und in ginadot einander näher standen als <lie in got und not,
dh. dafs das o in der verbalenduug nicht mehr eine volle länge
sondern anceps war.
Für die verl)alendungen -et (2 p. plur. conj. praes. aller verba.
3 p. sg., 2 p. plur. ind. praes. und prtc. der 3 schwachen conj.)
und -it (2 p. pl. conj. praet.) läfst sich der schwankende wert
nicht mit gleicher evidenz nachweisen wie für -öt. die analogie
fällt hier am stärksten ins gewicht. -U, überhaupt nicht häufig,
konnnt weder im reim auf zit , quit u. ä. noch auf nu't, houbit
u. dgl, vor; der reim eigit : gimeinit (prtc.) spricht aber für Schwä-
chung des i. — Die verbalformen, als deren endung die grnm-
matik -et ansetzt, sind häutig genug, aber es fehlt in OHiids
spräche an hochbetonten silben auf -et und et, daher auch hier
126 METRISCHE UNTERSUCHUNGEN
nicht so entscheidende reime wie bei -öt. oft reimen cüese for-
men, namentlich die conjunctive unter sich, aber auch auf ent-
schiedenes-ef. higinnet \ ringet 5,16,44. läzet : büäzet 2,21,41.
antmmrtet : uuuntet 4, 7, 22. gizellet : singent 1,17, 28.
b. Die Verbalendungen -es, -ös, -is, est, -öst, -ist.
-es wird angesetzt für die 2 p. sing, praes. ind. und conj.
der dritten schwachen conjugation, und für die 2 p. sing, praes.
conj. der starken und ersten schwachen conjugation. die ersten
sind selten und nicht in entscheidenden reimen, die andern sind
oft mit -es gebunden.
bietes : brötes 2, 22, 32. bigirme's : heiminges 1, 19, 6. situles
5, 19, 60. falle's : alles 1, 23, 60. haltes : uuortes 1, 2, 27. gi-
bietes: thiotes 2, 14, 18. sceides: leides 2, 24, 18. irscine's : paradyses
4, 4, 52. finde's : gisindes 4, 18, 8. sindes 5, 10, 8. Idze's: nrheizes
4, 24, 8. mwlle's : alles 3, 13, 24. 4, 15, 17. 19, 12. — bikere's : se'res
4, 13, 19. irrihtes : miihtes 2, 11, 39. suachesithes 2, 14, 58.
ginendes : sindes 3, 4, 28. girihtes : thes 3, 17, 20. githenkes : skalkes
4, 31, 22.
-ÖS in der 2 p. sg. praes. ind. und conj. der zweiten schwa-
chen conjugation und in der 2 p. sg. ind. praet. aller drei
schwachen conjugationen kommt in entscheidendem reime nur
einmal vor und hier auf ö: fergös : gilos 3, 24, 18.
-is 2 p. sg. conj. praet. ist selten, dafs seine quantität
eine andere war als die von -es und -ds wird man aus dem
einen reim ndmis : wis 5, 7, 49 nicht folgern.
Auch für die nebenformen -est, -öst ergeben die reime un-
mittelbar nichts; -ist reimt einmal auf quist (gitranktist 2, 14,44),
viermal auf ist:
qndmist : ist 3, 24, 38. hortist : ist H 39. uuizzist : ist 2, 2, 15.
lezist 4, 13, 33.
c. Die Verbalendungen -ön, -en, -in, -önt, ent.
-ön die häufige endung im inf., der 1 p. plur. ind. praes.
und der 1 und 3. p. pl. conj. praes. der zweiten schwachen
conjugation kommt oft im reim auf die nominalformen mit kur-
zem -on vor. dreimal ist sie mit hochbetonten silben gebunden
ih fergon: giuuon H 149. ih redindn : Ion 2, 21, 13. arnon (inf.):
körn 2, 14, 109.
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 127
Infinitiv, gimuntön : drntou 1, 5, 51. ginddon : allmdgon
1,7, 20. 10, 11. xiotÖH : drüton 1,28, 15. samanön : drüttheganon
1, 28, 11. hhmankön : uuerkon 2, 4, 88. gilhankon 2, 24, 24.
irrentön : nnorton 2, 9, 74. spentöu : imorton 2, 15, 21. nuankön:
uuerkon 2, 23, 21. binuankön : stankon 3, 1, 19. redindn : segenon
3, 1, 1. thegcmon 3, 12, 1. thankön : githankon 3, 6, 50. avarön:
grebiroH 4, 26, 20. f'azzön: Iwhtfazzon 4, 16, 15. gisamanon : /a-
domon 4, 29, 7. tninndn : mannon 4, 6, 55. redindn : theganon
4, 10, 1. redindn : grehiron 4, 34, 5. spentön : nnorton 4, 12,48.
anafarton : nnorton 5, 20, 96. hinuankön : githankon 5, 18, 14.
19,38. gilangön : thingon S 14. irredinön : theganon 5,23, 191.
niotön : theganon 5, 9, 39. hilidon 4, 1,15. rentön : nuorton 3, 20,
87. rigilon : segonon 5, 2, 1. thankön : uuerkon L 25. 30. 4, 34, 16.
H 29. uneinön : inheimon 1, 18, 12. 5, 9, 20. uuerkon : skalkon
4, 5, 19. uuidaruuertön : uuorton 3, 16, 26. — scouuön : ougon
3, 23, 36. 2, 15, 23. 16, 22. 3, 6, 15. 20,-81 usw. emo« (a. sg.)
4, 15, 27. nuankön : frankon (n. pl.) 1, 1, 33. merön: uueuuon
(a. sg.) 2, 6, 35. mdron (a. sg.) 3, 7, 86. rediön : evangelion (a. pl.)
3, 20, 143. scouuön : stummon (a. sg.) 1, 9, 23. nuidorön : einboro-
non (a. sg.) 2, 12, 86.
1 p. sg. ind. praes. redindn : lantsidilon (n. pl.) 2, 2, 23.
gömmannon (d. pl.) 5, 8, 22. theganon (d. pl.) 5, 11, 8. himilon
(d. pl.) 5, 12, 74. evangelion (n. pl.) 5, 13,20. rediön : judeon
(d. pl.) 2, 14, 66. euangelion (n. pl.) 4, 34, 13. thankön : Muer-
A'o?i 3, 24,91.
1 p. pl. ind. praes. irrön : sterron (a. sg.) 1, 17,21.
1 p. pl. conj. praes. scouuön : gounon (d. pl. Kelle 2, 180)
1, 13, 4. minnön : mannon (d. pl.) 3, 5, 22. 5, 12, 78. thingon
(d. pl.) 5, 23, 10. githankon (d. pl.) 2, 24, 35.
3 p. pl. conj. praes. niruuanön : kornon (d. pl.) 1, 28, 10.
minnön : mannon (d. pl.) 5,12,65. 71. thankön : uuerkon 5,25,
25. nuankön -.githankon 2, 24, 15.
-en in der 1 und 3 pl. conj. praes. der starken conjugation
und der 1 und 3 schwachen, und in der 1 p. pl. ind. praes.
der 3 schwachen conjugation, ist seltner als -6n, kommt aber
doch im reim auf -en vor. so die conjunctive bergen : argen
(d. sg.) 5, 25, 67. fdhen : uudhen (d. sg.) 1, 2, 16. raten : guaten
(g. sg.) 3, 10, 10. giuuizzen : sizen (inf.) 3,7, 70 und die inlini-
12S METRISCHE UNTERSUCHUNGEN
tive irldren : nueuuen (g. sg.) 5, 9, 32. tvdrten : garten (d, sg.
4, 18, 24.
-in die endung der 1 und 3 p. pl. conj. praet. reimt häufig
auf -in. bdthi : gmudtin 3,9, 10. ddtin: yirdtin 4,37, 4. 5,9,
28. gizitin 4,8, 13. nötin 3, 19, 26. 25, 19. eretin : liutm 3,
16, 31. giriatin : liutin 4, 22, 5. giltin : gizitin 1, 22, 2. 5, 16, 7.
gihitin : zitin 2, 8, 5. gihöntin : nötin 4, 22, 30. irkndtin : ddtin
3, 15, 23. 5, 11, 36. sdzin : fnazin 4, 11, 15. steinötin : notin
3, 22, 34. uuestin : brustin 2, 6, 22. gilustin 2, 14, 98. mirtin:
gizitin 4, 20, 5. nuarnotin: nötin 4, 14, 7. — Im reim auf hoch-
betonte Silben kommt es dreimal vor: firndminimin 3, 18,38.
suahtin : in (d. pl.) 4, 16, 44. hahetin : s?« S 3.
-önt (3 p. pl. ind. praes. der 2 schw. conj.) kommt nur
einigemal im reim aufwog vor: beitönt 5, 20, 60. zeinont 2, 3, 21.
thionont H 168. daraus zu schliefsen, dafs diese endung den
weg zur kürze noch nicht eingeschlagen hal)e, wiu'de angesichts
des häufigen gebrauches von not im reim, und des mangels an
geeigneten Wörtern mit 8 nicht gerechtfertigt sein, sein wert
wird kein andrer gewesen sein als der von
-ent (3 p. pl. ind. praes. der 3 schw. conj.) das sich mit
-ent unterschiedslos mischt: giuuartmt : gihaltent 2, 19, 10. fol-
gent : mierbent 3, 23, 34. froiment : buent 5, 23, 128. gingent :
githingent 2, 16, 14. iruuelkmt : thenkent 5, 23, 166. stinkent 5,
23, 274. tharbent : uuerbent 1, 18, 27. 5, 20, 116.
d. Die nominalen dun gen -öu, -en, -in.
-ön im dat. plur, der starken und schwachen feminina reimt
häufig auf -on:
riuuön : giiiuon 3, 10,7. euuön : gimwn H 163. alahalbön:
selbon (d. pl.) 4, 9, 23. hertön : nnorton (d. pl.) 2, 12, 6. 9, 86.
3, 15, 40. 4, 30, 2. libön:wibon (d. pl.) 5, 4, 36. meinön :
steinon (d. pl.) 3, 19, 23. einon 4, 3, 3. minnön : kindon L 83.
mannon 3, 12, 2. 5, 15, 6. 4, 11, 52. 5, 23, 74. mennisgon 5, 11,
35. redinön : fadnmon 4, 29, 32. theganon 5, 16, 5. nrkundon
(n. pl.) 5, 17, 11. — sorgön : bergon (d. pl.) 4, 26, 43. undön : kin-
don 1, 3, 11. mannon 1, 26, 4. 5, 14, 16. thiarnön : liobon 4, 7, 63.
rnachon: buachon 2, 9, 18. 3, 1, 25. 4, 1, 33.
-in im dal. plur. der adjectiva in allen drei geschlechtern.
ÜBER DIE SPRÄCHE OTFRIDS 129
allen : zellen (inf.) 5, 23, 15. 1, 3, 45. 5, 9, 50. 20, 11. wil-
len (g. sg.) 1, 12, 24. (d. sg.) 3, 10, 21. 26, 70. zellen (1 p. pl.)
4, 24, 32. selben (d. sg. m.) 5, 10, 11. guaten : huaten (inf.) 4, 37,
2. thinen : heilen (iul'.j 3, 5, 19. — follen : uuillen (d. sg.) 3, 22, 41.
Gallen (d. sg.) H 154. managen : gaganen (inf.) 4, 5, 18. ginuagen :
fuagen (inf.) 2, 16, 24. seren : uueuuen (d. sg.) 4, 7, 31. zeizen:
ginueizen (inf.) 5, 20, 46. — follen : nuillen (d. sg.) 3, 22, 41. freti-
Idsgen : biginnen (1 p. pl.) 1, 3, 46. heizen : uueizen (inf.) 4, 13, 40.
Inten: döten (d. sg.) 3, 24, 97. rehten: gislihten (inf.) 1, 23, 28.
bifilten : antuurten (inf.) 4, 19, 17.
-in im dat. pl. schwacher feminina.
eregrehthiiunihtin (d. pl.) 2, 20, 1. mahtin 3, 20, 118. 4, 1,
52. 5, 23, 290. tiuzzin : nezzin (d. pl.) 5, 13, 10. guatbi : ara-
beitin 5, 6, 65. dafm 5, 12, 42. unuuirdin : bin 4, 12, 24.
e. Die adjectivenduug -6r.
Befser als die besprochenen endungen, welche insgesammt
ihren vollen vokal nicht haben retten können, hat die endung
-er im n. sg. masc. der adjectiva widerstand geleistet, es
reimen
mer: hebiger 1,27,5. 4, 13, 47. diu f er 2, 14, 29. siecher
3, 2, 4. fremider 3, 18, 14. heiler 3, 4, 45. f oller 5, 19, 30.
siner 3, 13, 50. unser 3, 18, 43. iuuer 2, 16, 34. 17, 21. 22, 19.
39. 4, 24, 12. einer 3, 6, 27. 5, 22, 15. ander 4, 7, 69. 4, 31, 5.
5, 15, 4.
er : bilibaner 3, 33, 50. bigrabaner 3, 24, 2. 84. giboraner
3,21,3. mmder2, 14,7. M627tV5,25, 78. s?w^r 1,3,48. unsei' H 144.
manager 5, 23, 151. niheiner 3, 14, 11. «ytder 5, 6, 27. 7, 16.
ser : manager 2, 16, 10. ander 4, 32, 4.
Gegen so viele zeugen für § wollen zwei einzelne mit -er
(er : scanter 2, 5, 14. ther : hebiger 4,22, 13) nicht viel sagen,
aber die zahlreichen reime auf -ar : dr, die oben besprochen sind,
zeigen, dafs hier der lange vokal nicht aus eigner kraft, sondern
auf kosten seines nachgiebigen nachbarn sich erhalten hat.
B. Quantität der endungen mit vokalauslaut.
Wer die Überzeugung gewonnen hat, dafs in Otfrids spräche
die endungen, welche auf einen consonanten ausgehen, nicht
Z. f. D. A. neue folge IV. 9
130 METRISCHE l^TERSLCHlj^GEi^
mehr ihren vollen vokahvert behaupteten, wiixl nicht den beweis
erwarten, dafs die weniger geschützten endungen mit voi<alauslaut^
denselben weg eingeschlagen haben, aus einem andern gründe
aber ist es nötig auch auf sie einzugehen.
Die einsilbigen Wörter , welche auf einen vokal auslauten,
sind bekanntlich alle lang, man solte also nach dem was über
die genauigkeit der Otfridschen assonanzen gesagt und gezeigt
ist erwarten, entweder dafs der dichter diese Wörter im reim auf
endungen überhaupt meidet — daraus würde hervorgehen, dafs-
alle vokalischen endungen kurz geworden sind — oder dafs er
sie nur auf solche endungen reimt, die ursprünglich langen vokal
hatten, und daraus würde man folgern müfseu, dafs in der spräche
noch das bewustsein der alten vokallänge erhalten war. aber
■weder das eine noch das andere ist der fall, sondern Otfrid braucht,
wie das folgende Verzeichnis ersehen läfst, die Wörter auf 6, e, l
ganz ebenso gern und noch häufiger im reim zu endungen mit
entschieden kurzem vokal.
sd:nnasso (adv.) 1, 1, 84. giunisso (adv.) 3, 1, 41. 3, 5, 15.
6, 13. 10, 35. 18, 47. 24, 23. 4, 19, 33. 29, 2. 5, 9, 31. egiso
(n. sg.) 5, 4, 22.
: egiso (3 p. sg.) 5, 4, 39.
ihö : irbolgono (adv.) J, 4, 57. gidougno (adv.) 3, 15, 35. ferro
(adv.) 4, 18, 1. lindo (adv.) 4, 23, 39. eino (nom. sg.) 2, 14, 13.
sdho (n. sg.) 3, 2, 37. judono (g. pl.) 3, 23, 27. 5, 11, 1.
: redino (1 p. sg.) 2, 14, 35.
si-.uuisi (unfl. adj.) 1,3, 15. 3,20,51. 4,22,7. 28,21.
5, 15, 13. bredtgönti 5, 16, 23.
:rikti (sbst.) 2, 9, 7. 3, 26, 13. ginuissi (sbst. Kelle 224
anm. 6) 3, 19, 6. 4, 20, 19. 4, 26, 37. 5, 6, 11. 23, 37. siucht
5,23, 251.
se:gisfge (3 p. sg. conj.) 1, 11, 12. sine (n. pl.) 3, 6, 5.
zes^le 5, 13, 15.
ge'.erdringe (d. sg.) 2, 17, 12.
Um dies sonderbare Verhältnis zu erklären, darf man weder
annehmen dafs die Wörter so, thö, st, se, ge kurz geworden seien,
noch dafs die endungen sich in lange verwandelt hätten, noch
auch dafs Otfrid zwar bei den consonantisch auslautenden reimen
sich an den brauch seiner spräche gekehrt, bei den vokalischen
aber die lästige fefsel gebrochen habe, sie erklärt sich durch die
ÜBER DIE SPRACHE OTFRIDS 131
annähme, dafs wie wir in unserer spräche die einsilbigen Wörter
mit vokalaiislaut , je nachdem wir den ton auf sie legen oder in
der rede schnell über sie hinweggleiten, bald mit längerem bald
mit kürzerem vokal aussprechen, so in der spiache Otlrids auch
die auslautenden kurzen vokale in den endungen, sobald der
accent auf ihnen ruhte — und das ist im versschlufs ja immer
der fall — zu einer länge gedehnt werden konnten, wenn sie
auch an sich und im Zusammenhang der rede kurz waren, die
möglichkeit einer solchen freiheit aber zeigt, dafs die gramma-
tische Unterscheidung langer und kurzer vokale im auslaut der
endungen aufgegeben war.
BERLIN. W. WILMANNS.
ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE.
Mit absieht hal>e ich die Überschrift für die folgenden Zeilen
so allgemein gewählt, weil die beobachtungen, die ich mitzuteilen
gedenke, von einander unabhängig sind und ihre einheit nur in
dem gemeinsamen gesichtspunkte finden, unter dem sie angestellt
Avurden; doch dürften für diesen selbst aus der summe der be-
obachtungen einige resultate sich ergeben.
Der gotischen vorsatzpartikel ga entsprechen im ahd, ka und
ga, daneben begegnen und zwar überwiegend ki und </?, ke und
ge. wir besitzen zahlreiche denkmider, in denen mehrere dieser
formen zugleich und ohne unterschied auftreten, an und für sich
ist es nicht undenkbar, dafs in Übergangszeiten ältere und jün-
gere bildungen der partikel neben einander in gebrauch waren:
denn eine Umwälzung kommt in der spräche nicht über nacht,
diese annähme verliert aber ihre Wahrscheinlichkeit, wenn wir es
mit denkmälern zu tun haben, in denen nicht nur dieselben
Worte und häufig in der gleichen zeile bald die vollere, bald <lie
geschwiichte form aufweisen, sondern die auch in ihren einzelnen
teilen eine starke differenz hinsichtlich des Verhältnisses zeigen,
in dem fco, ki und ke zur Verwendung gelangen.
Bereits Jakob Grimm (gramm. 1, 115) hatte das willkürliche
schwanken zwischen den formen dieser partikel, welches in der
insgemein als werk des Kero bezeichneten Übersetzung der bene-
9*
132 ZUR AHD. LITTERATÜRGESCHICHTE
diktinerregel zu tage tritt, bemerkt und Lachmaun (vgl. MSD s.
459) einige andeutungen über verschiedene in derselben zu unter-
scheidende bände fallen lafsen. es steht sich das verhähnis der
einzelnen formen folgendermalseu :
1. s. 28— 57 (51) ke 218 ki 54 ka ^ ga i
1 gi 1
2.
58— 79 (79)
11
71
43
1
3.
79— 82 (83)
23
4
4.
82— 84 (86)
1
7
4
5.
84— 87 (91)
23
1
6.
88— 90 (95)
3
5
2
7.
90— 95 (103)
35
3
8.
96—116 (135)
34
76
43
1
9.
117—125:
68
27
1
1
Die eingeklammerten zahlen beziehen sich auf die selten der hs,
nicht mitgezählt wurden, wie sich versteht, die k, welche für ke-
uuisso oder kaumsso geschrieben sind, aufserdem steht co (einmal
s. 57 go) in der Verbindung eocouuelih und eocouuer durch die
ganze hs. hierzu stimmt folgende tabelle:
1. s. 28— 57 : ze ohne ausnähme
2. 58— 79: 6 zi 6 za 27
3.
81:
2
4.
82— 83:
2
5.
86:
1
1
6.
89:
1
7.
90— 95:
8
8.
96—116:
11
3
9.
117—125:
13
6
ferner ist h im anlaute vor konsonanten in 1. 3. 5. 7. 9 mit ganz
wenigen ausnahmen, wie ebanlozzon s. 29, laktere s. 56, kakan-
lavhit für kakanlavfit (vgl. Hatt. 3, 618) s. 94 und den kompo-
sitionen von hwer und hwelih mit eo und so, bei denen schwanken
statt findet, regelmäfsig erhalten; dagegen fehlt es in 2. 4. 6. 8
(aufser huuassi s. 77 und huuaz s. 99). nur in den letzteren
partieu begegnet nicht selten s für z und umgekehrt zb. kase-
zamez s. Ol, edezlichera s. 115, deolihas 60, das 108. in 1. 3.
5. 7. 9 wird fiU" ch im inlaute hh oder ch, auch einfaches h ge-
schrieben; ausnalunen bildet nur die dreimal s. 36. 37. 39. vor-
kommende Schreibung ruahcha, ferner kimahchot s. 55, uuerahche
s. 56 und eruuehchü s. 123. in 2. 4. 6. 8. dagegen überwiegt
ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE 133
dies hch tlurcliaiis: daneben kommt ch vor, hh nnd h aber sind
höchst selten, aus allen diesen momenten würde sich zunächst
der schlufs ergeben, dafs die hs. von zwei Schreibern herrührt;
da sie aber, wie mich Sievers freundlichst belehrt, von einer band
geschrieben ist, so dürfte man geneigt sein, diese annähme auf
ihre vorläge zu übertragen.
Ke kann an und für sich sowol aus ka als aus ki henor-
gehen. es fragt sich, aus welchem dieser beiden es in unserem
falle hervorgegangen ist. dafs man sich den Übergang von ha zu
kl nicht anders als durch vermittelung eines ke erklären kann,
beweist noch nicht, dafs das in der benediktinerregel auftretende
ke würklich so aufzufafsen ist. ordnet man aber die sämmtlichen
darin vorkommenden beispiele der vorsatzpartikel nach dem fol-
genden konsonanten, so ergibt sich diese tatsache: vor /"steht in
1. 7. 9 nur ke, in 2 und 8 nur ka und ki und vor ch in 1.
3. 5. 9 mit einer ausnähme s. 55 (kiehunde) nur ke, in 2, 8
nur ka und ki. zwei abweichungen zeigt z, wenige n, q, r, w.
phonetische gründe, welche gerade vor diesen konsonanten eine
derartige Verteilung der vokale bei der partikel begünstigt hätten,
sind mir unerfindlich und ich kann die ganze erscheinung nur für
einen zufall ansehen, dieser zufall aber erweist, dafs in 1. 3. 5.
7. 9 die partikel ursprünglich ke lautete, und die ki erst einer
späteren entwickelung angehören, dafs ki dem ka gegenüber eine
Schwächung ist, versteht sich: man wird daher auch für 2. 4. 6.
8 ka als ursprüngliche form , ki als spätere einmischung anzu-
nehmen haben, auch das ist klar, dafs als die spräche nur noch
ki als vorsatzpartikel kannte , ein vil erheblicherer unterschied
zwischen diesem letzteren und ka bestand als zwischen ihm und
ke: daher kann es nicht auffallen, dafs wir ka verhältnismäfsig iiäu-
figer als ke in ki verändert finden, wenn aber ke für einige par-
tien die ursprüngliche form war, die vor mehreren konsonanten
zufallig sich ziemlich intakt erhielt, vor anderen, die häufiger im
anlaute vorkamen, wie d, s, t unterschiedslos mit ki wechselte,
demselben ki, welches auch für ka eintrat, so kann ke nicht aus
ki geschwächt sein, sondern nur aus ka: denn wie hätte die
vollere form wider für ihre Schwächung eintreten sollen? sobald
jedoch feststeht, dafs 1. 3. 5. 7. 9 ursprünglich ke, die anderen
partien ka hatten, so kann dieser unlersrhied nicht mehr aus der
Verschiedenheit der Schreiber erklärt werden, sondern mufs zur
134 ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE
annalune zweier verfafser führen, auf verschiedene Schreiber da-
gegen leite ich andere differenzen zurück, während bis s. 48
(Halt. s. 54 unten) die hs. sowol ziemlich vollständig ül)ersetzt
als auch nur wenige abkürzungeu kennt, wird von da au die
Übersetzung immer mehr zu einer glossierung, in der alle be-
kannteren Wörter nicht übersetzt erscheinen, und immer mehr
bricht sich die sitte bahn, nur die endungen oder einzelne buch-
staben der Vokabeln überzuschreiben, dazu stimmen folgende be-
obachtungen. bis s. 54 lautet die konjunktion 'und' mit ausnähme
eines enti s. 36 indi; von s. 55 ab erscheint sie zwar nur selten,
weil das lateinische et meist unübersetzt bleibt und wir sie ge-
Avöhnlich nur für que finden ; aber wenn sie sich zeigt, so weist
sie folgende formen auf: s. 55 — 57 sechs enti, ein inti, s. 58 — 77
ein indi, ein inti, s. 79 — 80 drei inti, s. 81 — 82 acht indi, s. 88
ein enti, s. 91 — 94 drei indi, ein inti und s. 104 — 121 drei enti,
zwei inti. ferner begegnet erst von s. 55 an th zuweilen für d
sowie ch für qh vereinzelt, während bis s. 54 der dat. pl. des
artikels stets diem lautet , treffen wir zuerst auf s. 59 die form
dem, die dann auf s. 65. 82. 87. 100. 101. 105. 109. 110. 122
widerkehrt, während diem daneben auf s. 60. 61. 67. 81 erscheint,
bis s. 54 steht als nom. pl. mask. des artikels die (dea s. 51, dia
s. 33 je einmal), von da al) lautet er dea {die s. 94. 108). es
kann noch erwähnt werden, dafs in der ersten partie weit sel-
tener als in der zweiten die Verschiebung von inlautendem g zu
Ji stattfindet, man ersieht , dafs alle diese erscheinungen durch-
aus nicht mit den oben angeführten abgränzungen , die wir als
spuren zweier verfafser auffafsten, zusammenfallen ; ich möchte
also vermuten, dafs wir für die vorläge unserer hs. zwei Schreiber,
den einen bis s. 54, den anderen von da ab anzunehmen haben.
Auch in Rh tritt ein , gewisses Verhältnis in der Verwendung
von ka und za, Ici und zi hervor, die beiden formen verteilen
sich folKenderniafsen :
10
13
12
1
Leider fehlen in Gralfs al)drucke die ])latlzahlen der hs. und
es läfst sich dalier die notiz Ihdlzmanns, Germ. 11, 67, dafs von
bl. 56'' an das deutsche von einem anderen Schreiber eingetragen
s. 491—501:
ki 49
fra 46 k \ (ja h ge \ zi 13 za
502—512:
89
29 2 12
513—523:
89
27 1 1 17
524—533:
90
2 8
ZUR AHD. LITTERATÜRGESCHICHTE 135
sei — wozu auch die beobachtuiig Scherers MSD s. 483 stimmen
könnte — nicht genauer prüfen, das aber erscheint sicher, dafs
die vorläge von Rh ka hatte und der oder die Schreiber im laufe
der arbeit immer konsequenter die ihnen nicht mehr adaequate
form entfernten.
Hier wie in der bencdiktinerregel deckt sich ziemlich genau
das vorkommen von ka mit dem von za, das von ki mit zi (und
das von ke mit ze). und sovil ich sehe findet dieser aus der
gleichen lautlichen beschaffenheit von ka und za ja leicht erklär-
bare parallelismus beider partikeln in allen alemannischen und
fränkischen denkmälern und mit einer nachher zu erwähnenden
cinschränkung auch in den bairischen statt, eine ausnähme bil-
den nur die psalmenbruchstücke (Sprachproben - s. 16 fl), welche
in den beiden teilen, in die sie augenscheinlich zerfallen — der
erste kennt ka, kt, der zweite ke, ki vgl. auch hiuimih, hmuueriu
s. 16 und emmih zweimal auf s. 18 — stets ze aufweisen, nicht
aber hält mit dieser Schwächung die von ant, ar und far gleichen
schritt, die letzteren partikeln erscheinen in der benediktiner-
regel als int oder ent, er (selten ar) und far (einmal firlazamie
s. 109), in Rh als int, ar (aufser erpristit s. 497, erkibis s. 498),
far, und, um noch ein fränkisches deukmal anzuführen, im Tatian
als int, ar (er), for und für (neben gi und zi).
Wenn also, wo ka ursprünglich stand, auch za herschte, wo
ke, da ze, und wo ki, dort zi, so wird es wol erlaubt sein, diesen
satz umzukehren und zu sagen: sobald in einem denkmale za
ausschlierslich oder vorwiegend erscheint, so wird dasselbe auch
ka aufweisen oder wenigstens früher beselsen haben, ebenso wenn
ze steht, ke usw. die hynmen rühren in der Murbacher hs. be-
kanntlich von zwei Schreibern her (1 bis 21 und 22 bis zu ende),
die dialektisch sich deutlich unterscheiden, der erste gebraucht
far, int und ar, der zweite fer, ant und int, er. in dem ersten
teile begegnet neben dem herschenden ka auch zuweilen ki in
nr 1. 5. 7. 8. 12. 16 (gi). 20. 21; in dem andern dagegen weist
nr 22 drei ka, ein ga, sechs ki und vier ke, nr 24 vier ka, neun
ki, sechs ke, nr 25 ein ka, fünf ki, zwei ke, ein k (krisit) und
nr 26 z>vci ka, fünf ki, drei ke auf. in beiden teilen aber steht
ohne ausnähme za und es ist daher höchst wahrscheinlich, dafs
auoli in dem zweiten ka die ursprünglich allein herschende form
gewesen ist und die anderen bildunifcn erst durch abschreiber
136 ZUR AHD. LITTER ATURGESCHICHTE
eingang gefunden liaben. um noch ein beispiel anzuführen, so
haben die gll. Jun. A, wie dies bereits Holtzmann bemerkte, von
s. 173 bis 178 ghi und ga, von 179 an aber ka und ki, auch
einzelne ga, aber nur drei ghi: dem entspricht im anfange s?,
nachher za. die gll. zerfallen also in zwei einander fremde teile,
deren erster ghi und zi, deren anderer ka und za aufwies.
Das aus ka geschwächte ke, das wir in der benediktinerregel.
erkannten und von dem offenbar das spater allgemein auftretende
und aus ki, gi hervorgegangene ke, ge streng zu sondern isl, war,
•wie es scheint, nur kurze zeit lang in gebrauch, und es bleibt
zweifelhaft, ob diese mittelstufe überall zur schriftlichen fixierung
gelangte, die einzigen mir bekannten denkmäler, in denen aus-
nahmslos dies ke erscheint, sind die alten SPauler gll. (zs. 3, 461 ff>
und die aus dem spicilegium Romanum in der Germ. 11 , 63 ab-
gedruckten gll. zu Sedulius Scotus. Avie bald aber ki den sieg
davon trug, zeigen recht deutlich die Pariser gll. in ihrem Ver-
hältnis zu Ra und den Keronischen. bekanntlich gehören diese
drei Sammlungen aufs nächste zusammen : mit ihren gemeinsamen
fehlem weisen sie auf ein original, jede derselben hat aber eigen-
tümliche fehler sodafs keine die direkte vorläge der andern ge-
wesen sein kann, am meisten hat Pa die ursprüngliche gestalt
des ganzen gewahrt, da der Schreiber sich bemühte, seiner vor-
läge getreu zu folgen, wir finden dort fraundsa, natürlich auch
ar und far. ebenso auf den ersten 32 seiten der Keronischen
gll. (s. 139 bis 149 bei Hattemerj. der ganze rest der letzteren
aber ist ebenso wie Ra aus einer planmäfsigen, jedoch in beiden
fällen selbstständigen Umarbeitung hervorgegangen, planmäfsig
nenne ich dieselbe, weil in beiden hss. das bestreben der bear-
beiter dahin gieng, alle ka zu entfernen: wie sollten anders die
Worte kithiha für kihitha Ker. gll, s. 169 und kihazan Ra 176
erklärt werden, als dafs die übcrarbeiter das ka der ersten silbe
fälschlich als vorsatzpartikel auffafsten? sehr mechanisch, um so
mehr aber beabsichtigt erscheint diese tätigkeit. daneben wur-
den immer noch, besonders im anfange, eine reihe ka übersehen
und blieben bestehen : dafs dieselben aber bei verschiedenen Wor-
ten sich finden, bezeugt die Unabhängigkeit beider bearbeitungen
von einander, und während in Ra principiell nur ka und za in
ki und zi verändert werden, ar und far dagegen mit ganz ge-
ringen ausnahmen sich behaupten, dehnt sich in den Keronischen
ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE 137
gll. die schwäcliimg durchgängig auch auf diese letzteren partikeln
aus. wie früh übrigens ki sich geltend machte, bezeugt die der
Sammlung Pa und dem nicht umgearbeiteten stücke der Kero-
nischen glossen gemeinsame form gihangendo (Pa 153 K 148),
welche bereits in die vorläge beider durch einen Schreiber ein-
gang gefunden hatte, es läge die folgerung nahe, dafs die chro-
nologische reihenfolge der drei hss. hiernach so zu bestimmen
wäre: Pa, Ra, K. der Schreiber von Pa konnte sich noch mit
einer einfachen kopie begnügen, der von Ra änderte nur ka und
za, in den Keronischen gll. ergriff die Schwächung bereits ar und
far. aber man ersieht leicht, dafs auch innerhalb des alemanni-
schen gebietes an verschiedenen orten die Schwächung sich ver-
schieden, bald langsamer, bald schneller entwickelte, so hat zb.
das SGaller paternoster und credo, das nach Scherers ansieht
(MSD s. 459) ungefähr 13 jähre älter ist als die benediktinerregel,
ki, einmal ke, fir und er. nur, wenn wir wüsten, dafs alle drei
abschriften an einem orte genommen wären, hätte jener schlufs
volle berechtigung.
Wenn wir zu den resultaten obiger betrachtungen die gleich-
mäfsigkeit in werken, wie der Übersetzung des Isidor, des Tatian,
dem Otfridischen evangelienbuche und den Notkerschen arbeiten
oder in den SPauler gll. und dem Germ. 8, 11 ff abgedruckten
fragmente von Reichenauer gll. halten, so wird der allgemeine
satz wol nicht kühn erscheinen, dafs vokahsche differenzen in
den Vorsatzpartikeln entweder auf verschiedene verfafser einzelner
teile oder auf mehrfache abschrift hindeuten, und einen recht
instruktiven beleg für die letzte behauptung kann ich mir nicht
versagen hier anzuführen, das Emmeramer gebet (MSD nrLXXvn)
liefert eine wahre musterkarte sämmtlicher formen der vorsatz-
partikel : neben einander treten auf ganz geringem räume ka ki ke
ga gi ge auf. der ältere text desselben denkmals dagegen den
PleilVer aus einer Tepeler hs. bekannt gemacht hat (sitzungsber.
der Wiener ak. bd. 52 (1866) s. 25) kennt neben drei ki nur ka
und ga. auch diese ki werden nicht ursprünglich sein.
Alte bairische denkmäler sind nur in geringer zahl uns er-
halten, dieser umstand wird seinen grund haben in den Ver-
wüstungen, welche im zehnten jb. das land durch die einfalle
der Ungarn erlitt, den wertvollsten rest bilden die fragmenta
theotisca. da dieselben bekanntlich Umschriften fränkischer ori-
138 ZUR AHD. LITTER ATURGESCHICHTE
ginale sind, so ist es erklärlich, dafs der konsonantismus uns
nicht in derjenigen reinheit entgegentritt, wie sie andere bairische
quellen zeigen, als vorsatzpartikeln finden sich ka und ga. es
scheint aber noch nicht bemerkt zu sein, dafs in ihrer Verwen-
dung zwischen den einzelnen partien ein unterschied obwaltet,
von anfang an bis nr xn. 26 (s. 7) steht nur ga, ebenso in der
homiUe des Augustin, in den stücken xxiv und xxvn — xxix des
traktats de vocatione gentium und in dem kleinen fragmente s. v;
im reste des Matthaeus dagegen, dem Isidor und den stücken xxv
und XXVI de vocatione ka und ga untermischt: daneben sind in
beiden teilen einige ghi aus dem fränkischen texte stehen ge-
blieben, dem entspricht, dafs nur in den abschnitten, die auch
ka kennen, nicht selten die media zur teuuis verschoben ist, th.
kenc, keltan s. 8, kengun, kebem, keha s. 9 usw., keist, kihn, kel-
tanteo im Isidor. abweichungen von diesen regeln finden nur
statt in den von Mafsmann (zs. 1, 567) als 'typographische lückeu-
büfser' bezeichneten ausfüllungen , die überhaupt manches zu
wünschen übrig lafsen: sie sind natürlich philologisch wertlos,
nach den beschreibungen der hs. gewinnt es den anscheiu, dafs
sie von einer band geschrieben ist.^ es ist nicht gerade sehr
glaublich, dafs diese Übertragung ins bairische öfter abgeschrieben
wurde: aber setzen wir auch diesen fall, so ist es wol leicht
erklärlich, dafs die bairischen tenues in der zweiten partie durch
einen kopisten hereinkamen, nicht aber, dafs in der ersten die
media ganz intakt geblieben sei. man wird daher vil eher an
zwei verschiedene libersetzer als Schreiber denken dürfen, ist
dies aber richtig, so mufs die lateinische Subskription bereits aus
dem fränkischen originale herübergenommen sein.
In der ahd. grammatik spielt der sogenannte 'kanon des
Notker' eine rolle, was ist er aber anders als die Übertragung
der für den inlaut geltenden konsonantregel auf den anlaut, wo
dieser schwankend geworden war. es versteht sich, dafs, wenn
eini' solche Übertragung durchgeführt werden sollte, die Verschie-
bung nicht oder nicht mehr in voller strenge bestehen durfte.
])ei Notker war sie auch nur bei den dentalen genau: daher
widerspricht deren Wechsel im anlaute dem der labialen und
' Inzwisclicu liat jnof. Sclierer die gute gehabt die hs. einzuselien und
mir mitzuteilen dafs alle stücke derselben mit ausnaiune des Isidor von
oincni Schreiber herrühren.
i
ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE 139
gntturalon und kann seinen grund nur in dem streben nach
gleichförniigkeit für alle drei lautgruppen haben, jener gedanke,
den anlaut durch den inlaut zu regehi, lag aber nahe genug, um
sich überall dort bahn zu brechen, wo eine schule bestand und
eine IVststellung der Orthographie ein notwendiges erfordernis
war. in Baiern waren b und d inlautend durchgängig zu p und l
verschoben : sie blieben daher im anlaute, nicht so g. dies linden
wir fridi im inlaute allein herschen und daher im anlaute oft für
k eintreten, demgemäfs zeigt sich für diesen konsonanten in
einigen bairischen denkmälern eine regelung ganz der Notke-
rischen gleich, man schrieb also karistlkho aber migaristlih
und krimmer, muotkrimmi aber teoro grimmero.^ diese regel ist
durchgeführt in den bei Pez, thes. anecd. 1, 401 ff abgedruckten
SEmmeramer glossen, doch nur in den nrn 1 — 20 (nach Graffs
«inteilung). denn 21 ff (aao. 412 ff) weisen nicht mehr ka und
ga, sondern neben ganz vereinzeltem ga nur hi und ke auf. und
ich mufs dieselben wegen des im inlaute herschenden b, das, wie
ich an einem andern orte (zs. für deutsche philologie bd. 4 s. 88 f)
<les weitern nachgewiesen zu haben hoffe, in älteren bairischen
denkmälern nicht auftritt, sowie W(>gen der praeteritalformen
faruuanton und prastoton gegenüber dem regelmäfsigen -mw der
vorhergehenden nrn für alemannisch halten, aber auch nr 1 bis 21
sind nicht in d<'m originale des 9 jhs. sondern in einer kopie des
10 odei' 11 auf uns gekommen, wie dies das vorkommen von
unte neben dem gewöhnlichem enti und die einmischung von je
3 ki und gi beweist, unter diesen umständen ist es nicht auf-
fallend, wenn einzelne ausnahmen von der oben angegebenen
regt'l vorkommen, ich bemerke, dafs diejenigen in der folgenden
aufzählung eingeklannnert sind, welche auch durch die annähme
zweier selbstständiger glossen erklärt werden können: odo kaei-
scotern, (flinssleina kaeinot), nnsnprista ka)iozscaf, {kadaxpote vel
katripane), hnupitpantu kachionot , {aere kameizan), {kamarchnn,
kapurun), nparkahnktida, so kaclmelan^ sippia kalangero, odo cruo-
zisal, gazinsit id est gazogan, gaprante, inkagan diu, {leopartun
* Da sidi so eine ciiili("iüiclu' crkläruiig fiii den Notkeiisclien kanon
und das anlautsgesetz einzelner l)airischen denkmaler ergibt , so bevorzuge
ich die obige art der deulung vor einer rein phonetischen ; denn die letztere
würde nicht erklären, weshalb man zwar A: in g veränderte, p aber stets
beibehielt.
140 ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE
crimmistun). weiter zeigt sicli dieselbe regel in den Freisinger
gll. zum Isidor (Roths denkm. s. xviiff); ausnahmen biklen nur
zasamane kamiskit, hantgascrip (situ, kaparidn). endhch in den
von Diemer (Germ. 3, 352) herausgegebenen alten Melcker gll.
wenige abweichungen würde auch bei einer konibination beider
hss. die exhortatio aufweisen, nicht aber herscht diese regel in
der Freisinger auslegung des paternoster und den Hrabanischen
gll., da dieselben die Verschiebung des g zu k im inlaute lieben :
darf man darauf den schlufs bauen, dafs dieselben älter sind?
Das älteste bairische denkmal, in welchem ki auftritt, ist das
Muspilli. wenn es auch Avahrscheinlichkeit hat, dafs die Über-
reichung des buches, in welches es eingetragen wurde, mit Dümm-
1er (Ostfr. reich 1, 34 anm.) um 819 zu setzen ist, so beweist
dies noch nichts für die zeit der eintragung selbst; und da es
andererseits nicht gut denkbar ist, dafs ein anderer als Ludwig
es nidergeschrieben habe, so ligt die Vermutung nahe, dafs die
ki aus fränkischem einflufse zu erklären sind, in den späteren
glossen steht gi durch entsprechend der erweichung der tenuis
im anlaut zur media: aber auch dafür, wann diese erweichung
durchgedrungen sei, fehlt jeder anhält : denn das geliet des Sigi-
hart in der Freisinger hs. des Otfrid bietet zu wenig signifikante
lautverhältnisse, als dafs sich daraus etwas erschliefsen liefse.
Ich habe schon oben angedeutet, dafs im bairischen nicht,
wie im alemannischen ein parallelismus zwischen ka und za be-
steht, wenigstens in sofern nicht, als za sich dort früher zu ze
geschwächt hat, als ka zu ke, wenn dies letztere überhaupt bai-
risch in gebrauch war. denn das Freisinger paternoster, die
Freisinger Isidorgll., die oben l)esproclienen Emmeramer und das
Muspilli kennen beide formen.
Derselbe itacismus, der den Übergang aus ke in ki bewürkte,
scheint auch den von etiti in inti hervorgebracht zu haben, im
fränkischen steht gi und i7iti aufser im Isidor, wo ganz wie in
den sächsischen denkmälern endi neben gi beibehalten wird, ebenso
wie in den letzteren auch te, nicht ti auftritt, eine andere aus-
nähme Itilden die Wirzburger denkmäler, sowol die beichte (MSD
Lxxv) und die Aldhelmgll. als auch gll. bei Eckhard, Fr. or. 2,' 978 f:
sie zeigen gi und unzweifelhaft hochfränkische lautverhältnisse,
daneben etiti. diese letzteren gll. können freihch ebenso aus einer
ursprünglich bairischen quelle entlehnt sein, wie die am ende der-
ZUR AHD. LITTERATURGESCHICHTE 141
selben hs. aufgezeichneten, mit denen sie Verwandtschaft verraten,
es würklich sind, in Aleniannien finden wir enti dem ke entspre-
chend in den SPaiiler gll.; in den übrigen denkmalern herscht
■intt, je nachdem Ki mehr oder weniger durchgedrungen ist, vor
oder allein: so ist es zb. in den Keron. gll. aus der vorläge
stehen geblieben, s. 168 a])er doch zu indi geändert, ausnähme
bildet, so vil ich sehe, nur das SGaller paternoster. es ist daher
erklärlich, dafs in Baiern, in dessen altern denkmälern wir nur
ga fanden, auch enti harschen muste; darum darf man aber dem
späteren bairisch intt nicht absprechen, wie dies Scherer in den
Denkm. s. 294 tut. denn wenn die spätere form unte im ale-
mannischen und fränkischen durch vermittelung des inti aus enti
entstand, so wird dies auch im bairischen geschehen sein, zumal
der lautwechsel zwischen e und tt sich nicht gut anders als durch
die Zwischenstufe eines wie y ausgesprochenen i erklären läfst.
auffallend bleibt allerdings, dafs der schreiber der Freisinger
Otfridhs. sich noch dreimal veranlafst sah, das inti seiner vorläge
in enti zu ändern.
Es ist eine merkwürdige erscheinung, dafs, je weiter nach
Westen und norden, um so früher die alte form der vorsatzpar-
tikel ga geschwunden ist. während sie in Baiern noch weit ins
neunte jh, hinein fortlebt, dürfte sie in Alemannien über die
ersten jähre dieses Jahrhunderts sicher nicht mehr üblich gewesen
sein, im fränkischen gebiete treffen wir sie nur in den alten
glossen der gesetze an. ags. und alts. quellen kennen sie nir-
gends mehr und dem altn. ist die ganze partikel entschwunden.
STEINMEYER.
VITTEA.
In der prosaischen vorrede zum Heliand heifst es (Schmeller
2, 13): Qnod opus tarn lucide tamque elegnnter fuxta idioma illins
linguae cotnposuit, ut audientibus ac inlelliyentihus non minimam
sui decoris dnlcedinem praestet. jiixta morem vero illius poematis
omne opus per vitteas distinxit, quas ttos lectiones vel sententias
possumus appellare, und mit hinsieht hierauf wird am schlufse
hinzugefügt capitula annotaia sunt.
142 VITTEA
Diese kapitelzählung findet sich bekanntlich nur im Cottoni-
aniis, während der Monacensis eine andere einteihmg befolgt.
da die einteihmg ^er vitteas vom dichter selbst herrühren und
er dabei juxta morem ilUus poematis verfahren sein soll, so kann
man diesen ausdruck nur von einem herkommen in der alts,
poesie verstehen, wie juxta idioma illius linguae von der alts.
spräche, und in per vitteas mufs ein terminus der alts. poetik
stecken, nun findet man freilich v für / im anlaut so gut wie
nie in den hss. des gedichtes (Schm. 2, 185'), wohl alier regel-
mäfsig in der Essener heberolle und (aufser ßöt) in dem alts.
segen (Denkm. iv, 4), sehr gewöhnlich auch in der Freckenhorster
rolle, überwiegend im Trierer kapitulare (Denkm. lxvi) und
mehrere mal in den psalmen: ich führe diese an, weil der ver-
fafser, der den dichter einen apud suos non tgnobilem vatem
nennt, nicht ein Sachse, sondern wohl ein Franke war. es ist
demnach ohne bedenken alts. vittea für ags. fit, cantilena zu
nehmen; und das wort kann in der lebendigen volkspoesie, ehe
man alts. und ags. gedichte aufschrieb, nur ein einzelnes lied
bezeichnet haben, mag dies für sich bestanden, oder seinen Stoff
einem grofseren zusammenhange entnommen oder mit melu'eren
einen cyklus gebildet haben, so zerfällt zb, die lytell geste of
Robyn Hode in acht fyttes und der gebrauch des Wortes hat sich
ja auch sonst im englischen erhalten, im Beovulf finden wir
dieseDie Zählung von abschnitten wie im Cottonianus, die Kemble
richtig als fittes auffafste, die aber, wie die distinctiones des Her-
bort von Fritzlar und die äventiuren der Nibelungen, Rudrun,
des Biterolf usw. nach der erklärung der vorrede zum Heliand
nur lectiones oder leseabschnitte bedeuten.
Sprachlich hindert weder form noch bedeutung, alts. vittea,
ags. fit mit ahd. vizza, mhd. vitze, viz, nhd. fitze zusammen-
zustellen, und dies ist auch von JGrimm (DWB 3, 1695) ge-
schehen, altn. J)dttr, das buchstäblich ahd. mhd. ddht, nhd. docht
ist, bezeichnet zunächst die einzelnen stränge, aus denen ein tau
gedreht ist (dän. tot)^ dann einen abschnitt, ein kurzes stück
einer erzäldung, eines buches; auf den Fieröern und vielleicht
auch anderswo heifsen dann auch die einzelnen lieder eines
kvaedis pattir. es ist im gründe derselbe alte tropus, der, wenn
auch nicht in lat. carmen noch audi in griech. ujLivog (Cm'tius
nr 406') , doch in vq}og und textiis und viel früher in dem
MENNOR UND WIPPEON 143
QaTCTetv doidijv und dem ^aipfodslv hervortritt, vfivog wird
eher zu vöeiv als zu vcfaiveiv gehören, weil es zuerst die prei-
sende annifung der götter bedeutete, mit der der aoede oder
rhapsode seinen Vortrag einleitete. — aber leider fehlt, soviel
ich sehe, die bedeutung von nhd. fitze dem ags. und engl, fit,
in wie mannigfacher anwendung auch dies wort und das ihm
gleichlautende verbum und adjelvliv noch im englichen vorkommt,
doch igt hier wol mancherlei zusanimengeflofsen: ich erinnere
nur an ags. fit streit, fettian streiten (zs. 11,421), alid. fezan
faz (Graff 3, 727) herausspringen (vom lofse). die liicke, die
das ags. läfst, wird jedoch durch die nordischen sprachen genü-
gend, wie es scheint, ausgefüllt, zwar ist fit im sinne von fitze
in der altern nordischen litteratur bisher nicht aufgefunden : aber
dän. fed entspricht unserm worte, fedde unserm fit%en (vgl. fidde
Molbech dial. 109), und Aasen (1871) s. 154 und 158 f nebst
Biöru Haldorson s. 207 und 220 ergänzen glücklich die lücken
die die alte litteratur läfst. wie im nordischen, kommt fitt auch
ip Ditmarschen im kirchspiel Marne für einen feuchten, schmalen
lc\ndstrich vor. niederdeutsch fisse aber, obgleich in der form
von fit, fitze abweichend, stimmt doch in der bedeutung gänzlich,
sogar in der von 'falte, runzel' (BWB 1, 398), wie man engl.
fit of the face und isl. filja gebraucht; wegen des Verhältnisses
der konsonanten vgl. fiseln, fisseln BWB 1, 396. 398 und nord.
fitla Fritzner 146"", Biorn Haldorson 220, Aasen 159 und den-
selben 154 unter fetla.
K. M.
MENNOR UND WIPPEON.
Herr dr HKern in Leyden , der sich den deutschen philo-
logen bereits durch seine gelehrte und scharfsinnige behandlung
der Malbergischen glosse empfohlen, hat kürzlich im Neder-
landschen Spectator 1872 den mythus von Tuisto und Mannus
mit dem indischen oder arischen von Yama und Manu verglichen
und namentlich hervorgehoben, dafs Yama, der bruder des Manu,
wie Tuisto der zwilling oder zwiefache, gemiims (vgl. Bugge in
Kuhns zs. 19, 423 f) bedeutet, dafs er an der lesart TuiscOy
144 MENNOR UND WIPPEON
You der Lachmaiius schone deutung ausgieng, festhält und dafs
ihm die befsere Überlieferung und deren rechtfertigung (zs. 9, 259)
unbekannt blieb, ist für die sache von keinem belange, nur
Aväre es befser gewesen, wenn er den indischen mythus, soweit
er an die zeitmefsung und Zeiteinteilung anknüpft, nicht heran-
gezogen hätte, der Mennor Frauenlobs aber sollte längst bei
allen deutschen mythologen aufser curs gesetzt sein.
In dem Streitgedichte mit Regenbogen und Rumezlant, in
dem Frauenlob vrouwe gegen wip verficht, hat er nr 157, 7 ff
zuerst die geistreichen verse:
got sprach ze siner muoter jüdisch, latin niht;
dm Schrift des giht.
nant er si nach der vrühte
{daz zam wol der zUhtel),
so sprach er 'vrowe' nnt niht 'wip'; vrö, ice hernder suhte;
vro von der last, we durch die hurt: daz we natüren sioeiget.
dann kommt er nr 159 auf Adam, aus dessen rippe gott
ein Sie erzielte, die Männin nach ihm, dem manne hiefs. er
legt ihm darauf die frage vor, wie er, der allen dingen namen
verlieh, sie genannt habe:
sprich ja, ich nantes Weichelmuot' ; der was dö din sippe;
'Sit nante ich si gebercerin: der man sin schate erkenne.'
darauf folgt nun:
Mennor der erste loas genant,
dem tiutisch rede got tet hekant.
er sprach zehant
'ürö, we, din baut
manlicher wirde ein vollez laut,
diu we uns hie heil, sjilde vant.
wä durch, von wem wip wart genant, daz wetz ich wol, wä, wenne.
nr 160:
Francrich, ich nenne dich durch Wippeön den künec,
des muot was rünec:
er hiez der kindel vären,
diu da meidet wären,
unz si verlurn der blnomen tust mit der meide jären;
so icas im liep ir stolzer lip, unz daz si wurden swanger.
san muosten si daz laut im rümen immer me.
diu sunder e
MENNOR UND WIPPEON 145
tet manege vrönden dünne.
merket, welch ein iciinne!
der bluomen tust, der vrühte bar, seht daz mittenkunne
daz loas sin tröst, sin heil, sin hört, al siner vrönden anger.
daz mittelst dem kitnege zam.
sns wip von Wippt^'üne kam,
kurteis der nam,
har bilcher schäm !
nr 161 heilst es noch einmal:
Wippeöne loart
din mittel.
ich mochte annehmen dals diejenigen, die gehranch von dieser
stelle gemacht , sie nicht im zusammenhange gelesen und sich
mit dem citate in Grimms Myth. s. 319 begnügt haben, ohne
s. 277 gebärend zu beriuksichtigen.
Mennor und Wippeön dürfen nicht getrennt werden, die
beiden sprüche stehen in genauer beziehung zu einander und
die letzte zeile des ersten leitet den folgenden ein. woher
Frauenlob den Mennor hat, ebendaher hat er auch den Wippeön.
deswegen ist an Tacitus Germania nicht zu denken, auch wenn
diese im mittelalter bekannter gewesen wäre als sie es war.
einer gelehrten oder hailtgelehrten tradition kann Frauenlob auch
nicht gefolgt sein, weil die ganze erfindung auf eine etymo-
logische Spielerei mit deutschen worten hinausläuft. Mennor der
deutsclie hat das wort vrouwe erfunden, wip ward benannt nach
dem bösen Franzosen Wippeon . und Mennor ist der erste dem
tintisch rede yot tet hekant , weil Frauenlob von Adam auf ihn
kommt, wie jemand hiebei eine volksmäfsige Überlieferung an-
nehmen kann, verstehe ich nicht, die vergleichende grammatik
und mythologie (Kuhns zs. 4, 94 f) findet Frauenlobs Mennor
mit der ururform von Manns und Mivcog in iUiereinstimmung;
aber dals eine solche form 'sich vereinzelt in deutschen dialecten
erhalten habe', kann man nur annehmen im Widerspruch mit
allen tatsachen der historischen grammatik und der gcschichte
unserer spräche, mit demselben recht könnte man behaupten dals
auf «lieselbe weise auch in Wippeön die urform der schwachen
luaskulina auf ja ahd. eo, die weder im ahd. noch im gotischen
bleibt noch auch zur zeit des Vangio und Sido bei Taoitus vorhanden
war, erhalten sei, und diese bemerkung noch dadurch verstärken
Z. f. T». A. neue folge IV. tO
146 UM RAG-N'ARÖCKR
dals Frauenlobs Schilderung des Franzosen die etymologische
bedeutung von wip, das ohne zweifei mit ollcpetv zusammenhängt,
voraussetzt, wenn man nemlich davon absieht dafs dieselbe auch
noch im mhd. (Haupt zu MSF 3, 20), ja sogar im nhd. lebendig
ist. augenscheinlich ist die geschichte des Mennor und Wippeön
nebst den namen nichts anderes als eine elende erfindung des
poeten, den Docen alles ernstes für einen verrückten hielt.
K. M.
UM RAGNARÖCKR.
Altn, röckr ist got. riqis wie altn. söckva got. siggqan, altn.
döckr (flektiert döckvar) ags. deorc. statt des reinen got. vokals
hatte das altn. den gelu'ochenen e, der durch das nachfolgende
V in ö verwandelt wurde, das wort kommt zweimal in den
alten liedern vor, einmal im Hyndlul. 1 nu er röckr röckra und
nicht, wie Egilsson las, rök rökra, und das andere mal Lokas.
39 von Fenrir er i böndum skal bida ragnaröckrs, wie es in der
Snorra Edda immer heifst: Gylfag. 26. 34 til ragnaröckrs, 51
um ragna röckr, Skald. 50 svä er sagt i kviednm at Hiadningar
skulu svä bida ragnaröckrs, also gerade wie in der Lokas. damit
ist freilich für das alter des ausdrucks nicht mehr bewiesen als
durch Lokas., die, lückenlos und unverworren überliefert, gewis
zu den jüngeren gedichten der Sammlung gehört.
Man versteht darunter bekanntlich den Untergang der weit
und der götter, und gewis kann 'gOtterfinsternis, gütterdunkel'
eine zeit bedeuten, wo die götter nicht mehr sind, ich bezweifle
aber dafs durch irgend welche analoga der tropische ausdruck
als der alten anschauungs- und redeweise entsprechend erwiesen
werden kann, in dem mythus wird die Verdunkelung nie als
ein wesentliches moment hervorgehoben, allerdings heifst es in
der Völuspa, die hier unsere einzige quelle ist, str. 57 Sol ler
sortna, sigr fold 1 mar, hverfa af himni heidar stiörnur, aber zu
gleicher zeit dauert der weUlirand fort und die erde taucht da-
nach verjüngt empor, die str. 40 fl" kommen nicht anders als
UM RAGNARÖCKB 147
die nächstfolgenden und nur in sofern in betraclit, als sonnen-
und mondfinsternisse droliende anzeichen des nahenden weitendes
sind, man kann höchstens sagen, dafs für die Vorstellung des
ragna röckrs gewisse praemissen gegeben waren : ahei- davon aus
hat, wie mir scheint unläughar, der ausdruck sich nur wie ein
krankhai'ter auswuchs an den alteren Sprachgebrauch angesetzt,
es konnte genügen für denselben auf Egilsson s. 669 f zu ver-
weisen, wenn dieser nicht noch selbst über das Verhältnis von
rök und röckr schwankte, seine erklärung des ersten wortes zu-
träfe, uncFwenn nicht die sinnlose 'götterdämmerung' noch immer
den blick unserer mylhologen verschleierte.
Ahn. rök, tenebrae, gibt es ebensowenig als ags. racu in
diesem sinne, das Mytb. 774 angenommen wird, wie es sich
damit verhält sehe man bei Grein im wb. 2, 488. die einzige
stelle, die für altn. rök = röckr in frage kommen kann, ist At-
lam. 22 : aber wenn auch altn. regin in der komposition den
begrilf des zweiten teils steigert wie im ags. alts. und in ahd.
eigennamen, so kann doch gördiz rök ragna gewis nie bedeuten
bedeuten 'exoriebantur tenebrae densissimae'. man uuils bei der
anslegung der stelle von der gewöhnlichen bedeutung ausgehen.
Glaumvör sieht im träume den Gunnar gehängt und schlangen
an ihm nagen, sie findet ihn noch leidend, aber plötzlich ist
alles aus: gördiz rök ragna, die weit stürzt ihr zusanmien.
Altn. rök ist gleich ags. racu, alts. raka, ahd. rahha, nur
dafs die spräche, durch die form verführt, aus <lem femininum
ein neutrum pl. gemacht hat und auch in der entwickehuig der
bedeutung ihren eigenen weg gegangen ist. das hierher gehö-
rige schwache verbum heifst eigentlich 'rak, gestreckt machen',
über rakr, gestreckt, gerade vgl. Fritzner s. 5()5\ daher got.
rakjan, ahd. recchan recken, strecken, aber altn. rekja evolvere,
explicare. es ergibt sich daraus die dopi)elte bedeutung, entweder
(hircli suchen oder nachdenken eines dinges an ein ende komen,
oder aber eine sache andern darlegen und entwickeln, an die
erste bedeutung schliefst sich das nomen in altn. rökstolar (rat-
stühle der götter) und in röksamligr, röksemd. die zweite be-
deutung aber, im ahd. alts. ags. stark entwickelt, tritt im nor-
dischen nomen nicht hervor: denn Lokas. 25 firriz w f'orn rök
firar, 'alte geschichten sollen die männer ruhen lafsen', wird
von Egilsson s. 669 falsch gelesen und erklärl. dem ahd. rahha
Kl-
148 UUÄRA IPsD UUARA
ist mit dem ags. und nord. die auch von 7uoh und rnohhan vor-
ausgesetzte bedeutung causa gemein ; und wir sehen deutUch wie
rahha zu derselben kommt, da recdian , extendere, porrigere auf
suscitare, incitare führte, damit in Übereinstimmung finden wir
rök als anfang und Ursprung , fyr jnoda rök Hav, 145. weiter
aber sind rÖk die einzelnen momente einer reihe von begeben-
heiten, oder das einzelne eräugnis, auch einzelne erscheinungen,
ursächlich gefafst. so sind üva rök Vall^r. 38. 42 ganz allge-
mein die begebenheiten aus dem leben der götter, die unüber-
setzbaren rök fira Alv. 9. 11. 13 usw. alle gegenstände, die in
den kreil's der beobachtung der denkenden wesen fallen, während
Vaf|)r, 55 ragna rök, von forua stoß unterschieden, wohl schon
von dem in den vorhergehenden Strophen behandelten ende der
götter und ebenso aldar rök Vafpr. 39 vom weltende zu ver-
stehen ist. diesem aldar rök steht nach Bugges einleuchtender
konjektur ragna rök Vegt. 14 gleich, so werden auch in der
Helgakv. Hund. n. 40 f ragna rök und aldar rof gleich gesetzt,
und in diesem sinne geliraucht auch Völ. 44 den ausdruck. die
bedeutung von rÖk geht im altn. aus von einem punkte, von dem
sich weiter die von 'l)egebenheit, Schickung, Schicksal, was einem
überhaupt widerfährt' leicht ergibt, und diese erfährt in der
letzten anwendung nur eine Steigerung und zugleich eine ein-
schränkung auf eine bestimmte begebenheit, sodafs der ausdruck
fast zu einem namen dalur wird, und hieran knüpft misver-
ständlich das jüngere ragna röckr an.
K. M.
UUARA UND UUARA.
Die Schreibung ags. Wörter bedarf vielfach noch einer schär-
fei-en pnd'ung und l»erichtigung. von JGrimm geht der zweifei
aus, ob tU'V dat. sg. mask. und neutr. des artikels /mm oder
/fum, /jäm oder pam zu schreiben sei: in Andreas und Elene
schreiltt er /xim , pam. die neuesten herausgeljer ags. gedichte
haben sich für pam, pam entschieden, aber wäre das a kurz,
so würde es nach einem bekannten lautgesetze vor m wohl zu o,
UUARA UND UUARA 149
nie aber zu ä werden, folglich mülsen die vokale in den beiden
neben einander bestehenden formen lang sein und es ist pivm
und päm zu schreiiten. das ags. hat also wie das altn. die form
des dat. pl. in den sing, übertragen, und ebenso hat sich der
gen. dat. sg. fem. pa're an den gen. pl. poira, pura angeschlofsen.
denn wenn Scherer zGDS s. 390 anm. sich diese Schreibung
nicht zu erklären weil's, so vergifst er dafs pära statt para
ebenso unmöglich ist als dägas^ dnga statt dagas^ daya. ich würde
mich auch gegen pur und iüv par sowie für alts. thär == ahd. dar
entscheiden, ein anderer fall verlangt ausführlichere erorterung.
Der eine der neuesten herausgeber des Beovulfs unter-
scheidet in seinem glossar ücpr (ahd. wtira)^ bimdnis, foedus,
pactum und varu (ahd. icaro), im casus obliquus väre, hut, schütz ;
der andere begnügt sich mit varu, dat. acc. väre, acht, aufmerk-
samkeit, hut, schütz, man kann, ja mufs wohl von jedem, der
sich unter uns mit dem ags. oder auch dem altn. bcfalst, eine
unmittelbare, genaue bekanntschaft mit Otfrid und idjerhaupt
unserer älteren spräche und poesie verlangen, aber auch wer
sie nicht besitzt, konnte sich in diesem falle schon mit hilfe
Grafts (1, 907 und 920 f) zurechtfinden, die bedeutung pro-
tectio, die er für ahd. vuara angibt, ist durch kein beispiel und
kein 'zeugnis belegt noch zu belegen; in unarn neman, uuara
tnon ist uuara attentio und uuarön ist = ogäv. uuara aber ist
zunächst wohl Wahrheit, nach den adverbialen formein : in uuuru,
zi nuäru, in unära, in uuärdn, zi uuarön, dann treueversprechen,
Versicherung liljerhaupl, treue (insofern einer bei seiner Ver-
sicherung bleibt), daher die beteuerung in uuara mina (). 3, 18, 48,
und nun, idinlich wie triuua im mit. trem/a, vertrag, friede,
woraus sich endlich für <las verhiütnis desjenigen, der die uuara
des andern hat oder erhält, noch die bedeutung friede als Sicher-
heit, schütz, vielleicht auch Imld ergibt. Reich, gl. Diul. 1, 503''
federis dera uuara, 532'' fedus nouum nuara niaua, pactum emia;
Hrab. gl. s. 950 absque federe anu triuua \ uuara, absque ami-
citia anu ftinnlsmf ^- Diut. 2, 273" anu uara \ triuua; s. 904
fedus uuara I triuua, pactum uuara; gl. .Tun. C 233 absque fe-
dere ana uuara. die beiden am weitesten auseinanderliegenden
bedeutungen lindel man beisannnen an einer schon aus Wjicker-
nagels lesebuche bekannten stelle Olfrids. die weisen ans dem
Morgenlande bringen 1, 17, t>6 dem Christuskinde
150 UUARA und UUARA
geba lilu iiiära: sie suahtun sine uuära.
Ih sagen thir thaz in miura, sie mohtuu bringen niera:
thiz luias sus gibäri, theiz geistlichaz iiuäri.
und die sechste bitte umschreibt er 2, 21, 37
Ni iirläze unsih thin imära in thes uuidaruuerten iära,
Ihaz uuir ni missigangen, thara ana ni gifallen.
Ül)er die qnantität des ersten vokals in nnüra lafsen diese
verse, wie schon Graff bemerkte, keinen zweifei. den angegebe-
nen bedeutnngen aber aufscr dei" ersten 'Wahrheit', die dem ags.
fehlt, entspricht im Beovulf
|)a hie getriivedon on tva healfa
faste frioduvcere: Fin Hengeste
adum benemde . . . 1095 — 97
jjät ])jer senig mon
vordum ne veorcum vcere ne l)r«ce 1100
friodoviere bäd
hläford sinne 2282
Scild gevat feran on freän vcere 27
JDser he (Beovulfs leiche) longe sceal
on |)äs valdendes vwre gel)olian. 3109
Man vergleiche die Otfridischen und übrigen ahd. stellen,
und man wird einsehen wie verkehrt es ist, väre und vcere und
gar frioduväre und friodovme zu sondern: ist doch unter den
von Grein im sprachsch. 2, 040 f unter varn ahd. icara aus andern
ags. gedichten gesammelten belegen einer Exod. 307
viere hie ]>;er fundon, vuldor gesävon
hAlige heAhtreöve,
wo genau so, wie mehrmals s. ()49 unter den belegen für vcer
ahd. würa, das wort ganz wie in den ahd. gU. als synonymum
von treöv gebraucht wird, nur einmal finde ich in Greins Sprach-
schatz varn = ahd. wara, acht, obacht, belegt durch Ps. 118, 17
ic on lifdagnm lustum healdc
l)inra vorda varu mid visdöme.
überdies ist aus den von EttmüUer s. 95 beigebrachten formein
on vare, butun vare abzunehmen und ohnehin gewis, dafs dies
femininum der ersten dckliualion ebensowenig als andsvaru,
cearn, dam, farn, hurhvnru, landvarn in einer seiner formen
UUARA UND UUARA 151
jemals die tonerliohuug des a zu ä gehabt haben kann, und dafs
väre ein Sprachfehler ist (gramni. f.' 328).
Dem ahd. wära, ags. var entspräche ahn. vär und Munch
erklärte daraus Vceringjar als eidgenofsen, eidlich verbundene;
vielleicht ist es eine Übersetzung von Foederati. sonst kommt
nur noch der plur. vurar ein par mal von feierlichen, eidlichen
gelöbnissen vor: pau Helgi ok Svdva veittnz värar ok nnnoz
fiirdo mikit heilst es in der prosa zu H. Hiörv. 30, nachdem
Svavas vater in das verlobnis eingewilligt hat; dann zweimal in
dem letzten teile von Sigrdrifumäl , einmal noch in einer str.
des Regius, 23
grimmar limar ganga at trygdrofi,
armr er vara vargr;
das andere mal in str. 35, die nur in einer papierhs. erhalten ist,
at jjil trüir aldregi värom vargdropa,
hverstu crt brödurbani;
endlich noch einmal in der Sn. Edda und nach Egilsson in einer
sicherlich im 1 3 jh. entstandenen str. der Hakonarsaga Häkonar-
sonar. sonst aber scheint nach Egilsson und Fritzner das appel-
lativ weder in der skaldischeu poesie noch in der prosa wider-
zukehren, aber eine asynja, ohne zweifei wie die meisten übrigen
von Snorri Gylfag. c. 35 aufgezählten nur eine hypostase der
Frigg, hiefs Vär, die freilich nach Rasks von Finn Magnusen
(lex. rayth. s. 358) und auch von Grimm (>Iyth. 286 f) gebilligter
Vermutung vielmehr Vor sein soll, so erwacht der kaum für das
ags. geschlichtete streit in der nord. mythologie aufs neue, ob-
gleich das altn. gar kein appellativ vor == ahd. wara, ags. varu,
sondern nur ein adjektiv varr (fem. vor) cautus, providus und
vor als zweiten teil weiblicher eigennamen kennt, glücklicher-
weise hält die entscheidung auch hier nicht schwer.
Im cod. Worm. und Reg. werden Gylf. c. 35 aufgezählt:
IX Vär: hon hlydir ü eida manna ok einkamfd, er veita s/n i
{fi R) milli konur ok karlar; Jm lieita /mn mal värar. hon hefnir
ok peim er briyda. x Vor : hon er ihon er ök R) vilr ok spu-
rul, svd at engi lut nid hana leyna. Pat er ordlak at köna verdi
vor pess er hon verdr vis. ebenso unterscheidet das Ileilatal
des Regius und der Eddubrots (SE 1, 556. 2, 473. 557. 617)
Sigyn ok Vor, pä er Vär ok Syn. Rask aber bemerkte dafs bei
152 UUARA und UÜARA
dieser Zählung den dreizehn Äsen gegenüber vierzehn asynjen
herauskämen; er fafste also vdr und vor unter vor zusammen
und konnte sich dafür auf die üppsaler hs. berufen, wo die an-
geführten Sätze lauten (SE 2, 274): Vavr (d. i. Vor): hon hl^dir
u eida manna ok einkamal, er menn veita sin i millnm, karlar
ok konr : Pvi heita pau mal värar. Vavr er vür ok spurul, svü
at ecki md liana leyna. Pat er ordtak at kona verdi vavr, wo-
mit die Svefneyer hss. im Heitatal stimmen, die nach SE 1,556
anm. zwischen Sigyn und Syu nur von einer Vor wifsen. ich
mufs es mir freilich vorbehalten einmal nachzuweisen dals die
Gylfagiuning allein in der Üppsaler hs. in ihrer ursprünglichen
von Snorri herrührenden gestalt vorliegt, dagegen im Regius und
den dazu gehörigen hss. in einer gestalt die mit der redaklion
der ganzen Edda durch eine andere band, vielleicht den Olaf
tordarson zusammenhängt, das Verhältnis der hss. kann an
unserer stelle kein anderes sein als in der ganzen übrigen schrift
und die vergleichung bestätigt es auch hier, dafs die Üppsaler
hs. den älteren text hat. denn man begreift wohl dafs jemand
anstofs daran nahm, dafs die värar der obhut der Vor anvertraut
sein sollen, und dafs er deshalb vcir und vor unterschied; aber
nicht umgekehrt, dafs einer, der die asynjen nicht zählte, das
kritische bedenken Rasks gehabt und darum (he triftige und ein-
leuchtende Unterscheidung, die er vorfand, wider beseitigt hätte,
selbst aus dem texte des Reg. und Worm. erhellt noch, dafs
Snorri die Unterscheidung von Vdr und Vor nicht gehabt hat,
weil er sie dann, jedesfalls bei der erwähnung des zweiten na-
mens etwa mit Vor heitir önnur : hon er — schärfer hervorgehoben
und bestimmter angedeutet hätte, es ist deshalb auch nicht an
einen blofsen Schreibfehler in der Upps. zu denken, auch darin
zeigt sich noch das Verhältnis der hss., dafs die beiden anhängsei
hon hefnir ok /mm er brigda und pess er hon. verdr vis in RW
eher erweiterungen und erklärende Zusätze als in U ohne gruntl
ausgelafsen sind.
Nun weifs aber die ältere poesie nur von einer Vdr. ^rym
will nach Prymskv. 30 sich Vdrar hendi mit Thor zusammen
trauen lafsen ; denn dals hier nur eine Vdr als göttin des bundes
und nicht eine Vor gemeinl sein kann, ergibt sich aus dem zu-
sammenlian^e lunl dem appellativisclien gebrauche des Wortes,
so ist auch llelr. Br. 2 vdr gnlls, nicht vor überliefert und
UÜARA UND UUARA 153
viermal belegt Egilssoii s. 851 älnilicli geltiklete kenningar aus
der skaldischeii poesie, wo vär für dts oder kona steht, nach der
regel des Skahlskaparmals c. 31: kona er kend vid allar äsyn-
jnr eda valkyrjur eda normr eda disir. es kommt nocli hinzu
vdr Unna bliks s. af K'»rdi Hredu 1848 s. 30 bei Egilsson s. 846
fälschlich unter vor = vär örbords bliks s. 851, vielleicht auch
die wie es scheint schwach geformte Svölnis vura Egilsson s.
851. 754. 804.* es bleibt nur (Egilsson s. 896) die vor banda
der Gisla s. Surss. 1849 s. 42. 173, vaur banda nach der hs.
s. 163. und leicht hätte sich schon deswegen eine Vor neben
der Vdr einfinden können, weil das appellativ vdr nicht mehr
im sing, gebräuchlich war; wozu bei schriftlicher Überlieferung
zumal noch die leichtigkeif dei- Verwechselung von vaar und
vavr kommt, wie in der Nornagest s. c. 9 aus vdr yulls vör-
ynm (vaurgum) gemacht ist. ohne Zweifel aber ist jene kenning
als eine auflosung eines kompositums zu betrachten, sodafs vor
banda eigentlich für bandvör steht, wie man nach analogie der
weiblichen eigennamen auf vor im Sölarliod Bjuyvör (Vfgvör?)
Listvör (Baugvör?) Kreppvör, in der jungem Edda Dranmvör
Fiölvör Leirvör Svlvör fingiert findet zur bezeichmuig weiblicher,
meist dämonischer und riesischer wesen. so hat auch Snorri
die Vor nicht erdichtet, sondern die Verwendung von vor zur
bildung weiblicher eigennamen und der ihnen analogen kenningar
verleitete ihn zu dem glauben dafs Vor eine asynja sei und
liefs ihn über die sprachlichen bedenken hinwegsehen, ihr die
vdrur zu untergeben, gleichwohl beruht die meiming augen-
scheiidich auf einem irrtum und (he gottin der vdra kann nie
Vor geheifsen haben, der verbefscrer Snorris, der Vdr und Vor
unterschied, hätte daher noch einen schritt weiter gehen, seinen
ganzen letzten passus idjer die Vor — Vor er vür usw. —
streichen und sie gänzlich aus der reihe der asynjen beseitigen
sollen.
Was die eigennamen betrifft, so habe ich sehr mit unrecht
in der ersten ausgäbe dei' Sprachi)roben s. 20 f Theolnndr üodil-
vndr Hilli-HiUnnur Adal- Adilundr angesetzt, die quantität des
' Egilsson setzt s. S97 iiocli c-iiic /'ö;v ycii. Varniv =•= Tör, alier schon
darnacli ist seine auslegiing der liallislropiie der Vigaghinis s. c. "iG sehr
unsicher, vgl. s. 46 und Vigagliims s. 1780 s. 159. 175.
154 UUÄRA UINÜ UUARA
letzten vokals steht, abgesehen von anderen belegen, fest durch
Hildeuuara bei Marini pap. dipl. nr 85 a. 523, die man nach ort
und zeit dei- Urkunde für eine Gotin halten mufs; ferner durch
ags. Bryhtvaru, dreimal im genetiv Bryhtvara, merkwiu'digerweise
wie sunu, suna, bei Kemble cod. dipl. nr 492 a. 962, Hrotvari,
Hrodvare abbatissae (dativ), Hrodunara abbatissa (latinisierter no-
minativ) nr 82 c. 735 nr 124 a. 774, Leösvare (dat. gen.) nr 932,
Cynevara abbatissa nr 1043 a. 835, Vnlfvare (acc.) nr 1290 c.
995, Leöfvare (dat.) nr 1293 a. 993 und Freävare (acc.) Beov.
2u22; dann durch die nordischen -varar: Alvör Alfvör Asvör
Eyvör Geirvör Glaunivör Gunnvör Haihör Hervor Hnnvör Kiölvör
Salvör Stemvör Pörvör. in diesen namen ist nicht das sonst dem
nordischen fehlende Substantiv vor enthalten: denn da alle per-
sonennamen starker deklination der form und bedeutung nach
ursprünglich adjektiva sind, die nur nicht wie die übrigen adjektiva
pronominale deklination angenommen, sondern die alte nominale
behalten haben, so kann die bildung jener nur unmittelbar von
dem vorhandenen alten adjektiv, got. vars, vara ausgegangen und
nicht erst aus dem Substantiv ein adjektiv gemacht sein, volle
bestätignng gewährt dafs ganz gleichgebildete maskulina (mhd.
Liutwar : schar, Linlwar : gar Biter. 5677. 6374. 7759. 9779) neben
den femininis vorkommen, sodal's, wenn diese die weise frau be-
zeichnen, jene den weisen vorsichtigen führer und beiden an-
zeigen.
Mit diesen maskulinis hat es übrigens noch seine besondere
bewantnis. sie sind im ahd. unläugbar vorhanden, aber bei wei-
tem nicht so häutig als die unverständige Zählung im altd. namen-
buch 1, 1258 glauben macht, unter den neun -uuar von Dronkes
nr 137 sind die sechs ersten unzweifelhaft feminina, der letzte
Theötuuar ein maskulinum, die beiden andern zweifelhaft, aber
wahrscheinlicher feminina. aus dem bereiche des ndd. kenne ich
keine, bei den Angelsachsen nur wenige beispiele, Kemble nr
1290 c. 995 Vulfvares svystor, append. nr 253 Vinvares vik, so
dafs in der zuerst angefidu-ten Urkunde nr 1290 derselbe name
wie bei Drouke nr 137 Theötuuar als maskulinum und femi-
ninum vorkommt, für das altnordische kann man sich nicht
auf den zwerg Andvari noch auf namen wie Bödvar Ingvar oder
^var Hdvar Snwvar berufen, weil jene den ahd. Batnheri, Ingu-
hcri wi(; Bödvildr, Ingvüdr dem ahd. Batuhilt, Inguhilt entsprechen
ÜUARA UND UUARA 155
und bei diesen ebenso das v aus der ersten worlbälfte stammt.
Ivar könnte allerdings wie altn. igiarn ags. infrod inflede ndd.
ingüd iiifett gemeint sein, al)er sonst scheinen die maskulina nur
<ler mythologischen dichtung anzugehören : Fiölvar im Harbardsl. 16
ist nicht etwa ahd. Fihiheri sondern das adj. fiolvarr Sölarl. 5
lind nach dem fem, Fiölvör (Heitat. 14. SE 1,552) wohl ein riesen-
name wie Glaimwarr (Heitat. 19 SE 1, 554), wenn dies neben
Glaumarr in betracht konnnt; Alvarr endlich steht unter den
hestaheiti des Eddubrots 748, SE 2,487 vgl. 571, dem der IVauen-
name Alvör entspricht.
Auch die Goten kannten das maskulinum, wenn Thurovarus
l)ei Jordanes c. 2Ö die richtige lesart ist. ^y.i7covaQ aber bei
Procop BG 4, 23. 32 ist unläugbar gleich altn. Skipveri, schiffs-
niann, skipoerjoi', schiüsleute und nur regelwidrig abgekürzt aus
2i:/.i7COvc(Qiog, daher eigentlich ein appellativ, das nur wie andere
als nanie verwendet wurde, deshalb kann man auch ^yurcovag
nicht als beleg dafür gel)rauchen, dafs die maskulina auf var auf
ahnliche weise entstanden sind, vielmehr ist der quadische Vidua-
rius bei Ammian 17, 12, 21 eher ahd. Witnheri ■= Waldheri als
ein Viduvarius, holzsafse, holzmann und Tmnsuarins , der cubi-
cularius Chlodowechs in der vita SSeverini abbatis Agaunensis in
<len AASS Febr. tom. ii s. 548% Audovarins Itei Gregor von Tours
4, 30, dann der westgotische Aloario vom j. 666 bei Florez 14, 48,
aus dem das altd. namenbuch 1,71 einen Alvar macht , uam.
halten eine falsche latiuisierung nach analogie der vOlkernamen
auf -varms erfahren, wie die [»eispiele Amjrivarii Engern, Baiu-
varii Baiern lehren, ist das er unserer Völkernamen aus altem
vari abgeschliffen und ahd. Rnmari, Romanus urs])rünglich ebenso
gebildet wie ags. Runware, altn. Rnmveri und nur misversliiud-
lich vermengt mit den derivaten auf -an', lerari, skribari usw.,
die in der bedeutung gänzlich verschieden sind, wenn also ahd.
})('rsonennamen wie Angrivarii, Bainarü gebildet wären, so müsten
sie auch auf -ari -eri oder auf veri ausgehen, da heti dregi -uni
-im (Denkm. s. 329) regelmäfsig, sehr gewöhnlich auch uniui niuui
m guten alten (piellen ilir / behalten, wii' linden aber nur den
ganz vereinzelt dastehenden namen Atisner, den nicht zuerst der
Ratzeburger heilige Ansuerus a. 1066 fAdam. l»rein. 3, 49 c. schol.)
sondern schon ein abbas in der Fuldaer Urkunde nr 216 a. 804
führt, und in der ags. iirknude nrl290 das wie icli glaube nicht
156 UUARA und UÜARA
minder singulare Älfveres doktor, Älfferes dohtor. der Asver des
altd. namenbuches 1, 111 ist zwar im Fuldaer necrologium bei
Dronke nicht zu entdecken, doch würde er und wird jener Ansuer
mit befserem rechte den folgenden namen beigezählt werden.
Bei Gregor von Tours trifft man zuerst die namen Andovera^
Leubovera oder Leobovera und später in westfränkischen Urkunden
einzelne ähnliche (altd. namenb. 1, 1258), daneben auch ein par
masculina, im polyptychon von Reims Erleverins, Leudoer und in
Beyers Trierischen Urkunden den abt von Prüm (762 — 804)
Asuerns nr 14. 19. 21. 23. 25. 30. 34 Asuarius 13. 14. 18. 33.
37. 39. 41. 42. wie in dem letzten namen steht den Gregori-
schen -verae die Berthoara, die tochter Theodeberts bei Venant.
Fortun. 2, 15, den spätem ebenso andere -oarae -varae in denselben
Urkunden gegenüber, da die auffafsung und bezeichnung deut-
scher laute, wie die Römer sie von den Galliern empfangen hat-
ten, sich lange in Gallien erhielt, so müsten jene -verae nach aher
regel ein langes e = ahd. u haben, aber wahrscheinlich sind
es nach den Trierischen namen nur Schwächungen oder vielmehr
hybride Umbildungen der deutschen auf -var und vara, wie wir
sie sonst in neustrischen quelh-n und schon bei den alten linden,
sodafs ein ähnlich lautendes in der bedeutung aber ganz ver-
schiedenes gallisches wort an die stelle des deutschen gesetzt wird,
vgl. Zeuss gramm. cell. - 857, Glück kelt. namen s. 53. 76 tf und
zs. 7, 528. 9, 224. vielleicht verhält es sich so schon mit dem
Freioverus Yeransati f. der Mainzer Inschrift bei Brambach nr 1231,
wenn nicht der erste name völlig wie der zweite gallisch ist. was
von der Sisivera {^LOißsga) oder Sisevera Sisevira Sesivira der
Ravennatischen Urkunde des 6 jhs. bei Marini nr 93 zu halten
ist, mögen andere entscheiden, deutsch kann dies -vera und -ver
nicht sein, weil es nirgend in rein deutschen Urkunden erscheint
aufser den wenigen vorhin angefidn'ten fidlen, wo bei dem Ful-
daer Ansuer wie bei dem Trierer Asuerns westfränkisch-roma-
nischer einflufs anzuerkennen ist. erwähnt sei nur noch dafs
Wackernagel bei Binding s. 394 ein femininum -vera zu ahd.
wer got. vair, mann, erfhidet. keltische namen sind Se7iovir, Sa-
crovir, Kuhns beilr. 3, 358. vgl. Glück s. 184—187.
K. M.
\
IST HARTMANN D. A. DEH VERF. D. LINZER ENTECRIST 157
IST HARTMANN DER ALTE DER VERFASSER
DES LINZER ENTECRIST?
Hartmann in seiner paraphrase des nicaeno-constantinopoli-
tanischen glaubensbekenntnisses sagt v. 1622 ff
CuiHS regni non erit finis.
tk saguh daz dar war ist.
sin liehe also ebene stet
daz is ntemer ne zeget.
nune wolle wir nuwit langer
an dirre rede hangen,
wände wir hie nore haben geredet,
vil bescheidenliche gesagit,
alse wir uon den wtsen hän vernomen,
wi iz dan alliz sal comen
z6 deme grözem vrteile
der werelt al gemeine.
daz ne habe wir njwit nermiden.
iz ist alliz gescriben
ze gehörenne vnde ze gesihte
in dntischer scrifte.
sver daz buch wille lesen,
der mach iz alliz da nernemen
so wirz mit unsen sinnen
aller best niohten vinden.
Ebenso heifst es v. 3702 ff, nachdem über die worte et vitam
venturi saeculi nur acht vcrse zur erklärung vorgetragen sind:
dise rede wil ih ende
alsns zuirliche. (zouliche?)
sweme daz missellche
der bedenke sich sdn
warumhe ih daz habe getan:
dl rede in des da uor innet,
wil er sih des nersinne.
Auf diese aufserungen Hartmanus gründete Wackernagel (Ba-
seler hss. s. 21 anni.) die Vermutung dafs uns das gedieht auf
158 IST II ARTMANN DER ALTE DER VERFASSER
welches Hartniann hier l)ezug niniint in jenem anhange zum 'lehen
Jesu' erhalten sei der in Hoffmanns fundgruben i s. 193,41 bis
204, 46 mitgeteilt worden war. HolTmann, Gervinus, Koberstein
schlofseu sich dieser ansieht an; sie muste aufgegeben werden
als Diemer das leben Jesu aus der Vorauer hs. herausgab, in
welcher am schlufse des anhanges vom antichrist und dem welt-
ende eine frau Ava sich als verfafserin bezeichnet, indem nun
Wackernagel in seiner gesch. d. d. litteratur s. 160 der dichterin
Ava sowohl das leben Jesu als auch jenen anhang zuschreibt
(während WGrimm zur gesch, d. reims s. 38 dies nur von dem
letzteren gelten lafsen will), fügt er hinzu : 'Hartmanns rede vom
jüngsten tage ist, wir dürfen es beklagen, verloren gegangen.'
aber selbst wenn die Vorauer hs. nicht entdeckt worden wäre,
hätte sich aut dem wege einer sprachlichen und stilistischen
Untersuchung bis zur evidenz erweisen lafsen dafs Hartmann
unmöglich der verfafser jenes gedichtes vom antichrist und den
dem weltende vorangeiienden zeichen sein konnte.
Gervinus bemerkt in seiner gesch. der deutschen dichtung ^
s. 1S6, schwerlich sei wohl der aus einer Linzer handschrift von
Hoffmann (fundgr. u 106 — 134) edierte Entecrist als jenes von
Hartmann verfafste gedieht zu betrachten, in der tat ist dies
das einzige der heute bekannten gedichte welches durch Inhalt
und alter auf eine berücksichtigung in dieser frage anspruch
machen darf, ich habe Hartmanns rede vom glauben und den
Linzer Entecrist in sprachlicher und stilistischer hinsieht mit ein-
ander verglichen, und liin zu dem resultate gekommen, dafs der
Entecrist unserm Hartmann nicht zugehört.
Beide gedieht scheinen um die mitte des 12 jhs. entstanden
zu sein, ich zweifle ob sich aus der relativen genauigkeit der
reime die priorität des einen oder andern mit bestimmtheit fest-
stellen läfst.
Beide gedichte sind mitteldeutsch, fin- den glauben ist dies
jüngst eingehend nachgewiesen worden in einer Leipziger disser-
tation von Karl Reifsenberger 'über Hartmanns rede vom glauben'
1871. die md. herkunft des Entecrist aber wird hier s. 17 anm.
bezweifelt, es ist nicht zu läugncn dafs die charakteristischen
kennzeichen des nid., hcsonders die rein lautlichen, bei H. mit
gröfserer consequenz (hirchgefidnl sind als im E., und dafs die
sprachliche form des letzteren sich dem oberd. mehr nähert.
DES LINZER ENTECRIST 159
allein weil diese verschifdeuheit erst durch die abschreibe!" für
uns herbeigeführt sein kann, so möchte dieses krilerium nicht
hinreichen zur annähme zweier verfafser.
Ganz verschieden aber ist in beiden gedichten die art der
darstellung, wie auch Reifsenberger richtig hervorhebt. H. ent-
wickelt einen erstaunlichen reichtum an gedanken und immer
neuen auffafsuugen, dazu eine von der innigsten empfindung ge-
tragene rt'dseligkeit die oft gar kein ende zu finden weifs. von
diesem lebensvollen tlufse begeisterter rede ist im E. fast gar
nichts zu merken, man wrnde nicht ein dafs der verfafser des
E. einer solchen überstrümenden fülle der worte und gedanken
notwendig deshalb entljehre, weil er nur eine deutsche bearbei-
tung des tractates von Adso gegeben habe: denn auch in den-
jenigen teilen seines gedichtes, wo er jene (juelle aller mittelalter-
lichen darstellungen vom antichrist durch eigene betrachtungen,
ausführuiigen und erzählungen erweitert, ist Hartmanns stil nicht
zu erkennen, das gesagte wird vielleicht noch anschaulicher
durch die vergleichung folgender stellen, die ungefähr denselben
Inhalt haben: H. 1561—1621 mit E. 130, 37—134, 42; II. 24 10 ff
mit E. 114,33—37; 11.2114-2145 mit E. 117,31—118,2.
Ich wende mich zur sprachlichen und grammatischen ver-
gleichung der beiden vorliegenden gedichte.
I. Alles was als gemeinsame eigentümlichkeit etwa bezeichnet
werden konnte, ist doch bei weitem nicht so charakteristisch um
die identitiit der verfafser zu beweisen:
daz cruce vröne H. 1071. 1121. 3040. E. 110,27. 131,3.
die engele fröne H. 1502. daz fröne paradis 878. 1894.
brehten und yebrechten H. 653. 1494. 1561. nbtrhracht 670.
daz (jebrehte E. 119,34.
dingen und gedingen II. 26. 1068. 1511. 1966. 3731. E.
126,25.
der gute sanchis Paulus II. 2881. Paulus der gute man E.
109,24. der gute Enoch 119,29.
di helle buwen II. 2835. E. 115, 19.
din, s/n : dir {= der) din gedanc II. 2469. der dm mnt 2545.
der sin gwalt 98. di sin gedult 99. di sin list 104. 1665. der sin
gedanc d [2. daz sin hantgebere 1466. zö der diner icirtsca f 3l\S.
mit der siner gvalt 305. durh di sine gute 853. 1723. di sine
bösen netzen 945. mit der siner haut 1694. der sinen mancrefte
160 IST HARTMANN DER ALTE DER VERFASSER
1562. mü goteUchen stnen ongen 135. mit grözen stnen guten 1426.
mit beiden sinen ougen 1765. mit tiefen im siiinendbl. der sin
anhlich E. 132,37. der ir munt 115,14.
II. Folgende verschiedenlieiten können durch die abschreiber
liinein geliracbt sein:
di für der nom. sing. masc. findet sich im E. nicht, bei H.
oft 41. 68. 71. 104. 216. 223. 247. 882. 895. 1067. 1075. 1077.
1080. 1085. 1115. 1174. 1525. 1770. 2748. 2846. di im dat.
sing. fem. 1484 ist wohl nur ein Schreibfehler.
ici für iver H. 1494. 1597. 2629. vgl. Reifsenberger s. 13.
dir (iürdie?) bei H. 1) nom. sing. fem. 300. 552. 749. 1427.
2) nom. pl. masc. 409. vgl. 478.
des possessivs des fem. und der 2 pers. plur. bedient sich
E. nicht, H. dagegen hat ire (n. s. f., n. p. f.), irre (d. s. f.), irme
(d. s. m.), im (a. s. m., d. p. mn.).
apocope des n im infinitiv kennt der E. nicht. l)ei H. da-
gegen steht es so: 1) 81 mal reimt der apocopierte inf. mit einem
auf e ausgehenden worte; doch gibt es sehr viele fälle in wel-
chen die apocope, ungeachtet des bezeichneten reimes, unter-
blieben ist. 2) 34 mal erscheint die apocope ohne äufseren an-
lafs, indem entweder der inf. mitten im verse steht oder zwei
durch den reim gel)undene infinitive beide apocopieren.
is für ist erscheint l)ei H. sehr häufig, im E nie.
II. hat nur wir wollen und si wollent, E. dagegen nur %oir
wellen und si wellint.
genus einiger substantiva: H. der leben 784. 1186. 1729.
1745. 3213. 3728. daz leben 2381. 2615. das masc. erklärt sich
aus der inerwaniUschaft mit Hb, welches liier oft geradezu für
leben steht: 54. 93. 177. lo63. 1346. 1906. 2019. 2227. 2511.
3049. 3105. 3691. 3696. E. daz leben 126,20. H. der gewalt
98. 513. die {di) gewalt 120. 230. 305. 672. 763. 1483. 1802.
E. det^ gewall 112,26. 118,32. 126,39. H. der Inf t 2305. die
lufl 1986. E. der luft 116,42. H. dielist 43. 104. 625. 639.
1665. 2055. 2594. E. der list 109, 35. 112, 30. 118, 10. 119, 20.
124, 16. II. die zit 377. 3003. E. daz zit 106, 1. 107, 17.
110,20.40. 113,15. 118,44. 119,40. 121,19. 126,7.15.
III. S<'br walnscliciiüicb wird die annähme zweier verfafser
durch folgende bemerkuiigt'ii :
charakteristische Wörter und redensarfen bei H. sind: ernte
DES LINZER ENTECRIST 161
17. 570. 681. 2935. genste 565. 591. 2193. 3739. 3797. gespenste
682. 1669. 2934. öthmnt (vgl. Reifsenberger s. 33 1 84. 1675.
1945. 2090. 2357. a'de (Reifsenb. s. 37) 2526. nbirbraht 670.
uhirhür 1785. uhirdze 1789. ubirtrank 1790. bescheidenlich 20.
826. 1274. 1629. 2322. reclmi (erzälilen) 20. 32. 3736. zellm
2684. 2765. verseilen {verzalt, si verzalten) 11. 229. 1445. 1573.
2836. sih mendeu 909. 1621. 3167. 3193. toen (= ntsi quod) 218.
256. 323. 389. 550. 661. 666. 2392. 2806. rfa?t o6e 319. 341.
426. 2120. 2396. 2545. 2880. sdn (Reifsenb. s. 38) 429. 2015.
2254. 2519. 2735. 3705. di rede ist uns wole chunt 1096. 1104.
1845. geware werden eines dinges 2291. 2302. 2634. wäre nemen
eines dinges 2943. ivär läzen ein dinc (sein versprechen erfüllen)
980. 1794. 1889. herre 'als herr' 468. 580. 928. 980. magit reine
'als jungtrau' 719. kint 'als kind' 2270. im E. sind anzumerken:
drum (ende) 126,8. 134,38. daz mort 112,16. 116,20. 125,6.
betalle 112, 32.39. 126, 1. ze iungist (endlich, schliefslich) 108, 13.
110,10.22. 133,38. douwen [döuwen) 120,38. 125,35. gähen
113, 19. 120, 17. 123, 31. in allen gähen {gehen) 115, 34. 125, 37.
Paulus der gute man 109,24. Jeronimus der scribere 110,2. Apo-
calypsis daz buoh 111,38. Jesiis der heilant 132, 15. mich nimit
untür eines dinges 114, 19. 133, 18. anderes bringe ich unter IV.
H. sagt nur begunde oder begonde; im E. heifst es nur began.
H. weder — ioh 112; sonst steht ioh stets zwischen zwei
begriffen die lateinisch durch et — et zu verbinden wären: 308.
311. 452. 963. 2621. genau so auch E. 123,27. 125,32. 132,38.
eigentümlich aber ist hier die bedeutung 'sogar, selbst': 107, 4.
114,29. 124,20.
IV. Folgende vergleichungen , vielleicht eine jede für sich,
gewis aber alle zusammen genommen , beweisen unwiderleglich
dals Hartmann nicht der verfafser unseres Entecrist sein kann:
1. H. bekundet eine grofse Vorliebe für composita mit ge,
die im E. viel weniger auffällt, ich gebe hier ein vollständiges
Verzeichnis aller mit ge zusammen gesetzten Wörter die von ihren
einfachen nicht wesentlich in der bedeutung verschieden sind :
a. H. gedingen 26. gefromen 38. 1901. 1932 (gefremen). 1955 [ge-
frnnien). 3116. gekeren 46. gewerdenlX. 151. 232. 451. 455. 456.
1341. 1486. 2309. 2714. 2746. 3672. getan 82. 101. 1977. 20-52.
2373. 2533. 3687. geduten 143. 1354. 1378. 3149. getrachten
146. gereden 341. gesngen 342. gesprochen 2636. gebinden 551.
Z. f. D. A. neue folge IV. 11
162 IST HARTMANN DER ALTE DER VERFASSER
gedarben 578. gemachen 730. getragen 745. gesügen 810. getrüwen
823. 835. 1898. 2197. 2231. 3723. geruwen 2232. 2732. gene-
mm 866. 2604. geezzen 903. 2694. getrinken 2162. gewerren 905.
geicern 978. 1976. geverren 1295. ^ener?t 935. 1490. 1997. 2002.
geschaden 958. geheiligen 961. 1660. gedoln 974. gesegenen 988.
gelönen 1122. geirren 1296. gescheiden 1372. ^-e/erm 1406. 1418.
getrösten 1423. geleisten 1529. ^eseAm 1575. 2302. 2321. 2732.
gelougen 1571. gewenden 1607. 2001. 2113. 2237. 2353. 3692.
gehören 1636. gereinen 1660. 2120. 3001 {gereinigen), geniden
1685. ^e?o6en 1792. gebüzen 1831. ^e^eftm 2039. 2808. geliegen
2596. ^e%e;t 2612. gestedigen 2975. gerüchen 3114. 3730. (/e-
wichen 3125. gemeren 3203. E. gesüchin 110,5. gebinmäzen
111,39. gelezzen 113, 12. 116,20. (/e/tdre/i 113, 17. ^eye//en 119,
27. 5e%eM 123,16. gedingen 126,25. ^eseÄew 127,14. 133.3.
^esfan 128,14. 132,16. 133,1. ^e(/ä» 128,15. ^^erfa^m 129,14.
gedienen 133,2. gedursten 134,11. b. H. daz gedüte 860. t/as
5e6?7erfe 962. 1085. 2229. die gesculde 1773. 1812. daz gerete (rat)
1991. 2053. (/eiüar (^w^är, gwerlkhe) 260. 261. 717. 765. 824.
1131. 1296. 1304.
2. U. bekundet eine grofse verliebe für da (dar) in relativ-
sätzen ; auch diese tritt im E. viel mehr zurück. H. bietet 52
solcher fälle (7 mit dar), E. nur 10.
3. Folgt dem subject oder object ein relativsatz, so M'ird
dasselbe, und zwar in beiden gedichten, nach diesem relativsatze
i-egelmäfsig durch der diu daz wider aufgenommen, in gleicher
weise aber, und dies ist charakteristisch, liebt H. diese wider-
aufuahme auch dann wenn kein relativsatz vorangegangen ist zb.
got der ist wunderlich, auf 56 belege bei H. finden sich im E.
nur drei, für E. dagegen ist charakteristisch der gebrauch von
ersiuez in denselben fällen: 108,43, 109,1. 110,33. 115,13.
119,18. 127,23. 129,16. 130,15. 131,11.15.17.43. 133,21,
wozu sich bei H. keine beispiele finden.
4. H. hat keine spur eines demonstrativen gebrauches von
ersiuez, wie er im E. in folgenden beispielen sich zeigt: keinin
frumin ernist megin sie ze gote hän die des niut wellint abegän
107, 6. den bitirn smerze müzin sie von in hän die mite wellent
gän 111,35. ze sagin ist iz im gut der wol geloubet 115,38.
owe in die zu der helle sint ircorn 133, 26.
5. Der verfafser des E. hat eine besondere Vorliebe für das
DES LINZER ENTECRIST 163
formelhafte ich weiz, welches eine parenthetische und wahrschein-
lich altepische hekräftigung des erzählten bezeichnet: 107, 32.
111, 14. 120, 38. 130, 21. 133, 16. 38. Haupt hat zs. 3, 187
auch aus anderen gedichten viele belege gesammelt.
6. Ein charakteristisches lieblingswort llartmanns ist al ge-
meine: 269.290. 326. 331, 572. 590. 991. 1009. 1118. 1385.
1441. 1570. 1587. 1633. 2067. 2626. im E. erscheint al ge-
meine gar nicht, dagegen in ganz gleicher bedeutung al gelicke
107, 18. 117, 7. 118, 39. 119, 12. 121, 6. 8. 122, 1. 123, 20.
126,36. 130,2.32, welches sich bei H. nur 1299.1503.2781 findet
7. Ein charakteristisches liebhngswort Hartmanns ist beginnen,
welches nicht weniger als 60 mal sich findet, und zwar ist dar-
auf hinzuweisen dafs unter diesen 60 fällen kaum ein halbes
dutzend mit der eigentlichen bedeutung von incipere angetroffen
werden, in allen übrigen dient beginnen nur dazu den begriff
der tätigkeit welcher im folgenden infiuitiv liegt anschaulicher
hervorzuheben, und ist dann nhd. gar nicht entsprechend wider-
zugeben, zb. ich hegunde dicke neisen widven unde weisen, unter
den fällen wo beginnest im E. überhaupt vorkommt (109,25. 113,
19. 114,2. 119,36.43. 120,2. 123,30. 124,7. 129,36. 130,7),
zeigen sich nur schwache spuren jener bezeichneten Verwendung.
8. Formelhaft und deshalb charakteristisch ist bei H. der
reim äne veichen (betrug; vgl. Reifsenberger s. Ib): zeichen 351.
369. 1421. 2105. 3146. keines dieser beiden Wörter erscheint
in einem anderen reim, im E. dagegen, wo veichen unbekannt
ist, findet sich zeichen : weichen 120, 4. z. : bochin 127, 6. z.: lei-
chen 128, 1.
9. Formelhaft und dtishalb charakteristisch sind bei H. fol-
gende reime: alleji sinen holden die ime dienen wolden 1184. 1478.
3073. Crist sine holden die ime dienen wolden 1380. 2092. sunder
sinen holden die ime dienen wolden 1432. die da wären gotis holden
unde ime dienen wolden 1971. den dinen Üben holden die dir die-
nen wolden 2221. 3717. allir diner holden dt dir dienen wolden
3123. Wide andre sine holden di an in glouben wolden 874. 1271.
den wären goles holden die daz tun wolden 3155. dafs wir es
hier in der tat mit einer formel zu tun haben, geht auch daraus
hervor 1. dafs holde in keiner anderen reimverbindung vorkonunt,
2. dafs v. 1478 und 3123 blofs dieser formel zu liebe wolden
gesetzt ist, während der sinn das präscns verlangt, im E. ei-^
11*
164 IST HARTMANNfD. A. DER VERF. D. LINZER ENTECRIST
scheint holde nicht nur aufserhalb des reimes (was bei H. nicht
der fall ist), sondern es sind auch seine reimbindungen denen bei
H. ungleich, nämlich holdinivolgin 113,33. h.iirbolgin 119,21.
125, 27.
10. H. kennt nur die partikel biz (890. 2288. 3166. 3192.
biz daz 1831), E. nur unz (112,27. 118,24. 119,40. 121,28.
130, 28).
11. Zur hervorhebung eines adjectivs oder adverbs, dasselbe
gleichsam in den Superlativ setzend, dient bei H. also: (die fölle
wo ein satz mit daz folgt schliefse ich hier aus) 12. 471. 480.
481. 514. 526. 532. 542. 726. 1010. 1117. 1390. 1488. 1492.
1663. 1767. 2141. 2899. genau in derselben Verwendung steht
im E. stets sd: 109, 22. 110, 9. 112, 36. 115, 10.28. 118,34.
119,31. 122,37. 123,25.
12. H. sver so 1681. 1719. 1742. 1753. 2371. 2865. 2965.
2989. 3141. 3169. swaz so 1141. svelehe — sd 2283.3079. svä
sd 1254. 1377. 1661. svi so 735. E. sver oiih 115, 18. 123,34.
svaz onh 119, 17. 128, 44. svelher ouh 124, 19. 131, 40. svd otih
116,45. svi— och 112, 15.
DR MARTIN SCHEINS.
DAS SOGEN. NAMENRÄTSEL DES PRIMAS.
Littera bis bina me dat vel syllaba Irina.
si mihi dematur caput, ex reliquo geiieratur
bestia, si venter, pennis ero tecta decenter.
nil, si verlor., ero, nil snm laico neque clero. (carm. Rur. 1 83")
an dem rätsei haben in jüngster zeit verschiedene mitarbeiter der
zs. für deutsche philologie (2,412) und der Germania (16,306.
17, 39) ihren Scharfsinn versucht, damit nicht noch andere zeit
und mühe verheren, sei hier auf die richtige auflösung alea hin-
gewiesen, die weder erst jetzt noch von mir gefunden ist. sie
liegt nicht eben fern, denn unter dem rätsei ist ein puffspiel ab-
gebildet, und voran gehen folgende verse auf die drei würfelt
Hi tres ecce canes segnes, celeres et inanes
sunt mea spes, quin dant mihi res et multiplicant fs.
pignora cum nnmmis., cum castris pn^dia summis
venantur, te prf'danlnr, mihi sie famulantur.
RERLIN. W. WILMANNS.
SANT CECILIA.
[41'] Hie vor do got vf ertrich gie,
eines tages er predion an vie
vnde Seite sinen lieben ivngern
ein bischaft von zelien megeden,
den glichte er daz himelrich. 5
der waren fvnfe alse sinnerieb
daz SV ir liebtvas wol bereiten
da mit sv des brvtegomes wolton beiton,
swenne er kerne gegangen
daz er von inen sbone wrde enphangen. 10
do waren die andern fvnfe megede
so tvmbe vnde also trege
daz ir lichter waren vnbereit.
do in des brvtegomes zvkvnft wart geseit,
sv begondon vil balde lofen 15
vnde 6l in irii glazvaz kofen;
vnde e daz sv daz 6l von dem kofman hetin genomen,
do was der brv[41'']tegom inkomen
vnde wart in dv tvrc beslozen vor.
SV klophoton vaste an daz tor, 20
wan SV batton sich verslafen;
darvmbe begonde sv der brvtegon strafen,
er wolte in nibt gvnnen siner angesiht
vnde spracb 'gant, ich enweis iuwer nibt.'
disc rede laze icb beliben 25
von disen tvmben wiben
2 eniiies t. zu predion vgl. gr. x^ 188. Weink. §56 13 iiu-
beiret 24 vgl. v. 1773
Z. f. D. A. neue fol^e IV. 12
166 SANT CECILIA
vnde wil der wisen nemen eine
der leben was vil reine.
si hatte wol gewachet
30 vnde ir liethvaz mit 6l gemachet,
damit si ir herren wolte engegen gan,
do von wart si zu dem br^llofe in gelan.
si hatte vier shoni lichter in ir glazvas wol bereit,
da von si vier hande kröne treit.
35 dv erste ist ir dar vmbe geben
daz si hatte ein rein kvsches leben,
dv ander daz si cristen globen lerte
da mit si menigen menschen ze gote bekerte,
dv drite vmbe ir vrigen mut
40 daz si dvr got gab alles ir gut,
dv vierde vmbe die grosvn not
die si an ir ende leit vnde den grimen tot
dvr ir lieben herren Jesum Crist.
nv horent wie si geheizen ist:
45 Cecilia, ein maget von Rome geborn.
got hatte si im selben erkorn,
sin zeichen hatte er an si geleit,
den tof der heiligen cristenheit.
gar vesteklich hatte si den globen
50 vnde trvg och an dem herzen togen
die lere die des heiligen ewangelium git,
[42"'] da mit vertreibe si tag vnde naht ir zit.
von den hohsten Romern si geborn was;
vil wol ir gewant erzeigete daz,
55 mit golde vnde mit silber was es wol durslagen,
doch wolte si darvnder an dem libe tragen
ein herin hemede verborgen,
wan si was in grozen sorgen
wie si blibe kvsche vnde reine.
60 ir vasten vnde ir weinon
vor gotte so grose kraft hatte
35 geben für gegeben noch 479. 660. 884. 920. 969. 991. 1054. 1081.
1091. 1617. 1678. kofet ßr gekofet 1467. vgl. Jänicke zu Biterolf 1026
45 die einleitung fehlt in der quelle
SAINT CECILU 167
daz si die engel steteklich zv ir latte.
ir gebet in gottes oreo drang
alse ein süzes orgenen sanch.
vnde do si gar vlizich was aller guten dinge, 65
do wart si gemehelt einem edeln ivngelinge;
swie es niht ir wille was,
do forhte si doch [43'] ir frvnde has.
Valerianus was der ivngelincli genant,
cristen globe was im vnerkant. 7ft
vnde zehant do der tag was komen
daz der ivngelincli die maget solle ban genomen,
ir beder frvnde kamen dar;
mit vroden wart der tag vertriben gar,
alse rebt was vnde billicb, 75
wan ir beder frunde waren edel vnde rieb.
vnde do dv nabt anviench,
Valerianus mit siner gemahelen giench
in eine sbone kemenaten;
daz bete was bekleidet mit edelcr wate 80
von sidun vnde von phellor.
man vnde vrowe bliben da vor,
SV zwei bliben alleine do.
Cecilia bat got mit andaht vnde sprach also
'gnade, herre von himelrich, 85
ich bitte dvr [43'] alle dine guti dich
daz dv mich behvtest mit diner gotlichen ki'aft
daz du weit iht werde an mir sigehaft.'
dar nach den ivngclinch si an sähe,
gar lieblich si also zim sprach 90
'o minneklicher ivngelinch,
66 G. Valerianunv quemdam iuvenem habebat sponsum, qui in amorc
virginis perurgens animum, diem coiistituit nuptiarum. venit dies in quo
tlialamus collocatus est. venit et nox usw. 70 kemenAten noch 317.
kemenäte 259. vgl. Sommer zu Flore 513. Jänicke zu Bitei'olf 439
82 sonst vjowen unde man 628. 1371. 1500. I()ti4. 1671. vrowan unde
man 1366. 1432. 1458 im dat. und acc. dieselben Verschiedenheiten Q\ff
0 dulcissime atque amantissime iuvenis, est mysterium, quod tibi confitear:
si modo tu iuratus asseras, tota te illud observantia custodire. jurat Val.
sponsus se Ulud omnino nulla prodere ratione, nulla necessitate dctegeie
12*
168 SANT CECILIA
ich seiti dir gar gerne ein heinlicli dinch,
woltistu den heinlich also heinlich tragen
daz du in nieman woltist sagen.'
^5 Valerianus sprach 'waz mach daz sin?
ich gelohe dir hi der triwe min
daz es niemer kvTiiet fvr minen mvnt
vnde do si sin herze geneigich sach,
100 vil minneklicher si aber zu im sprach
'o Valeriane, gemahel min,
ich fürhte gar sere des libes din,
wau ich han einen engel heinlich,
der phliget mines libes [44*] steteklich
105 vnde kvmet tag noch naht niemer von mir.
swie der wirt gewar von dir
daz dv mich minnost zu vnkvshekeit,
da von gewinnet er also groses leit
daz dv mvst liden sinen zorn
110 vnde wirt din ivnger lip vil balde verlorn.
sihet er aber an dir ein gute menunge
daz dv mich wilt lazen beliben kvsche vnde reine,
so wirt er dich minnende alse mich
vnde erwirbet dir gnade vmbe got von himelrich.'
115 des antwrte Valerianus do
gar ershrokenlich vnde sprach also
'Cecilia, molite daz beshehen
daz dv mich den engel liezist sehen,
so wolti ich dir min triwe geben
120 daz ich nahe sinem rate wolti leben;
[44''] rainnostv aber deheinen andern man fvr mich,
ich Stiche ein swert dur in vnde dvr dich.'
vnde do Valerianus geredde also,
Cecilia sprach aber zv im do
125 'Valeriane, dv mvst e erwerben gotes hvlde
daz er dir vergebe dine shulde,
03 d. heiliiicli a. 111//' si aiitem cogiioverit, quod me sincero corde
immaculato amore diligas cl viiginitatem meam integram illibatamque
»dias — 112 unbetwungeii erg. Greith 116 nutu dei coneplus
' ait: —
SANT CECILIA 169
dv mvst och die abgote versmahen
vnde den heiligen tof enphahen,
wan dv mäht e den engel niht gesehen.
ich wil och heinhch dir veriehen 13q
daz ich hin heinhch cristen
vnde mit dem tofe worden reine.'
Valerianus sprach 'wer mach daz sin
der mich kvnne gereinen von den svnden min?'
Ceciha sprach 'es ist ein vil alter man 135
der dich von allen dineu svnden gereinen kan,
Vrbanus so ist er genant;
ich bin im och vil [45*J wol erkant.
er ist der cristenlvte bapest vnde herre
vnde och vns niht gar verre, j4q
ist in einem hvse verborgen.
da soltv morne frvge hin gan an dem morgen
in eine gassun, dv ist Apia genant.
der wech ist mir och vil wol erkant.
da sizet an der straze arme Ivte. I45
din almusen dv in bvte
vnde gib inen einen grvz von mir
vnde bite sü daz sv zeigen dir,
wa Vrbanus si der gvte man,
dv siilist in ze heinlichen dingen han. [50
ich bin den selben armen vil wol erkant,
wan ich han in vil dike geboten mine hant.'
vnde do Cecilia geredde daz,
Valerianus gar sere ershroken was.
an dem bette er mit grozen vorh[45''jten lag 155
127 d. mich 0. die befserung von Grcith abgötte auch 212. 303.
abgölte 215. 287. 375. die, diu abgot 432. 400 mxo. 143 Surhis
p. 506: vade ad tertium lapideni a civilate via qua usw. das Pass. 631,
28/" ganz farblos: und wandere liin so drüte an die stat und vräge,
dagegen Hermann v. Frilslar s. 247: sali gen zu der pforten fiz zwischen
dem berge di da Iieizet Zabina, da sanchis Alexius üffe lit, und zwischen
der Tibren, dö man iiz gel zu sancto Pauweis, da isl eine gazze, do
silzet usw. 150 hier fehlt im gedichle ei?ie gröfscre stelle der quelle
(auch bei Surius), in welcher die nachfolgende erzülung vom zusamtnen-
tre/fen F.s mit Vrbanus anticipiert wird 153 — 164 fohlen in der
quelle
170 SANT CECILIA
ane slaf die naht vnz an den tag.
sin herze hate erfindet sich
alse ein frvhtber ertrich
dem der same shiere entrinnet
160 vude dar nach die edelvn früht bringet.
Cecilia lag vor dem bette an der erde
vnde bat got mit andehtiger geberde
in ir herzen gar stille
daz an im ergienge sin heiliger wille.
165 vnde do mornvnt frv der tag vf gie,
Valerianus des niht enlie,
swaz im Cecilia des nahtes seite
daz voUefvrte er gar gereite.
in die gassun giench er sa zehant,
170 du da Apia was genant,
vnde do er die armen liite ersah,
vil gütlich er zu inen sprach
'Cecilia hat mich zv iu gesant
daz ir tvent mir erkant,
175 wa Vrbanus si der gut man,
ich solte in vm[46*]be heinliche sache han.'
vnde do er mit in geredde daz,
sin almosen in wol beretet was
da mit er in den hvnger bvzte,
180 von Cecilivn er sü gruzte.
des almusens waren si gar vro,
SV wizton in vil heinlich do
zu den huse, da der bapest inne was
vnde bi den cristenen lüten sas.
185 vnde do Valerianus in daz hvz giench,
Vrbanus in gar gütlich enphiench.
do Seite Valerianus im dii mere
daz er Cecilivn gemahel were,
du bette in zu im gesant
190 daz er im cristen globen tete erkant
vnde im abe neme sine schvlde,
daz er im erwrbe gotes hvlde.
165 mornuul auch 1522 180 Ceciliiui hmal Cecilien S/wai
SANT CECILIA 171
vnde do Vrbanus erhörte daz,
er von herzen gar vro was.
vf hvb er sine hende do 195
vnde sprach gar vrolich zv gote also
*gnade [46''], herre Jesv Crist,
ein seiger dv des kvschen samen bist.
enphahe hvte des samen frvht
dvr dine gotUchen zvht, 200
den dv an Cecihun geseiget hest,
du ZV mir gesendet het disen vromeden gast;
den si nehte als einen grimen lowen hatte enphangen,
der komet hvte zu mir alse ein senftes lamp gegangen.
Ceciüa din dienerin 205
du dienot dir alse ein nvzes shefeli.'
vnde do Vrbanus got gelobete also,
Valerianum nam er zv im vil heinlich do,
er lerte in cristenen geloben
vnde Seite im och von den toben, 210
wie reht vbel es den an sele vnde an libe solti ergan,
swel die abgotte niht woltin abe lan.
Valeriauus vil gerne horte das
vnde doch sin herze in grozem [47'] zwivel was,
wan er hatte die abgotte gar lieb gehebt 215
alle die wile er was gelebt.
vnde do er also zwivelon began,
ein alter herre zv inen gegangen kam,
der trug an ein snewizes gewant
vnde hatte einen brief in siner hant, 220
den bot er Valeriano dar
vnde hiez in der shrift nemen war,
ob er die shrift lesen kondi,
da er die warheit an fundi.
von siner gesiht Valerianus ershrak, 225
\QQ ff die rede des U. fehlt in der quelle 203 nahtes 419. des
nahtes 167. 1172. 1721. dis nahtes 1266 206 diese deminulivfonn Jiur
hier. vgl. Weinh. § 270 209 criiieii. befsertmg von Greith 213 hole
215 gehebt im reim 7ioch 1357. 1541, aufser dem reim 1212. 1718. vgl.
ff^einh. § 374. — gehän : kan 623. 4. ff^einh. § 373 220 titulum ia
manibus 223 shrief
172 SANT CECILIA
mit vorhten er an der erde lag.
do hvb in vf der alte man
vnd sprach 'dv solt dich wol gehaii.'
vnde do Valeriauus den brief gelas,
230 alsvs der shrieft betvtunge was
'ein got ein globe ein tof der gewere ist,
des vater svn von himel Jesv Crist,
der gesegnot ist iemer ewikUch
vf [47''] ertrich vnde in himehich.'
235 do Valerianus die shrift gelaz,
der alte herre vraget in aber fürbas
'globstv daz es also mvge sin
.aide zwivelt noch daz herze din?'
'ja, herre' sprach Valerianus
240 'ich globe daz es si alsus
daz enhein ander got si, wan got alleine in himelrich,
von dem Vrbanus hat geleret mich.'
vnde do Valerianus daz gesprach,
den alten herren er do nüme sach;
245 mit im aber redon do began
Vrbanus der gute man
von gotte vnd von cristenen globen.
er sprach, er wolti gerne der abgote verlogen
vnde nach sinem rate leben,
250 den toi" bat er im geben,
do Vrbanus erhörte daz,
wie enheine vnglobe an im was,
den heiligen tof gab er im ze[48*]haut
vnde leite im an ein shnewizes gewant
255 ze einem zeichen daz er were von allen snndeu reine
vnde hiez in gan zv sant Cecilivn wider hein.
mit vroden shiet Valerianus von dan,
wider hein er in sin huz kam.
vnde do er die kemenate vf tet,
260 do lag sant Cecilia an ir gebet;
228 Z2isanmiensclzu7}gen einfacher verba mit ge- sehr häufig.
IVeinh. § 298 (16J, — des alten rede in der quelle weitläuftiger 238
aide (vgl. fVeinh. § 317) scheint besonders in der Schweiz verwendet
worden zu sei?i. vgl. Kopp, Urkunden i bes. s. 19 /f 36/^ 63/f ?«w.
SANT CECILIA 173
der engel stvnt bi ir gar slione
vnde hatte in. ietweder hant von lylien vnde von rosen ein kröne,
von den giench ein also suzer smak
daz Valerianus da von gar sere ershrak
vnde och von des engeis gesiht. 265
do sprach er 'Valerianus, enfurhte dir niht,
wan dir got worden ist erkant,
davon het er iv dise zwo krönen [48''] gesant,
die svnt ir in sinem namen tragen
unde wil ich iv och daz beden sagen: 270
ist daz ir ivwer leben mit eine ander vertribent
daz ir rene vnde kvsche belibent,
so verlvrent die blumen nienier ir shmak,
ir varwe ist stete naht vnde tag
vnde mag si nieman gesehen wan ir. 275
ich kimde och, Valeriane, von gotte dir
daz dv von im einer bette solt begern,
swas daz ist des wil er dich gewern,
wan din herze so shiere was bereit,
do dir Cecilie seile von küshekeit,' " 280
des antwrte Valerianus balde do
dem engel vnde sprach also
'sit mich got einer bette wil gewern,
so wil ich vf ertrich niht anders begern
wan Mnbe Tyburtium den bruder min 285
daz im got [49'] sende die gnade sin
daz er och die abgote versmahe
vnde cristenen globen enphahe;
wan es were gar vnbrvderlich,
mehte ich im erwerben daz himmelrich 290
vnde lieze ich in denne werden verlorn,
die von einer miiter sint geborn.'
der engel in gar vrolich ansähe,
vil gütlich er zv im sprach
'Valeriane, wizist daz von mir 295
270 icli ßhll 290 ich mir? vgl. granun. iv 327. Rückert zum
Wälschen gast 12541. — ut fratrem meum Tiburtium sicut me liberale
dignetur et faciat nos ambos in sui nominis confessione perfectos
174 SANT CECILIA
daz din bette gölte lieber ist deniie dir,
wan es vrowet sich alles daz in himelrich
ist, swenne ein simder bekeret sich.
vnde sit dv anders niht liest begert,
300 so bistu der bette von gotte gewert,
vnde alse dv von Cecilien wortenn wrde bekeret
also wirt er och von iv beden geleret
daz er die ab[49'']g6tte versmahet
vnde den heiligen tof enphahet.
305 dar nach koment ir bede vrolich
mit grozer niarter in daz himelrich.'
vnde do der engel geredde daz,
vil shiere er do vor in verswnden was.
Valerianus vnde Cecilia
310 dv zwei bliben alleine da.
sü lobten got vmbe die gnade dv in was beshehen
daz SV den engel hatton gesehen
vnde vTTibe daz gut mere
daz er in seile daz er vmbe sinen bruder erhöret were.
315 do dis ergangen was alsus,
do kam sin bruder Tyburcius,
in die kemenaten er zu in gie,
Cecilivn er gutlich vmbe vie,
er tructe si zu im an sinen lip,
320 wan er wände si were sines bruder wib.
mit den ogen er [50'] vaste vmbe sähe,
alsus er zu in beden sprach
'o wannan kvment dirre suzen rosen smak?
es ist doch ein kalter wintertag.
325 min lip so suzes smakes nie bevant,
so ich doch rosen hatte in miner haut.'
des antvvrte im sin bruder do
Valerianus vnde sprach also
'daz du des suzen smakes so shiere enphunde,
330 des liet mich got gewert an dirre stunde,
308 in der quelle wird erzält wie der oigel wider in den tiimmel
zurückgekehrt sei i/tid was er dort getan 322 baden 324 hoc
tempore 7iach 326 confiteor vobis, ita suni refectus, ut putem me totum
subito renovatum
, SANT CECILIA 175
wiltu aber aa in globen,
so wirstv die blimien gebende mit dinen ogen,
von den der suze smak da gat.
vnser ieweders ein schapel \( sinem bopte hat,
von lylien vnde von rosen rot, 335
ein engel uns si mit siner hende bot,
der brahte sv von dem paradyse
vnde [50''] ist vf ertrich nie man so wise •
der die blumen kvnne geseben, wan wir,
ich wil ir betütunge och sagen dir: 340
es betütent die rosen rot
daz man dür got sol williklich liden den tot;
so betütet der wizen lyhen shin
daz der menshe an übe vnd an herzen kvshe sol sin.1
do Valerianus geredde daz, 345
Tiburcius gar sere ershroken was;
doch antwrte er gar vorhtekhch do
sinem brüder, er sprach also
'der redde ich dir nicht geantwrten kan,
ich wil si rehte für einen trome han.' 350
Valerianus begonde aber iehen
'wir sin vnz her in einem trome gelegen,
der trom ist aber nv benomen,
wan du warheit ist ze liebte komen.
ich wil dir in Ijrvderlicher triwe [51*] sagen 355
daz ich bewiset bin in kvrzen tagen,
die gotte, die wir haben geeret vil,
daz die sint alles des tyevels spil.
es ist enbein ander got vC ertrich,
wan der och gewere got ist in himelrich 36o
den die cristenlvte betont an,
des soltv enheinen zvvievel han.'
Tyburcius sprach 'bewise mich iias,
wer dich habe geleret daz.'
Valerianus sprach 'es hat geleret mich 365
gottes engel von himelrich.
334 V. 262 ielweder 340—347 fe/il( in der quelle 353 liuii
358 daemonia 3e3/'unde lioc nosti?
176 SANT CECILIA
vnde willil minv woit meinen
daz dv dich mit dem tofe lazest reinen
vnde wilt an got globen,
370 so mahtv den engel gesehen mit dinen ogen.'
Tyburcius sprach 'vnde kan daz l>eshehen
daz mich sich der engel laze sehen,
so wil ich mich lazen reinen;
doch mag ich niht [51''] von herzen meinen
375 daz ich die abgote laze varn,
die in aller der weite anbettont rieh vnde arme,
wan daz da heizet dv cristenheit:
da von sii och lident not vnde erbeit.'
des antwrte sant Cecilia gar wislich do
380 Tyburcio vnde sprach also
'owe lieber bruder min,
wie kan ein solich bilde din got gesin,
daz man von steine aide von holze machont,
es weinot noch enlachet;
385 swie im sint gemachot du ogen vnde der munt,
so ist im doch sehen vnde reden vnkvnt,
sine füze kvnnen niene gan,
die hende mvgen niht enphane,
sinü hder hant enheine kraft.
390 nv wil ich dir ein bishaft
geben : sihe an einen toten lip,
es si man [52"] aide wib,
swenne du sele k\Tnet hin,
so het er fürbas enheinen sin,
395 swie er doch habe ellii lider vnde dv ogen,
so ist es doch an alles logen
daz er mit den ogen mugen sehen,
aide mit dem mvnde klafen,
400 also sint och du abgot geshafeu.
du liest och wol geboret daz,
369 will fehlt 372 (•-/. §•;■. iv 630 380—422 miror ul non
intelligas, figuias fictiles, gypseas, ligneas, aereas atqiie lapidcas vel cuius-
cunique metalli deos esse non posse, quas araneae texunt et aves stercorant,
in quoium capitibus solent sibi ciconiae nidos construere. —
SANT CECILIA 177
wel böser Diensche Satvnuis was,
iuwer got \i ertlich an dem ir so veste sint,
der selbe gaz sinu eigenen kint;
Jovis, den ir och bettont an, 405
der was och ein verthichter man,
sin swester kvnde vor im niht genesen,
si muze och sin wib wesen,
Apollo vnde 3Iercurius, Jupiter vnde ander gotte,
der ir gar vil heint . . . 410
der ich aller niht nemmen wil.
ir hant och gottennau vil,
[52''] daz waren versmehte vrowen,
Juno vnde Diana, V'enus vnde Festa,
vnkushekeit sü nie verniilten. 415
nach.disen lüten sint iuwer gbtte gesniteu,
mit Silber aide mit golde vberzogen.
si tragent wol diebe nahles hin.
wie kan daz iemer komen in deheines menshen sin 420
daz er ein solich bilde bitet vmbe helfe vnde vrabe rat,
daz im selbe weder selde noch ere hat?'
des antwrte ir Tyburcius do
gar balde vnde sprach also
'of mine warheit ich des gihe: 425
swer des niht gelobet der ist ein vihe.'
Ceciha aber zv im sprach
do si sin geueigetes herze sah
'nv wil ich din ze mage veriehen,
wan ich geboret hau vnde gesehen 43O
[53'J daz (Iv gotlich minne
die abgot hat vertriben vs dinem sinne.'
sant Cecilia vil balde zv im giench,
gar gütlich si in vmbeviench
410 elwa zo spolo zu ergänzen, vgl. 1612 413 ist vrowan zu
schreiben oder unordtiung in der überlieferwig anzu?iehme7i ? 421 es
ein 423/7" lunc cum oimii alaciitate T. ait: qui ita iiou credit pecus est.
Pass. 634, 24/7" swer "iht der edeln wAiheit geloubet, als du spricliest hie,
der ist genzlich ein vie. fehlt bei Surius , in der leg. aiirea und bei
Hermann von Fritslar 428 = v. 99. 1142
178 SANT CECILIA ,
i
435 vnde sprach 'dv solt bi nvte lan,
du sülist beide mit dinein bruder gan
vnde dich reinen von dinen shulden
daz du mugist komen zu gottes hulden,
Avan swenne dir daz ist beschehen,
440 so mahtv engelshlichv antlvte gesehen.'
Tyburcius Valerianus an sähe,
vil giitUch er aber zu im sprach
'bruder min, ich beswere dich
daz dv mir sagest, war dv wellest füren mich.'
445 'bruder min, daz sage ich dir,
ich wil dich füren zv einem man, der het och den tof geben mir,
[öS"*] Vrbanus so ist er genant.
heiliger man wart mir nie erkant
an Worten noch an geberden,
450 sin genoz lebet niene vf der erde.'
des antwrte Tiburcius do
Valerianus vnde sprach also
'owe bruder, meinest dv den man,
den die cristenlüte für einen habest wen han?
455 io bore ich von dem selben sagen
daz er zwein malon si gevangen vnde geslagen
umbe cristen globen
vnde ist nu vil togen
mit vil grosen sorgen
460 bi den cristenen lüten verborgen.
wan swa er dem keiser wrde erkant,
in einem füre wrde er verbrant
vnde swie man uns bi im fünde,
nieman [54"] vns beshirmen kondi,
465 swie wol man uns erkennet,
wir wrdin mit im verbrennet,
vnde so wir wandin suchen got von himelrich,
so verlorin wir vnser iunges leben vf ertrich.'
des antwrte saut Cecilia balde do
470 Tyburcius vnde sprach also
434 SCaecilia osculata est pectus ejus 467 f et dum quaerimus
divinitatem in coelis latentem , incuriimus furorem in terris exurentem
SANT CECILIA 179
'bruder, werin wir niht gewiz
daz ein ander leben nacb disem were bezir denne dis,
so soltin wir mit allen vnseren listen
disen lip vf langes leben vristen.
so sigen wir von got sicher, 475
swenne der mensche mit rehte kvmet dar
daz er dvr got sol liden den tot,
so mag der lip wol liden hie eine kleine [54''] not;
swenne aber dem libe hie ein ende wirt geben,
so enphahet dii sele ein vil bezer leben.' 480
des antwrte Tyburcius
sant Ceciliun alsiis
'vnde ist ein ander leben nach disem libe,
daz horte ich nie gesagen von mannen noch von wiben.
ich wände swenne der mensche erstürbe 485
vnde der lip begraben ....
daz er niemer gewnne weder leit noch vrode me
vnde daz im were weder wol noch we.'
des antwrte sant Cecilia Tyburcio
gar balde vnde sprach also 490
'daz leben damit der mensche vf ertrich lebet,
daz den lip vf enthebet,
des nimestv selbe gute war
daz es ist vnsicher gar.
dem menschen mach vil lihte an den ogen [55*] geschehen 495
daz er furbas niht me kan gesehen,
gar lihte es sich och gefügen kan
daz er wirt an henden vnde an füzen lan
vnde so er di spise wil niezen vmbe des hungers not,
so mag er vil lihte daran gessen den tot, 500
vil dike ist och daz geshehen
daz man von wazer aide von füre tote lüt hat gesehen
vnde von meniger bände dinge
kvmet daz der mensche den lip vcrlnret gar geringe;
485—88 fehlen in der quelle 486 wurde ergänzt Greilh 495
die beispiele in der quelle: vila, quam humores tumidant, dolores exte-
nuant, ardores exsiccant, aeres morbidaut, escae inflant, ieiunia macerant
501 gesehen
180 SANT CECILIA
505 aber daz leben daz nach disem libe gat
iemer ewiklich daz bestat.
niemer me gewinnet er einhein leit,
an libe noch an sele enhein erbeit
swer hie mit gote sin leben vertribet
510 vnde steteklich an im belibet
dem git er an sele [55''] vnde an libe in himelrich
die vrode daz nie menshe wart so kvnsterich,
daz von den vroden kundi gesagen ze vollem werde
vnder allen lüten die ie gelebten vf der erde.
515 swer aber den tof niht enphahet swenne der mensche erstirbet,
dii sele dar ewiklich verdirbet:
vnde alse nie einhein mensche vf der erde
von dem himelrich konde gesagen ze vollem werde,
also wart och nie enhein mensche geborn,
520 der kondi gesagen von dien die da vershuldent gotes zorn
wie grose not sü gewinnet,
wan si ewikhch in der helle brinnet,'
do sant Cecilia geredde daz
Tyburcins vragete si aber forbas.
525 er sprach 'sage [56'] mir, Cecilia,
wer mach gesprechen daz er were da
der die vrode habe gesehen,
von der ich dich hie bore gehen,
aide wer hat ze der helle gesehen die grozen not,
530 der her wider sige komeu der e was tot?'
vnde do Tyburcins geredde daz,
sant Cecilia zu im nider sas,
si sprach 'briider, diu vrage gevallet mir von herzen wol,
vil gerne icli dich bewisen sol
535 wer der ist der da ze gegeni was.
nu merke wie sich fugete
der got, dem wir cristenen liite dienen mit vorhte,
daz ist der got der elli dinch geshuf mit einem worte
520 dien IFeinh. § 419 533—676 hat die quelle ganz anders
und ungleich weiiläufliger , indem zuerst die dreieinigkeit besprochen^
dann die Lebens- und leidensgeschichte Christi detailliert erzält wird,
noch stärker hat Snrius bOC-> ff das gespräch erweitert, im Passional
grösten teils aufgenommen 536 daz ergänzt Greith
SAINT CECILIA 181
vnde die erstvn creature geshut er in dem himelrich.
daz waren nun köre der engel, die wai'en alse [56''] wunneklich 540
daz sich eine vnder in gottc wolte geliehen.
davon er vnde die in sineni köre muzen entwichen,
wan got SU von dem himel in die helle treib.
da von der selbe köre lere bleib. ,
den kor wolte got orlullen wider 545
vnde geschvf Adam vnde Evam hie nider.
daz er den köre erfulti mit der mensheit
daz was dem tyevel also leit,
wan er von den vroden verstozen was,
vnde warf an den menshen sinen has. 550
mit sinem valshen rate er in gevie
vnde geschvf daz er gotes gebot vber gie.
davon er vershulte sinen zorn,
daz allen die von im wrden geborn
daz himelrich wart [57*] vor verspart 555
unz daz got selbe mensche wart.
do er sich wolte erbarmen
vber Adam vnde vns armen,
daz er der mensheit hülfe wider,
do neigete er sich von dem himel hernider 560
vnde wolte abe lazen sinen zorn.
von einer megede wart er geborn,
vf ertrich er alse ein ander mensche gie
an siinde die er nie begie.
gar verborgen was sin gotheit, 565
alse uns du heilige slirift seit,
unz er uf drizich iar kam.
do wart er getofet in dem Jordan.
sine gotlichun kraft er do sehen lie
an menigen zeichen dv er begie : 570
wazer machot er zc wine
(daz sahen die iunger sine),
blinden toben vnde lam
aide swaz siechen [57 ''J zv im kam,
die machot er gesunt mit einem worte. 575
554 alle 573 todeii
Z. f. D. A. neue fok-e IV. 13
182 SANT CECILIA
die tyefel hatton och zv im groze vorhte,
swa Sil waren, so er in wolte gebieten
es werin vrowen aide man,
580 so waren sii im gehorsam.
die toten hiez er vf stau.
wan sähe in vf dem mere gan.
die lange veitsiech waren gewesen,
der ist vil von im genesen,
585 vnde meniger hande zeichen von im geshach
dii vf ertrich nie menshe gesach.
dis was den luden also swere
daz Sil sprachen er were ein zoberere.
Sil shufen daz er wart gevangen
590 vnde geslagen an sinii wan gen;
er leit vil meniger hande not
vnde darnach den grimen tot.
dis [58*] tet er alles willeklich
wan er wize daz wol sicherlich
595 daz du meusheit iemer müze sin des tyevels gevangen,
er hette si denne erloset mit sinen banden.
er wart gevangen von rehter urbunst
vnde wart im in spotwiz ein phellor angeleit
600 daz er uns vazati mit dem ewigen kleit.
er wart och mit geselan vil sere geslagen
vnde muze selbe vf sinem ruggen daz cruce tragen.3
daz tet er vmbe die si'inde
die wider hatte getan alles menshelich künne.
605 an dem cruce leit er für vns vil grose not,
da mit uberwant er den ewigen tot.
da von verlor dv sunne vnde der mane ir liebten shin,
wan SU muzen [58''J von sinem tode trvrich sin.
daz ertrich wart sines todes wol gewar,
610 wan es ershule sich so gar
daz die steine zerspielten sich,
wan ir shepher von himelrich
600 vazati isl den helspielen bei Weinh. § 10 zuzufügen
SANT CECILIA 183
vnibe vnshvlde leit so grose not
vnde darzu den grimcn tot.
sines todes wart och du helle gewar, 615
wan sin heilige scle für mit gewalt dar
vnde lozle da alle die sinen willen hatton getan,
wan die wolte er niht nie in erlteiten lan.
des sie selbe gezuge waren:
wan die e lange in der erde begraben waren 620
die erstunden mit im an dem dritten tag
unde seiton von grosen klage
die si lange hat[59^]ten gehan,
vnde wie er zu in ze der helle kan,
do er an dem cruce erleit den tot, 625
vnde SV erlozte von aller not.
sin urstende ist ane alles logen,
wan in sahen man vnde vrowen mit ir ogen
vierzich tage nach siner urstende.
er bot in dar die situn vnde sine hende 630
vnde liez sv sines todes zeichen sehen
du im an dem cruce waren beshehen,
Avan etlich wolten sin urstende niht geloben:
du bervrtin denne sine wundan vnde sehin sü mit ir ogen.
vnde do er nach siner vrstende vierzich tage vf ertrich was, 635
vnde bi sinen lieben iungeren stvnt vnde saz,
er zeigete in (59''] vil menig gut werch.
an dem vierzegosten tag l'vrte er su vi" einen berch
vnde hies sü predion erislen globen
öffentlich vnde niht togen, 640
er hies sü och in alle die weit lollen
vnde die lüte in sinem namen tofen,
wan swie vil guter wercli tvnt die lute
du helfent si ane den lof zc nvte.
er gab inen sinen gewalt 645
daz SU tetin zeichen menigvalt,
wan swas von im vf ertrich zeichen wart gesehen
du sint och von den heiligen zwelfbotten geshehen,
viide swa man noch vindent ir genos
619 (uifser diesem rührenden reim noch vol : vol 927. 8
13*
184 SANT CECILIA
650 ilie tviit noch hvte zeichen gros.
vnde do er vil mit inen geredde,
do Seite er [60^] in daz er zit hette
daz er zv sinem vater wolti varn,
• die cristenheit soltin si hie wol liewarn.
655 do er du wort geret mit in,
vor ir angesiht fvr er in den himel hin;
daunan kvmet er an dem ivngesten tag
vnde het vf die vil grossen klage
die hie niht nach sinem willen wolten lehen;
660 du ewige helle wirt in ze teile geben
die er dem tyevel bereit hat,
vber Sil hilfet forbas einhein gebet.
die aber hie in sinem willen sint,
zu den sprichet er 'koment zv mir, minii gesegneten kint,
665 besizet mines vater rieh
vnde haut iemer vrode mit mir ewiklich.'
du vrode wirt da also grosse,
wan SV werdent [60''] da gottes genoz,
daz nie mensche geborn wart vf der erde
670 der von der vrode gesagen kondi ze vollem werde
ane got alleine, vnde wan er viis die vrode hat bereit
mit sinem tode vnde mit sin er erbeit
die er hie leit vf ertrich,
da von liden och wir so willeklich
675 den tot vnde swas uns arbeit mag angan,
wan er es e dvr vnsern willen het getan.'
vnde do D^cilia geredde daz,
Tyburcius also sere ershroken was
daz im erziteroten elli sinii lider.
6S0 für sinen brüder viel er nider
vf die erde vnde gewan vil grose riiwe.
er sprach ']}rüder, ich ermaue dich briiderlicher triwe
daz dv mich |6r] fürest zv Urbano dem guten man
der die liUe von ir svnden vereinen kan.
670 das hiei- besonders auf/allende enjambement, welches oft ähn-
lich vorkomml , gehört zu den zeichen besoiidever formlosigkeit und U)l-
hlarheil des denkens
SAM CECILIA 1S5
sit ich der bewiset bin 685
(daz e nie komen was in niineu sin)
von dem lebenne daz nach diseni libe gat,
daz ietweder ewige leit aide ewig vrode hat,
vnde globe och daz sicheilich
daz Ceciha niht sie so kvnsterich 690
daz si du wort von ir herzen erdenken kvnne,
wan daz si ein engel gesprochen het vzer ir munde.
ich sagen in och beden daz
das min hp niemer enphahet einhein mas
e daz ich vor Vrbano hge an der erde, 695
wan ich fiirhte daz mir dv stvnde ze kvrze werde.'
vnde do Tyburcivs geredde [61''] also,
Valerianns vnde Cecilia waren von herzen vro.
Valerianus uam Tyburcius an sine hant
vnde fürte in da er den guten Vrbanum vant. 700
si wrden von im gutlich enphangen.
do Seite im Valerianus wie es was ergangen.
Tyburcius viel für Vrbanum an die erde
vnde hat gar klagelich gelterde,
er bat im den heiligen tof geben ■ 705
vnde sprach, er wolti gerne nahe cristen gioben leben.
do der gut Vrbanus erhörte daz
wie gar vol sine herzerüwe was,
er hvbc uf die hende vnde lobte got von himclrich
daz Valerianus vnde Cecilia waren so gnadenrich 710
daz Sil got so gutlich hatte geret
vnde Tybur[62']cius Avas von inen bekeret.
darnach sprach er im vor cristen globcn
vnde toftc in do vor sines brüder ogen
nah rehte der heiligen cristenheit 715
vnde leite im do an ein wizes kleit
daz man da heiset den wcsterhiit,
als man noch den kindcn tiit.
vnde do er wart von sinen siindcn reine.
688 einwcdcr vgl. v. 262. 334 715//" vi l)aptizans eum sccum esse
piaecepit, quoad usqne albas dciKnicrct: (jik'ih porfoctiiiii doctriiia siia per
Septem dies, Christo niilitcin ciiuscnavit
186 SANT CECILIA
720 ilo gieiicli Valerianus wider heiii
viule Seite mit worten Cecilieu daz
mit wie groser riiwe sin hruder getofet was.
Tyburcius bi Vrbano bleip siben nabt,
die vertreib er lii im mit gebette viule mit aiidaht.
725 vnde do ein ende namen die siben nabt vnde der acbtot tag
was komen,
do wart im daz tofgewant abe [62''] genomen,
wart im ein ander wizes gewant angeleit
ze einem zeicben der niiwen cristenbeit.
von ^'rbano den segen er enpbie.
730 wider hein er zv sinem briuler gie.
vnde do er in daz bvs kam gegangen,
do wart er von sant CeciHen gar vrolich enpbangen
vnde von sinem bruder;
SV bliben da bi einander
735 vnde wart alse vollekomen ir drier leben
daz sich die engel sv ze allen ziten liezen sehen;
vnde swes ir herze von gote begert
des wrdeu sii von im gewert.
vil edelr megede wrden von sant Cecilien bekeret
740 vnde von Tybnrcio vnde Valeriano vil edeler iuugeliuge geleret
daz SV cristen gioben enphiengen.
zv saut Ur[63^]bano si'i denne giengen,
der tet in cristen gioben wol erkant
vnde tofte si'i denne mit siner hant.
745 vnde swaz armer cristener liite was,
den gaben si'i heinlich gewant vnde ir maz,
wan dii cristenbeit hatte vil grose not,
daz man ze Ronie liberal gebot:
sna man decheinen cristen menshen fvndi,
750 daz man im des lebennes niime gondi,
vnde swenne dencheine vmbe cristen gioben wrde erslagen,
daz in denne nieman solti begra])en.
vnde do daz gebot ze Ilomc beshaeb,
vil menigen marterer man da vnbegraben ligen sah,
755 wan daz Valerianus vnde Tylnircius
723 Weit 740 v. <\» T.
SAM CECILIA 187
SV trvgen iiahtes [63''J in ir huz
vnde begrvben si vil lieinlich,
die selan bevalen sü gote von hinielrich.
gar vlizeklich taten sv bede daz,
ir livs niht anders wan als ein kilkof was. 760
nv wil ich der rede ein ende geben.
von ir menigvaltigen guten leben
vnde wie menich zeichen got dvr ir willen tet
vmbe ir almvsen vnde vmbe ir gebet,
daz wrde ze sagenne gar ze vil, 765
wan ich iv hie nahe kvnden wil,
wie SU ZV der niarter kamen vrolich
vnde enphiengen von got von hinielrich
den Ion der in von im bereitet was.
nv horent wie sich fvgete daz. 770
es was do bi der selben zit,
alse uns [64'] dv shrift vrkvnde git,
ze Ronie gesezzet ein rihter
von Dyocletiano dem keiser,
Almachius was er genant. 775
swa er deheinen cristen menshen vant,
der mvze die marter vnde den tot liden
vnde darnah vnbegraben bliben,
nv fugete es sich do, als noch dike beshihet
swa man gvte lüte sihet, 780
daz die die hosen hazent sere
\nde versmahent och ir lere.
alsvs beschach och in der selben zit.
es giengen liue dvr ir hosen nit
ZV dem rihter Almachio 785
vnde seiton im daz Valeriano vnde sin brvder Tyburcio
nahtes die marteren hein trugin
vnde SV mit eran begrvbin.
im wart och tVrbas |64''| nie geseit,
daz SV armen cristen gebin spise vnde kleit 790
vnde ir phelegin alse ir selbes lip,
es were man aide wip.
772 shiif 781 eine ergünzjmg ivird kaum nötig sein. vgl. v. 932
188 SAM CECILIA
do im daz alles wart kvnt getan,
vil balde liiez er nach inen gan,
795 daz Sil soltin zu im komen
Milbe du mere dv er von in hatte vernomen.
vnde do sü die botshaft von dem riliter enphiengen,
gar vrolich sv do zv im giengen,
rehte als do ein keiser einen vromeden gast
800 geladot vf sinen palast.
vnde do der rihter sv ersach,
alsvs er zv in beden sprach
'ir herren, ich han vch darvmbe zv mir besant:
mir ist ein dinch von iv worden erkant
805 daz ivwern adel vnde iuwer [65"] ere
verswechet harte sere.
wan alle Romer hant vernomen
daz ir von hoher gehurt vnz her sint komen;
nv seit man daz ir heinlich sigent den eristenen luten,
810 die wir vmbe ir vngloben gar verniiten,
wan sü in allen romeshem rieh verholten sint
vnde sint och worden alle vngemint.
swa man deheiuen vinden kan,
der mvz sterben, es si wib aide man.
815 mir ist och von iv geseit,
ir gebeut in spise vnde kleit.
wan seit och von iv eine grose vnmaze,
ir gangent nahtes vs an die straze,
vnde die wir ertötet haben vmbe ir vngloben
820 die svchent ir nah[65'']tes vil togen
vnde werden gar erberlich von iu begraben,
swie oflenlich wir es verboten haben.
IQQ f l'ehlt in de?- quelle, überhattpt geben die nächsteyi fünfzig verse
eine misfUlirlicIiere darstellnng als die lat. erzäbing. dagegen fehlt in
der Unterredung zivischeu Ahn. u. Tib. dem gedichte ein gi'o/ses stück
der lat. quelle, in welchem sich der heilige, durch den richter gedrängt,
über die frage von quid esse videtur et noii est U7id quid iioii esse videlur
et est, das ist zeitliches und eiviges leben, ausspricht und überdies die
wichtigsten sätzc des Christenglaubens darlegt, bis ihn piaefectiis jussit
amoveri et applicari Va . dies stück ist bei Surius in isolier breite ge-
geben, in der legenda aurea etwas gekürzt, auch das Pass. hat es 636,
10 /f, bei Nenn. v. Fritstar aber fehlt es
SA^T CECILIA 189
ist daz war daz ist ein wnder groz
vnde ist dem glich daz ir sigent ir genoz.'
des antwrte Tyburcius 825
dem rihter vnde sprach alsvs
'von den dv seist daz wir sien ir genoz,
daz dvnhte vns von got ein gnade groz,
daz wir mehtin gesprechen mit rehte,
daz Avir kondin gesin iro knohte. 830
SV sint hie gar ivwer spot,
daz SV den tot lident vor got
vnde vf ertrich hant versmehtes leben.
darvmbe in got ze lone wil geben,
so er sich an iv wil rechen, S35
daz SV vrteilde über [66''] iv svn sprechen
vnde lip vnde sele verdampnon in den tot,
da niemer ende genimet inwer not.'
des antwrte der rihter Almachius
Tybiircio vnde sprach alsvs 840
'ich han von dineu worten enheinen zoru,
wan mich dvnket dv halfest dinen sin verlorn,
vnde swa disii rede wrde von dir geseit
wan spreche du retist es von einer topheit.'
des antwrte Tyburcius aber do 845
dem rihter vnde sprach also
'ich lian vil rechte sinne.
disu Wort lerent mich des ewigen gotes minne
den ich in minem herzen trage
850
dv wort din herze niht gemerken kan,
wan dv bist ein vihelicher man.'
do [66'*1 Tyburcius daz gesprach,
der rihter in gar spotlich ansach.
vor den lüten er sin spoten began 855
vnde liiez in dannan füren aise einen toben man.
für in wart gefvret sin brüder Valerianus.
ZV dem sprach der rihter alsns
823 ist (P wor 852 Pass. G36, h2f waml vor dir vcrlärget sich
die reclite wisheit zaller vrist
190 SAM CECILIA
'diu briider ist worden ein tvniber man,
860 sin rede ich niht gemerken kan,
mich dvnket er habe sine sinne verlorn.
nv wil ich es lazen ane zorn,
daz dv mir sagest die warheit,
ob es war si daz mir von dir ist geseit.'
865 des antwrte im Valerianus
vnde sprach
'min bruder het vil rehte sinne,
wan sin herze ist vol gotes minne;
dv bist ein sinueloser man,
870 ^van din [67'] herze niht gemerken kan
dii wort du dir ze uuzzen mehtin komen:
da von ist dir din rehter sin benomen.'
der rihter aber sprach
'so tobe hlte ich nie gesahe
875 als iu cristen lüte,
die weltlicher ere ahtont ze nvte
vnde für vrode minnont trvrekeit
vnde für edel gewant swachv kleit.
swaz dem libe ze vroden komen sol
880 da mit ist iv bi niite wol,
ir hant über iv selbe enheinen rvch,
iv ist ein lop alse ein flvch,
mit trurekeit vertribent ir iiiwer leben,
vnde swaz dem libe vf ertrich ze vrode ist geben
885 des ahtont ir ze mite:
da von het man iv fvr tobe lüte.'
des 167''] antwrte Valerianus aber do
dem rihter vnde sprach also
'rihter, ich wil dir sagen ein mere
890 des bishaft ist vil gewere.
ich gieng in eines winters zit
vber ein velt daz was vil wit.
da sach ich menigen armen man,
de bvton aker vnde wisan,
890 ff die ganze parabel ixt in der quelle ivenig schlagend, weil es
sich da um rosen und blumen handelt, höchstens tan melliflua poma
SANT CECILIA 191
in die wiiigarteii sii mist trugen, 895
daz ertrich si vnibe gruben,
die reban su vf banden,
vnde swaz si vnkrvtes funden
daz rvton si vz vil el^en,
si ahtoton niht weder vf wint nocb vf regen. 900
ir erbeit wagen su gar geringe,
Avan SU haton gvt gedinge,
swenne inen kerne daz nuwe,
daz Sil ir erbeit nibt geruwe,
SO SV daz [68'J körn vnde den win 905
ze bvse mit vroden brebtin in.
do kamen gegangen dert ber
li'ite die biezen miizeger,
wan sv erl)eit wolton lian bi nvte.
die spototon der armen Ivte 910
do sü an dem kalten weter stvnden
si spracben 'wes stant ir armen toren hie?
iuwers libes mahtont ir icb gevrowen nie,
daz ir an disen kalten weter stant 915
vnde nilit mit vns milzicb gant.
wie vertribent ir iuwer zit so iemerlicb,
ir soltent dem libe leben vrolich
die wil ir mebtint ban das ]el)en,
daz iv an dirre weite ist geben.' 920
also spototen sü der armen
vnde wolten sich nibt vber sv [68''] erbarmen,
ir erbeit sii nieman geniezen lie.
nv merke, wie es dar nach ergie:
do dii sumerzit kam, 925
du friiht vf dem velde zilcn l)egan,
die bome wvhsen ohses vol
vnde die reban stvnden mit trvban vol,
daz körn begonde rifen,
wan begonde es in den ehern grifen, 930
die wisan wrden abe gemet
916 saii
192 SAM CECILIA
vnde die die akor haton se&et ^
an dem regen vnde an dem winde, \
die giengen vz mit ir gesinde
935 vnde shniton ir körn abe vnde ir win
vnde fvrton es mit vroden in,
ir obs vnde swaz sv liaton gesät,
vnde gewnnen do vil guten rat.
SV gi[69']engen heim vnder ir lach
940 vnde haton da vil gut gemach.
do daz die muzeger sahen,
' die in e da toren iahen,
daz sü rieh waren in dem nüwen,
sü begonde ir muzekeit vil sere ruwen,
945 daz SV tag vnde naht wolten mvzich gan
vnde enheine erbeit wolten han.
SV begondon sich selber klagon do
vnde sprachen zv ein anderen also
'owe dis sint die armen,
950 vber die wir vns niht wolton erbarmen,
do wir sü vaste erbeiten sahen
vnde wir in do toren iahen.
nv ist in nv ze nvzze komen ir erbeit,
so muzen wir han iamer vnde leit;
955 daz wir do niht wol[69'']ten vmbe gut werben,
da von muzen wir verderben.
wir wolten sv versmahen
vnde swa wir ir deheinen sahen
so spototen wir ir armut.
960 s\vas si taten daz dvnhte uns ze nvte gut.
nv sint sv uns worden vngelich,
wir sin arme so sint si rieh.
nv sehen wir wo! mit den ogen,
daz sv die wisen waren vnd wir die toben,
965 wan SU niht nuizich sint gegangen;
da von haut sü grosen Ion enphangen.'
der rihter sprach 'waz gat mich des an?
des ich vragcn dich Ix.'gan,
des hestu enheine antVvrte mir geben,
970 wie sich [70*] habe gefüget iuwer tobes leben.'
SANT CECILIA 193
Valerianus sprach 'daz mcre hau ich dir geseit
viide allen den die da spotent der cristenlieit.
des meres betütunge sagen ich dir:
die armen liite daz sien Avir.
alle die da cristen gioben tragent 975
vnde an gole niht verzagent,
die sint hie gar iuwer spot.
daz SV ir gut gebeut willcklich dur got
vnde swaches gewant iVr gvtes tragent
vnde die marterer begrabent, 980
daz SV trvrekeit ivr vrode minnot
vnde niemer gute zit gewinnet,
da von hant si von in vil grozen nyt.
so wizen sü wol daz es nv ist [70''] du zit,
die wile der mensche mach daz leben han, 935
daz er niemer sol muzich gan.
wan so dem menshen entwichet du zit,
nieman im si dar nach wider git.
wan swaz der menshe mit trvrekeit vnde mit iamer seiget,
mit vroden er daz shnidet vnde meit. 990
swenne dem libe wirt ein ende geben,
so enphahet du sele ein ewich leben
vnde so ir mvzeger daz denne sehent,
ZV ein anderen ir denne sprechenl:
owe dis sint arme cristen lute, 995
der wir ahtoton ze nute
do sü arbeit haton
vnde versmaheton su vnde spototon
ir armvt so wir muzich giengen,
gar [IV] vnwertlich wir sü enphiengen. lOoo
nv hant sv die ewigvn vrode besezen,
so ist vnser ze allem gut vergezen;
wir müzen iemer han trurekeil,
so gesehent ir ogen niemer leit.'
des antwrte der riliter aber do 1005
971//' die direcle amoendting der parahd auf die Christen fehlt in
de}' quelle 994 icliciit? Greith vor 1005 hat die quelle nach, einer
dispulalion über die bedeutung der priiicipcs, die von l'al, lioinuacioiies
194 SAM CECILIA
Valeriano vnde sprach also
'ir cristen kviiuet rede vil.
diner tegdinge ich nvme hören Avil,
Avan tv nach minem gehot
1010 vnde opher Jovis dem hohen got.'
Valerianus sprach 'des beshihet niht.
Jovis din got Avas ein hose Aviht,
er Avas vor allen menshen vnreine
von morde vnde von meine
1015 von liegen vnde von triegen —
daz Avil ich mit iuweren buchen bcAveren.'
do Valerianus ge[71'']redde daz,
der rihter gar sere erzvrnet was
daz er sinen got hatte besholten.
1020 er sprach 'daz miiz dir Averden vergolten.'
sinen knehten er gebot
daz man in sliige vnz vf den tot.
grose steken AA'rdeu dar getragen
vnde Avart aiiz vf den tot geslagen
1025 daz im daz vleische von dem gebeine brach.
in sinen erbeiten er also sprach
'Jesus, lieber herre min,
ich loben den namen din
daz dv mich miner begirde best gcAvert,
1030 des ich dike von dir han begert,
daz ich dur din Avillen lide erbeit vnde not
vnde darzv den bitern tot.'
vnde do der rihter daz erhörte
Avie lüzel er die siege vorhte
1035 vnde Avie er [72"] got lobte in siner not,
sinen knehten er gebot
daz SV in vnde sinen l>ruder nemin
vnde sü in ein kerker sliizin,
genannt werden, eine große erörlening über die geivallen Jupiters und
des Christengottes 1014 ntoiti swcni erg. Greith. vielleic/it besteht auch
hier der reim nur in der gleich heit der flexionen 1022 fiistibus
cacdi. hier ist die quelle stark gekürzt worden 1033 — 1040
fehlen in der quelle
SAM CECILIA 195
vnz daz ein rat wrde geben,
mit weler niarter er in benenie daz leben. 1040
vnde do der rihter gebot daz,
ein böser ratgebe nach bi im saz,
gebeizen was er Tranquillinus,
der stvnt ^1' vnde sprach alsvs
Mierre rihter, es ist niht wol getan 1045
daz ir si deheine vrist lant han,
Avan SAvie ir deheine vrist gebeut,
alles ir giit si'i denne nement
vnde gebent es der cristenheit:
daz ist ir gewonheit. 1050
vnde so ir es nach ir tode Avent vinden,
so ist es worden armen liiten vnde ir [72'] kinden.'
do der rat was geben,
der rihter sprach 'daz sol beshehen.'
ein vrteile galt er vnde alsvs 1055
'wan sol SU tVren zv dem abgothiis
vnde wen si im niht bringen daz opher,
so sol man sii enthobten mit einander.'
vnde do der rihter geredde daz,
sin gesinde vil shiere bereitet was. 1060
Sil fvrton SV hin nach siuem geböte
gegen dem tempel zv dem abgot.
vnde do man sii fürte von dem ribthus,
do rvfter der rihter einen, der hiez Maximus.
er hiez in gan mit innen dar 1065
daz er selbe neme war,
ob SV dem gote woltin opheron,
so solti er gewalt han
daz er su ledig lieze
vnde in alles ir [73'] gvt wider geben bieze. 1070
woltin su aber niht opheron dem got,
1056 iit all eis ducerentiir ad agriim Paguiii, iibi erat statua Jovis
1064 .MaxiiiKi iiiniiculaiiii prat'fi'cti. bei Suvius cubitularius. Pass. 638,
46: tili ritler, .Maxiinns fjrt'iiant. Henn. v. Fi-itslar 24'>, 36: M. der voil
de), si bevolheii wurden in deine kerkere, ebenso leg. aar. \v^A\m\.m'v^\[\\r
sancti in custodiam .Maximi 1070 hiez
196 SANT CECILIA
so solti man sv euthobten nach sineni gebot.
Maximus des do niht enliez,
er let daz in der rihter hiez.
1075 er begonde sere dingen
daz er sv von ir globen mehte bringen.
vnde do Maximus mit in gie,
alsvs er redon an vie
'owe wimneklichv edelü iugent,
1080 du noch menich iar mehte leben mit gvter mugende,
wer hat iv disen bösen rat geben
daz ir dvr iuweren mutwillen went verUeren iuwer leben?
sehent au iuweren iungen lip
10S5 an iuwer frvnde vnde an iuwer gut
vnde kerent wider iuweren mvt.
[TS"*] wie sint ir worden so torhaft,
daz ir gant zv dem tode alse ze einer wirtshaft
mit vroden vnde mit lachendem munde,
1090 so ir hie sehent weinon alle iuwer kvude.
warvmbe ist iu lip vnde gut geben,
wan daz ir soltint vrolich vnz an ivwer ende leb^n?'
des antwrte Tyburcius
Maximo vnde sprach alsus
1095 '0 Maxime, ich wil dir sagen,
es were billich daz man vnser libe solti klagen,
werin wir des niht gewiz
daz wir ein liezer leben fundin denne dis.
wan swenne der totslag an iins wirt begangen,
1100 so werden wir in ein ewich leben [74'] euphangeu
daz disem lebenne ist vnglich
daz der menshe hie hat vf ertrich.'
^laximus do aber sprach
'so tobe lüte ich nie gesach,
1105 daz ir wenent daz ir werdent wider lebende
vnd<* iu selber den trost gebeut.
1083 sohent a. i. iugen 1. 1088 writshaft — ad iiiteritum vestrum
quasi ad epulas festiaatis 1093 das gespräch zivische?i Tib. Fal. tind
Max. wird in der quelle in anderer Ordnung geführt
SANT CECILIA 197
ich sol noch den ersten sehen,
der von warheit mehte iehen
daz er wider lebende were worden,
der hie was erstorben.' lUO
Valerianus antvvrte fvrbas,
er sprach 'Maxime, dv soll wizen daz,
als daz gewant bekleidet den lip,
es si man aide wip,
also sol och dir sin erkant 1115
daz der lip ist der sele gewant.
vnde alse der lip nakent blibent,
swenne man im daz gewant [74''J ab gezvhet,
ze glicher wis der sele beshihet,
swenne mau den lip toten sihet. 1120
doch wisist daz du sele niemer erstirbet.
wan swie der lip hie vf ertrich wifbet,
hat er gutü werch begangen,
so wirt du sele in daz himelrich emphangen.
da lebet si iemer ewiklich, 1125
wan ez w^art nie mensbe so kvnsterich,
daz mit herzen aide mit munde
von den vroden volleklich gesagen kvndi.
vnde swie aber der menshe hie also ^virbet
daz er ane gutu werch erstirbet, 1130
so enphahet dv sele einen flvch
daz got vber in niemer gewinnet einheine rvch
vnde ZV der ewigen helle sendent
da ir arbeit niemer [75"] volendot.'
Maximus davon vil sere ershrach. 1135
owe, ich gelebti gerne den lag
daz ich mehte dis kurze leben
vmbe die ewigvn vrode geben,
wer daz ich mehte sicher sin
diiz war were du rede diu.' 1140
Valerianus aber zu im sprach,
do er sin genegetes herze sach
'ich wil dir geben eine gute Sicherheit
1107 selieiit 1124 ciiipliangen fehlt 1132 in] si?
Z. f. D. A. neue M-st IV. 14
198 SAM CECILIA
(laz ich dir han geseit die warhoit.
1145 dv solt des bi nute lan,
dn svlist selbe ze gegeni stan,
so du marter sol an vns besheben.
so lat dich got mit dinen ogen sehen
daz unser seien vrolich
1150 die engel fiirent in daz himelrich.
doch must dv got e von herzen meinen
vnde dich [TS""] lazen von dinen siinden reinen.'
Maximus sprach 'wer mag daz sin,
der mich reine von den sunden min,
1155 daz ich iuwer selan muge gesehen?'
Valerianus begonde aber zu im sprechen
'ich han erdaht einen list.
da gewinne uns disen tag eine Vrist,
wir wen darnnlie der marter entrinnen,
1160 so wil ich die liite zv dir bringen,
die dich von dinen sünden künnen gereinen,
wiltu got von herzen meinen.'
ein vrist gewan in do Maximus
unde fvrte si bede in sin huz.
1165 Maximus zu inen saz
vnde alles daz in sinem huse was,
si horten daz gotes wort von in
vnde gab in got so guten sin
daz Maximus mit si[76'']nem hvsgesinde wart bekeret
1170 vnde cristen globe vollekhch geleret.
vnde do der tag ein ende nam,
sant Ceciha des nahtes gegangen kam,
si brahte mit ir priester dar.
do wrden sü getofet gar,
1175 Maximus vnde alles sin gesinde
mit wibe vnde mit kinde.
die naht su da bi einander bliben,
mit gütlicher rede si wart vertriben.
von dem abende vnz an des tages zil
1180 wart da nilit geslafen vil.
1156 ielieii? Greilh
SAM CECILIA 199
vnde do frv der morgenrot vfbrach,
sant Cecilia stvnt für si bede vnde sprach
'eya, gotes riter von himclrich,
stant vf in gottes namen frolich,
werfent [76''] von iv diu werchder vinstrun naht 1185
vn(Je wefennet iich mit ganzer mäht
mit des ewigen lichtes kleit
vnde enphahent die kröne die iv ist bereit.
ir hant ervohten der weite strit,
der vigent vnder iuweren füzen lit. 1190
vergiezent iiiwer reines blüt
vrolich vmbe daz ewig gut,
daz da niemer zergat
vliehent der weite trurekeit 1195
an die stat da ir niemer sehent einhein leit.'
vnde do sant Cecilia geredde also,
SU shieden von ein ander do.
sant Cecilia gienk wider dannan si was komen,
Valerianus vnde Tyburcius wrden bede genomen, 1200
wan fürte su hein zu dem abgote [77"] hus.
mit in gienk och Maximus.
vnde do sü in daz tempel giengen,
des abgotes ewarten sü enphiengen.
do SU gehorten warvnibe si'i dar waren komen, 1205
sü wolten daz si wirocli vnde opher hetin genomen
vnde den al)goten hetin braht.
do in daz erst wart zugedaht,
do sprach Valerianus vnde Tyburcius:
1210
wir wen uns dem ze opher geben,
von dem wir vf ertrich gehebt haben unser leben,
der sich selbe für vns ze opher bot.
do er dur uns leit den tot,
wir kvnnen im bezers niht geben, 1215
1183 da luilitts Christi 1184 stände 1189 strili WQO ff fehlen
in der quelle 1201 m der quelle genaue lokalangaben 1210 — 26,
1228—42 feltlen in der quelle
W
200 SAM CECILIA
deiine misern lip vnde vnser leben:
daz wellen wir im ze opher bringen,
wan [TT**] wir wellen des wol gedingen
daz es im von uns si werel,
1220 wan er och des todes diir uns hatte begert.'
vnde do Valerianus geredde alsus
vude sin brvder Tyburcius,
do was der weibel balde bereit
vnde zoh in beden ab ir kleit
1225 vnde enthobtet die lieben gebruder
bede mit einander.
vnde do der totslag da beshach,
do shrei Maximus vnde sprach
'owe daz ich ie geliorn wart,
1230 daz ich so lange hau gespart
daz ich cristen geloben niht enphie
vnde so lange in der tumpheit gie!
wan daz ich wolte globen nie,
des bin ich bewiset hie,
1235 daz du sele habe nach des libes tot
[78'] ewige vrode aide ewige not.
ich wil einhein zwivel han,
wir sülin mit libe vnd mit sele erstan.'
do Maximus geredde daz,
1240 die lüte vrageton in furbas,
wa von er du wort heti geiehen
aide waz er da heti gesehen.
do veriahe er den liiten offenlich
vnde sprach 'ich sach die engel von himelrich,
1245 die waren shoner denne du sunne
vnde me denne ieman gesagen kunne.
daz gewant daz ich sii sach antragen,
von dem kau ich ze vollem werde niht gesagen.
sü kamen an der stunde,
1250 do ir selan shieden von ir munde
unilc enplii<'ug('n die seien, die waren so klar,
daz ich |78''J daz wol mach gesprechen furwar,
1224 kiel 1236 habe e. vr.
SAINT CECILIA 201
alse reinii liiteru iiingil kint,
daz wol gezierte mcgcde sint.
SV enphiengeii sü in ir hcnde bloz 1255
vnde was ir vrode mit in so groz
das ich es volleklich nilit kan gesagen.'
dis Seite er mit menigen heizen trehen.
do Maximus geredde daz,
vil beiden da ze gegeni was, 1260
die euphiengen alle cristen globen,
do er Seite waz er sah mit sinen ogen.
vnde dar nach do dis ergie
vnde dii himelsche vrode die selan enphie,
sant Cecilia gegangen kan 1265
dis nahtes vnde brahte mit ir priester vnde gute man.
si na[79^]men die heiligen marterer,
Valerianum vnde sinen bruder, ,
vnde begruben si mit vrolichem mute
vf sant Cecihen eigen gute 1270
vnde begiengen da ir marter alle die naht
mit gebete vnde mit andaht.
nv fugte es sich in denselben tagen
daz Almachius der rihter horte sagen,
wie Maximus offenlich bette veriehen 1275
daz er ir selan hatte gesehen
mit sinen liplichen ogen,
vnde daz er och enphangen bette cristen globen.
sine boten santc er dar
das SU der warbeit nemin war. 1280
die boten taten balde das.
SU iVnden in getofet vnde swer in sinem huze was.
vnde [79'] da sü dem rihter des veriahen,
vil balde Ines er in vahen
Maximum den getriwen man 1285
vnde hies in slahen mit bliginen geselan.
daz vleische wart im von dem libe gezart
biz daz <lii sele t(ote bevoln wart.
1257 veriehen? vgl. 1275. l>. 1363. 4. 1567. 8 1261 eniphienge
1270 gCite von Greltk ergänzt 1286 iussit cum tamdiu plinnbatis caedi
202 SANT CECILIA
dar nach iu der nehstun naht
1290 sant Cecilia hatte vil gut aht,
wa der heiUge marterer lag.
do ein ende nam der tag
vnde dii naht hatte anegevangen,
do kam sant CeciUa gegangen,
1295 do ir nieman ahtote ze nute,
vnde l)raht mit ir gute hite.
sü namen den heiUgen marterer
vnde begruben in bi Valeri?nus vnde bi siuem bruder.
sant CeciHa [80^] des do niht enüez,
1300 einen sarch si im bereiten hies
unde erdahte do einen list.
ein vogel ein Fenix geheizen ist,
des bilde hiez si an dem sarch \vrkeu
zu einem zeichen
1305 wan der vogel het die natvre
daz er sich selbuu verbrennet in einem füre
vnde kvmet denne von sinem bulver wider
daz er gewinnet gevider vnde sini'i lider.
vnde von den selben sachen
1310 hiez in sant Cecilia an den sarg machon,
Avan Maximus des niht globen wolle
daz er von dem tode erstan solte,
e daz er die selan sach
vnde do der gewervu vrstende verlach.
1315 nv were noch [80*"] hie ze sagenue gut,
waz got dur ir willen zeichen tut,
die alle Romer wol wizen vnde daz laut,
wan sii sint in dike worden erkant.
von riehen vnde von armen,
1320 über die su sich wol kondon erbarmen,
swer ir helfe da ])egert,
der wirt ir von gote schiere gewert.
IUI wilich in fürbaz tun erkant
1289 nähr 1293 aiic fehlt 1304/f ad indiciuni fidei ejus, qui,
lesiinectiiiiioni sc iiivciitnniin, phoenicis oxomplu, ex toto corpore suscepit.
— hier lafsen die Bollaiidisien die legende abbrechen 1323 /f der
Ifang der erzähmg von Cäcilien ?narler bei Surins stifrimt im ganzen
SANT CECILIA 203
von der megede, du dise marterer ze himel hat gesant
vnde got och mcuige sele gewan. 1325
nu horent we\ heiUch ende si nam.
do Almachius der velsche rihter
ertodet hatte die heiligen marterer,
er weite ir l)eder gut hesezen han,
swaz Valerianus [SV] vnde Tyburcius hatten Verlan. 1330
sine ratgeben zu im sprachen
daz er sant Cecihen hieze vahen,
si were Valerianus vro^AC gewesen,
vnde daz er si och bi mite lieze genesen
vnde daz er an si hette ze worte cristen globen; 1335
wmi daz were an alles logen,
si hette si bede bekeret
vnde cristen globen geleret.
des rates was der rihter vro.
sine knehte hiez er Ijalde du 1340
daz man si vienge vnde si fiirti für den abgot,
ob si wolti behalten sin gebot;
vnde ob si des niht tiin wolti,
daz man si denne ze gerihte füren solti.
vnde do man in der stat erhörte daz, 1345
wie [SI'] sant Cecilia vmbe cristen globen gevangen was,
SU kamen gelofen arme vnde rieh
vnde sprachen zu ir gemeinlich
'o Cecilia, edel wib,
warvmbe willu verlieren dineii iungen lip? 1350
sih an <line t'ninde vnde an diu ere
vnde kere dich von dirre toben lere.
es tut dir einhein not
daz dv willeklich will liden den tot,
des sich alle dinc fri'inde müzcn shamen, 1355
daz dv dich last toten vmbe cristen namen.
die gote die alle diu l'n'inde vnz bei- haut gehebt
vnde in ir willen sint gelcbl,
mil dem ^ediehie, fiiir siipra pctrüin s/eigl sie erst nach der großen rede
als sie fragt cicditis ca (iiiai' dixi vol»is? 1331 iälieii? Greilh 1341
vgl. zu i>, 127
204 SAxM CECILIA
war vmbe versmahestv der gebot
1360 vnde kerest dich an [82"] ein anderen got?
edelü vrowe, kere wider dinen mvt
vnde lebe wol vnde habe ere vnde gut.
nv mahtv daz wol selbe sehen
das wir lazen dur dinen willen menigen trehen
1365 vnde grozer erbermede die wir vber dich han
bedii vrowan vnde man.'
do sant Cecilia erhörte daz,
wie grozer iamer von den lüten vber si was,
si stvnt enbor vf einen grozen stein
1370 vnde sprach zv den lüten allen gemein
'ir lieben Romer, bedü vrowen vnde man,
ir svnt vber mich enheine klage han.
ich enwil niht verlieren min ivnges leben,
wan daz ich es [S2''] wil vmbe ein besers geben.
1375 ich wil ein ewich leben kofen
mit disem daz doch müs zerlofen,
ich wil ein hvs geben daz ist gemachot mit horwe
MTibe eines daz ist gemachot mit silber vnde mit golde,
ich wil einen dorren aker geben vnde einen bösen
1380 vmbe einen der ist gezieret mit lylien vnde mit rosen,
ich wil einen swachen stein den man hie zertritet
geben vmbe einen den von edeli nieman kan vergelten
mit allem dem gut daz \f ertrich ist,
ich meine minen herren Jesv Crist.
1385 nv merkent iiirbas, lieben li'ite:
ob ein rieh kofman ke[83^]me gegangen hüte
vnde der in dirre stat hieze shrien,
swer im brehte phenninge kupherin aide bligin,
daz er die gerne von im woUi nemen
1390 vnde im alse manigen gvldin wider wolti geben,
der wehsei geviele in allen wol,
wan das bezer nieman versprechen sol.
alsvs ist mir och ze mute.
ich wil daz hose geben vmbe daz gute,
1395 ich wil einen kot mit disem libe hebelten,
1365 halten 1394 giit
SANT CECILIA 205
den elli disi'i Avelt mit ir gut vnde mit ir kreften
niemer vergelten kan,
da han ich enheinen zwivel an.
da von erbarment vch über iu selber vnde vber iuwer [83''] kint,
wan ir des ewigen todes eigen sint, 140Ö
iu ist offen der helle grvnt.
vnde alse ein starche Avint an einen bon kvnt,
der vol zitiges obses stat,
vnde da vf niht bliben lat,
also tut och iu der tot, 1405
er sendent iu zu der ewigen not.
imver vorderen nement iuwer alle tag war,
wenne ir koment zu in dar.
davon rate ich iu
an guter triuwe 14io
wan ir so lange iuwer shepher haut übersehen
vnde so böser lüte ze goten hant veriehen,
die vf ertrich lebton so böslich
daz do an bosheit nieman was ir glich.
swie wol ir bilde nach in gezieret sint, 1415
so sint sü doch des ewigen todes kint
[84'] vnde alle die sü ze gote hant erkorn
die sint ewiklich mit in verlorn.
wie ist ein menshe so berlich ertoret,
der von ir hosen leben sagen boret, 1420
nach den man disü bilde geshniten sihet,
daz er ir iemer ze goten vergihct!"
vnde do sant Cecilia du wort hatte für geleit
vnde me denne ich hie habe geseit,
do shrei daz volk gemeinlich 1425
'wir gioben an got von himelriche,
von dem dv uns hie hast geseit
vnde der sine grozen wisheit
so volleklich an dich het geleit.
vnde do sant Cecilia daz veruam
daz got da lobton vrowan vnde man
vnde sines namcn |S4''] veriahen so offenlich,
si sprach zv in allen gemeinlich
1430
206 SAM CECILIA
1435 'went ir der eAvigen vrode begern,
so bittent den rihter einer bete mich gewern
daz er miuer niarter gel)e eine vrist.
vnde wil daz tun vmbe einen list
daz ir in min hus koment elli noch hüte.
1440 da wil ich zu in fvren gute lute,
die iu von allen sünden reinen,
went ir got von herzen meinen.'
die lüte taten gerne das,
si giengen da der rihter was,
1445 SV baten der megede ein vrist geben
daz er si langer lieze leiten.
der rihter was der bet vro,
er gab ir eine vrist do,
Avan er begonde gedenken
1450 daz si au cristene globen wolti [85*] weuken.
vnde do sant Cecilia erhörte das
daz ir ein vrist gewunen was,
in ir hvs si wider kam
vnde besaut heinlich Vrbanum den guten man.
1455 vnde alle die der abgote wolton verlogen,
den prediot er cristen globen,
vil selan er da gote gewan,
er tofte me denne vierhvndert vrowan vnde man.
vnde in derselben heiligen schar
14G0 kam och ein hoher mau zv dem hofe dar,
Gordianus was er genant,
ein bvrger von Rome wol erkant.
do der enpliie den heiligen toi",
do leit er an ein heinlichen kot'
14G5 mit sant Cecilien vnde mit Vrbano
vnde sprach zv in bei[85'']deu also
'ich wil sprechen, ich liabe dis hvs kol'et,
wan so menich menshe hie iune ist getofet,
vn(l(! wil daz tiin %mbe einen list,
1470 wan och der heilige tot hie iune gesegnot ist,
daz es der rihter in sine gewalt iht zihe
1436 rilitrr ft-kU 1458 die zul üt in allen darstelliifige?i dieselbe
SANT CECILIA 207
vnde es bösen lülen lihe,
von den bosi dinch hie inne melitin geschehen.
da von wil ich es otrenhcli sprechen.'
der rat geviel sant Cecilien wol vnde dem heiUgen Vrbano U75
vnde allen den die da waren do.
vnde do Gordianus den kof getet oll'eubar,
do giench alle naht sant Vrbano dar
vnde alle die cristen globen haton enphangen,
die kamen och in das [86'] hvs gegangen. 1480
da tet er in cristen globen wol erkant
vnde gab in den heiligen vron lichamen mit siner hant.
vnde swenne frv der tag vf brach,
so giench iegehch mensche wider liein an sin gemach.
nv wart sin lere also breit 1485
daz gar sere sich begonde meron die cristenheit,
wan die vngloubigen beiden
begonden sich ze gute von siner lere neigen
vnde sich vnder cristen globen binden,
SU toften sich mit wibe vnde mit kinden. 1490
kristen lute giengin da vs vnde in,
alse ie ein kilche da were gesin.
der toi da alle tage was bereit,
vnde |86''J swer wolte komen zv der cristenheit,
iler wart gar vrolich enphangen 1495
von vrowen vnde mannen.
nv lugete es sich in denselben lagen
das Almachius der riliter horte sagen,
wie es in dem livse was gevarn,
daz man vnde vrowen, rieh vnde arme 1500
in daz hvs hetin ein lot
vnde were da inne gesegnot ein toi'
nach cristenL'in rehte
vnde tofte man da die li'ile alle neble;
es were och vil von der heidenshall ze gote gegangen, 1505
von vrowan vnde von mannen,
vnde betin enphangen cristen lere.
er wart da von erzürnet gar sere,
1474 iehfii? Grell h 1476 do fehll 1486 daz] da
208 SAM CECILIA
wan er wände si heti damnbe ein vrist [87*] genomen
1510 daz si wider zv der heidenshafte wolti konien.
er besanienot allen sinen rat,
was er solti tvn vber die selben getat.
do riet im alle sin rat gemeinlicb,
daz er besanti sant Cecilien für sich
1515 vnde si ATagen, weler bände globen si bette;
vnde swie si denne von cristenem globen reddi,
so solti er si vmbe cristen globen ansprecben:
so getorsti si einbeine ir frvnt gereeben,
wan si were so wol erborn
1520 daz er miize fnrhten ir friinde zorn.
do si dem rihter gerieten
daz, er liies ir mornvnt frv ze gerillte gebieten,
wan der rat geviel im [ST""] vil wol.
daz ribtebvs wart do lute vol.
1525 sant Cecilia wart vil balde besant.
do segnot si sich mit ir heiliger bant,
si beval sich in gotes gewalt.
alsvs wart si für gerillte gestalt.
vnde do si der rihter ansähe,
1530 gar gntlicb er zu ir sprach
'Cecilia, ich ban dich damnbe besant
daz dv lugest mir erkant,
wie dv vnz her siest komen,
daz bette ich gerne von dir vernomen.'
1535 des antwrte sant Cecilia do
dem richter vnde sprach also
'ich bin vnz her vri vnde edel gesin,
daz erzilge ich mit den friinden min.'
der rihter sprach 'ich habe dich nibt vm[88']be din edelkeit besant,
1540 wan daz ist mir selbe avoI erkant,
ich vragen dicli welen got dv vnz her habest gehebt
vnde wie dv in ir Avillen sigest gelebt.'
sant Cecilia spracb 'diu vrage het ein bösen anvank
daz es ie kam in din gedank
1545 daz ibt nie were denne ein got,
dem sol man och allein«' boballen sin gebot.'
der rihler sprach 'welen besin dir denne vzerkorn.
SAM CECILIA 209
(laz es die andern lant ane zorn?
ist CS Jovis aide Mecurius,
Jvpiter aide Satunius?' 1550
sant Cecilia sprach 'die mir da nemmet din mvnt,
die sint alle in der helle grvnt,
waii do SV lebten [8S''] vf ertricli,
do was an bosheit nieman ir glich.
vnde s^vie vnwiidich dv mines gotes namen ze horenne bist, 1555
so wil ich in doch nenien: es ist min herre Jesv Crist,
der geschaffen hat himel vnde ertrich
vnde dar nach zv der megede kam ,
die er im selben hate vz erkorn,
daz er gewere got vnde gewere menshe von ir wolle werden geborn. 15G0
vnde darnach erlozte er alle die mensheit
mit dem todc den er willeldich leit.'
der rihter sprach 'ist dir daz noch niht erkant
daz derselbe gote ze Ronie verholten ist vnde vber ellü lant?
vnde hant die fürsten geholten bi ir hnlden, 1565
swen [89^*] man vinde an denselben shulden,
der des seihen gotes veriehe,
swa man den vf ertrich sehe,
da sol man im enheinen vrist geben,
wan sol im benemen daz leben.' 1570
sant Cecilia sprach 'dv vnde dine t'vrsten sint
mit gesehenden ogen blint, alse och iuwer gote sint.'
der rihter sprach 'wie getarstu mir so hoverteklich geautwrten,
alse dv mich ze mite sulist fiirliten?
weistv niht, waz gewaltes stat in miner hant 1575
ze Rome vnde iber elh'i lant?'
sant Cecilia antwrte do
dem rihter vnde sprach also
'ez heizet nilil hovarl noch ein baltheit,
swa man die warheit vmbe rehl [89''] notdurfte seit, 1580
wan von hovart elli bösen dinch anvant,
da von si alle cristen liile versmahent.
so hestv mir von dinem gewalt gesell,
den din hershaft an dich het gelcit:
1572 alse ocli iuncr irote mit "reseheiidea osca bliiit?
210 SAM CECILIA
1585 wiltv, ich sagen dir wie din gewalt geshafen ist
vnde wie och dv dar nahe hist.'
'ia' sprach der rihter 'hewise mich,
sit dv es bas Avilt wissen denne ich.'
sant Ceciha sprach 'da ist din gewaU anders niht getan
1590 wan als ein hlater, (h'i vast ist zerblan:
vnde als shiere ir kraft zerbrichet,
so man mit einer kleiner nadelvn dar in stichet,
als shiere ist och din gewalt zergan[90']gen,
den dv von dinen herren best enphangen.'
1595 der rihter sprach 'ich wil dir ein geteiltes spil geben.
dv nivst vnder zwein eines nemen:
opher Jovis dem edelen got
vnde lebe nach sinem geböte,
aide wiltu dich niht bekeren,
1600 so wil ich noch hüte alle din fründe an dir entteren.'
sant Cecilia antwrte mit gar luten worten,
daz es .die lüte alle horten,
dem rihter Almachio
vnde sprach zv im also
1605 'o ^^^lbe einen valshen rihter,
hat er mich darvmbe besendet her
daz ich valle in grose shnlde
vnde her behalde sines herren hulde.
sigestv an dem herzen vnde [90*^] an den ogen blint,
1610 so grife doch mit den banden daz es steine sint,
des dv hie vergihest ze gote
vnde machost dich selben ze einem spote.'
der rihter antwrte do
sant Cecilien vnde sprach also
1615 'wie ist din rede gegen mir so vrevel vnde so halt.
weistu niht, daz ich habe den gewalt,
der Tnir von den fnrsten ist geben,
daz ich den luten gib den tot aide daz leben?'
1590 zerMaiie 1595 spil fehlt. — füge nunc unum c duobus.
Sur. p. 514 1605/7' o iiuliceni pudore necessario afTcctum. vult nie
negare et esse me innocenteni , ut ipse me faciat criminis obnoxiam. Sur.
p. 514.
SANT CECILIA 211
sant Cecilia sprach zv dem rihter do
vil kechlich also 1620
'rihter, dv hist gar betrogen
viide hest es oiTeiiHch erlogen,
dv mäht dem menshen wol daz leben benemen,
<lv mäht im aber das leben [9V] niemer geben.'
der rihter begonde gar sere shamen sich 1625
daz si in shant so offenlich
vnde spräche mit grosem zorne do
zu ir offenlich also
'swaz berlicher rede dv mir hest getan
die Avil ich alle varn lan, 1630
aber die hohe gote die wil ich an dir rechen,
daz dn ie getorstost gesprechen
daz steine werin in glich,
die doch gewalteklich hant daz romeshe rieh.'
vil balde begonde er vf stan, 1635
die lüte hies er alle gan
gemeinlich mit einander vs
vnde hies si füren hein in sin hvs.
da hies er si in eine batstuben sliezen
vnde wazer vaste an den oven gie[9l'^]zen, 1640
füre wart ingezvndet mit grozer mahl
einen ganzen tag vnde ein naht.
einen berlichen tot wolle er '<• han angetan,
wan er wolle si ersteket han.
vnde do das füre ein tag vnde eine naht gebrunnen was, 1645
du heilige maget so vrolich in der Stuben saz,
alse si an einem shatten seze vnder einem grvnen bome,
daz si nie sweize trophen geliez von hizze tome.
vnde do der rihter daz vernomen hatte
daz ir du hizze niht anders were wan alse ein shatte 1650
\nde swaz man dar ingefureti daz das niht für trüge,
er hiese daz man [92' | ir <laz höbet in der Stuben abe sliige.
1630 warn 1647/' taii(|ii;uii in loco rcfViyriato illcsa perinansit et
salva dorn, giatia adeo, iit nulla pars omiiino ex eins membris vel minimo
sudoris signo fuerit hunu-ctata. Sur.j?.bli. ihique tota noctc et die iiissit
eam in biillicnti' l)aln»Mi concremari. ijuae quasi in loco frigido mansit nee
modicvim saltoni sndoris persensit. leg. aur. p. 776
212 SAM CECILIA
vil balde der kneth wolle vollefuren das,
dem das mortampt bevolhen was.
1655 vz der stuben uam er si do,
sin swert er blozes vber si zohe,
SU bot dar ir snewisen kelen bloz,
do slug er drie wiidaii groz.
daz hobt er ir abe uiht geslageu kvude,
1660 er giench von dannan vnde lieze si ligeu also wude.
vnde do daz die liite erhörten,
die da bekeret waren von ir worten,
SU kamen gemeinlich gegangen dar,
man vnde vrowen ein grosv sliar,
1665 sü wollen ir heiügen mvter svchen.
sü uamen daz [92''] blut vf mit edelen tüchen,
daz ir von den wndan ran.
vil groz vrode daz cristen volk gewan,
daz si noch do lebende was.
1670 ir lip was alle von blute naz.
man vnde vrowen trugen si dannan vz
wider hein in ir luiz.
do das sant Vrbanus horte sagen,
er kam gegangen vnde wolle sin lieben tohter klagen.
1675 \uide do in sant Cecilia gesach,
gar vroHch si zv im sprach
'ich hau erworben vmbe minen herren Jesu Crist
daz er mir hat geben drie tag ein vrist,
daz alle die den cristen globe ist erkant,
1680 die bevil ich hiite in diu haut
vnde och hie min eigen huz:
da sol[93'jtv ein kilchen wihen vz,
daz es belibe der heihgen cristenheit.
vnde swas gutes ich hau in dine gewalt geleit,
16S5 damit soltv spisen die iunchvrowen mini kint,
die von miner lere cristen worden sint.'
vnde do si ir linz mit aUem ir gut
beval in sant \'rbanus hüte,
do shied er von ir vnde liez vil menigen trehen
1653 spitulutor Sur. und leg. aur. 1657 so
SAMT CECILIA 213
vntle gab ir sin heiligen segen. 1690
do sant Vrbanus von ir gie,
die drie tag si niht abe lie,
swie si also sere ^vudv lag,
do lerte si cristen globen naht vnde tag.
vnde die e von ir bekeret waren, 1695
die wizte si wie si sich sollen cristenlich gabaren
vnde Avie [93''] man sich nach dem globen solti halten,
daz prediote si iungen vnde alten.
vnde do ein ende nam der drite tag,
vor ir iunchvrowen si do lag 1700
vnde vor anderen vrowen vnde mannen beiden,
si künt in daz si wolti hin ze got sheiden.
vnde do si daz den luten kuut getet,
do hub si an ir reines gebet.
si vergaz alles ir liplichen smerzen 1705
vnde lobte got von ganzem herzen
vmbe alle die gnade die er an si hatte geleit
vnde beval got getrvlich die heiligen cristenheit.
vnde do si in groser begirde nach got was,
do rumde du sele daz rei[94'']ne vas, 1710
von got wart si gar vrolich enphangen.
do hvb sich groze iamer von vrowen vnd von mannen,
die megede weinoton gar sere^
daz si ir lieben muter verlorn hatten vnde ir heiligen lere.
vnde do sanl Vrbanus erhörte daz, 1715
wie heileklich si von dirre weite gesheiden was,
er lobte got mit gar vrolichem mvte,
daz er si hatte gehebte vnz an ir ende in siner hvte
vnde daz si dem tyevel so menige sele hatte genomen
vnde daz si dar nach zv den ewigen vroden were komen. 1720
des nahtes er do gegangen kan,
er brahte mit im priester vnde ander gute man
[94"] vnde nam siner lieben tohter lip.
er wolle si nihl begraben da lag dehein ander wib,
er hies si in der bestou kilkof tragen, 1725
1694 tag unde naht vgl. v. 274 1699 trite 1710 runde
Z. r. D. A. neue folge IV. 15
214 SANT CECILIA
da menig marterer vnde bihter was begraben.
eine svnderere er ir bieten wolte,
daz si bi den hosten marterern rvwen s^lte.
vnde do er ir marter tag wol begie,
1730 vil balde er des niht enlie,
mit siner phafheit giench er vz,
vnde wihte ze einer kilchen ir eigen hvz,
die mau noch hüt wol da sihet
vnde menich groze zeichen da beshihet.
1735 vnde niht da alleine
wan da ruwet ir heiliges gebeine,
da ist och menig groz zeichen beshehen,
die armen [95"] unde rieh dike wol hant gesehen.
da mit si got vf erlrich wolte eren
17-40 vnde ir lop in der cristenheit wolte meren,
wan ir des guten ols nie in ir glasvas gebrast.
davon hatte ir lieht vil shonen glast,
wan si hate es mit menigen guten wercheu gemachot
unde in der rehten zit vlizeklich gewachet.
1745 da von si der briitegvn vil shone enphie,
do si im mit ir liehtvas engegen gie,
mit dem briutegvn wart si in Verlan,
vor dem tor lies man si vnlange stan.
si wart zu der Wirtschaft gelat,
1750 der ewigen svzekeit wart si sat,
wan si mit dem brütigem saz ze tische.
doch was da niht vleische noch vishe
vnde och [95''] weder brot noch win,
wan daz si da spiset sin lichter shin,
1755 daz ir herze nüme begert,
wan si ist so grozer vrode gewert,
die einhein herze nie bedenken konde,
von angenge vnz an die stunde.
der vrode svn wir si ermanon vnde biten
1726 matercr 1733/" schlufs bei Surius p. ölb: et illic perpetuo
peraguntiir sancta domini mysteria usqiie in hodiernum dieni. — die leg.
mir. hat p. 111 eine zeitatigabe : passa est autem circa annos domini cc
et xxiii tempore Alexandri imperatoris. alibi autem legitur, quod passa sit
tempore Marci Aurelii, qui imperavit circa annos domini ccxx
SAINT CECILIA 215
vnde (liir alle die not so si diir got hat erliten, 1760
daz si unser fiirsproch si ze got
daz wir hie vf crtrich leben nach sinem gebot
vnde in diser kürzen zit also gewachen
daz wir unser liehtvas wol bereiten vnde gemachen,
swenne uns des brvtegvmes zvkvnfte werde geseit, 1T65
daz wir imserü liehtvas also wol haben bereit
vnde mit guten werchen daz ol ingegozen
daz lins das [96^] tor nit werde vor beslozen
vnde vns der ingank niht werde verzigen,
daz wir von dem tor niht werden vertriben, 1770
als den tvmben megedeu beschach,
do der briitegvn so zornelich zv inen sprach
'gant, ich enweiz uwer nit,
ir komeut niemer an min gesiht.'
deis vluhes vberhebe uns des ewigen vater gewalt 1775
unde sines einbornes sunes wisheit menichvalt
vnde des heiligen geistes minne,
daz wir niemer geboren die biterlichen stimme, 1778
so er ZV den iibelen sprichet 'gant ihr verüuchten in daz ewig
fvre daz da bereit ist dem tyevel vnde allen den sinen.'
vor dem behüte vns got. Amen.
1770 v<i[i feldt 1779 Matlh. 25, 41
Das auf den vorhergehenden blättern zum ersten male gedruckte
gedieht steht in einer pergamenths. des 14, /Äs., welche in der fiirstl.
Fürstenbergischen bibliolhek zu Donaueschingen aus dem nachlafse
des freiherrn von Laßberg sich befindet und in Baracks kataloge
s. IIb f näher beschrieben ist. die hs. hat 164 blätter 8*^. auf bl.
41 — ^dQ steht unser gedieht. Greith., nach dessen ]S'i8 genommener
sorgfältiger abschrift, die aus dem nachlafse JDiemms in den besitz
der k. k. hoßibliothek in Wien übergegangen und daselbst unter
suppl. 2770 aufgestellt ist, ich das gedieht herausgebe, hielt die hs.
für ans dem 13 j7«. stammend und setzte das gedieht ins 12 jh.^
' Der irrtum Greillis ist wol 7iic/i( allzusehr zu tadeln , wenn man
erwägt, wie starke älmlich keilen die alem. dialeclformen des Wjlts. mit
den lioclid. des 12 liaben. man lese zb. neben nnserm gedieht die von
Haupt herausgegebene bekehrung des heil. Paulus zs. 3,318/7".
15*
216 SANT CECILIA
die nachfolgende zusanmmistellung soll meine behauptung, -dafs das
gedieht in groh alemannischem dialecte in der ersten hälfte des iijhs.
abgefafst sei, erweisen.
Das gedieht liegt in 'dbschrift vor. dafür sprechen anfser zal-
reichen Schreibfehlern die atislafsungen von Worten wie zb. v. 9S-
112. 410. 866. 1304, von ganzen Zeilen 398. 418. 598. 850. 912.
10S4. 1194. 1210. 1430. auch der Schreiber ist ein Alemanne, da
irgend ein anhält für die kritik einzelner formen am metrum bei
der beschaff enheit der verse nicht gegeben ist, so war auch kaum
möglich zu unterscheiden, loas dem dichter oder dem Schreiber eigen-
tümlich zugehöre, meine Zusammenstellung mufs eben für beide
beweisen, ich hebe nur die icichtigsten für dialect und zeit cha-
rakteristischen erscJieinungen hervor.
a drängt sich in die flexionssilben: subst. nom. plur. rebau
928. wisan 931. selan 1250. vrowan 1366. 1432. 1458. dat. ge-
selan 601, im reim auf man 1286. eran 788. truban 928. vrowan
1506. Avundan 1667. acc. götteitan 412. Avuudaii 634. selan 758.
1155. 1264. 1313. 1457. wisau 894 im reim auf man. rebau 897.
vgl. Weinhold AG § 10.' — in die bildungssilben: wannan 323.
danuau 657. 856. 1199. 1660. 1671. (sidier : dar 475. 6) und
sonst Weinh. aao. - zu den vocalen überhaupt vgl. Wackernagel Sechs
bruchstücke einer Nibelungenhs. s. 40/. assimilation : vazati 600.
gabareu 1696. — bar für her Weinhold § 11.
ä und a zu e geschwächt: fnihtber 158. erbeit durchstehend,
Öfteres des für daz Weinh. § 17.
0 steht durch für ou zb. 15. 16. 17. 32. 48. 49. 50 usw.
Weinh. § 24. Wackern. s. 41. o für öu in vroden 74 usw.
ö für a in dd für da oftmals.
0 im sitffix phellor : vor 81. 2. — in der declination dat. plur.
malon 456 auch adj. gen. beston 1725. Weinh. §26. in der conjugation
überaus häufig, zum teil mit assimilation verbunden, inf. predion
2. 639. beiton 8. weinon 60. 1090. zwivelon 217. verdampnon
837. klagen 947. redon 245. 107S. opheron : hau 1067.8. 1071.
machon 1310. nieron 1486. ennanon 1759. — pi^aes. minnost
107. 121. machost 1612. — dienot 206. weinot 384. volendot
' Jf^alther von Rlieinau 107 53.4 wan ; arebeistan beweist wenigste)is^
dafs der Schreiber der Stuttgarter hs. an diesen reim glaubte.
2 Dieses a haben die Schweizer Urkunden 12'JO — 1310 bei Kopp i be-
itändiff.
SANT CECILIA 217
1134. segnot 1526. (machont 3S3). — hettont 405. ahtont S85.
mahtont 914. — betont 361. anbettont 376. ahtont 876. mm-
nont 877. (minnot 981). — praet. getorstost 1632. — ahtote 1295.
prediote 1698. — machot 571. 5. geladot SOO. prediot 1456. be-
samenot 1511. segnot 1526.* — bereiton 7. wolton 8. 909. 1455.
begondon 15. 947. klophoton 20. wizton 182. seiton 622. 786.
beiton 894. ruton 899. ahtoton 900. 996. spototon 910. spototen
921. 959. shniton 935. furton 936. 1061. versmaheton 998. vra-
geton 1240. kondon 1320. lebton 1413. 1553. lobton 1432. wei-
noton 1713. hatton 21. 312. 576. 617. 902. 932. 1330. 1479. —
part. gesegnot 233. 1470. gemachot 385. 1377. 8. — Weinh. §§
26. 357.
o für e vromeden 202. 799. Weinh. § 25. Wackern. s. 39.
e steht für ei bede 11 mal gegen 2 beiden 1466 und 1701:
sheiden. (l)aden 322). meniinge 111. beretet 178. rene 272. gene-
getes 1142. Weinh. § 17. e für se steht durch, ei für e nur in
einhein. Weinh. § 58, 2. ei für pe seiger 198. geseiget201. seiget:
meit 989. 90. dagegen gemet : geset 931. 2. gesät : rat 937. 8.
Weinh. § 58, 5.
unechte anfügung des e fimfe 6. 11. eine 271. köre 544.
vleische 1287. 1752. gote 1564. füre 1641 und im prosaischen
schlnfs. Weinh. § 20. andere heispiele bei der conjug. — daselbst
und bei der declination noch über apokope des e. — anlehnung
zim 90. e eingeschoben phelegin 791.
Verschmelzung von age : ei seite 13 mal im innern des
verses, im reim : bereit 14. 1765. : gereite 167. : -heit 566. 843.
864. 971. 1427. 1580. : kleit 815. — treit im reim: bereit 34.
— von ege : leite 3 mal im verse, dann im reim auf: -heit 47
727. : kleit 599 : geseit 1423. 4. : ? 1429. — abe : heint 410. —
Weinh. § 56.
i für e in endungen shoni 33. guoti 86. Weinh. § 23.
n für no fast immer, in den ersten 200 versen 1 2 mal. auch
für in häufig genug, obschon meist ü geschrieben wird, der umlant
von u wird nur in den seltensten fällen bezeichnet. — u in flexionen
' An flas hier gegebene Verzeichnis apokopiertev (o) formen der
3. pe}'s. ind. sg. praet. schwacher verba knüpfe ich eine beobachluiig,
die mir noch riicht gemacht scheint: dafs die apokope dieses -e 7iur
vor vocal oder dentalis in den hss. des bair. und alem. dialec/es an-
gezeigt wird.
218 SANT CECILIA
Ceciliuu 180. 201. 256. 318. 482. gassuu 143. 169. sidun ;81.
situu 630. nadelun 1592; grosun 41. edelun 160. erstun 539.
gotlichun 569. ewigiiu 1138. viustrun 1185. nehstim 1289. selbuu
1306. gewerun 1314. Weinh. § 30.
Ungleich weniger ist über den consonantismiis zu bemerken,
n für m nicht blofs im reim {vgl. weiter unten) sondern auch
sehr häufig im innern des verses zb. brutegou 22. 1772. 1745.
bou 1402. heiii 1201 usw. Weinh. § 203. — 1 für r kilche 1492.
1682. 1732. kilkof 760. 1725. Weinh. § 194. — g öfters für j
zb. frigeu 39. früge 142. bligin 1388. vigent 1190; in verschie-
denen formen des verb. subst. zb. sigestu 1609. wir sigeu 475.
ir sigent 809. 824 {sogar tugest 1532) — gehen 528. Weinh.
§ 215. — ch für k im auslaut sehr oft, in den ersten 200 versen
15 mal, auch im inlaut: starche 1402. kechlich 1620. werchen
1767 usw. — b für p im auslaut Öfters wib : lip 319. 20. 391. 2.
1349. 50. 1723. 4 uam. Weinh. § 150. — b für p im anlaut
aufser dem gewöhnlichen bavest 139 usw. bulver 1307 {wozu man
vergl. Martina 171ioo. 17346). — berlich 1419. 1629. 1643. —
th für ht lieth 30. kneth 1653. Weinh. § 173 und Kopp urk. i be-
sonders s. 63 a. 1303 — 5. — s und z ivechseln nicht blofs im reim
sondern auch im innern des verses im in- und auslaut ganz ohne
princip. — sh meist für seh.
Conjugation. Praes. ind. sing. 1. ich sagen 693. 973. 1585.
loben 1028. vragen 1541. — ich han 430. 803. 841. 847. 1030.
1531. 1677. 1684. — 2. meist -est, aber auch -ist zb. sulist 150.
436. 1146. 1574. wizist 295. 1121. mugist 438. — best 10 wa?,
da es aber 201. 2 auf gast reimt und gast wider auf palast 799.
800, so scheint es blofs dem Schreiber anzugehören. — 3. -et steht
durch in starken und schwachen verbis. eigentümlich ist -ent, icelches
sich nicht entfernen läfst, denn es steht kument 323 (machont 383)
vindent649. bhbent 1117. sendont 1133. 1406. — er mugen 397.
somit scheint die nasalierte form sogar hier eingedrungen, nachdem
sie fast den ganzen plural beherscht. Wackern. s. 47. Scherer zur
geschichte der deutschen spräche s. 211. — 10 bot, 1 mal im reim
auf gebet 661. 2 gegen 6 hat. — plur. 1. diese form hat das ge-
dieht äufserst selten, da es fast nur aus erzälung und dialogen
besteht, -nt haben blofs die contrahierten formen. — 2. -nt steht
durch, nur kunnct 1007 und ein par imperative 665. 1186. usw.
3. -nt steht durch, abfall des t zb. vvizen 984. reinen 1441. —
SANT CECILIA 2^19
sind die formen sizet 145. minnot : gewinnet 981. 2 zn hefsern
oder schon Schweizer mundart zuzurechnen? vgl.Weinh. § 342. hes.
s. 338. 9.
Praet. ind. sing. 3. die starken verha fügen nicht sehen -e an
zb. vertreibe 52. hübe 709. veriahe 1243. spräche 1627. hiese
1652. lieze 1660. — hei den schwachen verhis loerden nicht hJofs
die oben erwähnten formen mit -o opokopiert, sondern auch
vragel 236. enthobtet 1225, die nichtapokoinerten formen aber
überwiegen. — bei schwachen verb. mit dentalstämmen findet aus-
faJI des e, in folge dessen zweisilbigkeit der forin statt : latte : hatte
61.2. und geredde 16 mal, bis zu geret 655 verkürzt, so in der
gewohnheit des Schreibers, daß er 349 das dd sogar in das Sub-
stantiv brachte.
Part, als charakteristisch sind anzuführen gehebt 1212. 1718.
im reim: gelebt 215.6. 1357.8. 1541. 2. — gehan : kan 623. 4.
Weinh. § 373. 374. — erwähnen loill ich auch die durch ausfall
des e zwischen dentalen verkürzten formen bereit: treit 33.4. 671.2.
aufserdem im prosaschlufs. gclat (= geladet) : sat 1 749. 50.
Zur declination führe ich aufser den oben bereits erwähnten
Suffixen mit unechten vocalen als bezeicJmend hier an, dafs unter
ungefähr 120 fällen des dat. sg. starker subst. 41 apokojmrte formen
in und aufser dem reim sich finden. Weinh. % 18.
Reime, im folgenden zäle ich die ungenauen reime des ge-
dichtes auf und füge heispiele aus alemannischen gedichten meist
des 14 jhs. hinzu, diese gedichte sind: Virginal , der ritter von
Staufenberg, Wolfdietrich D \ Martina, Walther von Rheinaus Ma-
rienleben, Bonerius^, Reinhart Fuclis, des teufeis netz, vom jüngsten
gericht^, der geistliche streit.''
a : a vor n: man : lian 149. 175. 227. 453. 1365. 1371. kan:
lian 349. an : han 361. — vor r: dar: offenbar 1477. vor h: naht:
' i^ac/i dem im drucke Ocfindlic/tcfi tc.rie mir von Jä?iicke freund-
liclist mitgeteiÜ.
* Bis jelzl yiicltt bemerkt scheint mir, dafs des BoJierivs reime in den
lelzteJi fünfzig- fabeln 7mgleic/i befser sind, als in den ersten, auch
setzen einzelne dialectische formen wie zb. die deniinutiva axif -i (eselli : bi
Lxxxilis. G) sich erst i?i den letzten fabeln fest, dies deutet wol auf all-
mähliche ausarbeitung in der durch die hss. gegebenen folge.
^ Ms. gcrm. Bcrol. fol. 20 ans dem Xhjh. nach der abschrift mei-
nes freundes Sleinmeyer.
^ Pfeiffer, Übungsbuch s. 141 — 152.
220 SANT CECILIA
andäht 723. 1271. — i:i vor n: in : win 905.935. iu : gesin
1491. — vor ch: mich : himelrich 113. 241. 365. dich : himel-
rich S5. sich : himebich 297. 611. sich : ertrich 157. sich: ge-
meinhch 1513. sich : offenhch 1625. — e:e her : müzezeger (=
müezegeer) 907. — ii : ü: alsus : hüs 1055. Maximus : hiis 1063.
1163. 1201. Tyburcius : hüs 755. — alle diese reime kommen in
allen oben verzeichneten gedickten sehr zahlreich vo; .
verschiedene vocale: opherön : hän 1067. — Virg. wä : vrö
3337.9. röt : durchnät 557, 4. 5. Stauf. schön : getan 217.
Wolfd. not: rät 6, \S1 f — natüre : fmre 1305. — W. v. Rh.
cröatüre : stiure I231. d. t. n. siir : tiur 333. d. g. str. süre : tuire
387. — ziehe : hhe 1471. — Wolfd. fnehche : Kriechen 5, 115 ac.
riche : Kriechen 5, 220. — erde : gebferde 161. 449. 703. megede :
trsege 11. megede wurde wol 1 silbig ausgesprochen. — Virg.
ezzen : seezen lOOSs.c W. v. Rh. mankere : 16re 33-29.^ — er-
hörten : Worten 1601. 1661. — Wolfd. werten : hörten 9, 54. verte:
körte 7, 1^7. 6, 180. ifö. — zertritet : vergelten 1381. — Wolfd.
wilde : velde 5, 217. Mart. dirnen : lernen 557. — cöntractionen
strit : lit 1189. zit : git 771. 987. — Mart. git : bit (=bitet) I847.
Kellers zälung ist falsch, zit : git 279i7. W. v. Rh. David : lit
6I48. d. g. Str. zwic : git 665. — sendent : endöt 1133.
Verschiedene schlufsconsonanten : n : m. mau : kam 1265. 1453.
1721. dan : kam 257. begau : kam 217. 925. man : gehorsam 579.
man : vernam 1431. gewau : nam 1325. — gevaru: arm 375. 1499.
— kam : JordAu 567. kam : gehän 623. Weinh. § 203. die bei-
spiele für diese reimungenauigkeit sind in allen gedichten überaus
häufig, vgl. Zupitza zur Virg. s. xxi. W. v. Rh. im 1 buche 14
mal, -am: au 356o, -imrin 4 mal. Bon. 34 mal. Reinh. vrei-
sam : sAn 1 1 89. d. g. str. nur 4 mal. auch im innern des Wortes :
grünt : kumt 1401. vgl. Jänicke aao. Wolfd. 825 ac. Holtzm. 7,
138. Mart. 237- uö. d. g. str. 343. 989. — g : ch. tag : ershrach
1135. drang : sanch 63. — hiezu habe ich aufser W. v. Rh. 27i3i
kawn ein beispiel anzuführen, da teils die hss. die starke aspiration
des schliefsenden gutturals selten bezeichnen, teils die herausgeber
die Schreibung geändert haben. — s : z 37 mal. Weinh. § 188. Zu-
pitza aao. Jänicke Alld. Studien s. 59. Steimneyer daselbst s. 83.
in allen übrigen, besonders Wolfd. nach a i o i\.
' Fgl. auch Müllenlioff z. Lanrin s. xxxviii.
SANT CECILIA 221
der schlufsconsonaiH fehlt in einem reimworte: reine : weinon
50. 1117. wate : kenienäten 79. übe : wiben 483. dienerhi : she-
f'eli 205. meuuuge : iinbetAvungea {ergänzunxj) 111. — do : zöbe
1655. — alle gedickte haben dies. W. v. Rh. im 2 buch 5 mal,
Reinh. 6 mal, v.j.g. 1 mal., d. g. str. 20 mal, dann zöch : sü
W. V. Rh. 2S58, hucb : also d. g. str. 627.
verschiedene consonanten im inneren der reimworte: b : g.
globen:togen49. 639. 819. : logen 1247. 1335. 1455. : ogen 331.
369.633. 713. 1261. 1277. toben : ogen 963. — begraben : er-
slagen 751 : tragen 1725. begrabent : tragent 979. — eben : regen
899. — vertriben : verzigen 1769. begruoben : trnogen 787. 895.
— Bon. Ilö3. 87: AC befsern. d. t. n. 541. 567. 793. 805. 915
usw. d.j.g. 1 mal. d. g. str. 279. 325. 513. 835, 899. 949.—
ob : h. sprechen : geschehen 1473. : sehen 993. 1155. sprächen:
vähen 1331. — vgl. Zupitza aao. W. v. Rh. 1937. 243i. 553S. 65ii.
92-20 usw. d. t. n. 72! . 1190 usw. — g : h. gelegen : iehen 351. Se-
gen : trehen 1690. — b : h. leben : sehen 735. geben : beschehen 1054.
blibet : geznhet 1117. — cl:g. beiden : neigen 1487.* — d:b777. —
Wolfd. 764 ef. Holtzm. Bon 2I53. d. g. str. 39. 345. 533. 675.
947. — b:m. gebent : nement 1047. 1389. 1595. 1623. — Jä-
nicke aao. s. 59. Bon. 2723. AC befsern lOOoo. d. g. str. 721.
bei doppelconsonanz. nn : ng: mannen : empfangen 1495. 1711.
: gegangen 1505. entrinnet : bringet 159. 1159. nn:nd: kunne:
sunde 603. : munde 691. ng:nd: gevangen : banden 595. nn:
mm: minne : stimme 1777. rd:rb: erstorben : worden 1109. er-
stürbe : wurde {ergänzmig) 485. rw : Id: horwe : golde 1377.
Worte : vorhte 537. antwurten : furhten 1573. bt'irte : vorhte 1033.
— Bon. 3637. I615. Reinh. 955. 975. d. t. n. 970. d. g. str. 693.
837. 971.
in klingenden reimen sind blofs die endsilben gleich : hatten :
spotfoton 997. nemin : sluzin 1037. cristen : reine 131. iungern:
megede 3. bruoder : einander 733. 1225. bruoder : opher 1057.
bruoder : marterer 1267. 1297. rihter : keiser 773. rihter:mar-
lerer 1327 {vorbereitet sind diese reime durch solche wie rihter:
her 1605). — W. v. Rh. halter : wazer 40i5. heinlicher : be-
halter 463. pfleger: gemeinder 5930. zerstoerer:zoubrer 97oo. (Bon.
45iö D befsert). Reinh. bäte : me 1207. u. anm.
Schon eingangs habe ich erwähnt , dafs keinerlei anhält für
die kritik am metrum geboten sei. der verfafser hat keine ahmmg
222 SANT CECILIÄ
von irgend einem metrischen gesetze, von hebnng nnd Senkung oder
auch vom silbenzälen. die verse schivanken zwischen fünf nnd
zwanzig silben , mehrmals werden derart verschiedene zeilen durch
den reim gebunden, dies ist in rücksicht auf die zeit, welcher das
gedieht ziiznweisen sprachliche gründe nötigen, sehr merkwürdig,
ich möchte glauben, dafs sonst im lijh. kein beispiel solcher echter
reimprosa vorkäme.
Die quelle des gedichtes ist unzweifelhaft die von der kirche
recipierte Cdcilienlegende, es fragt sich nur in welcher bearbeitung.
dafs es die von Surins zum 22 novemher gegebene, nach seiner
gewohnheit einesteils stark gekürzte, andersteils mit breiten theolo-
gischen erörternngen erweiterte nicht sein könne, ist von vornherein
sicher; eine vergleichung lehrt, dafs auch die erzähhmg der legenda
anrea des Jacobus de Voragine {Girisses ausgäbe 1843 fasc. i 771
— 777) nicht nnserem gedichte zu gründe liege, da sie erhebliche
kürznngen enthält, aber auch genauere daten gibt, welche der ver-
fafser des vorliegenden gedichtes, wenn ich ihn recht kenne , sich
kaum würde haben entgehen lafsen. dagegen ist bald klar, dafs die
in den AASS zum 14 april, dem gedächtnistage der märlyrer Va-
lerianus, Tiburtius, Jlfaximus usw. abgedruckte legende bei der ab-
fafsung des gedichtes benutzt worden ist. leider bricht der abdruck
dieser legende beim beginn der marter der Cäcilia selbst ab, da die
Bollandisten sich dieses stück bis zum 22 nov. — so weit aber
reichen die Acta noch nicht — aufsparten. ' doch genügt das vor-
handene, dem unser gedieht bis 1315 folgt, vollständig, um erkennen
zu lafsen, dafs wir nur eine freie Übersetzung der legende vor uns
haben, allerdings sehr frei, der verfafser scheut sich nicht, mit
gutem tacte weitläufige erzälungen nach den evangelien, subtile theo-
logische erörteiungen einfach icegzulafsen und dafür einzelne in-
teressantere momente der erzälung sorgfältig und detailliert zu
behandeln oder in den wenigen vorhandenen gleichnissen und be-
schreibnngen sich mit behagen zu ergehen, belege geben die an-
merkungen. — Es läfst sich überhaupt nicht läugnen, dafs unser
gedieht dem entsprechenden abschnitte des Passionais'- (Köpke 629i
' Vorrede: cxlnnt oa {sc. membraiia) passim ad xxii nov.
^ Die erzälung des Pass. folgt der gleichen quelle wie unser gedieht,
doch geht die hcarheiiung von einem anderen standpuncle mis. Hermann
von Fritzlar Ijei Pfeiffer Mifstiker i 240—249 hat gemeinsame quelle mit
SANT CECILIA 223
— 642-4) an naivetät und frische trotz seiner äußeren formlosig-
keit weitaus überlegen ist.
Und dies ermutigt mich., eine hypothese über die entstehung des
gedicktes vorzulegen, loelche die sonderbare rohheit der form mit er-
klären soll, stringente beweise vermag ich allerdings nicht zu geben.
Erwägt man nämlich daß schon die einleitung, welche das
gleichnis von den törichten Jungfrauen behandelt und in der quelle
nicht vorkommt, auf die erbauung als zweck der arbeit deutlich
hinweist, dafs ferner der ganze schlufs des gedichtes von v. 1739
an, der zuerst eine moralische nutzamoendung gibt, eine ermahnung
anschließt, sodann ein mit den lesern (?) gemeinsam zu sprechendes
gebet enthält , um endlich in ein prosaisches evangeliencitat auszu-
laufen, ganz sichtbar in kirchlicher form gehalten ist und nicht
leicht für den ergufs eines privatim frommen angesehen loerden
kann, hält trän dazu die überaus unbehilfliche form nicht blofs im
versbau, auch in den reimen und ganz insbesondere in der syntax\
so liegt es nahe anzunehmen, wir haben es mit einer zuerst ge-
sprochenen rede oder mit einer gereimten predigt'^ zu tun. in der hs.
überdies befindet sich das gedieht zwischen predigten vgl. Barock aao.
Nur erwähnen will ich dafs das gleichnis von deti törichten
Jungfrauen früher als adventevangelium in der katholischen kirche
verwendet wurde und Cäcilia am 22 november im kalender steht.
Berlin juni 1872.
ANT. SCHÖNBACH.
der legenda mirea, kürzt aber stark in der erzälung; ivä/irend er eigeiie,
freilich interessante, zusälze reichlich a^ibringt. vgl. Pfeiffer eint. s. xv.
die hymnen auf SCäcilia zb. bei Mo?ie Lai. hymne7i m nr 862 aus dem
b {'f)Jh.,'7irSGi aus de?n \5, in den Cambridger liedorn ?ir \\u zs. 14,484
ergeben tiichls für die geschichte des Stoffes, die legetiden vo7i STibur-
iius tind SCäcilia , dere?i JHaupt in deti Sitzungsberichten der Wiener
akademie bd. Lxxii (1872) s. 121 und 129 erwälimmg tut, sind nach der
legoida aurea gearbeitet. — toelcher quelle die erzälung folgt die virs.
Frances Elliot in ihrem liebenswürdigen btiche Diary of a?i idle woman
in Italy Tauchn. edit. i 200 /f gibt, weifs ich bis jetzt nicht zu bestimmen.
' Überaus zalreiche beispiele von satz dno xoivov — wie sie sonst
in dieser metige kaum beisatnmen zu finden sein werden — , datvi eine
massenhafte vcmoendimg von undc, waii, vermittelst deren die sülze eine
bandwurmartige länge erhallen und welche diesen co/ijunctionen aufser
der relativen, coJiditionalen, causalen auch ?ioch a7idcre kaum miiglichc
bedeutufigen beilegt, liefsoi sich aufzälen.
• Noch im vorigen jli. gab es in Niederosterrcich gereimte predigten.
224 HOHENFÜRTER BENEDICTINERREGEL
HOHENFURTER BENEDICTINERREOEL.
Die nachfolgende mitteldeutsche Benedictinerregel ist einer hs.
de)' abtei Hohen fürt in Böhmen aus dem xin jh. entnommen, die
Benedictinerregel steht auf drei unbezeichneten lagen zu acht blättern;
eine genauere beschreibung der Handschrift zu machen habe ich leider
versäumt, deutsches enthielt sie sonst nicht, ich habe sie im som-
mer 1868 auf veranlaßung Diemers, der sie mir lieh, abgeschrieben
und zwar gleich für den druck mit beständiger rücksicht auf das
lateinische original: nur dafs einige stellen unentschieden blieben,
bei denen die verbefserung oder die wähl der richtigsten Schreibung
sich nicht sofort mit leichtigkeit ergab, die letzte hand jetzt selbst
anzulegen war mir nicht möglich, das hat auf meine bitte hr
dr Steinmeyer übernommen, der sich auch der leitung des druckes
freu ndlichst unterzog.
Wien 11 juli 1872. W. SCHERER.
INCIPIT PROLOGUS REGULE SAIVCTl BENEDICTI .\BBATIS.
Lose, siiii min, spiichit siute Benedicte, an diu gebot dinis
mistris und neige daz ore dinis hercen und inphäch vil gerne
dinis mildin vater manunge und irvuUe si vrumicliche den
wortin daz du mit der erbeite der gehörsame wider züz ime
5 kumis von deme du inturnin bist mit der slapbicheite der un-
gehorsame. Swer SU nu da bist der da inphage wilt daz starke
und daz schin])erge gewt'fene und wilt widersagen dinineigenin
wollustin und wilt di rittirschaft der gehörsame tribe under un-
sirme herrin Jesu Christo deme wärin kunige, vernim min wort.
10 daz ist zallir erist, swas so du gütis beginnis, daz du mit in-
nicliche gebete in bitis irvuUe, daz er uit geumvrowit werde von
unserin ubelin werkin, der unsich gerüchte achte in der zale
siner kinde. von sinin giUin sule wir ime alle cit also gehör-
sam si, daz er nit al eine als ein zorniger vater erbclös mache
15 sine kint, sunderin ouh daz er von unserin ubelin werkin
nimmer so gereizt werde als ein vorhtsamigir herre, daz er di
2 vn immer wenn nichts anderes angegeben ist 16 er] ir
HOHENFüRTER BENEDICTINERREGEL 225
allir ergisten schalke läze zu den ewigiu wizzin di ime nit
folge woldin zu den erin.
EXSURGAMUS TANDEM.
StAu wir üf ettewenne, sprich Sente Benedicte, diu heilige 20
scrift wekit iinsich und sprichit 'Ez ist cit daz wir üf stau von
unsenne släphc.' Mit offui ougin zu deine gotenhchen hechte
und mit underkumin urin höre wir alle tage, wi diu heilige
stimme ruophit und unsih manit und sprichit 'Gehörit ir hüte
shie stimme, so enverhertit niwit iwer herze.' und aber 'Der 25
di örin hat ze hörne, der höre waz der geist spreche zu der
hiligen cristenheite.' Waz spricht er? 'Kumit her, mine kint,
fernemit mich, ich wil üch diu gotis forchte l^re.' Loufit di
]' wilf ir hat daz | liecht dissis libes, daz üch der tot mit sinem
vinsternisse nit begrife. Und als unser herre suchet sinen 30
werkman in der menige sinis folkis zu deme er also ruofit, so
sprichit er aber 'Wer ist der mensche, der daz lebin wil und
gert der gütin tage?' Firnimis du daz und gentwurtis du 'daz
wil ich', so sprichit dir got zu 'Wil du haben daz wäre und
daz ewige leben, so swige dine zungin von ubile, und dine 35
lephese ensprechen nit dechein veichin (unchust). Bekere dich
von ubele und tuo daz guot, vorsehe nach dem vride und volge
ouch dem vride. Als ir daz getuot, so sint min ougen ubir
üch und min ören zu iwerimme gebete. Und e dan ir mich
in ladit, so sprochin ich: hie bin ich.' Waz ist uns süzir, liebiu 40
brüdere, der stimme unsirs herrin diu unsich so in ladit?
Sinu wä unser herre mit siuer mildicheit ceigit uns den wec
des öwigen libes.
SUCCINCTIS ERGO.
Mit under gegurlin gelendin und mit dem beheltuisse guter 45
werke und mit der bM'uunge des heiligen ewangelii sule wir vare
an unsers herren wegin, daz wir wert wej'din in ce sehenne in
sime rieh der unsich geladet h.1t. In des riches hüs ob wir
17 crgcistcri 20 Bcned' 21 siift 24 rvphit 31 w'imaii rüfit
vnchust
33 vnd 36 weicJiiri 37 vnd luo 3S daz] dach 47 ceschenne
226 HOHENFURTER BENEDICTLNERREGEL
binve und wese \vollin, so eukiime wir dar niht weiie mit gütiu
50 werkiu. Nu vrege wir iinsern herriii mit deme heiligen wis-
sagin und sprechin 'Herre, wer sal wesin in dem hüs oder
wer sal ruowe üfe dime heiligen berge?' Nach der vreguuge,
so höre wir unser herrin wi er uns ant^^^lrtit und eeigit
uns den wec des seibin hüsis und sprichit 'Der da in gät äne
55 A leckin der sunde und tuot daz guote werc, der diu wArheit
sprichit in sinem herceu, der in slner zuongin hat diu wärheit,
der sinem neliistin nechein ubil gelAn hat und im niht geite-
wizzet hat, der den ubilin tiuvil mit sinin ubelin retin von sime
hercen widerspiit hat und in ce nichte hat bracht und sine
60 deine gedanke behabit hat und si unsirme herrin J. Christo zu
gestözin hat.' Di da got forchtiut und sich der guten
%erche niht von in seibin , sunderin von gote getan weredin
und in dar umme erint und | sprechint mit dem wissagen
'Niwit, herre, niwit uns, sunderin dime namen gib diu ere.'
65 Und als sanctus Paulus üf sein selbes lerunge niht achtit und
sprichet 'Ich pin von gotis gnaden daz ich da l»in' und aber
'Der da geerit wolle werde, der werde von gote geerit.' Und
unsir herre sprichit in dem ewangelio 'Der dise mine worth
hörit und irvuUit si, den wil ich glich mache ein wisen man
70 der sin hus gecimert hat ilfe den stain. Die vluote quämen,
die Aviende wetin und sturminetin an daz hus und iz enviel nit,
wände iz was gegruntfestenit üfe den stein.' Alse diz unsir
herre irvuollit, so bettit er alle tage mit siner heiligen mauunge,
wi wir im antwuortin mit den werken. Durch daz wirt uns
75 der lib von gote gevristet zu einer bezerunge, als der apostolus
da sprichit 'Enweist duo nit daz diu gedult minis trechtinis
dich leitit zii der riwe?' Und milder herre sprichit 'Ich enwil
nit des sunderis tdt, sunderin daz er sich bekere und lebe.'
CUM IMTERROGASSEMUS.
80 Do wir unsirn herrin gevrägetin von dem human sinis hüs,
do iiörte wir daz crebot dez büwenis. Sunderin ouch ob wir
49 büwe] bvvie 51 wesin 53 "uns "er antwrtit 58 simen
61 keine lücke in der hs. 62 ge tan were din 64 niwt uns dine
65 "paulus "als "scs paulus ' 70 staein 77 riwe 81 bvvuenis
nOHENFÜRTER BEiNEDICTINERREGEL I 227
irvullin des büniannis anibiclit, wir werdin erbiu des hiniilricliis.
Durcli daz sint unsir lierce und unser lichauien ze breitene, diu
riftirscbalf co ti'iliene uiidir den gebotin der heiligen gehorsam,
und daz da ist ummugchch co ti'inne unser näti'ire, so suHn wir 85
unsirn herren bite daz er siner gnade helfe uns zi\ biete. Und
ob wir die hellewize vlihe Avollin und zu denie ewigin lebene
kume, die wile wir in disinie lichnamen sin und irvulle niugin
gotis geboth in dem Hechte dissis liebes, so ist uns nuo ce
loufene und ce tünne daz uns immer mer nuzze si. Nuo ist 90
uns ze sezzen eine schule des goteUchin dinistis: in der sezzunge
so hoffe wir daz wir nit hertir oder swörir sache sezzin. ledoch
wirt von redelichin sachin durch die laster ce midene und durch
die bekerde der heiligin minne lichte ein teil der strenge ge-
sezzet, sO> ensalt du cehant so nit underkume, daz du vlihis 95
' den wec des heilis | dez man nit beginne enmac wene mit
engeme anegenge. Aber dar nach mit der bekerde und mit dem
vurgange des geloubin und mit enstigime hercen so loufit man
di wege minis trehtinis an sinen gebotin. und daz tuot man
mit der uncellichir siioze der heiligen minne alsögetän wis daz loo
wir nimer von siner meisterschafte kumen und beliben in siner
lerunge in dem clöster biz an den tot und mit unser gedulth
teil haben mit unsirs herrin Martyre und wert werdin gelözit
in sinem riebe.
VON DEN VIERIN GESL. DER MO. l
Ez ist oflinlich daz vir gesiechte sint der muneche. Daz
eriste sint clösterliute di ir ceche hiint under der regelin und
under dem abbate. Daz ander gesiechte sint einsideler; daz sint
di di da niwit von der ni'iwicheite dar zuo kumint, sunderin di
da lange ce clöstre mit maniger helfe gelernit hänt wider den 5
tiuvel vechte und sint wol gerustit mit der bri'iderlicher schare
und an der liute trOst mach sich an dem enzelin kamf dez
einotis und mit gotis helfe mit banden und mit armin nnigin
vehte wider dez vleiskes laster und wider die bösin gedanke.
Daz dritte ist daz allir swerciste gesiechte sarabäite di enweder lo
mit regelin noch mit mistirschefte siiit bewert als daz golt in
90 lovfcne 91 gotclicliiiu 92 swcir 102 an ileni i 4 nviivi-
clieite 7 niaclitich? 8 handem
228 HOHEINFURTER BE^ED1CTI^ERREGEL I. II
dem ovene, suiidir sint irweichit iu di nätüre dez plus: waude
si der werlde ienoch triwe belialdiut mit den werkiu so wer-
diut si bekaiit unsirme trechline liege mit der schare. Der
15 zvene und dri oder bi eincelin niwt in unsers herrin suuderiu
in ir selber schäfstingeu sint beslossen, und vur ein 6 hänt si
der girde woUuste. swenne so si wenneut odir icht irwelint,
daz sprechent si . . . iz si ummuozlich. Daz virde gesiechte sint
weller di aliiz ir leben durch di misliche laut variut und gastis-
20 wiz sint drie tage oder vire in den misUcheu cellen und sint
alle cit wadilnde und unstete und sint dinende irm vräze und
irin wollustiu und sint noch erger dan di sarabäyte. Der aller
jämerliche bekerde so ist bezzer daz wir swigin dan icht sprechin.
Durch daz läzze wir di und | kumen mit gotis helfe zuo dem 3'
25 aller sterkisten gesiechte der clösterliute.
11 QÜALIS DEBEAT ESSE AREAS.
Der abbit der des wert ist daz er deme clöster vor sie, der
sal alle cit gehuge wi er genamit wirt und vlize sich dez, daz
er des merin namen mit den werkin irvuUe. Man geloubit daz
er in dem clöster des heiligin Crist stat besizzit, swenne er in
5 sine namen genamit wirt alse der apostolus da sprichit 'Ir habet
phannen den geist kint wunschunge in dem wiie da ruoiin: abbit,
vater.' Durch daz ensal der abbit niht wider deme geböte unsirs
herren, daz nimmer geschehen möze, ich l^re oder sezze oder
heizze: sunderin alle sin lerunge si ein deisme dez gotelinchen
10 rechtis, der in siner jüngere gemuote gesprennet werde. Der
abbit sol sich iemmer gehuge daz von siner lere oder der
jungerin gehörsam beidir sache rede wirt gebin in dem vortsamen
urteile unsirs herren. Er sol wize daz iz des hirten schult ist,
swaz so der wirt minner nuzzis mac vinden in sinen schäfm.
15 Alse vil wirt er aber vri, ob dem ungerö wegin und dem unge-
horsamen herte michil vliz wirt zö irboten und zu den suchti-
lichen werken wirt aller slachte sorge gehabit , daz der hirte in
dem urteile unsirs herren ledic werde und spreche mit deme
13 dem 14 trelhtinc IS keine liicke in der hs. geschlete 20 wez
22 voilastin 23 dan] daz hs. ii 3 geloubit corr. aus gelaubit
12 vor'sameri 14 sinem 16 dem
HOHENFÜRTER BEKEDICTINERREGEL II 229
wissagcn 'Din rechte, herre, enverbarc ich niht in miiiem
hercen: diiie wärheit und din heil sprach ich. Aber si ver- 20
smehetin und verschowetin mich.' So ce jungest si den un-
gehorsam schÄfin diu wize der starc tot.
ERGO QUI NOMEN ABBAUS.
Swer einis abbetis namen phehit, der sol mit zwivaldiger
lere sinen jungerin vor sie, daz ist daz er daz gute und alle 25
heilicheit mer mit den wirkin dan mit den Worten wisen sol
und den verstentdilichen junger sol er vur legen unsirs herren
gebot mit den werten , aber den herten und den einveldigen s6
wise er mit sinin tetin di gotelichen gebot. AUiz daz er lerit
3' sinin jungerin widercem si , daz wise | an sinem werken nit ce 30
tünne si, daz er nit untiure funden wert der den andern vor
predigit, und daz ime von gote zu gesprochen werde 'War
umme sagis du min recht und war umme nimis du min
Urkunde durch dinen munt? Abir duo azzis diu zucht und ver-
wirfez hinder dich mine rede. Dir in dines brüder ougen söhe 35
diu agenin, in din selbes ougin sehe du nith den träm. Ez
enwerde uechin persona von dem abbate in dem clöstre undir-
schidin. Einer werde nit m6r geminnet den der ander, wene
den er mit den gütin werken oder in der gehörsam bezzer vint.
Der edel enwerde den anderin nith vurgesezzit, ez ensi daz iz 40
ettislich redeliche sache undirvAhe. Ist iz also daz redeliche
Sache recht tichtit und den abbet also gut dunkit, so til er daz
von eines iechches ordine. Abir andirs so haben ein ieslichc
sine stat: wände, er si eigen oder vri, so sin wir in dem
heiligen Christo alle ein, und under einime herren s6 trage wir 45
eine gliche ritterschaft des dinistis, wände er undernimeth nechein
adil an den pers6nin. AI eine in disime teile werde wir von
ime underschedin, ob wir bezzir und dinultigir vor ein ander
in den gütin werken fundin werdin. Durch daz werde ein
gliche minnen in allen zu irboten und nAch den werdin 50
ein zucht.
21 vchowetiu dem 25 sinem sie i7if. nach falscher atialogic
27 viir 2^ eiiiiivekligen oder einnvcldigen 35 Dir] Du dir? 36 den
37 3S undircliidin 40 oder 41 =: iustitia dictante 43 liaben sc. si
46 rihterschaft 47 disimen urtelei 50 zvvirboten = secundum mcrita
Z. f. D. A. neue folse IV. 16
23(1 IIOHE-NFLRTEK BEAEDICTINERREGEL II
IN DOCTRINA SUA.
Der abbit sol in siner Uve seilte Paulis bilide behalde, da
er von spricbit 'Straf und bite und schilt', daz ist: mische di
55 cit den citen, mit der verunge di semfticheit. Er mrtzze habin
eine grimme dez mäistris und ein milde enszte des vaters. daz
ist: er niuoz di unzuchtigin und di unerwegin hertiliche sträphe
und sol bitin di gehörsamin und di milden und die dultigen,
daz si sich bezzerin. und wir nianin daz er die versumegin
60 und die smehere scheide und sträphe. Er ensol nit verswigen
der misseteten sunde, sunderin alse schire so sie beginnent
wachsen, sc» snide er si abe an der wurcelin alse vil so er mac,
und gehuge sich der vreise Heli dez pristris von Sylö. Und di
ßrsamen brüder und die | verstentliche gemuote, nu mite einer, 4*
65 nu mit der andern manunge, s6 sträphe er si mite wortin.
aber di hertin und di vohnütigin und di ungehorsam, di be-
Ivvinge er an deine selben anegenge der sundin mit siegin und
mit der kestigäte dez lichamen und wizze daz daz gescriben ist
daz der tumnie mit den Worten nit gerihtit wirt. Und aber
70 'Slach dnien sun mit der gertin, so lösist du sine sile von
dem töde.'
MEMINISSE DEBET SEMPER.
Der abbit sol alle cit gehuge waz er ist und gedenke wi er
genannt werde und er sol wizzen daz mer von ime wider ge-
75 vodert wirt deine da m^r bevolhin wirth. Und er sol wizzen
wi unsemfte und wi höhe sacbe er enphannen hat di s6le be-
richtene und maniger site lere und bewaren. und ein mit
seinften wortcn, einen andern mit scheldene, einem andern mit
schundunge und nach eines ieslichen wale oder vernumft so sol
80 er sich zCi erbeiten und zu vögen , daz er alle eine nit dulde
den schaden sfnis hertis der ime bevolhin ist, sunder ouch er
sol sich vrögen in der merunge dez gutin hertes. Vor allen
dingen daz er icht lucil achte üfe daz liele der s6le di ime be-
54 miclie 50 tP vaters 61 misseten 62 waschen 65 nia-
nvnge 66 67 bctiiigwe daz] da? 69 tvinine 70 livsist dv
73 gehvge 82 hertes] heroen
HOHENFLRTER BENEDICTINERREGEL 11. 111 231
volliin sint, so enliabo er nith mOr sorge von den cegenclichen,
von den irdischin, von den hröden scliazzeu, siinderin er ge- 85
denke alle cit daz er plianen hat die S(?le berichteiie, i'ur di er
oucli rede sol gejjin. Und daz er von den minnerin irdischen
schazen icht dürfe clagen , so gedenke er daz da gescri])en ist
'Silchet gotez riche zerist und sin rechte, krtt unsir herre, und daz
cegencliche guot wirt iu allez zu irhoten.' Und abir 'Nitli ge- 90
brist den di da got vorthtint.' Der abbit sol wizzen daz er da
phannen hat di« s61e berichtine: daz er sich berichte gote vur
si ce entwurtene. Und alse vil so er der brüdere zale hat
under sinir sorge, s6 wiize er vur war daz er an deme
tage dez urteliz vur alle di sele muoze got rede geben, und 95
ubir daz äne zvivil für sin selbes s6le. Und alse er alle cit
■1' also vurthit vur sine schäf daz kumftige | gotis urteile, so er
behuottit vur die . . . vortsam für sich seibin. Und so er mit
siner manunge bezerunge den andern zuo dinit, so wirt er selbe
von den lastrin gebezzert. 100
DE ADHIBENDIS AD CONSILIUM FRATRIBUS. III
Swenne so man grözze sache hat ce schaffen in deme
clöster, so lade der abbit alle diu sammenuuge und sager in
diu Sache diu da ce tünne ist. Alse er dan vernimit der brüder
rat, so betrahte er den rät von selben me und swaz so er aller
nuzzis ertaile, daz duo er. Durch daz hAn wir gesprochen daz 5
man sie alle ce rate neme, wände dicke wirt deme junger ge-
offnit daz da bezzer ist. Aber die bruodere gebin also den rät
mit der undertenicheite und mit dem muote, daz si nihte er-
balden vreveliche beschirme daz si bezzer dunkit. sundern der
rät hange aller meist in dez abbitz willecure, und svaz s(*» er lo
heilsamer irteile, des sin ime die bruoder alle geht'krst'ftuen. Als
oucli den junger wol gecimit daz sie gehOrsanuni sin dem
meister, also gecimit dem meistre wol daz er vursichteliche und
84 (In S5 (lein scliazheri 86 fvr er di 87 irdiscliahon =
sulistanlia 8S gebrisrilien 92 beicilitc i in c corr. es soUle also be-
reite geschrieben werden 94 vur 95 vrlelich 96 zwivel vil fvr
97 vvrlhit vur scliak kviiiftige urtelei 98 vur vorlsamf, da-
vor keine l'dcke in hs. fvr 100 dem \\i 4 von inio selben? 5
nvzzis und so hüiißg v für u bis v 21 erfale 10 der aus den abbizt
12 d.Mi
16 •
232 HOIIENFÜRTER BENEDICTINERREGEL III. IV
rechte alle diiic schaffe. In allen dingen so volgin si der regele
15 ir meistre, und von ir enäwike nieman vreveliche. In dem
clöslre so envolge nieman sines eigen hercen muotwillen, und
nieman erbalde mit sinem abbath vrevelich stritin iunewendic
oder üzewendic des closters. Swer dar zuo erbaldet, der under-
lige der regelichen zucht. Aber der abbet sol selbe tuon alle
20 dinc mit gotiz vorthe und mit beheltdenuzze der regelin, und
wizze äne zwivil daz er von allen sinen urteilen gote dem aller
rehtisten rihter red muoz gebin. Sint aber minner sache ce
tuonne in dez clöstris nuzzin, so habe er der altherrin rät, alse
da geschriben ist 'Tue alle dinc mit rate, so enreuhet iz dich
25*niht nach der täte.'
IV QUE SUNT INSTRUMENTA BONORUM OPERUM.
Man schol zallir erest got minne mit allime herein, mit
aller sele, mit allen creftin, dar nach den nehistin alse sich
selben. Dar nach nieman töte, nith huore, nit stele, nit girze,
nit lugelich Urkunde sagen. | Man sol alle Hute ere, und daz ein 5*
5 iesliche nit wil daz man ime tue, daz tue er einem ander nit.
Man sol sin selbis verloukene, daz man deme heilige Christo
gevolge muge. Man sol den libe kestige, tiuer ezzen nit helse,
di vastin minne, di armen laben, den nacketin bewcHe, din
sieben gewise, den toten begraben, den notin helfen, den irs(^ritiu
10 trösten, von wertlichen Sachen sich fremede machen, Cristis
minne nit fursezze. Man sol den zorn nit irvulie, dez zoruez
cit nit behalden, in dem hercen nechein veichin habe, velsUchen
vride nit geben, din minne nith verläzzen. Man sol nit svere,
diu wärit von dem hercen und von dem munde vur bringe, ubil
15 wider ubile nit vergelden, nieman nech^n unreht tuon, sunderu
ouch wirt iz ime getan, daz sol er duldiclichen liden. er sol
di viinde minne. er ensol nit wider vluochen den di ime da
vluochint, sundern er sol si siene. er sol di echte durch daz
rehte liden. Er sol nit vohnuotic sin, nit trunken sin, nit frecic,
14 Schafe 17 stielin 18 zve 20 beheldel nvzze vgl. verstentdi-
iichen 3' 21 sieht ivie zwilul aus 22 relitis lihleren vg^/. ni 5 23 alsfe
24 Tue aus Due en revliet iv 1 gote allimen 2 neiliistin
3 girclie 4 ein 7 dem 12 iieciiein 17 vüliclion 18 das zweite
er] der 19 rette (rccte?) volnivlinc
HOHEISFURTER BENEDICTINERREGEL IV 233
nit släphic, nit trege, nit murmiilere . iiit hiiulerküser. Er sol 20
gote alle sine zuoversichit bevelhe. Swaz so giU an im ist, daz
sol er gote züvüge, nit im selben, er sol wizzen daz daz ubile
von ime selben getan wirt und sol iz ime selben wizzen. Er
sol den tac dez urteilez und die helle vurhte. er sol daz ewige
leben mit geistelicher girde wunzen. er sol den tot alle tage vor 25
den ougeu wänsaiii haben. Er sol alle cit behuoten die werch
sines libes. er sol wizzen vur war daz in got in allen stetin ane
schouhet. Die bOsen gedancke di zu sinime herce kumint, sol
er cehant unsirm herren J. Christo zuo stöze und sol si offene
dem geistlichen altherren. Er sol sinen munt von ubelir rede 30
behuoten. Vil sprechen ensol er nit minne. er sol di upigen
worth nit sprechen di &a lachende machint. vil lachen oder üz
geschutit lachen sal er nit minne. er sol di heiligen leccen gern
hören, er sol dike und ofte zuo dem gebete lige. er sol alle
tage in sime gebeth sine missetät mit süffecene gote begihe und 35
von den selben ubelin teten sich dar nach bezere. er sol di
girde sinez vleizez nit ervuUen. er sol sinen j eigenin willen
hazzen. Den gebotin dez abbetes sol er gehörsam sin, ob ouch
der abbet anders tuot, daz nimmer geschehen müze, und sol
gehuge unsirs herren wortin da er da sprichet 'Daz si iu sagint, 40
daz tut: daz si da ti'int, daz entüt ir nit.' Er sol nit wollen
daz er heilic werde gesagit, <i dan daz er heilic sie .... daz iz
wörhche gesaget wert. Er sol gotis gebot alle tage mit den
werken irvullin. er sol di kiizzeith minnen. er sol nimmen
hazzen. er ensol den ubelin vliz und den nith nit haben, er 45
sol den strit nit minne. hertuom und vermezzinicheit sol er
vlihen. er sol di balleren eren , di jungerin minne, in Cristis
minne vur di vient biten, mit den missehellerin sol er wider ce
fride kume e danne der sunne under kume. er sol an den
gotis gnAden nimmer verzwivele. Sinuwa diz sint di gezüge der 50
geistelichen hste. swenne di tac und nacht von uns steticliche
werdint irvuUit und in deme tage des urteliz gote gentwurtit,
so wirth uns von unserme herren daz lönen wider gewegen daz
22 zwuge 24 iirteleiz 25 gestciliihor tag" 28 schoehet
kumit 30 alter herren sinem 33 sar 34 hvreii zuo 35
svHecehene behige 36 dem tet 39 gesche''en 42 keine Uicke
in fis. 43 den undeutlich 45 niht nit 46 vgl. vergessinicheit
VII 27 52 irwilllit vrtelichez 53 Ion en
234 HOHEISFURTER BENEDICTINERREGEL IV. V
er gelobet hat, daz nie chein oiige gesach, nie chein öre ge-
55 hörte, nie in decheinis menschen herce quam daz got in be-
rihtit hat die in da minnent. Die wercgadim in den wir die
werc alle irvuUen nnigen, daz sint die clöster und steticheit
in der samenunge.
V DE OBEDIENCIA.
Der ereste gräd der diniüte ist diu gehörsam äne tväle.
Diu cemit den wole die nit so liebis habent so den heiligen
Crist. Durch daz heilige gotis dinist daz si geizzen haut oder
durch die vorth der helle oder durch die ere des ewigen libes,
5 cehant als in von den merin ich gebotin wirth, als iz von gote
gebotin sie, so enkunnin si nit tvälen daz ce tünne. von den
sprichit unser herre 'Cehant gegen der stimme waz er mir ge-
hörsam.' Und sprichit aber zuo den mestrin 'Der üch hörit,
der hörit mich.' Die also sulich sint, die läzint cehant ir werc
10 und irin eigin willen, und mit den nächwendigen vuozin der
gehörsam | so lazint sie ir werc von den bekumertin hendin und 6'
volgent der stimme diu in ce kewerce gebeulit. und also in einer
luzelin wile des meistris geboit und di durchnihtigin werc des
jungerin bede säche werdint gemenilich scliire irvullit in der
15 snellicheite gotis vorte. Di die minne zu dem ewigen leben ce
varnen haut, durch daz inphant si den engen wec von dem
unser herre &ä sprichit 'der wec ist enge der da laittit zuo dem
ewigen leben', daz si nit leben nach ir willecure unde nit ge-
hörsam sin ir girde und ir wollustin, sunderin daz si g<^n under
20 deme vremeden urtölin und geböte, und sint in dem clöstre und
gerint des daz in ein abbit vor sie. Äne zvivil di so sulich
sint, di volgint der sententien unsirs herren da er da sprichit
'Ich enbin niwit kumen ce tonne minin willin, sunderin sinin
willin der mich gesaut hat. Abir diu selbe gehörsam wirt dan
25 amphenclich unsirme trechtine unde süze den liutin, svaz s6
man heizit tun, daz man daz nit tuo vorhticliche oder trecliche
oder unilizliche oder mit murmulunge oder mit vreveler ant-
54 geschach 55 gote 57 iiwüllen v 4 worth 8 spricheit
niGstrin 14 irvvullit 15 sellicheite 17 laeittit 21 Ane] hier un-
gefähr beginnt ein anderer schreihcr, der sich eines Wortbindezeichens
am ende der zeilen bedient 27 viifvzliche = tepide
HOHEIVFLRTER BE?SEDICTINERREGEL V. VI. Vil 235
wurte, wände diu gt'liörsam diu den meistrin wirt irbotin, diu
wirt gote irbotin, der da sprichit 'Der hiich hörit, der hörit
mich.' Und mit götime gemuote müz diu gehörsam z\\ irbotin ^^0
^vorden von den jungerin, wände den vröwin gebin niinnit got.
Wirt er aber gehörsam mit ubelime gemüte und nit eine mit
dem munde, sunderin ouch mit deme herein murmuht , irvulit
er ouh daz gebot, so enwirt iz doch nit ampfenciich nnsirm
herrin J. Christo der des murmuleris herze ane sihit. Umme so 35
sulche tat so envolgit ime nechein gnäde, sunderin oidi dar
ubere so loufit er in di wize der murmulere, ob er iz mit der
l)uze nit bezerit.
DE TACITURMTATE. VI
Wir sühn tun alse der beilege wissacbe da sprichit
'Ich sprach : ich sal behuote mhie wege, daz ich nit missespreche
in miner zungen. Ich hän gesezzit huote minnim munde, ich
bin verstummit und bin gedemiitigit und ich sweic von gute.'
6' Hie ceigit uns | der wisage, ob man von guter reide under b
stunden durch daz stihiisse snl swige, michils mer von ubihn
wortin sal man sich verloube durch di wize der sundin. Durch
datz swi so iz si von gute und von heiliger bezerunge durch di
gedignicbeit des stilnissis, so sal man seidin den durnethtigen
jungerin urloub gebe ce sprechene. wände iz ist gescribin 'In lo
maniger rede so envlöbis du di sunde nit.' Und abir 'Der tot
und daz leiben sint in der gewalt der zungin.' Iz cimit dem
meistere wol daz er spreche und lere, und gecimit deme jüngere
wol daz er swiche und höre. Durch daz swaz so man vordere
sal, daz werde von dem priöre gevorderit mit denu'ite und mit 15
ewirdicheite. Scbimfliche worf und di unnuzze sint und di da
lachinde machint, di verdampne wir mit dem ewechin slözze in
allen stelin, und zu so sulber reide so enverhenge wir nit deme
jüngere sinnin munt \\f ce tuone.
DE IIUMILITATE. VII
Diu heilcche scriit röfit uns zii und sprichit 'Swer
so sich irhebit, der wirt geniderit. Und swer so sich
31 werdfii] \v' gcliin man 33 den 3t ani|)lii'ni(li(h vi 3
miniu 'ch 9 oder durnecliliKiii 12 den 13 nieislcien
236 HOHENFURTER REiNEDICTIISERREGEL VII
ged^mütigit , der wirt irhabin.' Wände unser herre selbe da
sprichit, so ceigit er uns aller slachte höheide wesin ein ge-
5 siechte der höhverticheite von der sich der Avissage ceigit ce
behüteue da er sprichit 'Herre, kiit er, min herze ist nit ir-
habin und min ougin sint nit geCiffit. In grösin dingin und
in wunderlichin sachin so engeinc ich nit über mich sel-
ben.' Sünderin waz? 'Instünt ich nit nidere, sunderiu ich ver-
10 habin hän mine sele, alse daz ubersougete kint über sine müter,
also Salt du vergelde in mine sele.' Von diu, wolle wir besizze
diu höhe der hoberistin demüte und wolle wir snelliche kume
zu der himilissin höhe, zu der man da üf stiebet mit der dimüte
des geginwortigin lebenis, so ist uns üf ce richtene diu leitere
15 diu erin Jacob irschein in deme slaphe, von der ime di nider
stiginde und iif stiginde engele wurden gewisit. Ane aller slate
szvivil nich anderis der nider- und der üfstic wirt von uns ver-
standen, wene daz man | mit der höclifart nider stigit und mit 7*
der demüte üf stigit. Du selbe üf gerichte leitere ist uusir
20 leibin in dirre werkle diu mit deme ötmütigin herce wirt üf ce
himile gerichtit. Der leiterin boume sint unser lichamen und
unsere s6le. In di leiterboume hait diu goteliche ladunge in
gesprüzit di misshche grade der demüte und der züchte di man
üf stige.
25 PRIMUS HÜMILITATIS GRADUS.
Der erste gräd der demüticheit ist ob man di gotis forchte
vur di ougin sezze und vlihe diu vergessinicheit und gehuge
sich alle cit waz unser herre geboten habe, wi di in helle vallint
di in mit den sundeu smehint und rutile in sime herein den
30 ewegen lip der da bereitit ist den di da got vorchtint und be-
huote sich alle cit von den sunden und von den lastrin, daz ist
der gedanke, der zungin, der ougin, der hende, der vüze, des
egenin willin; sunderin ouh er ile abe snide diu girde sines
vleischis. Er wene daz er alle cit von gote ane gesehin werde
35 und sine werc in allin stetin von gote ane gscowit und von den
VII 7 gevf|tit S vnderlichin 9 nidere 9 10 v''habin haben hau
11 besizze 13 zv 15 deme slaphe 16 wrden 19 selbe; 21
licham 24 stige sal? 25 Primus h. 2S ha | habe 32 voze
HOHENFURTER RE.\EDICTL\ERREGEL VII 237
heligiü englin alle cit gote wider gekiindegit. Daz ceigit uns
der wissage, so er in unsirn gedanken sagit daz got anewarte
si. Er sprichit 'Got durchsiichit diu herein und di gelende.'
und aber 'Got der bekennit der liute gedanke.' und aber 'Du
häs, herre, gemerkit mine gedanke, und des niennischiu gedanke 40
sulin dir begehi." Und daz der nuzze briuler alle cit sorcsam
si wider sine ubele gedanke, so spreche er in sime herzen 'So
wirdin ich umbewollin vor ime, ob ich mich behalde von minim
unrechte.' Unsern eigenin Avillin wert man uns also ce tuone,
so uns diu scrift da zii sprichit 'Bekere dich von dinen willen.' 45
Und wir bitin in deme gebeite daz sin wille in uns werde. Von
diu mit reichte werde wir gelerit niwit tuon unserin wille, so
wir IteluUin daz daz diu beilege scrift da sprichit 'Ez sint wege
di di liute recht dunkint, der ende senkit in die tüfede der
helle', Und so wir aber daz behütin daz von den versiunegin 50
gesprochin ist 'Si sint cebrochin und verwäzin wordin in irrin
willin.' In der girde des vleisschis so sul wir geloubin daz j
uns got alse geginwurtic si alse der wissage sprichit 'Vor dir,
herre, ist alle min girde.' Von di\ ist uns ce behütene diu
ubele girsheit, wände der tot ist gesezzen bi deme ingange der 55
gelüste. Von diu gebutit uns diu beilege scrift und sprichit
'Volge dinir girdin nit.' Ist daz unseris herren ougen besscho-
wint beide die gütin und diu ubilin und alle cit wartit von
deme hymele ubir der liute kint, daz her besehe, ob sich ieman
verste und got sCiche, Und ob unsir werc alle tage unsirme 60
scepfere von den englin gekundegit werdint den wir da bevolhin
sin, so ist uns ce behütene alle cit alse der wissage da sprichit
Daz swen unsich min trechtin geneigit zu dem ubele und un-
nuzze vindit gemachit vor sinir ansichte und schOuit unsir nu in
disin citin, wände er milde ist und beitil unsir bekerde, und 65
Sprech uns bar nach zu 'Diz tOle du, und ich sveic'
3S spcet 40 gekanke 42 sin 43 imi; 44 unreohti; 47
reichte; w\\e. 51 oder ivriii 52 willein gird«; vlesisscliis sul
53 geginwrlic 54 belivtene 55 wandij gezezzen 5S wartit]
aus dem vorhergeltendcn ist herre als subject zu ergänzen 59 iemain
60 suchi; nsir 61 gekundegit 62 spricheit 65 bekerdi; und] nit?
238 IIOIIEKFLRTER BENEDICTINERREGEL Vll
SECUNDIS HÜMILITATIS GRADUS.
Der antler gräd der demülicheite ist: Daz man sin selbis
williu nit minne, und daz in nit gelüste volbrenge sine girde.
70 Sünderin er volge der stimme unsirs herre diu da sprichit 'Ich
enbin nit kumen ce tuone minin willin, sunder sinin willin der
mich gesant hat.' Und aber sprichit diu scrift 'Diu wollust hait
wize, und diu nötturft geberit diu crönin.'
TERTIUS HÜMILITATIS GRADUS.
75 Der (h'itte gräd der demüt ist: Daz man durch gotis minne
mit aller gehörsam dem alterin sich undertenic mache und
volge unserin berrin von deme der apostolus dA sprichit 'Er
vvaz gehorsam sinem vater biz an den töd.'
QUARTUS.
80 Der vierde grad der demuot ist, ob man in der gehorsam
herte und widerwertige diuc lide und ob ime unrechte getan
werde, daz er daz duldicliche mit der stillin conscientien inphähe
und inhabe sich und enmuode niwit und enescheide sinin wec
nit, alse diu scrift da sprichit 'Der ('a belibit biz an daz ende,
85 der vvirt behalden.' und aber 'Din herze werde gesterkit und
dulde unserin berrin.' Und alse er ceigit den | getriwin man 8'
alle dinc durch got sule liden, so sprichit er in der persöuen
di da lident 'Durch dich werde wir alle tage getötit. wir
sin geacbtil alse di schäf der slachte.' Und alse si gvis werdint
90 von der Zuversicht des gotelicbin widerlonis, s6 vokbint si
vrölige und sprechinl 'In allen disin sachin s6 überwinde wir
di viende mit deme der unsich geminnit bat.' Und aber sprichit
<liu scrift 'Herre, du hast unsich bewcril, du hast unsich alse
daz Silber in deme viure geveimet. Du hast unsich in den stric
95 leitil. Du hast di dresschunge M unse rucke gelegit.' Und daz
er uns wise, wie wir undir deme priöre sulin sin, s6 volgit er
der nach und sprichit 'Du häs diu liutbe üf unsir houbit ge-
68 mani 70 speit 71 C(j 72 speit 78 siiu" 81 lide
82 eonseiontien SO vserin vgl. 11' S7 persoiie 90 zv v sehit
91 disoin 95 = tribulationes
HOHENFLIRTER RE>EDICTINERREGEL VII 239
sezzit.' So Avir ouh irvuUiii uusirs liLTreu gclxtt, il;i \\\v mit
der gedult unrcclit und witirwerd( ge dinc lidin. alse di da ge-
slagin werdint in daz wange, hitint dar daz andere, der in den 100
rok niniit, lazint im dar zu ouh daz lachin. werdint si zu einer
mik' genotit, si gent zv6 und duldint di valsin bjüdere mit
sente Paulo und iidint di echte und sprechint von in wol di
uhele von in sprechint.
QUIMÜS HUMILITATIS GRADÜS. 105
Der viumfte gräd der demuot ist, ob mau alle di u])ilin ge-
danke di z(\ deme herzen kumint oder daz man gesv^shche
ubelis getüt, daz er daz sineme abhete nit hele mit der lüterin
hiebt. Dar zu schundegit uns diu scrift und sprichit 'Offene
gote dinen wec und lioffe in sinen gnaden.' Und aber 'Richtit HO
unsirme herren gote, wände er gut ist, wände ist ewic . . . .'
Und s])ricliit aber der wissage 'Mine missetat tet ich dir, herre,
kunt, und min unrecht enverbarc ich nit.' Ich sprach 'ich sal
min unrecht gute künde wider mich seibin und du vergebe mir
mine sunde.' 115
SEXTUS HUMILITATIS GRAD US.
Der sexte gräd der demüt ist, ob in aller bösheite oder
lezisticheite sich der munich enthabe und zTi allen den werkin
di ime bevolhin werdint, sich irtr'iie einin ubelin und einin un-
wirdichiu wercman. Und spreche mit deme wissagen 'Ich ])in 120
S' ze nichte brächt und ich inwistis nit. j ich bin gemachet lii dir
alse ein vihe und ich icnnner mit dir.'
SEPTIMUS GRADUS HUMILITATIS.
Der sibende gräd der demuot ist, ob man sich allen Unten
vntuire und b6se nit alleine mit der zungin sage, sundir ouch 125
er gdoube mit innegir enste des herzen und druiüte sich mit
dem wissagen und spreche 'Ich bin ein wurm, nit ein mennisse,
101 im] in HO vre Hl waiidi; ist keine liicke m hs. 112
hro 125 = inferiorem et viliorein 126 mir 127 vvrm
240 HOHEiNFURTER RENEDICTIJNERREGEL VII
eiu itewize der liute und ein äwerfe des Volkes, ich bin gehöhit
und gedenniotichit und gesendit.' und aber 'Ez ist mir, herre,
130 guot daz du mich gedemütigit häs, daz ich gelerne dine gebot.'
OCTAVUS GRADUS HUMILITATIS.
Der achte grad der demüt ist, ob nich tuo der munich,
wene daz diu gemeine regula des clöstris schundegit und der
mestere bilide.
135 iVONUS GRADUS HUMILITATIS.
Der nünde gräd der demuot ist, ob der munich sine zunche
sveige von sprechene und habe sin stilnisse und enspreche nit
biz daz man in vrege: wände mit maniger reide, alse diu scrift
wisit, so envlühit man di sunde nit, und der cleffere enwirt nit
140 gerichtit ober di erden.
DECIMUS GRADUS HUMILITATIS.
Der cehiude gräd der dömüt ist, ob man nich lieh und
bereite si ze lachene, wände iz ist gescribin 'Der tunbe höhit
sine stimme an lachene.'
145 UNDECIMUS GRADUS HUMILITATIS.
Der eilfete gräd der demuot ist, ob alse der munich sprichit,
daz er sanfte an lachin und mit gedichenicheite demüticliche
und unmaneche und rediliche wort spreche und ensi an der
stimme ein rüfere nit, alse da gescribin ist 'Der wise wirt be-
150 kant mit ummangen worten.'
DUODECIMUS GRADUS HUMILITATIS.
Der zvelfte gräd der demüte ist, ob der munich al eine nit
mit (lerne herein, sunder ouh mit deme lichameu wise di demüt
allin den di in ane sehint. daz ist in den werken, in deme
155 beitehüs, in deme clöstre, in dem gartin, in deme weche, in deme
128 awersne 133 geimene 134 bileide 136 niide 142 manich-
lich 143 berite 147 safte 150 ummagc 154 denn; 155 den
HOHENFÜRTER BENEDICTINERREGEL VII. VIII. IX 241
9' ackere, oder swa s6 er sizzit oder geit oder | steit, s6 si er
alle cit mit geneigeteme houbete und habe sin gesüue an di
erdin und wene sich alle cit schuldic sinor sunde und wene
daz er alliz ane geantwurtit werde deme vorsamen urteile unsirs
herrin und spreche alle cit daz der offene sunder in dem evan- 160
gelio sprichit der sin gesüne zi"i der erden habete 'Herre, ich
sundere eubin nit wert daz ich min ougen üf hebe ce himile
wert.' und haber mit deme wissagen 'Ich bin gecrummit ce vil
und gedemütigit.' Swenne der munich aller dirrer demüte gr6de
üf gestigit, s6 kumit er cehant zu der minne unsirs herrin, diu 165
di vorthe uz tribit; so du selbe minne volbrAch wirt, durch di
alliz daz er da vor mit vorhte behilt, daz l)eginnit er dan be-
haldin an arbit, als iz ime von der natüre ane geborn si in eine
gute gewonheit, nit alliz ane von der vorchte der helle, sunderin
von unsirs herrin minne und von der guten gewonheite und i"0
von den gelüsten der tuginde, di unser herre gerüchit wisin
sinim wercman der da iezii gereinigit ist von den lastrin und
von den sundin mit deme heiligin geiste.
DE OFFICIIS ÜIVINIS L VIII
Wintir cit, daz ist von aller heiligin messe biz hine zu den
Astrin , al dar nach daz man gemerke mach , so ste man üf in
der achtin stunde der nacht, daz luczil m6r von der mittin
nacht gcslafen werde: und sti^n üf alliz ane verdowit. Daz nach
der meitene uberic ist, daz werde von den brüderin ingedienit 5
mit deme gebeite der lectien der betrachtunge. Aber von östrin
l)iz zu aller heiligin messe, so werde du metene also getempcrit
daz ein luzil undirval bealdin werde, daz di brüdere bi der wile
üz kumen zu ir nAtturftin. und da cehant so volge diu laus-
meitene der man beginne sal so iz tagit. 1"
QUANTI PS. DI. S N. H. IX
Wintir cit, so daz vers vore gesprochin wirt (jys. 69) 'Dens
in adiulorium me. in.' sA werde gesprochin drie stunt (ps. 50, 17)
160 == publicanijs 163 iiab'' 164 dirr"' 166 kaum voihralli
172 wlmnni viii 3 luczil 9 kuiii 9 10 Inusnicitene
242 HOHENFLRTER BElNEDICTINERREGEL IX. X. XI
'Düiiiine, labia mea a.' Dar nah volgc der drite salm 'Domine,
quid nnil.' und gloria patri. Dar näh der sahn (94) 'Venite
5 exuUenuis doniino' mit euir ant oder werde gesunge. dar nach
volge ein ymnus den sente Ambrosius gemachit hat. dar nach | sex 9'
sahnen mit ant. Alse di gesungin werdin und ein vers der
nach, so gebe der abbit senunge und alse si alle gesizze üf di
stuole, so werdin drie leccien gelesin und dar undir driu respons
10 gesungen, und der.daz drite resp singit, der singe gloria patri.
Alse er daz ane hebit, so sten si alle üf durch di 6re und durch
di öwerdicheit der heligiu driveltheide. Di buch werden geleisen
ce nietene beide des aldin und des nüwin urkundis der gotte-
liche wärsezzunge, sunderin ouh ir diutunge di von den aller
15 hachperstim und den rethgeloubin veterin gemachet sint. Nach
den drin leccien so volgen andere sex sahnen di man mit alleluia
schol singe. Dar nach volge ein capitelin daz man iizene spreche
sal, dar nach ein vers und kyriel. und werde diu metene
also geendit.
X QUIBÜS TEMPORIBUS ALLELUIA DICATÜR.
Von östrin biz aller heiligin messe so werde alle diu maze
behaldin di wir da vor gesagit hän, an daz di leccien durch di
kurzin nachte nit sulin werdin gelesin. sunderin vur di drie
lectien so werde eine üzene geleisin von dem alden Urkunde,
5 Swi kurz daz resp si, daz dar nach volgit. und daz andere alliz
werde irvullit alse wir gesagit hän, daz ist daz nimer minner
dan zvelf sahne zu der metene gesungin wer<lin, an {ps. 3j
'Domine quid mul.' und (ps. 94) 'venite ex.'
XI OUALITER DOMIIMCIS D. AGA. >.
An deme sunetage so werde beciticlichir üf gestandin ce
mettene. An der selbe mettene werde ein mäze behahhn. daz
ist daz man singe sex sahne alse wir da vor gesezzit hän, und
spreche dar nach ein vers. und alse si gesizzin, so werdin an
5 dem büclie geleisin vir leccien mit respon. da an dem vierdin
IX 7 salin 9 stvle 14 den] iV 16 al 17 capüii x 3
schwerlich nalhte 5 das quam des orighiah ist misvevsliuideti S q*
HOIIENFÜRTEß BENEDICTINERREGEL XI. Xli. XllI 243
R. gloria palri gusiingin \vor<le. Alsc man daz ane vöt, so sten
si alle Tif mit rwerdicheite. Nach den leccien s('» volgin aber sex
saline mit anl. nnd ein vers alse da vore. Dar nach sA werdin
aber geleisin vir leccien mit R. alse da vore. Dar nach werdin
drie cantica von den prophetin gesungin di der ahhit gesezzit. 10
Di selhin cantica werdin mit alleluia gesungin. und als ein vers
gesprocliin werdi und der abhit seignunge gegebe, so werdin
lavier lectien geleisin von dem nuwin Urkunde alse da vor.
iXäch deme vierdin R so hebe der abbit ane den ymnum He deum
lau.' Dar nach so lese der abbit ein leccien von dem ewangeho 15
und sten alle dar zu mit eren inde mit vorhte. Alse diu geleiseu
werde. s6 werde von in allin genwurtit Amen. Dar nach so
hebe der abbit den ymnum ane 'Te decet laus'. Und alse
seignunge werde gegebin, so hebe man lausmelene ane. So
sulhe ceche der metene werde beide sumircit und wintircit gliche 20
an deme sunnetage behaldin, ez ensi von schichte, daz nimer
geschehe nulze, daz diu metene verspölit werde, daz dan icht
gekurcit Averde von den leccien und von R. Daz sal men vil
harte behuotin daz iz imer geschehe. Ist daz iz geschehit, so
tuo er vol brtse in dem betehüs, von des versnmicheite daz 25
geschehit.
QUALITER MATU. SOL. AGA. XII
An deme sunnetage ce lausmetteue werde cerist gesprochin
der sahnen (66) 'Dens mis. n.' siechte Cm ant. Nach deme werde
gesungin (50) 'Mise' me' mit alleluia. Dar nach volge (117)
'Confitemini d. g.' und (62) 'deus deus m.' dar nach bened. und
laudate. dar nach lizene ein lectio von apok. ein R. sente Ambr. 5
ymnus, ein vers, benedictus, kyri. und werde als6 irvullit,
QUALITER PRIVA. D. XIII
An den werctagen s6 werde diu lausmelene als<*> begangiu
daz ist daz ^n ant. 'Dens misc. n.' gesungin sal werde, den man
XI () zvsviigiii 10 caiitiö ^'ozezzit 11 ycsuiifiiul 12 gejtrpite]
das zweite g aus b corr. 17 gcn|wi'tit IS aiic 20 ceclu; nieten^
24 behvlin gescchliit 25 tv xii 1 dciiii; 2 salm xiii 2 den]
AT. sal tuen
244 HOHEx\FlRTER BE^EDICTINERREGEL XIII. XIV. XV
luzil undercihe sal alse an dem sunnintage , daz si alle zu
'miserere mei' zu kume mugin der mit ant. sal werde gesungin.
5 dar nach volgen szvene sahnen nach der gewonheite alse si
geordinit sint nher di wochin. Dar nach volge ein canticum,
ein ieslichiz an sinime tage alse diu cristinheit ze Rome singit.
Dar nach volge 'laudate d. de c' ein leccio des apostoli ilzeue
gesprochiu, ein R. sente Ambr. ymnus, ein vers, benedictus,
10 kyriel. und werde also irvullit diu lausmetene. und diu vespere
enwerdin nimer so ubergangin, ez enwerde an denie lezzistin
teile in allin ze hörne daz vröne gebet | gesprochiu von deme 10'
priöre durch di scande di da wassent, daz si der worte gemanit
werdin da si sprechint 'vergib uns unsir schult alse wir vergebin
15 uuserin sulderin' und wesgin sih von s6 sulnie lästere. An den
anderin tagincitin so werde daz selbe gebet gesprochiu daz an
deme lezzistin teile von in allin geantwurtit werde 'Sed libera
nos a malo.'
XIV QU ALITER IN SAN CTORUM S. MA. AGANTUR.
In der heiligin höhcite oder in allin höhcitin, alse wir von
deme sunnetage gesprochiu hau, also werde iz begangin, an daz
di sahne oder ant. oder di lectien di czd deme tage treffint
sulin werdin gesprochin. Aber diu mäze werde behaldin diu da
5 vor gescribin ist.
XV OUIBUS TEMPORIBUS ALLELUIA DICATUR.
Von den heligin östrin biz zu den phinkistiu so werde an
underläz alleluia gesungin beide in den sahnen und in den
responsin. Abir von phinkistiu biz zii der vastiu so werde alle
nach zu den hiudirstin sex sahnen in der nocturne alleluia ge-
5 sungin. Alle sunnetage üzir der vastin so werdin di cantica,
diu lausmetene, prime, tertie, sexte und nöne mit alleluia gesungin
und diu vespere mit ant. Di respons enwerdin nimmer mit
alleluia gesungin wene von östrin biz hine zu den phinkistiu.
5 salFii G hinter wocliin fehlen die ge?iaueren bestimiiutnge7i des
Originals für die einzebien Wochentage 8 des] de vgl. 12' kap. xxv
10 und] vvn irwullil 15 vesgin] &% ist nicht deutlich, sondern znm
s die untere hülfie eines g gefügt 17 geälwrtit xv 1 An] en 2
salin 7 ninm
HOHENFURTER BENEDICTINERREGEL XVI. XVII. XVIII 245
QUALITER DIVINA OPERA PER DIEM AGANTUR. XVI
Alse der propheta da sprichit 'Sibin stunt an deine tage
sanc ich dir lob.' Du sibinde heilige zale Avirt also von uns ir-
vullit, ob wir unsirs dinistis ambicht zu den siben tagecitin ir-
vullin. wände von disen citin sprichit der propheta 'sibin stunt
an deine tage sanc ich dir, herre, lob.' Aber von der nach- 5
metene sprichit der selbe propheta 'Zu miternach stunt ich üf,
herre, dich ce lobene.' Von diu in disen citen lobe wir unsiriu
trechtin ubir di urteil sinis reichtis, daz is ze lausmetene, ce
prime, tercie, sexte, nöne, vespere, ze complete und sten ce nach
üf in ce lobene. 10
QUANTI PSAL. PER EAS. XVII
Wir han von den nocturnin und von der lausmetene ge-
cechit: nu ceche wir von den anderin citin. Ce prüne werde
drie sahnen gesungin , aber nit under einer gloria. Ein ymnus
der cite werde vor den salmin gesungin. Nach den salmin
11" werde ein leccio geleisin, ein vers, kyriel. und werde al'sö ge- 5
endit. In der selben ceche werde tercie, sexte, nöne gesungin.
.... Diu vespere werde mit vier salmiu und mit ant gesungin.
Nach den salmin so volge ein lectio, ein R , sente Ambr. ymnus,
ein vers, Mag". , Kyri., pater noster und werde also geendit. Diu
complcHe werde mit drin salmin siecht an ant. gesungin, dar 10
nach ein ymnus, lectio, ein vers, kyriel., diu segenunge: und
werde also da mitte geendit.
QUO ORDINE PSALMI DICENDI S. XVUI
Wir singin alse sencte Benedictus geordinit hat. Ce aller
vorderist so inane wir, kiU er s. B., ob ieman si deme dise ceche
der sahne alse wir gesezzit han missevalle, der ordine si baz
ob er iz irlcilit, und betrachtin al eine daz daz ie in der wochin
ein ganzir saltir gesungin werde, wände di muneche ceigint 5
XVI 1 da da S is] iz xvii 7 keine lücke in hs. 9 dh. Magni-
ficat XVIII 1 2 die ganze atiordming feldl, vielleicht weil von eitlem
ce aller vurderist (= iinpriniis) zum andern (= praecipuo) übcrgespnuigen
wurde
Z. f. D. A. neue folse IV, 17
246 HOHENF. BENEDICTLNERREGEL XVIII. XIX. XX. XXI
ein sväiz gotis diiiist di da niiiier dan einiu saltir mit den ge-
wonlichin canticis zu der wogin singint, so Avir leisen unsere
belege vetere ie einis tagis vrumiliche irvulit habe. Daz wir
lazin wolde got in einer wochin irvulin mochtin.
XIX DE DISCIPLINA PSALLENDI.
^Yir geloubin di gotelichin antwarte in allin endin wesin
und gotis ougin in allin stetin besouwen beide di gütin und di
obelin, idoch aller mest äne swivil wir geloubin so wir ce gotis
diniste sten. Von diu gehuge Avir unsich alle cit daz der pro-
5 pheta da sprichit 'Dinit gote mit fortin' und aber 'Singit wis-
lige' Und 'in der engele bcschowede sal ich dir singe.' Durch
daz merke wir, wi wir müsin wesin in der goteliche beschowe
und der engle und sten also ce singene daz unse gemuote ge-
helle unsir stimme.
XX DE REVERENTIA ORATIONIS.
Wolle wir mit geweldigin liutin icht undertrage oder scaffe^
so enirbalde wir nit, wene mit demuote und mit ewerdichheite.
michilis mer ist ce vlebene unsir aller herren, unsirme trechtine,
mit aller demüte und mit liuter enste. Und nit mit vilkösc,
5 Sünderin wir sulin wizze daz wir gchörit werdin rn der lütirheit
des herein und der cebere di da kumint von deme rüwegin
herzin. Durch daz sal daz gebet kurz inde lütir si, ez enst von
sichte daz iz gelengit werde von den ensten der gotilicher in-
bläsunge. ledoch in der samenunge so werde daz gebet alliz
10 gekurcit und alse daz ceigin von dem priöre werde | getan, so ir
sten si alle üf.
XXI DE DECAMS MONASTERII.
Ist diu samenunge merir, sd werdin di techiu irwelit di
güdis urkundis da sin und licleger bekerde, di sorcsam sin über
6 ///■/' sväliiz, svailiiz golis l'asl wie gvtis nimer 6 7 gewo-
lichiii canctic S iiwulit 9 wolde aus wolge irwulin xix 1 ge-
lowbin 2 beite 6 bechowede 7 bechowe xx 3 vsir herreni
7 in
HOHENFURTER BE.NEDICTIXERREGEL XXI. XXII. XXIII 247
ir techeuie in alliii diugiii nach gotis und irs abbetis geboten,
di teebin werdin also snlich irwelit daz der abbit sicher muche
si und in mite teile sine bürde. Und si enwerdin uit irweht 5
nach ir ordine, sunderin näh der werdicheite und näh der wis-
heite lere. Is daz ir dechein von schichte irbläsen mit der höh-
t'erte büzwirdic wirt fundiu, der werde gesträphit biz zu dem
dritin male, enbezzirt er sich nit, so werde er abbe getan von
sinim ambichte, und ein ander der des wirdic si undervähe sine 10
stat. Von dem pröbiste sezze wir daz selbe.
QUOMODO DORMIANT MONACHI. XXII
Di brüdere släphin sunderin in sunderlichin beitin. diu bete-
gewant inphän si nach der mäze der bekerde und nach des
abbetis sezzuuge. Mac iz si, so släphin si alle in einer steite.
Verhengit aber des diu menige nit, so släphin cehene oder zven-
zic mit altherren di ubir si sorge habin. Ein kerze burne 5
stt^ticliche in der selben celle biz vrü. Si släphin bewetit und
sin gegurtit mit gurtilin oder mit selin und enhabin di mezzir
zu ir sitin nit, s6 si släphint, daz si von schihte icht geserit
werdin so si släphint. Und daz di muneche alle cit bereite sin,
so daz ceichin werde getan, cehant äne tväle so sten si üf und 10
vurderin sich under ein ander ce gotis diniste. ledoch mit
aller dignicheite und mammindicheite. Di jungelinge enhabin
bi ein andir ir bette nit, sunderin si sin gemischit mit den alt-
herrin. Alse si üf Stent zu gotis diniste, so wecken si sich
under ein ander gezogeliche durch der släffigin insagunge. 15
DE EXCOMMUMCATIONE CULPARUM. XXIII
Svelich brrtder vrovelit oder ungehorsam wirt oder hoh-
tragende oder murmulere oder in dccheinin Sachen widerwer-
dich der höligin regelin oder den gebotin siner altherrin , der
werde von den altherrin nach unsirs herrin Jesu Christi geböte
gesvesliche ze einim male und zem andern male gemanit. En- 5
bezzerit er sich nit, so werde offeliche vor in allin gesträffit.
XXI 3 mit(' XXII 2 inphain 6 stccHclie 12 niiuniiuliilRile 15
gezoliche ijsagunge xxiii l v vrelit 5 gesveliclic ciiil zeii ander
248 HOHENF. BENEDICTINERREGEL XXIII. XXIV. XXV. XXVI
Enbezzert er sich aber dar nAh nit, versteit er wilich di wize
si, so uulderlige er der vermensamicheite. Ist er aber uuge- 12'
stümic, s6 undirlige er der liblichin räche.
XXIV QUALITER DEBEAT ESSE MODUS EXCO.
Nach der mäze der sciilde so werde ouh gelengit diu mäze
der vermeiisamichete. Der schulde mäze hange in des abbetis
wilcure. ledoch sveUch briider in der hchterin schult wirt
fundin, der werde gescheidin von dem gemeinin tiscke alsöge-
5 täne wis daz er in dem beltehüs sahn oder ant nit ane hebe unde
enccheine leccien lese biz zu der vollicUchir buoze. Sin ezzin
enphä er al eine nach der brüdere ezzene, also: ob di brüdere
ce sextin ezzint, so ezze er zii nüne; ezzint di brüdere ce
nüne, so ezze er ce vespere, biz ime nach der gevellichchir
10 buoze gnade volge.
XXV DE GRAVIORIBUS CULPIS.
Der brüdir der in der swerin schult ligit, der werde gesei-
din von dem tiscke und von dem betehüs. Nechein brüdir
werde ime zu gevügit mit geselleschefte oder mit sprechene. Er
si al eine zu dem werke daz ime bevolhin wirt und belibe in
5 der riwe und wizze diu eisliche reide des apostoli der da spri-
chit 'einin so sulhin menniscliin werde gegebin dem viinde in ein
verterpnisse des vleischis, daz der geist behaldin werde in deme
tage unsirs herrin.' Sin ezzin enphä er allöne in der mäze und
in der cite als ime der a]>bit irteilit. Er enwerde von uiemanne
10 geseinit noch daz ezzin daz man ime gibit.
XXVI DE HIIS QUI SINE lüSSIONE.
Svelich brüder irbaldit an des abbetis gebot sich zu \tige
oder spreche mit deme vermesamitin l)r6dere oder brenge
degeine bodeschaft, der lide di selben räche.
XXIV 5 unde /is. 6 vielleicht cncelioine oder enecheine ztt lesen
buche 8 9 nunc xxv 1 w cl(; 3 gesellecheftc 6 den wegen dei- kon-
slruktion vsrl. das o?'iifinal 7 denn- 9 cite Eer xxvi 2 vmesamitin
BOHENFURTEU BENEDICTI>ERREGEL XXVII. XXVIII 249
QUALITER SOLU. SIT ABBAS CIRCA EXCO. XXVII
Michele sorge habe der abbit umme di vermeisamite briio-
dere: wände di sieben beduifm arcetis, nit di gesundin. Durch
daz sal der abbit tuon also ein wisir arcit und sal gesveshche
wise altberrin zil dem brüdero sende di in gesvesliche tröstin iu
sinin nötiu und in schuudegin zu der demüte vol büze, und 5
tröstin in also daz er nit mit ce grözir unvroide besouft werde,
Sünderin, alse der apostolus da sprichit, diu minne werde in
ime gesterkit, und werde von in allin vur in gebeitit. Daz sal
12' der abbit mit allim vhze besorge daz er nit | deinchein der scAffe
verlise di ime bevolin sint. Er sal wize daz er über di sichin 10
sele sorge inphangin hat, nit erschaf ubir di gesundin und vorhte
di drowe dai unsir herre durch den prophetam sprichit 'Daz ir
veizzit säit, daz namit ir: daz d;\ kranc was, daz wurfit ir hine.'
Der abbit volge dem mildin bilde des gi'itin hirtis der da nun
und nüncic schäf liez üffe den bergen und geit und suchte ein 15
schaf daz da vererrit was.
DE HIIS QUI SEPIUS COR. N. E. XXVIII
Svelich Itrudir ofte gesträffit wirt umme decheine schult,
und wirt er ouh vermeisamit und enbezzirt er sich nit, s6
werde er mit dem besemin dike geslagin. Enbezzert er sich ouh
dar nach nit und von schihte mit höhim mute wil besirme sine
werc, daz nimir gesein mrtse, so tu der abbit als ein wisir 5
arcit. Hat er ime zu irbotin di bewesal, di salbin der schun-
dungc, di arcitteie der heiligin scrifte und ce lezist den brant
der rermeisamicheite oder der bessemin siege und gesihit er
daz allir sin vliz nit hilfit, so zu irbeite er ouh daz da mörir ist
um in sin und aller brüdere gebeit .... daz heil umme den 10
sieben brüdir. Enwirt er ouh also nit gebebt, s(> snide der
abbit daz füle von dem gesundin, alse der apostolus da sprichit
'Nemit daz ubele von üch' und abir 'Scheide der unselige sinin
wec, sA scheide er', daz ein suchtic schAf allin den herte nicht
suchtic mache. 15
XXVII 1 V mcisamilc 3 daz] daht 1 ffcsvesliclKj 5 scliuldeiüriii
8 und] wfT 9 alliii 10 \''\\so 11 inphangil 12 drowo 13 viirfit
14 gvutiii o(h'7' gvntin 15 nvncit xxviir2 v ineisainit 4 liohin 5 pc-
seine S vmeisamichcitc 10 keine lücke in /is. 12 drii 14 licite] hirtin
250 HOHE^FLRTER BENEDICTINERREGEL XXIX. XXX. XXXI
XXIX SI DEBEANT HERUM RECIPl FRATRES.
Svelich briidir von deme clöstre lesterllche verit oder ver-
worfin wirt, wil er wider kiime, so geheize er daz er sich buoze
wolle von dem lastre, von deme er üz kumen ist, und werde er
also in deme leizzistin gräde wider inphangin, daz da von sin
5 d^muot bewert werde. Get er aber dar nach üz, so werde er
[also] zu deme dritin male also inphangin. Dar nach mör s6
sal er wizze daz ime versagit sal werde der wideringanc.
XXX DE PUERIS MINORI ETATE.
Aller slate alter und vernumft sal habin sin eigene mäze.
Durch daz swenne so di kint oder di jungelinge oder di nit wol
verstau mugin, wilich diu wize si der vermeisamicheite , svenne
s6 di missetünt, so werdin si gckestigit mit vjl vastine oder
5 werdin betungin mit schar fin siegin, daz si gehelit werdin. 13'
XXXI DE CELLERARIO MONASTERII.
Der kelnere des clöstris der werde irwelit von der same-
nunge der da si wise und ernislir site, nuohtere, nit vröcic, nit
höhfertic, nit trübesam, nit unrechtere, nit tröge, nit ce bidirve,
Sünderin der got vorhte, der aller der samenuuge si alse ein
5 vater. Er sal habe sorge zu allin dingin, Ane des abbetis ge-
bot so entü er nicht. Daz man in heizit behalde, daz behuote
er. Di brüdere ensal er nit unvrowe. Svelich brüdir von
schihte 4cht unredelichis von ime heischit, den unvrowe er nicht
mit smöhunge, sunderin der in ubeli bitit, deme versage er
10 redeliche und mit demüte. Er behuote sine s6le und gehuge
sich des heiligin apostoli der da sprichit daz der der da wol
scaffit und dinit, ime selbeme einin giitin grät gvinnit. Mit
allenie vlize s6 besorge er di sichin, der kinde, der geste, der
armen, und wizze äne zvivil daz er vur alle dise reide müz
XXIX 1 2 vcrforfin 3 den 7 wider ingaiit xxx 1 v nvnift oder
v iiviiift XXXI 2 ciniflir lis. d. i. einistlichir nvbere toie 23' 3 ces-
liildere? = inodigns 7 luvte 8 hei: Int, : scheiiit ein begonnenes
vnd in c coi'r. f 10 beiivnlc 13 der] d^ = infinnoruni. infaiitiuBi,
liospitum pauperiiiuque curani gerat 14 d arm
HOHENF. BENEDICTINERREGEL XXXI. XXXII. XXXIIl 251
geltin in (lerne tage des urteilis. Alle di vas des clöstris und 15
alliz daz gelreigede besehe er alse di heligin vaz des altaris.
Er enversüme nicht. Er ensal sich nicht vlize an di giriheit. er
eiisal ein svendere iiit sin oder ein cetreigere des clöstris sache:
Sünderin er lil alli dinc mezliche und nach des abbetis geböte.
Diu demut habe her vor allen dingin. Sven er des gfitis nit 20
hat ze gebene, so gebe er gute anwurte alse da gescribin ist
'Daz gute wort ist über diu bezistin gäbe.' Alliz daz ime der
abbit bevelicht, daz habe er under sinir sorge. Dar er is in
engit, dar zu enirbalde er nit. Den brüderin gebe er ir ge-
sezzete viire äne tvAle, daz si nit geschendit werdin, und gehuge 25
sich der gotelicbir wordc, waz der garne der da gesendit einin
sinin niinnistin. Ist diu samenunge merir, so werdin ime helfe
gcgebin, daz er mit samfteme gemuote irvulle mugc sin ambich.
Cc vellicliir cite werde gogebin daz man gehe sal, und werde
gcvorderit daz man vordere sal, daz nieman betrübit oder ge- 30
uiivrowit werde in dem hüs unsirs herrin.
DE FER. VEL RE. MO. XXXII
Des clöstris getreigede in isene oder in gwandin oder in
den anderin sachin besehe der abbit und bevelhe si ce behutene
und widir ce samenende den brüderin, der lebenis und der site
13' er j gwis si. Der sache habe der abbit ein brief, daz svenne di.
Ijrüdere in trin ambichtin von ein andir undirkumint, daz er 5
wizze waz er gebe und waz er widir neme. Swer aber unsübir-
liche und vei-süiniliche des clöstris sache handelit , der werde
gesfrafüt. Eidjezzirl er iz nit, so undirhge er ik-r regelichin
zuchlin.
SI ALICUI LICEAT A. PROPRIUM HA. XXXIIl
Nemeliche daz laster der eiginschcfte werde wurcicliche von
(Icme clöslre abe gesnilin, daz ieman irbalde ichl ge])e oder
nenie iin des abbetis gebot oder icht eigenschefle habe, enweder
IG getrci^edg 18 ein] eii 22 woit] wil 24 eltoa dos er im
onlioiigit? 25 vilrc] iiviie 27 siiiiin 2S irwiille 30 iiiemani 31 9o
XXXII 1 iseiiQ 2 5e beselu; 5 diu anibiclil ? 6 vaz vaz vinsiiliir-
0 d'' ?'£■/. 19'. 21' der zutiii xxxiii 1 wrcicliclie
252 HOHENF. BENEDICTI^ERREGEL XXXIII. XXXIV. XXXV
buch noch tabele noch grifil noch vorncmigis nicht und von
5 rechte den ouh nit müzlich ist ir lichamen oder iren eigenin
wilHn habin in ir gvalt. [Alle diu nötturft.] Alle di nötturft
sal man habe von dem vatere des clöstris, und nieman sal
miizeliche si icht ce habene daz der abbit nit gebe oder ver-
beuge. Alle di Sache des clöstris sulin si gemeine, Alse da
10 gescribin ist 'und nieman irbalde ce sprecheue daz ich sin eigin
si.' Ist daz ieman gelustic wirt fundin in disime aller ergistin
lästere, der -sverde ze eiuim male und zem anderin male gemanit.
Enbezzerit er sich nit, so underlige er der sträphe.
XXXIV SI EQUALITER OMNES NE. D.
Alse dÄ gescribin ist 'iz wart einim ieslicheme geteilit als
ime not was.' Da enspreche wir nit daz man di personas ere,
sunderiu man sal di kranclieit merke, der da minnir bedarfe, der
gnade gote und enwerde nit geunvrowit. Der. da mer bedarf,
5 der demütigi sich durch di krancheit und erhebe sich nit durch
di gnäde und also blibint di gelidir alle mit vride. Vor allin
dingin so behüte man daz necheiu ubil der murmuliinge durch
decheine sache iergin schine mit wortin oder mit ceichin. Sver
dar ane begriffin wirt, der undirlige der strenger züchte.
XXXV DE SEPTIMANARIIS COQUINE.
Di brüdere dinin uuder ein ander also daz nieman sich in-
sage von der kuchenin ambichte, ez inbeneme diu suchede oder
der in grözzin nuzzelichin sachin becummirit ist: wände grözir
lön wirt da mite gewunnin. Den krankin w erde helfe besorgit,
5 daz si daz nit | tun mit unvrowedin, sunderiu si habin alle helfe 14'
nach der maze der samenunge oder di gestellide der stete. Ist
diu samenunge merir, so werde der kelnere insagit von der
kucheniu oder svelhe mit grözin nuzzin becumerit sint, alse wir
gesägit hau. Di anderin alle dienin under ein ander mit der
10 minne. Der zu der kuchenin üz gat, der mache süberunge an
4 tabelo 5 ir|en eig^eiiiin 11 iemam 12 ze nirikl in xxxiv 1
einin 2 wirt mit 5 kraiilicit 7 nechieii xxxv 1 niemani 3
beluinmiii 4 gcwnnin 6 gesellide = secuiifUini niodiim congresrationis
aut Positionen! loci 8 kuneuin 10 sub huiigo
HOHENFÜRTER BENEDICTINERREGEL XXXV. XXXVI 253
(lerne saniiztaga. Di dvehelin mit den di brildere ir hende und
ir vüze truchenint, wasche er. Di vaz sinis dinistis di enwurte
er widere deme kelnere reine und ganz, aber der selbe kelnere
entwurte si deme der zu der kuchenin in gät, daz er wizze waz
er gebe' oder waz er wider inphälie. Di wochenere vor einer 15
stunde des immizis so inphähin si über ir g^ezzete pln-ünde
liröt und trinkin den worlin, daz si ze tische ane murmuhinge
und äne gröz erbeit mugin gedinin irin bruoderin. An den
heihgin citin so enthabin si sich biz zil der messe. Di wochenere
alse si in gänt und üz gänt, cehant an deme sunnetaga alse diu 20
lausmettene geendil werde in dem bctehüs, so werfin si sich
vur di samenunge unde bitin vur sich bete, der dan von der
wochin üsgät, der spreche diz vers 'Benedictus es d. d. qui.'
Alse daz drie stunt gesprochin werde, so neme er seinunge und
ge üz. Aber die da in gät, der spreche 'Dens in ad. me.' und 25
werde ouh daz drie stunt gesprochin von in allin und inphahe
er seinunge und ge in.
DE INFIRMIS FRATRIBUS. XXXVI
Vor allin dingin und über alle sache sal man sorge habe
ubir di sichin und man sal in diene alse deme heligin Chrisl(\
wände er sprichit 'Ich was sich und ir gewisitit mich' Und Maz
ir einim minim minnistin tätit, daz tatit ir mir.' Sünderin ouh
di seibin siechin merkin daz in geih'nit wirt durch golis ere und 5
mit ir ubervluzicheite s6 enunvrowin si nit ir brüdere di in da
<linint. ledoch so sal man si duldicliche vertragin, wände von
in wirt grözir Ion inphangin. Durch daz habe der abbit michele
sorge, daz si icht vcrsümil werdin. Die seibin sichin habin eine
sunderliche celle und einin dienere der got furchete und minne 10
und sorcsam über si si. Daz bat liabin di siechin alse dicke so
14' si (h's bedurfin. Abir den gesundin und | allir meist den jungin
sai man iz seidin irloube. Daz vleisch cezzene werde ouh den
sieben irloubit und den kraiikin biz daz si sich an (h'Uie libe
gebezzerin. dar naii so enlbabin si sich aber nah der gewonheite. 15
Der abbit habe michele sorge daz von den kelnerin oder von
11 samizzaga 17 trnkin 20 dcnie 23 v |gat 24 gcsprocin
XXXVI 4 mim 5 geidiiiit 13 vlei^l 15 gewoheitc
254 HOIIENF. BENEDICTINERREGEL XXXVII. XXXVIII. XXXIX
den ilinerin di siecliin icht vcrsümit \verdin: wände iz gat in
ane sw;iz so di jüngere missetünt.
XXXVII DE SEMBUS ET INFANTIBUS.
Swi so diu selbe natura uljer di aldin und ul)ir di kint zu
der bermede werde gezogin, so sulin si docb von der regelin
berichtit werde. Diu krancbeit werde an in gemerkit und en-
werde diu regula an in nicht beliaklin an der liluiar, sunderin
5 si vure kunien di gesezzete cite.
XXXVIII DE MENSE LECTORE.
Der brudere tisc sal ane lectien nit sin. Und nit von schite
sver so daz püch l)egrife, turre da lese, sunderin der da lese sal
alle di wochin, der gö an deme sunniutage in. Alse der in gät
nah messe, so suche er ir allir gebeit, daz unsir herre von ime
5 kere den gest der hohferte und werde diz vers von ime ane
gehabin und drie stunt gesprochin von in allin 'Domine, labia
me. a.' Und alse er seignunge inphanchin habe, so ge er in ce
lesene, und michil stilnisse si ce tische, daz da nieman gehörit
werde wene der eine leisere. Diu noturft der libnar di irbietin
10 si under ein ander also daz da nieman icht dürfe eische. le-
doch ist da ichtis not, daz werde mer mit clopfene oder mit
ceichene geöschit dan mit stimme. Da enbalde nieman icht
von der seibin lectien vrege oder sage, daz dengeine Ursache
werde gegebin, ez ensi von schihte daz der prior durch bezze-
15 runge etewaz kurzelige wolle sage. Der leisere er dan er beginne
lese, so nem er mixtum durch heligin communionem und durch
daz daz ime lichte nit swere werde ce vastine. Dar nah so ezze
er mit den kuchenerin und mit den dienerin. Di brudere leisin
nit nach ir ordine, sunderin di di anderin gebezzere mugin.
XXXIX DE MENSURA CIBORUM.
Wir geloubin zu der tegeliche liluiar gnüge zvei geso tene 15'
mos in allin mäncdin, ez si ce sexte oder ce nilne durch mis-
xxxvn '.i liiaiilioliit 3 4 | werde 5 sit in eis pia consideratio ist
nicht übersetzt IvvITi tiezzere = lioras canonicas xxxvui 13 den
geiiie XXXIX 2 iiiuie
HOHENFURTER BENEDICTINERREGEL XXXIX. XL 255
lichir crancheit, ob svcr eiiiis nit genüzzon mac, daz er von dem
anderin werde gespisit. Durch <laz gnüge allin den brüderiu
svei gesotene müs. Ist dar ubir ol)iz oder gartcrütelee, daz 5
werde daz thnte. Ein gewegin brot gnüge an denie tage, sveder
man ze einim male ezze oder zvernt. Sulin si zvernt ezze, so
werde des seibin brötis daz dritte (eil ])ebal(lin und zu der me-
rate wider gegebin. Ist abir diu eribeit ichl merii-, so mae iz
si in des abbetis willecure und in siner gewalt, ob iz gemerit 10
sule werde. Daz ie dei' vrAz geverrit werde, daz nimmer deme
muneche underkume diu unverdovvunge. wände ez enist nicht
SU wederceme einim ieslichin cristin mennisrhin so der vräz,
alse unsir herre gesprochin hat 'Sehit, kül er, daz iwer herze
iclit besv^rit werde von dem vrAze und von der trunkinheite.' 15
Den kindin minneris alderis enwei'de diu selbe mäze nit behaldin,
Sünderin minncr dan den mörin. und werde sparheit in allin
dingin behaldin. von dem vleische inthabin si sich alle an di gar
sich sint und kranc.
DE MENSURA POTLS. XL
Ein ieslich hat eine sunderliche gäbe von gote, einer sus
und der andere s6. Durch daz wirl mit eineme zvivele diu mäze
der libnar von uns gesezit ubir di anderin. ledoch diu mere
wände wir der sichin krankheit merkin , s6 geloube wir daz
ein schenkin winis einim ieslicheme gnüge zu deme tage. Den 5
aber got di gn;ide gibit daz si sich mugin inthabin, di wizzin
daz si ir eigin Ion inphähin sulin. Ist aliir daz der stete nöturft
oder di erbeit oder diu hizze des sumcris mcr geeischit, so ste
iz in des priöris willecure daz er merke in allin dingin daz nit
underslich(^ diu sateheit oder diu trunkinheil. Swi s6 wir lesin 10
daz der nmneche win nit sule wcsiu, iedoch diu UK-re wände bi
unscrin cilin daz den munecliin nit mac wcrdin geratin, so
werde wir docli des ze rate daz wir nit diinkiii zfi der sateheite,
IS'suncb'rin sperhche, wände der win macht ouh | wise liule äwise.
Da aber diu nöturft der siele daz geeisschit, daz diu obene ge- 15
XXXIX 3 craniieit oh svor] zwei kon.ilniclio7ic?i, oli er 2vid s\cv, sind
vermischt 5 = gartcrutelelie 11 deine 12 vtricv me 13 eini
XL 3 gezezit 4 siclieiu 5 scenkin, li übergeschrieben \ 1 iniineclie
256 HOHENFl'RTER BENEDICTINERREGEL XL. XLI. XLII
scribene mäze nit fiindin mac werde, sunderin niichelis miuner
oder über al nicht, so lobin si minin trechtin di da binvint und
ennuirmulin nicht. Vor allin dingin so mane wir daz di brüdere
äne murmulunge sin.
XLI QUIBUS HO. OPOR. REFICERE.
Von den heiligin östrin biz zu den phinkistin so ezzen di
brüdere ce sexte und merin des äbindis. Abir von phinkistin
allin den sumer, enhänt si der erbeite üfe dem velde nit oder
enbetrübit si diu michele hizze nit, so vastin si di mitewochin
5 und di vrietage biz zu nüne. Di anderin tage ezzin si ce sexte.
Haut si di erbeit üfe dem velde oder ist diu hizze gröz, s6 mac man
der sextin immiz furdere. und si daz in des abbetis fursichticheite.
Der abbit tempre und sezze alle dinc also, daz di s61e behaldin
werdin und svaz so di muneche tünt, daz si daz äne murmulunge
10 tuon. Von des heihgin crücis messe biz an di vastin so ezzen
si ce nüne. In der vastin biz zu den östrin so ezzin si ce
vespere. Aber diu selbe vespere werde also begangin daz iz mit
tagis hechte alliz begangin werde, über daz alle cit ez si ce
immize oder ce meräte so werde iz alliz also begangin daz iz
15 mit tagis hechte alliz geschee.
XLII LT POST COMPLETORI. ^E. LO.
In allin citin sühn di muneche ir svigin behalde, iedoch
aller meist nahtis. und alle cit, man vaste oder man vaste nit,
izzit man svernt, cehant so man von meräte üf stät, so sizzin
di brüdere an eine stat und lese einer collationes oder der heligin
5 vetere lebin oder ettewaz anderis, daz di gebezerit werdin di iz
hörint. Nit werde da geleisin von dem aldin Urkunde, wände
in der cite enwirt den krankin vernunftin diu scrift nit nuzze
ce hörne, aber in den anderin citin werde si geleisin. Ist aber
ein vastetac, alse vespere gesungin werde und dar nach ein luzil
10 underval gemachit werde, so gön si cehant zu der seibin lectieu
der collationum alse wir gesprochin hau und alse geleisin werdin
vier bletere oder viumve oder alse \il so diu cit verhcngit alse
IS digin XLI 2 sext.; 1 fvrschiticheite 14 merat^
t
HOIIENFURTER BEiXEDICTINERREGEL XLII. XLIII 257
16' si bi der | leccicn alle ce sameiie kumen. ob liebt iman mit
sime ammicbte bckumerit ist, daz er oub zfi loiife. Alsögetäue
wis irvuliin si ir werc zu in ein gesamenit. Und alse si von 1^
conplete üz gant so ensi nieman nechein urloiib icht ce sprecbene.
Ist daz ioman vundin wirt des stilnissis regebn cebreche, der
underlige der sverin räcbe, ez ensi daz di nöturft der geste zu
kunie oder der al)l)it ieman icbt heize tun. Daz selbe aber werde
getan mit mislichir gedignicheite und vil crafte. 20
DE HIIS QUI AD OPUS D. VEL AD M. XLIU
Alse schire so daz ceichin ce gotis diniste gehört werde, s6
werde alliz daz geläzin daz in den hendin ist und werde geloufin
ce gotis diniste. ledoch mit gedignicheite daz diu schimfliche
itilcheit nit decheine brütesal vinde. Durch daz enwerde nicht
gotis diniste vur gesezzit. Sver so zu der nocturnin nit zu loufil 5
zu dem salme (94) 'venite ex' den wir durch daz wohin daz er
lancseine gezogiu werde, der enste in sinim ordine nit in deme
köre, Sünderin er ste zallir lezzist oder in einir stete diu der
a]d)it so sulliin versümegin hinderwart sezzit den wortin daz er
von ime und von in allin gesehin werde alse lange biz gotis 10
dinist irvuUit werde und in sin slaflicheit mit olTelichir buoze
geriwe und sich von der seibin sdnnne bezzere. Ist daz er üze-
wendic des betehüsis belibit, so wirt er lichte so sulich der sich
wider an sin bete legit oder sizzit da vor mit sinin spellin. Ez
enwerde nechein ursage gegebin dem ubilin, sunderin er g»i in 15
den kör daz er iz alhz nit verlise und sich dar nah l)ezzere.
An den tagecitin sver so ce gotis diniste ce lange ist und kumit
nach dem erstin salme , alse wir da vor gesagit hau der sie an
der Iczcislin stet<i und enirbalde sich nit geselle deme chöre biz
zu vollir buoze, ez ensi daz ime der abbi( urloub gebe an sine 20
slat ce genile, iedoch also daz er da mit v<'nia buoze. Ce ezzin-
cile sver vor deme verse nit zu geloufit, daz si allin samint daz
vers sprechin und bei in und in ein alle ce tische [nil] gchit, der
von siner versümicheile oder von sineme laslere nit ingegin
XLU 13 iiaam Ifi cou plcle sonst .i 17 = quod si iaveiitus fuorit
quisqiiam praevaricari haue taciturnitatis le^ulam xliii 1 (liste 7 oder
lancseme 11 irwllK 12 zwei salze sind zi/s<imfnengezoge?i 15 den
21 22 czzin liiite
258 HOIIEISFLRTER BEiNEDICTINERREGEL XLIII. XLIV. XLV
25 loiifit, I der werde biz zil dem anderin niAle gestrafit. Ist daz er 16"
sih nit bezzerit, so enwerde inie nit verhengit des gemenin
tiscbis teilunge, suiulerin er werde gescheidin von den anderin
und er ezze alleine, und werde ime sin scbenkin winis genumin
biz zuo vollichir buoze. Alsam lide der der zu dem verse nit
30 anwart ist der d;\ näcb ezzene wirt gesprochin. Und nieman
irbalde vor der gesezzetin cite oder der n;\h ich ezzenis oder
trinkenis inphahe, Ist daz der prior icht iemanne bütit ce ne-
mene und widerit daz der bruoder, in der cite alse er des gerit
daz er e widersluoc, so enphähe er vurnemgis nicht biz zu
35 vollir buoze.
XLIV DE HIIS QUI EXCO.
Der durch di sverin scult von dem Itetehiis und von dem
tische vermesamit wirt, in der cite so man gotis dinist tuot, so
lige er vor dem bettehüs gestrekit und enspreche er nit, wene
lege daz houbit üfe die erdin, vur aliir der vilze gestrekit di
5 i\zer dem betehiis gent. Und tu daz alse lange biz der abbit
irteile daz ir gnüc si. Sven er dan von des abbetis geböte ce
capiteli cumit, so streke er sich vur des abbetis viize, dar nach
vur alle diu samenunge daz si vur in bitin. Ob dan der abbit
gebiUit, so werde er in den chör inphangin oder in den ordine
10 alse der abbit besedit. ledoch also daz er in dem choro nit
irbalde ane h(>be salm oder leccien, ez engebite aber der abbit.
Und in allin citin so gotis dinist irvullit sal werde, so werfe er
sich nidir an di erdin da er da st6t und tu di buoze alse lange
biz in der abbit der vone heize rüwe. Der abir in der liechtir
15 schult wirt vermesamit von dem tische, der tu di büze in dem
betehüs bis an des abbetis gebot und tuo daz alse lange biz der
abbit seinunge gebe und spreche ez si gnüc.
XLV DE HIIS QUI FALLUNTUR.
Sver den salme oder den respons oder di ant oder di lec-
tien ane vöhit und wirt betrochin, er enwerde da gedömütigit
28 genvimim 31 ich] iz 34 widslvc oder iiitht xliv 1 vom
7 cumit 9 dem ordine? 9e hs. 14 rvvue 16 tvn xlv 1 2 oder
leccien
HOHENF. BE>;EDICTI>ERREGEL XLVI. XLVII. XL VIII 259
mit vollir buoze vor in aliin, s6 iinderlige er der merin räclie.
Und von reclite der mit dt^mrtte nit bilze wolde daz er mit ver-
^''' siVmiclieite missetete. Di kint recke man umme so siillie 5
schulde.
DE HIS QUI IN ALIQUIBüS LEUIBÜS REBUS DEL. XLVI
Sver in den erbeitin sva s6 iz si, iclit mistuot oder icht
brichit oder icht verlüsit oder sich' iergin verwarl(>sit ez si in
der kuchene, in dem kelre, in der pistrii, in dem gartin, in dem
diniste oder in decheinin listin , und enkumit er cehant nit vur
den abbit oder vur di samenunge, daz er sich seibin schuldic 5
sage und melde sine missetät, wirt iz ce \vizzene von einem
anderen, so underliger der merin hrtzze. Ist aber diu schult
nit offenbare, so sage er si al eine dem abbate oder dem alt-
herren di da kunnin beide sich selben und ir briulerc wundin
geheile, nit inteke oder offene. 10
DE SlGiVlFICANDA HORA OPERIS DEI. XLVII
Wie di tagecit werdin gecundit, daz besorge der abbit tac
und naht, entweder er selbe künde oder bevelhe daz eininie
sorcsamen brCidere daz daz gotis dinist alliz in rectin citin ir-
vullit werde. Di sahn und di ant heibint di bruodere ane näh
ir ordine näh dem abbete, also er si {(in heizif. Ce singe unde 5
ce lesene enirbalde nieman, wene der daz ambicht irvullin mach
und daz di gebezerit werdin di iz da horint. Daz tuo man mit
demüle und mit gedignicheite und mit forhte und den iz der
abbit gebiitit.
DE OPERE MANUUM COCTIDIANO. XLVIII
Müzzicheit ist ein viint der sOle. Durch daz in gvissin
citin sA werdin di lirudere b(!cunberit mit hauwerkin und in
gwissin citin mit der heiligin leclien. wir geloultin mit (hrrir
sezzunge bcHle cit gececlnt werde. (h\z ist daz si von den östrin
XLVI 3 den den 7 andenneii 9 wuiidin xlvu 3 g?tis 5 unde
G irwllin niazcli 9 gebutiz xlviii l sele 3 = hac dispositione
iredinuis ulraque lempoia oidinari i geeliecliit
260 HOHENFURTER RENEDICTINERREGEL XLVIII
5 bis zu des heiligin criicis messe vrü tiz gen und arbetin von
prime biz hine vil nah an di vierde stunde des man da bedarf.
Von der vierdin stunde biz vil näh zu der sextin so sin si zu ir
leccien. Nach der sextin alse si üf stent von tische, so riiwin
si in ir beitin mit michilme stilnisse oder der da lese wolle,
10 der lese ime also daz er einin anderin icht unrüwic mache, und
werde diu nüne becitlicher mittis der achtin stundin begangin
und svaz so ce tüne si daz erbeitin si biz ce vespere. Ist daz
diu nöturft der stete oder daz ermüte geeischit daz si ir vrucht
samenin und bekumerit werdin, so enwerdin si nit geunvrowit;
15 wände so sint | si war muneche, ob si ir hantwerke leibint alse f*'
unsir vetere und di apostoli. ledoch mit mäze tuo man alle
dinc durch di clenmiitigin.
DIVISIO.
Von des heligin crücis messe biz zu der vastin so lesin di
20 muneche biz vollecliche zii der anderin stunde, an der anderin
stundin so werde diu tercia begangin. und erbeitin dar näh in
ir werke daz in bevolin wirt biz zu nüne. Und alse daz erste
ceichin ce nüne werde getan, so scheidin si sich von ir werke
und sin bereite biz man daz andere ceichin liute. Näh ezzene
25 sin si zu ir leccien odir zu ir salmin.
DIVISIO.
In den tagin der vaste so sin si, di brüdere, zu ir leccien
biz zu voUeclichim mittemorgin und werkin dar näh voUicliche
biz zu der cehindin stundin. In den seibin tagin der vastin so
30 neimin si alli di sunderin buoch von der buch kamerin di si
näh ordine gar leisin. Di buch sulin werde gegebin in dem
anegenge der vaste. vor allin dingin so werde ein altherre oder
zvt^ne gesezit di daz clöstir ummegön in den citin so di brüdere
lesint und besehin, daz von schihte dechein brüdir släflc werde
35 vunde und müzzic si ze ... oder spelle und endenkit an sine
S der felill hs. sleit Its. steint? 11. 22 lunie Ki leidoch tvn
17 cieniviitigin 19 den /-oi cor/', des 29 cheidiii va''stin 33 gezezit
35 niuzzit sizze oder
HOHENFÜRTER BE.\EDiCTIi>ERREGEL XL VIII. XLIX 261
leccieu uit, und iiil im cininie unnuzzc ist, suiulerin ouli di
aiiderin verhel)it. Der so sulich ist und wirt also begriffin, der
werde gesträphit ce einim male und zem anderin male. Enbez-
zerit er sich nit, s6 undirlige er der regelichir züchte alsögetane
wis daz di anderin vorhte hal)in. Neinchein hriklir vCige sich zu 40
dem anderin ce unvcUichin citin. An deme sunetage sin si alle
zi\ ir leccien an di di mit mish'chin ammichtin bevangin sint.
Sver so versümich ist und so lazcic daz er nit wil oder enmacli
nit trachte oder lese, dem werde so sulich werc bevoHn daz er
tuo und nit miizic si. Den sichin brüderin und den vercertetiu 45
werde also sulich oder so sulich list bevolin, daz si beide nit
miizic ensin und iedoch mit so grözin werke nit gedrukit werdin
daz si vlihin. Der krancheit sal von dem abbete gemerkit werde.
18- DI OBS ERUATIOiXE QUADRAGESIME. XLIX
Swi des munechis lebin alle cit sohle habin der vastin bc-
heltnisse, iedoch diu mere wände unmaneger ist diu tuchint,
durch daz rate wir in disin tagin der vastin mit aller liHircheite
daz lebin ]>elialde. daz ist daz man alle di versi'unicheit der
anderin cite in disin heligin tagin wasche. Daz gescheit dan 5
wirdecliche, ob wir unsich von allin lastrin temprin und unsich
machin zii dem gebete mit weinunge der lectien und den herze-
riwin und der vastin. Durch daz in disin tagin sul wir etlewaz
z([ irljitin zu unsirme gewonlichin gewichte unsirs dinislis. Daz
ist sundcrUche gebcit inde temperiiisse der h'pnar. Und en ies- lu
lieh ubir (hu mäze diu ime gesezzit ist, so opfere er ein teil
unsirme ti-echtine mit der vrowede des heligin gestis von sinime
eiginin willin, daz ist daz er abe cihc sineme lichamen von
ezzene, von trinkene, von slafene, von kelcene, von schimfe, und
mit der vrowede der geslichin girde so beite er der ht'-ligin 15
östrin. Iedoch daz ein ieslich unsirme treclithie giUlele opfere
wil, daz undersage er sinim abl»et<', daz iz mit sinime willin
gesehe, wände svaz so an des abbelis verbencnisse gescheit, daz
wirt einir balheite gezalt und einir uppigin ()re, nit ce gotis
löne. Durch daz werdin alle dinc getan mit des abbetis willin. 20
37 ybi.ri verlieb' 42 mit fe/dl niislicliie 48 kraiilieit xnx 7 9e
9 gewolicheii =pensüimoic kap.i 10 intepnisse 13 eii^niii licliam
Z. f. D. A. neue folsje IV. 18
262 HOHENFURTER RENEDICTINERREGEL L. LI. LH. LIIl
L DE FRATRIBUS QLI LONGE AR 0. LA. ALT IX V. S.
Di bnulere di vcrre ce werke siiit und enmugiii nit ce
vellichir cite zil dem beitehüs kmiieii , di hegen an der seibin
stete gotis dinist da si da werkint und bougin ir kni mit der
gotlichir vorchte. Alsame tun di di üfe deme wege sint, di en-
5 ubirgen nit di gesezzete cite, sunderin si begen si alse si mugin
und enversümin nit gote wider gebiu daz gewichte irs dinistis.
LI DE FRATRIRUS QUI NON LONGE SATIS PROFICISCUNTÜR.
Di briidere di durch decheine sache üz varint und verseint
sich wider kume ce clöstre des seibin tagis, di enirbaldin da
üze nit ezze ob si des ouh von imanue gebeitin werdin, ez ensi
daz iz in ir abbit gebiete. Tünt si icht anderis, so werdin si
5 vermeisaniith.
LH DE ORATORIO MONASTERIL
Daz betehiis si als iz gesprochin wirt. und da inne euAverde 18'
nicht anderis getan oder behaldin. Alse gotis dinist irvullit
werde, so werde mit nigene ewirdicheit gote irbotin und gen
also uz mit stilnisse, daz der bruder, der lichte von ime selbeme
5 bete wil, nit geirrit werde von einis anderin lichticheit. Ist aber
ein ander der von schite gesveslicher wil bete, der ge einveldic-
liche in und bete nit mit offeuir stimme, sunderin mit den
ceherin und mit des herzin andäch. Sver sögetäne wis nit tut,
deme werde nit verhengit ce belibene in dem betehüs, daz ie-
10 mau, alse wir gesprochin hän, von ime icht gehinderit werde.
LIII DE HOSPITIRUS SUSCIPIENDIS.
Alle di geste di zu deme clöstre kumint, di werdin in-
phangin alse der heilige Crist. wände er sal spreche 'Ich was
gast und ir inphigit mich.' Und werde in allin gevellich ere
irbotin. iedoch aller meist den ewirdigin und den pilgrimiu.
L 1 werrc 3 bovgin so u 5 vermeisaniich lii 1 gesprod)it
5 oder eines 0 10 euiian
HOHENFÜRTER BElNEDlCTlNERREGEL LIII 263
Von diu, alse der gast gokundigit wirt, so werde ime vou dem 5
priöre oder vou den brüderiu begeinit mit allim amchte der
minne, unde betiu zerist und geselliu sich dan mit dem pece.
Daz selbe pece en werde nit gegebiu , c dan daz gebet getan
werde, durch des tiuvehs gespote. So man di geste grüzzit, s6
werde alle dOmiH in zu irbotin. Sveder so di geste zi\ varin 10
oder hine varin, so werde der heihger Crist an in ane gebetit
mit ahne lichamen geneigit oder gestrekit rtfe di erdin, der ouh
an in inphangin wirt. Alse si inphangin werdint, so werdin si
geleitet zu deme gebete, nnd sizze darnäh mit in der prior oder
sven er daz heizet tun. Vor deme gaste werde geleisin diu 15
goteliche e, daz er gebezzerit werde, und dar näh so werde ime
zu irbotin alle diu mennisheit. Du vaste werde von deme priöre
gebrochin durch den gast, ez ensi ein lantvastetac den man ce-
breche nit mac. Aber di brüdere habin ir gewonheit mit ir
vastin. Der abbit gebe den gestin daz wazzir in di hende. Abir 20
di vCize wasschin in bede der abbit und alle diu samenunge.
Alse si gewasschin werdin, so sprechin si diz verse (ps. 47, 10)
'Suscepimns, deus, misericordiam t. in me.' Allir meist werde
besorgit wi di armen und di pilgrime inphangin werdin, wände
an den wirt der heiligir Crist mer inphangin. Ja erit sich seibin 25
der richin eisunge. Der geste kuchene si von ir selbere, Daz,
svenne di geste kumen in ungvissin citin und ce clöstre alle
19'cit sint, I nit unriiwe machin di bri'idere. In di seibin kuchenin
gen zv«^ne briidere zTi dem järe di daz selbe ammicht wol ir-
vullin. Svenne oiUi di seibin helle bedurfin, so werde si in ge- 30
gebin daz si äne murmulunge gedinin mugin. Und aber svenne
si minner bekumerit sint, so gen si zu dem werke daz in bevolin
wirt. Und nit eine an in, sunderin daz sal man ouh merke in
allin den ammichtin des clustris, svenne so si helfe bedurfin, daz
man si in gebe, und aber svenne si leidic sin, so shi si zCi 35
anderin werke gehorsam. Daz gasthüs werde ouh bevolin einim
lu'rtdcre, des s6le gotis vorchte besezzin habe, da di bette vollic-
liche sin bereite und daz gotis hfis werde wisjiche von den wisin
geseizit. An urloub ensal sich nieman zil den gestin geselle
noh wider si spreche. Ist daz er ime ])eganit oder si gesehit, 40
Liii 7 undc hs. 16 9 17 = hunianitas 25 = niafri'^ 29 30
irvvuliiii 40 be^^anit /'«> beg'ainit, begoiiiit? si] sich
264 HOHENFURTER BENEDICTINERREGEL LIII. LIV. LV
s6 sal si mit demüte grüze und bite seignunge und ge vare und
spreche, ime si nit miizelich cc sprechene mit deme gaste.
LIV QUOT NON LICEAT MONACHO LITTERAS AUT EULOGIAS
SUSCIPERE.
Ez ensi nccheine wis müzlich den munccliin euweder von
irin vründin noch von dencheinim menniscliin noch under in
seibin brive oder boteschaf oder dencheinir slate gäbe neime
oder gel)e an des aJjbetis gebot. Ist daz von slnin vorderin im
5 ich gesant wirt, daz enirbalde er nit inphahe, ez enwerde e dem
abbete ce wizzene. Heizit er iz inphahe, so si iz in sinir ge-
walt, weme er iz heize gebe, und enwerde der brildir nit geun-
vrowit deme daz gesant wirt, daz deme tiuvele dechein ursage
gegebin werde. Der diz gebot ubir gct, der undirlige der
10 regehchin zuiin.
LV DE INDUMEMIS FRATRÜM.
Daz gewöte werde den brüderin gegebin nach der wahmge
der stete und nach der temperunge des kiftis. wände in den
cahlin landen bedarf man gewandis mer und in den warmin
minner. Daz si in des abbetis betrahtunge. Abir in den geten-
5 pertin landin so geloube wir daz eineme ieslichime gnüge ein
kugele und ein roc. ein kugele in dem wintere rüch, in deme
sumere sletht oder alt, und schepelere durch daz werc. Vuoz-
gewßte sin socke und hosin. Svelher varwe daz alliz si oder svi
grob iz si, so sachin di muneche nit, sunderin | alse man iz IQ'
10 vinde mac in deme lande oder alse man iz bösir veile mac vinde.
Von der maze besehe der abbit daz daz gewant nit ce kurz si,
sunderin gemezzin. Alse si daz nüwe inphäint , so gebe si daz
aide widere in di watkamerin ce legene durch di armin. Iz
gnügit einim muneche zvöne roke und zvö kugelin ze habene
15 durch di nechte und daz ce waschene. Swaz so dar ubir ist,
daz ist ubirvluzic, daz sal man abe snide. Vilzgewcte und swaz
so alt ist , daz sulin si wider gebin , so si daz nüwe inphäint.
LIV 5 (j 6 si fehlt hs, lv 3 inde warnii 7 siecht? Vn
10 = vilius comparare possuiit 16 oder vltirvluzit
HOHENFURTER BENEDICTIiSERREGEL LV. LVI. LVII 265
Nidenv^te suliu si von der kamerin inpliain di dii üz gesendit
werdint. alse si widir kumint, so suliu si iz legin widir ge-
Avascin. Di kugelin und di rocke sulin ettewaz bezir sin dan di 20
gcwonlichin. Di sulin si ouh von der wAtkamerin neinie unde
abir so si wider kumint wider gebin. Daz betegvant si ein male,
ein grob tuoch, deckelacbin und ein kussin. Di seibin bete
sulin dicke versCicbit werde von dem abbete durch di eiginscbaft
daz siu icht vundiu werde. Und svä so diu vundiu wirt, diu 25
von dem abbete nit genumin wirt, da undirlige der schuldige
der aller svörstin züchte. Und daz diu eiginscbaft wurzeliche
werde abe gesnitin, so werde alle diu nöturft von dem abbete
gegebin, daz ist diu kugule, der rock, socco, hosin, bruhkurtil,
meizir, griffd, nälde, dvehele, tabele, daz aller der nöturfte 30
clagunge abe genumen werde, abir von dem abbete werde alle
cit gemerkit diu sententia actuum apostolorum, daz einim ies-
licheme Avart gegebin alse ime not was. Von diu merke der
abbit diu krancheit der durftigin, nit den ubelin willin der
nidere. Und in allin sinen urteilin so gedenke er an daz 35
eotis lön.
DE MENSA ABBATIS. LVI
Des abbetis tisc si iemmer mit pilgrimin und mit geslin.
Swenne aber der geste minnir ist, di er der brüdere zu sime
tiske lade wil, daz ste an sinir gewalt. Abir einin altherrin oder
svene, di läze er mit den brüderin durch diu zuch.
DE ARTIFICIBUS MONASTERII. LVII
Sint listmechere in deme clöslre, di sin da mit michelir
dC-miKe, ob iz der abbit gcbCitit. Verhebit sich ir dechein von
sinin listin, alse er deme clustrc vil nuzze si, der werde von den
20' seibin listin abe gewisit und si dar nach der | von ledich , ez
ensi daz er gedemCitigit werde und in der abbit zil den listin 5
wider läze. Swaz so ce vercoulene ist des werkis, so besehin si
di da vercoufmt, daz si dencheine untriwe hegten des lönis icht
18 vnz gesendit 24 eiginciiaft 30 tiotiirfe 34 Uiaiilioit
LVII l listmechere 0 d es
266 HOHElNFURTER BENEDICTINERREGEL LVII. LVIII
ce habene. Und gedonkin alle cit Änanie und Saphire, daz von
sichte den tot den si an dcme lihe liden, daz si den an der sele
10 liden, di dechein veichin von des clöstris sachin beg^nt. Abir
au denie seibin löne s6 engirsche nieman nach deme gute,
Sünderin iz werde ie ein tel untürir bine gegel)in dan von
anderin werltlichin liutin, daz in allin dingin got geerit werde.
LVIII DE DISCIPLmA SUSCIPIENDORUM FRATRUM.
Sver so nüwelicbis zu bekArde kuniit, deme enwerde nit
licbtir inganc verhengit, sunderin alse der apostolus da sprichit
'Versüchit di geiste, ob si von gote sin.' Von diu sver so kumit
und zu dem ingange cloffit steticliche und mit spc^hin wortin
5 wirt unibe getribin und näh virin oder viumf tage diu widerunge
und den unsemftin inganc duldicliche vertregit und belibit an
siner bite, deme werde verhengit der inganc und si in deme
gastbüs ummanege tage. Dar nah si er in der novitien cella da
er trachte und ezze und slaphe. Und ein altherre werde ime
10 beschidin der da gevelliclich si di sele ce wuocherne, der in mit
alleme vlize merke, ob er sorcsam si und ob er got sücbit, ob
er sorge hat ce gotis diniste, zu der gehorsame, ze itewizze.
Ime werdin vor gesagit herte dink und scharffphe mit den man
ce gote g6t. Gelobit er da mitte diu steiticheit, so werde ime
15 näh svene mänede disu regula nah ordine geleisin und werde
ime zu gesprochin 'Sinuwa diu e ist under der du wesen wilt.
Machdu si behaldin, so ganc in. enmachdu si nit behaldin, so
var vrilich dinin wec' Steit er noch dan, s6 werde er aber in
der novitiin celle geleitit und werde aber mit aller gedult ver-
20 süchit. Und nah sex mänede s6 werde ime aber (hse regula
geleisin, daz er wizze waz er ane ge. Und steit er nochdan, s6
werde ime abir ubir vier mänede diu selbe regula geleisin. Und
bettrahtit er sich und geloubit er ce bebaldine alliz daz ime ge-
botin wirt, so werde er in di samenunge inphangin und wizze
25 von der e der regelin gesezzit daz ime von | deme tage nit mrtz- 20'
lieh si von deme clAstre \\z varin oder den hals üser der regelin
11 niemam Lvni 2 ingant 4 öc speiii, h iibergeschr. voilin
6 i5e 10 becliibiii te wrcheriie 13 oinnia dura et aspera im oi-i-
fiinal scaifl'plio, li i/bei' a 16 (; 17 Mach div 1'^ daiit
20 werden 25 r sciens e lese resrulae constitutuin
HOHENFURTER BENEDICTINERREGEL LVIII. LIX 267
Joche sehnte der er sich in so langir Ijetrachlunge mochte insage.
Alse man in dan inphähe sal in dem betehüs, so gelobe er sine
sttUicheit nnd bekt^rde sinir site und gehörsam vor gote und
sinin heiligin, ob er iemmer anderis getü, daz er wizze sich 30
verdampnit von gote des er da spotit. Von deme gelovede
mache er eine bete zu der heiligin name der heilichtrtm da ist,
und des geginwortigin abbctis. Diu seibin bete scribe er mit
sinir haut, obe er scribin kan. enkan er gescribin nit, s6 scribe
si ein ander von ime gebeitin und der novitius mache ein ceichin 35
und" lege si mit siner haut üfe den alter, alse er si gelegit, so
habe der selbe nowitius cehant ane diz vers (ps. 118,116)
'Suscipe me domine s. e. t.' Daz vers envvurte alle diu
samenunge drie stunt und 'gloria patri' sprechin dar nach. Da
mite so strecke sich der novitius vur ir allir vüze besunderin, 40
daz si vor in beitin. und von deme tage werde er in di samenunge
geachtit. Hat er decheine sache, di gebe er 6 den armen liutin
oder mache eine offene gäbe dem clöstre und enbehalde ime
vurnemegis nit. Und von reichte, wände er von dem tage sin
selbis lichamen necheinin gewalt sal wizze ce liabene. Cehant 45
in dem betehüs werde ime sin gwant uz gezogin und des clöstris
gwant ane getan. Abir daz gewant daz ime üz getiin wirt, daz
werde in deme clöstre bebaldin. ob er ettewenne von des tiubelis
rate gehillit daz er von dem clöstre vare , daz nimmer geschec
muoze, so werde er üz getan des clöstris gewant und werde 50
verworfin. ledoch diu bete diu der abbit von dem altere ge-
numen hat, di cnphähe er nit widere, sunderin si werdt> in dem
clöstre behaUhn.
DES FILIIS NOBILIUM VEL PAU. Q. OKFERAN. LIX
Sver der edilin von schihte sinin suon gote opffirt ce
clöstre, ist daz selbe kint minnirs alderis, so tünt di vrünt di
bete di wir da vore gesagit hau. Und mit opffere tuon si di
2l'selbiu bete und be windin des kindis haut in dem altirtüchc und
oplVin also. Abir von sinin sachin oder in der geginwortigiu 5
beite, so gelobin si under dem gesvorn beide, daz nimniir \on
2S gcloubc 29 stoteiclicil 30 ecr 31 g-elovir 37 licilio?
42 (; arili -Jß liethchus '49 Daz 51 52 stMUiin r.ix 6 «e-
ioiiMii
268 HOIIENFLRTER BENEDICTIISERREGEL LIX. LX. LXI
ime selbeme noh von decheinir wäiisam personam uoh decheiue
wis ime iclit gebin oder gebin Ursache ce habene. Oder en-
wolliiit si des nit tun und wollint ein teil opfere ce clöstre vor
10 ir lön zu einer almüsin, so niachin si von den sachin di si gebe
Avollint dem clostre eine gäbe und bchaklin in ob si also willint
den nuzlichin vrucht. Und werde alliz also beschuzzit, daz de-
cheiu wan deme kinde belibe von dem iz betrogin werde, daz
nimmer geschehe müze, und verterbe muge. daz wir vor war
15 vreisschit han. Alsamc tun ouh di da ermir sint. Di abir vor-
nemigis nicht hänt, di tun enveldicliche ir bete und mit oblei
opffrin si irn sun mit gezüge.
LX DE SACERDO. QUI YO. IN MO. HABITARE.
Sver von dem ordine der pristere sich in dem clöstre bittit
inphähin, der enwerde al in gähin nit gewert. ledoch belibit
er stt'tic in der vlehungc, so wizze er daz er aller der regelin
zucht behaldin muoz, und ime enwerde nicht verhengit daz da
5 si als iz gescribin ist 'Vrünt, durch waz bist du cumin?' Ime
werde iedoch verhengit nach dem abbete sten und seine oder
messe singe, ob iz anderis der abbit irloubit. Abir anderis so
enirbalde er ze decheinin dingin. und wisze daz er der rege-
lichin zutin müz undcrtßnic sin und merir demüte bilide den
10 anderin aUin sal gebin. Ist daz er lichte durch di wihe oder
durch andere sache ce clöstre ist, so merke er ie di stat alse er
ce clöstre kumin ist, nit di stat diu ime durch di ewirdicheit
des pristerlichin ammichtis verlihin ist. Svel ir ouh der anderin
phaffin sich bitit zil deme clöstre inphäin, der werde an eine
15 mesliche stat gesezzit, ob er anderis geloubit di regulam behalde
und sine stelicheit.
LXI DE MONACHIS PEREGRI. QUALI. SUSCl.
Svelich munich eilender von vorrin landin zu deme clöstre
kumit, wil er gaslis wis ce clöstre si und ob iinc gnugit | diu 21'
gewonheit des clöstris di er vindit und nit betrülüt daz clöster
14 ninm lx 1 den cl. 5 bist div S ding-iiiti oder dinginn lis.
10 Mie, h überiieschr. 1 1 ei 12 ni di
HOHENFURTER BENEDICTINERREGEL LXI. LXII 269
mit sinir ubirvluzzicheite, der werdo inphangiii alse lauge so he
des gerit. Ist daz er reidelichc und mit demüte der minne ette- 5
waz berefTesit, so betrachte der abliit daz wishche daz in von
schihte unsir herre durch daz selbe gesaut habe. Abir dar nach,
wi\ er sine steiticheit festine, so euwerde sögetän wille nit ge-
widerit. Und alHr meist wände in der cite di er da was gast,
so mochte man sin leibiu irkene. Ist aber daz er ul)irvhizzic 10
oder lasterböric gastis stete wirt fuudiu, nit eine ensal er zu
geseiht werde deme lichamcn des clöstris, sunderin ouh ime sal
erafte zrt gesprohin werde, daz er daunin Schede , daz von sinir
jämerheite di anderiu nicht gelasterit werdin. Ist er abir so
sulich nit, der da verworfin sul werde, nit eine werde er iuphaugiu 15
in di geselleschaft der samenunge, sunderin ouh man rate ime
zu der steiticheite , daz von sinim bilide di anderiu gebezzerit
werdin: wände in allin steitin wirt eineme herrin gedienit und
hat di rittirschaft uudcr eineme kuuinge. Gesehit in der abbit
sösulichiu wesiu daz er is wert si, so mac er in in eine höhere 20
stat sezze. und nit alleine den munich sunderin ouh, alse wir
da vor gescribiu hau von den pristrin und von den phaffin, so
mac der abbit eiuin ieslichiu in eine höhere stat sezze dau er ce
clöstre kumen ist, ob er ir leibin sösulich sehit. Aber der abbit
behüte daz er von decheiucme kuudin clöstre decheiuin munich 25
inphahe au siuis al)betis verheucnisse und aue brive di in dem
clöstre bevelhiu. wände iz ist gescribiu 'Daz du nit will daz
dir geschehe, daz entu du eiuim anderiu nit.'
DE SACERDOTIBUS MONASTERII. LXII
Svelich abbit ])ilet ime wihe eiuin pristir oder einin dia-
conem, der irwele undir den siuiu der des wert si. alse der
gewiit werde, so behöte er sich von der höfcrle und enirbalde
nicht Aveue daz ime von sinem ablx'te gebotiu wirt, und wizze
daz er niichils nier uudertenic muz sin der regelichin zuhte. 5
Und von der Ursache des prislirlicliiu auuuichlis so envergczze
er nit der regcliu zuchl und diu gehörsam, sunderin er bezzere
LXI 4 ubiiwluzzitlieite 9 = et maxiivie (juia 10 ubir vluzzit 11
= hospitalilatis 13 siuia 24 kvili 25 daiz er 2G dem] 9e
LXII l 2 (liacour 4 sinen 5 zuthe, t zwisc/icii h und v iibevgcschr.
270 IIOHE^TÜRTER BENEDICTINERREGEL LXII. LXIII
sich ce gote mt^r und mer und merke iemmer | diu stat alse er 22'
ce clöstre kumen ist an daz amniich des altaris. und ob der
10 abbit mit der samenunge in durch sine wirdicheit baz ere wil,
iedoch sal er wizze daz er behable sal di regulam di den techin
und den pröbistin gesezzit wirt. Ist daz er anderis irbalde ce
trtnne, so enwerde er nit ein pristir, sunderin ein widerwertiger
irteiHt. Und wirt er dicke gemanet und enbozzert er sich nit,
15 so werde ouh der bischof ce einime Urkunde zi\ irbotin. En-
bezzert er sich ouh so nit von schinliergin schuldin, werde er
von deme clöstre verworfin , ob anderis sin vrevele sosulich ist,
daz er der regelin nit undirtenic und gehörsam wil si.
LXIII DE ORDIMBL'S CONGREGÄTIONUM.
Di brüdere behaldin ir ceche in dem clöstre alse diu cit der
bekßrde und iris lebenis wirdicheit bescheidit und alse der a])bit
sezzit. Der seilte abbit betrübe den herte nit der ime bevoliu
ist. Und er Schafte nich unrechtis, als ob er vri an sinir gewalt
5 si, sunderin er gedenke iemmer daz er von allin sinin urteilin
und von allin sinin wei'kin gote müz enwurte. Durch daz nfdi
ir ceche di si habint oder gesezint, so gön di brüdere zu dem
pece, zu unsirs herrin lichamen den salmen an cc vähene in dem
chöre ce stede. Und in allin stetin so underscheide daz alder
10 nit oder verteile: wände Samuel und Daniel di kint irteilitiu di
pristere. Durch daz dn di di der abbit durch gvisse sache mit
höherime rate vor gesezzit oder insezzit, di anderin allinsamint
di sin in der ceche alse si zu der bekörde kumen sint, alsö-
getAne wis, der zu der anderin stunde des tagis ce clöstre kumen
15 ist, der wizze daz er des jüngere sal sin, der zi\ der eristin
stunde kumen ist des tagis, svelhis alderis oder svelhir herschcfte
er si. Den kindin werde in allin dingin zucht zu irbotin von in
allin. Di jüngere eren ir priores, di priores minnin ir jüngere.
Alse si sich mit namin nennint, so cnsi nienian nuizlich den
20 anderin mit sleiteme namen nenne, sunderin di priores neinnin
ir jüngere bn'idorc, di jüngere heizen ir priores nonnos, daz
8 ienini'' 11 lodocli 12 13 cetvne 16 so werde? lxiii 7
gezczint 8 dem salrii 9 ce stoiide? = standinii 19 niemam 20
Tieinin 21 heizet
HOHE^FURTER BENEDICTINERREGEL LXIII. LXIV 271
verstandin wirt veterliche ewirdiclicit. Der al)l)it wände er
Cristis stat hat, so werde er herre und abbit genennit, uit von
sineme anevange, sunderin in der t^re inde in der minne des
22' heiligin Cristis. Abir her gedenke und irbiete sich so sulhin ( daz 25
er wert si sösulhir 6re. Svä s6 di brüdere begainint under ein
ander, da spreche der jüngere 'benedicite'. Da der niere vur
gat, da st6 der jüngere üf und gebe ime di stat ce sizzene, und
der jüngere enirbalde nicht mit ime ce sizzene, ez engebite ime
sin altherre. Daz irvuUit werde diu scrift 'Vure kumit under 30
ein ander mit herin.' Di w(^^nichin kint oder di jungelinge di
habin in dem betehüs und ce tische ir ceche mit zuchtin. Abir
andirswÄ oder swä so si sin, so habin si hiite und zucht biz daz
si an daz verstentchche alder kumin.
DE ORDINANDO ABRATE. LXIV
In des abbetis ordinunge so werde iemmer gemerkit diu
reide, daz der gesezzit werde den ir alle diu samenunge nÄh
gotis vorchte oder alt ist iz ouh daz minere teil der samenunge,
mit gesundeme rAte irwelit. Von sinis libis wirdicheite und von
der lerunge der wisheite so werde er irwelit der geordinet sal 5
werde, ist er ouh der leziste in der samnunge. Ist aber daz
alle diu samenunge von ir lästere eine gehellinde personam mit
glicheme rAte irwelit, daz nimmir gesehe muoze, und di seibin
lastir kunt werdint dem bischoffe in des berictesale diu stat
h6rit oder den el »betin oder den nahwendigin cristin das sein- 10
b(}ricwirt, so wcrin si daz der bösin r;U icht ubermechtic werde,
und sezzin domo gotis hns einin wirdigin amman und wizzin
daz si dar nmme gut Ion inphäin sulin, ob si daz küsliche und
mit gotis vlize lAnt, alse si oidi dar widere sunde hänt, ob si iz
versümint. Alse dan der abbit geordinit wirt, so gedenke er 15
ienimir weihe liurdin er enphangin hat und weme er reide sal
gebe sinis ammichtis. Und er sal wizzo daz er mri' imiz vrume
si dan vor si. Er mfiz gelOrit si mit dei- gotelichin e, daz er
wizze und si wA vone er vur brenge niiwe und alt. Er sal si
24 inde] ifi 25 Daz' 26 eiv 29 oder iiidit 30 nlhro i.xiv 2
l>az 3 oder alt hs.] ald? miiie 7 = consonlientem Iß ieiimir
18 0 19 =ut sciat ut sit va
272 HOHENFIRTER BENEDICTLN ERREGEL LXIV. LXV
20 krischt', nuohtere, barmliercic, dOmiite, und sal iemmer überhebe
di gnade deme rechtiu, den wortin daz er di seibin gnade vinde.
Er sal di lastir hazze und di brüdere niinne. In siner strafunge
tu er wisliche und nicht ce vil, daz daz vaz icht cebrochin
werde, sü er den rost icht ce vil abe ribe wil. Und er si iemer
25 sorcsam über sin selbis brödicheit und gehuge sich daz der ge-
schutte halm nit cebrochin | sal werde. Da enspreche wir nicht 23*
daz er di lastir läze wachse, suuderin wisliche und mit der
, niiune snide er si abe alse er geraerke mach daz iz einim ies-
licheme nuzze sl, alse wir gesagit hän, und vlize sich wi er mer
30 geminnit werde dan gevorch. Er ensi nit trübesam oder angist-
sam, er ensi nit umniezzic und ce herte und ce vil arcwänsam,
wände er engerüwit nimer. In den geböte si er vursichtic und
merkesam, ez si mit gote oder mit der werkle. Di werc di er
den brüderin bevilhit, di undirschide er mit temperunge und
35 gedenke an diu maze des gütin Jacob da er sprichit 'Tun ich
mine herte mer erbeite an deme gange, si sterbin alle einis
tagis.' Dise und andere der tuginde müter Urkunde sal er neme
und tempere alle dinc also daz si starc sin di is gerin und di
kranckin nit vlien. Und nemeliche daz er dise geginwortigin
40 regelin behalde, svenne er wol gedienit, von unsirme herre höre
di wort di der guter dinistman hörite der sinin gnözin den
weize mite teilite in sinin citin. Er sprach 'zväre sagiu ich üch
daz er sezzit in über aliz sin gut.'
LXV DE PROPOSITO MOXASTERII.
Ez geschehit dicke und olTte daz von der ordinunge des
prübistis svero scande in deme clöstre wachsint, swenne sume-
liche sint mit dem ubeliu gßste der höchverte irblasin und wenint
daz si andere ebbete sint und inphähint in seibin eine grimme
5 hersaf und cihint di sande und machcnt missehellunge in der
samenunge und aller meist in den stetin da man den pröbist
ordinit von den seibin ewartin oder von den selltin ebbetin di
den abbit ordinint. Wi unvellich daz si, daz ist schire gemerkit.
2ü nvbcrc liannheitic ieimm 26 wiii iiitlit 27 wasche
29 gtcsagit 31 vmmczzit 32 ni[nier viir sichticht 35 rnjze
37 tunginde 39 kraiicjun 40 liehaldo, daz er? i.xv 5 niac|zent
HOHENFLRTER BENEDICTI>ERREGEL LXV. LXVI 273
wände von d(?me scll)in ancgeuge siner ordiiiunge wirt ime ein
materia gegebin ce herschene, svenne ime gesagit Avirt von sinin lo
gedanliin daz er geüzerit si von der gwalt sinis abbetis, wände
er von den seibin geordinit ist von den der abbit. Da vone
wachsin di nide, zorn, strit, hindercösin, ubil vliz, mcssebelhinge,
widerordinunge. svenne der abbit und der prOlnst widirwerdich
sint, so muozin ir sclbir sele in grözir vreise si und alle ir 15
23'underläne; s6 si iewederenhalpli smeichint, so | loufint si in di
Verlornnisse. Der vreise ubil get in an daz boubit, di sich
orthebic gemachit hänt in sösulhir ordinunge. Durch daz vursehe ,
wir daz iz nuze si durch des iridis und der minne huote, daz
alle diu ordinunge des clöstris hange in des abbetis wilcure, und 20
niac iz si, so werde aller der nuzz des clöstris mit den techinin
gecechit al dar näh daz der abbit gesezzit, daz einir nil bßrsche
so iz manegeme bevolin wirt. Ist abir daz daz diu samenunge
redeliche mit demüte des bitit und irteilit daz iz nuzze si, sven
s6 er irwelit mit der brudere räthe di da got vorchtint, den 25
ordine er zi\ einim pröbiste. Der selbe pröbist tribe sich in der
öwirdicheite alse ime von sinim abbete gebotin wirt und entuo
nich wider sinim willin und wider siner ordinunge. wände . . .
alse vil muoz er mit sorge bebakte der regelin gebot. Der selbe
pröbist, wirt er lasterbth'ic begriffin oder betrogin mit der höh- 30
ferte oder ein verschouwere der beiligin regelin, so werde er mit
wortin gemanit biz vier stunt. Enbezert er sich nit, so werde
ime zil irbotin diu sträfunge der regelicbin züchte. Enbezzere
er sich abir dar nah nit, so werde er geworlln von der pröbislie,
und werde ein ander au sine stat gesezzit der des wirdich si. 35
Ist daz er dar uAh ouh in der samenunge ungerüwic wil wesin
und ungehorsam, so werde er onh von deme clöstre vertribin.
ledoch diu mere der al)bit gedenke daz er von allin sinin urteilin
gote muoz anlwurte, daz von schite des nidis und habunstis
flamma diu sele icht burne. 40
DE OSTIARIIS MONASTERH. LXVI
Zu des clöstris portin werde gesezzit ein wisir altherre der
13 wa'lchin zonistiit? 16 iei; weden lialpli 18 so svhir 20
wilcure 21 22 tethiiiiti getetliit 23 e* scheint da/s maiiigpme in
manegeme corr. tverden sollte 2S keine lücke in hs. 33 zvchte
274 HOHENF. BENEDICTirsERREGEL LXVI. LXVII. LXVIIl
ili leide kiume inpliaiii und wider anwurte, des alder in nit
läze wadele. Der portenere sal liabin eine celle bi der portin,
daz alle di di antwurte inphälie wollint in bereite vindin. und
5 cebant alse da ieman clophftit oder dechein arm mennische
ruoffit, sO antwurte er 'deo gratias' oder 'benedicite'. und mit
aller memmindicheite der gotis vorchte so gebe er antwurte vil
snelle mit der lieizin minnc. Bedarf der portenere helfe, so
neime er einin jungerin brüdir. Mac iz si, so sal daz clöstir
10 also gestiftit werde, daz alle diu nöturft innewerdic des clöstris
gehuobit werde, daz ist daz wazzer , mule , garte , pistreie | und 24'
andere mislicbe list, daz nechein nöturf si den munechiu üz ce
wandilno, wände iz enist nechein vrume iren sele. Dise regelin
wolle wir daz siu dicke in der samenunge geleisin werde, daz
15 sich nechein brüdir intsage muge der uuverwizzicheite.
LXVII DE FRATRIBUS IN VIA DIRECTIS.
Di brüdere di üz au den wec gesand werdint, di bevelin
sich in der brüdere gebet oder des abbetis. und imer an deme
gotis diniste in deme lezzistin gebeite werd ir gedächt, alse si
abir wider kumint des seibin tagis, über alle di tagecite so gotis
5 dinist irvullit wirt, so strekin si sich in dem betehüs nider au
di erdin und bitin vur sich bete durch di missetete, ob in lichte
üfe dem wege missegangin si an ir gesüne, an hörne bösir sache
odir an unnuzzir reide. und enirbalde nieman deme anderin
sage, waz er uze gesehin oder gehörit habe, wände iz ist ein
10 michil ceslörunge. Ist daz iman irbaldit, der underliche der
regelichir zuhte. Alsame sver so irbaldit üzir deme clöstre oder
iergin anders wä hine gen oder ich tun, swi wenic s6 is si, an
des abbetis gebot.
LXVIIl SI FRATRI IMPOSSIBILIA LXJUXGUNTUB.
Wirt «leclu'inim brüdere svere sache oder ummugeliche dinc
bevolin, so inphähe doch der brüdir daz gebot mit aller mem-
mindicheit uiul si gehorsam. Ist daz er gesehit daz diu bürde
LXVI 2 1111(1] vvii 13 wadiliie? Lxvii 8 vnzir reide 11 zuthe
12 ieifin lxviii 1 declicinurn
IIOHEiNF. BENEDICTINERREGEL LXVIIl. LXIX. LXX. LXXI 275
gare ubir di iiiäze siner crefte wigit, so luidertrage er siner
iimmechte sache ime der ime gebütit duldecliche und bescheidi- 5
liclie, nit bersinde oder widerstende oder widersaginde. Ist abir
daz näb siner vlObunge des priöris gebot bebl)il in siner sen-
tentia, so wizze der jüngere daz iz niizze si. und getriwe in
der minne und von sotis belfe si er gehörsam.
UT IN MONASTERIO NON PRESUMAT ALTER ALTERÜM DEF. LXIX
Ez ist ce behiUene daz mit decbeiner ursage ieman irbalde
den anderin municb besinne oder hege, ob si ouh mit declieinir
sibicbeite sint zOi gevügit. PSecbeine wis sulin di muneche dar
zu irbalde, wände micbil schände mach der vonne wachse. Sver
so diz gebot ubirget, der werde scherfliche betungin. 5
UT NON PRESUMAT QUISQUAM ALTERUM CEDERE. LXX
Man sal in deme clostre were und sture alhr slachle ursage
der baltheite. Wir ordinin und sezzin daz nieman si müzhch
24'decheiuin sinin brüder vermesamin oder slahe, | wene deme diu
gewalt von dem abbite wirt gegebin. Di da sundint, di werdin
vor in alHn bcrefTesit, daz di anderin vorhte habin. Den kindehn 5
biz zu den viumcebin järin irs alderis si ein vhz der züchte und
werde luiote zu irbotin von in aUin, und daz selbe redeUche und
mit aller müze. Abir in deme sterkerin aldere sver so irbaldit
decheine wis oder an den seibin kindelin an underschidungc
sich verbruot, der underlige der regelichin züchte, wände iz ist 10
gescribin 'Daz du nich will daz dir geschehe, daz entü du einim
anderin nit.'
UT OREDIENTES SIBI SINT INVICEM FRATRES. LXXI
Daz gut der heiligin gehörsam sal aleine dem abbete nit zu
irbotin werde, sunderin ouh di brudcre sulin under ein ander
also gehörsam si, daz si wizzin sich ce gote gen an deme wege
der gehörsam. Von diu vore gelazin des abhetis geböte oder
LXIX i M-ascIie lxx 4 gcf?cbiiit 10 = cxarscrit 11 du] diu
LXXI 4 praemisso crf,^o abbatis . . . iiiipoiio
276 HOHENFURTER BENEDICTINERREGEL LXXI. LXXU
5 der pröbiste di von inie gesezzit werdint, den ^vir nit verhengiii
suuderlich gebot vur sezze, dar ubere sin di brüdere alle ir alt-
lierriu mit sorgin und mit aller minne gehorsam. Wirt des
ieman stritic fundin, der werde gesträpflt. Aber swelich brüdir
von sinim abbete oder von sinim priüre umme decheine schult
10 gesträfit wirt, gesihit er des priöris gemüte beswßrit, swi luzii
des si, cehant strecke er sich vur sine füzze und suche gnäde
alse lange biz mit seinnuuge der besv^rite prior geheilit werde.
Sveme daz versmähit ce tilnne der underlige der liblichin räche,
oder wirt er vrevele fände, so werde er ouh von deme clöstre
15 vertribiu.
LXXII DE ZELO BONO QU. DEB. MONACHI H.
Alse ein ubil vliz ist der bittircheite der da scheidit von
gote und leitit hine zu der helle, alsam ist ein gütir vliz der da
scheidit von den lastrin und leitit ce gote und zu dem öwechin
libe. Den vliz uobin di muneche mit vil heizir minne. daz ist
5 daz si vure kumen under ein ander mit örin, dohn vil duldic-
liche under ein ander ir krancheit beide des libes und der site.
si irbeitin sich zu der gehörsam mit strite. Nieman envolge sin
selbis vrume, sunderin m6r daz den anderin nuzze si. Di brüder-
liche enste irbitin si zu der küschin minne. Got forchtin si,
10 im abbit minnen si mit liutirre und mit demütigir minne. Deme
heiligin Christo ensezzin si nich vure, der unsich insammint zu
dem ewigen libe viire. Amen.
8 sweliz LXXII 1 <[\ da 2 hiene 6 kranheit 10 ?liutirr
12 (las letzte kapitel fehlt
[Auch ohne die anmerkung zu v 2 1 würde es deutlich sein dafs
in der jetzt vorliegenden hs. der Benedict inerregel wir es mit zwei
Schreibern zu tun haben: denn scharf grenzt sich die zweite hand
von der ersten ab. folgende lautbezeichnungen si)id nur der zweiten
eigentümlich: l. e'i für gebrochenes sowol als für umgelautetes e zb.
in reide vi 5. leiben vi 12 tisw., im ganzen ungefähr 75 mal.
2. ch für inlautendes g zwischen vokalen, 3 mal (volchint vii 90.
zunche vii 136. inphanchin xxxviii 7) auch nach liquiden, zusammen
19 mal 3. g für ch im inlaute zwischen vokalen (vrölige vii 91
HOHENFURTER RENEDICTINERREGEL 277
nsw.) 11 mal. 4. d für t in gleicher Stellung (höheide vii 4 nstc),
während im anlaute auch die erste hand einmal d (duo m 5) auf-
weist. 5. regelmdfsig sal {einmal schol ix 17), während der erste
Schreiber ziemlich willkürlich zwischen sal tmd sol wechselte. 6. ge-
schwänztes e statt des einfachen, zuerst vii 9 und dann sehr häufig
bis XL VIII 1 ; vo)i dort an ist es fast nur noch bei dem worte ö an-
gewandt, der ersten hand ist dagegen eigentümlich die einigemal vor-
kommende ersetzung eines iig durch nn oder n (phannen ii 5.
gesprennit II 10ms»ü.)i soioie hier und da i für 6 in Stammsilben,
aber noch weitere unterschiede lafsen sich erkennen, von atifang
an bis ins kapitel xxii wurde f in den verbis strafen und släfeii
durch ph ausgedrückt; von xxii 15 steht dafür bis xxxii ff {auch
einmal in scäffe xxvii 9) ; darauf wechselt ph mit f {einmal pf :
gesträpfit Lxxi 8). zwar steht noch xxv 4 bevolhin, aber von
XXVII 10 an findet sich bis zum ende des ganzen nur bevolin,
wogegen im präsens dasselbe verb sein h fast immer {die einzige
ausnähme dürfte die form bcvelin lxmi 1 bilden) beibehält,
während ferner bis xxxiii 6 ausnahmslos nöttiirft geschrieben ist,
beginnt mit xxxviii 9 die bezeichnung nötiirft; endlich begegnet bis
XXXV 2 die Schreibung ambicht, von xlii 14 an ammicht {aufser
XL VII 6). man vergleiche auch die note zu xlii 16. es werden also
für die partien xxii — xxxiii und xxxmff verschiedene Schreiber an-
zunehmen sein: aber der umstand dafs die grenzen bei bevolhin
und ainl)icht in einander übergreifen dürfte mit dafür sprechen
dafs diese annähme nicht für die jetzige hs., sondern für ihre vor-
läge gültigkeit hat.
Was Idfst sich für die vorläge ermitteln? 1. sie hatte viel ab-
kürzungen. daraus erklären sich einmal die unzähligen Verwech-
selungen von ni und n, ferner fehler wie sie der erste Schreiber
begieng: den ungehorsam ii 22. 66 und sin gehörsamen in 11. 12:
es findet sich nämlich bei ihm kein beispiel der abkürzung m welche
bei dem zweiten häufig begegnet, er löste dieselbe vielmehr auf.
dabei übersah er zuweilen sowol ihre existenz als auch glaubte er
sie zu erkennen wo sie in Wahrheit nicht vorhanden war. vielleicht
läfst sich auch die Schreibung gesprocin xxxv 24 aus der abbreviatur
erklären vgl. vii 38. 70. 72. 2. sie kannte korrektuien. nicht nur
Schreibungen loie urteHclioz statt urliMiz iv 52 deuten darauf hin,
sondern auch die recht häufigen fehler wie iirlelei ii 47. 97. iv 24.
gesteihcher iv 25. geimene vii 133, welche ich daraus erkläre dafs
Z. f. D. A. neue fokc IV. 1<I
278 HOHENFURTER REXEDICTINERREGEL
das ^ in der vorläge durch ein übergeschriebenes i, das dann in
der ahschrift falsche Stellung erhielt, sw ei verwandelt war. auch
die sonstigen ei in unbetonten silben wie ergeisten prol. 17 scheinen
mir daher entsprungen, denn dafs wenigstens der erste Schreiber die
gewohnheit hatte, übergeschriebene buchstaben nachzusetzen zeigt sein
verfahren mit v. diese Schreibung für ii, die man bereits der vor-
läge zuerkennen muß da auch der zweite Schreiber sie zuweilen
zur anwendung bringt, liefs der erste zwar meist unangetastet, er-
setzte sie aber anfangs nicht ganz selten durch uo : zuougin prol. 56.
irvuollit ib. 73 usw.
Z muß in der vorläge die bekannte dem h ähnliche gestalt
gehabt haben, wie dies die beiden Schreibern gemeinsame häufige
Verwechselung beider konsonanten lehrt, dagegen kennt jetzt fast
nur der erste Schreiber die bezeichnung eines s durch z (26. dez
prol. 81 usw.). dieselbe muß jedoch bereits in der vorläge gestanden
haben, da sich sonst der fehler dez urtelich 11 95 nicht erklärte,
ist es demnach wahrscheinlich dafs der zweite Schreiber diese z der
vorläge entfernte und durch s ersetzte, so kann man vei^muten dafs
er dasselbe verfahren auch einem andern z gegenüber eingeschlagen
hat das in der partie des ersten Schreibers für seh dreimal (iv 25-
37. 44) erscheint, und dies dürfte sich bestätigen durch das auf-
fallend häufige, oft durch nachtrag eines s berichtigte ch für seh
bei beiden Schreibern', es ist nicht imwahrscheinlich daß in diesen
fällen die vorläge z aufgewiesen hat. diese annähme würde zur
supponierung eines mehr niederdeutsch gefärbten Originals führen,
auf das auch das 4 mal vorkommende iiule, in (xi 16. xx 7. xlix
10. Lxiii 24) sowie das je einmal begegnende die (xxxv 25) und
he (lxi 4) leitet; wenigstens möchte ich den ganz vereinzeinten p
(ich pin prol. 68. dez phis i 12. hachperstin ix 15. daz piieh
xxxviii 2) oder k (brühkurtil lv 29) und ch (unchust. werche proL
36. 62) einen rein phonetischen Charakter zuerkennen und sie ja
nicht als spuren einer oberdeutschen vorläge angesehen wifsen.
Einen grund der Benedictinerregel die einheit des verfaßers
abzusprechen sehe ich nicht, denn daß bis vir 163 konsequent
wissage, von xi 10 ab regelmäfsig propheta gesetzt wurde, ist
doch zu wenig belangreich, vielmehr ist sowol die lexikalische als
die syntaktische gleichmäßigkeit des ganzen so groß daß sie sich
nur durch die annähme eines verfafsers erklärt, auch die mis-
verständnisse und ungeschickten Übersetzungen des lateinischen textes
HOHENFLRTER BENEDICTINERREGEL 279
verteilen sich ziemlich gleichmäfsig : wo es nötig schien ist darauf
in den noten aufmerksam gemacht, wenngleich der leser ein rich-
tiges Verständnis aller stellen sich auch jetzt nur durch die ver-
gleichimg des Originals wird verschaffen können.
Einige kleine druckversehen , die meist die längenhezeichnung
angehen, bitte ich zu berichtigen: ii 30 l. sinen. 36 tram'. v 14
Sache. 16 l. varne. vi 9 durnethtigin. vii 77 /. unserm. 121 bi.
125 iintuire. ix 15 /. hachpörstin. xv 6 tertie. xxn 4 zvönzic.
XXIII 5 ander, xxxi 2 anm. wie 22''. 14 anm. arm. xxxv 9 gesagit.
XXXVIII 14 ensi. xl 11 bi. xlhi 22 allinsamint.]
GRABSCHRIFT AUS DEM ACHTEN JAHR-
HUNDERT.
EPITAPHIUM.
Pallida sab parvo clauduntur menibra sepulcro,
Ardiia sed caeli Spiritus astra petit.
Inclita stirpe satiis, Franquorum sanguine cretus,
Hie fuerat dudum mittis in omne decus.
Roseida purporeas lente lanugo genellas 5
Cingebat: heu nie! pulehra iuventus obit.
Aggiardus palrio nomen de nomine dictus
Hie erat, et regi sumnuts in aula l'uit.
Hunc rapuit lerro mors insatiabihs uinbris,
Sed hix perpetua vexit ad aUa poh. 10
Tempore quo Carohis Spaniae calcavit arenas,
Mortuus est mundo: vivit ubique deo.
Hunc deflet Itahis, contrito peelorc Francus,
Plorat Aquitania, Germaniaque sinuil.
Tu modo cocirca Vincenti, maxime martyr, 15
Hunc propter summuni posce beate deum.
Hoc iacet in tumulo tanlum: sed carnc sepultus
Carpsit iter rutihim, vivit in aula dei.
2 petiit astia /f dh. veröefsert von ff^ölffliji 4 niitis vermtilct W
omnem IV 6 obiit JV 8 sumus IV 11 tenipori — iti ispania
14 aquitanie IV 15 cocirco IV 16 tlö 18 Caipsis ter W
19*
280 GRABSCHRIFT AUS DEM ACHTEN JAHRHUNDERT
Ad vos, Chrislicolae, qui sacri limina tenipli
20 Liistratis, genitum corde rogate patris.
Tu pietate deus probrosa, dicite cimcti,
Aggiardi famiili crimina tolle tui.
Qui obiit die xvni. klds Sempteml)rias iu pace feliciter.
20 patris corde rogalis fr
Vorstehende grabschrift wurde ditrch hm professor Wölfßn-
Troll aus der hs. der Pariser nationalbihliothek lat. 4841 fol. 34 «6-
gesclmeben und an Müllenhoff mitgeteilt, über den manigfaltigen
inhalt dieses dem 9 jh. angehörigen codex {vormals ColberlinusY
belehrt der 1744 erschienene Catalogus codicum manuscript. biblioth.
regiae 4, 7, woselbst unser stück verzeichnet ist als Epitaphium
Aggiardi qui Caroli Magni temporibus ol)iit. leider haben wir es
mit einer Persönlichkeit zu tun, für welche uns andere quellen
völlig im, Stiche lafsen: da Aggiard aber am 15 angust eines Jahres
gestorben sein soll, in welchem Karl gegen Spanien zu felde zog,
so kann damit nur das jähr 778 gemeint sein, tveil der Franken-
könig später nie wieder in eigener person über die Pyrenäen ge-
gangen ist. nähere Zeitangaben über jenen zug fehlen, den man
nur im allgemeinen in den frühling oder sommer versetzt, die
hemerkung dafs Aggiard durch das schwert gefallen (v. 9) läfst der
Vermutung räum, sein tod sei entioeder bei der vergeblichen be-
lagerung von Saragossa (s. Abel jahrh. des fränk. reiches unter
Karl d. gr. i 240) oder auf dein rückzuge bei dem berühmten
überfalle im tale Roncevalles erfolgt, in letzterem falle also loürde
uns die grabschrift das bisher unbekannte datum dieser niederlage
verraten, die anrufung des märtyrers Vincentius (v. 15) könnte
auf Metz oder Paris hindeuten , toeil in diesen beiden Städten des
fränkischen reiches sich bekannte kirchen dieses heiligen befanden,
wenn man nicht etwa vielmehr darin einen hinweis auf Spanien
erblicken darf, denn Vincentius war archidiaconus zu Saragossa
und erlitt unter Diocletian den märtyrertod in Valencia.
' f^gl. Riese Aiitholo'^ia lalina iip.\\\, Roziere Recueil des foiinules
in 362-367, 36S.
E. DÜMMLER.
PREDIGTßRUCIISTÜCKE 281
PREDIGTBRUCHSTÜCKE.
1". . .* So ist der aiidir div forhte die wir da zc allen ziten
da svln haben gegen siem zorne^ daz er | vns iht verflvcht ob
wir svnten an forhte. Da von svln wir den hrittel also tragen
daz wir den j gotes zorn iht verdienen. Vnd tragen wir in
denne^ als wir von rehte svln so svln wir ovch den | hvlzzine 5
saltel rieten den vnser herre da reit dvrch vnsir erlosvnge. Daz
was daz heilige chrvce. | want er gewan nie deheinen andrin
satel vf dirre erde. Daz ist daz gerihte daz im sal'on da hiez
he reiten zv siner spiese. vnd daz in solte fvren. Siet wir nv
haben den hrittel vnd den saltel, darzv | höret ovch ein fvrboge lo
da mit wir svln twingen die hosen gedanch vnd die gieticheit
des libes vnd | vnd die v . . . . azze "* des nivndes. Ovch svl wir
mit dem alfter reife des fleisches gelvste twingen | also daz wir
chivsche sin an dem lihe vnd an dem mvte, Vnd mazzich an
allen dingen vnd steete | dar an sin. Want die gietigen martrint 15
den lip vnd cholent die sele dvrch daz werltliche gvte. | Die
seihen alle gelichent sich dem der sin sinne da hat verlorn,
want der vellet vil liebte indaz | fiwer oder in daz wazzer* vnd
stirbet also ob man sin niht wil hvten mit flieze. Also tvt der|
svntiere swenne im der tievel die sinne gar henomen hat. so 20
vellet (.'r in daz fiwer der hohjvert vnd des hvres. daz vnzvntet
im denne div vbermvtc. Ovch vellet er in daz wazzer^ der|
fleischlichen gelvste. An dem ersten mal vehet in der tievel.
an dem andrin siebte er in mit dem" | ewigen tode. an dem
driten mal dringet im der sweiz vz dem lihe. An dem vierden 25
mal gri' | grampt er mit den zenden. an dem f'vnften mal dorret
er. Des ersten vahet der tievel den | svnt;ere swenne er im die
svnte ragtet. So bristet im der sweiz vz swenne er tvtsamdaz|
ros vnd der mwel da dehein verstannvsse inne ist. Swenne wir
' ror So stand zu anfang der zcile noch ein woi't oder eine silbe
von liöclisletis vier hnclistaben, wovon der letzte, e, noc/i deutlich ist;
vorher sind 7iocli 2 dem e (gleich hohe senkrechte striche zu erke?men
^ hs. hörne ^ die zwei letzten buchstaben dieses und die zwei ersten
des folgenden tvortes sind durch eine flüfsigkeit fast venvischt * rasur
von vier buchstabe?i: vbermazze? vbcrazze? ^ die z in der kurzen foinn
'' abgekürzt vgl. s. 287, an?n. 3
282 PREDIGTBRÜCHSTÜCRE
30 (litze reise geschirre also | bereit haben, so wirt vns ein rös
dirzv gegeben da mit wir denne also svln streiten. Da | von
seit sal'on. Indes strites tagen wirt dir ein ros bereitet dem
mvze vnser herre heil | gebene. Nv sich menische ditze rös bist
(Iv selbe. Vnd ist daz dv niht widir cherest mit svs | getaner
35 bereitschafte. vnd daz dv daz gezivge von dir niht wirfest noch
zebrichest so wizjze daz fvr wäre daz vnser herre vf dich sitzet
vnd stritet vmbe din heil widir alle die. | die dir lagent des libes
vnd der sele. Vnd verdienest dv daz vmbe got daz er sich din
vndir j windet vnd fvr dich stritet son enmach dir fvrbaz nihtes
40 niht mere geschaden. Want so schaft | er daz daz die lember
den Wolfen ane gesigent. ' Da von seit div schrift. Ist daz wir
ditze I rehte behalten also Avir hie gesaget haben, so gesigen wir
dem tievel an der widir vns [ da ist, rehte sani ein gygant vnd
ein riese widir di havschrechen. Want so machet got | sinen
45 rossen ein wecli in dem mere dises eilendes vnd fvret vns dir
dvrch mit dem sige des- | himelischen strites vnd der ewigen
fravden. Ist aver daz vns daz ros wilde ist worden j also daz
ez der tievel hat gerieten mit den svnten. so wirfet ez vnser
herre mit samit | dem svntit're in die ewigen helle. Da von ist
50 der menische vnsinnich der sich selben . . | ^ |
svnten. Swer div gotes gebot vbir get die er inder rehten
minne behalten solte den j '
in daz hellesche^ fiwer mit den panten*^ die nimmer
l"". boren, div im da des ersten nach rvfte. Vnd die zwelpoten
55 da vmbe sie baten do wart er ( sich neigent zv ir bete. Vnd ze dem
driten mal do sie in bat do wart er sie gelichent ze | eim hvnte.
Want div groze sterche div an vnsirm herren was gegen ir di vbir
chome | sie mit ir devmvte. da von daz si im des iache daz
sie eime hvnte geliche wä^re. Da bi | svll ir daz wizen daz iv
60 iwer devmvte mere hilfet gegen got den der zwelfpoten^ bet6
ttete I aller* samit. Want des rehten menischeu gebet vnd sin
' n zwischen et Ubergeschriebeji - kurzes s ^ eine ga?ize zeile,
die lailere kanle des einbandes, ist so verwischt, daß ?iur noclt reste der
huchstaben oben zu erkefmen sind * der schräge sclniilt des buch-
binders hat die erste hiilfte der zeile ganz beseitigt, von in — mit nur
die obere hälfle siehn gelafsen ° über dem zweiten e ist em i über-
geschrieben; ob e unterpunktiert ist nicht mehr ersichtlich ^ der un-
tere teil vom p fehlt ~ f ztvischen Ip übergeschrieben "^ r aus 1
corrigiert
PREDIGTBRUCHSTÜCKE 283
vasten daz er' da tvt mit der [ reinen andahte nier hilfet den
der heiligen gebet allei" samit. Da von seit got selber. Daz | einer
slalite tievel sie die nienien mach vertriben wau mit dem gebete
\nd mit der valsten. Bi disen Worten svlt ir daz wizzen ob 65
vnser herre des ersten vnser gebet niht erhöret.^ daz wir dar-
vnibe dennoch niht svln abe lazen want er wil daz wir vol
herten ] vnd stsete sin an dem gvten angenge. Da von seit
paiil'. Wir svln mit dem gvten gedin | gen vnd mit dem stseten
geloben gen fvr vnsirs herren stvle vnd svln svchen sine gna|de 70
vnd svln in bitten daz er vns sin barmvnge gebe. Want niemen
so gvter noch so heijliger noch so barmeherzich ist sam vnser
herre da ist. Vnd wellen wir vns devmvtigen | gegen im so ver-
liehet er vns allez des wir an in gerne. Ez^ seit gg. Darvmbe
flivhet I vnser herre allez vor vns hin Avant er wil daz wir im '5
nach volgen. Da von seit pavl'. | Daz wir lonfen also vnz wir
in gevahen. Want swenne wir in an rvffen mit rehlter"* andahte
vnd er vns sazehant niht erhöret, so gert er des doch daz wir
in gevahen. Want er selbe daz sjiricht. Svchet so vindet ir.
vnd bittet so neniet ir. Ez^ streit vnd j rancli der heihge iacob SO
alle ein nahte mit dem engele. vnz er im daz an behabet daz | er
in n)vse segene. Idoch tet der engel sam er In niht wolt
segenen do er zv im sprach. | La mich ez ist an dem morgen
vnd ist sin zit. Do sprach iacob. Ich laze dich niht vnz | dv
mich segenesl. Also svln wir sti'iten vnd ringen mit vnsirm S5
herren. vnd svln in | bitten mit rehter andahter ane vndir laze
vnz daz er vns sinen segen gegebe. Want | ezne sol darvmbe
ane got niemen zwivelne ob er in niht gewert. Vnd sol tvn
sam 1 iacob da tet der den engel niht wolle begebene vnz er in
mvze segenen. Also svl wir | vnsirn herren mit vnser gvCete 90
vnd mit vnsirm gebete nimmer begeben vnz | daz er vns mvze
zehelt'e cliomen. Want swer in also bittet den gewert er doch |
zeiungist daz ez im ze grozen staten chvmit siner scle vnd sinem
libe. Also gewiu|net er denne daz hiniehiche mit gewalt. Do
der engele iacoben gesegent do sluch | er in vf die hüte daz si 95
im wart dorrent ze eim zeichen daz er den segen behabet hi|ete.
Also geschiel ovch vns ob daz hvr vnd des lleisches geivste an
' daz er doppelt ^ erstes r zwischen eil nber^'cschr. •' z hi
der ktirzeti form '' ler zum teil abgerifsen ■'' z in der hurten
form
284 PREDIGTßRLCHSTÜCKE
vns ersterbent vud | erdorrent so wirt viis der segene gegebene.
Da von svln wir des got bitten daz er | den tievel von vns tribe
100 der vns da zeallen ziten mvte mit den svnten die er vns da
rtetet. | vnd daz er vns die ewigen fravde verlielie. AMeN. Der
drite svnuetach in der vasteu.'
2'. . nnen^ da ist. Want der wart gestozen in daz blvte vnd widir
vze gezogen von dem blvte. do er j von dem tode erstvnt.
105 Daz ist rebte daz er vns den also schonen vnd also heiligen iht
gebe die wile | wir in diser werlt sin. in den svnten. zeglicher
wise also man den jiar ie offter bliwet vnd fvrbet | vnd also er
da von schone wirt vnd wize^. Also mvze der menische in
dirre werlt gelutret werden | "* manigen angesten vnd noteu. e
110 daz er fvr gotes antlvtze chome. Da von gelichet sich vnser
le.en^ einer nvzze." Want da sint viere dinche an bezenlichen.^
Daz ein ist div vzer schal der | . inten. ^ so ist daz ander div
schal, so ist daz driet div hvte vmbe den eherne. Daz vierde
ist I der^ eherne. Div rinte vzerhalb div ist swer vnd vbile.
115 Also ist der vngemache den wir in dii're | werlt lieden. So ist
darnach div schal starch vnd veste. Also sol vnser herce sin
vnd vnser ge|danch gegen got. sweune so vns angeste vnd not
an gent daz wir darvmbe iht verzagen | an den gotes gnaden wir
sin veste. So ist div hvt ob dem eherne bitter. Also ist ez
120 vmbe | vns. sin wir starch vnd st;ete an gotes chenest so ge-
tvrren wir'° wol dvrch sinen willen chvmber vnd arbeit lieden
gedvltichlichen vnz daz wir chomen zv dem svzzen eherne | der
. . vigen " fravden. Swer nv mit den ovgen sines hercen vnsirs
herren antlvtze an si het ze allen ziten der mach liebte vertragen
125 allez daz im vngemaches widir vert in dirre | werlt. Want er
sol dai" an denchen daz er in sin allez wol mach ergetzen ob er
* diese l'ibei'schrift vot. die folgende zeih ist weggesclniilten , yiur
zu an fang sind oben noch buc/istaöenreste stehen geblieben , so dafs ich
als an fang der predigt lialb lesen, halb vermuioi kayin: Tiit iii'c ; T
ist rote initiale ^ vo?i dem blatte ist oben rechts ein eltva 3 zoll
la7iger streifen abgerifsen, wodnrch die zeilenanfä?ige zum teil verloren
sind; hier fehlt ein buchstabe ^ i über dem w ' in war vielleicht
am (abgerifsenen) rande nachgetragen, auf der zeile stand es nicht
^ h jnit abgerifsen '• das zweite z m kurzer form ' so die hs. für
bezcichenl. * r abger. '■' von d die obere hiilfte abger. '" dies
doppell, das w von wol aus einem angefangenen d corrigiert " ev
durch mottenfrafs vernichtet
PREDIGTBRUCHSTÜCKE 285
ez gedvl|tichlicheii liedet dvrcli in. Ez' was zeimal ein wip
einem manne daz er dvrch ir wil|len im lie die ermele an sieni
röcli die hvte n;en zv den^ ermoln. Nv sehet wie törische
der I was vnd Iiiete er im als we lazen haben getan dvrch got 130
er mohte im sin baz wol haben geilonet. Want me uiht so
schönes nocli so gvtes enwart daz den menischen so fro mohte
ge[machen. so daz er vnsiru herren nvn zeimal solle sehen.
Want sin antlvtze schöner ist den | ne im iemen mohte er-
denchen. Da von seil dd. Vnsir herre ist schöner^ danne 135
deheine andir | geschaft. Want do sin ivnger sin schone gesahen.
do liezen si allez daz in dei" werll was. | vnd volgent im. Also
mvgen wir ovch wol nv^ tvn. Want welle wir in an sehen mit
vnsirs | hercen ovgen vnd wellen rehle gedenchen au sin schone
so lazen wir friwnle vnd gv|te vnd gen im nach vnd siem gebot. 140
Gotes antlvze enmach dehein menische nihl gesehen | idoch so
svln wir ez sehen mit vnsirm gvlen geloben vnd werchen. Sara
moyses da | lel. der lie dvrch got egyptlant. Daz bezeichent ditze
ellent vnd enforhte pharaonem niht j der den tievel da bezeichent.
Da von seit pavl'. Moyses der was michel vnd starch an siem 145
geloben vnd an sien triwen. da von enforhte er des chvniges
pharaones herschaft niht. | Die martir di die heiligen da lieteu
div tet in vil we an dem fleische, vnd was in doch] vil svzze
an dem mvte. Want sie den starchen gedingen bieten daz sis
got allez er|gazte. Da von vind~ wir vil vrchvndes swer deheiner- 150
slahte martir liedet dvrch got ge|dvltichlichen daz der groze
gnade vindet an siner sele. da von svl wir die svnte lazen | vnd
svln rehte gedenchen an die devmvte vnd an di gedvlticheit
vnsirs herren di er | bete do in die indcn (sie) fvrten zv der
martir gebvnden. Vnd svln vns daz fvr setzen warvmbe er daz 155
allez leit. nvn vmbe vnser missetat. So ist ovch div martir
v hte.'^ i Daz ein ist wene der menische sin blvte ver-
givzet. so ist div andir swene . . . me|nischc sin fleische chestiget
mit vaslen. vnd mit wachen, vnd nii( anthin gv^t,.**
2''. . . . e.' sam ez im selben wrre. Swelhez Avir (vn vndir disen 160
' z m kurzer form, auf diese geschielde öezüg/ich steht am runde
rechts Ein m;«?rc ist daz ^ hs. dem ^ dazu am rande rechts von
gleicher hand die glosse Speciosiis forma * iiv übergeschrieben * vier
slahte ijasst genau auf den räum '' gvt;vteii ? ' die 3 ersten buch-
staben ziemlich abgescheuert, ren? auch den nach c stehenden vermag
286 PREDIGTBRUCHSTÜCKE
vieriv so mvge w — ' | marlirseie wol heizen. Swaz dem menischeii
vngemaches ovch widir vert au libe oder | an gvte. mit Worten
oder mit werchen. ol) er daz gedvltichlichen vertreit dvrch got
der heizet ovch ein martirsere. Vnd da von daz die zewelfepoten
165 vnsirs herren antlvze | an ir mvte trvgen. da von vertrvgen sie
gedvltichUchen allen den vngemache der in vvi|dir varen mohte.
in dem namen gotes. Da von seit pavl'. Vnsers herren antlvze
ersch } \ ine an vnsirm hercen da von wrde wir erchennent die
schone siner gotheit. da von | heten wir an allen dingen äugest
170 vnd not. vnd erchomen doch da von niht waut w . .^ | vnsirn
gedanch. vnd vns selben gegeben haben in vnsirs herren gnaden.
Man'' liste von | eim wibe div hiez veronica div genas eines
siechtvmes da von daz si rvrte vnsirs herren J gewaut. Want si
grozen gedingen biete zv im. Darnach nam si sien antlvze vnd
175 begvn I de si daz rehte an ir herce schriben. vnd bete solhen^
fliez an in daz si dehein reste niht" mohte ge| haben so si sin
ensache. da von bat si in daz er ir ein bilde g?ebe daz siem ant-
Ivtze geliche ] waäre da bi si sin gedehte. Do nam er sazehant ein
hnin tvch vnd dvhte'' daz an sin ant . . . .* | vnd gab ir do daz
180 selbe bilde widir. Vnd do daz der cheiser tiberi' gesache der
anbete ez v.P | fleizlichen vf sinen chnien. weinvnde vnd sazehant
do wart er gesvnt von siem grozen | siechtvm den er da leit.
Da von svlt ir ditze ])ilde staitichlichen vor nvren ovgen haben
vnd I swaz ivch angist vnd not an get so sehet ez vil fleizich-
185 liehen an. mit iweres hercen ovgen | Vnd tvt ir daz mit rehter
andahte so gewinnet ir lielfe vnd gnade von im. Vnd sol ovch |
niht vmbilliche dvnchen ob vns div werlt versnicehet. Want aller
der werlt herrc der wart^ | vil sere versmtehet von ir. Ovch
sol vns niht vmbilliche dvnchen ob wir die armvte liden. ! Want
ich nicht zu besiim?nen, hinter ihm Ijefindet sich ein punkt ' ./e-
desfalls zunächst wir, doch ist damit die zeile noch 7iicht ausge-
füllt ^ e ist 7nit dem abgerifsenen streifen (s. 2S4, anm. 2) verlore?i
gegangen ' die untern enden von ir sind noch zu seheti; vgl. die
vorige anm. ^ am linken rande steht vo7i gleicher hand Ein maire
ist daz * hs. sollen '' nilit von gleicher hand am linketi raiide;
durch ein übergeschriebenes b hierher, wo ztvischen reste mohte eiii a
übergeschrieben ist, vei'wicsen ' /. drvhte * loch i?n pergamente '^ rt
ujn schlufse der vor. zeile, durch einen setikrechte?i strich vo7i ovch ge-
li'emit
PREDIGTBRUCHSTÜCKE 287
vnser herre vil arme was do vr an dem chrvce hinch. Vnd so 190
wir rehte dar an gejdenchen daz er daz allez dvrch vns erlieten
liat. son sol vns dehein arbeit noch dehcin armv|te zeswsere niht
dvnchen. Ez' seit ysayas. Vnsers lierren anllvtze vnd sin varwe
div er|blichen want er wart gefvret sam ein schafe daz man da
slalien wil. Vil gedvltichlichen^ j leit er die not vnd darzv den 195
bittrin tot. sam ein lamp daz er nie sin mvnt vf getet. Swer|
nv also In allen sien noten als gedvltich ist sam vnser herre
der nem sin bild^ an sin herce. | Swer ovch vngedvltich ist in
sien noten der treit des tievels bilde in siem hercen. Vnd
also I offte er daz^ ansiebte mit sines hercen ovgen als offte 200
wird er erzvrnet von siem sehe .f^jfere. Want von des
tievels antlvtze ist allez daz vbile^ chomen vnd leit daz le wart.
Vnd swer | nv vnsers herren antlvtze mit sines hercen ovgen
beschowet dem wirt sin vngemach in | dirre werlte gesenftet
vnd ovch sin hellewize an der sele nach disem leben. Vnd 205
wizzet I daz fvr wäre mohten die verdampten in der helle vnsirs
herren antlvtze gesehen daz ir \ wizc wol deste ringer wäre. Da
von seit avgvstin'. Die verdampten die in der helle da | sinl die
wollen geruer haben daz si got mohten gesehen in der wizen
denne daz sie er | . . ste^ dir von sollen werden vnd gotes ant- 210
Ivtze niht sollen sehen. Da von mit swelhen | ^ |
spricht. Siehe liebez chint nim min antlvtze an vnd merche ob
ez iht schöner sie dene | einer hvr«rinne antlvtze da von svnte
niht mit ir. Vnd mit andrin vnrehlen wer'^ |
' z in kurzer form * i zwisc/ien Ic über^esclir. ^ die abkiirzttng it
sieht wie eine verxcklingung des d ttnd e aus, sodafs der schräge lange
zug des d mit für den hauplstrich des e gilt; dieselbe abkürzwig steht
s. 2S1, anni. 6 = dem (ewigen fode) * er daz doppell * p ist ver-
wischt, auf dem bruche der riickcnkante des cinbandes " v. atn rande
mit übergeschriebenem b, während oben zwische?i d und cli ein a steht
' das fehlende, auf der ecke des einbatides, ist ganz abgerieben ® die
ganze fehlende zeile bildete die unlere kante des eitlen einbanddeckels,
gegen ende derselben ist iioch liehen z . . . sm erkennen " chen ist als
anfang der nächsleti abgeschnittenen zeile noch in seinen obere?i teilen
erkennbar
Die mitgeteilten bruchstücke stehen auf zwei beim einbinden
zusammengenähten pergnmenl blättern der Leipziger Stadtbibliothek,
sie sind seil einiger zeit (näheres weifs ich nicht] von einem buch-
288 PREDIGTBRUCHSTÜCKE
deckel abgelöst^ aber noch nicht numeriert, ursprünglich einer hand-
schrift in fol. angehörig sind sie, zu einem quartband verwandt,
unten beschnitten worden, wie viel dadurch verloren gegangen ist,
lafst sich aus dem schlufs der ersten seite des hier mit nr 2 be-
zeichneten hlattes ungefähr ersehen: vier martern sollen aufgezählt
werden, mit der ersten hälfte geschieht das auf den beiden letzten
Zeilen dieser seite, das abgeschnittene stück enthielt die übrigen, der
Stil der bruchstücke läfst auch hier eine ziemlich gleichmäfsige dar-
stellung erwarten, also wird ein mangel von höchstens 3 zeilen an-
zunehmen sein und betrug die Zeilenzahl wahrscheinlich 42 für die
seite. ob die von mir angenommene folge der blätter die richtige
ist, kann ich nicht bestimmen, die linien, mit derselben tinte ge-
zogen, sind zu beiden seilen durch senkrechte begrenzt, mit aus-
nähme der obersten, die durchgehn. nie ist darüber hinausge-
schrieben, mir von der roten Überschrift am ende des ersten Mattes
fallen die beiden letzten buchstaben auf den rand, ebenso die in
den anmerkungen erwähnten correcturen und glossen. die hand ist
dieselbe, die schriftzüge sind gleichmäfsig und weisen ins ende des
zwölften, höchstens in den an fang des 13 jhs. die form des z
unterscheidet sich nur durch ein hükchen von der des h, die wenigen
ausnahmen sind in den anmerkungen angegeben, neben dem ge-
wöhnlichen geraden r erscheint auch das gewundene meist vor h,
n, r, selten zwischen vocalen. w ist stets durch zwei völlig getrennte
V ausgedrückt; f steht fast ausnahmslos, s nur einigemal im aus-
laute; punkte über dem i fehlen durchaus, die wenigen striche habe
ich durch acute widergegeben; die circumßexe sind genau der hs.
entsprechend.
Leipzig.
K. HILDEBRAND.
S. BRANDAN 289
LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
DES ALTFRANZÖSISCHEN GEDICHTS AUF
S. BRANDAN.
1 Vana vanis garriat pagina pagana, fol. 2
Greges agros prelia vox Virgiliaiia.
Mundi dilectoribus placeanl miindana:
Alexandri studia pia sint , non vana.
2 Is per viam tridui liber in deserto
Corde deo proximiis azimis referto
Pie sitit serieni ad quam stilum verto.
Dulcis sitis pia sit viam hanc experto.
3 Usus sese sequitur, ut est jus nature.
Voluptate trahitur mens infecta jure,
Jugiter jus sitiunt quibus jura eure,
Deo nubit pia mens IVaglans tali ture.
4 Pius ille signifer cujus jussu scribo
Pio petit refici me ferente cil)o.
Pietatis cibus est via per quam ibo.
Sed tantillus talia qualiter subibo ?
5 Secretorum seriem sorte singulari
Que Brandanus peregre meruit rimari
Ausus preter ceteros metrice prefari
Ausum talem talia possum me mirari.
6 Ausus talis laliter talia s<rulari
Montem bos contamino dignus lapidari,
Digne nisi video dignos indignari.
Dum tantillus audeo tantis implicari.
7 Sed qui me perelegit ad lioc opus vatis
Facil excusabilem rem temerilatis.
Suus suni auriculis subula foratis:
Suus sum ad omnia debito, non gratis.
8 Modis bec ul precipit ritbmicis explano.
Hunc in modum transferens ritbmo de Romano
Scriptum vetus renovo, dum bec nova cano.
Sic vetnstas precinit scribens de Brandano.
9 Sic vetustas precincns est exemplar rei.
Si falluntur nescio derogantes ei.
290 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
Scio, cum hoc nesciam supra posse vehi,
Posse plus insolita potestatem dei.
10 Ortus in Hybernia flos est puerorum,
Puer vir in puero forma seniorum :
Puer annis teneris, vir virtute morum,
Decus hoc in pueris satis est decorum.
11 Is Brandanus nomine soholes regahs
Equo suo generi moribus equalis
Sic a mahs destitit in diehus malis
Ut stupentes dicerent 'quis hie homo talis?'
12 Evo jam maturior mente maturescit,
Mente mundo dissona decrescendo crescit.
Quo plus mundus floruit , ei plus vilescit.
Instans sie insistere perstat nee tepescit.
13 Perstat mente spernere, visibus horrere,
Manu res repellere, voce devovere:
Et ne mora minuat pium hoc fervere
Instat tali tedio fugam adhibere.
14 Mundum confert ignibus, fragili se cere.
Gera cum incendio timet conmanere.
Et se carnis memorans paleas habere
Procul fit a faculis ne sit ustus fere.
15 Ergo leves passeris emulans volatus
Passer ipse misticus et pusilli Status
Ad montanum evolat statum- monachatus,
Postmodum de monacho monachis prelatus.
16 Abbas jam de monacho, mater fit in patre.
Patris ei gravitas, amor dignus matre.
Patrem matre temperans imperabat grate.
Sic qui fratres regitis patres imperate!
17 Eranl hij qui suberant , qui parebant seni
Fratres evi disparis quasi ter milleni,
Cum in terra viverent pene non terreni,
Meritis emeritis viri celo pleni.
18 Christus eis vivere carnis crux amori,
Summa vite prosequi placita pastori.
Pastor is et pabulum , dux et via chori ;
Chorum ita ducere decus est ductori.
19 Gregis ita previus ille vir electus
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRAND AN 291
Ad snperna studia totus est erectus.
Mansit in celestilnis adhuc carne tectus,
Vite situ celice celis jam invectus.
20 Evo jam provectior cepit iiosse velle
Ouod rix Votum noverat usui rebelle,
Adam quid demeruit dulcis pomi feile,
Situm justis debitum et pcualis celle.
21 Adam quem demeruit, ille quis sit ortus,
Ortique delicie, quis sit pio portus.
Reo quis cum moritur horror sit obortus.
Hie vel hie quo transeat regnans vel absortus.
22 Horum desiderio fervet indefesse.
Non fervorem minui sinit, non deesse.
Oral carnis oculis possint bec subesse,
Orat ne preveniat mortis bec necesse.
23 Dum subest devocio, votum augmentatur.
Votum spes subsequitur, spem res comitatur.
Justo deus annuil juste que precatur,
Sc de dignis argui qui non dedignatur.
24 Spiritu consilii sanctum insjnrante
Hinc Barintbum consulit virum vite sancte,
Hujus rei conscium, bec expertum ante,
Cujus munil monitis vota rei tante.
25 Is cum gradu nomine dignus presidentis
Presidens in nemore monachis trecentis
In uniup numerum minuit augmentis
Turturis solivage legem eligentis.
26 Insule sul)sidiuni nactus bic in mari
Cepit mari morilnis constans reluctari.
Mernox nomen bominis cujus pares rari,
Cujus fata consequi par est cum beari.
27 Hinc absistens substitit meliore statu
Transiens ad insulam gratam incolatu :
Nam hie aromatico jjastus est al'llatu,
Eden quem tlorigero sparsit odoratu.
28 Paradiso proximus locus ille felix,
Fovil buiM- angelico visu cum loquelis.
Hec odorans audiens videns vir lidelis
Fit in terris socius celicis et celis.
292 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
29 Dum sie ovem perditam pastor suus querit
(Sed non male perditam que tam beiie peril)
Vidit maris inviis dum se viis terit,
Que Brandanum docuit hec qui vota gerit.
30 Sic Braiidanus monitus cursibus duorum
Ex hiis ausum aiiimat cursuum novorum.
Hec cum suis contulit optimis suorum.
Tessera cum decade numerus eorum.
31 Consulit et cousulunt approbantque vota.
Fervet ad consortium ■ cohors ea toia
Prompta nave provebi pede sive rota
Viis non incognitis, non morosis mota.
32 Sic ferventes intuens bylaris effectus
Monet ut in fervidis constans sit affecfus.
'Quo nos' inquit 'vebimur pulcher est provectus;
Pulcris in provectibus turpis est defectus.
33 Fratres, quem subibimus Labor est supremus.
Prece cum jejuniis eum roboremus.
Preci cum jejuniis dum hijs insistemus,
Quadrageni temporis dies consumemus.
34 Acta probat exitus, probat hoc poeta.
Texit toga poderis fdium projdieta.
Non meatus bravio muniat sed meta;
Certa laus ad vesperam datur de dieta.'
35 Dixit: silum exuunt vite lefabunde.
Situs eis gemitus atque preces munde.
Se ter in ebdomada pascunt infecunde
Paslu penitentie vite gemebunde.
36 Hec procelat hie et hij nisibus anelis,
Seni donec astitit angelus de celis,
Per quem deum didicit hijs placatum zelis,
Et que vie series et quam plena ])relis.
37 Gregem statim convocal, ait convocatis
'Sic est et sie volumus, et vos valeatis !
Prior curas peragens vice sit abbatis,
Jubens hie, vos supphces: caute vos agaüsl'
38 Ad hec eunclis flenlibus cum premissis exit.
Contribules preterit, notos non respexit.
Secum .xiHj. mox ad mare vexit,
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 293
Levigat abieles, ratem ex liijs lexit.
39 Coriatur, jungiliir ad caiitelam ratis.
Escis eam onerat sie preortlinatis
Ut per sex elidoniadas sit ad victum salis.
Hora lit: introiit jiinctis prenotatis.
40 Portns iinde navigant saltus est Brandani,
Quem sie sancti gralia vocant Christiani.
Portum giirges efficit siim non inmani
Defliuis de lupibus lateris montani.
41 En preventis eursibiis ratis procedentis
Subsecuti socios tres ejusdem gentis.
Ejulant ex littore manibus protenlis
'Et nos, pater, suscipe! peccas, si dissentis.
42 Pater iiatos respice vultibus paternis:
Parva sumiis sarcina, tantum tres, ut cernis.
Non paternus pater es, si nos tuos spernis:
Si nos tuos reicis conferens externis.'
43 Respicit et suscipit voces dando tales
'Pares estis adilu, metis inequales.
Duos vestrum demetent falces infernales.
Turbida sors tertii : mete sunt vitales.'
44 Tunc expansis manibus petit a Tonante
Ut sit iter prosperum illo prosperante.
Signo crucis edito retro circum ante
Benedicit omnil)us motu manus sancte.
45 Vela malum palliant, sinus formant venti.
Eurus ratem proveliens mittit occidenti.
Federati gratia flatus et fluenti
Volent ut velocius remis sunt intenti.
46 Jam diebus .xv. prospere completis
Eurus fessus siluit. pax fit tibi, Thetis.
Pax fit 'nautis turljida planctus , non quielis,
Pax qua cursus dennlur dempto flatu fretis.
47 Pax laborem peperit, labor bic dolorem.
Äuget labor corporum cordium angorem.
Sed crux tanta solviinr crucem in minorem, .
Dum solantem audiunl suum seniorem.
48 'Non nos' inquil 'pregravet vela non volare,
Velis non volantibus sie nos laborare.
Z. f. D. A. neue fol-e IV. 20
294 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
Nee sunt fida flamina nee est fidiim mare:
Fidiim fedus deiim est flde coniplaeare.'
49 Dum per anni spaciuni languet sie earina
Sine flatu preside lenta, non festina,
Cum deflatis flatibus urgent mala trina:
Labor victus modieus virium ruina.
50 Vere pii provide deo militatis.
Vere piis pius est auctor pietatis.
Piis hiis tam deviis tarn coutribulatis
Terram monstrans hos ad hanc ventis dujeit ratis.
51 Terre dum hos admovet spes hie respiran[di,
Amoventur proximi pre terrore grandi.
Terror latus litoris negans nautis pan|di,
Ad spem solam patulum statim naufragandi.
52 Rupes rupe durior litoris struclura
Celsa seabra pendula spondet queque dura.
Nusquam navis inibi fidens vel seeura
Cireuit per triduum portum quesitura.
53 Die forte tertia cessit in tranquillum
Rupis in latibulis portum in pusillum:
Portum sed non navium, navis sed portillum.
Navem eo dirigunt , invehunt in illum.
54 Eminebat cominus oppidana sedes.
Mira muri gloria , mire nitet edes.
Sedit navis, exeunt: hue divertunt pedjes.
Quenam sint , que viderint , faeile non credes.
55 Muri' mirus ambitus totus cristallinus ,
Quisque lar marmoreus. laris intra sinus
Deeus est parietum maximo non minus,
Gemmis eum sidereis fulgor obrizinus.
56 Cum hec quasi deeeant regis majestatem,
Cum delectent hee et hec fratres et abbatem ,
Stupent sine civibus esse civitatem:
Nam nee ibi subditum vident nee primatem.
57 Restant de palatio propalanda quedam.
Ab hiis huc intrantibus quid sit gestum edam:
Prrdo preda qualiter factus sit per predam
Raptus morle subita ])er rapinam i'edam.
58 Sedens senex imperat 'fratres mihi cari,
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 295
Si quid hie est commodi, pergite scrutari.'
Pergmit : rem renunciant dignam nunciari,
Vicliim hie suppetere , gazas cumulari.
59 Victiis promimt phirimum preside mensura.
Vetat senex transgredi rigida censura.
Vetat, prout ereditur, precaneos futnra,
]Ne jus fedent fidei perfida captiira.
60 Agiint deo graeias et hie pernoctatur.
Sed dum nocte dormiuiit, furtum perpetratur.
Furem Satan iueitat: fit quod incitatm'.
Cifum rapit auremii : raptus elam locatur.
61 0 insatiabilis eava mens avari!
Statum tuum nescio satis aihnirari.
Tibi satis nihil est, nimis minorari.
Te non trita Tartarus non est sine pari.
62 Crater non est habitus pari par ex ere,
Superat materiam opus in eratere.
Für post furtum recubans dum vult hec latere,
Senem quicquid contigit contigit videre.
63 Vidit hec in spiritu vir spirituahs.
Claro videt himine mens quam, deus, alis.
Facto jam quatriduo propaUitur cahx,
Sermo dum ad reduces fit a sene talis
64 'Nemo quicquam auferat pensu rerum motus,
Eris supellectuHs cibi sive potus.'
Et ad hec flens intuht deo vir devotus
'Si sum mei conseius, für est mihi notus.'
65 Dcsignatus patulo furtum für agnovit.
Furtum coram omnibus dcvovere novit.
Sanctus pairi supjdicat: hie llet, hie ignovit
Et ignoseens suphci promit que prenovit.
66 'Fratres' inquit , 'reum hunc preee sullevatel
Ruit ul videbitis et perfestinate.'
Ad hec Satan prosiHt elamans 'vir ingrate,
Cur mc mea deicis ex hereditate?'
67 Diclis liiis disparuit . rei cor tabeseit:
Vidtus ei de(i(H( , morbi vis succrescit.
Sumpto mox viatico pervius decessit.
Qui decessit pervius egra nulh spes sit.
20*
296 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
68 Hunc saluti senior solum prenotavit,
Eis cum in litore secus prophetavit.
Tumulatur: remeant et sors nova fa^^t.
Astans navi nuncius hec dennntiavit
69 'Pastum vol)is defero. mentes hilarate!
Potum jungo pastui: sumite, servate!
Quo vos cunque deferet pede sors vel rate,
Premet nee periculis set nee egestate.
70 Fruclus hiis laboribus, res succedet spei.
Vol)is res quam petilis nutu cedet dei.
Vobis bic non deerit sors bec, cari mei,
Donec ad provectius vos contingat vebi.'
71 Cognoscentes nuncium omnes per ignotum
Deum pie persequi quod vovere votum,
Vela venlis expUcant: deo cor devotum.
Et boc cursu transigunt annum pene totum.
72 Viani niaris inviam tamdiu temptatam
Portu tandem terminant ita termiuatam. I;
Nacto portu nacti sunt terram satis gralam,
Grege fecuudissimo terram fecundatam.
73 Grex bic fecundissimus oves novi moris, fol. 4 '\\
Ovium corporibus corporis majoris, j
Quales cervas cernimus Cellicis in oris. 1
Omnes albe, nulla est disparis coloris.
74 Tunc sie pater fratribus 'laudes deo demus.
Diem cene domini dieni bunc bal)emus.
Pascba per boc triduum. usque tunc bic stenius.
Unam tantum ovium nobis preparemus.'
75 Cum boc sobun suppetat jubet sie andere.
Jubet et fit : inibi biduo stetere.
Die vero sabbati secus se videre
Senem crine niveum formule sincere.
76 Salutatis obtulit panes gratos vere,
Quorum nix albedini posset invidere.
Addit 'si quid deficit , presto sum suplere.'
Panes erant azimi. grates persolvere.
77 A Brandano dapiier, quis sit loci silus,
Quis grex talis ovium, dixit inquisitus,
Loquens breviloquio, loquens ut invitus
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 297
'Est hie locus copiis satis insignitus.
78 Erit hariini oviuni milla transportata ,
NiiUa pressa frigore, nulla morbo strata.
Ad lianc' inqiiit 'insulam insiila vocata.
Ite, sie a deo est res preordinata.
79 Noetem hane in insula celebrem ducetis.
Gras ad Pasche gloriani missas conciuetis.
Gestis hiis celeriter inde navigetis:
Qiiare sie, nunc nescii, postea scietis.
80 Loeis hiis vos reduces loca mittent illa.
Divertetis alias navem et vexilla.
Unde sum , quo prosequor ? erit sors tranquilla.
Non Caribdis metui vobis sit aut Scilla.
81 Hiis in loeis obvius adero non lente,
Adero viatico cum suffieiente.'
Vecti ventis insulam naeti sunt repente.
Sedit navis, exeunt sene remanente.
82 Pascha prout licuit, prout potuere,
Cantibus vigiliis missis peregere.
Post refectum spiritum corpus refecere.
Corpus ut reficerent ignem accendere.
83 Humi eibos excoquunt. eibis jam paratis
Hie eibandi resident sedibus moratis.
Clamant 'pater, adjuva ! sul)veni jam stratis I
Nam movetur insula, se retraxit ratis.'
84 'Dens' inquit 'adjuvet. deum reclamate !
Cibos cito tollite , citius intrate 1'
Intrant, set non sine vi et difficultate.
Hebent et stuporibus mentes sunt turbate.
85 Stupent hunuun solidam, rem inanimatam,
Ut volantem volucreni jam jam elongalam,
Multis miliariis subito sublatani :
Quam per piram denotant nondum exturbatam.
86 Tunc sie senex 'mea gens, ne rem haue ign|ores,
Belua, non insula, dedit hos terrores.
Vocant malreni piscium piscem hunc doctores:
Primum est natalile, tales ejus mores.
87 In tani mirabilibus anctor tam miroruin
Miratores allicit operum suorum
298 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
Ut cum plus promineat, sumat plus hono|rum,
Amet plus et timeat talem mens piorum.'
88 Cum hiis verbis preterit ratis satis cita
Et jam terram conspicit sauctus heremita.
Hec est a dapifero terra ])refmita.
Portum captant cursibus et factum est ita.
89 Ratis procul trahitur rivi per secreta
Ut quiescat citius tutiori meta.
Prius ut promiserat dapifer propbeta,
Vices has uou asperant flatus ueque freta.
90 Arbor mannor Parium superans candore
Parte ripe cernitur in secretiore,
Lata densans folia: bino sculpta flojre
Liliorum gloria rose cum rubore.
91 Stipes Stupor nubibus arboris elate.
Ramos ex se sperserat spaciantes la|te
Longos et innumeros plenos novitate,
Avibus nitentibus nivis claritate.
92 Dumque stupent senior et gens senioris
Alites et arborem tam mirandi moris:
Novum hoc stupentibus uovat vis stuporis,
Prore quidam alitum ex hiis astans choris.
93 Qui dum pulsat aerem remige pennarum,
Sonus fit ut dulcium sonus campanarum.
Forme decus decorat canor hie alarum.
Ornant sese mutuo clarus et preclarum.
94 Contestalur senior residem ibidem
'Die, die, si sors dei es, dictis servans fidem,
Qui vos et quis locus hie, cur vos servat idem?'
'Sumus' inquit 'angeli, set non nunc ut pridem. ^
95 Sumus cum Lucifero lucidi creati, |
Celus quidam subditus ejus majestati.
Ei dum paruimus post ausum peccati,
Cum ruente ruimus: set non eque strati.
96 Tumido servivimus, set non intumentes,
Non peccati complices, non hoc molientes.
Hec nos reddif ratio Stratos et ])laudentes.
Tali causa laliler sumus hie degentes.
97 Nos a palre liberat pene rex supremus
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 299
Pene secl noii penilus: regno nam caremus.
Has pro regni sedil)us sedes possidemus.
Paradisus noster est hoc ameiuim nemus.
98 Vostri primum exitus anuum nunc completis.
Adhuc sex complebitis vos frangendo fretis.
Pascha super beluani sexies agetis.
Eden posl videbitis alrium quietis.'
99 Redit hinc ad arborem alis sullevatus
Ales vel, si creditur, angelus alatus.
Plaudit chxa vesperam totus comitatus.
Plausibus modificant tales modulatus.
100 Dignas agunt gratias digne deitati
Dignis a deicolis quod sunt visitati ,
Simili levamine uuncquam relevati,
Nunquam vultus hominum ante contemplati.
101 Angelorum advene laudibus allecti
Collaudantes dominum cibo sunt refecti.
Dicto completorio substernuntur lecti:
Sompnum sunumt : ratis est pro tutela tecti.
102 Galli cantus tempore surgere cepere.
Matutinos concinunt: angeli juvere.
Homines cum angelis voces miscuere:
Nutu dei potuit sie se res habere.
103 Mane sancto dapifer aslitit predictus.
Lenit hos solatiis et promisso victus.
Justus non est inquies inops derelictus,
Ruens vel inopia victus vel amictus.
104 'Festi sancli Spiritus clausulis finitis
Huc vos via revehet modo (piam subitis.
Erit binis mensibus re(piies hie sitis.
Copia non deerit: timidi ne sitis.'
105 Verba post solalii dapifer discedit ,
Item die tercia solaturus redit.
Singulis ebdomadis bis solainen dodit.
Senex agit gratias dicia nee excedit.
lOG Cum fit nautis refiuies, ratis rosarcitur.
Pro veluslis coi»iis novis connnunilur.
Solitis solatiis dapifer blanditur:
.viij. menses protrahunt viciu quem largitur.
300 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
107 Valedicto postmodum sese flens absentat.
Vie cursuni digito signat et ostentat.
Ales item advolaus rati se presentat:
'Jam vos' inquit 'commode mora nou retentat.
108 Ad Albei terminos vobis transporfandis
Restat via longior, vie labor graudis.
Mare spondet aspera qiiod nunc nauta scandis.
Set non deus deerit, si cor deo pandis.'
109 Itur et in limine venti sunt secundi.
Sed minaces ilico, demum furibundi.
Terra visa cupiunt ratem huc infundi :
Set per menses quatuor passi sunt retundi.
110 Mense sexto proximum hos repellit litus.
Saxeus et invius litoris est situs.
Longos cassat ambitus portus hie quesitus.
Die quadragesimo labor est finitus.
111 Portum agit rivulus: hunc optinuerunt. fol. 5
Fessos fovet requies. post se foras ferunt
Dumque quo sit opus hie simul vecti querunt,
Fontes legis disparis duos repererunt.
112 Is illimis nituit, hunc turbabat limus.
Curritur et nititur cene quisque primus.
Senex 'ne tam lubrici simus, si sitimus!
Fontium nos advene que sit lex nescimus.'
113 Premit dum inprovidos providus Brandanus,
Ecce quidam monachus evo veteranus
Sanctus seni suplicat inicitque manus:
Gestu dici poterat ebrius vel vanus.
114 Signis eum protrahit ei nil locutus.
Stupefecit previus subsequentem mutus.
Dumque gressus dirigunt, dirigunt obtutus
Ciarum in cenobium. mutum huc secutus
115 Cetus patrem sequitur. eis eo vectis
Loci pater obviat sibi cum subjectis.
Splendent omnes vestibus splendide confectis,
Thure texlis crucibus ferelris adjectis.
116 Splendet in ornalibus, quibus splendent isti,
Aurum , (pio non clarius , Arabs , eflodisti.
Auro cari lapides micant inlermixti.
DES ALTFRA>Z. GEDICHTS AUF S. BRAND AN 301
Sunimo plaiisu nititur gens hec naiitis sisti.
117 Dato pacis osculo plebs hec conglobata
Intrant , orant pariter : prece perorata
Cena sese recreant. cena salis grata ,
Panibus radicibus aquis fecundata.
118 Paiies nitidissimi, sapide radices.
Quasi manne peragiint in sapore vices.
Musto si contenderint , aqiie sunt victrices.
Pinguitatas crederes aquas has felices.
119 Post peractas gratias dicto miserere
Nautis hospes innuit, omnes annuere.
Preit, exit, exeunt: sedit, consedere.
Tunc de loci seriis cepit hos docere.
120 'Hie nos' inquit 'monachi sumus quater seni,
Grex Albei suplicis senis deo pleni.
Locuni sanctus angelus designavit seni.
Anni, postquam transiit, sunt bis quadrageni.
121 Exul sponte potens hie longa via fractus
Presens est cenobiuni deo duce nactus.
Vite post melliflue dulces per attractus
Sibi nos confederans dux est noster factus.
122 Germinante semine quod in nobis sevit,
Cum provectus seminis in maturum crevit,
Carnis carne moriens debilum implevit:
Quem , ut credo, vite mors dedit , dum delevit.
123 Extunc ejus meritis nil hie adversatur.
Nullus hie ollenditur, nullus inlirmatur.
Panis sine bajulo , sine cura datur
Singuhs nunc integer, nunc dimidiatur.
124 Integer per singulos cum solempnizatur,
Ahas dimidius hunc et hunc solatur.
Sic quos nostis fontium lex cooperatur:
Abluit nos turbidus, liquidus polalur.
125 Calet fons (urbidior, liquidus frigescil:
Hinc est quod hie abluit, sitim is compescit.
Mira miris prosequor et que usus nescit:
Nostris in lampadibus liquor non decrescit.
126 Horis quibus surgimus deus hoc iui|»endit:
Per se lampas subito llammani apprehendit.
302 LATEINISCHE LBERSETZUIVG
Flamma nil coiisumilur, iiil ad minus tendit.
Per se flamma deficit, per se reaccendit.
127 Et nunc nos insolitns hilarat eventus.
Sumpsit victum duplicem noster nunc couventus.
Credo, dei gratia duplex est obtentus,
Signum vostri meriti simul et adventus.
128 Nostre nunc fruemini paupertatis rebus,
Donec in aquarii signum cedat Phebus.
Festo stelle trausito paucis cum diebus
Vos sors vostra subtrahet nostris faciebus.'
129 Hinc se posse subtrahi graviter fereuli
Sic Brandano senior 'frenum pone menti!
Obstat sors propositum tale proponenti.
Stultum est resistere deo disponenti.
130 Primam spem prosequere. cor hiis curis ure.
Tellus que te genuit dabit sepulture.'
Substant dato tempore ratig processure:
Itur junctis barbaris conducendi jure.
131 Vale facto prodeunt, palliatur malus.
Diu vectos suscipit sali deusa palus.
Flatuum et fluctuum omnis casus malus.
Angustatur undique, desperatur salus.
132 Vite spem ademerant fames, sitis dira,
Longus labor , lauguidus flatus, maris ira :
Cum divina pietas vere satis mira
Tali talem subito luctum lenit lira.
133 Astant leto litori, portum intrant letum,
Conmeatu piscium rivulum repletum:
Quorum captis copiis })roperant ad fletum.
Est que fato flebili gaudium deletum.
134 Triti siti nimia prohibente sene,
Equo dum plus hauriunt, sunt exhausti pene:
Equo quas plus hauserant, aque sunt sereue,
Set vel virus iuerat vel Lethee vene.
135 Sopor omnes occupal: illum bidiianus,
Illum sopor triduo. uulli sensus sanus.
Prece quos vix excitans intulit Brandanus
'Fuga cita l'ugite: locus est profanus.'
136 Circa rivum carpserani in quo sunt piscati
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 303
Herbas salutiferas et saporis grati.
Potum post pestiferum tandem debriati
Herbis biis et piscibus fugiiiut ditati.
137 Fugiunt, velificant deo porUim daiite
Avium in insulam die cene sancte.
Qiios bic structa camera fessos obumbrante
Novat veste dapifer lavacro purgaiUe.
138 Diem cene celebrant, sequens bic finitur.
Transeunte sabbato piscis mox aditur.
Ibi quem oniiserant lebes reperitur.
Pasche fit celebritas, hinc post sexlam itur.
139 Libere pacifice rati sunt admoti,
Non ut prius belue modo motu moti.
Avium ad insulam transeunt devoti.
Notam notant arborem procul binc remoti.
140 Duice canunt alites dulci modulalu,
In siiorum hospitum leti remeatu.
Portus paret pristinus cum cpiieto statu.
Famulatur dapifer grato famulatu.
141 Cibis huc advenerat onerata nave.
Eis biis impendiis gratum defert ave.
Addit hec solacia solans non ignave
'Vos, dum sorti preero , nil gravabit grave.
142 Erit quies placida vobis bic localis,
Festum donec transeat sancte trinitalis.
Rediturus abeo. bene valeatisl'
Substanl, tem])us susfinent processure ratis.
143 Jam instante tempore quo sint binc delati,
Astans unus aUtum loquitur abbati
'Ibitis muic alibi, nunc bic coUocati ,
Annis quinque (aliter huc et huc Iranslali.
144 Die cene (piinquies agni virginabs
Tellus vobis ovium erit bospilalis.
Fiel super lieluam iesti laus Pascbabs,
Cum .\lbei monachis domini natalis.'
145 Partes ad occiduas liinc feruntur vcnto,
Vento non ad Mbitum, languido lluento.
Dies per tcr .xv. pressos cursu Uuito
Plus promente contigil prcmi delrinicnln.
304 LATELMSCHE ÜBERSETZUNG
146 Fertiir eis obviam belua marina,
Equaiis montem corpore, situ serpentina,
Vi sua notabilis, eis jam vicina:
Quam vicinam cernere par est cum ruina.
147 Fedus ardor alitus et hyatus oris,
Turpe Valium dencium, tonitrus clamoris,
Dicere deficio, quanti siot terroris,
Quantum hiis deficiat choors senioris.
148 Tunc sie pater fratribus 'sumite solamen. fol. 6
Tritum cito decidet hoc terroris flamen.
Est in deo (fidite) proximum levamen.
Nos de manu bestie salvet deusl amen.'
149 Dixit et spem revocant pene desperati.
Fovet spem solaminis dos a deo dati.
Jam lesura belua, jam admota rati:
Novo marcens obice parcit feritati.
150 Rugit mox e latere belue majoris
Plus horrendi corporis situs senioris.
Fit congressus hinc et hinc bujus et prioris:
Sine modo furere modus est furoris.
151 Unguibus et dentibus invicem ingrati
Alternabant acrius cum inferre pati,
Suntque tluxu sanguinis fluctus augmentati.
Sonitus ut tonitrus Jovis est irati.
152 Sequens tandem belua prevaleus priori
In tres partes lacerat jam coactam mori.
Sic quieta rediens fmem dat furori.
Salvi naute gratias solvunt salvatori.
153 In Latini texitur textus exemplari
Hie sortita seriem serii res clari.
Rem a piis ritlunice petor banc effari.
Pie piis obsequi non est ociari.
154 Vectus inde senior insulam notavit.
Optat eo devebi, ventus votis favit.
Eo dum devebitur, mulla prophetavit
De loco, de populo quem bic sors locavit.
155 'Illic' inquit 'numerus noster minuetm*.
Numerum is minuet, plaudat et letetur.
Felix hie lelicium sortem sorlietur.'
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 305
Prodeuiit et prospere portiis obtinotur.
156 Patet über exitus. lociim grex explorat.
Loci planam faciem juge ver honorat.
Et ut decus expleam , locum quod decorat,
Decus que Jedeceat iiiiUa re laborat.
157 Loco leto placidi fructus applausere
Scalte dicti. quid sit id, dicant qui novere.
Moles multa friictuiim, forma quasi spere,
Color nix et purpura , melque sapuere.
158 Turmas tres hie denotanl. primus puerorum,
Juvenum est medius, sequens seniorum:
Paucis intersticiis chorus preit chorum.
Cedunt lac nix lilia forme singulorum.
159 Gloriosus glorie cultus sit ut testis,
Alba munda bissina primos vestit vestis:
Vestis vos jacinctina, qui primis subestis.
Ultimi dalmaticis nitent ostro textis.
160 Horis diurnalibus, hora vespertina,
Horis noctis celebrant cantica divina.
Alternatim concinunt, vox est hiis Latina.
Cantus horum terminat hora matutina.
161 Nocte nubes insulam texit totam tola
Lucens sie ut fervidi solis solet rota.
Choris fit latibulum nubis lux adniola.
Sonat sie latentium palam vox devola.
162 Splendor cum clamoriltus finit facto mane,
Et tunc agnum immolaut gentes insulane.
Garne se comunicant tanquam sacro i)ane
Confitenles fidei sacra Crisliane.
163 Dehine duo medium sunt egressi chorum.
Plenus scaltis cophinus onus est eorum.
Cum hiis verliis onerant navem nionacliorum
'Sumite de fructibus fortium virorum.
164 Nostrum nobis reddite nostri civem chori.
Ejus noslra palria finis est iabori.
Nota mutet exleris, set spe meliori.'
Jubel fratri senior, paret seniori.
165 Tunc sie senex 'lelix es ({uem sie sors beavit.
Felix qui te genuil, felix que lactavil.
306 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
Nostri memor valeas!' vale resignavit
Et ilans suis osciila statum hie firniavit.
166 Fratres dum hinc navigant horam circa nonam,
Jussu senis perferunt scallas ad annouam.
Uiiam senex exprimens (nee hoc extra ponam)
Succi hiue ehcuit unam Ubrani bonam.
167 Dividens per uneias Ubram nianus senis
Suos omnes reficit unciis bis senis.
Bis sex dies transigunt scaUis duodenis,
Tamqiiani melle faucibus ineessantur plenis.
168 Que predicta mansio, qui vel unde chori,
Ut qui hie an debilum sit hie eis niori,
Nee sequenti cognitum lego nee priori.
Hec ad summam legere salis sit lectori.
169 Hec Romanus preterit, inserit Latinus.
Quod vicissim disserunt dissona phis minus,
Certent inde judiees . transi , nostra pinus ,
Vehere qua precipit ille vir divinus.
170 Currunt hiis miracuHs naute stupefaeti.
Teri'am e vestigio vident et sunt naeti.
Post quietem iterum inquiete tacti.
Opprimit inopia, venti sunt abstracti.
171 Senex instat monitis, deus suffragatur.
Behie pars lacere prope nans speetatur.
Locis in hiis inopes copia solatur
Lignis foco congruis, aqua que bibalur.
172 En natans pars behie senis ad condictum
Quo tres menses transigant cedit hiis in victum;
Sic egestas transtuht infas maledictum.
Sic muniti transeunt novum ad eonflictum.
173 Gripes hos insequitur, res prodigiahs,
Factum pennis animal corporis ferahs.
Rostro (|uam sit horridum unguibus et aUs,
Expressurus reprimor ad hoc inecjualis.
174 Jam extentis unguibus vacet ut rapine,
Ut carinam transferat onus et carine,
Mors vicina resiht opis vi vicine.
Draco ratem eruit gripem dans ruine.
175 Draco minor corpore gripem est aggressus.
DES ALTFRANZ. CxEDICHTS AUF S. BRANDAN 307
Sonat aer pulsibus, dirus lit congrcssus.
Fert el infert hie et hie, premens et oppressus:
Set in prelis prevalet serpens imlefessus,
176 Ictibus fetoribus morsibus serpentis
Gripes vietus periit mersiis in fluentis.
Draco victor abiit. pax fit hie detentis.
Suos sie solatus est deus in lamentis.
177 Dantes deo gloriam dum feruntur mari,
Venerat festivitas Cephe deo cari.
Festuni hoe festivius instant venerari.
Senex eunctis altius cepit modulari.
178 Tune hü 'moderatius , pater, modulare!
Specuh perspieui formam fert hoc mare.
Pisces hie perspicimiis , proniptos impugnare.
Festem et pestiferos siste siiscitare.
179 Sunt enormes corpore, truculenti vultiis.
Siste nc prosihant tuos ad tumultiis!'
'Sie sie' inquit 'sapere sapor est ineultus.
Tumidos non timeo deo duce fultus.
180 Tot malorum meinores si res retinetis,
Deum hiis non defore eredere debetis.
Psalhte sonorius, nichil formidctisl'
Resonant et resonat circuniquaque Thetis.
181 Mira res: pestileri pisces, immo fere
Agnis non inmitiiis rati sc junxere.
Celehratis laiidibus (piibus applausere,
Mites ut accesserant, mites reeessere.
182 Procedcntos advene flamine secundo
En eohnnpnaiii denotant sitam in profimdo
Contendentem nul)ibus equoris de fundo,
Eqnum est si maxinnnn ei preciuni do.
183 Tota vel jacinctina vel est sapinrina.
Ornat eins anibilum aurea eortina.
Hiijus oram terminal l'aeies marina.
Senis ad inipcrinni nieal huc carina.
184 Maehine mirabihs intra velamentum
Are slat smaragdine noiiile porlcntum.
Sardius sacrarii slruit (»rnamenlinn ,
Lapis caleedonius lotnni pavimentum.
308 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
185 Ars que talem macliinam taliter erexit.
Ex hac trabes aiireas machiiia provexit.
Berillinas lampades trabilnis impressit.
Homo si hec coiulidit, hominem excessit.
186 Tridui per spacium naute substitere. fol. 7
Missas ibi celebrant. gaudent liec stupere.
Ad hec senex 'dya sunt hie secreta vere.
Mora jam noii expedit.' jiissit, abiere.
187 De diviiia machina cultum ad divinum
Senex inde cahcem tuUt cristaUinum.
Ausum hunc non reputes rapere corvinum.
Ausum est hoc hcite deo cor vicinum.
188 Multa jam muhaverat crux Hybernienses ,
MuUa jam stupuerant per tarn muUos menses:
Set hiis succedentia rite si recenses,
Erras, succedentibus ea si compenses.
189 Int er tot discrimina, tot objectus ire,
Angi cursu poterant, non hunc fastidire.
Nee proponunt sistere neque revenii-e
Donec eis suam spem sors del i-eperire.
190 Vectis inde longius nox iucumbit ipsis.
Cum sol nondum occidat, cum non sit eclipsis,
Locus hiis oboritur tamquam de abyssis,
Locus fedus nebuUs fetidis et spissis.
191 Fetet magis a longe mota quam lacuna.
Non hie sol irradiat, non dat himen kina.
Rehictantes invehit sors huc oportuna.
Sors est disposilio dei, non forluna.
192 Vetus deo preside vehit eo ralem.
Latet, quid hie lateat fratres, non abbatem.
Fratribus commemorat precum sanctitatem
Precibus ut muniat hanc necessitatem.
193 Signo crucis omnibus undique munitis
Per hec et hec innuit, quod hie lares Ditis,
Quod hie lares lateant turbinis et litis,
Ignis liuni irigoris fletus famis sitis.
194 Ve ve vita sordida sorlem hanc sortitisl
Sortem quam sors exeril hiis Israelilis
Oua marcescunt anime locis in ignitis,
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 309
Ubi finis demelil nietis infiuitis.
195 Quo vehuntur propius, vident plus lameiiti.
Stridor ihi dentium luctu cum ingenli,
Sciutillaruui graudines, vermes violenli,
Muimur terror touitrus, conhurentes venli.
196 Ibi uox pal|>abilis, loca larvis plena,
Morte non marccntium vennium venena,
Quibus non est trucior leo vel leena.
Ibi desperatio pejor omni pena.
197 Stantes in conlinio tenebrosi nwnlis
Tetrum quendam denotant civem Acberontis.
Hunc emisit puteus infernalis i'ontis
Obstet ut insüutibus ira dira sontis.
198 Turpis ille peslifer tur])ior i)eccatis
Asiat niinax malleo gravis quantitatis
Et quos videl cominus invidol renatis.
Concipit et parturil opus pravitatis.
199 Resilit et advebit laminam ardentem
Et advectam proicil in invisani geutem.
Set delusit lamina laminam mittentem.
Transit hos transiliens aquani in (luentem.
200 Mira lex conlrariis est in elementis.
Cedit extinguibili virlus extinguentis.
Ardet contra solitum ignis in fluentis,
Ac si flannnam stupeis lovcas lumenlis.
201 Terga verlunl advenc sediJius inpuris.
Tristes buc res])iciunt moli tut pressuris:
Moti tot borroribus, locis lam obscuris,
Animarum planctibus, demonum tiguris.
202 Est accensiis ilico totus locus ille.
Fuco fedant aerem liunus et scintille.
Ejulant in ignibns ululantes mille.
Ventus naiitas i»i'ovehit, abeunt tranquille.
203 Mane nautis itcrum locus est olTusus,
Mire celsitudinis (pialcni noscit usus,
Pi'imo non (bssimilis, turpis et conlusus,
Tenebris telerrimis undiipie profusus.
204 Eo dum apr()|iianl puls! vi ventorum,
Exilil et de[ieril unus monacliorinn.
Z. f. D. A. neue folge IV. 21
310 LATELMSCHE ÜBERSETZUNG
'Hec est' inqiiit 'iiltio scelerum meoriim.
Horum mea scelera causa sunt dolorum.'
205 Seni post hoc patuit, quis sit rei finis.
Qiiibus ve predixerat iiniis est ex biais.
Vidit eiim gemere locis in vicinis,
Predam factani miseram denionum rapinis.
206 Cedunt, cedit nubilum. loci vident slatiim.
Fimdum vident baratri niisquam terminafiim,
Cujus liber aditus , hyans os et latum ,
Ampla nimis man^o non dans remeatum.
207 Picem hie cum sulfure vident ebulhre,
Piceas sulfureas tlammas sursum ire,
Ad superna teudere, dehinc resihre.
Mala plura plurimis vident hie sevire.
208 Vident in periculis modum deperire,
Mala non quiescere, finem non subire,
Seniper cruces premere. semper eque dire.
Cum sie verba terreant, quid est hie sentire!
209 Hinc, Brandane, transiens mare dum scrutaris,
Signo crucis singulos armas et armaris.
Locum ad hec conspicis intra sinum maris.
Volens, quid sit, noscere jubes, huc veharis.
210 Rupes ibi cernitur, rupis supra pinnam
Nudus quidam sortiens sortem inconcinnam,
Culpam dignam planctibus prosequens mahgnam,
Culpam indignissimam omni planctu dignam.
211 Nudus ibi residet herens columpnelle.
Heret ei firmiler fretum ob rebelle.
Panno tectis vuhibus hie potatur feile,
Felle plus quam felleo fluctus et procelle.
212 Fluclibus concutitur ante juxta retro
Subtus et superius. pulsu marcet tetro.
Ut concludam omnia brevi mensa metro,
Credo mallet mortuum ferri se feretro.
213 Clamat in angustiis 'Jesu fili dei,
Jesu spes solatii , certe fomes spei ,
Si non licet dicere 'miserere mei',
Est vel salteni mihi spes parve requiei.
214 Jesu fili virginis, fomes spei hone,
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 311
Quo te sponte perditus insequar sermone?
Negas prout merui digna ratione
Me vel frui reqiiie vel remissione.'
215 Audieiis ingemuit senex ad lamenta,
Quo promoto propius mota sunt fluenta.
Obligat per celica reum sacramenta,
Dicat quis sit, ut quid liec patitur tormenta.
216 Seni fluxo lacrimis mulo pre dolore
Reus referl talia voce rauciore
'Judas vocor traditor pejor traditore,
Qui peccavi tradito mundi salvatore.
217 Jesum qui denariis vendidi tricenis,
Agno libans oscula gravida venenis :
Cujus ferens loculos darem ut egenis,
Meis magis institi lucris, immo peuis.
218 Lucri mei gratia justus est dampnatus.
Flagris spinis colapliis sputis deturpatus,
Innocens cum impiis morti deputatus,
Dum torari pertulit pedes manus latus,
219 Dolui, penitui: set infausto fato
Pejus penitentia peccans quam peccato.
Fine nunc exlerminor nunquam terminato.
Mortis que non moritur Status in grabato.
220 Set est hoc preludium quod hie toleratur.
Horror hie pro requie mihi repulatur.
Hie post nonam sabbati ludus mihi datur,
Die cum dominica semper terminalur.
221 Festa malris virginis cum plebs veneralur,
Pasche, sancti spiritus festum cum novatur,
Et diebus .sv. Judas sie jocatur,
Quibus nataliciuni Christi celebratur.
222 Demi)tis hiis temporibus omne tenqjorale
Nulla cum temperie mihi lit peuale.
Penis quibus punior punior tam male
Ut nil sit penalius vel nil sit ecpiale.'
223 Senex 'die, preludii vices post presentes
Quenam tam penalia vel quo loco temptes,
Quamdiu vel qualiter hec vel hec frequentes.
Exprimens expressius nil ex hoc retentes.'
21*
312 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
224 'Prope locum' iuquit 'hunc demones sunt siti, fol. 8
Non in loco tarnen hoc visi vel audili.
Lar hiis duplex subjacet situ cum immiti,
Qui non cessat pessimis pessime reniti.
225 Lar uterque Stigius. minus lar crudelis
Cruciat quos cruciat tot et tantis prelis
Ut se solos estiment reprimi querelis,
Hos quos is non reprimit refici medelis.
226 Soli mihi misero soli datur scire,
In quo plus deseviat, in quo minus ire.
Singulos vel hie vel hie jussus est punire:
Cogor preter singulos hunc et hunc inire.
227 Agil aer alterum, alter est in ymis:
Fetens hie et frigidus, ille calens nimis.
Hal)ent mare medium ymus et subHmis.
Mirum quod non uritur rogis tam opimis.
228 Nox cum die socia mittit me superno,
Eque sum in infimo rilu sempiterno.
NuUum ad solatium vices sie alterno.
Semper eque miserum miserum me cerno.
229 Nox secunde ferie cum dieta tota
Me rotandum elevat in ignita rota.
Ventis volo citius rota ventis mota.
Yolans sum et revolans requie remota.
230 Tercie nox ferie tota cum dieta
Me trausmitlit inferis sitis subtus freta.
Hie in valle demoror crucibus repleta,
Quibus non est nee erit modus sive meta.
231 Locor hie in lectulo ferro compeditus,
Tristes mox experior requiei ritus,
Ex acutis stimulis culcitram sorlitus,
Cum phunbatis rupium onere contrilus.
232 StiHs hie ut cernitis totus perforatus,
Pice quarta feria coquor.elevatus.
Ignibus tunc terreor posti coartatus.
Totus ruhet jugibus tiammis inflammatus.
233 Tostus sie (Hutins igne duplicato
Picis inIrans bahieum coquor iterato.
Die quarte lerie nocti sociato
DES ALTFRANZ. GEDICHTS ALF S. BRAND AN 313
Sum subjectiis termino tali predicato.
234 Possit hiis defieri rigor adamaiitis,
Posset insolubile flammis solvi lantis.
Solvere dum nequeiint qui nie criiciant hiis,
Crucianles cruciat tenor toleranlis.
235 Illic pice perlitus sicut nunc videtis
Sternor quinta feria scrobis in secretis.
Arctor hie algoribus et tani indiscretis
Ut, si rursus torrear, vice sit quietis.
236 Et cum rursus torreor, mallem congelari,
Tamquani ad solacium optans desolari.
Sic in votis dissidens opto sine pari,
Supra modum periens plus periclitari.
237 Dehinc die Veneris elevor amare.
Instant tota demones pelle nie nudare,
Säle cum fuligine carnem confricare
Et ignitis sudibus totum couculcare.
238 Jugiter ut jugibus penis serviatur,
Pellis mihi jugiter nova reparatur.
Una die decies pellis vellicatur
Et in sale totiens caro volutatur.
239 Tunc in cupruin fervidum fervens plumbum bibo.
Sic me sexta t'eria Tartaris delibo.
Sic huc usque perii pereo peribo.
Restant adhuc alia (jue non preleiibo.
240 Intro die sal)bati locum tencbraruni,
Ilunc si dico carcerem, credo dici j>arum.
Me, quid locum memorem, faciunt ignarum
Fetor ineffabilis et par fex unibrarum.
241 Cupri potu tumidus obsitus fetore.
Virus dum non evomo nauseantis ore,
Volens et non prevalcns, tanto sub angore
Mallem rumpi milies quam hoc angi inore.
242 Cogor die sabbati sie sabbalizare
Donec centruni teneat sol in celi lare.
Tunc huc mittor crucibus cruces commutare.
Ilec et liec et hie et hie cogor i»<'rhennare.
243 Ileri posl meridiem hunc ad huiuni veiii.
Jam ad seram demones dement nie niilleni.
314
LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
244
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249
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252
Si est, ut est iitique posse lanto seni,
Vel liac nocte, deprecor, penas meas lenü'
Senex fletu madidus condolens dolenti
Causas querit lapidis atque tegumenti.
'Dudum' inquit 'dederam tegmen hoc egenti.
Miinit hie, in inferis nil dat munimenü.
Hie obsistit fluclibus, set iion ibi penis.
Agit sie de sumptibus sumptus ahenis.
Lapis mihi subsidens tantis trito treuis
Pons est cpiem exstruxeram locis in obscenis.
Patuit pericuUs locus pleniis ceni.
Pontem hoc de lapide construens subveni.'
Dixit et prosiliunt demones milleni
et minantes seni.
obstat fides sancti :
obstant rekictanti,
precipit, obstant hü.
cedunt adjuranti.
Arrepturi miserum
Rapitur, protrahitur.
Obstat reluctantibus ,
Usque mane parcere
Adjuratos obligat,
Usque mane sustinent set non sine minis.
Mine sunt duplicibus dandum hunc ruinis.
Exorzizat senior, hebetatur in hiis.
Mane fit, abripitur et bic horum finis.
Nautas idem provehit ventus opportunus.
Deo dant per omnia gratiarum munus.
Set cum sese numerant , deest ex hiis unus.
Dubitant an vigeat an jam fiat funus.
Senex credo celitus inspiratus de re,
Murmur sedat. monet hos sibi precavere.
'Sequens' inquit 'duos is cessit ut cessere.
Cessit is ut meruit, hü ut meruere.'
Ad hec montem denotat intra sinus ponti.
Navem eo dirigunt, api)licant se monti.
aditus incompti.
subit hunc insonti.
hiuc et hinc explorat
rerum quas ignorat.
noscere laborat,
habitus colorat.
Litus erat arduum ,
Senex tarnen aditu
Solus huc ingreditur
Suniat ut notitiam
Dumque res incognitas
Ecce vir quem placidus
253 Mox Brandanum advocans nominat expresse.
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 315
Oscula ilans precipil omnes huc adesse.
Salutatis assidel pandens siium esse,
Qiie sors eiim fecerit locis hiis inesse.
254 Stupent tarn affabiles hominis alTatus,
Stupent quod ab eo sit quisque nominatus.
Stupent vehementius tegminis ornatus:
Nam pro vestis tegmine pilis est velatus.
255 Pilis incanuerat candens instar nivis.
Angelum commemora, vultum scire si vis.
Rite si perspiciat gestum viri quivis,
Dici potest angelus vel celestis civis.
256 Nautas sie alloquitur 'o grex cenobita,
Ego dicor, ego sum Paulus heremita.
Hec a deo recolo loca prefinita
Tempus omne transigens in quietis vita.
257 Nutu dei uemora locis hiis mutavi.
Nonaginla situs hie annos consummavi,
Deo solo preside transportalus navi.
Nave per se reduce statuni hunc firmavi.
258 Meis in primordiis sie sors mihi favil,
Annos per bis quindecim luter hie me pavit.
Mihi pisces attulit , ligna conportavit ,
Singulis ebdomadis vices triplicavit.
259 Collo que suspenderat maris purgamenta
Focis meis intulit arida sarmenta.
Sola trium piscium largitas optenta
Pastus atque poculi dedil supplementa.
260 Me post hoc tricennium bestia non vidit.
Non est pulsa tedio , mihi non invidit :
Set alendum aliter deus me j)rovidit,
In quo fide preditus nemo frustra fidit.
261 Dat fons indehciens fontis mihi venam
Mire plenitudinis aquis solis plenam.
Sufficit ad prandium , suflioit ad cenam :
Omnem sitis iNqtrimil at(|ue famis penam.
262 INichil hie contrarium senlio vel specto. fol. V)
Nil ofTendil animinn , (pio me cunque llecto.
Sic advenlum jiidieis hylaris expecto.
Tunc efflabo spiritum corpore dejecto.
316 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
263 Carnis solvens debituni mox resuscitabor.
Dignuni dignus premiiim mens sumel labor.
Per .XX, sepcies annos hie dilabor
Ciirsu vite labilis et tiinc consummabor.
264 Convasare laticem, senior, memento,
Cedat ut inopia copie flueuto.
.Lx. foveor annis hoc fomento:
Ite, moras pellite, date vela vento I
265 Hiiic ad Eden Iransies sedem prothoplasli,
Quo jam per septennium cursiim destinasti.
Set vos via revehet priiis maris vasti
Ad euni sie obiter, per quem estis pasti.
266 Previum sequimini, previo parete!
Iter vobis prosperum deus det ! valete !'
Eunt. obstat nubihim : itur minus lete.
Dies cene domini dant hune eursum mete.
267 Ceua loeo sohto, sie et jus Pasehale,
Sie et sancti spiritus fit memoriale.
Cuique suum solvitur debitum locale.
Tolum fit septennium taliter equale.
268 TeUus dum hiis avium moram dat de niore,
Solvitur obsequium a proereatore.
Pius ille dapifer sedulo labore
Preparat itineri que seit opus fore.
269 Cursum cohors arripit sequens servientem.
Navem intrant, pariter perarant tridentem.
Vehim vento pandilur, pandunt deo mentem.
Deo navi preside pefunt orientem.
270 .XL. transilo lermino dierum
Nil oeeurrit eursui discors aut austerum:
Et, ut naulis paluil novum per nauelerum,
Prope sunt misteria fulurarum rerum.
271 Ineidunt cahginem, cujus fucus tantus,
Quantum non eommemorat fabula vel cantus.
Decidit hylaritas, oriuntur planctus:
Set solatur oninia proeurator sanctus.
272 Erat, ut is docuit , l'uciis tarn invisus
Claustrum quo concluditur virens paradisus:
Ut hune ortum appetens fuco sil relisus,
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRAISDAN 317
Ducat et in deviuin hiic inlrandi iiisus.
273 Digna post solacia, monita post grata
A diictore previo condiiceiulis data,
Intrant in caliginem, via quedam lala
Per tres dies teritur, quarto terminata.
274 Densa de caligine cum prodirel prura,
Fulgidis in linibus tinit vie mora.
Murus hie apparuit petens celsiora,
Cui si nivem compares, nix est indecora.
275 Basis mons vicarius siistinens archana
Totus est marmoreus. aurum sunt montana.
Muri tota machina lenis atque plana
De qua sit materia, nescit mens humana.
276 Procul in campestriinis maris cedit unda,
Muri circumstantia sit ut tota munda.
Alas pulsat nubium muri dos jocunda,
Gemmis instar siderum piacide feeunda.
277 Jaspis hie fantasmatum viret in terrorem,
Ametislus roseum innovat ruborem.
Ilic jacinctus duplicem paudit celi morem,
Crisoprassi variat auri dos virorem.
278 Hie jus Dyonisia Bacbicum reponis:
Hie pantera pugili vires dans leonis,
Hie smaragdus previrens, unguem sequens o|nix,
Tinniens caleofanus, trieolor sardonix.
279 Divi calcedonii corpus hie inniitc,
Dos pedorus dubia comes margarite.
Noctis sol carbuncuhis decus trogodite,
Hie elyolropia prolongalrix vite.
280 Hie, alliestos, ignibus non premendis patcs.
Rubet hie eoralhus lerrens tempeslates,
Hie saphiri gloria, satus hie gagafes,
Pangrus vullu muUiplex et magus achates.
281 Hie, berilli pallidi viror lente, nites,
Hie prophele subdilus lingue eelonites.
Hie cum sadda naulica redolens mirrites,
Licnis se(juax sueeini, lune silenites.
282 Hie Ideus daetilus polliei cognatus,
318 LATEINISCHE ÜBERSETZUNG
Hie Peantis scrupulus gravidate gratus,
Purpurans ceruleum cianea latus,
Asterites foris nix intus est stellatus.
283 Hie enidros effluens fontis in natura,
Pupula bellocolus albens eum obscura,
Crisolampsis auri nunc, ignis nunc figura,
Latebris optallius furis fovens jura.
284 Hie Medee media croeei sudoris,
Hie murrina soboles estus et bumoris,
Ferri rapax adamas cassaus vim sculptoris,
Par magnetes raptibus roboris minoris.
285 Hie pirriles taetui minax vi flammarum.
Hie ecbites comodus nidis aqu darum,
Geratbites abigens impetus muscarum,
Pigarea eara res generi ferarum.
286 Hie oryles peliei spes sterilitatis ,
Ematbites visibus salus hebelatis,
Sanguiuem eorarius sistens desperatis ,
Non calens gelacia flammis cumulatis.
287 Carus bie topazius reges ornalurus,
Felix bie erisolitus aurum equaturus:
Hie cristallum induit aque eolor purus.
Omni dote gemmea nitet ille murus.
288 Haue nature fabrieam, miram baue structuram
Curans digne pandere vanam geret euram.
Si quam sequor fovet bie veri jus seripturam,
Posse quod bie potuit mirum est naturam.
289 Pretermitto pluria dici que deeeret.
Inops tot pre eopiis stilus mens beret.
Et si non per previum nautis hoc pateret,
Paradisum situm bie situs bie doeeret.
290 Nautis bee stupenlibus nondum naetis portum
Dirum et terribile quiddam est obortimi:
Janue vestibuluni borrcns et distortum
Minal)alur inbibeus aditum ad ortum.
291 Hie draeones ructuant ignium furores,
Aljsque fere furie feris feriores:
Flammeus versatiHs ensis ante fores
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 319
Fendilins in aere cumulat terrores.
292 Verso pessum cuspide riguit siispensus
Aeris non modicuni spatium dimensns.
Riguit in aere taliter extensus,
Ex quo pomi morsibus deus est offensus.
293 Naulis ad hec celitus tutor est induUus.
Tutor adest juvenis cujus decor multus.
Hos ad portum invocat letos ferens vultus.
Fiunt niox ad januam resides tumultus.
294 Crux draconum residet, gladius quiescit,
Angelus adveniens gladium compescit.
Tutor qui perlerritis obvium se gessit
Salutalis omnihus previus processit.
295 Intrant illo previo locum voluptatis,
Locum bonis i)reditum et non citra satis,
Ligno solo saltibus aquis aura pratis,
Quibus nichil deerat generositatis.
296 Ligna fructus decoral, solum sanus situs,
Sallus dos venantiuni avium garritus,
Aquas latex liquidus lacteus mellitus,
Piscium meatibus satis insignitus.
297 Aura leni sibilo tempus novat vernum :
Et ut verum fatear, ver est liic eternum.
Hie pratorum gloria gaudium per ternuni:
Virens florens redolens babent jus supernum.
298 Odor florum frucluum arboruin berbanun,
Tago fluctus induens aurum liarenarum,
Humi sparsa rutila sidera gemmarum
Addunl indicibile jus deliciarum.
299 Non hie asper earduus ranqmus vel Urtica,
Non infelix lolium pululans cum spica,
Arborum vel olerum non stirps ininiica:
Queque sunt hie eonsona, quequc sunt apriea.
300 Non hie estus ingruit yml)er vel lenqHslas. fol. 10
Fami siti frigore, sors, hie non inl'estas.
Adam nisi ruerel manus per incestas.
Esset liorum oninium omnibus poteslas.
301 Eden digne pingere vanuni est conari.
320 LATEINISCHE LBERSETZUNG
Stillas paucas exLraho de tarn magno mari.
Que qiiot qiianta qiialia constat hie servari,
Nemo seit viventium vel hoc sciunt rari.
302 Videns tot delieias hie deliciari,
Dum viilt hiis morosius abbas immorari,
Moras rupit jiivenis ille vultus clari.
Montem scandens jnbet hiinc sibi sociari.
303 Mons cipressis consitus Libano cognatus
Dum hos simul detinet, Stupor subit gratus:
Angelorum placidas spectant comitatus,
Melos modulantium miri modulatus.
304 Jubihs mirifieis gestus et hympnorum
In advenlu jubilant hospitum novorum.
Multiludo maxima, summus decor horum.
Hos sortiri socios esset dos regnorum.
305 Tunc sie seni juvenis hee et hee stupenti
'Quicquid est ulterius est in exeellenti.
Estis ad hoe impares corpore detenti.
Modum vestrum superat. silis hiis eontenti.
306 Tecum tuos monachos reduc reversurus,
Caro quod non sustinet spiritu visurus.
Hee te manent gaudia. refer te securus.
Hinc es summo judici letus occursurus.
307 Eece, quam cupieras gloriam vidisti.
Cor et Visum duce me placide pavisti.
Hos asporta lapides: lapides sint isti
Signa tot insiguium quibus astitisti.'
308 Tulit ergo lapides precii beati.
Sustinet hie dapifer diem sui fati.
Ratem duce juvene repetunl prefati.
Orat nautis prospera , benedicit rati.
309 Juvenis post mutuum rediit valeto.
Currunt ad Hyberniam naute eursu leto.
Nonduni triuni mensium termino completo
Ad suoruui tinium veniunt aveto.
310 Suuni patris reditus hilarat conventum.
Hylaralur patria patris ad advenlum.
Seriatim exerit quicquid est obtentum
Multis ex hae serie dans emolumenlum.
DES ALTFRANZ. GEDICHTS AUF S. BRANDAN 321
311 Complens vite termiiuiin ille Nazareus
Pius pio transitu factiis est Hebreus.
Cujus piis meritis nobis parcat deus!
Vigeal et valeat Alexander meus I
Von jüngerer hand: Expliciuut actus sancti Brandani.
ThWright encälmt in der vorrede zu den altenglischen
bearbeitungen der sage vom h. Brandan (London 1844, Percy
Society xlviij) jj. v eine lateinische metrische Übersetzung des alt-
franz. gedichts , welche sich in ms. Cotton. Vespasian. D ix befindet,
diese handschrift in klein quart ist aus pergament- und papier-
bldttern zusammengesetzt: erstere, fol. \ — 10, 213 — 218, von
derselben hand des xiii oder xiv Jahrhunderts beschrieben, haben
beide male 2 spalten auf der seite zu je 32, von fol. 4 ab zu
34 Zeilen, auf fol. 2 — 10'' steht die vita sancti Brandani — so
von späterer hand betitelt — , ein gedieht in gereimten quatrains
von catalectischen tetrameteni, jedes quatrain durch abwechselnd
rote und blaue initialen bezeichnet, auf fol. 10'" folgt von andrer
hand ein fragmenl in distichen; 213 — 218'' steht eine vita SAlexii
in derselben form, das erste der 186 quatrains beginnt Multi post
doniinice tempus passionis Deaurabaut faciem Jovis aul Junonis.
aus der hs. 251 in folio der Leipziger Universitätsbibliothek hat
dies gedieht Leyser in den Altd. bll. 2, 21^ ff herausgegeben,
unser gedieht auf SBrandan steht aber einer mitteilung des hm
dr \V Braune zufolge nicht in der hs.
Der Brandan ist für einen Alexander geschrieben (1, 4. 311,
4), wahrscheinlich einen jungen vornehmen geistlichen (pius signifer
4, 1). der verfa/'ser war wol ein Franzose: dafür spricht schon
der Wortschatz (sullevate 66, 1, presto suni 76, 3, reclamate
84 , 1 , elongafani 85 , 2 na.) sowie ein teil der ungenauen reime
(16 patre: matre: grale: imperate, 24 inspirante: sancle: ante:
tanle, cf 44. 137. 271, 28 felix: loquelis: fideUs: celis , cf. 63.
278, 67 labescit : succrescit: decessit: spessit, cf. 294, 159 testis:
veslis: subeslis: textis, 182 secundo: profundo: de lundo: pre-
cium do , 185 erexit : provexil : impressil: excessit , 190 ipsis:
ecHpsis: abyssis: spissis, 210 pinnam: incuncinnam: nialignam:
dignam, 234 adamanlis: tantis: cruciant hiis: lolerantis, 247
sancti: reluctanti: obstant bii: aspiranti , 248 ininis: ruinis: in
322 S. BRA^DA^
hiis: finis, 251 poiiti: nionti: incompti: insonti, cf. 234). aus-
drücklich gibt (kr verfafser str. 8 als seine quelle das alte franz.
gedieht an, welches für Äah'z gemahlin Heinrichs i von England
um 1122 verfafst ist und in ms. Cotton. B x vorliegt: meine ab-
schrift dieses gedichtes, das hr GParis herauszugeben beabsichtigt,
bestätigt die angäbe des bearbeiters. mit welcher freiheit er jedoch
sein original erweiterte, davon gibt die auch sonst merkwürdige
beschreibung der edelsteine in der paradiesmauer ein besonders
deutliches beispiel. den lateinischen Strophen 211 — 2S7 stehn im
französischen die verse 1679 — 1690 gegenüber: Mais les genimeg
fiint grant luiirs Dum piirplanlez esteit li murs. As gutes d'or
grisolites Miilt i aveil [e einzuschalten'?] d'isselites. Li murs
flammet tut a lirase De topaze grisoprase De jargunce calcedoiue
De Smaragde e sardoine. Jaspes od les ametisles Forment luisent
par les listes. Li jacinctes clers i est il Od le cristal e od le
birih daneben erwähnt der Übersetzer die lateinische {prosaische)
behandlang der sage \ind fügt daraus die episode von den scalten
153, 1 — 169, 4 ein, an ungeeigneter stelle, mitten in der erzählung
von dem wallfisch, der erst die Seefahrer bedrohte, dann ihnen zur
speise diente; die lat. prosa {ed. Schröder, Erlangen 1871 p. 23,
10 — 25, 2) gab zu dieser Verwirrung keinen anlafs.
Bei der herstellung des textes hat mich ESteinmeyer freundlichst
unterstützt. 83, 3. 4 sind in der hs. vertauscht; 127, 2 ist victum
weggelafsen, 297, 2 ut. 12, 4 steht prestat , 63, 2 Cläre, 76, 4
azini, 84, 3 vix, 233, 4 terminus, 260, 4 perditus, 273, 2 pervio,
281, 2 prophetes, 281, 4 sequar, 282, 4 slellestatus, 284, 4
magretes, 298, 3 sparsi. 137, 2 war Ovium zu lesen, 172, 3
in las zu trennen, der edelsteincatalog erklärt sich aus Plinius
h. n. 37 und Albertus Magnus Über mineralium: vielleicht sollte
280, 4 stehn Panchrus, 281, 4 Lincis sequax succinum, 282, 2
gravidati, 286, 3 carneolus. rätselhaft sind mir 279, 2 pedorus,
285, 4 pigarea. Steinmeyer liest 78, 3 (insula vocata) und vermutet
27, 1 Hie, 168, 2 Liuqui hie. einige glossen können den sinn von
verbeßerungen des dichters haben: 26, 4 prosequi, 66, 4 deicis über
proifis, 177, 2 Petri. das lesen der handschrift ist durch die überaus
häufigen, zum, teil nicht eben gewöhnlichen abkürzungen erschwert,
durch den buchbinder abgeschnitten sind die versschlüfse von 50, 4.
51, 1. 3. 54, 3. 86, 1. 87, 3. 90, 3. 91, 2. 278, 3.
Freiburg i. B. ERNST MARTIN.
LATEIMSCHE RÄTSEL 323
LATEINISCHE RÄTSEL.
Inci'pit propositimi mimerantmm ad amendos sens{us) mu'e-
mm) . . Caput xiiij DE QVODAM PATRE FAMILIAS ET TRI-
RVS PILUS {am rande DE AMPVLIS) (^idam pater familias
moriens dimisit in eredilatem tribus üliis suis triginta ampulas
vitreas quarum decem fuerunt pleno oleo alie decem dimidie
tercie decem uacue. dividat qui posttest oleum et amplas ut uni-
cuique eorum de tribus fdiis equaliter obveniat tam de nitro quam
et de oleo .... DE DVORVS HOMINIRVS BOVES DVCENTIBVS
Caput xnnj. Duo homines ducebant boves per viam quorum unus
alteri dixit da mihi boves duos et habco tot boves qnot et tu
habes. at ille ait da mihi inqnid et tu duos boves & habeo
duplum quam tu habes, dicat qui velit quot boves fuerunt quot
nnusquisque habuit .... DE LVPO ET CAPRA et fasciculo cauli
Caput xxxvnij Homo ([uidam debebat ultra fluvium transire lupum
et capram & fasciculum cauli et non potuit aliam navem in-
venire nisi que {rest fehlt).
Aus ms. Argentoratensis Sem. c. 14. 15 (xi Jahrhundert?)
fol. 176 im juli 1864 abgeschriebeil. die cursiv gedruckten stellen
des textes waren rot geschrieben.
ERNST MARTIN.
GABILUN.
Die lange vermiste sichere auskunlt über dieses tier ist jetzt
von Zacher in einer anmerkung zu Martins Gudrun 101, 1 ge-
geben, die verse aus dem Minnefalkner gehen zunächst auf
Freidank 109, 14 f und weiter auf Plinius zurück: in der an-
merkung zu Freidank gab WGrimm einige belege für gamd-
leon die im mhd. wb. vollständig widerholt sind und fidn'te ein
par verse aus Reinhols Georg an die auch bering Salamander
maulwurf und gamaleon zusammenstellen, dieselben vier liere
werden im Reinfrid von Braunschweig 26420 — 37 genannt, und
324 GABILÜN
Boppe erwähnt MSH 2, 385'' unter andern unmöglichen dingen
die seine geliebte fordert
drie fenix mnoz ich mit einander bringen,
der niMwelf sol in lüften sweben,
der gamdleön sol niht wan der erde leben.
der hornig sol sich [des] vinres nern,
der Salamander sol niht tcan daz loazzer zern.
aus dieser stelle ist ein rätselhaftes wafsertier entstanden das
aus der uaturgeschichte des mitlelalters zu verbannen ist: hornig
verstand vdHagen MS 4, 697 " nicht , und es fand in der ele-
ganteren form hornec aufnähme in die mhd. Wörterbücher : Müller
1,716. Lexer 1,1341. gemeint ist natürlich der einfache hering
und hornig ist ein schreib- oder lesefehler.
Der gewöhnliche name des Chamäleons ist mhd. gamdleön,
welches in den hss. des Freidank vielfach entstellt ist. der form
im Minnefalkner gabilön und in der Gudrun gabelun kommen
am nächsten die lesarten von Gg in den beiden stellen des Par-
zival: gabelun gapilun capelnn chappelun; die beiden letzten
formen stimmen zu capelün im Ruther.
Im Reinfrid 22522 f wird berichtet dafs der gamaleon seine
eier {eigen bei Bartsch ist sicher druckfehler für eigcr) auf dem
rücken ausbrütet ; noch das sog. liederbuch der Hätzlerin erwähnt
das leben in der luft 2, 60, 104 so fräet in den lüften sich ga-
molion gen meiner icnnn. die beiden stellen des alten meister-
gesangbuchs (= MSH 3,95'' 106'') die WGrimm zum Freidank
citiert kennen den willkürlichen farbenwechsel des Chamäleons;
.3,95" werden von den vier tieren, die im gegensatz zum men-
schen ein einziges dement bedürfen, nur Salamander und Cha-
mäleon genannt.
OSKAR JÄNICKE.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
Gramm, iv 573ff handelt JGrimm von der verwendnng des
schwachen adjectivs nehen dem snbstantiv ohne danebenstehenden
artikel, wovon sich heispiele in allen dialecten linden, und er
meint 'der bestimmte artikel sei hier gleichsam ausgefallen, seine
würkung auf das adj. dauere fort', und ferner s. 576 am ende
'in einigen fällen müfse der nicht ausgedrückte l)estinunte artikel
hinzu gedacht werden', unter allen dialekten ist wie JGrimm
s. 575 gleichfalls bemerkt der ags. derjenige, der die meisten
belege zu der genannten ausdrucksweise bietet, und untersuchen
wir einzelne denkmäler dieses dialectes, so steht der Beövulf mit
der zahl der heispiele obenan, weniger finden sich schon bei
Cädnion, noch weniger im Andreas, nur zwei in Byrhtnöds tod,
gar keine in den der Sachsenchronik entnommenen kurzen ge-
dichtcn (zwei scheinbare siehe später), wie diese letzteren ge-
dichte scheint auch die prosa diese verbimlung des schwachen
adjectivs nicht mehr gekannt und dasselbe ohne artikel etwa nur
noch zum possessivpronomen gesetzt zu haben wie zb. Job
Älfr. bei Ettmiiller Scöpas and böceras s. 4, 30 mid heorn yl-
(lestcm bre^er, welcher Superlativ aber freilich in der poosie liberall
nur schwach und stets in Verbindung mit dem art. erscheint,
eine eingehende betrachtung des schw. adjectivs in <len genann-
ten gedichten, zu der prof. Müllenhoff mich veranlafste, führte
aber zu einer von der Grimmschen weit abweichenden Erklärung
der in rede siehenden ansdrucksweise und zugleich füi* die Ver-
wendung der schwachen adjectivform in jenem dialect sei es mit
oder ohne artikel oder in jeder sonstigen Verbindung zur enl-
deckung eines bisher noch nicht beobachteten gesctzes von wie
es den anschein hat so weittragender bedeutung, «lafs von ihm
aus sich ein ganz neues licht über das wesen und vielleichl auch
Z. f. D. A. neue fol-e IV. 22
326 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
den Ursprung der schwochen form überhaupt verlireiten wird.
diese weiterführung hehaUe ich baldigen späteren arbeiten vor.
die Untersuchung konnte sich auf die genannten gedichte
besclii'änken, weil eine Verarbeitung etwa des ganzen Inhalts der
beiden Greinschen textbände für den vorliegenden hauptzweck
verhältnismäfsig nur wenig mehr ausl^eute gewährt halien würde,
bei ihrer wähl gieng ich von dem gesichtspunct aus , denkmäler
aus verschiedenen Zeiten zusammenzustellen, wenigstens nach den
jetzigen ansieht en zeithch getrennte.
diejenigen adjectiva, die nur stark oder nur schwach flectiert
erscheinen, sind fürs erste von der Untersuchung ausgeschlofsen.
vielleicht ergibt sich eine erklärung für diese erscheiuung später,
es sind folgende (vgl. Gramm, iv 519ff):
1. die Ordinalzahlen mit ausnähme von ferest das nach beiden
declinationen flectiert. döer ist nur stark wie got. anßar, die
andern nur schwach (vgl. Gramm, iv 523).
2. die comparative die alle schwach gehen (Gramm, iv 519).
3. von den Superlativen erscheint yldesta wie bereits er-
wähnt nur schwach und nie ohne artikel. hindema mit der
sansk. ama, got. nma entsprechenden zweiten superlativbildung
kommt nur zweimal, Beöv. 2049 (nach Grein, hier wie überall)
und 2517 in der instrumentalen formel hindeman s?öe vor (vgl.
Gramm, iv 520).
4. die participia die nur stark flectieren (vgl. Gramm, iv
520. 523. 547). zu Substantiven geworden flectieren sie gleich-
falls stark, ausgenommen nur wenige wie Gen. 609 se forhätena,
d. i. der teufel.
5. Beövulf hat fast durchweg den schwachen instrumental
im Singular, für den starken sind nur folgende belege: 922
getrume mide. — 21S1 nuüste cräfte. der schwache instrumental
midan scheint überhaupt nicht vorzukommen, weder nach meinen
beol)achtungen noch nach Grein, wenn der letztere im glossar
zu mkel Kr. 102 mid his midan mihte unter den instrum. auf-
zählt, so kann sich das nur auf die bedeutung beziehen, ganz
falsch steht gleichfalls als instrum. citiert der dativ Exod. 275
mid Jxere midan band, aufser den beiden genannten finden
sich im Beöv. von stets stark flectierenden adj. pron. 2667 ealle
nuigene und mehrmals von min in der formel mine yefrwge, so
wie von ööer: obre s/be. in der Genesis ist es anders, zwar
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 327
überwiegt bei den beider llexioneu fähigen adjectiven die schwache
form, aber die beispiele der starken form zeigen, dafs sie noch
ziemlich lebendig war. wir flnden da stark: 44 7'edde lege. —
5S torhte tire. — 72 svearte si^e. — 1102 mid grimme gryre.
— 19Qb Jjrymme micle. — 2093 lytle verede. — 2492 rc9e möde.
— daneben wider 1878. 2393. 2629 öcire si^e. 2726 ö9?e vorde.
— 197 incre cyune. 854 neöde sine. — 1534 eövre fromcynne.
— 1917 pine möde. schwach: 1379 vonnan vtege. — 1484
hdigan reorde. — 1555. 1886 nivan stefne. — 2296 gledvan
sprwce. — 2731 hvitau seolfre. — 2857 sveartan lige. — 2865
gnvgan sveorde und einmal mit dem artikel 1324 eorhan Urne
gefdstnod — py seleslan. im Beövulf ist die zahl mehr als
doppelt so grofs. sie werden bei einer andern gelegenheit bei-
gebracht werden.
Andreas bietet dasselbe Verhältnis dar wie der Beovulf. die
schwache form dominiert weitaus im instrumental, auch hier
werden die belege später folgen, beispiele für die starke form
sind nur folgende: 273 pät fm ns gehöhte hrante ceöle, heu
hornscipe ofer hväles e^el. es ist dies zugleich der einzige beleg
für die starke instrumentalform hed , sonst lautet es inmier
schwach heän. ferner wider micel, abgesehen von dem überall
sich findenden mkle neben dem comparativ: um vieles, multo,
1206 cor^re mycle. das formelhafte ö9re si^e 809. 1677. 1702
und noch einmal beides neben einander 706:
Sy^han eft gevät ö^re si^e
getrnme mycle., pät he in temple gestöd,
dazu ein parmal das Possessivpronomen mine pine^ (284. 1627).
— Aus Byrhtnüd ist nicht ein einziges beispiel zu verzeichnen
weder für die starke noch für die schwache form, freilich uni-
fafst das gedieht nur 325 verse, aber es scheint doch, dafs der
instrumental hier überhaupt aufgegeben ist und die bedcutung
desselben neben dem ihn überall vertretenden dativ besonders
durch die präposition mid umschrieben wird , die sich sehr oft
in dem kurzen stücke findet, so gleich v. 14 pe he mid handum
mihle. 21 and büd pdl hyra randas rihle heöldon
faste mid folman usw.
Aus den 195 versen der gedichte der Sachsenchronik gehört
hierher nur der eine starke instrumental: Alhel. 34 Ulle verede.
in der Sachsen» luouiU selbst mag gleichfalls der casus durch
328 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
die präp. mid ersetzt sein, bei Ettmüller finde ich kein bei-
spicl für den casus, wol aber dagegen zb. mid miclum here. die
häufig sich findenden formein /»^ ylcan gere, sume däge, ö^re
s?öe entscheiden für den gebrauch nichts, da ja nur die eine
der beiden flexionen je die überhaupt übhche ist.
Zweifelhaft steht es mit dem instrumental des plurals. die
instrumentale bedeutung wird hier durch zwei endungen aus-
gedrückt, durch um und an, durch die letztere jedoch bis auf
eine ausnähme Andr. 1214 cealdan clotmmim nur im Beövulf und
hier nur an folgenden stellen: 963 heardan clammnm. 1502
atolan clommnm. 1505 Id^an fingrum. 1542 grimman gräpum.
2692 biteran hämim, und dazu die comparative oerran mwlum
907. 2237. 3035. — ufaran dögrnm 2200. 2392. — das an
ist zweifellos ein reiner instrumentalis der schwachen , da der
dativ stark und schwach um lautet, der aber sonst überall auf-
gegeben ist. ol) aber das um entweder dativ oder instrum. der
starken oder dativ der schwachen ist, das kann für jeden ein-
zelnen der fälle, in denen die instrumentale bedeutung deutlich
sichtbar ist, erst etwa dann entschieden werden, wenn es ge-
lingen sollte, feste regeln hinsichtlich des gebrauchs beider
flexionen zu finden, gewis ist nur ohne weiteres, dafs um nicht
auch instrum. plur. der schwachen neben an ist, da wir ja dann
zwei endungen für diesen casus hätten, ferner ist neben dem
artikel /)äm und dem pron. dem. pissum die adjectivendung um
stets dativ der schwachen, dafs der dativ die bedeutung des
instrum. vertritt ist bekannt, und der vollständig gleiche wert
wird augenscheinlich durch stellen wie
Beöv. 2166 svd sceal m/cg dön,
dyrnum cräfte deä^ renian
hondgeslealkm
neben 2290 he tö for^ gestop
dyrnan cräfte dracan heäfde nedh,
wo also für den dat. der starken der instrum. der schwachen
eingetreten ist. ebenso kann es sich verhalten mit
B. 963 Ic hme hrädlice heardan clammum
on välbedde vn^an /)ohte
und B. 1334 pe Jm gystran niht Grendel cvealdest
Jmrh ha'stne hdd hcardum clammum.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 329
doch ist es ebenso gut mögiich, dafs dies heardum der dativ piur.
der schwachen oder der instrumentalis pkualis der starken ist,
wenn man überhaupt einen solchen zulalsen will, —
Das schwache adj. erscheint nun in dreierlei Verbindungen:
1. nur mit dem artikel wie se rka usw.
2. nur mit dem Substantiv wie zb. die eben angeführten
instrumentale.
3. mit ait. und subst. verbunden.
Für die vierte mögliche ausdrucksweise, dafs es nämlich
ganz allein stände, finden sich so wenige beispiele, dafs diese
nur die geltung von ausnahmen haben können oder vielleicht
auf handschriftlichem irrtum beruhen, es sind folgende :
B. 2961 /m'r vear^ Ongenpiö ecgnm sveorda
hlondenfexa on bid vrecen.
die schwache form dieses adj, findet sich sonst nicht wider.
Gen. 2521 gif ge /mt fasten fi/re villa^
stedpe forstandan.
Grein schreibt Gen. 1464:
Pu väs culufre eft of cöfan seiided
ymb vucan vilde: seö vide ßeäh.
darnach würde auch dieses vilde hierher gehören, teilt man den
zweiten vers mit Bouterwek ab
ymh vucan. vilde seö vide ßedh,
was einen vollständig entsprechenden sinn gibt, so wird vilde
zwar adverb, aber dabei würde der erste halbvers auf drei
Silben, resp. hebungen zusaunnenschrumpfen, und das ist nicht
erlaubt, mit der Greinschen abteilung als der richtigen müfsen
wir vilde als alleinstehendes schw. adj. gelten lafsen.
Sieht man sich dicsi; stellen nun genauer an, so steht das
dazu gehörige subst. ganz in der nähe noch in demselben satze,
so dafs von einem rein subslantivischcn gebrauch des adjectivs
nicht die rede sein kann, in solchen füllen sieht stets die starke
form, wie wir dies weiter unten sehen werden, aufser natiulich
wenn zu dem adj. noch der artikel hinzu (rill, der vollständigen
Isolierung halber ist man also wol im rechte, wenn man
Beöv. 669 Huru Geäta leöd geonie triwode
mOdgan mügenes, metodes hyldo,
wo Heyne im glossar unter mödig übersetzt 'baute fest auf die
stärke des mutigen', dieser Übersetzung nicht folgt, sondern dafür
330 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
setzt 'l)aiite fest auf die mutige stärke', ganz abgesehen davon,
dafs eine solche rückbeziehung wie mödgan auf Geäta leöd —
er nennt sich selbst mödgan — garnicht angelsächsisch, über-
haupt nicht deutsch ist, sondern an die kinder- oder neger-
sprache erinnert.
Ferner ßeöv. 1117 earme on etixk ides ^northode kaüü man
sich leicht durch eine Umstellung helfen: earme ides usw. —
Beov. 2930 hr^d dheörde gomela iomeövlan golde berofene , Onelan.
die von Grein in der anm. noch mit einem fragezeichen ver-
sehene lesart gomelan ist wol die richtige.
Ein weiterer derartiger fall wäre nach Grein Andr. 233
heard and higerdf, naläs hildlata^ denn er nimmt im glossar ein
adj. lüldlät an. aufser hier findet sich das wort aber nur noch
Beöv. 2846 pät pu Jüldlatan holt ofgefan, gleichfalls schwach und
mit dem artikel. es ist also wol statt des adj. hildlät ein subst.
hildlata zu setzen, wie dies auch HLeo in dem ersten teil seines
jüngst erschienenen ags. glossars unter LATAN s. 67 tut. ge-
rade so verhält es sich mit Äthel. 46 eald invitta. auch dies
wort erscheint im ags. nur schwach (vgl. Greins glossar) und
ist daher, zumal sein substantivischer Charakter durch das beige-
setzte eald noch besonders angedeutet ist, als subst. zu ver-
zeichnen, so tut auch Leo s. 266 unter VlTAN.
Endüch ist noch da Äthel. 60
Uton kim behindan hru bryttian
salovigpcidan and pone sveartan hrefn,
hyrnednebhan and pone hasupddan
earn äftan hvit ceses hrncan,
wo wir nach Grein gleichfalls in salovigpddan , hyrnednebban und
hasupddan adjective hätten, bei dem ersten dieser drei hat dies
seine richtigkeit, denn es erscheint Manna vyrde 37 auch stark,
wie aber eine solche häufung von schwachen adjectiven, wie sie
diese zwei verse zeigen, eine ganz unerhörte im ags. ist, so ist
es auch mit der ausdrucksweise im zweiten der verse der fall,
dafs nämlich erst ein adjectiv und noch dazu ein schwaches
vorangeht und dann erst mit dem artikel ein zweites folgt, ich
zweifele dafs die Überlieferung so gelautet wie wir sie bei Grein
oder seiner quelle, Ingrams ausgäbe der Sachsenchronik, lesen,
wie die hss. schwanken ist aus den noten zu den versen genug-
sam zu erkennen, bleiben wir aber bei jenen drei adjectiven,
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 331
so ist wie ü!)eii Jjci dem hildlala, so auch statt eines adjectivs
hyrnedneb ein subst. hyrnednehha anzusetzen , womit auch voll-
stiindiji (he zweite stelle in der sich das wort llndet stinmit,
nämlich Jud, 21 '2: sang hildeleö^ | hyrnednehha. bei hasupädan
endhch schwanken die hss. und denigemäfs auch die autoren.
ich will hier nicht untersuchen, welche der lesarten die grOste
Wahrscheinlichkeit für sich hat, bin aber der Überzeugung', dals
gleichl'alls ein subst. darin stecke und dies deswegen, weil earw,
tla es in einem andern verse steht, nichts mehr mit dem artikel
pone zu tun haben kann, earn ist nur eine widerholung des
mit ßone hasupüdan oder wie zu lesen ist zuerst genannten be-
griffs und ist durch ein konuiia von jenem zu trennen, das
ohr aber würde beim Vortrag, wäre das wort unmittelbar vor
earn ein adjectiv, diese trennung nicht fühlen, sondern ein ganz
unerlaubtes enjambement zu hören glauben.
Kehren wir nun zu den drei arten von Verbindungen zurück,
in denen das schwache adjectiv im ags. erscheint und vergleichen
wir die Zahlenverhältnisse, in denen die anzahl der beispiele zu
einander steht, so zeigt sich folgendes:
für die erste Verbindung, die mit dem blofsen artikel, hat
Beövulf 35 beispiele, für die zweite, die mit dem subst. ohne
artikel, gegen SO mit hiuzuzählung von 17 instrum., für die
dritte, art. adj. subst., 21.
in der Genesis ist das Verhältnis dagegen so : belege der
ersten Verbindung 28 , der zweiten 25 mit 6 instrum. , der
dritten 60.
im Andreas steht 25 mal das blofse sclnv. adj. mit dem
artikel, 26 mal, worunter aber 19 instrumentale in zum grOsten
teil festen formelhaften Verbindungen, ohne artikel mit subst.,
endlich 33 mal mit art. und subst.
in den 325 versen von Byrhtnöds tod findet sich zwei mal
die Verbindung: art. schw. adj., zwei mal die zweite: schwaches
adj. subst. , dagegen 6 mal die des schwachen adj. mit art.
und subst.
die 197 verse der Sachsenchr. haben die entsprechenden
Zahlenverhältnisse 2, 1 (doch ist dies eine beispiel kaum hierher
zu zählen, wie wir bald sehen werden) und 12.
betrachten wir ferner den artikel, so liudet er sich im Beov.
332 DAS SCHWACHE ADJECTIV 131 AGS.
gegen 300 mal, während Genesis, zu gleicher länge mit Beöv.
gebracht, über 400 enthalten würde, wobei aber noch zu berück-
sichtigen, dafs neben ihm noch gegen 100 mal das eigentliche
demonstrativpronoraen steht, während Beöv. es nur 24 mal hat,
und ferner, dafs schon nach dem ersten drittel des gedichts die
erzählung in den handelnden personen und den gegenständen
ständig wechselt, die gelegenheiten also, den artikel mit seiner
eigentlichen function, nämlich bereits genannte begriffe von
neuem einzuführen, zur auwendung zu bringen, sehr beschränkt
werden.' — in den 1724 versen des Andreas finden sich über
230 artikel, was bei gleicher länge mit Beov. etwa 440 gäbe
neben 16 demoustr. pron. — Byrhtn. hat in den 325 versen
sogar S5 artikel, würde bei 3200 versen also gegen 850 ent-
halten, die Sachsenchr. in 197 versen 26 artikel. das Verhältnis
ist hier ziemlich dasselbe wie im Andreas, doch ist zu erwägen,
dafs, da es lauter kurze stücke mit immer neuen namen und
begriffen sind, die vorhandenen 26 artikel von der würklichen
ausdehnung seines gebrauchs keine richtige Vorstellung gewähren
können, die artikel häufen sich regelmäfsig erst am ende der
stücke, Eädmund enthält sogar gar keinen.
Aus diesen Zählungen lafsen sich aber, da ihre resultate zu
verschieden sind als dafs sie zufällig sein könnten, mancherlei
schlüfse ziehen, das verhältnismäfsig geringe auftreten des ar-
tikels im ßeövulf, wo er in je elf versen einmal erscheint, be-
weist an sich schon dafs er den seinem Ursprung entsprechen-
den (vgl. Gramm, iv 366) rein demonstrativen Charakter noch
in hohem grade gewahrt hat, so dafs sich von einem artikel in
unserer bedeutung oder wie er in der prosa Alfreds und der
Sachsenchronik- erscheint nicht reden läfst, sondern nur von
' Bei der eiörterung iil)er den gebrauch des artikels hat bereits JGrimm
{nramm. iv 429) derartige Zählungen vorgenommen (aus Beov., Cädmon und
dem Travellersong), obwol richtig ergeben seine Zählungen docli ein ziem-
lich abweichendes Verhältnis, da er sie nur über wenige hundert verse
erstreckte.
- Ais probe ein kurzes stück aus Job von Älfiik (Etlm. Scöp. a. böceras
pag. 3): Svä slöd se deoful nn godes gesi/i^e , svä svd dei se blindd
Oll sitnnan: seo sunne ymbscmS Jjone blindan , and se blinda ne gesi/tii
l)aere sunnan leöman. God geseah pone deüfol, and se deöfol svd peak
väs bedmled godes gesi/iie and bis vuldres. Eorie is gecveden godes
fölscaviel and seo heofon is Ins pnjmseü. Nu stüd se sceocca usw.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 333
eiuem demoiistralivpi-onomeu, das stärker als unser artikel, aber
schwächer als unser demonst. pron. ist, und dessen allzu häutige
anwenduug sich eben seiner bedeutung wegen von selbst verbot,
erwägen wir nun aber, dafs für alle deutschen dialccte diese
Jahrhunderte, denen wo! fast alle ags. gedichte angehören, gerade
diejenigen sind, in denen sich allmählich und zwar verhältnis-
mäfsig ziemlich rasch aus jenem alten demonstr. pron. die fast
bedeutungslose formel des artikcls entwickelte, dafs wir mit jenen
dichtungen mitten in diesem entwickelungsprocesse stehen, was
liegt da näher als die Vermutung, dafs jene so sehr verschiedenen
resultate der Zählungen , so weit sie den artikel betreffen , auf
abständen in der zeit beruhen, dafs also die in den kreifs der
betrachtung gezogenen gedichte verschiedene stufen in der zeit-
lichen entwicklung der form des artikels repräsentieren? hin-
sichtlich der bestimmung der abfafsungszeit fast aller ags. dich-
tungen und hinsichtlich ihrer aufeinanderfolge herscht noch das
gröste schwanken, nur aus der spräche können die fragen
gelöst werden, und da kreuzen sich innerhalb einer durch Jahr-
hunderte hindurch sehr stabilen und gleichförmigen spräche noch
die unterschiede der zeit mit denen der unter sich abweichenden
dialecte (vgl. Dietrich in der zs. 9, 214). bewiesen ist darum
noch nirgend etwas, nur hie und da hat man versucht, einzelne
anhaltpunkte aufzustellen, der ßeövulf wird bald noch dem
siebenten bald dem neunten Jahrhundert zugewiesen (vgl. Ettm.
Scöp. a. böc. s. IX. — Dietrich zs. 9, 221. — auch Müllenhoff
zs. 14, 242. 243). hinsichtlich der Genesis wifsen wir nicht,
ob sie so wie sie überliefert ist, für ein werk Cädmons selber
gelten soll, sie also nach Beda Hist. eccl. iv 24 noch dem
siebenten Jahrhundert angehört, oder ob sie eine etwa dem neunten
Jahrhundert angehörige Überarbeitung der echten Genesis Cäd-
mons ist (vgl. bes. Ettm. Scöp. a. böc. s. xii und 25 annot. —
Bouterweck, Cädm. des Angels. bibl. dicht, s. ccxxvni). das ori-
ginahns. gehört dem zehnten saec. an. dasselbe schwanken
herscht über die lebenszeit Cynevulfs', des wahrscliciiilichcn vcr-
fafsers des Andreas, nur die gedichte der Saclisenchronik können
ihres inhalts wegen auf keinen fall vor ilem zehnten jli. ent-
[' Dem vcrfalsei ist, wie es sciieiiit, Dieliiciis aliiiuiulluiiy de cruce
Itiitliweliensi 1SG5 entgangen.]
334 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
standen sein, vielleicht gehen sie sogar bis ins z\vüifte, da die
Chronik mit dem jähr 1154 schliefst, und vergleichen wir die
häufigkeit des artikels in diesen stücken mit dieser bestimmung
— es kommt trotz der erwähnten Iiemmnisse seiner anwendung
immer noch auf Ih verse je ein beispiel — , so entspricht das
vollständig der im allgemeinen geltenden annähme, dafs sie später
als alle anderen dichtungen und nur mit Byrhtnoths tod, der
gleichfalls dem zehnten Jahrhundert mindestens angehören mufs
(vgl. Ettm. Scöp. and böc. s. x), etv>a gleichzeitig oder gar jünger
als er sind, dem Beövulf ist man schon in berücksichtigung
seines inhalts geneigt, den frühesten platz anzuweisen, wie
dies auch meist geschehen ist, und es entspricht dem gleich-
falls die vorgenommene Zählung, er hat die wenigsten artikel
von allen. Genesis und Andreas würden endlich und zwar
gleichfalls in Übereinstimmung mit der gewöhnlichen annähme
ihre stelle zwischen dem Beövulf und den gedichten der Sachsen-
chronik einnehmen.
Betrachten wir nun von den genannten drei Verbindungen
des schw. adj. die zweite, die mit dem subst. ohne artikel, so
zeigt sich das auffallende, dafs wie hinsichtlich des artikels vom
Beövulf durch Genesis und Andreas zu den gedichten der Sachsen-
chronik und zu Byrhtnoths tod ein aufsteigendes Verhältnis
beobachtet wurde, so hier ein absteigendes obwaltet, die zahlen
der beispiele in der genannten reihenfolge der gedichte sind:
Beöv. 80, Gen. 25 (mit 6 instrum., die wir mitzählen, da die
starke form eben so gebräuchlich wie die schwache, also ihre
anwendung von einer wähl abhängig ist), Andr. 7 (ohne 19 in-
strum. hier zählen wir sie nicht mit, da nur sie allein gebräuch-
lich ist, der dichter also keine wähl hatte zwischen stark und
schwach) ; gedichte der Sachsenchr. 0 (das eine sich doch findende
beispiel ist Eädm. 4 Hvitau vylles; aber es verdient keine be-
rücksichtigung, da es eine ortsbezeichnung mit der geltung
eines eigennamens ist, also die bildung dieser Verbindung einer
viel früheren zeit angehören wird), endlich in Byrhtnöds tod 2.
bei dieser Übereinstimmung kann es wol keinem zweifei mehr
unterliegen, dafs wir es mit Verschiedenheiten zu tun haben,
die in der zeit beruhen, die ganze ausdrucksweise, schw. adj.
mit subst. ohne art. , ist eine im verschwinden begriffene, sie
hört bald ganz auf, und in den drei gedichten: Beöv. Gen.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 335
Andr. sehen wir stufiui dieses aussteibeprocesses in derselben
weise, wie in ihnen aufwärts sich der artikel entwickelte.
dieses resultat der Untersuchung registrieren wir vorerst
und zwar als ein von anfang an nichts weniger als ins äuge ge-
fafstes aber wol kaum mehr anzuzweifelndes, es folgen übrigens
noch eine reihe weilerer stützen.'
Gehen wir zur Verbindung art. schw. adj. und subst. über,
so haben wir die Zahlenreihe: Beöv. 21, Gen. 60, Andr. 33,
Byrht. 6, Sachsenchr. 12. hier zeigt sich nicht ein so genau
entsprechendes auf- oder absteigen , denn , alle gedichte auf die
länge des Beöv. gebracbt, würde ergeben: 21, 64, 61, 58, 200.
allein ein solches würde, selbst wenn es vorhanden wäre, wenig
mehr zur feststellung der Zeitfolge der gedichte beitragen : denn
das belieben, beiwörter zu Substantiven zu setzen, ist individuell
und hängt nicht von der zeit ab. wol aber geben jene zahlen
anlafs zu andern belrachtungen. die aufserordentlich geringe
anzahl von 21 beispielen für die Verbindung des schwachen adj.
mit subst. und art. zu den 300 artikeln des ganzen gedichts
gehallen zeigt dafs im dichter des Beovulf eine scheu waltete,
dem schw. adj. in Verbindung mit dem subst. den artikel vorzu-
setzen oder umgekehrt zu der Verbindung eines subst. mit dem
artikel ein epitheton hinzuzufügen, das dann die schwache form
annehmen müsle. lieber liefs er den artikel weg, wie dies an
' In einem Widerspruch mit diesem resultat scheint zu stehen, was
oben über den g-ebraucii des starken instrum. beim adj. ausgefüiirt wurde.
Dietrich zs. 14, 79 sagt: 'die endnng- E ist für den instrum., die einzige im
got. pron., und im ags. adj., hier jedoch nur in einzelnen formen bis zuletzt
erhalten; die herschafl des ags. e gehört ins achte Jahrhundert.' worauf
diese beiiauptung fufst weifs ich nicht, und ob sie heiCsen soll dafs bis ins
achte jh. e im vollen gebrauch gewesen sei, ist auch nicht aus der fafsung
zu erkennen, uns fehlen die sprachreste — die zwei Dietrich aao. s. 78
und S8 aus runeninschriften erschlofsenen belege geben einen gar zu ge-
ringen anhält — und wir können nur aus dem alts. schliefscn, dafs wie
hier so auch im ags. der starke instrum. am adjectiv sich lange in viel-
fachem gebrauch erhalten haben mag, ohne jedoch irgend eine zeitliche be-
stimmung treffen zu können, bei diesem maugel einer sichern unterläge ist
es also an sich höchst bedenklicii, wegen des um ein geringes häuligeren
gebrauches des starken instrum. am adj. in der Genesis dieser ein früheres
alter geben zu wollen , und der schlufs verliert allen halt gegenüber den
sprachlichen ersclieinungen die dagegen sprechen, welche bisher dargelegt
sind und welche die weitere Untersuchung noch bringen wird.
336 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
80 stellen geschehen oder er gab dein mit dem artikel versehenen
subst. kein beiwort, wie das an allen andern stellen der fall ist.
in der Genesis ist diese scheu fast ganz verschwunden, wenn
unter 400 mit dem art. verbundenen Substantiven 60 sich finden,
in denen ein adj. hinzugetreten ist, so ist das wol das normale
Verhältnis zwischen allein stehendem und mit dem adj. verbun-
denem Substantiv überhaupt, die zahl der stellen, in denen
solchen Verbindungen der artikel fehlt, hat, gegenüber den 60
auf 30 gesunken, in richtigem Verhältnis abgenommen, im An-
th-eas ist gleichfalls bei dem Verhältnis von 7 stellen des ein-
fachen schw. adj. mit subst. zu 33 , wo noch der artikel hinzu-
tritt, offenbar, dafs von jener scheu nichts oder nur noch ein
geringer rest vorhanden ist, und nicht nur ganz geschwunden
ist sie sondern die Verbindung schw. adj. mit subst. ohne art.
hat sogar ganz aufgebort in den gedichten der Sachsenchr.
die frage worin diese scheu ihren grund habe und das ver-
langen den grund zu finden gaben die eigentliche veranlafsung
zu dieser Untersuchung und darin liegt auch ihr angelpuukt.
aus den auf den letzten selten angestellten vergleichungen und
betrachtungen ist jedoch schon zur geniige ersichtlich, von
welcher bedeutung es sein mufs, sich vorerst über den gebrauch
des artikels genau zu informieren, wir stellen daher zunächst
eine Untersuchung dieses an.
Gramm, iv 428ff handelt Grimm von dem ags. artikel,
und er geht davon aus, dafs der art. sich zunächst vor dem
adj. (vgl. auch Gramm, iv 437) entwickelt habe, um dieses auf
ein vorher genanntes oder sonst bestimmtes Substantiv zu be-
ziehen, von da sei er allmählich auch mit dem subst. in Ver-
bindung getreten, da aber im folgenden sich ganz andere ge-
sichtspunkte für sein Umsichgreifen ergeben werden , so kann
auf die durchfidirung der Grimmschen theorie nicht stets im be-
sonderen rücksicht genonnnen werden, hier soll untersucht
werden, in wie weit die ursprüngliche geltung des artikels als
eines demonstrativpronomens zunächst im Beövulf noch sichtbar
ist, von welcher ar( diese demonstration ist und ob in diesem
gedieht und weitergreifend in den andern sich etwa spuren fin-
den, dafs sie zurücktritt, den ausgangspunkl also bildet die
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 337
demonstrative bedeutung des art. und diese äiifsert sich in mehr-
facher weise.
er findet sich in einer reihe von stellen hei einem sahst.,
zu dessen näherer hestimmung ein relativ- oder sonstiger er-
klärender heisatz folgt (vgl. Gramm iv 437 f): B. 506 Eart jm
se Beövnlf, se pe vi^ Brecan vnnne. — 369 hünt se ahlor deiih,
se pcBm hea^ojincum hider visade. — 1185 gif he pät eal gemon,
hvät Vit — gefremedon. — 1334 lieö pii fadi^e vräc, pe pn —
Grendel cvealdest. — 1343 mi seö hand lige^, seö pe eöv velhvyl-
cra vilna dohte. — 1362 pät se mere standet, ofer pwm hon-
giab usw. — 1053 Jmie anne heht golde forgyldan, pone />c
Grendel a^r mäne dcvealde. — 1483 Svylce Jm pd vidhnas, pe
pn me sealdest, onsend! — 1485 ponne he on pät sine stara^, J/ät ic
— funde. — 1616 väs pät blöd to päs hat, attren ellorgcest, se
pcer inne svealt. — 2003 hvylce hvü nncer Grendles vear^ on
pdm vange, pcer he gefremede usw. 1304. 2027. 2237. 2258.
2490. 2606. 2865. 3085. 354. 562. 626. 681.
Gen. 29 and päs engles möd , pe pone nnrced ongan a'rest
fremman (zugleich die beiden ersten artikel des gedichles). —
35 vear^ — pdm veröde vröö, pe he (er vnrhode vlite. — 338
se ofermöda cyning, J)e (er vä» engla sc^nost. — 598 he pam ly-
genum, pe for pdm lamm com. — 619 päs leöhtes genog, Jms ic
pe svd gödes gegired häbbe. — 639 Jjät vord dcvf'i^, pät J)ät micle
mor^ usw. — 713 mid pdm vordnm, J)e heö pdm vere svelce
tdcen 6<Sievhe. — ebenso 422. 513. 607. 634. 685. 691. 706.
774. 772. 881. 963. 1186. 1212. 1389. 1409. 1490. 1680.
1787. 1803. 2162. 2199. 2742. 2777 {pd sen vyrd gevearft. pät
/jät vif (jeseah). 2885. 2890. 2854 usw.
Andr. 15 Czugleich der erste artikel des gedichts) nt on pät
igland , pwr amig — ne mihte blcedes brncan. — 101 and ealle
pd menigo, pe pe mid vnnia^. — 227 srcan pone nuvran hdm,
[ufr so^fäslra sdvla möton lifes brncan. — 294 tö pdm lande,
[Her pe bist myne^._ — so noch 419. 598. 066. 829. 947. 1132.
Byrhln. 48 pd heregeatu , fte eöv ät hilde ne dedh. — 148
scede melode panc päs dägveorces, pe him drihten forgeaf. — 174
Ic [)ance pe ealra piera vynna, pe ic on vorulde gebdd. — 182
hegen pd beorncts, pe him bigstödon. — 187. 190. 196. 212.
227. — Aus Sachsenchr. ist kein beispiel zu verzeichnen. —
Es gehören hierher auch besondere Wendungen wie B. 654
338 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
and pät vord äcvä'6 mit folgender directer rede, so gleich-
lautend noch B. 2046. und ähnlich nach einer rede B. 1492.
2669 äfter fiäm vordum. — Gen. hat nur 239S öfter poere
spra'ce. die wendnng lautet da gewöhnlich vor einer rede,
wenigstens drei mal 195. 355. 1254. pä vorde cüö9. diese
Wendung ist der Genesis eigen, ebenso wie dem Andreas die
drei mal (62. 173. 539) vorkommende pus vordum cr«9. der-
gleichen eigentümlichkeiten sind immer der mühe wert ver-
zeichnet zu werden. Andreas hat neben jener wendung aber
auch sehr häufig die mit dem artikel. 1174 a7id pät vord gecvä^.
897. 1301. 1363. 1402. 1665. nach einer rede, wie oben. 762.
1028. 1222. — Byrht. 162. — Ferner gehören hierher einige
Substantive, die einen zeitbegrifF enthalten, der durch einen nach-
satz näher bestimmt wird, so B. 2646 nu is se dag comen, pät
i\re mandryhten — auch 146 Väs sei hvil inkel: tvelf vintra
tid torn gepolode vine Scyldinga, noch befser alier, wenn man
(mit Müllenhoff zs. 14, 196) fortfährt v. 152 /)ät he vi^ Hrö^-
gär usw. — Gen. 584 väs seö hvil ßäs lang, pät ic gode pegnode.
1141 pu seö tid gevear^, pä he fri^gedäl fremman sceolde. —
1186 pä seö scel gevear^, pät Ins vif brohte. — 1227 pä seö tid
gevear^, pät se eorl ongan cennan. — Andr. 107 nis seö prah
micel, pät [)e — svencan mötan. — Byrht. 83. 104.
Die bei weitem am häufigsten vorkommende function des
artikels besteht jedoch darin, durch seinen hinzutritt anzudeuten,
dafs ein Substantiv oder ebenso oft der begriff, den es enthält,
im verlaufe der erzählu»g schon genannt ist (vgl. Gramm, iv
3S2. 396. 424. 526). dies kann nun in den mannigfachsten
graden geschehen je nach den längeren oder kürzeren Zwischen-
räumen der erwähnungen desselben begriffs oder je nach der
rolle, die er in der handlung spielt. Grimm zieht mit recht
die vergleichung mit dem lateinischen ille herbei (Gramm, iv 437).
in der tat kann an vielen stellen durch dieses der artikel ge-
radezu übersetzt werden, während es jeloch meistenteils etwas
zu stark ist.
Alle fälle die hierher gehören aufzuzählen würde eine end-
lose miihe sein, ich begnüge mich mit der ausnahmslosen be-
sprechung derer, die in den ersten tausend versen vorkommen,
um den gebrauch klar zu machen, und nehme sie der reihe dei-
verse nach vor.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 339
Beöv. 52 Iwä pwm Mäste onfeng isl gleich einer der fälle
wo das wort selbst, bei dem der artikel steht , nicht genannt ist,
wol aber der begriff desselben im früheren enthalten ist. es
bezieht sich hier pfcm Mäste auf v. 32ff auf das schifl" das den todten
Scyld mit den schätzen trug. — v. 85 pd se ellengccst earfo^-
Itce [)rage gepoJode. hier wird Grendel zum ersten mal genannt
und das gleich mit dem artikel. das ist gegen die regel, findet
aber seine erklärung, wenn wir uns erinnern, dafs diese ganze
einleitung ihren eigenen verfafser hat (IMülhMihoff in der zs. 14,
1930"), der sie sei es dem ganzen Beövulf wie er vorliegt oder
nur dem ersten teil anfügte und dem die person des Grendel
in folge seiner beschäftigung mit dem gedichte als eine so be-
kannte vorschwebte, dafs er durch den artikel diese seine be-
kanntschaft unwillkürlich verriet, nachdem aber Grendel nun
einmal genannt ist, haben die folgenden artikel bei den vielfachen
bezeichnungen dieser persönlichkeit alle ihre erklärung. so heifst
es gleich v. 102 väs se grimma gcest Grendel hüten., und weiter
wird er mit dem art, wider eingeführt 132. 143. 425. 433.
479. 707. 712. 737. 766. 792. 801. 807. 989 usw.
der artikel v. 107 In Caines cynne pone cvealm gevräc
ece driMen, päs pe he Abel slög
findet seine erklärung in dem erklärenden nachsatz päs /e he.
der gleich folgende v. 109 ne gefeah he ptere faMe weist aber
schon auf den mord hin, der eben erwähnt ist, wie auch der
V. 110 ac he hine feor forvräc metod for J»] mane manajnne
fram. — 125 mid ptere välfylle geht auf v. 123 pritig pegna.
— V. 133 väs pät gevin tö sträng bezieht sich auf das ganze
leid- das Grendel verursacht hatte und noch verursachte, die-
selbe Wendung mit derselben bezichung gleich noch einmal 191
väs [)ät gevin tö sv}ß. dafs dort die worfe dem interpolator B
(Müllenhoff zs. 14, 185), hier dem dichter der einleitung gehören
tut nichts zur sache, da beidcniale die rdalion nicht fehlt wie
ölten bei dem ellengwst. — v. 202 pone sidfät geht auf die eben
erwähnte fahrt. — Bei den hauptpersonen und hauptgegenslän-
den, die sehr oft genannt werden, hat der artikel nirgeuds aul-
fallendes, ja bei ihnen findet er seine hauptverwendung. so
hatten wir schon Grendel, v. 205 wird der widerholt genannte
Beövulf zum ei'sten mal mit dem artikel eingefidn-t: häfde se
göda, und dann sehr oft. 384. 4(11. 076. 758. 762. 910. 9-12 usw.
340 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
Beovnlf und Grendel: 777 fuer pd graman vnnnon. 813. —
Ebenso Hriidgar: 270. Beovnlf sagt von ihm, naclidem er ihn
e])en genannt als den den er sucht: Hahba6 ve tö Jnem ma'van
cprende. 310. 355. 399. — Beövulf und seine schar, von der
205 die rede, heifst 221 pd übende land gesdvon. 325 pcis re-
cedes. 330 se /ren/n-eöt. 370 pcem heaboiincum. — Heöi-ot ist
viel genannt, zuerst 68, dann mit dem artikel in den mannig-
fachsten bejiennungen 443 in pwm gü'bsele. 647 to pcem heähsele.
695 in pa^m vinsele. 838 ymb pd gifhealle 993. 997. usw. —
ferner noch 470 pd fceh^e ist der streit des vaters Beövulfs mit
den Vylfingen der 460ff erzählt ist. — 617 ät Pwre beÖ7'/)ege,
das gelage bei welchem diese ganze scene spielt, also reines de-
monstr. pron. — 628 /)ät ful, genannt 622 und 624. — 639 pCim
vife ist Vallieöv. — 661 pät ellenveorc^ der bevorstehende kämpf
mit Grendel, um dessentwilleu Beövulf gekommen, ebenso 958.
— 824 äfler pdm välrcvse, der nun statt gehabte kämpf Beövulfs
mit Grendel. —
in all diesen zuletzt aufgezählten fallen ist die demonstrative
bedeutung des artikels noch deutlich sichtbar und er hat seine
in der erzählung selbst enthaltene beziehung, wenn wir auch
gestehen müfsen , dafs seine demonstrative und zugleich hervor-
ragende kraft der eines würklichen demonstrativpronomeus durch-
aus nicht mehr gleichkommt, genau entsprechend übersetzen
läfst er sich nur selten, in den noch übrigen fällen der ersten
tausend verse fehlt dagegen die beziehung im gedichte selbst,
sie liegt aufserhalb desselben entweder in dem kreifse der an-
schauungen und begriffe, die dem volke geläufig waren, oder in
sonstigen beziehungen , die wir bei den einzelnen fällen suchen
wollen. — v, 9 der erste artikel des gedichtes: cßgJwylc pdra
tpnhsitlendra. der artikel dli. das demonstrativpronomen erklärt
sich sofort, wenn wir die verbale natur des ymhsitlendra ins äuge
fafsen und es auflosen: (cghvylc pdra [te ymhsitldb. — v. 66 ob
pät mi geögob gevcöx; geögob bedeutet hier die junge waffen-
fähige mannschaft und die demoiistration des artikels kann nur
darin bestehen , dafs er eben auf die terminologische bedeutung
des geogoh hinweist, yeögob ist Jugend im allgemeinen, seö
geögod diejenige, welche bei der bedeutung des kampfes in dem
leben jener Völker fiU' sie von einem besonderen Interesse ist.
ähnlich kann es sicli verhalten mit 168 nö he pone gifstöl gretan
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 341
moste muMum fore melode. gemeint ist der thron Hrödgärs in
Heorot. dieses ist nun schon widerholt genannt, und bei der an-
nähme einer selbstverständHchen Voraussetzung, dafs ein jeder
solcher festsal auch einen thron des fürsten enthält, würde pone
hier als gewöhnliche demonstration stehen. al)er es kann auch
sein, dafs (hnxh den artikel darauf hingewiesen werden soll, dafs
die ganz allgemeine bezeichnung gifstöl, gabenstuhl, hier in einem
engeren sinne als tenninus, als der gabenstuhl desjenigen zu
fafsen sei, von dem freigebigkeit ganz besonders erwartet wird
und der sie am meisten ül)t. — ein ihm inne wohnendes ver-
mögen der einschränkung ist es, Avelches den artikcl an diesen
stellen erklärt und möglich macht, und mit dieser einschrän-
kuugskraft, die in der hinweisung auf einen specielleu fall be-
ruht, ist auch die erklärung für folgende stellen gegeben. 311
lixte se leoma ofer landa felii, gemeint ist Heorot, so dafs die Ver-
mutung einer gewöhnlichen demonstration nahe liegt, allein näher
liegt nun doch die annähme, dafs durch den artikel die bildliche
Verwendung des allgemeinen begriffs leöma angedeutet wird, die-
selbe erklärung gilt für Beöv. 1570 lixte se leöma, wo Beövulfs
Schwert so umschrieben wird, die demonstrative geltung des
arlikels wird hier noch besonders dadurch deutlich, dafs er ge-
radezu durch ein dem. pron. bei der Übersetzung widerzugeben
ist (vgl. Gramm. iv441j. auf dem vermögen der einschränkung
beruht es ferner, wenn der artikel das Possessivpronomen zu
verlreten scheint, oder befser, wenn durch ihn ein gegenständ,
begriff in beziehung zu einer bestimmten persönlichkeil gebracht
wird, so lesen wir B. 809 pd pät onfunde (nämlich Grendel)
fjät htm se Ikhoma Iwstan nolde,
d. i. 'dafs ihm (seinem willen) sein körper nicht folgen wollte'
(mit dem pron. poss. ähnlich Gen. 845. 784). so kann es sich
auch mit dem arlikel vorhalten v. 626
. . . päs pe hire se villa gelump
pät heö OH a-nigne eorl geljjfde
fyrvna frufre,
oJ)wol auch der erklärende nachsatz ihn hervorgerufen haben kann,
weshalb die stelle auch bereits oben mit aufgezählt ist. besfinunt
aber gehören hierher die stellen, in denen bei der Schilderung
eines kampfes ganz plötzlich ohne vorher genaiml zu sein die
Z. f. D. A. nouo fok'e IV. 23
342 DAS SCHWACHE AD JECTIV IM AGS.
Waffen und i'iistungsgegenstände der hervorragenden beiden mit
dem artikel eingeführt werden, so Beöv. 890 hvä^re Mm gescelde,
pät pät sveord purhvöd vrätlicne vyrm. — 1030 Ymb päs helmes
(Beövulfs) hröf hedfodbeorge virnm bevunden vala ütan heöld usw_
— wenn der artikel bei Substantiven, die einen zeitbegriff ent-
halten, durch sein hinzutreten diese Zeitangabe zu einer bestimm-
ten macht, in der die handlung vor sich geht, so entspricht das
gleichfalls seiner hinweisend-einschränkenden kraft, v. 736 ofer
pa niht ist 'illa nocte', in der der kämpf stattfand, die mehrmals
widerkehrende formel (197. 790. 804) on pmn däge pysses lifes
hat die bedeutung 'damals, zu jener zeit'.
es restieren unter den ersten tausend versen nur noch fol-
gende vier artikel. der erste ist 92 se ähnihtiga, im ganzen
Beövulf unter den zahlreichen beneunungen gottes zugleich die
einzige und nur hier verwendete, die mit dem artikel auftritt,
während er in den andern gedichten da alle augenbhck erscheint
(vgl. das ahd. Gramm, iv 394). gott ist noch nicht genannt,
und der artikel entspricht daher dem oben bei geogöb, der allge-
meine begriff älmihtig wird durch den artikel auf den bezogen,
dem in der Vorstellung des Volkes vorwiegend diese eigenschaft
zukommt, dieses beispiel bietet aber auch einen neuen anhält
für die behauptung des höheren alters des Beövulf. ich sagte
el)en und werde bald die belege bringen, dafs der artikel nicht
nur bei solchen adjectivischen bezeichnungeu goltes sondern auch
bei den substantivischen wie drihten, peöden usw. in den andern
gedichten sehr häufig auftritt, dieses reden von einem drihten,
(ilmihtig usw. xar^ ibOyjjv konnte erst mit dem monotheismus
des Christentums aufkommen, da bei dem polytheismus des heiden-
tums der artikel stets mir mit der function einer engern demon-
stration auf einen in der erzählung bereits genannten gott er-
scheinen konnte, wie sodann der geist sich erst allmählich daran
gewöhnen muste, nur einen gott zu denken, so konnten sich
auch in der spräche erst nach und nach gewisse ausdrücke und
Wendungen herausbilden, die diesem glauben ausdruck gaben,
und (las ist im Beövulf hinsichtlich dieser Wendung mit dem
artikel sogar noch gar nicht geschehen, denn der artikel erscheint
nur hier an einer stelle, die dem interpolator B angehört (vgl.
zs. 14, 195), demjenigen, der unter den verschiedenen bearbeitern
des Beövulf der letzte, späteste ist und der zugleich von dem
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 343
gedanken des christentuiiis am meisten erfüllt ist und das meiste
wifsen von ihm hat. so verrät sich durch den artikel liier auch
der interpolator. sonst tut er es aher kaum, denn im allgemei-
nen gebranclit er den artikel mit derselben Zurückhaltung wie
die übrigen dichter des Beövulf.
zwei artikel haben wir nun noch bei Superlativen v. 258
Hirn se yldesta andsmirode, das immer mit dem artikel erscheint,
und 415 pä me pät yeherdon leöde mme pu selestan, snotere ceor-
las. der Superlativ hebt aus einer allgemeinheit, die entweder
würklich genannt ist oder sich leicht ergänzen läfst, einen oder
einige wenige hervor als solche, auf die eine aussage, die ge-
macht wird, beschränkt wird, und dieser begriff der einschrän-
kung, den der Superlativ mit dem artikel gemein hat, ist das,
wodurch sie sich wechselseitig anziehen, daher erscheinen auch
beide widerholt bei einander, so im B. noch 1309. 1956. 2382. 2823.
endlich B. 299 Gödfremmendra svylcum gife6e bi^,
pät pone hilderas hdl gedtgeb.
p07ie hilder(es kann nicht auf den kämpf gehen, den Beövulf mit
Grendel beabsichtigt, sondern (he beiden verse enthalten einen
allgemeinen ausspruch, und der artikel ist darum um so weniger
am platze, ein solcher fall kehrt noch einmal wider 2029
Eft seldan hvwr
äfter leodkryre lytle hvile
bongdr bugeb, pedh seö bryd duge,
und es ist nicht, wie Heyne im glossar annimmt, Hrödgärs toch-
ter Freävarc gemeint, obwol die sentenz an sie anknüpft, es
bleibt aber wol nichts anderes übrig als die annähme, dafs eben
der sententiöse character der worte den artikel hervorgerufen
habe, das 'wie' will ich nicht herauszuklügeln versuchen, jedes-
falls ist der gebrauch des artikels der freieste von allen die wir
hatten und von der in seinem Ursprung liegenden bedeutung sich
am meisten entfernende.
Über die Genesis, zu der ich mich jetzt wider wende, kann
ich rascher hinweggehen, die zahl der artikel ist eine grofsere
und das gerade in den ersten tausend versen, weil wegen der
grofscn ausführlichkeit, mit der eine einfache handlung erzählt
wird, dieselben begriffe um so öfter widerkehren, in jedem ein-
zelnen falle, besonders da, wo die einfache demonstration auf
vorgekommenes stattfindet, zu entscheiden, ob der oder die dichter
23*
344 DAS SCHWACHE ADJECTIV 131 AGS.
des Beoviiir einen artikel gesetzt haben würden oder nicht, ist
natürhcli luimöghch, und es mufs bei dem aus der zähhing sich
ergebenden allgemeinen satze sein bewenden haben, dafs eben
der gebrauch des artikels ein häufigerer ist. nur bei den be-
zeichnungen goltes sondert sich der beiderseitige Sprachgebrauch
scharf, im Beövulf war nur das eine beispiel, in der Genesis
folgen sie dicht aufeinander, wobei aber freilich auch zu berück-
sichtigen ist, dafs gott hier eine der hauptpersonen der handlung
ist. doch reicht das allein nicht aus, den reichlichen gebrauch
des artikels zu erklären, wir haben nun Gen. 53, nachdem gott
widerholt genannt ist, zuerst se mwra; dann 125 se vyrhta. —
139 se pe<klen seif. — 148 se rica. — 161 se hälga. — 165 se
vulfhrcyning. — 246 se ealvalda engelcynna. — 260 vi^ pone
Mhstan heofnes vealdend. — 270 se hälga god. — 292 se allvalda.
— 299 y/9 ßojie mcerun drillten. — se mihtiga. ferner 302. 359.
544. 665. 817. 850 usw. — unter den handelnden personen
sind in zweiter linie wichtig der teufel, dessen böte und die ge-
fallenen engel. das erste mal, wo Satans erwähnung geschieht,
hat er gleich den artikel bei sich , der aber in dem folgenden
relativsatz seine Ursache findet, es ist dies 29 Jtas engles möd,
pe pone unrced ongan irrest fremman. dann heifst es 272 se engel.
— 306 se feönd (der teufel, der feind eo ipso für den erzähler
und seine Zuhörer, ebenso wie Beöv. 143 pcem feönde von Grendel).
320 mid pdm andsacum. — 338 se ofermödo cyning , zugleich
mit folgendem relativsatz: pe ccr ms engla scynost. — 489 se
läU. ebenso 496. 592. 601. — 606 se scea^a. — 609 se for-
hdtena. — 631 /)äs vrd'öan. — 632 päs deößes. — 35 pum ve-
7ode. — 36 /xmi vcvrlogau. — 51 vi^ pain herge. 686. 688. 694.
711. — Adam und Eva: 194 pd forman tvd. — 705 päm pegne.
— 547. 707, 770. 911 fnit v/f und pum vife. — unter den Sa-
chen spielt die hölle die gröste rolle, zuerst genannt v. 37 hat
sie V. 39 den ai'tikel: P)ät mtehns. — dann 44 pät rcedledse hof.
— 101 pu stöve. — 305 pd deöpan dalo. — 312 on pd sveartan
helle. — 322 on päm ffjre. — 325 pä biteron recas. — 331 on
pu kutan hell. — 342 on pät nior^er innan. — 343 on pät niö-
bed. — 345 pivre sveartan helle. — 349 ffäs grnndes. — 447
fmrh pu helldora, die zwar nirgends genannt sind aber bei der
hölle eben so sell)stversländlich vorausgesetzt werden, wie es bei
Heorot vielleicht mit dem gifstöl der fall war. ferner noch 362.
DAS SCHWACHE ADJECTIV DI AGS. 345
439. 529. 733. 747. 753. 760. 761. 763. 792. 795 usw. —
hinmiel imd paradies: 93 pd maran gesceafi. — 217 of jidm ni-
van neorxna vange. — 224 on pccre e^yltyrf. — 3S8 ynib pät
heofonrice. — 392 oh pdm lande. — 404 fiät heofonrke. — 410
on pan gödan rice (in dem pan liegt vielleicht schon ein lall der
assimilation vor, wie auch eben bei dem i'^yllyrf. ich fmde es
nur bei folgender schwacher adj.-endung -an so noch Gen. 300.
Tod Alf. 8). — 434 pät rice. — 476 on pone hedn heofon. —
512. 736. 749. 784. 787. 950 usw. — der haum im paradies
und der apfel: nach v. 234 ist eine lücke, in der ihrer zuerst
erwähnung getan ist, wie das v. 235 deutlich zeigt, denn es
heifst da : nc niöta^ ine päs ö^res ealles, forheta^ pone cenne bedm,
vari(i6 ine vi^ pone mstm. alle drei artikel sind solche der ein-
fachen hinweisung auf genanntes, ferner 466 se västm. — 470
päs västmes. — auch 476 se ö8er. — 483 on pdm heume. —
492 pone ded^es bedm. — 493 päs ofätes. 528. 599. 643. 644.
651. 677. 883. 902 usw.
wie in allen diesen stellen so findet auch noch in den fol-
genden die einfache hinweisung statt, v. 49 him seö ven geledh,
nämlich dafs sie rice agan voldan, v. 47. — 216 ist von den
vier heiligen strömen die rede, und dann wird aufgezählt 228 seö
dftre. 231 pridda. 233 seö feörhe. — auffallend ist 239 lista and
pdra Idra, dafs nämlich der artikel nur einmal und erst bei dem
zweiten subst. steht, die worte zielen auf den inhalt der rede
gottes die vorhergeht, auch Grimm vermerkt dies beispiel iv 431.
— 284 ät pdm Striae, den Salan gegen gotl vorhat, eben darauf
geht v. 295 pd dted. 296 päs gevinnes. — 402 päs eddes, eine
widerholung des im verse vorher genannten päs leöhtes, dessen
artikel durch den folgenden relativsatz hervorgerufen ist. die
stelle lautet:
Ne gel^fe ic me päs leiihtes fnr^or, päs pe him pence^
lange niutan
päs eddes mid his engla cräfte.
4U8 ymh pd fyrde, die eben lange auseinandergesetzte, und ebenso
noch 424. 431. 572. 578. 589. 592 {äfler pdm Idrum). 598. 621.
689. 697. 700. 774. 834. 841. 846. 949. 394. 392. 258. 851.
135 (sei) tid, der ausdrnck bezeichnet den ersten lag, von dem
die rede ist), wie im Beövulf haben wir auch hier einige Super-
lative. 227 /)d sclestan. 344.se/jeA.sm. — 1063 se yldesta. dasselbe
346 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
1133. 1214. 1234. 1240. 1616. 1669 usw. in allen casibus und
numeris, 260 vi^ pone hehstaii heofnes vealdend. 512. 1323. dafs
diese stellen lauter solche sind, in denen die mit dem Superlativ
bezeichnete person eine schon genannte ist, bedarf nicht der er-
wähnung. — nicht im Beövulf dagegen finden sich einige lieim
vocativ. G. 57S idesa seö betste. 612 Eve seö göde. 678 herra se
göda. Grimm Gramm, iv 559 sagt darüber: 'der vocativ geht nur
die zweite person, der artikel eigentlich die dritte an, folglich
kann jenem dieser nicht gebüren' und 383 'der vocativ also er-
trägt keinen artikel, und wo er ihn in jüngeren sprachen annimmt,
da liegt eine Vertretung der zweiten person durch die dritte zu
gründe.' nichts desto weniger linden sich überall beispiele, die,
da der artikel immer zu einem dabeistehenden adjectiv tritt, von
dieser sonst geläufigen Verbindung herüber genommen zu sein
scheinen, zu beachten ist noch, dafs wider nur die Genesis,
nicht der Beövulf, diese spuren eines weiteren Umsichgreifens des
artikels aufweist.
es finden sich sodann einige parallelstellen zu dem artikel
Beöv. 809 se Ikhoma, wo er das possessivpron. vertritt, nämlich
385 mid py me god hafab geliäfted he pdm healse. — 607 ac se
scea^a georne svicode ymh pä süvle. — auch v. 300 vearp hine
of pan lieän st öle, von dem noch nirgends die rede, der al)er dem
Satan, als einem vasallenkönige gottes, als selbstverständhch ge-
bürend vorausgesetzt wird, und genau so 260 viQ fjone heli-
stan heofnes vealdend, pe sile^ on pdm hdlgan stöle. — reines
demonstrativpronomen ist der artikel wider 256 gelte ms he pdm
leöhtmn steorrum, jenen Sternen, die wir da o])en sehen, im Beö-
vulf findet er sich jedoch nicht so. und ganz frei endlich, ohne
sichtbare demonstratiou erscheint er v. 30 päs engles möd, J)e Jmne
unra'd ongan fvrest fremman, der zuerst eine Sünde begieng. —
176 he pät andveorc of Adames Ike dleo^ode, den stoft", aus dem
gott Eva formte. — 958 (god) het pdm sinhlvum sces and eor^an
— västmas fedan. — 893 [M pu a>te pä unfreme, da du (mit dem
aplel) das verderben afsest. müglich allerdings ist, dafs sich die-
ser ausdruck auf in dem verloren gegangenen stücke vor 235
enthaltene prophezeihungen von den bösen folgen des Ungehor-
sams bezieht.
Im Andreas haben wir wider zuerst eine reihe artikel mit
oi-klärendem nachsatz: 15 vt on pät igland, par cvnig pd git. —
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 347
101 and ealle pä meni'go, pe pe mid vuyiia^. — 107 nis seö prah
niicel, pät /»e svencan mötan. — 227 pone mceran häm, pcer sö9-
fästra sävla moton Ilfes brncan. — 419 rece pä ger^nu, hü he
reordberend Icerde. — 566 synnige ne mihton oncndvan pät cyne-
bearti, se pe äcenned vearfi. — 666 ve becömon tö päm cynestöle,
par getimhred väs (empel di^yhtnes. — SOO hvKßr se vealdend vcete,
pe pät veorc std6olade. — 947 ond eal pät mancymi, pe hm mid
vunige. — 898 and pät vord gecväb 'Nu ic mit folgender directer
rede. 778 on pu leödmearce tö Channaneum , wo der folgende
volksname den artikel hervorgerufen hat.
gott und Christus: 118 se hälga heim älvihta. — 225 se
hälga healdend and vealdend. — 346 se hälga. — 639 hü se maga
fremede, godbearn on grundmn. — 649 svd ic päs ä^elinges vord
gehi/rde. — 661 se sigedema. — 683 pdm ordfrmnan. — 696.
774 se peöden. — 752 pis is se ilca eahalda god (Benvulf kennt
das wort üca gar nicht). — 816 /e se maga fremede, rodera rae-
dend. — 979 se hulga. — die vorhergehende erwähnung fehlt
hier nirgends, ehensowenig wie bei folgenden: Matthäus 48 päm
hälgan. — 168 p(e7' se hälga ver in Achaict Andreas väs, erwäh-
nung ist seiner schon getan 110. — 239. 359. 382. 467. 833.
845 usw. Volk, land und Stadt der Mermedonier, von denen zu-
erst die rede v. 1 5 mit arlikel und relativsatz, dann sehr oft 22.
25. 28. 29. bisher war nur von dem volke und dem lande die
rede, v. 40 väs tö pare ma'ran byrig cumen in pä ceastre, wird
auch von der Stadt die sie bewohnen geredet und zwar wider
mit stillschweigender Voraussetzung einer solchen in dem lande
gleich mit dem artikel. — v. 174 ff redet Andi-eas zu dem schilVer
(gott) von seinem vorhaben zu jenem volke zu fahren, nachdem
er ihrer einmal erwähnung getan redet er dann mit dem artikel
von ihnen 177 svä is pare menigo peäv. — 179 on päm folcstede.
— 184 mid päm burgvarum. — 185 on pare peöde. — ferner
207. 209. 275. 281. 286. 287. 294. durch mehr als 500 verse
ist dann von ihnen nicht mehr die rede bis 829, wo es gleich
heifst: pnrh hjft geläc on land becvom tö pfcre ceastre. weiter
931. 941 usw. — ferner mit einfacher hinweisung: 47 tö päm
orlege nämlich den angelangten Matthäus zu packen. — 90 tö
päm carcerne, von dem 57 ohne artikel nur die rede, dafs er iu
ihm trotz seiner blemhing gott pries, ohne dafs erzählt wurde,
wie er dahin gekommen. — Andreas wird .'uifgofordf'ri, zu Matthäus
34S DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
zu faliren ihn zu retton. dann heifst es von der reise 204. 211
Jms si(Sfdtes. — 216 pd fore. — auch 215 päs cerendes. — 337
on pd före, hier das wandei'n der jünger hin in alle weit. —
und so noch 449. 559. 569. 658. 697. 699. 728. 763. 797. 800.
802. 805. 800. 831. 856. 888. 916. 958 usw. 113 is tö p(ere
tide dh. jetzt, hoc tempore, ebenso 913 in pd ilcan üd, aber in
der erzählung, nicht in einer rede, also tunc.
daneben gibt es nun wider eine reihe besonderer fälle. Su-
perlative 86, 718. 764. — parallelen zu se lichoma: v. 155
feorh ne bemurndan
gnvdige gühincas, hii päs gdstes si^
äfter svyltcvale geseted vurde.
lichoma selbst v. 791
pcer pä lichoinan lange präge
hedhfädera hrd beheled varon.
sehr grofs ist die zahl der stellen, in denen der artikel seine
beziehung nicht mehr im gedieht findet, wenn in der Genesis
bei den bezeichnungeu des himmels sehr oft der artikel stand,
so konnte dies leicht damit erklärt werden, dafs dort der hinniiel
einer der orte ist, an denen sich die handhing abspielt, im An-
dreas aber ist das nicht der fall, und der hinimel wird durch den
artikel zu einem orte erhoben, der für das christliche bewust-
sein des erzählers von bedeutung und seinem vorstellungskreifse
ein vertrauter ist. die demoustration des ortikels ist aber eine
sehr weite, sie geht über das gedieht hinaus, und so war es viel-
leicht auch schon bei jenen stellen in der Genesis, hier haben
wir nun: 119 Gevdt Mm se hdlga . . . to päm nplkan e^elrke.
979 Gevdt him pd se hdlga heofonas secan
eallra cyninga cyning Jmie chenan hdm.
vom himmel wird wol auch die rede sein 719 in pcere ceastre,
welche worte Christus in den inuiid gelegt sind, der nach seiner
anschauungsweise vom himmel redet, mit derselben beziehung
redet er unmittelbar vorher von den engein : mid päm hnrgvarnm.
— ferner ganz frei 67 bei einem vergleich svd pd dnmhan nedt.
— 261 svd Jjdt ne viste se pe päs vordes hdd, der auf antwort
wartete. — 284 pät pu on pä f(eg^e ptne feore spilde, der lod.
— in einer sentenz 3 1 3 is se drohta^ sträng pdm pe lagoldde
lange cnnna^. — 371 se griega mtev, zu vergleichen mit se hvonna
hrefn usw. auf die ich noch (Mumal zu sprechen komme. — 588
DAS SCHWACHE AÜJECTIV IM AGS. 349
on pä betercm gecynd, ein formelhafter aiisilnick. — auch vyrd
613 hi'e seö vyrd besvac, forleölc and forhvrde. iiiid 759 is seö
vyrd mid eöv open orgete. Grimm Gramm, iv 430 zählt unter den
würtern die er im ags. 'noch im besitz ihrer alten Persönlichkeit
des artikels uubediirftig' fmdet auch vyrd, dätj, niht auf. von allen
habe ich belege des gegenteils gebracht, eben so steht es mit
einer gleich folgenden bemerkung Grimms 'oblique casus, zumal
nach Präpositionen, entraten des artikels meistenteils.' — 796 of
slcepe piem fästan. — 796 he't hie tö pdm s/9e gyrvan, welche
fahrt gemeint sei wird erst im folgenden verse erzählt: sceoldon
hie usw. — 642 wider eine beziehung auf christliches wifsen und
denken: purh pä (t^elan mihi. — 381 näs him c«5 pä git, hvd
päm sießotan sund visode kann wider ein allgemeiner ausspruch
sein, aber es können auch mit den swflotan Andreas und seine
schilfsgenofsen gemeint sein, endlich, wo wir den unbestimmten
artikel geradezu setzen v. 167 pä siö stefn gevear^ gehered of
heofenum.
In Byrhtnöds tod widerholen sich dieselben erscheinungen.
in der weise, wie es im Beövulf, Genesis und Andreas dargelegt
ist, entwickelt sich der artikel weiter, der gebrauch wird ein
freierer, ganz äufserlicli ergibt dies die Zählung, da über 80 ar-
tikel auf 325 verse kommen, beobachtet man aber den gebrauch,
so äufsert sich die gröfsere freiheit einerseits darin, dafs die ein-
mal genannten begriffe um so öfter mit dem artikel wider ein-
gefidirt werden, andererseits darin, dafs der artikel mit seiner
beziehung gleichfalls öfter über das gedieht hinaus geht, die
belege für die erste art der Verwendung des artikels überhaupt
glaube ich übergehen zu dürfen, da für die beobachtung seines
gebrauchs nichts wesentliches mehr aus ihnen gewonnen werden
kann, wol aber verdienen die beispiele der zweiten art beachtung.
die zahl derselben ist sehr grofs, aber die Substantive, neben denen
der artikel erscheint, sind meist wallen, riislungsgegenslände und
kriegerische termini technici. das ganze stück Byrhtnöds tod
enthält die lebendige Schilderung einer Schlacht mit einer reihe
von einzelkämpfen, so dafs, wenn von waflen usw. die rede ist,
sie meist als die eines, oft sogar mit namen genannten, kämpfers
eingeführt werden, also jene beziehung für den artikel vorhanden
ist, wie wir sie schon im Beüvidf einigemale fanden, solche stel-
len sind
350 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
136 he scenf pa mid päm scylde, J)ät se sceaft töbärst
and pät spere sprengde.
144 pa he oherne öfstlice scedt
pät seö byrne töbärst. He väs on breöstum vund
Jmrh pd hringlocan.
163 pd Byrhtnö'ö — on pa byrnan (seines gegners) sloh.
284 bär&t bor des leer ig and seö byrne sang
gryreleö^a snm.
in der letzten stelle fehlt die beziehung auf eine bestimmte per-
son. ferner haben wir 19 rrncnm Kehte, hn hi sceoldon standan
and pone stede healdan, stand halten. — 277 he bräc pone bord-
vealli den selbstverständlich die Schilde der feinde bilden. — 74
Het f)ä häle^a hleö healdan pä bricge, die jedes fahrzeug zum lan-
den mit sich führt. — 72 se flöd nt gevdt, die flut stieg höher.
— 77 [jone forman man — ofsceüt. — 102 he mid bordum het
vyrcan pone vihagan, die phalanx bilden, and pät verod healdan.
— 194 ßngon on pät [ästen, von dem im gedieht nirgends die
rede, doch kann in dem stücke das vor dem anfang fehlt dessen
erwähnung getan sein, auch 300 on pdm väle hege kann hier-
her gehören, der 273 genannte Eddveard se langa kann schon
in dem verlornen anfang erwähnt sein, endlich 2S6 Offa pone
sa'lidan sloh, mufs er geradezu fehlerhaft stehen, da es nur heifsen
kann, dafs OITa einen der Wikinge schlug.
Der gleichartigen beispiele in den gedichten der Sachsen-
chronik ist ebenfalls eine sehr grofse anzahl. so Atheist. 60 Pone
sveartan hrefn, hyrnednebban and pone hasnpddan, — and pät
gnege deör, vnlf on vealde. — Tod Alf. S tö pan leöfan gode. —
Ih tö pdm munecon. — Eädv. 26 rfeaS se bitera. — in den ge-
dichten werden personen eingeführt, die in ihnen selbst noch
nicht genannt sind. Äth. 37 se fröda — Constantinus. — Eädgär
34 biscop se göda. — orte: Eädg. 3 on pwre ealdan byrig Ace-
mannes ceastre. — Tod Alf. 19. 20 ät pdm vest-ende pdm stypeJe
fnl-gehende on päm sü^portice, wo durch die artikel auf die orte
als auf bekainite hingewiesen wird.
Damit ist die umständliche Untersuchung über den ai'tikel
beendet, sein Ursprung aus einem demonstrativpronomen tritt
überall klar zu tage, und weitaus die mehrzahl der stellen sind
solche der engern demonsiration auf im gedichte selbst genanntes,
nur äufserst selten wird , wenigstens in den drei grofscn und
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 351
früheren gedichteii, ein gegenständ olme weiteres mit ihm ein-
geführt, erst bei der widerhohing tritt er zu ihm, aber da frei-
hch durchaus nicht jedesmal, sondern nur vereinzeh, je nachdem
das sprachgefidd die demonstration ertrug, und zwar dem ent-
sprechend im Beövulf mit verhältnismäfsig den weitesten Zwi-
schenräumen, mit engeren in der Genesis und im Andreas, den
engsten in Byrhtnöds tod. darin zeigt sich nach der einen seile
hin sein weiteres Umsichgreifen, seine alhnähhche annäherung an
den arlikel unserer zeit, und es ist geradezu überraschend, wie
(hu'ch diesen fortschritt diejenige ansieht über die Zeitfolge jener
gedichte , die aus allerlei historischen andeutungen die meiste
Wahrscheinlichkeit für sich hat, besfätigung erhält, noch mehr
aber erhält sie diese durch das stufenweise zunehmen derjenigen
beispiele, in denen der artikel mit seiner hinweisung über das
gedieht hinaus geht, hier ward dann meist durch ihn der be-
griff eines wortes auf eine bestimmte person, auf eine aus sitte
und zeit geläufige anschauung, besonders das kriegshandwerk
betreffende und christliche, bezogen und durch ihn die selbst-
verständliche Voraussetzung der Zusammengehörigkeit oder auch
der regelmäfsigen widerkehr, von der alle wifsen, angedeutet,
oder es werden geradezu durch ihn allgemeine begriffe (wie geö-
go^) zu terminis technicis. dadurch wird dann der artikel ])ei
gewissen ausdrücken fest, wenn auch erst spät, denn nur Byrhtnod
weist eine gröfsere anzahl derartiger Verbindungen auf, und
es kann sogar, tritt noch ein adjcctiv hinzu, zur bildung von der
ganzen poesie gemeinsamen formein kommen (wie se Jwonna hrefn,
auch ohne adj. on fta'm (läge pysses Ufes usw.), doch ist die zahl
derer, in denen der artikel ein festes glied bildete, eine sehr
geringe.
auch für diese ganze richtung, die der artikel einschlug,
sein gebiet zu erweitern, bot Beövulf die geringste anzahl der
beispiele dar, sie stieg in der Genesis, noch mehr im Andreas,
und die meisten hatte Byrhtnod. hinsichllich der Genesis uiul
des Aiulreas ist noch zu bemerken, dafs, obgleich die zahl der
artikel in beiden eine ziendich gleiche ist, doch die belege für
seine weitere demonstration im Andreas viel häufiger sind, so
dafs also das regelmäfsige aufsteigen der zahl dieser weiteren
demonstr. mit der gesannntzahl unterbroclu'n scheint, allein er-
innern wir uns, was fi'üher über die Verteilung der arlikel in
352 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
der Genesis gesagt wurde, dafs nämlich, weil der erste teil —
mit über ein drittel so viel artikeln wio das ganze übrige gedieht
— die weitläuftige ausspiunung einer wenig umfangreichen hand-
lang ist, bei der ständigen widerkehr derselben personen und
begriffe die gelegenheiteu für Setzung des artikels sich ununter-
brochen darbieten, wie er auch 16 mal zb. bei bäum und apfel
des paradieses erscheint neben noch einer ganzen reihe würk-
licher dem. pron., während im Andreas bei dem rascheren Wech-
sel der handlung immer neue begriffe auftreten, die diese gelegen-
heiteu Iteschränken, so wird das misverhältnis in dem gleichmäfsi-
gen aufsteigen der zahlen schwinden, was also den gebrauch des
artikels anbelangt, so wird durch ihn die Genesis in eine frühere
zeit gewiesen als der Andreas.
Wir gehen nun über zu der Verbindung des blofsen schwa-
chen adjectivs mit dem artikel. da das subst. hier fehlt, so mufs
aus dem engern zusammenhange hervorgehen, wovon die rede
ist. der artikel, dessen hauptfunction in einer solchen hinweisung
besteht, ist also ganz am platze, selbst da, wo, wie dies an eini-
gen stellen der fall ist, das betreffende Substantiv unmittelbar
durch wenige worte getrennt erst folgt. Grimm Gramm, iv 571
sagt über diese Verbindung 'persönliche adjectiva, die in substan-
tivische bedeutung tibergehen, dh. selbständig, ohne subst. ver-
wendet werden, pflegen schwache form anzunehmen, welche denn
nun auch ohne bezug auf den vorgesetzten oder nicht vorgesetzten
bestimmten art. eintritt, folglich in der späteren spräche ebenwol
nach dem unbestimmten art. eintreten kann.' diese bestimmung
gilt für das ags., obwol es einer der altertümlichsten dialekte ist,
nicht, die zahl der stellen, in denen ein adj. ein persönliches
subst. in starker form vertritt ist ganz unverhältnismäfsig gröfser
als die, in denen dies in schwacher geschieht, sie begegnen alle
augenbiicke. tritt aber die schwache form ein, dann hat sie auch
den artikel bei sich mit ausnähme der wenigen und zum teil
noch dazu zweifelhaften stellen die ich oben besprochen habe,
wie sich das adj. zum unbestimmten art. verhält werden wir später
sehen, zählen wir nun erst die stellen auf und zwar nach den
personen.
aus Beövulf. — gott: v. 92 se älmihtiga (s. o.). — Beövulf
205, in einer stelle, in der nur von Beöv. die rede, heilst es
DAS SCHWACHE ADJECTIV LM AGS. 353
unter anderm: Juifde se göda Geäia leöda cemyan gecorene. ebenso
unter gleichen verhällnisseu 1518 ongeal pa se göda gnindvyrgenne.
— 258 se yldesta (s. o.), — 384 ßcem gödan nennt ihn Hrödgär.
— 675 mit dem folgenden namen: Gespräc pä se göda gylpvorda
sum Bi'övulf Gedta. — 762 mynte se mwra, Iwcer he meahle. —
1190 pier se göda sät Beövnlf Gedta. — 1629 pä väs of pcem
hruran heim and hyrne lungre alysed. — 1807 heht [)d se hearda
Hrunting heran. — 1963 gevdt him pä se hearda. — 1975 svu
se rica bebedd. — 2327 pät pdm gödan väs hreöv on hrebre, hyge-
sorga mcvst: vende se visa, pät. — 2421 Yyrd, seö pone gomelan
gie'tan sceolde. — 2690 rtesde on pone rufan. — 2817 pät väs
pdm gomelan gingeste vord. — 2851 par se gomela lag. — 3011
ne sceal anes hvät meltan mid pdm mödigan.
Hrödgar: 270 sagt Beövulf Habbah ve lö pcem mceran micel
wende Deniga freän. — 310 on pcem se rica bäd. — 355 pe wie
se göda dgifan pence^. — 399 Arus pu se rica. — 401 svd him
se hearda bebedd. — 1313 par se snotera bud. — 1318 pät he
pone visan voi^dum ncegde freän Ingvina. — 1397 Ahleöp pu se
gomela. — 1698 pu se visa spräc snnu HeaJfdenes. — 1786 svd
se snottra heht. — Higeläc: 1975 svu se rica bebedd. — 2944
/)u se göda com. — 2949 gevdt him pd se göda. — Vigläf : 2860
pö väs ät pdm geongnm grim andsvarn. hier steht die starke
form l)ei dem art. ganz gegen den sonstigen ags. Sprachgebrauch,
ein einziges ähnUches beispiel ist noch Andr. 843 se vis, vielleicht
verschrieben für se visa oder es ist ein eigenes sid)st. vis anzu-
nehmen, vgl. Grimm zu der st. — Plurale, jedoch nur von zwei
personen, sind noch 777 pwr pu grdman vunnon (Beövulf und
Grendel) und 1163 par pä gödan Ivegen sceton suhtergefäderan
(Hnklgcir und HrOdulfj.
aus der Genesis, golt nimmt die erste stelle ein. dieselben
adjcctiva, mit denen er bezeichnet wird, dienen auch für Abra-
ham und andere personen, so dafs in dieser Verbindung überall,
wenn von ihm die rede ist, der artikel allein die engere demon-
slration zu enthalten scheint die aus dem zusammenhange auch
stets möglich ist. eine ausnähme macht ece, das ja nur von ihm
gelten kann 2368. 2897 svä htm se eca bebedd. — sodann 53
Ne mihlon hygelcdse mccne y/9 metode mägyn bryttigan, ac him se
mara möd getva-fde. — 147 /)ät V'e rica ahuf frcd älmihtig.
161 svä se hdlga bebedd. — 3^2 gram vear^ htm se göda. —
354 DAS SCHWACHE ADJECTIV DI AGS.
1569 on [las hälgan hofe. — 2140 Ic pe gehäte for [)äm hälgan,
pe heofona is dgendfred. — 2(595 si^^an me se hdlga of hyrde
freän mines fäder fyni dhedde. — 2845 pä päs rinces se rica
ongan cyning costigan. — 2899 pe kirn se stranga tcvhte. — 2917
Purh päs hälgan hand heofoncyninges. — Abraham : 1 885 p(er se
eddga eft e'can drihtnes noman veor^ade. — 1898 /« se hdlga ongan
dra gemyndig Abraham sprecnn. — 2039 pd se hdlga heht. —
2162 /je him se hdlga forgeaf, Ehrea leöd. — 2749 ö^ pät se hdlga
his hldforde Abraham ongan drna biddan ecne drihten. — 2839 pcer
se hdlga burh timbrede. — 2925 pä se eädega bevlät nnc ofer
exle. — Noah: 1592 /)ät pccm hälgan väs sär on möde. — Lot:
2445 p(er hm se ä^ela geaf gleävferh^ häle. — Satans böte : 489
pät viste se Id^a georne dyrne deöfles boda. — 496 ongon . . . se
lä^a. — 592 heö ät päm Id^an onfeng. — 601 fnirh päs lä6an
Imi. — 631 pnrh päs vrä^an gepanc. — ein engel: 2295 svä
se hälga bebeäd godes (vrendgäst.
aus Andreas, unter den 25 stellen ist 18 mal das adjectiv
hälga. von gott 345. 979. 1046. — Matthäus 48 päm hälgan.
— Andreas 359. 383. 467. 833. 998. 1031. 1224. 1240. 1255.
1309. 1317. 1568. 1689. — aufserdem 802 geveotan pä pä vi-
tigan prij (Aliraham, Isaac und Jacob). — 1634 pä se mödiga he't^
getimbran (Andreas). — 1119 ymb päs geongan feorh (der söhn,
der für seinen vater den tod leiden soll), derselbe 1128 pä se
geonga ongann hearmleö^ galan. — ■ 1051 pcer pä mödigan mid
him mä^el gehedan treövgepoftan, die menge der gefangenen. —
aufserdem zwei Superlative die besonders behandelt werden.
aus Byrhtnöds tod. 187 Godrk . . pone gödan (Byrhtnöd)
forlet, pe him mänigne oft mear gesealde, also mit folgendem re-
lativsatz.
aus den gedichten der Sachsenchronik. Atheist. 37 se fröda
mid ßeäme com on his cy^he «orö Constantinns. — Eädg. 28 pter
se geonga gevät on pone eahto^an dag Eädgär of life. — Eädv. 29
se froda (Eädveard).
Die anzahl der adjectiva, die in* dieser weise verwendet wer-
den, ist also nur eine sehr geringe, zweitens sind es nur sehr
» Wenn auch mit Schcier zGDS s. 11 wol mit recht für höht, die ne-
benform für het, heht zu schreiben ist, so glaube ich ist doch in het deh-
nung des e als ersatz für ausgefallenes h anzunehmen.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 355
gebräuchliche, auch in starker form oft widerkehrende, drittens
sind an sämmthchen stellen nur personen , nie Sachen das zu
ergänzende Substantiv, viertens findet auch unter den personen
nur auf die hervorragendsten diese ausdrucksweise anwendung.
fünftens sind die in den adjectivis enthaltenen eigeuschaften her-
vorhebende, ehrende, was selbst der fall ist, freilich in seiner art,
wenn in der Genesis des teufeis böte se Id^a heifst, wie auch
wenn Beövulf mit se gomela, oder im Andreas der söhn, der für
seinen vater den tod leiden soll, mit se geonga bezeichnet Avird.
wenn dagegen B. 2860 mit demselben beiwort Viglaf bezeichnet
wird, so ist das eine jeden nachdrucks und jeder hervorhebung
entbehrende benennung. und da zeigte sich die ganz merkwür-
dige Verbindung der starken form mit dem artikel, die nun nicht
auf blofser willkür oder einem Schreibfehler zu beruhen scheint,
endlich sechstens haben wir unter all den stellen nur einen eine
menge bezeichnenden plural Andr. 1051, daneben aber zwei duale
(B. 777 und 116.3) von hervorragenden beiden und einen plural
Andr. 802, der wider drei bedeutende personen umfafst.
nach allem diesem scheint es also als wenn der person, dem
beiden, dessen durch diese Verbindung erwähnung geschieht, eine
ganz besondere ehre und hervorhebung angetan würde, ist die
Stellung der zu ergänzenden person weder durch taten noch
durch rang eine hervorragende, so kommt die ausdrucksweise für
sie nicht zur anwendung, sondern da steht stets die starke form,
natürlich ohne artikel. dies ist zb. ohne ausnähme dann der fall,
wenn das zu ergänzende subject ein allgemeines, unbestimmtes
wie menschen, krieger usw. ist, wie Beöv. 72 ficcr on innan eall
gedielan geongum and ealdum. — 173 hvät svi^ferhhim seiest
vcere — tö gefremmane. — 242 pät on land Dena Id^ra nwnig
— sce^^an ne meahte. — 550 pwr me vi^ lä^nm — helpe gefre-
mede. — 1463 folcstede fära. — Xhl^ polode fwges fyrdhnigl. —
1663 of'tost visode vinigea ledsnm. — 2030 on him gladia^ go-
melra läfe. — 2107 hvilum hildedeör (ein beliebiger) hearpan
vynne — grette. — 2247 hit ar on pe göde begedton. — 2373
Nö pi) (nr fensceafle findan meahton. — 2541 ne ft/9 svylc earges
si^. — 2820 gevät sävol secean sö^fästra dorn. — 3025 hrefn
fns ofer fajgnm fela reordian. — Genesis 6 1 gräp on vrd^e fdnm
folmum. — 101 on vrd^ra gield. — 1830 pat me vrä^ra snm
feore beneöte, — 1848 spriecon ymb päs vifes vlite vlonce monige
356 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
dugehmi dealle. — 2088 vide gesävon freöra feothbanan. — 2290
h'ne monige on vrühe vinna^. — 2407 ic — gehyre synnigra cyrm.
— 2486 hine of gromra pü cunian arfüste. — 2547 cinn ärleäsra.
Andreas 16 pwr wnig pu git ellpeödigra ne niihie hrncan.
dasselbe wort 27. 948. — 142 ponue hie unlcedra eafehim ge-
lyfdon. vgl. Grimm zu der st. — 30 unladra eafo^. — 178 un-
cii^ra amgum. — 181 f'edsceaftne. — 228 sö^fästra sävla. —
186 fore hce^enra handgevinne, ebenso 959. — 216 scealt [)in
feorh heran in gramra gripe, pccr pe gn^gevinn Jmrh hce^enra
hildevöman geboden vyr^e^. — 321 selre byb wghvam, put he
ed^mehim ellorfnsne oncnäve cnWce. — 577 sealde he dnmbum
gespj^ec, deäfe gehprdon, healtum and hreöfnm hyge blissode usw.
So wie hier wenn ein allgemeiner substantivischer begriff
zu ergänzen ist wird die starke form aber auch gesetzt, wenn
dem neutrum sing, und plur. eines adjectivs die bedeutung eines
unpersönlichen Substantivs verlielien wird, so Beöv. 929 fela ic
lu^es gebäd grynna ät Grendle. — 1060 fela sceal geb/dan leöfes
and lä^es. — 2910 healdet kige-nia'him hedfod-vearde leöfes and
/«öes. — 876 pät he secgan hyrde — luicu^es fela. — 2185 ne
hyne niides vyr^ne drihten gedön volde. — 2314 nö pcer uht cvices
/«9 lyftßoga Icefan volde. — 173 hvüt svi^ferhhim seiest vare.
— 532 sö^ ic talige. — 700 sö9 is gecy^ed. sö9 erscheint noch
öfters ähnlich, doch kann es auch substantivum 'wahrheit' sein.
— Gen. 253 he IM hine svä micles vealdan. — 291 äfter göde
(vnegum. — 394 mid la^es vihte. — 458 svd hie fela cit^on gödes
gegearvigean. — 465 />ät pwr yldo bearn moste on ceösan gödes
and yfeles. — 479 se bl'tr bilres fela; sceolde hu vitan ylda a'ghvilc
yfles and gödes. — 530 se pe vuht lu^es gelade. — 622 /mIs fela
he me lä^es spräc. — 1291 hvät he fäh verum fremman volde.
— 2549 Llg eall fornam pät he gre'nes fond goldburgnm in. —
Andreas 338 ic eov gada gehväs on eoverne dgenne dorn est u-
hvette. — 897 /)üt hie god volde omnunan svä mycles ofer menn
f(iJlß_ — 1445 Nö pe Id^es mii — gedön mötan. dasselbe 1476.
von dieser regel finde ich nur zwei ausnahmen, aber sehr,
bezeichnende, nämlich zwei comparative. Beöv. 1739 he [mt vyrse
ne con, ohpät hiin on innan oferhygda da-l veaxef\ and vridd^,
und 1759 hebeorh pe pone healoni^ and pe pät sehe geceös, ece
rwdas. das auffallende liegt hier in dem artikel. hätte der com-
parativ neben der schwachen auch die starke form, wir würden
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 357
diese, wenn wir die beiden stellen mit denen oben vergleichen,
bestimmt hier erwarten und zwar selbstverständlich ohne den
artikel, der nur die schwache form neben sich hat. nun aber
flectiert der com})arativ nur schwach, und der artikel tritt daher
zu ihm , ohne einen eiuflufs auf die art der flexion ausüben zu
können, erwägt man ferner, dafs dem artikel an der ersten der
beiden stellen eine jede demonstration fehlt, dafs er also nach
dem sonst über den gebrauch des artikels gegebenen bestim-
mungen nicht stehen dürfte und dafs dagegen an manchen der
vorher angeführten stellen seine hinzufügung nichts anstöfsiges
gehabt hätte, so drängt sich unwillkürlich die Vermutung auf,
dafs an diesen stellen der artikel nicht weggeblieben ist, weil der
dichter keine demonstration anbringen wollte, sondern w^eil der
artikel die schwache form des adjectivs »ach sich gezogen haben
würde, dafs also der schwachen form eine eigene an all den
stellen unzuläfsige bedeutung inne wohnen müfse und dafs aus
rücksicht für diese der artikel weggelafsen worden sei. es ist
sogar sehr wahrscheinlich, dafs das unbestimmte pron. eall, welches
widerholt den artikel neben sich hat, diesen gleichfalls nur des-
halb so ohne weiteres zu sich nimmt, weil er bei der ständigen
starken flexion dieses Wortes ebenso auf die flexion ohne ein-
flufs bleibt, wo der artikel mit der engeren demonstration an-
gebracht ist, da steht er zb. bei eall: Beöv. 1185 gif he fiüt eal
gemon, hvät vit gefremedon. — 2426 fela ic genas: ic püt eall
geman. — 2739 ic päs ealles mag gefec'm habban. — 3087 ic väs
pwr inne and pät eall geondseah. — auch Gen. 235 niöta^ ine
päs öh'es ealles. — was das aber nun für eine bedeutung sei,
die in der schwachen form des adjectivs vermutet wird, das liefse
sich vielleicht schon aus den beispielen des schwachen adjectivs,
die bereits angefidirt sind, herleiten: doch um das material reich-
licher zu macheu mögen vorerst diejenigen stellen aufgezählt
werden, in denen das schwache adj. mit artikel und Substantiv
verbunden ist.
Aus Beövulf haben wir: 102 vds se grimma ga^st Grendel
hüten. — 758 se göda mwg Higeldccs. — 813 se mödega nueg
Higelüces. — 1474 se mccra maga Healfdenes. — 2587 se mcera
maga Ecgpeöves. — 2675 se maga geonga (V/gläf). — 2928 se
fröda fäder Ohlheres. — 2971 se snella sunn Vonrcdes. — 2977
se hearda Higeläces pegn. — 3028 se secg hvala (Vigläf). — 3120
Z. f. D. A. neue fol-o IV. 24
358 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
se snotra snnu Yihstanes. — 997 pät beorhte hold (Heorot). —
1448 se hvita heim (Beövulfs). — 2255 se hearda heim. — 2264
se svifta mearh. — 3024 se vonna hrefn. — 713. 919. 1016.
1984 on sele päm hedn (Heorot). — 3097 beorh pone heäii, grab-
hügel. — (1199 tö pare byrhtan hyrig, was Ettmüller conjicierte
für to herebyrhtan byrig).
Bleibeu wir eiustweilen beim Beövulf, in welchem als dem
ältesten der gedichte die ursprünglichen formen sich am reinsten
zeigen müfsen und übergehen die hieher gehörigen stellen der
andern, so ergibt sich folgendes, ersten» hat der artikel überall
seine berechtigung, teils enthält er die engere demonstration teils
die weitere, zweitens ist die anzahl der in dieser Verbindung
erscheinenden adjectiva wider eine sehr beschränkte, es sind wi-
der sehr gebräuchliche, hervorhebende und sie zeigen überhaupt
denselben character wie die oben, drittens sind die dabeistehen-
den Substantive meistens personen und zwar wider solche, die
als hervorragende beiden aus dem gedichte selbst oder dem Unter-
grund der weiteren sage, auf dem das ganze gedieht ruht, bekannt
sind, viertens zeigen auch die nicht persönhchen Substantive
denselben character. da ist Heorot, das weitberühmte, dann der
heim Beövulfs, der gleichsam einen bestandteil des beiden bildet
und an seinem rühme teil nimmt, der leichenhügel, wie er jedem
beiden errichtet ward, der durch Jahrhunderte seinen namen im
Volke fest hielt und dessen höhe nichts weniger als gleichgültig
war, dann se vonna hrefn, der dunkle rabe, der dem beere folgte
oder voranzog und auf keinem leichenfelde fehlte, darum fehlte
er auch bei keiner Schlachtschilderung und mit den stellen, die
Grimm darüber in der vorr. zu Andr. s. xxv zusammengestellt
hat, sind dieselben noch lange nicht erschöpft, keineswegs aber
steht da überall der artikel oder ein schwaches adjectiv bei ihm,
so dafs eine formelhafte festsetzung jenes ausdrucks, obwol er
in der Gen. noch einmal widerkehrt, nicht anzunehmen ist. nur
die zwei ausdrücke se hearda heim und se svifta mearh schliefseu
sich nicht ohne weiteres an die übrigen an. der satz, in dem
sie erscheinen, ist ein ganz allgemein gehaltener, der mann, der
den schätz verbirgt, klagt über den Untergang seines hauses,
dessen letzter sprofs er ist: heim und rüstung zerfallen, kein
harfensang tönt mehr, das rasche ros stampft nicht mehr die
burgstätte. es fehlt die beziehung von heim und ros auf ein
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 359
bestimmtes subject als eigentümer desselben, wie das bei dem heim
1448 und dem leichenhügel der fall ist. darum passt der artikel
nicht recht, wenn man nicht annehmen will, jener rede von sei-
nem heim und seinem ros, also bestimmten einzelnen, dann
reihen sich diese beiden stellen ohne weiteres den früheren an,
denn die substantiva sowol wie die adjectiva haben ihre paralle-
len in 1448. 3024. 3097.
Hinsichtlich all der stellen entstehen wider die fragen, wo-
her es kommt, dafs jene Verbindung des schw. adj. sich nur bei
einer so bestimmten, in ihrer bedeutung so eng begrenzten gat-
tung von Substantiven findet und nur gleichfalls so eigenartige
adjectiva zu ihr verwendet werden, warum überall da, wo Sub-
stantiv und adjectiv nicht diese beschaffenheit besitzen, entweder
der artikel fehlt, so dafs das adj. stark tlectieren kann, oder neben
dem die demonstration enthaltenden art. das beiwort fehlt, und
die antwort kann wider nur lauten, dafs eine der schwachen form
innewohnende bedeutung die Ursache sein mufs. diese bedeutung
kann aber, so weit es bis jetzt zu beurteilen ist, keine andere
sein als der bereits in die schwache form gelegte hinweis auf
jene beschaffenheit des Substantivs, dafs also der in diesem lie-
gende begriff ein einerseits für die erzählung, andererseits in folge
der gesammten auf sitte und zeit beruhenden anschauungsweise
sehr hervorragender ist, weshalb vorwiegend den haupthelden
und den gegenständen , für die die gesammtheit ein besonderes
intercsse hatte, die ehre dieser Verbindung zu teil wird, im Beö-
vulf liefern demgemäfs die beiden der sage und das leben der
edelinge, in der Genesis die beiden der heiligen geschichtc und
die gegenstände, an die sich wichtige eräugnisse derselben knüpfen,
die beispiele. das letzlere werden die gleich folgenden stellen
aus der Genesis, zu der ich jetzt übergehe, bevor wir für das
adjectiv noch nähere beslimmungen suchen, ergeben.
nehmen wir hier zunächst die personen, so haben wir ziem-
lich dieselben wie oben bei der Verbindung des schw. adj. mit
art. ohne subslanliv. nändich goll: 2G0 vvS [)one hehslan he.ofnes
vealdend, pe süe^ on piim halijan stole. — 270 se hahja god. —
299 vi^ pone mceian drihten. fiä vearb se mihtiga gebolgen hehsta
heofones valdend. — 544 «/) tö [läm ülmihtegan gode, pe nie vorhte.
— 1315 Noe lii/rde pdin hülgmi heofoncyninge. — 817 ?c häd
heofnes god, valdend pone gödan. — 850 pdt hie ne forgeäte god
24*
360 DAS SCHAYACHE ADJECTIV IM AGS.
älmihtt'g and htm gevisade valdend se göda, hü hie usw. — 1744
pa se hdlga spräc heofonrices veard. — der böte Satans : 6S6 stöd
se vrd^a hoda. — 711 pät heo päs lu^an bodan lamm h^t^de. —
Kain: 1005 se cystledsa cvealmes vyrhta andsvarode. — Noah:
1476 se eddega ver. — 1543 se snotra sunu Lameches. — 1562
pät se eddega ver weaj^ö vine druncen. — Abraham: 2021 pam
Ebriscan eorle. — 2444 se Ebn'sca eorl. — 2232 se eddega ver.
— 2876 se eddega ver. — 2833 se eddega eafora Pares. - Aaron:
2428 pät päni gleävan vere geonge pnhton men. ■ — 2595 p(er se
eddega Loth vwrfäst vunode. — 2102 püt väs se mcera Melchise-
dec, leöda bisceop. — Satan: 338 se ofermöda cyning, pe (er väs
engla scynost.
die adjectiva entsprechen hier alle den früheren, selbst das
Ebrisca, denn es ist das beriünnte gottesvolk, von dem der hei-
land ausgieng. von einheimischen Völkern und geschlechtern mag
man woi in gleicher weise in der schw. adjectivform geredet
haben, gehen wir zu den Sachen über so haben wir erst die
hülle: 44 geond pät rcüdledse ho f. — 'S12 on pä sveartan helle.
— 331 on pä hdtan helle (für hell Dietrich zs. 11,314). — 345
het hine ptüre sveartan helle grundes gi/man. — 529 pät pä svear-
tan helle healdan sceolde. — wol auch 325 vUe pjolia^, .... brand
and bräde ligas, svilce enc pä biteran recas (nämlich in der hülle).
— 362 helle pcere hutan. — 761 he is on pcere sveartan helle
häft mid hringa gespatme. — 763 sceolde he pä brädan ligas secan
helle gehli^o. — 304 hine on helle vearp, on pä deöpan dalo. —
732 hie to helle scnlon on pone sveartan s<9. — 792 gesyhst pn
nu pä sveartan helle?
für das christliche bewustsein Cädmons oder wer sonst der
erzähler ist mag die hülle ein so bedeutsamer ort sein, dafs nicht
erst die Wichtigkeit derselben für die erzählung ihn zu einer so
reichlichen Verwendung der schwachen form der adjectiva bei
ihren bezeichnungen bewog. dieselbe bemerkung gilt auch für
paradies, biinmel und himmelreich: 93 M he pä mwran gesceaft
e^ehUuSolas ef't gesette. — 217 of päm nivan neorxna vange. —
410 on pan gödan rice. — 476. 737 on pone heun heofon. —
512 on päm hehstan heofna rice. — 950 /äY nuere lif. — aufser-
dem 260 igod) pe site^ on päm hälgan slöle. von dem artikel
war früher die rede, noch einmal so der thron Satans: 300
vearp hine of pan heän slöle. — dann haben wir wider 1983
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 361
sang se vanna fugel umler deore^sceaftum deävigfe^era, den rabeu,
in einer ganz dem heldenepos entlehnten sehr lebendigen kanipfes-
schilderung. daneben der christlichen anschauung entsprechend
1460 gevät se vilda fugel, die schnellfliegende taube, die aus der
arche Noah entsendet wurde. — 1815 dö pät bröhßred Cimanea
vear^ cynne getenge, hmiger se hearda, der wolbekannte gefürch-
tete feind, mit dem artikel der engern demonstration wie auch
1460. — die arche Noah 1489 Gevit üt of earce and — of päm
heän hofe hivan lad pu. — ebenso heifst es von Lots hause 2456
heton Uedan üt of päm hedn hofe hdlige ciras. — über den artikel
in dem ausdruck 256 gelk väs he päm leöhtum steorrum ward
schon früher gehandelt, er ist reines demonstrativpronomen :
jenen, die wir da sehen, das beiwort leoht entspricht den übrigen,
diesem vollständig parallel ist der ausdruck 1401 nym^e heä (die
arche) väs ähafen an pä hedn lyft.
bis hierher ist überall die gleicliartigkeit mit allen aus Beo-
vulf beigebrachten und überhaupt den stellen , in denen die
schwache form des adj. verwendet ist, sofort erkennbar oder mit
einem kurzen hinweis kenntlich zu machen, in den folgenden
dagegen ist es anders, hier scheint es einfach die kraft des ar-
tikels zu sein, der in seiner gewöhnlichen demonstrativen bedeu-
tung gesetzt das folgende adjectiv in schwacher form zu sich
nahm ohne rücksicht auf die sonstige zuläfsigkeit derselben, so
heifst es 685 heö — s^eön hine ealne däg on pä dimman dasd,
pät hie drihtnes heora villan brtrcon, nämlich Eva dem Adam, dafs
er den apfcl äfse. es betrifft also den ersten sündenfall, ein in
der biblischen geschichte hochwichtiges eräugnis, aber es scheint
doch, dafs der folgende dafs-satz erst den artikel hervorgeriifen,
dem sich dann ohne weiteres das schwache dimman anschlofs,
ebenso 2854 von einer nur ein einziges mal erwähnten ortlich-
keit: si^hin pn gestigest stedpe dune, hrincg päs heän landes, pe
ic pe heonon gettcce, gleichfalls mit folgendem rclativsalz. — so-
dann 572 he pone läQan strt^ yfel andvyrde änforkeleb on hreöst-
cöfan, heifst einfach: er wird nicht streiten und den widerstand
aufgeben, hier hat nicht einmal der artikel einen rechten sinn,
er müste denn auf folgendes hinweisen, nämlich auf das den stri^
erklärende yfel andvyrde. oder hat ihn etwa gar die um ihrer
selbst willen gesetzte schwache form läban hervorgerufen ? —
697 ein ähnlicher ausdruck: pät hie godes yrre habban sceoldon
362 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
and hellgefwmg, pone nearvan ni6 niede onfön mit der deutlich
sichtbaren engeren hinweisung des artikels. — ebenso 689 väs
se feönd (Satans böte) füll neäk, pe on pd frecnan fyrd gefaran
häfde (zu Eva). — etwas unklar ist 640 pät vord dcväii vnldres
aldor, pät pät mich mor^ menn ne porfton polian, soll wol heifsen,
dafs sie nicht zu gründe gehen sollten, derselbe ausdruck mit
demselben sinn noch einmal 691 (der böte) leöde hogode on pät
mich mor^ men forveorpan. — 1700 him. on laste hi stiWc stän-
torr and seö stedpe burh stod, der babylonische türm, doch möchte
man eher fast geneigt sein die stedpe hnrh gleichzusetzen etwa
dem heorh pone kenn, se hearda heim, oder was die in der bedeu-
tuug liegende geltung anbelangt oben der arche, sodafs diese aus-
nähme entfiele, endlich 841 togengdon gnorngende on pone grenan
veald, der eben genannt ist und 1283 on pa;re töveardan tlde.
Die zahl dieser stellen ist zu der der gesammtheit gehalten
eine verhältnismäfsig geringe und liefse sich wie das bei einigen
eben schon angedeutet ist vielleicht noch verringern, doch will
ich selbst den schein vermeiden, durch künstliche Interpretation
die stellen einer erst zu suchenden erklärung gerecht zu machen,
auch können diese ausnahmen wol zu der behauptung führen,
dafs im dichter der Genesis das gefühl für die bedeutung der
schwachen form des adjectivs so weit wir sie bis jetzt kennen
nicht mehr so lebendig war wie auch der artikel an demonstra-
tiver kraft bei ihm verloren hatte, nicht aber vermögen sie das,
was aus den übrigen stellen des schw. adj. in Beövulf und Ge-
nesis gefolgert wurde, umzustofsen. ,
Dieses resultat aber war, dafs die schwache form des bei-
worts die function enthalten solle darauf hinzuweisen, dafs der
im danebenstehenden oder zu ergänzenden Substantiv enthaltene
begriff eine hervorragende Stellung im bewustsein des erzählers
einnehme und für ihn aus verschiedenen angeführten umständen
ein ganz besonderes Interesse habe, diese erklärung wurde vor-
wiegend aus einer betrachtung der substantiva gefunden, eine
widei'holte durchsieht aber aller der stellen mit besonderer beach-
tung der adjectiva sowie die wideraufsteigenden bedenken, was
eine solche hervorhebnng in dem zusammenhange, in dem sie
sich linden, denn solle bei Verbindungen wie se vonna hrefn, on
pd hedn lyft und ähnl. verglichen mit ausdrücken wie on pone
grman vald, pd hiteran rccas IVihrle zu einer neuen beobachtung,
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM ÄGS. 363
nämlich der, dafs in den eben genannten Verbindungen wie auch
anderen das beiwort eigenschaften bezeichne, die dem dabei stehen-
den Substantiv als ständig ihm innewohnende und zu seinem
Avesen gehörende zukommen, während bei vorübergehenden, zu-
fälWgen eigenschaften nur die starke form zur anwendung kommt,
von dieser beobachtung aus ist es aber nur ein schritt, um
nun auch für die andern aufgezählten stellen den gemeinsamen
erklärungsgrund der schwachen form zu finden, er bietet sich
von selbst dar und er lautet, dafs die schwache form auch sol-
chen beiwörtern gegeben wird, die eigenschaften enthalten, welche
als in'dem Substantiv liegende, ihm selbstverständlich zukommende
gewöhnlich betrachtet werden oder betrachtet werden sollen.
Mit diesen beiden bestimmungen läfst sich an sämmtlichen
aufgeführten stellen die schwache form des beiworts erklären,
bald ganz scharf mit der einen von beiden, bald mit der ersten
eben so gut wie mit der zweiten, wenn ein hekl oder fürst se
rica, Visa, mcera, snotera, göda usw. heifst, sei es mit oder ohne
danebenstehende su])stantivische bezeichnung desselben , so sind
das eigenschaften , die man als selbstverständlich ihm gebürende
annimmt oder die er zum teil in der regel auch würklich hat.
ferner die beiwörter gottes se hälga, ecea, älmihtiya sprechen in
seinem wesen Hegende eigenschaften aus. es bekommt nun einen
klaren sinn, wenn Grendel se grimma gcüst oder Satan und sein
böte se lä^a heifst. selbst gomela und geonga, obwol an und
für sich vorübergehende eigenschaften bezeichnend, werden durch
die erste bestimmung erklärt, wenn man nur erwägt, dafs Jugend
und alter lange genug dauern, um in den äugen der Umgebung
als zum wesen einer person gehörig betrachtet zu werden, ja
sie werden mitunter geradezu das characteristische einer person
wie des Nestor und der Helena, Hagens und Siegfrieds.
Es kann auf den ersten blick scheinen als seien jene beiden
bestimmungen ein par grofse topfe, in die sich alles werfen
liefse, mit deren hülfe man eine jede schwache form des adj.
verteidigen könne, aber dem ist nicht so. es liegt sogar auf
der band, dafs die Verwendung einer form mit dieser function
stets eine horvorhebung des gesammtausdrucks, in dem sie sich
lindet, bewürkcn mufs, mit einem worte, dafs sie emphatisch
ist. da wo die eigenschafl nur eine solche ist, die dem Sub-
stantiv nicht von nalur iuncwolint sondern nur als solche ihm
364 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
zukommend betrachtet werden soll, wie auch da, wo eine zum
weseu gehörige eigenschaft zur besonderen geltung kommt, da
können wir die schwache form am entsprechendsten durch ein
eingeschobenes 'so' widergeben, se läba boda ist 'der so böse
böte', pä biteran recas 'der so bittere rauch', da wo von den
quälen der unterweit die rede ist, und diese Übersetzung macht
den nachdruck sofort klar, zweimal linde ich sogar ein entspre-
chendes svc2 beim schwachen adj. in dem späten Byrhtnöd 319
ic me be healfe minum lila forde, be svu leöfan men licgcin ßence
und Andr. 1672 ne scealt pn pät eovde änforlcetan on svu niovan
gefeän. aber es ist übertlüfsig, ich komme noch einmal auf die
stellen, die schwache form mit dieser function der emphase ver-
laugt also zweierlei, einmal dafs die von ihr betroffenen Substan-
tive derselben würdig, dann dafs die adjectiva in ihrer bedeutung
derselben fähig sind, und gerade beides war es, was wir als das
gemeinsame bei den Substantiven sowol wie bei den adjectiven
fanden und von wo aus wir uns den weg bahnten, so wird
also zugleich das, Avas erst als Ursache erschien, jetzt zur folge,
wenn auch nicht in der ausdehnung und mit der ausschliefslich-
keit, die die bisherigen beispiele allerdings zur schau trugen,
bei alle dem darf aber nicht übersehen werden, dafs gerade in
dem umstand, dafs die beiwörter dem subst. innewohnende eigen-
schaften enthalten, gewisse adjectiva also mit gewissen Substan-
tiven in folge dessen häufig mit einander verbunden werden, die
gcfahr zu formelhafter erstarrung und zu demgemäfser Verwen-
dung auch wo der nachdruck nicht am platze war nahe lag. so
möchte ich es erklären, wenn Gen. 689 die Verbindung on pä
frectian fyrd von der reise, die Satans böte Eva zu verführen
unternimmt, gebraucht wird, während der ausdruck sonst vielleicht
für die kriegsfahrt geläufig war, oder wenn es von Lots hause
on päm heän hofe ähnlich heifst wie von Heorot. se vanna fngel
hat vielleicht einflufs auf se vilda fngel., ihe taube der arche. doch
ist das alles fraglich und weit reicht diese erstarrung noch durchaus
nicht, wenigstens in der Genesis nicht, avo wir das schwache adjectiv
noch in voller ausübung der nachgewiesenen function antreffen,
aber doch mag in dem besprochenen umstände einer der gründe
mit liegen, dafs das bewustsein für diese function im Sprachgefühl
allmählich mehr und mehr zurücktrat, in der prosa Alfreds ist sie
schon ganz geschwunden wie die lectüre nur weniger Zeilen zeigt.
DAS SCHWÄCHE ADJECTIV IM AGS. 365
ferner liegt es auf der band, dafs die anbringung einer
empbase, wie sie die schwacbe form zu bewürken im stände ist,
ganz im belieben des scbriftstellers stebt. es ist ein scbnuick der
rede, dessen bäufige Verwendung seiner würksamkeit ajjlnnicb tut.
daher bat es denn nirgend etwas auffälliges, wenn wir dieselben
Verbindungen von adjectiven mit Substantiven aucb mit starker
form des adjectivs antreffen, aber die anwendung bangt auch
von der individualität des dichters ab. nicht alles erscheint jedem
in gleicher weise der bervorbebung würdig, wenn Cicero de nat.
deor. I 3 mit dem gleichfalls emphatischen ille sagt: et princi'pes
Uli, Diodotus, Philo, Antiochus, Posidotiius, a quibus instituti sumus,
so weist er durch das Uli auf eine beriihmtbeit der männer bin,
die sie nur für ihn und seine leser, nicht aber für kreifse hatten,
die um philosophie sich nicht kümmerten, und so mag es sich
mit einzelnen der stellen verhalten, die ich bei denen der Genesis
oben als solche bezeichnen zu müfsen glaubte, in denen die
schwache form nur um des artikels willen gesetzt sei, es erhält
dies um so mehr Wahrscheinlichkeit wenn wir bedenken, dafs die
reichhaltigen geschichten des allen und neuen testaments noch
dazu neue und trotz der Verbreitung des Christentums bei den
Angelsachsen wol nur wenigen genauer bekannt waren, so dafs
bei der wähl des hervorzubebenden in hohem grade die neigung
entscheidend war, mit der der sinn dies oder jenes als ihm und
seiner individualität besonders ansprechend herausgegriffen hatte.
Es scheint übrigens, als ob die entdeckuug einer emphati-
schen function der schwachen form bereits früher einmal gemacht
oder doch vermutet wurde. Gramm, iv 509 zählt Grimm in der
ersten note die verschiedenen l)encnnungen, die für unsere beiden
declinationen zur anwendung gekommen sind, auf, und da heifst
es: 'widerum ist dafür abstract und concret (zuweilen emphatisch)
gebraucht.' wo aber diese benennung 'emphatisch' sich findet
und von wem sie aufgebracht ist, ist mir trotz alles suchens
nicht möglich gewesen zu entdecken, hat es aber in der a])siclit
des edinders jenes ausdruckes gelegen, mit ihm die grundbcdeu-
tung der schwachen form zu bezeichnen, und bei der gewöhn-
lichen annähme, dafs in der endung ein hinweisendes fürwort
verborgen liege, ist dies höchst wahrscheinlich, so kann ich dem
noch nicht zuslinnnen. eine emphatische Verwendung des schw.
adj. findet im ags. zwar entschieden statt, aber ob aus ihr jene
366 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
beiden verweudiingsarten die wir fanden herzuleiten sind oder ob
nicht viehnehr das gegenteil der fall ist, ja auch welche jener bei-
den hinweisungen der schw. form, gehen sie der ausbildung der
emphatischen bedeutung voraus, die frühere und ursprüngliche ist,
das läfst sich auf grundlage des ags. wol noch kaum entscheiden.
Die bisher über den gebrauch des schw. adj. zusammen-
getragenen stellen wurden dazu benutzt, eine erklärung für die
schw. form aus ihnen herzuleiten, nun da dieses ziel erreicht
ist, gilt es, an den zahlreichen noch übrigen stellen zu verfolgen,
ob sich das gefundene an ihnen bewährt, ob sich neue stützen
für dasselbe darbieten werden, sowie auch ob etwa schon in den
gedichten, die der Untersuchung zu gründe gelegt sind, ein zu-
rücktreten des bewustseins für die function der schw. form wahr-
zunehmen ist.
Es sind noch aus dem Andreas , Byrhtnöds tod sowie den
gedichten der Sachsenchronik diejenigen stellen nachzutragen, in
denen das schwache adj. in Verbindung mit artikel und subst.
erscheint, und es mag gleich an ihnen die prüfung vorgenommen
werden, da wo sich unter den früheren stellen parallelen finden,
bedarf es nicht der näheren darlegung. so haben wir denn für
gott wider einige Verbindungen im Andreas: 118 se hälga heim
älvihta, engla scyppend. — 225 geväi him fiä se hälga healdend
and vealdend npengla frnma. — 168 pcer se hälga ver in Achm'a
Andreas väs. — 1173 pone hälgan ver. — 1397 grim väs se hälga
ver sdre gesvungen. himmel und himmelreich : 1 18 gevät (hs. ge.
Grein gevdt) him se hdlga heim — tö päm upUcan ebelrice. diese
und ähnliche Verbindungen für den himmel sind nach Grein unter
npUc sehr häufig, emphatisch ist der ausdruck kaum, die eigen-
schaft des npUc kommt dem himmel an und für sich zu. anders
dagegen ist es 227 gevät him secan — pone tmerau kam, pcer.
— 980 gevät him pä se hälga heofonas secan — pone dccnan
häm euhnedum npp. — 1685 to päm hälgan häm heofona r/ces.
— Volk, land und Stadt der Mermedonier: 40 pä väs Matheus
tö pivre nupran hijrig cnmen in pä ceastre. — ebenso sagt An-
(h'cas 287 tö pwre mceran byrig, und gott 975 m Jtysse m/vran
hyrig. — 1508 on pis frdte folc, — berechtigt ist auch die
schwache form, da von einer bcsliminten sladt die rede ist, die
ilu-e läge für immer behält, in dem ausdruck 1651 in pwre byrhtan
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 367
hyrig, aber hinzukommt, dafs das epilheton hyrhta ein häufig bei
diesem subst. erscheinendes gewesen sein mag, vgl. zb. Beöv. 1199;
und ganz von dem artikel (resp. demonstrativpron,», höchstens
noch durch eine emphase der Verachtung, bedingt ist die schw.
form 111 in päs hcv^enan bürg und 1493 in pwre Juv^enan
hyrig. — ganz klar ist die schw. form wider 1 297 pü par älfjvde
se atola gast, vriiQ vcerloga, der teufel. — 1439 pum myclan (läge
d. i. der jüngste tag, und es heifst da weiter pät pät geveor^eb,
pät peös vlilige gesceaft, heofon and eorbe hreösab tögadore. —
ferner 67 nn /)nrh geoliba sceal dcede fremman svd pä dumban
nedt, wie die unverständigen tiere. — 796 het pä np ustandan
of sl(epe pwm fästan. — 1272 pä com häleba pjreät tö pcere dim-
man ding, rein emphatisch. — 1464 on piere deorcan niht. —
auch ein vogel kommt wider 371 hornßsc plegode, gläd geond
görsecg and se grcega mwv, der wolbekannte Sturmvogel. — etwas
dunkel ist der ausdruck 643 gästas hveorfon, söhton si6frome
svegles dreämas , engla ehel /mrh pä cibelan miht. — eine nicht
seltene Verbindung die auch alliteriert wie oben dimman ding
und dieser wendung auch sonst gleichartig ist, hier aber wider
eine christliche beziehung enthält ist 598 pnrh läre speön tö päm
fägeran gefedn, pcer freö moton eddige mid englum eard veardigan.
— verwandter art sind 1244 väs pät äbele mud (des Andreas)
äsundrad fram synnum, 1337 hine god forstöd slalSnlfiht steörend
pnrh his strangan miht, 1478 i)üs eft svä cur pnrh pä dbelan miht
lof hi'dende. — 1162 on pä bitran ttd ist rein emphatisch, auch
559 pät pä ärlmsan invidpancnm Judca cynn. 1310 in pät dinime
räced, das gefängnis. 763 veorud hiosnode geond pät side sei (der
tempel, in dem Jesus predigt). 767 PMt se sci/na stdn madde for
mannum, der stein, den Jesus reden und verkünden läfst, dafs
er der heiland sei.
mehreres ist hierzu zu bemerken, wir haben oben bereits
gesehen, wie Andreas in der freiheit im gebrauch des artikels
viel weiter geht wie die Genesis und in noch höherem grade wie
der Be6vulf. dazu liefern die eben aufgezählten stellen wider
mehrfache belege, und zwar sind es stellen, in denen der artikel
mit seiner demonstration über das gedieht hinaus geht (wie 67.
643. 796. 1162. 1439. 1478). im Bc6vulf würde hier wol idierall
der artikel weggelafsen sein, zumal da die schwache form dabei
steht, dies klingt auffallend, da ja beide, artikel und schwache
368 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
tonn eng mit einander verwachsen zu sein scheinen, aber fafsen
wir ihre bedeutiingen ins äuge, so haben sie doch nur sehr wenig
mit einander gemein, sehen wir uns nun jene stellen im Beövulf
wider an und vergleichen wir den artikel im allgemeinen damit,
so ist nicht nur die Zurückhaltung im gebrauch dieses im Beövulf
eine grofse, sondern er liebt ihn auch besonders nicht bei un-
persönlichen Substantiven vor dem schwachen adjeetiv, wie dies
noch weiter gleich die zahlreichen stellen ergeben werden, in
denen das schwache adjeetiv allein beim Substantiv steht, woher
kommt dies ? ich glaube es hat damit folgende bewandtnis. artikel
und schwache form, obgleich sonst wie eben bemerkt in ihren
functiouen ganz verschieden, haben doch einen punkt, in dem
sie sich berühren, die weitere demonstration des artikels trifft
wie wir sahen fast ausschliefslich gegenstände, die in folge der
rolle, die sie in sitte und leben spielen, für die anschauungsweise
des damahgen publicums von ganz besonderem Interesse sind,
und grade das sind auch die eigenschaften, die von den gegen-
ständen verlangt werden, denen die auszeichnung der schwachen
form zu teil werden soll, so enthalten beide formen eine gleiche
art von demonstration, die, werden beide formen neben einander
gesetzt, doppelt ausgedrückt ist. und dies wollte der dichter des
Beövulf, in dem das gefühl für die bedeutung beider formen noch
mächtiger war als bei den verfafsern der andern gedichte, vermei-
den, daher linden wir bei ihm viel häufiger nur eine von beiden
formen verwendet als beide neben einander.
Es sind noch aus Byrhtnöds tod die wenigen stellen aufzu-
zählen. 86 ongunnon lytegian pd lä^e gijstas (die feinde). — 150
pät se (daro^) tö for^ gevdt purh pone cibelan Äbelraedes J)egen.
— 155 Vulf Staues hearn, Vulfm/er se geonga. — 218 väs min
ealda fdder Ealhelm hdlen. — 273 on orde stöd Eädveard se langa.
— 240 pd he on meare räd, on vlancan püm vicge, auf dem pferde
Byrhtnöds, das ein anderer, Godric, bestiegen hatte. — der
artikel hat nirgend etwas auffälliges, ebenso auch nicht die
schwache form.
Sachsenchronik: Atheist. 16 ö9 pdt siö cibele gesceaft sah
tö seile, die sonne, die widerholt vorher genannt ist. vgl. Andr.
1440. Gen. 93. — 61 die mehrmals erwähnte stelle, die ich
ganz hersetze: lelon him hehindan hrd hryttian
salovigpddan and pone svearlan hrefn,
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 369
hyrnednebban and pone hasiipudan
earn äftan hvit ceses brncan,
gra'digne yuNiafoc, and pät grcege deör
vnlf on vealde.
Eädgär 3 on pcere ealdan byrig Acemannes ceastre. — 6
pcer väs blyss micel on pCim eddegan däge eallum. gevorden, der
tag an dem Eadgär küiiig ward. — 23 and Jns vdce forlet lif,
pis Iwne. wir werden dieser verl)iüdung noch mehrmals begegnen.
— 2S se geonga gevdt on pone eahto^an dag Eadgär of Itfe. —
3-1 biscop se goda, pdm väs Cyneveard nama. — lod Alfreds
8 to pan leöfan gode. — Eädveard 24 Eddveard se ä^ela. —
26 o9 f)ät becom deab se bitera. — auch hex diesen stellen ist
jede bemerkung üiierflüfsig.
Wir sind nun bis zu der ausdrucksweise gelangt, die bei
der lectüre des Beovulf zuerst die Vermutung, erweckte, dafs das
setzen der schwachen form nicht von der blofsen willkür ab-
hänge, sondern dafs ein gesetz bei ihrer anwendung befolgt werde,
es sind dies die stellen, in denen das schwache adj. neben dem
subst. ohne artikel erscheint, dieses auftreten der schw. form
ohne artikel hat nun nichts auffallendes mehr, jede form hat
ihr eigenes gebiet, treffen sie zusammen, so mül'sen die be-
dingungen für beide vorhanden sein, es mufs da, wo neben der
schw. form ein artikel auftritt, sich für diesen eine demonstration
nachweisen lafsen. ein solciies zusammentrelfcn aber ist, obwol
der möglichkeiteu für dasselbe sehr viele sind, doch immer das
minder gewöhnliche, und daher J)egegnet es denn auch im Be6v.,
dafs die zahl der stellen, in denen das schw. allein erscheint viel
grofser ist als die, in denen es den artikel neben sich hat.
lafsen wir nun die stellen ins äuge, wir beginnen wider mit
den personen, es sind wider die hervorragendsten, die demon-
stration des artikels wäre also am orte gewesen. 1400 visa
fengel geatoUc gende (Hrö^gdr). — 132 syft^an hie [)äs Id^an
last scedvedon, vergan gusles {Grendel). — 1792 volde blonden-
feax beddes neösan, gamela Scylding [Ilrö^gar). — 2487 gomela
Scylfing (Ongenpeöv). derselbe 2968 gomela Scylßny. — 1146
Svylce ferli^frecan Fin eft begeat sveordbealo. — 1871 gecyste pd
— peöden Scyldinga pegn betstan (Beövulf). — 2155 Jlru^gär —
snolra fengel. — 2123 p(er väs Äschere frödan fyrnvitan feorh
370 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
ubgenge. — 2625 pd väs forma s?9 geongan cempan (Vigldf), —
an 1111(1 für sich ist es auch nicht ohne hedeutung, ob die stellen
mit dem schw. adj. sich in der eigentlichen erzählung linden
oder in eingestreuten reden , dh. ob der dichter ihre hervor-
hebung als aus seiner anschauung herrührend ausspricht oder ob
er sie als einen ausdruck der redenden person hinstellt, so ge-
' hören zb. die worte 2133 einer rede Beövulfs an, der den tod
seines dienstmannen Äschere beklagt. fiU' die Zusammenstellung
der beispiele ist dieser unterschied jedoch nicht von belang, da
die demonstration in den reden immer solche gegenstände und
personen trifft, die auch aufserhalb der reden die fähigkeit der-
selben besitzen.
mit dem artikel war gott im Beövulf nur einmal eingeführt
worden, mit der schwachen form des beiworts erscheint er öfter,
auch das erklärt sich nun von selbst, wir haben 1398 gode
pancode, mihtigan drihtne. — 1779 päs sig metode panc, ecean
dryhtne. — 2330 pät he vealdende ofer ealde riht ecean dryhtne
bitre gebulge. — dazu von dem bösen dement, dem diabolus, wie
die glossare geben: 1747 htm bebeorgan ne con vom vundor-
bebodwn vergun gästes. die stelle gehört natürlich wider dem
interpolator B an. — von Heorot heifst es 116 gevdt pä neösian
hedn huses. — 167 Heorot eardodej sincfdge sei. — 1177 Heorot
is gefalsod, beähsele beorhta. — der rabe 1801 o8 pät hrefn
blaca heofenes vynne bli^heort bodode, hier aber in einer andern
beziehung; es ist nicht der rabe der walstätte, darum fehlt der
artikel. diese widerkehr der schwachen form beim raben aber
spricht das Vorhandensein des bewustseins von seiner einstigen
hedeutung unter den mythologischen tieren deutlich aus.
der hierher gehörenden ausdrücke, die sich auf den kämpf
beziehen, waffen, rüstungsgegenstände usw. bezeichnen, ist eine
sehr grofse menge, wie dies zu erwarten war, da an ihnen ja
sogar die weitere demonstration des artikels vorwiegend stattfand.
Waffen: B. 1243 setton him tö heäfdum hilderandas^ bordvndu
beorhtan; pa'r on bence väs ofer ähelmge 0-gesene hea^osteäpa
heim, hringed byrne. — 1553 nemne him hea^obyrne helpe gefre-
mede , herenet hearde. — 1435 pät him on aldre stöd herestncl
hearda. — dazu 1919 das schiff Beövulfs: vndu vynsuman. —
auch von den instrumentalen gehört der gröste teil hierher.
561 ic htm ftenode deöran sveorde. — 1746 ponne bi^ on hreh^e
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 371
drepm hiteran stnde. — 244Ü and his imeg of'scet, brö^or ö^enie
blödigan gäre. — 2492 ic htm pä mä^mas geald ät guie leöhtan
sveorde. — unter den sonst auf den kämpf l)eziiglichen finden
sich unter ihnen die plurale: 963 ic Imie heardan clmmmim vri^an
pohle. — 1502 gühinc gefeng atolan clommnm. — 1505 pät heö
/)one fyrd-hom Jmrhfon ne mihte — Id^an ßngrnm. — 1542
kandkdn forgeald grimman grdpum. — 2692 heals ealne ymbefeng
hiteran bdnnm, — der schwache instrum. phu'al, der sich nur
noch findet 2392 uferan dögrum, 3035 icrrun mcelum, heweist
an sich schon das altertümhche und formelhafte der verhindungen.
— ferner 849 ^9a gesving hätan heolfre, heorudreöre veöl. —
1423 ßöd blöde veöl, hätan heolfre. — 1503 nö py (er ingescöd
hdlau Uce. — 2347 pät he pone vidßogan veorode gesöhte, sidan
herge. — aufser den instrumentalen: 1343 se pe dfter sincgyfan
on sefan greöte^ hre^erbealo hearde. — 1846 pät pe gär nimeb,
hild heorugr imune. — 2474 pd väs synn and sacu . . . hereni^
hearda. — 2849 on hyra mandryhtnes miclan pearfe, kampfes-
not. — auch 2890 s«/9örtw ä^elingas feorran gefricgean ßedm
eöveriie, dömleäsan dced. — wie hei einzelnen personen ist die
emphase auch in folgenden Verbindungen am orte: 1729 hvtlum
he on lufan hete^ hveorfan monnes modgeponc mwran cynnes. —
2234 a^elan cynnes. — 2008 se pe lengest leofah laban cynnes
f'cer-bif'ongen (Grendels geschlecht). — 1859 penden ic vealde
vtdan rices. — 1733 gede^ him svä gevealdene vorolde dielas, side
rice. — «2199 o^runi svibor (väs) side rice päm pcer siilra väs. —
2207 Syb^an Beövulfe brdde rice on hand gehvearf. — solche Ver-
bindungen bieten sich ganz von selbst dar. das beiwort läfst die
macht des herschers als eine höhere erscheinen und verträgt eine
Steigerung, wie sie die schwache form bietet, sehr oft gar wol. es
sind das wider spuren der formelhaften festsetzung der schwachen
form, so dafs sie auch erscheint, wo sie weniger am platze ist, wie
zb. in der dem interpolator B angehorigen stelle 1733. — weiter
eine altertümliche Wendung 2330 pät he vealdende ofer ealde riht
bitre gebulge, hier aber ist sie vom interpolator B wol auf die christ-
lichen geböte übertragen, wir hatten ja schon mehrere stellen,
wo er das sonst vom national-heidnischen gebräuchliche für die
neuen und fremden christlichen hegrille verwendet. — B. 2182
ac he mancynnes mäste cräfte \ ginfästan gife, ße him god sealde,
I heöld hildedeör. das ist der bort der könii^e. derselbe vers
372 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
fand sich schon einmal 2182 von demselben verfafser (Interpol.
B), doch mit dem starken ginfäste. — eine parallele zu Audr.
1439 OH pdm miclan (läge ist 978 p(Br dbidan sceal maga mäne
fäh miclaii dömes, denn auch hier ist vom jüngsten §ericht die
rede. — eine formelhaft feste Verbindung, zugleich bezeichnend
für die lebensanschauung der Angelsachsen, die durch die em-
phase noch mehr hervortritt, ist 2845 häfde ende gefered Icenan
Iffes, — B. 1622 oßet lifdagas and pdshcnan gesceaft. — ebenso
in der Genesis, was gleicli hier mit aufgezählt werden mag:
1211 of pyssum Icenan Vife feran. — Exodus 268 fyrst is ät
ende Icenan llfes. — Phönix 456 laman lif'es leahtras dväsceb usw.
siehe Grein, die Verbindung mag durch die vorwiegend den
blick immer auf das jenseits richtende christliche anschauung
zu besonders häufiger Verwendung gekommen und fest geworden
sein, aber die anschauung entspricht auch ganz dem alten Ger-
manentum, das hier auf erden noch viel zu wenig kämpf fand
und sich auf Walhalla freute, da ist fiät mcere lif Gen. 950. —
parallelen zu pone grenan veald sind B. 1093 sincgestreönnm ficttcm
goldes. — 1695 svä väs on pcpm scennum sciran goldes — ge-
mearcod. — dazu Gen. 2731 einer der wenigen schwachen in-
strumentale: ac hini liygeteönan hvitan seolfre deöre bete. —
Daniel 59 reddan golde. — Beöv. 83 heoQovylma hdd lahan liges,
mit rein emphatischem epitheton. dagegen dem begriff entnommen :
3115 nu sceal gled fretan veaxan vonna leg. — Gen. 1926 god
vylme gesealde Sodoman and Gomorran, svearlcm lige. -r 2505
hellt Sodoma and Gomorra sveartan l/ge fyre gesyllcm. — wider
instrumentale 2857 and ponne sveartan lige leöfes lic forbärnan.
— 1379 peahle mänfcßMu bearn middangeardes vonnan vccge. —
ferner Beöv. 1405 gegnum för ofer myrcan mor. — 1136
vuldortorhtan veder. — 2408 sceolde hedn Juinon vong visian. —
873 ongcm on sped vrecan spei gerade. — ein Superlativ 2817
p(it väs pdm gomelan gingeste vord breöstgehygdum. — es sind
jetzt nur noch einige instrumentale übrig, ich verzeichne einst-
weilen nur die stellen, es sind 141 väs gesägd söNice sveotolan
tdcne healpegnes hete. — 1104 gyf fwnne Frisna hvylc frecnan
sprcL'ce päs mor^orhetes myndgiend vcure. — 2290 he tö forb
gestop dyrnan cräfte. — 2482 peäh [)e ööer {hü) his ealdre gehöhte,
heardan cecipe. — 2511 spräc niehstan silSe und der nur schwache
superl. 907. 2237. 2517 hindemun side und widerholt 1749. 2594
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 373
niovan stefne. in diesem letzten ausdrucke wird niemand eine
der ausgeführten beziehungeu der schwachen form erkennen
wollen, wenn JGrimm daher zu Andr. 56 sagt '■hdlgan stefne
Andr. S73. 1393. 1456. C. 194, 8; in solchen inslrumentalphraseu
wird die schwache form des adj. ohne vorstehenden artikel ge-
braucht' und nun noch eine reihe l)elege dafür bringt, worunter
auch nican stefne, so dürfen wir das nicht so verstehen, als
läge in der schwachen form die Ursache dieser Verwendung, wie
dies von ihm vielleicht angenommen wurde, wol aber kann die
aus dem character der Verbindungen sich ergebende und wider-
holt hervorgehobene neigung zu formelhafter Verwendung von
einigem cinflufs auf die herausbildung solcher instrumentalphrasen
gewesen sein, bestinnuter dagegen ist dies wol der fall bei den
ausdrücken Beöv. 933 tö vidan feore und 2014 vtdan feorh, wozu
auch gerechnet werden kann Gen. 1283 oh pcere töveardan tide,
hinsichtlich derer JGrimm zu Andr. 106 bemerkt 'i6 vidan feore
Andr. 810. 1452. El. 211. 1321. Beöv. 1860 (Grimm zählt nach
halbversen, es ist nach Grein 933), adverbiale redensart: longo
tempore, gleichviel mit tö vidan alhe. Andr. 938. 1721. auch der
blofse acc. steht so vidan feorh Andr. 1383. Beöv. 4024 (Grein
2014); vidan ferlih El. 800.'
Es fehlen nur noch einige Superlative, die ich an einer andern
stelle besonders besprechen werde, ich stelle nun die entsprechen-
den beispiele aus der Genesis zusammen , von denen ich jedoch
einige des parallelismus wegen beim Beövulf vorweg genonnnen
habe, es bleiben also, auch im Verhältnis zu jenem gedieht, nur
wenige, da ja die gesammtzahl nur 25 beträgt, das auffallende
ist zunächst, dafs für die personen alle entsprechenden stellen
fehlen, es ist da überall der artikel hinzugetreten, dasselbe ist
auch im Andreas und den andern gedichten geschehen, es ist
also dieser sprachgeJjrauch, da auch im Beöv. nur (He minderzahl
der derartigen stellen ohne artikel auftrat, vollstiUidig durchge-
drungen, nur gott macht noch eine ausnähme, denn wir lesen
Gen. 7 ne nu ende cynib ecean drihtnes. — 1885 pcer se eddga
eft ecan drihtnes noman veor^ade. — 300 vear^ se mihtiga geholgen,
hehsta heofones valdend. andere Superlative kommen später be-
sonders, eine reihe von stellen hat libcrall ihre parallele im
Beövulf: wallen und kämpf: Gen. 2865 hine gyrde gra'gan sveorde.
— 2055 put hie on tvü healfe grimme gühgemot gystum eövdon,
Z. f. D. A. neue foke IV. 25
374 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
heardan hamiplegan. — ferner 1599 pä nyttade Noe sMan rkes
300 vintra pisses l/fes. — 1790 pis is seö eor^e . . . rume vice. —
2209 svd Nilus sceäde(i and eft vendeb ste vide rice. vgl. dazu die
bemerkung zu der entsprechenden stelle Beöv. 1733. — 2548
vear^ — cirm drledsra cvealmes on öre hi^an cynnes. — 2S98
pät he on hröfe gestöd hedn landes. — instrumentalphrasen:
1484 sprdc hdlgan reorde fgott). — 2296 svu se liälga bebedd
gledvan sprivce. — 1555. 1&&6 nivan stefne. — 1015 tö vtdan
aldre. — der himmel: 27 vuldorfdstan vlc. — 97 hu he pä
mceran gesceaft e^elsta^olas eft geselle, svegellorhlan seid. —
auch in folgenden stellen ist das emphatische deutlich fühlbar:
1877 pal hie lö Bethlem on c«9e vk cedpas livddon. — 131 leöht
vds cerest dag genemned, vlüebeorhte gesceaft. — 2714 forpon ic
pegnum plnum di/rnde sö^an spr(ece, pal. — 1627 pd se rinc
dgeaf eor^cunde eäd, sohle oSer lif, fdderne hre^er. — 1837 pu
htm faste hei so^an sprwce. endlich 1803 veallsledpan hleohi.
man lese die stelle im Zusammenhang; sehr häufig wird aus
diesem das emphatische erst fühlbar, ich muste mich begnügen
die stellen wenigstens mit ihrer nächsten grammatischen Umgebung
herzusetzen, um doch einigermafsen die bedeutung der schw. form
sofort erkennbar zu machen, sehr oft genügt das aber nicht,
während ein weitergreifen übermäfsigen räum beansprucht hätte.
<lafs auch einzelne stellen als ausnahmen erscheinen werden, ist
selbstverständlich, es ist das Schicksal aller regeln, aber es darf
dabei nicht vergefsen werden, dafs gerade solche feinen hervor-
hebuugen und beziehiingen, wie sie die schwache form ausdrücken
soll, bei einer durch so viele Jahrhunderte von uns getrennten
und trotz der nationalen Verwandtschaft doch von einem ganz
andern geiste getragenen spräche, nachzuempfinden aufserordent-
lich schwer ist , schwerer wie es uns etwa wird , die feinen
nüancierungen des sinnes in den schriftlichen denkmälern des
griechischen geistes herauszufühlen.
Der aus Andreas nachzutragenden stellen sind wenige, nur
sieben aufser den instrumentalen, nämlich 131 pä pe on carcerne
clommnm fasle hleoledsan vic hvHe vnnedon. — 721 fore onsyne
ecau dryhlnes standa^ sli^fe)Me. — 1267 bliMeorl vnnode eoii
in prednednm vinlercealdan niht. — 1307 u^ pul snnne gevdt
tö sete glidan nnder niflan nds. — 1672 Ne scealt [m pät eovde
änforhi'lan on svä niovan gefedn. — 1695 ebenso lö fdgeran
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 375
gefedn (cf. 598 derselbe ausdruck mit dem artikelj. — 1385 pu
scealt vidau feorh ecan pine ynnht. dieser letztere ausdruck eut-
spricht schou mehr dem adverbialen tö vidan feore, das sich auch
im Andreas findet v. 106. 811. 1454, neben tö vhlan aldre 940.
1723. — auch die instrumentale sind derselben art wie in den
andern gedichten, nämlich 56 hdlgan stefne, desgl. 537. 875. 1401.
1458. — 60 sdrgan reorde. — 61 geömran stefne. — 96 heorhlnn
stefne. — 123. 1305 nivan stefne. — 1362 hlndan stefne. —
1243. 1279 hdtan heolfre. — ein plural 1214 cealdan clornmum.
(daneben aber auch 1337 gifrum gräpum). — 552 and hine
geongne geofum vyr^odest, vlsan gevitte and vordcvidnm. — 1543
se pä burh oferhrägd hldmn lige, hutan hea^ovälme.
Aus Byrhtnöds tod sind nur zwei beispiele. der artikel hat
sich noch enger an diese Verbindung angeschlolsen. wo er eine
schwache form findet, da tritt er zu ihr, indem er dadurch zu-
gleich die schwache form immer mehr um ihre bisherige Sonder-
stellung bringt und das bewustsein für ihre eigene bedeutung
verdrängt, deutlich scheint dies hervorzugehen aus dem bereits
früher erwähnten svä, mit dem der dichter die in der schwachen
form liegende emphase noch besonders ausdrücken zu müfsen
meinte, die stelle lautete 319 ac ic me he healfe minum hlä-
forde he svd leöfan men Hegau pence. — die zweite stelle ist 125
hvd pmr mid orde arost mihte on ffvgean men feorh gevinnan.
die Verbindung ist vielleicht eine altertümlich feste und ist so
hier zur Verwendung -gekommen.
In den gedichten der Sachsenchronik fanden sich gleichfalls
zwei auch schon besprochene stellen. Atheist. 46 eald invidda
ist wol Substantiv und nicht adj. wie Grein will. — Eädmund 4
Hvitan vylles hat wol die geltung eines eigennamen, ist also gleich-
falls eine alte Verbindung und, wie Grein richtig tut, grofs zu
schreiben.
Die Untersuchung ist hiermit in ihren hauptteilcu beendet,
die schwache form hat jedoch noch eine reihe von Verwendungen,
hinsichtlich derer erforscht werden nuifs, in wie weit sie mit dem
sonstigen dargelegten gebrauch derselben übereinstimmen, ob sich
das gefundene princip in ihnen weiter bestätigt oder ob schon
auf dem gebiete des ags. sich Widersprüche gegen dasselbe er-
heben.
25*
376 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
Wenden wir uns zunächst noch einmal zum inslrumentaUs,
dessen sämmtUche schwach tlectierende beispiele Ijereits aufgezählt
sind, nur die Genesis kennt neben diesen noch einen ausge-
dehnten gebrauch auch der starken form, in den andern ge-
dichten dient aufser dem schwachen instr. der dativ mit und ohne
die präpos. mid zur widergabe der instrumentalen bedeutung,
so dafs also dort ein unumgänglicher zwang zur schwachen aus
niaugel einer starken nicht vorhanden ist. beispiele wie beide
formen neben einander verwendet werden galj ich ol)en auf s. 328.
es fragt sich also, ob dieser ausweg da, wo die schwache form
ihrer bedeutung gemäfs nicht angemefsen schien , überall ein-
geschlagen wurde, und die antwort lautet, wie wir dies vor kur-
zem sahen, dafs dies wol in den meisten fällen aber nicht durch-
weg geschehen sei. bei den dem kampfesleben entnommeneu
ausdrücken wie dem heardan clammum und den ähnlichen Wen-
dungen Beöv. 963. 1502. 1505. 1542. 2692. Andr. 1214, bei
Waffen Beov. 561. 1746. 2440. 2492. Gen. 2S65, dem hdtan heolfre
Beöv. S49. 1423. Andr. 1243. 1279, und den ähnlichen Beöv.
2347 sidxüi herge. 2482 heardan cedpe. Gen. 2731 hvitan seolfre.
2857. 2505. sveartan Jige. Andr. 1543 bldcan lige, hdtan hea?)0-
välme, auch Beöv. 141 sveotolan täcne. 2290 dyrnan crüfte, bei
allen diesen kann, wenn man jede stelle für sich betrachtet, wol
behauptet werden, dafs eine der beiden ])eziehungen statt tindet,
entweder ist der ausdruck emphatisch oder das beiwort ist dem
wesen des Substantivs entnommen, wobei eine emphatische Stei-
gerung auch noch stattfinden kann, alier die regelmäfsige wider-
kehr solcher Verbindungen wie der zuerst genannten heardan clam-
mum usw., die zugleich mit nur zwei ausnahmen von stets
schwach flectierenden comparativen (Beöv. 2392. 3055) die ein-
zigen beispiele des schwachen instrum. pluralis sind, ferner des
kutan heolfre weisen, wie dies auch schon ausgesprochen wurde,
doch darauf hin , dafs hier mehr ein formelhafter gebrauch der
schwachen form vorliegt als eine bewuste anbringuug der ihr
innewohnenden demonstration. und offenbar ist dies wie wir
sahen der fall liei dem sehr häufigen niovan stefne. hier ist in
dem schwachen adjecliv gar keine von den eigenschafteu zu ent-
decken, die es doch sonst hat; es ist darum wol gestattet in der
einen noch ül)rigen häufigen Verwendung in Verbindungen w ie
Beöv. 1104 fre'cnan sprwce, ferner Gen. 1184. 2296. Andr. 56. 60.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 377
61. 96. 1362 gleichfalls die der hervorhebuiig enlbehrende wider-
kehr einer geläufigen Verbindung als eine ihrer bedeutung be-
Avuste anwendung der schwachen form anzunehmen , obwol die
Verbindungen an und für sich die moglichkeit einer emphase in
sich tragen.
Der Vocativ. über diesen sagt Grimm Gramm, iv 559 'der
attril)utive vocativ, obgleich den artikel meist von sich abhallend,
ist organischer weise nur der schwachen form fähig, seiner
artikellosigkeit halber sollte man ihm gerade starke form zuer-
kennen ? das wäre fehl gegriffen, er ist von natur bestimmt,
seine individuelle begrenzung braucht nicht erst hervorgehoben
zu w erden ; wo sich die anrede an einen wendet, da hat sie ihn
deutlich vor äugen als gegenAvärtigen. das durch den art. ein-
geführte subj. kann nicht näher treten als das angeredete, die
dem articulierten adj. zusagende schw. flexion sagt ihm auf gleiche
weise zu.' die herleitung der schwachen form beim vocativ aus
der emphatischen bedeutung derselljen hat jedoch nicht gröfsere
Schwierigkeit als die aus dem vermögen der individualisierenden
begrenzung. der vocativ ist an und für sich eine form, die dem
ganzen gedanken, in dem er enthalten ist, einen nachdruck ver-
leiht oder einen solchen voraussetzt, diesen noch besonders
durcli die schwache form eines beigesetzten adjectivs zu verstärken
liegt sehr nahe, aber die Verstärkung ist nicht notwendig, daher
ist es auch erklärlich, wenn sich die starke form, was jedoch
nicht der fall ist im gol. (Gramm, iv 559), gleichfalls im vocativ
findet, schwache vocalive haben wir im BeövuU" 948 secg hctsta.
1216 Brnc ßisses beäges, Beövulf leöfa,
kyse mid Jude.
nicht erklärlich ist mir die Heynesche interpunctioii Beövulf, leö-
fa I hyse, mid hade. — 1483 Hrö^gdr leöfa. — 1758 Beövulf
leöfa, secg hetsta. — 2745 Vlglaf leöfa. — 1854. 1987. 2663
leöfa Beövulf. — 1474 se nucra niaga Healfdenes, snoilra fengel.
— starke 1384 snotor guma. 1761 mxcre cempa. — in der Ge-
nesis scliwach 1916. 2304 leöfa. — mit snlist. 2144. 270S [>eö-
den mara. — 2252. 2396. 2913 Abraham leöfa. — sogar mit
dem artikel, woridjer bereits oben gehandelt wurde: 61S idesa seö
hetsle. — 612 Eve scö göde. — 678 herra se göda. — stark 2269
fedsceaft i'des. — 917 IM leöilscea^a. — 1328. 1749 monna leö-
foSt. — 1827. 2730 mceg älfsdeno, 2783 min sva's fred.
378 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
Andreas, schwach 288 peöden leöfesto, und wider dieser Su-
perlativ allein, stets nachgesetzt, mit vine 307. 1434. hyse 595.
812. fred 629. — stark 479 peöden prymfast. — 557 gleäv
pegn. — 575 gumena leöfost. — 625 maga möde röf. — 904
meotnd (ilmihtig, hli^e beorht cyning. — 1354 eorla leöfost.
Superlativ. JGrimm sagt Gramm iv 574 Sviderum sind Super-
lative an sich liestimmtere begriffe als positive (obgleich minder
bestimmt als comparative), und darum zu schwacher form neigend.'
was für den vocativ galt gilt auch hier, auch der Superlativ ge-
hört zu den formen, die an und für sich eine hervorhebung des
begriffs, hier also dessen, den er aus der Sphäre der gleichartigen
wesen aushebt, bewürken. eine Verstärkung durch die schwache
fomi ist daher ganz ihrer bedeutung gemäfs. doch findet sie
sich verhältnismäfsig selten, nur von einer geringen anzalil von
adjectiven und meist bei personen, also da, wo eine emphatische
hervorhebung am meisten am platze ist. aus Beöv. ohne artikel:
412 pät pes sele stände reced se'Iesta. — 2817 pät väs piim go-
melan gingeste vord breöstgehygdum. — 1871 gecyste peöden Scyl-
dinga pegn betstan. — mit artikel: 1406 magoJ)egna bar pone
selestan savolleäsne para pe. — 16S5 on geveald gehvearf vorold-
cyninga pdm selestan be scem tveönnm pdra pe. — 2382 häfdon
hy forhealden heim Scylßnga, pone selestan scecyninga pdra f)e. —
416 pd me fyät gelwrdon leöde mme pd selestan, snotere ceorlas.
— 1308 syhMn he aldorpegn nnlyßgendne pone deörestan deddne
visse. — 1956 ealles moncynnes — päs selestan — eormencynnes.
— 2823 pät he on eoi^^an geseah pone leöfestan lifes ät ende. —
3122 cyninges pegnas syfone tosomne pd selestan.
Genesis, ohne artikel: 300 pd vear^ se mihtiga gebolgen,
hehsta heofones valdend. — 1419 si^han nägled bord, für seleste,
flod np dhof. — 1393 gleichfalls die arche: si^^an vide rdd Hof
seleste, för mid fearme. — 763 hvearf him eft niber boda bitresta.
— 488 p(e7^ is ealra frecna mceste. — mit artikel: 227 finda^
nenn and feorran gold and gymcynn, gumpeöda bearn, pd selestan.
344 cywS pät se hehsta hdtan sceoldc Satan. — 260 f/9 Jfotie
hehstan heofnes vealdend, pe si'teb. — 512 on päm hehstan heofna
rke. — 1323 ntan eor^an Urne gefästnod, pf/ selestan, der instru-
mental mit dem artikel. zu diesen kommt noch das sehr häufige
yldesta, das nie ohne artikel auftritt.
Im Andreas finden sich aul'ser den bereits aufoezählten vdca-
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 379
tiveii nur noch folgende: 86 on pone vynestan, dugoha (lernend,
deab ofer eor^an. — 1594 päs veorndes edc pä vyrrestan fä
folcscea^an feövertyne geviton. — 718 pis is anlicnes engelcynna
päs bremestan mid pCim burgvanim.
Pronomina possessive, diese selbst flectieren nur stark und
das in allen deutschen dialecten. fände sich jedoch auch die
schwache form hei ihnen vor, so würde diese sowol aus der
Grimmschen theorie als aus der hier vorgetragenen sich recht-
fertigen lafsen, besonders da, wo das pron. selbst den accent
trägt, ist es mit adjectiven verbunden, so bildet es keinen hin-
derungsgrund für die möglichkeit der schwachen form, diese
kann ihre function sehr wol neben ihm ausüben, wir findea
daher auch sowol starke wie schwache form, im Beövulf aller-
dings nur starke, aber ich habe da überhaupt nur zwei beispiele
eines adjectivs neben dem pron. poss., nämlich: 255 minne ge-
htjrdb änfealdne gepoht. — 1180 ic minne can glädne Hröhilf.
— dazu noch 416 /jü nie pät gelcerdon leöde mine pä selestan,
wo aber das poss. pron. nichts mehr mit dem pä selestan zu tun
hat. — in der Genesis dagegen fand ich sechs beispiele der
schw. form: 245 penden heo Ms heilige vord healdan voldon. —
336 fnuh heora miclan möd. — 738 {nirli pln mich niöd. beide
male in der nicht häufigen bedeutung 'Übermut'. — 366 pät me
is sorga mcest, pät Adam sceal, pe väs of eor^an gevorht, minne
stronglican stöl behealdan (vgl. damit on piwi hdlgan stöle usw.).
— 545 of his heän rice. — 2608 eaforan brohlan villgesveostor
(die töchter Noahs) on voruld snnu heora ealdan fäder. — die
emphatische bedeutung in diesen stellen, auch in der letzten, ja
in ihr besonders, ist nicht zu verkennen, wenn in den übrigen
Verbindungen des adjectivs mit pron. poss. die bedingungen für
die schw. form vorhanden sind, diese aber nicht gesetzt ist, so
liegt die Ursache davon nur in dem belieben des Schriftstellers,
nicht überall wo eine emphase möglich ist steht auch eine solche,
beispiele der starken form iinden sich in den versen 166. 654.
1534. 1827. 1936. 2181. 2328. 2423. 2464.
Aus den übrigen gedichten sind nur noch zwei beispiele
der schwachen form nachzutragen: Andr. 1337 kine god forstöd
stahlt fast steörend purh his slrangan mihi. — Byrht. 218 väs min
ealda fäder Ealhelm hüten, in dieser letzten stelle scheint die
schwache form bedeutungslos zu sein.
380 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
Mit den indefiniten pron. wie (enig, monig, hvilc, (eghvilc,
ndt-hvilc, gehvik, velhvilc, svilc, hvii, (egkvä, gehvd, hvä^ei\ ge-
hvä^er, ceghvä^er, snm, ö^er, eall findet sich idierall nur die starke
form des adjectivs aufser in dem einen beispiel Gen. 636 Snm
heö hire on kandum hür\ snm Iure ät heortan Mg, äppel nnswlga,
pone hire, wo sie berechtigt ist. stark zb. 317. 432.
Pronomen demonstrativum. der ags. artikel und das pron.
dem. haben nur einen geringen abstand von einander, da ja jener
der Wortklasse dieses noch vollständig zuzuzidilen ist. der art.
ist 'ille', das pron. dem. 'hie', jener weist auf das entferntere,
abw^esende, dieses auf das nähere, gegenwärtige hin, die demon-
stration ist stärker, bei dieser Verwandtschaft konnte es nicht
anders kommen, als dafs die so feste Verbindung, welche sie aus
noch unbekannten gründen mit der schw. form des adj. ein-
gegangen haben, bei beiden die gleiche wurde, ja für die älteren
dialecte überhaupt sollte jenes Grimmsche hauptgesetz (Gramm.
IV 526) lauten, nicht dafs dem mit dem artikel, sondern dafs dem
mit dem pron. demonstr. verbundenen adjectiv schwache form ge-
büre. wir haben also nur lieispiele der Verbindungen mit der
schw. form, und für sie werden an diese Verbindungen dieselben
anforderiingen gestellt wie bei dem auftreten neben dem artikel:
nicht wegen des pron. demonstr. sondern um ihrer selbst willen
gesetzt darf die schw. form erscheinen, im allgemeinen aber ist
die Verwendung des pron. dem. eine geringe, es folgt dies ganz
natürlich aus dem verhältnismäfsig stark demonstrativen character
des artikels. mit der abschwächung dieses drängt sich auch das
eigentliche dem. pron. weiter vor. im Beövulf findet es sich nur
24 mal und darunter nur zweimal mit dem adjectiv: 432 pdt ic
mute dna and minra corla gedryht, pes hearda heäp, Heorot fad-
sian. es sind worte Beövnlfs. — 1622 pd se eUorgtesl oflet Uf-
dagas and päs leenan gesceaft. ähnliche Wendungen mit und ohne
artikel fanden sich widerholt.
in der Genesis ist die Verwendung des pron. dem. eine mehr
als viermal so grofse, da sich über 100 belege desselben finden,
die mehrzahl ist jedoch in den reden des ersten teils enthidten.
das schw. adj. findet sich zwuH'mal daneben, nämlich 104 ac pes
vida grund stöd deöp, gemeint ist das chaos, früher der glänzende
Wohnsitz der gefallenen engcl. — 114 /m rnme hind gestafielode
freä ähnihtig, die er(h\ — 356 Is pes änga siede ungelic svl^e
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 38 1
päm öh'um. die stelle gehört einer der trotzreden Satans an
und gemeint ist die hülle, beides gilt noch von folgenden fünf:
391 hafa^ ns god sijlfa forsvdpen on [x'ts svearlan mistas. —
407 sculün hie pds helle secan and päs grimman grnndas. — 408
on pissnm fästnm clomme. — 420 ve synd dvorpene hider on päs
deopcni dalo. — 439 cyme^ on ftds hatan helle. — die weit: 675
on vornld ealle ofer pds sUan gesceaft. — 811 6//c9 peös heorhte
sunne; ich mufs wider ausdrücklich auf den Zusammenhang ver-
weisen, der das emphatische vollicommen erklärt. — 1211 o/"
pyssnm Icenan life feran. — und einmal sogar von sylf 2391 on
pds sylfan tid. — zu all den stellen fanden sich früher die pa-
rallelen und die begrnndung der schw. form.
auch im Andreas wächst die zahl der dem. pron. mit der
des artikels. ohwol dies gedieht nur weniges über die hälfte des
Beövulf lang ist, bleibt die zahl der dem. pron. doch fast die
gleiche, darunter sind vier mit adj. 111 in pds hce^enan hnrg,
worüber ich schon friUier gesprochen. — 975 in pysse mwran
byrig, Mermedonia. — 1439 pät peös vlitige gesceaft heofon and
eor^e hreösa^ tögadore. — 1508 p(U pu hrädlice on [)is fräte folc
for^ onsende väter. hiezu noch eine aus Eädgär 23 and pis vdce
forlet Vif, pis liene.
Der unliestimmte artikel und dn. wie von einem bestimmten
artikel in unserem sinne ist auch von einem solchen unbestimm-
ten im ags. kaum noch die rede, "ja dieser liegt auf der sprach-
stufe, die jene gedichte repräsentieren, noch mehr in seinen an-
fangen als der bestimmte, und (licses verhällnis ist ein natür-
liches, denn erst als jenes dem. pron., das zum artikel wurde,
allmählich die function übernommen hatte, den bestimmten gegen-
ständ als solchen kenntlich zu machen, konnte sich das bedürf-
nis entwickeln, nun auch an dem unbestimmten, ganz allgemein
genannten begrilT diese seine eigensehaft besonders zu bezeichnen,
der unbest. art. entwickelt sich aus dem worte dn, das seinen
mannigfachen bedeutungen nach die mitte hält zwischen einem
Zahlwort nnns, einem pron. indcf. aliqnis, qnidam, und einem
adjectiv solns, solitarins, unicus. die erste und zweite bedeutung
gaben den anhält fin- (b'u zukünftigen unbestimmten artikel, und
so wie das wörtchen an ohne nachdruck gesetzt begegnet, haben
wir schon einen solchen, denn der mangel des nachdrucks macht
aus an den unbestimmten artikel, während da wo der iiiiclidruek
382 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
erkennbar ist der dichter stets mit deutlichem bewustsein eine
jener aufgezählten bedeutungen zur anwendung bringen wollte,
wie steht es da nun im ags. ? die glossare zählen eine reihe fälle
auf, in denen un wenn auch nicht mit unserm unbestimmten
artikel zusammenfällt so doch ihm sehr nahe kommt, solche
stellen sind:
Beöv. 100 lifdon \ eddiglice, ö9 pät an ongan
fyrene fremman feönä on helle.
2210 eald e^elveard, ö^ pät an ongan
deorcuni nihtum draca licsian.
2410 he ofer villan giöng
tö päs pe he eor^sele änne visse.
Genesis 395 he heiß nu gemearcod änne middangeard,
880 nyinbe pu äppel (enne byrgdest
of pdm vuduhedm.
1473 hrohte \ elebedmes tvig an tö handa.
1477 ymb vucan Jmddan vilde culufran
äne sende; seö eft ne com.
2018 htm pu secg hra^e gevut sih'an an
gära laf.
2226 her is fcemne., freölecu mceg,
ides Egyptisc an on gevealde.
2267 Peer Im mildres pegn
engel drihtnes an gemUte.
2517 /c vdt heähburg her äne nedh.
2926 and him pcer rom geseah
nnfeor J)anon amne standan.
Andreas 256 Hvanon cömon ge ceölum li^an
mdcräftige menn on merepissan
äne wgflotan? hvanon edgorstredm.
1106 pd se tan gehvearf
efne ofer wnne ealdgesi^a.
1558 earmlic ylda gedrä'g. pä pcer an ongann
feäsceuft hälci) fok gadorigean.
es läfst sich nicht läugnen, dafs wir an all diesen stellen ganz
gut auszukonuncn scheinen, wenn wir bei der Übersetzung überall
ein nachdruckslost's 'ein" verwenden, sehen wir uns aber alle
die verse wider an, dann zeigt sich das ganz eigentümliche, dafs
an nicht nur iilicrall in der hcbung steht, sondern sogar mit
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 383
ausnähme von Gen. 395 und 2018 träger der alliteration ist.
jedes wort aber und jede silbe, die im altdeutschen vers diese
Stellung einnimmt, wird dadurch auch mit einem accent des Sin-
nes versehen, es bleibt uns also wol nichts anderes übrig als
die Übersetzung vermittelst des unbestimmten artikels zu ver-
werfen und anstatt dessen eine der aufgezählten bedeutungen des
du zu wählen, meistens ein nachdrucksvoll gesetztes 'einer' oder
V'in gewisser, irgend einer', so dafs also die spuren des auf-
tauchenden unbestimmten artikels auf ein viel geringeres mafs
herabzusetzen sind als dies bisher in den glossaren geschehen ist.
die frage, welche Stellung das adjectiv hinsichtlich seiner
flexion zum unbest. art. einnimmt, existiert also iur das ags. oder
wenigstens für unsere gedichte nicht, wir können nur fragen,
wie es sieb neben diesem tin verhält, steht es mit diesem in
einer der beiden ersten bedeutungen neben einem Substantiv, so
wird wol in den meisten fällen die starke tiexion die natürlichere
sein (vgl. Gramm, iv 569). denn mit dem character der Unbe-
stimmtheit, den das beigesetzte an dem ganzen ausdruck verleiht,
erscheint eine emphatische hervorhebung, die gewöhnliche function
der schwachen form, nur selten, und so finden wir denn auch
die starke form in den eben aufgezählten beispielen Gen. 1477.
2226. Andr. 1558. ein schwaches adj. könnte wol stehen Andr.
326. 703, he is an ece god ealha (jesceafta, auch 1719 an is He
god eallra gesceafta. dafs das dn Ursache der folgenden starken
form sei ist kaum anzunehmen, aufser diesen beispielen findet
sich kein weiteres eines beigeselzlen adjectivs.
dagegen aber ist an selbst der starken sowol wie der schwa-
chen flexion, wenn auch nur im noni. sg. masc, fähig, ohne
jedoch hierin etwa von dem bestimmten artikel im geringsten
abhängig zu sein, denn gerade nach ihm lesen wir nur starke
form, so Be<:>v. 1053 and pone amne heltt yoldc forgyldan. 2237
and se an jm gen leöda dngu^e vhcte päs yldan. 2453 ponne se
dn hafa^ pnrh ded^es nfjd dwda gefondad. — Gen. 235 forJwta^
pone lenne bedm. da hier dn ührrall die jtedcutung vntis hat,
so scheint es, dafs diese bedeuluug an die starke form geknüpft
war, dafs also überhaupt der Wechsel der flexion von der be-
dentung aldiängig ist. vergleichen wir nun wider jene drei be-
deutungen des dn, so ist die dritte solus, solilarius, die nach-
«Irucksvollste, gleichsam potenzierteste des grundbegriffes von dn
384 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
(nämlich nnns), die der emphase der schwachen form am nächsten
steht, nnd in der tat finde ich, dafs überall da wo ein ana be-
gegnet, die Übersetzung durch 'allein' die entsprechendste ist.
nämlich Beöv. 145 svä rixode and vi^ rihte van dna vi^ eaUnm.
— 425 nu vib Grendel sceal vi^ päm aglcecan dna gehe'gan ping
y/9 pyrse. — 431 pät ic mdte dna and mhira eorla gedryht Heo-
rot fiphian. — S88 he unter hdrne stän dna genMde frecne cheda.
— 999 hröf dna genas ealles ansund. — 1714 ö9 pät he dna
hvearf mwre peöden mondrermum feor. — 2498 svylc ic htm on
fe^an beforan volde, dna on orde. — 2643 pedh pe hldford us
pis ellenveorc dna dpohte tö gefremmanne. — 2657 pdt he dna
scyle Gedta dngn^e gnorn firovian. — 2876 pät he hyne sylfne
gevräc dna mid ecge. — Gen. 170 pät Adam leng dna vcere neorxna
vonges — hyrde. — 2574 him pä Abraham gevdt dna gangan
mid ü'rdäge. — Andr. 68 pu dna canst ealra gehygdo. — 636 ne
eom ic dna pät, ac manna gehvani usw. — 1009 he ptvr dna sät
geohim geömor in pdm gnornhofe. — da sonst für alle andern
gen., cas. und num. nur die starke form gilt, so erscheint diese
natürlich auch in der hedeutung jenes dna, wie Beöv. 1377.
Andr. 81. 1322 pe dnnm, der nominativ dn für dna in unsern
gedichten jedoch nirgend.
Hiermit sind die fälle, in denen die schw. form des adj, in
den zu gründe gelegten gedichten sich findet, erschöpft, und es
fanden sich nur sehr wenige stellen , an denen die gefundenen
bestimmungen für die anwendung derselben sich nicht zu be-
währen schienen, im Beövulf aber war dies nirgends der fall,
da waltet die schwache flexion in der ganzen freiheit einer form
voller Selbständigkeit, nicht sie ist abhängig vom artikel son-
dern umgekehrt, der artikel wagt sich nur dann an sie heran,
wenn es unbeschadet ihrer Selbständigkeit geschehen kann, und
dies wird selbst da beobachtet, wo das adj. allein ohne subst.
steht, der fälle des ohne artikel erscheinenden schwachen adjectivs
sind darum im Beövulf noch so viele, dafs das zweite Grimmsche
hauptgesetz 'dem durch keinen bestimmten artikel gebundenen
attributiven adjcciiv gebürt starke form' nichts weniger als ein
allgemein giilliges, sondern nur da beobachtet ist, wo sich
für die anwendung der s(;hw. form nicht die bedingungen fanden
oder wo der dichter die demonstratio!! die sie enthält auch bei
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 385
dem vorhamk'useiu der Ijediiigungen einfach nicht anhringen
AvolUe. ferner ist die zahl der fälle, in denen die schwache form
iu dieser weise erscheint, verglichen mit der ühereinstimmung,
die auch die mit dem artikel verbundenen schwachen adjectiva
im gehrauche zeigen, eine so grofse und die nachgewiesene he-
deutung auch in allen andern ausdrucksweisen und formen wie
dem vocativ, dem Superlativ usw. so durchweg sichtbar, dafs der
gedanke, wir hätten es hier etwa mit einer ganz vereinzelten
Verwendung der schwachen iorm zu tun, etwa mit einer dialecti-
schen abzweigung von einer andern grundbedeutung, vielleicht
von der von JGrimm angenommenen für jetzt noch jedes anhaltes
entbehrt, und wenn daher jenes Grimmsche hauptgesetz auch
überall sonst volle geltun g hat, so ist das gesetz nur ein die tat-
sache anerkennendes, historisches, nicht aber beruht es auf einer
grundbedeutung der schw. form, es konnte nur aufgestellt wer-
den, weil selbst die ältesten denkmäler unserer spräche in der
tat so beschaffen sind, dafs in ihnen jene freie Selbständigkeit
des schwachen adjectivs nur noch spärlich und dem äuge leicht
entschwindend vorhanden ist. nur der ags. dialect und in ihm
gerade der Beövulf boten die mögüchkeit, dafs das schw. adj. bei
einer sorgfältigen betrachtung sich dem äuge in seiner wahren
geltung oder doch wenigstens in einer dieser sehr nahe kommen-
den darstelle, denn bis auf den letzten grund sind auch wir
hier noch nicht gedrungen, noch unentschieden ist die frage,
welches die ursprünglichere funclion ist, ob die der emphatischen
hervorhebung oder die, bei einem Substantiv die seinem weseu
entnommenen eigenschaften als solche zu bezeichnen, das zu
entscheiden , dazu reicht auch der gebrauch wie er im Beövulf
ist nicht aus. noch weniger a])er der der andern gedichte. denn
je weiter die spräche in der zeit vorrückt, um so mehr ent-
schwindet jene Selbständigkeit der schwachen form, deutlich
liegen im ags. die stufen vor, so sichtbar wie wol in keinem
andern dialecte wider, obwol das gotische, wie das schon eine
lliichtige durchsiebt der von Grimm zusannnengestellten stellen
über den gebrauch des sciiw. adjectivs crülVnet, der ausbeule ge-
nug gewähren wird, das schw. adj. gerät ganz in abhängigkeit
von anderen Satzteilen, vorwiegend in die des artikels. aber ebenso
wie die lüsung der frage nach der schwachen llexion der sub-
slanliva, und das in allen indogermanischen sprachen wo sie sich
386 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
findet, wenn anders da überall ein genetischer Zusammenhang
wiirklich vorhanden ist (vgl. Scherer zGDS s. 408. 409. Leo Meyer
Liter die flexion der adj. im deutschen), von dem boden aus^
den wir uns hier bereitet haben , noch in weiter ferne liegt
ebenso dunkel ist von ihm aus auch noch das problem der so
überaus festen Verbindung des schwachen adjectivs mit dem
artikel, so dafs er die starke form fast ganz und gar von sich
zurückweist, grofs ist im Beövulf die scheu, überhaupt ein adjectiv
zu einem Substantiv zu setzen, das den artikel bereits hat, aber
wenn sie zusammentreten , dann steht doch regelmäfsig die
schwache form mit der einen ausnähme 2S60 pum geongnni. es
läfst sich wol erklären, wie sie neben einander treten können
und einander wechselseitig anziehen, und der grund liegt in dem
emphatischen, dessen ja auch der artikel fähig ist, aber warum
die Verbindung eine so ausschliefsliche wurde, das ergibt sich
daraus noch nicht, das ergibt sich aber auch nicht aus der
Grimmschen theorie. Vermutungen liefsen sich auf dem boden
des bis jetzt gewonneneu aufstellen , doch ehe nicht gerade aus
andern dialecten derselbe mehr gefestigt ist, fehlt ihnen die
Sicherheit, wol aber können wir aus dem, was jene ags. gedichte
liefern, für diesen dialect wenigstens erklären wie es gekommen,
dafs die schwache form am adjectiv so ganz die geltung einer
eigenen function aufgegeben hat. hauptsächlich der artikel ist
der Zerstörer, doch trug auch die schwache form selbst schon
den keim des Untergangs in sich, aus unerklärten gründen duldet
einmal jenes demonstrativprononien, der artikel, nichts neben sich
als die schwache form, nun grift" er immer weiter um sich, wie
sich dies an deutlich redenden zahlen und sogar für einzelne
fälle nachweisen liefs, immer häufiger also kam er in die läge,
neben dem Substantiv, an das er heran trat, bereits ein adjectiv
vorzufinden, trug dies die schwache form, so hatte es nichts
weiter auf sich, vor der starken form wich er zuerst zwar zu-
rück, oder auch diese überliefs ihm das fehl, bald aber ward die
wechselseitige scheu überwunden, zuerst in minder auffallenden
lallen, dann mit immer grüfserer rücksichtslosigkeit. das schwache
adjectiv kam ihm in diesem zersetzenden würken entgegen, das
aus der grundbedeutung, so weit wir sie bis jetzt kennen, sich
ergebende formelhafte und feste mancher Verbindungen konnte
auf das zurücktreten des bewustseins für die eigene bedeutung
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 387
der schwachen form nicht ohne einlliifs bleihen. bei der Ver-
wendung des instrumentals ferner hefs sich die spräche, weil hier
die starke form fast ganz von der schwachen verdrängt war, zu
einer ganz besonderen verläugnung der eigenart der letzteren
hinreifsen, wie wir dies an einzehien fällen klar wahrnahmen,
dazu kam die gleicbförmigkeit der endun^en der schwachen form,
der sich der artikel als ein bequemes und begierig ergriffenes
mittel darbot, die casus zu verdeutlichen, und endlich mag auch
wol die allgemeine neigung der sprachen zur entäufserung der
formenfülle einer der mitwürkenden factoren gewesen sein , der
einförmigen schwachen tlexion gegenüber der formenfülle der
starken eine ausgedehntere Verwendung zu gewähren, so arbei-
teten sich diese verschiedenen umstände wechselseitig in die bände,
um in rascher entwicklung jenes alte kraftvoll hinweisende pro-
nomen zu dem bedeutungslosen artikel, der nur noch die function
hat, die beziehungen eines andern Wortes, des nomens, kenntlich
zu machen , und das unabhängige schwache adjectiv zu einem
willenlosen trabanten dieses artikels herabzuschwächen, bis in
dem letzten Stadium der spräche, dem neuenglischen, sogar die
formen selbst auf der einen seite ganz, auf der andern bis auf
eine einzige, das the, ein opfer des Vernichtungskrieges wurden
gegen alles was formenfülle heifst.
Es ist noch zusammenzustellen, was sich aus einer betrach-
tung dt's starken adjectivs, so weit es dem gebrauch des schwa-
chen gegenribersteht, ergab, ein par sehr wichtige arten der Ver-
wendung sind liereits früher besprochen und durch beispiele
belegt worden, nämlich die des neutr. sing, und plur., ^\enn es
substantivische geltung annimmt, sowie des plurals aller ge-
schlechter, wenn das zu ergänzende subject ein allgemeines, un-
bestimmtes wie menschen, krieger usw. ist. einer besonderen
erwähnung bedarf es ferner kaum, dafs auch für das ags. das
von JGrimm Gramm, iv 577 als drittes hingestellte hauptgeselz
ausnahmslose geltung bat, dafs das prädicativc adjectiv nur stark
tlectiert. der gebrauch des starken adjectivs ist wie dies die
früher besprochenen Zählungen zeigen ein ungleich häutigerer
als der des schwachen, ich habe widerholt hervorgehoben, dafs
selbst da, wo die schwache form am orte wäre, sie durchaus
nicht überall steht, auf je zwanzig verse kommt im Be«>vulf im
388 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
durchschnitt nur eins, so dafs also in der häufigkeit des ge-
brau chs hier noch keine Ursache der abschwädiuug der hervor-
hebenden kraft liegt, sondern im gegenteil die spärlichkeit im
gebrauche von dem bewustsein dieser kraft ein redendes zeugnis
ablegt, und spärlich ist bei jenem Verhältnis der gebrauch, wie
das eine betrachtung der erzählungsweise in den alten alliterie-
renden gedichten ergibt, diese ist höchst eigentümlich, und das
nicht nur im angelsächsischen sondern in allen dialecten.
einmal das kurze versmafs, bei dem man auch noch im
gebrauch des enjambement höchst unduldsam war, andererseits
der noch viel beengeudere zwang der alliteration hemmten die
freie bewegung im aufbau längerer Satzgefüge und in der weiteren
ausführung der hauptsätze selbst, es gibt zwar fast alle arten
von uebensätzen, aber sie werden nur spärlich verwendet, am
häufigsten noch relativ-, dafs- und temporalsätze. die erzählung
wird oft lange passagen hindurch, ohne dafs ein nebensatz die
gleichförmigkeit unterbräche, durch hauptsätze weitergeführt,
und diese unter sich mit seltener Verwendung von adversativen,
einschränkenden oder begründenden conjunctionen, um so öfter
dafür durch copulative, meistens /»«, verbunden, nichts desto
weniger aber ist die gesammtdarstellung durchaus nicht ermüdend
und einförmig, denn dadurch , dafs in folge dieses anreihungs-
systems eine häufige widerholung und nochmalige uenuung von
einzelnen begriffen des vorangehenden satzes, an den die andern,
neuen begritfe sich anschliefsen, notwendig gemacht wird, und
weil zu diesen widerholungen andere worte verwendet werden
müisen, die den begriff bei der allen synonymen doch innewoh-
nenden abweichung gleichsam von einer anderen seite zur au-
schauung bringen, wozu ferner kommt, dafs zum teil in folge
der eigenart des poetischen Stils bei naturvülkern, zum teil in
folge metrischen bedürfnisses, besonders des der alliteration, die
auch die häufige ersetz uug des kalten Personalpronomens durch
lebendige nomina bewürkt, nicht nur der gebrauch des beiwortes
ein sehr reichlicher ist sondern auch die grammatische figur der
apposition eine überaus häufige Verwendung findet: durch alles
dies wird ilie phantasie in beständiger erregung erhalten und
beschäftigt und auf diese weise an lebhaftigkeit wider gewonnen,
was durch die eiuförmigkeit des satzbaues verloren gehen muste.
aber gerade diese art der darstellung, in der die apposition,
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 3S9
die tropeii der allusion und der Synekdoche eine so grofse rolle
spielen und in der die erzählung ohne vermittelnde, glättende
Partikeln und conjunctionen von einem satze zum andern weiter-
schreitet, verleihen jenen poetischen erzählungen auch den cha-
racter des ernsten, schweren und markvollen pathos, das von
anfang bis zu ende durchgeht und der widerausdruok jener energie
und leidenschaftlichkeit ist, mit der man all die dichtungen voll
kämpf und heldentum, voll verherlichungen dessen, was für das
höchste galt, vortrug und anhörte.* und wie sollte nun bei
diesem gesammtcharacter nicht sogar eine reichlichere Verwendung
einer solchen art von hervorhebung wie sie die schwache form
des adj. bewürkt ganz anstandslos haben stattfinden können?
einem jeden bedenken, das von dieser seite sich erhebt, mufs
die betrachtung der alten epischen darstellungsweise die spitze
abbrechen.
Wir haben uns damit auch schon den weg zu dem gebahnt,
was über das starke adjectiv noch nachgetragen werden sollte,
das adjectiv rm allgemeinen dient ebenso oft zur widerholung und
wideraufnahme eines genannten nominalen begriffs wie das sub-
stantivum. da der begriff also in diesen fällen überall schon
genannt ist, so wäre der artikel stets am platze gewesen, ihm
kommt ja gerade die function dieser widereinführung zu. allein
sowol die noch zu stark fühlbare demonstration desselben verbot
eine zu häutige Verwendung, als auch andererseits er ja nur dann
zu einem adjectiv treten kann, wenn dieses die schwache form
um ihrer selbst willen angenommen hat. weiter aber darf auch
das schwache adjectiv, nach allem was wir nun über dasselbe
wifseu, nicht häufig verwendet werden, und da es mit den be-
sprochenen wenigen ausnahmen (Beov. 2961 usw.) dann wenn es
ohne subst. steht stets den artikel mit seiner demonstration an
sich heranzieht, so zwingen alle diese beschränkungen zu einem
nur sehr spärlichen gebrauch des schw. adj. zum zwecke jener
widerholung eines begriffs, die man die epische nennen kann,
es sind dies die fälle, die oben sämmtlich verzeichnet sind, se
rica usw. zu diesen rechnet JGrimm (Gramm, iv 540), fufsend
auf der tlieorie dal's sich der artikel vorwiegend vor dem schw.
adj. entwickle, auch stellen wie
' ich verweise liierzu besonders auf Scherer zGDS s. 156 f.
Z. f. D. A. neue fol^e IV. 26
390 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
B. 758 Gemunde pä se gada \\ mceg Higeläces.
813 ac hine se mödega || mceg Higeläces.
2011 söna me se mceta || mago Healfdenes.
allein schon aus versen wie gleich
Beöv. 9 dö pät hrm ceghvyk \\ para ymhsittendra.
59 pcem ferner bearn ]| for(j gerimed
und noch vielen sehen wir zur genüge, dafs wenn auch sorg-
fältige Vermeidung des enjanibements von einem verse zum andern
zum Wesen dieser poesie gehört, so doch innerhalb des langverses
eine gröfsere freiheit herschte. bei der sonst oft genug statt
findenden widerkehr der Verbindung des Substantivs mit artikel
und adjectiv in der reihenfolge der worte die oben die beispiele
zeigen konnten diese vom ohr nur als einheitliche ausdrücke
aufgefafst und nicht etwa das Substantiv mceg, mago für eine jener
epischen widerholungen gehalten werden, dies ist wol sogar
auch dann nicht der fall, wenn zwischen adjectiv und Substantiv
ein adnominaler genitiv tritt wie
Beov. 2977 Let se hearda Higeläces pegn.
Gen 512 on pdm hehstan heofna rice.
1004 Hirn pä se cystleäsa cvealmes vyrhta.
doch ist zu beachten, dafs in all den ausgaben, die JGrimm zur
Verfügung standen, die abteilung nach halbversen vorgenom-
men ist.
In all den andern stellen steht also die starke form, und
da ist es auffallend , wie wenig weitreichend noch die^kraft des
artikels auf die Umwandlung der starken form in die schwache
ist. nur das adjectiv das unmittelbar neben ihm steht hat die
schwache form, jedes entferntere die starke, wir haben da nun
verschiedene fälle.
1. es geht ein Substantiv mit artikel vorher, und es folgt
ein den begriff wider aufnehmendes adjectiv zb.
Beöv. 1000 pä se agheca
fyrendcednm fäg on ßeäm gevand | aldres orvena.
1614 buton pone hafelan and pä hilt somod
since fäge.
1754 pät se lichoma liene gedreöse^,
fcege gefealle^.
1780 pät ic on pone hafelan heoredreörigne
ofer' eald gevinn eägum statige.
DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS. 391
2577 pät si» ecg geväc
brun on haue.
ebenso noch Beöv. 2700. 2S30. Gen. 40. 107. 2555 usw. dafs
hierher nicht auch fälle gehören wie
Beöv. 3028 Svä se secg hvata secgende väs.
2675 Ac se maga geonga under his m(eges scyld
geht daraus hervor, dafs das adj. mit subst. und artikel noch in
demselben halbverse steht, das adjectiv ist einfach nachgesetzt,
wie das in allen dialecten vorkommt, würklich ausgenommen
ist nur die eine bereits Iridier besprochene stelle
Gen. 2521 gif ge pät fasten fyre villa6
steäpe forstandan.
2. es geht ein schwaches adjectiv mit artikel vorher.
Beöv. 2949 gevät him pu se gada mid his gädelingnm
fr öd fela-geomor fasten secean.
Gen. 489 pät viste se liiba georne
dyrne deofles boda, pe vi^ drihtfie vann.
1898 pd se hulga ongan
ära gemyndig Abraham sprecan.
2445 pa'f him se ä^ela geaf
gledvferh^ hüle giestli^nysse.
übereinstimmend mit diesen heifst es auch Gen. 2057
cvä^ pät him se hälga
ece drihten e«8 mihte.
dieses ece schien Bouterwek so anstofsig, dafs er in der an-
merkung zu der stelle schreibt 'lies ecea drihten.' an und für
sich ist gegen dies ecea nichts einzuwenden ; man vergl. Beöv.
1692. 2330. 1779. Gen. 7. 1885. Andr. 721 wo wir es überall
haben, doch es ist nicht notwendig, da auch ece drihten sich
findet und das aufserordentlich häufig, die Ursache der conjectur
Bouterweks kann also nur die sein, dafs er um des vorangehenden
artikels willen das schwache ecea lür notwendig hielt, das ist
aber gefehlt wie die obigen stellen zeigen, soweit reicht die
kraft des artikels nicht, auch in den folgenden stellen
B. 132 sy^^an hie päs lä^an last sceävedon
vergan gästes.
Gen. 299 pu vear^ se mihtiga gebolgen
hehsta heofones valdend
hat der vorangehende artikel nichts mehr mit dem zweiten schwa-
26*
392 DAS SCHWACHE ADJECTIV IM AGS.
cheu adj. zu tun, sondern dies ist um seiner selbst willen gesetzt,
unbekümmert darum ob ein artikel vorhergehe oder nicht.
3. auf artikel mit subst. und adj. folgt ein zweites das
stark flectiert.
Beöv. 2928 Sana him se froda füder Öhtheres
eald and egesfnll hondslyht ägeaf.
3024 ac se vonna hrefn
fns ofer fcegum fela reordian.
Gen. 792 gesyhst pn nu /jü sveartan helle
grcedige and gifre?
2595 p(Br se eddega Loth
vcerfäst vnnode valdende leöf.
Audr. 371 and se grcega mcev
välgifre vand.
1298 pä pcer dt^vde se atola gast
vrä^ vcerloga.
hierzu ist wider zu vergleichen die stelle Atheist. 60 hyrned-
nebba usw.
4. es schliefst sich auch dann stets ein starkes adj. an,
wenn die Verbindung des schw. adj. mit subst. ohne artikel
vorhergeht.
B. 1400 Visa fengel
geatoUc gende.
1801 öS pdf hrefn blaca heofenes vynne
blibheort bodode.
Gen. 26 pät hie vi^ drihtne divlan meahton
vuldorfästan vic verodes prymme,
std and svegltorht.
dagegen Andreas 60 his sigedryhten särgan reorde
grette gumena brego geömran stefne.
und 1543 se pä burh oferbrägd blucan lige,
hätan heabovdlme.
es sind beide male instrumentale, die auch noch ihre eigenen
Substantive neben sich haben.
durch diese weiteren beweise von der Zurückhaltung im
gebrauch der schwachen form, wie sie besonders die fälle unter
1. 2. 3 darlegen, erhält die annähme der hervorhebenden kraft
derselben eine neue und nicht unwesentliche stütze, nur durch
sie wird in jenen fällen diese scheu erklärt, nicht aber etwa
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS 393
auch durch die theorie von einem individuahsierenden vermögen
der schwachen form, bei diesem würde im gegenteil eine stete
widerhohing der schwachen form , ist mit ilir einmal begonnen,
das angemefsenste sein.
Hiermit glaube ich alles beigebracht zu haben, was der ge-
brauch der starken und schwachen (lexion beim angelsächsischen
adjectiv an beweismitteln enthält, anhaltspuncte in vorarbeiten
gab es nirgends aufser negativen, auch bei Koch nicht, der zwar
im zweiten teil seiner Histor. gramm. der engl, spräche den
factischen Sprachgebrauch durch einzelne beispiele belegt, aber
in der vorrede ausdriiclilich erklärt, dafs er sich principiell auf
begründungen des wechseis in den verschiedenen sprach- und
redeformen nicht einlafse.
Wien, august 1872. DR A. LICHTEISHELD.
BRUCHSTUCKE DES PASSIONALS.
1.
Auf der Leipziger stadtbibl. befindet sich noch nnnummeriert
das innere doppelblatt einer läge aus einer pergamenths. der mitte
des 14 jhs. in quart. auf 8 spalten zu Je 50 zeilen stehen 396
verse des alten Passionais (bei Hahn 176, 75 — 181, 1); vier zeilen
werden am schlufse der siebenten spalte durch die Überschrift weg-
genommen, die hs. ist liniiert , die spalten sind durch senkrechte
linien abgeteilt und eingeschlofsen , ebenso die etwas ausgerückte
reihe der ersten buchstaben in maj'uskel, die aufserdem noch durch
einen roten strich, nur unterbrochen bei den farbigen initialen, ver-
bunden sind, auf der vierten seile beginnt mit der ziveiten spalte
die geschickte des Paulus und da ziehen sich von dem roten, blau
verzierten P des namens zwischen beiden spalten hinunter ab-
wechselnd und zusammenhängend rote und blaue Verzierungen dem
J-buchstaben ähnlich, die hs. war befser als die Heidelberger und
ihre bruchslücke stimmen im ganzen zu der hs. vdHagens, von
welcher im 7 bände der Berliner Germania s. 249//" nachricht ge-
geben ist ; doch sind die lesarten nicht von solchem belange dafs sie
eine mitteilung zu verdienen schienen.
394 BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS
Em doppelblatt einet^ pergametiths. des 14 jhs. in fol. fand ich
im vorigen jähre auf der Leipziger Stadtbibliothek als einband-
deckel einer Sammlung folitisch-religiöser Streitschriften über den
Prager frieden von 1635. die Matter tragen auf beiden drei-
spaltigen Seiten rote nummern , das eine xlii , das andere xlvii,
in der weise daß auf jeder rechten seile die zahl über der zweiten
spalte, auf jeder linken über der dritten steht, wir haben somit,
vorausgesetzt die lagen waren gleich , das zweite doppelblatt des
sechsten quaternio. unten ist durch einen schrägen schnitt ein
streifen abgefallen, der die spalten um 7 bis 9 zeilen verkürzt
{vgl. die berechnungen unten bei blatt xlvii 1' 1'* l''), ferner ist
beim einbinden von bl. xlii an der seile ein stück abgefallen und
oben und unten sind zwickel ausgeschnillen , wodurch V die vers-
enden, 2* die anfange mehr oder iveniger verloren gegangen sind,
nach dem bekannten inhalte von xLvn 1 zu urteilen, standen auf
der spalte 54 bis 56 Zeilen (doch vgl. die bemerkung zu 2" dieses
blatles). oben und auf blatt xlvii aji der erhaltenen aufsenseite
ist der rand 1 ^2 zoll breit , der innere rand nur 1 . zoll, die
spalten sind durch senkrechte linien abgeteilt, dergestalt dafs die
majuskeln, welche die ausgerückten ersten reimzeilen beginnen, durch
je 2 eingeschlofsen sind, die hand ist auf beiden seilen dieselbe,
in betreff der Schreibung habe ich noch zu bemerken dafs d mid t
oft schwer zu unterscheiden sind und daß von abkürzungen die be-
kannten für er und u, erstere bisweilen, letztere häufig vorkommen
sowie daß immer viT geschrieben ist. merkwürdig ist der inhall.
bl. xlii enthält auf den ersten fünf spalten den Schluß der ge-
schieht des Paulus, aber in einer von der Pfältzer ganz abwei-
chenden bearbeitung ; gleichivol aber gehört sie dem zweiten buche
des Passionais an. auf den abgeschnittenen zeilen (jedesfalls acht)
können, wenn überhaupt noch etwas, höchstens die sechs letzten
verse dieser Pauluslegende gestanden haben, denn zioei waren für
die Überschrift der folgenden erforderlich {vgl. den beginn der Bri-
gida xlvii 2^), die auf der nächsten spalte gleich mit dem texte
beginnt, sie behandelt den Polycarpus von Smyrna {siehe AASS
26 Jan.) der in Köpkes Pass. unbesetzt ist. das andere blatt
(xLvn) enthält auf der ersten seile bis 2^ zeile 4 den schlnß des
Julian (Köpke 159, 87 — 161, 60) und daran schliefst sich wider
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS
395
eine noch unbekannte bearbeüung der legende von der schottischen
Brigida, deren tag der 1 februar ist {vgl. besonders die zweite der
Brigidenlegenden in den AASS). ivir haben somit die heiligenge-
schichten vom 26 und 31 Januar und 1 februar. die innern
doppelblätter xliii — xlvi loerden also wol die heiligen der tage
vom 27 — 30 jan. behandelt haben.
blatt xLii (vgl. H. Pass. 182, 30/f).
1".
Vnd volge meinem rate
Ginch zu saule drate
Vnd vuge daz im werde haz
er ist mir ein erweites vas
5 Der seiden vnd der heilickait
auf disem ertreich brait
Muz er lobes vil beiagen
wann er sol meinen namen
tragen
Den fursten vnd den kuuigen vor
10 sein lere durcb der himeltor
Chan sei' vil gelaitten wol
selbe ich im erzivgen sol
Waz er note laiden muz
auf meinen wundecklichen
gruz -
15 Vnd durch meines namen ere
da von du balde chere
Zv meinem lieben chneht dan
auf stunt der seidenreich man
Ananias do ze haut
20 er giench mit willen vnde vant
Säulen in dem hous dort
dise minneklich wort
Let er im vur als ich vernim
bruder saul sprach er zu im
Der' suzze christ vil lobsam 25
: er" auf dem wege dir bequam
Den du ritt in disiv laut
der hat mich her zu dir gesaut
Daz du die geschieht dein
wider von der hende mein 30
Enphahest auf der erden
vnd du must werden
Erfüllet mit gaist gotes
so daz die gnade sines gebotes
Deinem hertzen werde erchant 35
suzz leit er im di suzzen haut
Auf sein ougen trüb gar
di wurden im so licht gevar
Rechte als <ler sunnen blick
sam di schuppen dick 40
Viel im di blintheit da von
vreude wart sein leip gewon
Vnd swaz sein hertze an sorgen
laz
als er getranch vnd geaz
Do wart gesterket im daz leben 45
lob vnd preiz begunde er geben
1"
Giench' er durch bredigunge
sein wol gelerte zunge
' die obere hiHfle des i radiert
auf der vor/iergefienden zeite ^ rot
* G i^Alblau
gr. ivegen ma7igelnden rawnes
' d von der initiale bedeckt
396
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS
Begiinde reden also wol
50 daz man gehören nimmer sol
Cheinen man sprechen baz
den iu^P" sait er alles daz
Für ein ^vares mere
der suzze krist der were
55 Gotes sun des reichen
vnd daz er ewichlicheö
Zv seiner zesme hende
sitzen biet au ende
Dort in den himelchoren
60 do daz begunden hören
Die Jnden alle besunder
do nam si michel wunder
Seiner guten lere
erschrochen was vil ser
65 Ir hertze daz vureine
si sprachen alle gemeine
Ist ditz nicht der selbe man
der guten willen nie gewan
Gegen iesu christ
70 ia zwar sein list
Vnd alle sein sinne
worchten aus vnd inue
An allen den getoufften ie
wer hat sus vercheret hie
75 Daz er so vreuelichen tobet
vnd iesum christum so vaste
lobet
Den .e. sein zunge dick salt
er hat doch brief vnd gewalt
Daz er in bandes chreft
80 der Juden maisterscheft
Antwurten sol die kristenheit
wie chumet daz er nu seit
So valschiv predigunge
vnd daz sein grimme zunge
So niilt ist worden wider krist 85
alsus begunden an der vrist
Die luden sprechen vnder in
betrübet was ir aller sin
Vnd wart ir hertze vreuden bar
des nam vil harte chlain war 90
Paulus' der becherte
:er- weist vnde lerte
1*^ {die versenden sind ab-, oben
und unten zwickel ausgeschnitten).
Gotes
ich hau von ...
Daz er woute lang: . 95
in der selben veste .
Vnd leute da bechert:
für war ich ev daz . . .
Daz in div blinde ind ....
da von so vaste ha . . . 100
Daz si begunden vn^ . . .
dar auf cheren al . . . .
Daz er von in wurd: . .
eines nachtes in de . . ,
Leten si im läge 105
sein leben auf der . .
Begunden da vil sere , .
ir hüte wart ali-^o g . . .
Daz si stete der ph. . .
vil gar an allen ... HO
Mit leulen wol bew. . .
vnd die tor bespar. .
Daz er von danne eh. . .
in hart michel vn . . .
' P rot, unten zur hälße weggeschnitten ' d xwn der roten fit'he
des P bedeckt ^ nac/i n noc/i der rest wie es scheint eines d
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS
397
(go?)
115 Waz' er vil nach . .
wann bieten ...
Er must da h. . . .
im wart er da ge
Daz er vil harte v .
120 di werden gotes d
Die da gesezzen wa
die hülfen dem v
In einem chorbe . .
an aller slacbte . .
125 Vber die maiir z . .
si liezzen daz er a
Auff die schon st , .
er für in ierosol .
Darinne er do be . .
13U mit den zwelf . .
Hiet er ge . , .
do V
Vnd
2" (der anfnng der verse ist ab-
geschuitten).
...... er stete
135 in die stat
stete minn bat
rain wariw sch::ft
der selben stift
recht manig lait
140 lies was gesait
fboten reine
s in gemain
ir geselleschaft
mit in do wonbaft
145 vndertenich da
.... hen er begunde sa
. . . .straffen vmb ir .e.
. . .bertzeclichen we
. . . . Uten lere
. . . tiren sere 150
. . .elouben da mit in
. . .te si grozz vngewin
. . . .auz der mazzen lait
, . alle do berait
. . . . bitterlichen schaden 155
. . grimmen tode laden
. . . . si do wolden
. . .az verdolten
oten raine
. . . .n alle gemain ißO
anne schire quam
... in cesaream
z er sich nider
. .tes wort da sider
. . . . algemeine 165
. . en vil reine
zz(?) in dem lande
. . .do bechande
bten iesum Christ
.... an der vrist 170
leere zeile^
a
2'' (bis auf die 4 letzten verse,
die eingeschlagen waren, sta7k
abgescheuert).
, . . waz dar inne varnde
vnd gotes lob bowarnde
Mit hertzen vnd mit munde 175
vz der helle gründe
' W o/au, davon a ga7iz bedeckt ^ das ist ?mr noch einmal der
fall im 2 blatte vor der ersten äöersc/iri/'t von sant Biigida, riic/it bei
den initialen der absätze
398
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS
Vil liute er do leit . . . helfe wirdet schein
vnd schuf mit sinem . . hecherde sein
Daz sich die chriechen alle ^
180 becherten von dem valle
Der tieffen houhtsunden Wer mochte des zu ende chumen 215
wer mochte gar durch gründen ein zil die rede hat genumen
Vnd entslizzen die tat : nd sol hie drate erwinden
die sein leih begangen hat : ot lazze in selde vinden
185 :e preise dem vil werden got
der selb: :ain zwelfbote
IT «, •» • 1 T {wie hei 2'')-
Hat' mit smer lere '^ ^
die kristenheit vil sere Vns^ saget daz buch alsus
Geplumet vnd erluchtet daz sant Policarpus 220
190 vil manich hertze erfuchtet Ein priester was in schm . . . /
:a: dürr an dem gelouben was mit lere tet er wunder da
. . ist ein spiegel lichtes glas In verdroz nicht der arbeit
:a sich die sunderichen da mit er merte die Christenheit
vil harte lutterlichen Daz treib er vntz au sin alter 225
195 . . sehen mugen inne da zu mit dinst vor dem alter
er ist der waren miane Vnd do sein ende wesen solde
: in sluzzel vnd ein starcher daz im got Ionen wolde
rigel Vor dem tage .e. er gevangen
er ist ein vestes insigel wurde
: hristenlicher selicheit do troumt im ein swere bürde 230
200 man sol sein ere machen breit Im troumte wie sein küssen
: it gutem Milien gern brunne
er ist ein michel stern des^ morgens vruo an der sunne
: : der allen zweifboten Seit der vil seldenbere
sein lob chan blueuvnde roten wie im getroumet were
205 : n ir wuncchlichen schar Vf sin marler er im beschiet 235
sam ein rose lichte gevar des truret sere der Christen diet
. . aller blumen glestet Er lach er solde vorburnen
swer mit trevven in gestet den vngelungen^
: nd im mit dinst beistat Soltu widervmb gan
210 f . . . ent daz vnd horent rat des baten in weih vnde man 240
' rot ' beide Zeilen gariz unlesevlich, die zweite auf der untern
kante des einbandes ^ blaue initiale mit roter Verzierung, ebenso wie
A itn beginne der legende von Brigida * seh glaube iv/i ganz sicher
zu erkennen ' /w. der '' das folgende worl radiert
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS 399
Du soll uns alle daran bebaru Vnd wolde sieb babeu verporgen
du solt vz der stat varn von den selben sorgen
Ob dir ein icbt geschelie Wan swa bi den iaren 255
vur war man danue gesehe di cristent indert waren
245 Daz wir den beiden mustenvolgen Die musten sich hellen alle
vnd dem gelouben vnd erbolgen als im die herzen alle mitalle
Die Christen wurden gar vortan '
sus mach noch wol weih vnde : ie ir leben 260
man Da von- den grozzen sorgen
Cristen werden von vnser lere musten die Christen sein ver-
250 vater herre durch gotes ere borgen
Vrist dein leben swi du macht Vntz zu Ronie wart erchant
so er uz der stat gacht der geloube darnach die laut.
' die beiden zeilen a?i der untern kante des einljandes * doppelt,
das zweite mal unterpunctiert
blatt XLvii.
1' {rücken des embandes. schwer leserlich) = Pass. K. 159, 57
bis 160, 37. von bemerkenswerten abweicimngen waren zu lesen:
gewesen 160, 2. vil fehlt 25. schiebt zu g. 34. l"* = Pass. K.
160,45 — 90, es sind also von V unten 8 verse abgeschnitten, do
was do 160, 48. reislichen 52. aihie 62. do v. e. do d. lichuam 66.
M. der 1. 67. sie fehlt 72. V = Pass. K. 161, 1—47, es fehlen auf
1^ ebenfalls 8 verse. liez 161,4. bin an 5. den leip 9. lac 14.
w. do d. 17. Jesus 24. sin h. m. alle v. 30. er do 31. vn da b. 34.
alsam 43. 2' = Pass. K. 161, 57 — 60, es fehlen sonach auf V
9 verse, obgleich dieser spalte in folge des schrägen Schnittes ein vers
mehr erhalten ist, sodafs bei gleicher verszahl auf den spalten nur
ein mangel von 7 zeilen zu erwarten loäre; wahrscheinlich aber ent-
hielt die hs. die verse 54. 55 nicht.
Hierauf folgt nach dem Zwischenraum von einer zeile die rote
Überschrift von sant Brigida. gleich auf der nächsten linie beginnt
der text mit der blauen rotverzierten initiale A, die 5 zeilen höhe hat.
Als ich an den buchen laz Zv vridel bei si in erweit 5
von shottenlande waz vnd liet im hert/ vnd lib geselt
Die magt Brigida geborn Die dint oucb im nacht vnd lach
die het ir got zu vrund erkorn des si mit vleize pllac
400
BRUCHSTÜCKE DES PASSIONALS
Daz treib si vutz uf die stet
10 daz got durch iren willen tet
Swez si ouch aii im gert
des wart si zu hant gewert
Si was edel vnd schone vil
do iz chom uf daz zil
15 Daz man si geben wolde
jr vrunde zu man als man
sohle
Do di magt des wart innen
si bat got von allen sinnen
Daz er eteleich chrancheit
20 mit vngestalt an si leit
Da mit si wolde vber wern
swer ir zu wibe solde gern
Do got ir recht bete erehant
er gewert zu hant
25 Ein ouge si auz dem haubt verloz
zu hant mit vreuden si verkoz
Alle weltlich diene
zu dem priester si do giench
Vnd wart ge weihet zu einer nunne
30 Gotes dinst was do ir wunne
Ouch ander meide was da gnuch
die ir wille zu got ouch truch
Die chomen alle do zu ir
vnd mit gemeiner gir
35 Vuren si beide dise vnd di
In ein stat die hiez meydi
Do wai't got gedient wol
als man im zu recht dienen sol
Von den meyden alle gemein
40 doch Brigida die reine
Vor dient an der stat
7 bis 9 verse sind weggeschnitten.
2\
Achzehen samenunge ir waren
nahe
die begunden ouch dar gaben
Vnd chlagten den gebresten ir
daz si beten cheinen bir 45
Die heilige oesterliche tage
Sa zu hant nach sag
Hiez si priwen ir
vz einer mazze ein pir
Vnd daz worde vol endet 50
do wart von ir gesendet
le der samnunge ein legelin
da det ouch got die gnade sin
Wann cheiner samnunge zu ran
w an do chein legel wart in wan 55
Swaz dar' vz gegozzen wart
vnd sich sin gute nie verchart
Vntz die ostern ende namen
do si zeichen da vornamen
Si lobten gote sere 60
der gnaden vnd der ere
Die er mit vleiz bete geleit
An die heiligen reine meit
Ein vzzezig chom zu ir.
er sprach der leidige schelm 65
hat mir^
Min eines rint genümen
nu han ich vrowe von dir
vernumen
Swes dein gebet an got gert
des wirstu alles gewert
Bit got daz er mich. 70
An minem rinte gevTowe
durch dich.*
' in Jiac/i r radiert
gen zeile
wegen mangelnden raumes auf der vori-
BRUCHSTICKE DES PASSIONALS
401
Do er siiftzonde bat
si sprach ich gib dir miuen rat
Hastu dich versoumet .e.
75 an gotes dinst des tu niclit nie
Darnach mit samt mir dv pil
daz got durch sein reine site
Din armute bedenche
Vnd zu hören sich vns lencke
80 Die rain mait bat vmb in
der sich man giench do hin
Vnd erte got mit sinem gebet
als in die vrowe geheizen het
Do er kom heim an der stunt
85 sin rint was lelientich vnd
gesunt
Is chom ein siech maget zu ir
als daz liuch saget mir
hier ist in folge des schrägen
Schnittes eine zeile mehr als hei
sp. 2^ verloren.
T.
Wazzer ich hau daz gib ich dir
Rein magt daz gib mir
90 Nich me mag ich mich uf ge-
haben
ich muz mich mit wazzer laben
Do ir daz wazzer gegeben wart
d::' wazzer zu milch vcrkart
Do der siech der milch getraue
95 sin sichtum was do vnlanc
Daz iz wart an der stunt
vriscli vnde wo) gesunt
Gnade man wart an ir gewar
des komen (h-ei auzzetzig dar
100 Die macht si sclion vnd wol
gesunt
Ir was wol ir hertze chunt
Daz si meinten got von hertzen
des semft ouch si ir libes
smertzen
Zwen blinden komen ouch dar
do si der gnaden wurden gewar 105
Die got durch iren willen tet
Sie komen dar ouch zu stet
Si vielen vur die reinen meit
vnd chlagten der ir arbeit
Got bete si gemachet blint 110
da bi habe wir weib und chint
Die habent me chein Zuversicht
wir mügen in gehelfen nicht
Als du vrowe selbe sihst
ob dir got lieb ist 115
Da: :a' schowen an vns zwein
E vnser tochter rein
Durch hunger muzen began
daz wider got ist getan
Des teten si vurwar nicht 120
beten si gen vns chein Zu-
versicht
Die rain magt Brigida
die antwurt in ysa
Wolt ir nach got zihen
Iwr tochter vnd vlihen 125
Ir selbe alle bosheif
so vvil ich iwr hertzen leit
Ciagen got di euch an leit
Mit samt euch vnlz o'uf die zeit
Daz got durch sein gotheit 130
verkeret iwr hertzen lait
Dise gelobten von hertzen gründe
fehll noch eine zeile mehr als
auf 2^
' dürr /i löchert für die falzslrcifen
Leipzig.
K. IIILDEBHAND.
402 BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
DES SEIFRID HELBLING.
Mit Sorgfalt und Scharfsinn hat ThvKarajan der übelen Über-
lieferung des Seifrid Helbling einen im ganzen lesbaren text ab-
gewonnen, mehr läfst sich nicht erreichen, wenn nicht etwa
noch befsere handschriftliche hilfsmittel zu tage kommen, die
neulich gefundenen fragmente des fünfzehnten gedichtes (Wiener
sitzungsber. 65 (1870) s. 377 f) sind leider von zu geringem
umfang, als dafs sie für die textkritik erheblichen nutzen gewäh-
ren könnten.
Eine reihe von stellen deren text ich, meistens die lesart
der hs. herstellend, verbefsern zu können glaube ist im folgenden
besprochen, einige von andern vorgeschlagene verbefserungen,
die ich zufällig fand, habe ich mit eingereiht, ebenso wenige
nachweisungen über die spräche der gedichte. der besprechung
der einzelnen stellen seien einige bemerkungen über die metrik
vorausgeschickt, denn dafs es unmöglich ist mit den vorhande-
nen hilfsmitteln den ursprünglichen text der Helblingschen ge-
dichte auch nur mit leidlicher Sicherheit herzustellen, zeigt eine
metrische betracbtung sicherer als die freilich auch nicht geringe
zahl der verse welche der mangel an sinn als verderbt erschei-
nen läfst.
Bedenkt man, welche regel Gottfried von Strafsburg, Rudolf
von! Ems, Ulrich von Liechtenstein und Konrad von Wirzburg
im verse befolgen, und vergleicht man die gut überlieferten ge-
dichte aus dem ende des dreizehnten Jahrhunderts, so wird man
zugeben dafs verse wie gein der- nnven e S. H. 2, 1121. ich huop
aber an 2, S59 usw. (s. unten zu der stelle), die habent sie wol
4, 793. ddz laut, sprach der drit 4, 221 wol bei Hartmanji mög-
lich sind, aber nicht bei Helbhng. das schon bei Gottfried von
Strafsburg beginnende, im laufe des 13 Jahrhunderts immer all-
gemeiner befolgte princip der silbenzähluug in den epischen kurz-
zeilen beschränkt das fehlen der Senkung auf wenige fälle: inner-
halb eines Wortes wie billkh nolhdfte fürstliche zörnrede Pfenninge
und in versen wie S. IL 6, 69 wie wer ode waz. 1, 650 lieber
got, wis im bt. 8, 444 er st arm, er si rieh darf die Senkung
fehlen, nicht aber in den oben angeführten stellen Helblings.
DES SEIFRID IIELBLING 403
wesentlich erleiclilcit wird die silbenzäldung durch die apokope
des e die schon viel älter ist, s. DHB 1, xlvii, die aber in ge-
dichten aus dem ende des 13 Jahrhunderts so häufig wird dafs
mau die Überlieferung durchaus nicht ändern darf, um diese
apokopen zu beseitigen, auch Helbiing hat häufig genug die
apokope: stellen an denen sie Karajan mit unrecht beseitigt hat
sind unten angeführt, die herausgeber spätmittelhochdeutscher
gedichte haben oft unwillkürlich wie es scheint die spräche dem
klassischen mhd. gleich machen wollen und die apokope des e,
wo es sich ohne allzuviele umstände machen liefs, beseitigt: frei-
lich auf kosten der Überlieferung und des durch reime gesicherten
Sprachgebrauches, ich erwähne nur das verfahren von Bartsch
in der ausgäbe der Kolmarer meisterlieder und von Zupitza in
der Virginal und beschränke mich auf wenige beispiele. Bartsch
ändert, obwol er zu 2, 96. 7, 10 die apokope des e erwähnt, das
überlieferte darumb so bringet zu danimbe bringet 147, 36. i'r
fretid sich in verkerte (B. freude sich verkerte) 40, 33. waz sol
nu tiigent znht und er, waz sol bescheidenheit (B. tugetU ere und
znht) 201, 1. waz an dem gnot nn ligen sol (B. guote ligen) 3.
e fragt man nach den eren vast (B. fragte man nach eren) 5. die
Triu gar ser (B. Triwe gar) verhouiven 8. fron Er diu hat (B. Ere
hat) gebrechen vil 16. diu ander sjmng diu was von gold so rot
(B. Spange was von golde rot) 69, 31. in der Virginal 309,9 ist
mit der hs. zu schreiben daz dirt daz sach er uf der stat (Z. daz
dirte sach); 343, 13 er sol gewaltec herr hie sin (Z. herre sin);
404, 13 ze helf kam mir her Hildebrant (Z. ze helfe kam mir
Hildebrant); 479, 7 ich het min sinne nach verlorn (Z, ich hete nach
mine sinne vlorn); 567, 12 wilder swin der hdnt ir gnnoc (Z. swine
hätit); 573, 2 er Ute als sanft hin über den hac (Z. sanfte über);
7 er Ute bald hin üf daz velt (Z. balde üf).
Ferner führt die silbenzählung immer mehr zum Widerspruch
zwischen der metrischen und jirosaischen belonung. im 16 Jahr-
hundert hat man ja hierin das gröste geleistet: Ayrer hat zb.
verse wie
dem die hauen hahn tretln ins gsicht 2229, 15.
das ir mit dem alten wiistn äffen 2238, 16.
in teüffls gslallt den allen anfecht 2243, 19,
und der vers aus B. Waldis Esop 4,7, 55 wird im DWB 4, 1194
nicht richtig gemefsen, er heifsl
404 BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
er trüg ein hnnr in der gallret (nicht gcillret).
auch bei HelbHng fmdeu sich betouungen wie
siniu wort giengen für sich % 665.
daz dn ir niht slindest ein teil 2, 1351.
wer ein grözez unbilde tiiot 4, 278.
über in setzen ir stüol 4, 269.
daz ein rehter strdzronbdr 2, 154
und es waren analoge verse, die unten angeführt sind, nicht zu
ändern, allerdings lafsen sich die citierten verse auch nach der
älteren mhd. versregel lesen, aber sie werden dann ungelenk, man
versuche zb. zu lesen
siniu wärt giengen fiir sich,
daz du ir niht slindest ein teil,
swer ein grözez ünhilde tüot.
über in setzen ir stüol.
daz ein rehter strdzroübcer
und man wird sehen dafs der dichter seine verse nicht in dieser
weise scandiert haben kann, sondern so wie oben angegeben ist.
um so weniger wai- daher anstofs zu nehmen, wenn die Über-
lieferung im ersten fufs des verses die sog. versetzte betonung
gewährt, wie
kiemen si von ir landen her 3, 357 (kcemens Karajan).
pflügen si riterlicher sit 13, 71 (pflägens K).
herre, diu ich iu sagen sol 15, 98 [herre, diuch K).
13, 26 vuorten die helde manlich küen und ähniiclie andere stellen
zb. 2, 1235. 15, 826 sind bei K ungeändert gelafsen. in den
Kolmarer meisterliedern und in der Virginal sind sehr viele stellen
mit unrecht geändert, weil die herausgeber die Versetzung der
betonung mitten im verse zwar nicht ganz entfernen (vgl, DHE
5, xvni. zu Virg. 669, 9) aber doch so viel als möglich zu be-
seitigen streben, ich beschränke mich auch hier auf wenige bei-
spiele: Kolm. 25,5 ist zu behalten er wnid trunken, er stifte mort.
Bartsch schreibt ivurde trunken, obwol er sechs Zeilen weiter
stehen läl'st er wart trunken, er stifte mort. 67, 10 ist zu schreiben
daz vor tiir (für hs.) solte stdn, vind ich hinder der tür,
während Bartsch setzt
daz vorr tür solte stdn, daz vinde ich hinderr tür.
146, 11 ist zu behalten
durch fride verga-h du dem sch(echer ans frönen criuzes este;
DES SEIFRID HELBLING 405
Bartsch stellt um: vergwbe dem Schacher du. 197,35 lautet
von dieb, von rouh, morden iint braut,
wo Bartsch setzt von diep, von ronbe, mort und bi'unt. — in der
Virgiiicil ist zu lesen wir si'dn morgen uf brechen 304, 6, wo Zu-
pitza, um die l)etonung morgen zu behalten, mit zweisilbigem
auftakt ufe schreibt. 498, 12 daz ir iccerent der ringe vri (Z. der
ringe ic(erent); 534, S stn getorst niemän gespotten (L. stn getorste
nieman spotten); 694, 1 des erlachten die herrn alle gar (Z. al die
herren gar) und ebenso 702, 4 den enpfiengen die henii alle gar
(Z. al die herren gar); 965, 6 smer sorgen (Z, siner sorge) ver-
gazzer; 969, 13 tanzen springen und vrceltch sin, wo Z. und
streicht. 1066,12 dir von allen den v/nden diu (Z. allen vinden).
Ich mufs mich für dieses mal damit begnügen eine prin-
cipiell falsche beurteilung der spätmittelhochdentschen gedichte
abzuwehren, ich hoffe aber spater in einer ausfuhrlichen arbeit
über die geschichte der deutschen spräche von 1250 bis 1350
auch die metrik dieser zeit im Zusammenhang zu untersuchen,
wenden wir uns jetzt zu den einzelnen stellen der HelbUngschen
gedichte.
I
69 er habt den rucken uf enriht. so hat die hs. und die
schwache flexion von rucke ist nicht zu ändern, wenn auch sonst
bei Helbling die starke form steht 1,83. 3,34. 196 und im reim
6, 133. 15, 659; vgl. zu Wolfd. B 500, 3.
248 graut were H (dh. die handschrift) , krütxoerre K (dh.
Karajanj; vcrbefsert im DVVB 5, 2042 grantwerre.
393 bint im uf den hohen schöpf. HK haben wint, aber b
und w werden in baierisch-üsterreichischen hss. und auch in der
hs. des Helbling so häufig verwechselt (Weinhold BG § 124. 136)
dafs hier zb. bitit gar keine Vermutung zu nennen ist, sondern
nur die correcte deutung der Überlieferung, der scäoj;/" des pfer-
des wird auch im Wolfd. D \ 202, 3 = 1038, 3 lloltzm. erwähnt
(vgl. Iloltzmanns bemerkung dazu s. 360^^) und im Liedersaal 3,
544, 187 f man bindet rossen uf den schöpf einen wisch mit strowe
dar umhe daz man schowe daz man si verkaufen ivil.
403 spenvarch H, spanvarc K. es ist kein grund den vocal
der ersten silbe zu ändern; man lese also spenvarc, vgl. GrafT
3, 681 speneuarh.
443 der site ist von Beiern komen. HK : von Beiern ist komen
Z. f. D. A. neue fol-e IV. 27
406 BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
was sich eher betonen hefse Beiern ist als B. ist körnen, aber
durch die Umstellung wird die Wortfügung leichter und einfacher.
479 f herre, bescheidet mir noch nur
eine wäge, des ich ger.
so H; des bezieht sich auf den ganzen satz. K schreibt vrage
der ich ger.
504 sin hüb toas niht so enge. R wirft was aus, das aber
kaum entbehrt werden kann, vermutlich um die volle form hübe
zu gewinnen.
554 f behnot manlicher e'ren:
den erkante ich geren.'
'frumer ktieht, var schöne.
K schreibt ern : gem., aber verse mit solcher betonung behnot
manlicher ern : ich gern sind, wie oben gezeigt wurde, bei Helbling
nicht anzunehmen, der dichter gebraucht zwar widerholt ern :
^n und vielleicht geschorn : örn 8, 795 als stumpfe reime, aber
dafs diese reime auch als klingende eren : eren gefafst werden
dürfen, zeigt deutlich in dem strophischen gedieht 11, 12 eren :
steren. darnach ist auch hier klingender reim anzunehmen, ebenso
6, 67 (s. unten zur stelle) und 8, 667
heiz iz vergolden geren
sinen kinden ze eren.
556 verschöne HK, zumal absolut gesetzt, gibt kaum einen
guten sinn, schöne varn steht auch 4, 53. vgl. Haupt zu Neidhart
149, 4 und zs. 13, 177. besonders als aufforderung ist es häufig,
s. aufser den von Haupt angeführten stellen noch Alexander 1708
nu varet schöne. 3Iones Anz. 4, 319 nein, ir muget wol schöner varn.
Mörin (1512) bl. 4'' nun farent schon. Ecke Kasp. 292, 1 ^var
schon' so sprach her Weidereich. Germ. 8, 110 far schon, wilt du
werden alt. Folz zs. 8, 515, 168 narr, far schan. Vihnar, Deut-
sches namenbüchlein 4 ausg. (1865) s. 61 hat auch den namen
Farenschon und erklärt ihn 'fahr schön, mach es gelinde'.
572 neben H ist hier wie 2, 323. 1240. 8, 561 nicht zu
ändern, die form eneben ist 1, 379 überHefert.
578 f nach den in einem jär ein lamp
in deheins gebüren hove erblaßt,
gans erschrit noch huon erkrcet.
so H, die änderungen von K enblwt enschrit enkriet sind nicht nötig.
632 trs herren ist zu lesen: irz H, jV K. das flectierte pro-
DES SEIFRID IIELBLING 407
nomen ist nicht zu l)eanstaiuleii wo es in H steht, auch 2, 115.
239. 857. 5, 20 ist es lierzustellen, und 4, 3S9 winken iren kneh-
ten. 866 löst er den herren iriu phant würden mit der lorm ir
metrisch auffälhg sein, in dem ähnhch gebauten verse 13, 98
iriu icines vollin sper hat K iriu behalten.
682 s. zs. 14, 558.
702 (bizec phnnt; geht ir im der hint nilit mit II. für der
setzte K diu^ aber der genetiv von niht abhängig l)egegnet auch
sonst bei HelbHng und ist von K behalten: da inn si min {imies
min K) niht sahen 4, 129. daz min der kneht niht kant (1. er-
kant?) 4, 544. des vierden ich niht nennen icil 5, 90. mit den
der ich niht nennen xoil 6, 90. durch den reim gesichert ist
6, 183 ir habt niht der kinde : vinde und 7, 754 an iuch hiet er
niht gewins : zins. demnach ist auch 15, 153 mit H zu schreiben
ros hi drizic phunden, der (diu K) sul wir in so niht geben.
752 für ruc II ist rucke geschrieben, aber man wird lieber
die gewöhnliche form rnche setzen, da die verschiedenen Schrei-
bungen bei Schmeller 3, 45 sich aus Weinholds BG § 182 er-
klären und die ebenda § 186 erwähnte Schreibung c für ch sich
auch bei Helbling 8, 36 sie findet.
768 diu kuck was lool beraten. K. schreibt kuchen was b.,
aber die form kuche ohne n steht auch 2, 473. 15, 384. die apo-
kope des e ist kein grund zur änderung.
772 daz die icegen (wege HK) krachten verbefsert im DWB
5, 1921. derselbe ausdruck ist richtig überiiefert 15, 764 man
hörte wegen krachen über stein, über gras.
913 der ninder hat deheinen muot dan ''ich gewinne er imde
guot. R schreil)t wan, aber dan steht im späten mhd. für älteres
wan nach nieman und kein.
939 f mir geviel nie wip baz,
dan eine ich gesehen hän.
so ist mit II zu schreiben : (he construction ist nicht ganz regel-
mäfsig, aber sie ist ungeändert zu lafsen. K schreibt eine diech.
949 ezzenzit ist mit II beizubehalten, das compositum, bei
Lexer aus dem Tristan und Ulrichs frauendienst belegt, steht
auch bei Suchenwirt 25, 108 es ist um die essentzeit und im leben
der h. Dorothea SS. rer. Pruss. 2, 226; es ist herzustellen im
Mai 89, 12. 20S, 13 wo der berausgeber ohne not, wie hier K,
gegen die hss. ezzens zlt setzte.
27*
4 OS BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
958 der %oirt sprach 'sini, wolmichdm! sim ist hier für eleu
Zusammenhang sehr geeignet (vgl. Weinhold BG § 261) und steht
dem snn H näher als sdn das K dafür setzte, indem er die rede
mit wol heginnen liefs. Helhling hat sim noch 15, 16S.
1028 Matze des ir gehüge treip. das mhd. wb. 1, 726 setzt
für diese eine stelle die liedeutung 'frende' an, übersetzt aber
sich selbst widersprechend 'trieb damit ihren spott'. spott ist
gemeint, das heifst aber nicht gehüge. H hat gehnech und man
darf Avol gehüeche schreiben, obwol huoch im 13 Jahrhundert zu
veralten scheint und auch zu ende des zwölften nur in der Ver-
bindung mit spot erscheint.
1059 hunger guot zuomuose ist scheint befser als guot ze
muose K; H hat zu muss.
1109 wit gein der smele vor wie Pfeiffer zs. 5, 471 vorschlug
{semehe vor H), wird aufzunehmen sein, nicht dem smocke oder
was Schmeller 1 -, 296 will, dem hemede. über die folgenden verse
s. zs. 14, 558.
1150f Pfeiffer zs. 5, 471 trifft den sinn der stelle; ob das
oben der hs. in ob si zu ändern ist, läfst sich natürlich nicht
entscheiden, so lange die vorhergehende zeile nicht klar ist. mit
näherem anschlufs an H ist aber zu schreiben, wie auch Zarncke
wb. 2', 680^ bemerkt von geribener roete. das Sprichwort, das
Haupt zum Winsb. 26, 9 in der form geribeniu sclicene oder varwe
anfiihrt, lautet in einer schrift des 16 Jahrhunderts bei Weinhold,
Deutsche frauen s. 468 n. 2 gezwungene liebe und geriebene
röthe seindt beyde nichts werdt.
1216 diu frowe beiz umbe als ein grutsch. so wird mit Lexer
1, 1108 zu lesen sein für gruisch H. das reimwort mufs dann
pforipfutsch sein, H hat pforipfuisch. die Verwechselung von i und
t ebenso wie hier kann zum überflufs noch in einer andern stelle
desHelliling nachgewiesen werden : 8, 423 hat H ahiper für ahtbcere.
1333 nu huop min kneht wider an mit H. für toider setzt
R hier und 4, 491. 509. 535. 8, 931 aber, obwol toider sogar
durch den reim 1, 1008 gesichert ist.
II
101 von sinem herrn, der ist so arc. durch die synkopierte
form herrn die bei Helhling viele analogien hat ist der vers befser
hergestellt als durch herren derst K.
DES SEIFRID HELBLLXG 409
105 f wie sol getriuwe ein armman sich mit dienste nu hegdn
mit H, bei K ist ohne not geändert getriuwer armman. s. Gr. 4,417.
157 er hat gewont anders niht
dan {dannen II, wan K) twingen mit der geisel.
ebenso ist mit H dan zu schreiben nach anders und mer &, 492
wo noch mehr zu ändern ist, aufserdem
6, I59f iz mac anders niht gesin
dan trinkt und geltet Ezeln win.
7, 1 1 79 f daz alter hat niht krefte mer
dan wisheit und der tugent ler.
15, 255 f daz er anders niht entet,
danne er lie'z durch friunde bet.
246 Lüge und Nlt waren bereit. K. schreibt warn.
254 daz Krist — die bitterliche marter leit; ebenso ist mit
H zu lesen 993 die kristenliche e. Iv setzt bitterlichen und kristen-
lichen, wäiu'end er 1, 278 üf dem sinem nacke richtig beibehält.
Gr. 4, 540 f.
3S6 vgl. JüngUng 165 der sinne ein kalp, der zuht ein rint.
Raumeslant MSH 2, 369^ hat zwar auch den zweiten teil dieser
titulatur der zühte ein rint, aber da Helbling auch 3, 34 einen
anklang an den 2, 443 genannten Kourad von Ilaslau hat, so
darf mau wol hier eine eutlehnung aus Konrad annehmen, vgl.
zu 2, 420.
3S9f ist H nicht zu ändern, nur anders interpungieren mufs
mau als K. ich lese
niht baz ich sin gedenken kan,
swer zücket sich den snürrinc an.
der ausdruck ist ebenso wie 3, 397 und 8, 917.
420 setzt K falsch niht zu. der ritter spricht 'die sieben
tilgenden haben daz wandel (das tadelnswerte) gesagt, waz well
wir mer? man sol diu wandel für tragen (dh. die Strafgelder her-
beibringen), der kneht well danne mere sagen.' darauf nennt der
knecht der vorher eine reihe von übelständen gerügt hat noch
zwülf wandel. — die Strafgelder werden von der Umgebung des
fürsten unterschlagen 169; dafs der ritter und sein knecht die
Strafgelder für die einzelnen übelstände des laudes für sich neh-
men wollen, ist vorher öfter erwähnt: 186. 279. 289. 306. diese
ganze idee ist sicher dem Jüngling des Haslauers entlehnt, nur
hat Helbling daraus eine vollständige gerichtssitzung von drei
410 BEITRÄGE ZUR KRITIK UISD ERKLÄRUNG
tagen (453) gemacht: der rilter sitzt zu rat mit den sieben
Tugenden an des fürsten statt (31. 1064) und hat einen Schreiber
dabei (55S. 1497); der knecht als kläger schwört (43) einen eid
dafs er die Wahrheit sagen will.
424 für sofftnnge hat Pfeiffer zs. 5, 471 breshmde oder
brestunge bi vorgeschlagen und erklärt 'mangel bei grofser
gasterei.' da Wirtschaft auch dem begriffe fröhHchkeit ganz nahe
kommt (vgl. icunne }md Wirtschaft, höchzU und Wirtschaft mhd.
wb. 3, 750^ ir gant zu dem tode alse ze einer Wirtschaft mit
vroden vnde mit lachendem munde SCäcilia 1088), so könnte man
vielleicht, mit näherem anschhifs an die Überlieferung, schreiben
siuftunde Wirtschaft: ein gastgebot bei dem es traurig zugeht.
447 Sit hat unvuore gemert ist ohne tadel; das von K zu-
gesetzte sich ist zu streichen, belege für intransitives meren
gibt Lexer, wobei aber zu bemerken ist dafs die aus der Virginal
angeführten sämmtlich conjecturen sind (s. anm. zu 653, 6), die
die apokope des e beseitigen sollen, nur 653, 6 ist der vers
überlang.
604 f gttikeit und erge habten nie so vast daz guot, od ich
hob dich vaster in der huot. K setzt ichn habe für od ich habe;
aber die lesart von H ist in einem so späten gedichte kaum zu
ändern, in einem gedieht aus der ersten hälfte des 13 Jahr-
hunderts, das nur in hss. aus später zeit überliefert ist, hätte
eine solche herstellung des älteren Sprachgebrauchs kein be-
denken; vgl. Wackernagel in den fundgr. 1, 273. das allmäh-
liche verschwinden des mhd. ne in abhängigen Sätzen mufs noch
genauer untersucht werden.
641 die hor-h, die tief die wUe nider. K schreibt hoehe tiefe
wite um die apokope zu l)eseitigen.
836 der herzog rihtet icol von in mit H. indem K von
streicht, verschlechtert er den vers. von einem rihten bedeutet
'über einen recht sprechen', und das ist hier gemeint, s. vorher 822.
859 ich huop aber icider an mit H. wie hier wirft K wider
auch 4, 297. 818. 15, 566 aus wodurch die verse zu kurz werden,
die verbind\ing aber wider ist nicht so selten wie es nach dem
mhd. wb. 1, 72^ scheinen könnte: s. die wb. 3, 621'' und von
Sommer zu Flore 5611 gegebenen belege die sich leicht ver-
mehren lafsen.
913 der selten nimmer fire begat mit H, immer K; s. Haupt
DES SEIFRID HELBLING 411
zu MSF 243, 35. auch MSH 1, 359' ist für selten nie mit
unrecht selten ie geschrieben.
1084 der .... Juden ist gar %e vil. H hat huren nach der;
K streicht es, aber es wird ein adjectiv vor Juden gestanden
haben, das ich freiHch nicht anzugeben weifs. der dichter ist
freigebig mit l)ei\vürtern für die Juden: verfluochet 1143. 1157.
1188. boese unrein 1199.
1258 ich unrein dir den köpf enzwei HK kann nicht richtig
sein, im DWB 5, 1748 wird zu unrein fragend die bedeutung
'kratze' angenommen, aber es wird zu lesen sein ich frume dir
den köpf enzwei.
1317 diu Wärheit wart ungezogen:
'ir habt den herren an gelogen,
her ribalt, des bin ich iu gram.'
so mit H; für wart setzt K sprach 'ir, ohne not, denn die
folgenden worte a7i gelogen und ribalt zeigen dafs die Wahrheit
unhöflich wird.
1321 gelogenez lop ist unwert, gelogens H, gelogen K.
1364 ff niht baz ich in ei teilen kan
dan daz si gen riicklinges ganc
gein der tür. von nianegem swanc
in klaffen üf die necche.
daz in nach dem gebreche
die helse vasle rotten.
enruocht, waz si gespotten!
1365 habe ich dan für so HK gesetzt und, den folgenden
conjunctiven entsprechend, gen für ge'nt; R behidt gthtt und
schreibt gegen II klaffent rotent gespotent, obwol die beiden letzten
verba nicht stumpf reimen können, nwte: gebrühte K ist ein
unmöglicher reim und auch die erklärung Ilildebrands im DWB
5, 897 dafs die niilite des panzcrhemds von scliwertschlägen
geplatzt seien, ist schon deshalb unannehmbar, weil die schma-
rotzenden si)ielleute denen der knecht übeles wünscht sicher keine
panzcr trugen, ich ])eball(' II und verstehe: sie sollen zur tür
hinausgedrängt werden und von manchem schlage mögen ihnen
die nacken klaffen (von wunden); von ihrem lärmenden singen
(gebrech) sollen ibnen die halse rot werden, der reim necke:
gebreche ist zwar ohne analogie bei Ilelbling und auch Weinholds
bair. grammatik hat nur stumpfe reime dieser art. aber klingende
412 BEITRÄGE ZUR KRITIK UISD ERKLÄRüISG
reime wie hier werden sich auch sonst noch linden, übrigens
bedarf man ihrer nicht, denn die aspirierte ausspräche des ck
Avie des c im bairisch-üsterreichischen ist schon durch die von
Weinhold § 182. 186 angeführten Schreibungen wie durch den
heutigen dialekt § 181 vollkommen sicher, auch die Schreibung
eck, die hier H hat, neben anderen 'wucherzeichen' kch chk geh
usw. belegt Weinhold § 182. — die negation 1370 scheint der
sinn zu verlangen : der Schreiber hat sie bei demselben verbum
auch 3, 132. 15, 394 weggelafsen.
1390 mit unnützem klefte K ist nicht zu ändern. Lexer 1,
1611 führt das neutrum klefte aus einer stelle des Strickers an
die schon Gr. 2, 548 erwähnt ist.
1412 vgl. Heidin 1647 ir habt gelogen in iioern hals, im
DWB 4", 255 ist diese redensart nur aus dem 16 Jahrhundert
und später nachgewiesen.
1513 siten H kann vielleicht bleiben; VVeinhold BG § 348
führt die schwache flexion des wortes aus-Megenberg an.
III
35 vgl. Jüngling 410 num strichet in als ein loufcere wozu
Haupt unsere stelle citierte.
49 gramazin ist possen, s. Lexer 1, 1067.
53 set dar einez mit H. ebenso 55 und sei 57. K schrieb
seht dd und seht. Weinbold BG § 262.
193 das midie der hs. braucht nicht mit K in mtVn ge-
ändert zu werden, lies mül.
201 man vint nf allem ertrich. die ergänzung von man
ist einfacher als die änderung der ausgäbe ezn sint für vind H.
209 toaz wild oh einer treit gewant mit H; bei K wildu.
229 kann man auch wild H behalten, doch glättet wiltu K den
vers. ebenso ist es mit solt H, sollü K 104. dafs der dichter
das du weglafsen kann, zeigen 2, 861 weist iht mir und 15,
465 oice, waz redest, frumer kneht.
233 pieren most H war nicht mit K zu biremöst zu ver-
ändern, hirenmost mit n sieht auch Neidh. xlix 33 und in
Pfeiffers arzneibuche (Wiener silzungsber. 42 (1863) s. 156) 2,
17''. die form biremöst ist demnach in den würterbüchern zu
streichen.
DES SEIFRID IIELBLING 413
255 duz er uns geruoch zu geben H. das ze mit K zu
streicheil ist keine veraiilafsiing, wenn gernochen auch 7, 7 mit
dem blofsen infinitiv verbunden wird, ze wird zu ende des 13
Jahrhunderts zu vielen verben gesetzt, die früher den blofsen
infinitiv hatten.
286 hnderhitten H und Schmeller 1^, 1055. K schrieb hader-
Intten. in Tirol ist nach Schopfs idiot. 278 huder noch heute
ül »Heiler als hader.
307 herr, daz loolt ich dem gwande jehen. Helbling hat zwar
bei Jehen und verjehen öfter den genetiv als nach der gewohnheit
der späteren zeit den accusativ, doch ist der accusativ hier wie
8, 385 wol nicht zu beanstanden.
352 f M einem Westväl von Krems,
der uz der stat wcer bürtic,
wirde ich buozicnrtic.
K schreibt 353 uz der stat her bürtic, aber H ist richtig, wolte
man an der Wortstellung anstofs nehmen, so könnte man schreiben
}Vestvul der von Krems üz usw., doch ist dies nicht nötig.
IV
13 f mir ze Uden swwre.
sin vrdge, siniu mwre
ist metrisch befser als K und grammatisch sicherer, da ze lidenne
bei Helbling kaum noch anzunehmen ist: das princip der silben-
zählung hat diese intinitive auf -enne verschwinden lafsen.
17 ndmen sin dicke icunder H ist zu behalten. K stellt die
gew(»hnliche mhd. consti'uction her indem er nam schreibt, in
der Gr. 4, 248 anm. l wird persönliches wunder nemen zwar
erst aus dem anfang des 16 Jahrhunderts nachgewiesen, aber es
ist älter: aufser den mhd. wb. 3, 813'' citierten stellen aus Pass.
K. und Boner steht es in der Erlösung 3121 die h'de ndmen
(Bartsch nam] wunder und bei Enenkel, Bauch SS. rer. Austr.
1, 269 nemiH wunder, älter ist die persönliche construclion von
wunder haben die Gr. 4, 247 aus Lamprechts Alexander belegt
ist und auch Erlösung 2822 steht si hüten ouch besunder bi der
vorhte wunder: das in der anmerkung vorgezogene hdtc ciuplielill
sich nicht wegen bl der vorhte. zu ende des 13 jalni Icrts
zeigt sich auch sonst das bestreben statt der unpersönlichcu con-
414 BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
struction die persönliche zu nehmen, ich erwähne hier nur the
nemen: Neidh. 125, 45 dise dorfgebnre die nement daz gar ture
und Ot. 522'' daz si daz ndmen nntur.
32 f swu in gienge ein not an, die liez im versmähen mit
H, erm für im K.
151 lies ze Wiene: dienen. H hat Wienne: dienne, K Wienen:
dienen. Ilelbling hat den reim en : e, der im dialekt bekanntlich
sehr oft vorkommt, an mehreren stellen, drei beispiele führt
Weinhold BG § 167 an, K hat ihn nur 2, 401 Mdze: verwuzen
wo er in H steht, fast alle handschriften österreichischer ge-
dichte, und so auch die des Helbling, setzen in solchen fällen
gewöhnlich en : e«, seltener e : e, ganz vereinzelt en : e. der reim
en : e ist herzustellen 3, 332 dienen : von Wiene {Wienen HK).
4, 848 hnine : gunnen (gnnne H, giinne K). 6, 52 banne : mannen
(manne HK). 7, 82 dem banne : von wiben und von mannen (mamie
HK). 88 koufen : toufe (toufen HK, s. unten zu der stelle). 8,
211 spinne : gewunnen (spnn : gewnn H, s. zu der stelle). 402
zesamen : amme {zesam : amm H, zesamme : amme K). 496 dienen:
datze Wiene [Wienen HK). 1162 küneginne : gewinnen {-en : -en K,
chnneginn : gewhin H). 15, 88 ze Wiene : dienen {Wien : dien H,
Wienen : dienen K). auch 2, 1396 könnte man H behalten und
diesen reim annehmen der kno : muon {den küen : müen K), so
dafs der umlaut im verbum fehlte, s. Weinhold § 109. in der
mehrzahl dieser stellen steht ein infinitiv der im bairisch - öster-
reichischen oft das n verliert, nach vocalen und m n ng auch
en (Weinhold § 167): H schreibt auch so die reimenden infmi-
tive enscham 7,94. erbarm 799. erbarm 8,901. gewhin 1162.
ancham 9, 131. dien 15, 88 und läfst öfter das -en in andern
Wörtern weg, zb. benam 6, 62. 124. vron 7, 1099. arm 1196.
sein 888. doch wird man wegen der andern reime en : e in den
Infinitiven heber die endung en schreiben.
162 endarf sich der hell ninder schämen. K stellt um der
helt sich, was bei der metrik unseres dichters nicht nötig ist.
227 geduhte in der sti'iden mir. K setzt /cÄ nach ^erfwÄre zu;
aber gedenken ist auch unpersönlich.
240 s. zs. 15, 249.
309 ich sol sin törel hiwer sin. II hat ewer für [hiicer, ver-
befsert von Müller mhd. wb. 3, 51'.
327 das chamen II ist komen, ebenso cham H 366 == kome;
DES SEIFRID HELBLING 415
vgl, 801 chament H == koment. K schreibt in den beiden ersten
stellen kcenien und kcenie, aber die präterita i)assen nicht in den
Zusammenhang.
642 niht baz im geraten kau mit H. K setzt kh nach baz
zu. aber 656 wo von derselben sache, dafs der herzog den willen
der herren tue, gesagt wird herr, so ist iu niht also gnot zeigt
dafs hier geraten unpersönlich, zu nehmen ist.
659 swä ich briche ir willen. H hat 'prech., K brtvche. das
präseus passt befser in den Zusammenhang, von verjehen weist
Weinhold § 265 e für i in der 1 sing. präs. nach.
681 mit der rede giengen sie hin mit H. die Umstellung
von K sie giengen ist bei Helblings metrik nicht notig.
699 sie giengen mit der einung für. K schreibt mit einunge,
aber die apokope des e ist selbst vor der letzten hebung durch-
aus ohne bedenken.
V
33 die sinen grcevin Icet er ein mit H; K ändert ohne not sine.
VI
24 da ist gröz der mez. im mhd. wb. 2', 212 *" wird eine
erklärung versucht die Lexer aufnimmt, die stelle ist aber ver-
derbt, und wenn ich auch nichts zu ihrer verbefserung bringen
kann, so will ich wenigstens darlegen, weshalb Zarnckes erklärung
unmöglich ist. zunächst wäre der ausdruck des gcdankens sehr
unklar und könnte höchstens durch die annähme einer sprich-
wörtlichen redeweisc begriffen werden, die dann aber erst nach-
zuweisen wäre, ferner ist abe risen keineswegs der gewöhnliche
ausdruck vom überlaufen der flüfsigkeit. weiter ergibt sich aus
Karajans anmerkungen zu 1, 167 und 5, 26 dafs die frage, ob
me:; oder mez anzunehjjien sei, durch die Schreibung Retz ent-
schieden wird, das cyatus mez der Sumerlalen gehört zu dem
vorhergehenden mez stn. und der ganze artikcl mez stm. bei Lexer
ist zu streichen, endlich ist der vers zu kurz: verse mit einer
einzigen Senkung hat Ilelbling in dieser weise nicht.
61 loaz wil ich iuch ze leren? eu II, iuicer K. über den
reim eren : geren s. zu 1, 554. das pronomen hängt von leren
ab, nicht von waz wil ich.
416 BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
VII
87 f man sol den kinden koufen
chresem nnde toufe.
HK haben toufen, aber der Infinitiv wäre sehr auffallend; der
reim en : e ist es nicht, s. zu 4, 151. vgl. noch 3, 172 sam mir
toufe nnde chresem.
206 niht lang stuont ich da hinden. K schreibt lange und
streicht da.
322 dem geirszeit H steht girscheit näher als girheit K. über
das i s. Heinzeis anm. zu Heinrich von Melk, Erinn. 812 wo
aber der reim des Tundalus gir : vier zu streichen ist.
483 zehant diu snnne under gie. K schreibt nider gie. diu
lichte snnne under gie Wigal. 1 27, 2. do die snnne vnter gie Roth
altd. pred. v 36. xvii 37. als die snnne schöne sich neiget an ir
underganc Marienlegenden 13, 36 f. alsus ir herschaft under gät
Virg. 28, 1.
VIII
14f rfo sich üf wunden
die lerchen mit gesange.
HK haben uf banden, vgl. zu 1, 393. Des hundes not 96 f
(Grimm, Reinhart s. 294) dö sich diu lerche des versack daz er
wol wäre sat, si want sich nf an der stat in die lüfte nnde sanc.
211 dafs sptm H als spänne (vielmehr spunne) zu fafsen sei,
hat Pfeiffer zs. 5, 471 gesehen; aber unwahrscheinlich ist seine
veniiutung, in spil stecke spille = spindel. der dichter reimt
en : e und es wird hier zu lesen sein
diti hillich da heime w(cr
daz sie ir muoter spunne.
zwiu mäht si spil gewannen
toägen daz ir viel wol?
die tochter strebt wie der söhn nach vornehmer lebensweise.
wozu sollte sie das gewonnene spiel (dh. die vom vater geschaffene
wolhabenheit und sein ansehen am hofe) noch einmal wagen?
die letzten woric daz ler Viellen woll H weifs ich nicht sicher
zu verbefscrn; der sinn ist wol: das für sie günstig ausgefallen
ist. im Winsbeken 41, 4 steht daz sich vervellet gar sin spil
dafs es ungünstig wird, und den gegensatz dazu bezeichnet 49, 3
DES SEIFRID HELBLING 417
so Vit sin spil. die spricliworüiche redeweise gewunnen spil wägen
hat Helbliug auch 4, 347.
221 siner hüsnozinm H und 572 daz er niht hi'isnözschaft
verh'ir sind zu behalten, s. Haupt zu Erec 1969. hei K steht
hiisgnözinne und hüsgnözscitaft. auch 133 hat H haufznozzen,
doch hier wird man des verses wegen Karajans Schreibung an-
nehmen mit sinen hnsgenuzen.
327 der Unecht wünscht dem turnierenden bauer niisge-
schick: seinem rosse soll ein füllen nachlaufen, dann würden
wir alle rufen 'lafs, held, das füllen doch saugen.' es ist zu lesen
und im allez liefe nach
ein fi'd in der gebcere,
saiu daz ros shi mnoter locvre.
HK haben gewcvre das hier nichts anderes sein kann als gehöre,
und die ergänzung sam verlangt der sinn, derselbe ausdruck
steht übrigens 7, 709 ich was ein apt in der gehwr samz himel-
rich min eigen locvr.
392 dienstmän riter gebüren H ist beizubehalten. K schreibt
hfü^en. auch 959 ist mit II zu schreilien pfaffen riter gehnren.
49 If schreibt K armiu höchvart niht mer hat wan höhe
gedatike, an ^ren spot und sagt s. 246, der reim hat : spot mache
diese verse des alten Freidanks, dem doch die beiden vorher-
gehenden entlehnt sind, unwürdig, ich glaube weder dafs dieser
reim herrn Bernhard Freidank gehört, noch dafs JGrimms Vor-
schlag (kl. Schriften 3, 8) an eren spät (vielmehr spat) annehm-
baren sinn gibt, ich ändere nur an ehr II und schreibe
armiu höchvart niht mer hat
dan höchgedanke fruo nnt spat.
über dan s. zu 2, 157. höchgedanc ist bei Lexer einmal belegt
und höchgedinge höchgeburt usw. sprechen für die annähme der
Zusammensetzung, mufs man nicht, um den richtigen gegcnsatz
zu gewinnen, 489 schreiben frwUchiu armuot wie Freidank 43,
20 ohne Variante und im Boner 15, 58 steht?
741 so iz dem höhen got erbarm. K iindort den, hat aber
15, 734 den richtigen daliv bei erbarmen behalten.
789 biderman ist hier wie 10, 64 als Zusammensetzung mit
II zu behalten. 3, 398 ist biderbe man überliefert, schon Ulrich
von Liechtenstein hat die Zusammensetzung 68, 4 ; daneben den
versschlufs biderb man 20, 29. 22, 2 usw.
418 BEITRÄGE ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG
1167 des riches brief lourdm gesant. es wäre nicht gut zu
schreiben brief wärt. vgl. 4, 144 wie die brief (brieveK) wwden
gesant. man darf auch in beiden versen schreiben brieve wurdn
gesant.
IX
81 reinig mich von der sünden pin. H hat raining, K schreibt
reine, die verba auf -igen statt des älteren -en sind in Helblings
zeit häufig.
7 ner (Cer H) mich vor minen sünden. K schreibt ker mich von.
23 so kwn, vrou, mir ze tröste. K stellt um kum mir, vrowe.
32 die selben sünden mäsen wie 30 steht sünden meil. K
schreibt sündemäsen.
XI
5 daz vrendenbernde lieht. HK haben vreuden loernde, s. zu
1, 393. an wem gewähren darf man schwerlich denken.
XIII
78 f so sie ze riter sehe fte
zimierten sich üf riters wal.
sich, das man auch vor zimierten stellen kann, darf kaum fehlen,
im mhd. wb. 3, 894'' ist diese stelle das einzige beispiel für
intransitiven gebrauch von zimieren. auch der vers ist ohne sich
mangelhaft.
118 vrouwe, tragt im vieriu, nämlich phenwert. die stelle
belehrt uns über den damaligen preis in österreichischen kneipen
und erklärt einen vers im Jüngling wo es 509 heifst er gtt dem
litgebn dicke viere (oft vier, nämlich pfennige) ze dem wine oder
ze dem biere. ein andrer läfst dem Helbling hernach 122 sehs
phenwert bringen, die erklärung des mhd. wb. 3, GOS"" phenwert
'ein mafs für flüfsigkeiten' ist incorrcct ausgedrückt.
139 nach weize hinz dem An7üs. HK haben weizen. die
schwache flexion kommt in H noch einmal vor 2, 316 Waizen
Chom wo sie K beseitigt hat.
153 s. zu Biterolf 6533.
DES SEIFRID HELBLING 419
182 nurträ steht dem Vurttra H näher als hurtd K. Martin
zu Dietr. tl. 3019 hat aus Otacker und Dietr. fl. belege für
nuträ gegeben, denen D. fl. 6046. 8462 beizufügen ist. die hs.
A hat einige male nnrta. nura, woraus Weinhold BG § 261 das
niitra erklärt, steht im Eraclius 4507 nurci, helde guote.
XV
41 vreidic für vreitdk DWB 4, 158.
238 des lät mich iuwer vrugen sin. K strich jwjcä, doch s.
Gr. 4, 756.
305 ki'mdklkh hin üz brdht mit H, knndklkhen uz brüht K.
362 f Ikber got, daz rthte
über alle dk snnden da zuo
daz man edellkhen tiio.
K schreibt al dk snüder da zno.
512 einen alten beleg für das Sprichwort bietet GA 2, 281,
145 getromv lool den hengst hin reit.
513 f swer sie ze nähen leit dem hirn,
ich sach hüete wol an viern,
den wären sie imnütze.
in diu antlntze
enphiengen sie die schrimpfen,
daz sie sich mnosten rimpfen.
dafs 514 hüte gemeint sind (K schreibt hiute), ist nach den
folgenden Worten klar, die modischen hüte, die auch 1, 257 f.
3, 368 f und sonst getadelt werden , nützen nichts im kämpfe :
die träger cmpfiengen die hiebe ins gesicht. die verbefserung
von 513 ist unsicher; auch swie man sie nähen leit liefse sich
etwa denken, zu der auffälligen weise des ausdruckcs vgl. 2,
1234 f er hat ein veste hirnschal zwischen zwen hüete gemachet.
das sich für sie HK 518 ist ohne bedenken: derselbe fehler ist
in H 7, 113. 459 von K vcrbefsert.
657 mit Silber niht möhten getragen., K schreibt tragen.
Berlin.
OSKAR JAMCRE.
420 ZUR KRITIK DER ENEIDE
ZUR KEITIK DER ENEIDE.
In meiner abhandluug über Heinrich von Veldeke (Zeitschrift
für deutsche philologie iv 249 ff j habe ich p. 257 die Classi-
fication der handschriften der Eneide gegeben, wie sie sich mir
aus dem vorUegenden materiale herausgestellt hat. entgegen-
gesetzt der bisherigen ansieht muste icli daselbst die allerdings
älteste Berliner hs. nebst der Münchner als vielfach überarbeitet
bezeichnen und die jüngeren hss. G und H in den Vordergrund
rücken, obwol es nicht im zwecke jenes aufsatzes lag dies
ausführlich zu begründen, trat doch schon auch dort bei der
behandlung des dialectes an vielen stellen der Eneide der vorzug
der hss. GH zu tage, durch die folgenden Zeilen sollen nun
keineswegs alle die kritik der Eneide angehenden fragen er-
schöpft werden, was schon insofern nicht möglich ist, als ich
die Wiener hs, noch nicht habe einsehen können, ich mufs
dies also bis zu der von mir in aussieht genommenen ausgäbe
der En. verschieben, hier liegt es nur in meiner absieht, die
aao. aufgestellte behauptung zu stützen und durch noch weitere
beweise die Überarbeitung der hss. BM sicher zu stellen.
Zu diesem behufe habe ich die uns gedruckt vorliegenden
stücke des französischen Originals genau verglichen, sie finden
sich in zwei abhandlungeu von Alexander Pey, die eine sepa-
ralim: 'essai sur H romaus d' Eneas, Paris 1856', die andere
in Eberts Jahrbüchern bd. n. zwar machen dieselben nur einen
kleinen teil des ganzen gedichts aus, doch sind diese stücke
schon genügend, die handschriftenfrage entscheiden zu helfen,
obwol in vielen andern l)eziehungen ein vollständiger abdruck
des französischen textes immer noch sehr zu wünschen wäre.
Es möge hier nun zuerst eine kurze bespreclmng der stellen
folgen, in welchen beim auseinandergehen der beiden handschriften-
gruppen das französische original die entscheidung liefern konnte.
Zweimal tritt der fall ein, dafs in der ülierarbeitung BM zwei
verse ausgelafsen sind, welche in GH dem originale entsprechen.
Zuerst 261, 10 — 13. diese lauten bei Ettmüller nach BM
10 wander dich mit gewalt
hie wil erwerben
Wide wil erben
13 dines vaier rkhe.
ZUR KRITIK DER ENEIDE 421
nach GH aber 10 wander dich mit gewalt
10^ wmet gewinnen.
10'' er enger t diner m innen
lO*" durch nichein din gut,
10'' ioan daz herz darumme tut.,
11 oh her dich muc erwerben^
12 daz her wil geerben
13 an dhtes vater riche.
10* wenel zu g. (j 10^^ nieioeti durch din gut H dinc gut G;
vgl. Servat. ii 212 lü'' nhiwan G erz durch schulde tut H 12 her
danne wil H
hält man dagegen die entsprechenden franz. verse (essai p. 24):
et par force te velt conquerre =- 10, 10^
mais il le fait plus por la terre == 11 — 13
qn'il ne face por toie amor = lO"*, 10",
so erkennt man, dafs hier BM ausgelafsen hat, indem der in
lO""" ausgesprochene gedanke im original seine stütze findet.
284, 14. 15 lautet nach GH:
14 Mir is leit daz ich ime so holt bin.
14' Daz tut der minnen getwanc,
14"* Daz ist dne minen dam,
15 Des bin ich vil unfrö.
14 Mir is leit fehlt H 14^ tut mir der yninne G 14'' Ich minne
in sunder in. H
dem entspricht (essai p. 41 j:
Quidies vons dont que bei nie soit
Et que jeV face de mon gre
Ce est contre ma volonte
Amors me tient en sa baillie.
hier ist der in BM fehlende v. 14'' die genaue Übersetzung von
ce est contre ma volonte.
263, 20 ff sind einer französischen periode nachgebildet, iu
welcher gegensätze durch vierit de verbunden sind, sie lautet
(essai p. 26):
liis et joie vienl de plorer
Et grans depors vient de pasmer
Grans liece vient de sospir
Z. f. D. A. neue fol^e IV. 28
422 ZUR KRITIK DER ENEIDE
Fresce color vicnt de palir
Baister vienent de haaillier usw.
wenn also 263, 21 statt BM: rüwe kumt nach nngemache in GH
steht: rime hmit von ungemache, so werden wir das schon für
ursprünglicher halten müfsen, noch evidenter aher tritt die än-
derung von BM hervor in v. 30
lieht varwe kumt nach der bleichen,
wo GH haben : lichte varwe kumet von bleichen , was nun wort
für wort dem franz. fresce color vient de palir entspricht, die
abwerfung der flexion im infmitiv bleichen müfsen wir uns ge-
fallen lafsen, da sich diese ja auch sonst schon früh findet, zb.
bei Wolfram P. 383, 21. 424, 23. Wh. 452, 7.
264, 19 heifst in GH: wie her Amor gemalel stet, BM- hat
das gemälet ausgeworfen; aber der franz. text bietet (Ebert n
p. 29):
Garde el temple com fattement
Amors est painte soltiment.
312, 38. 39 nach GH:
Er trnwete sinen goten nicht
daz sie im icht gehelfen mochten.
38 sime gote H 39 er ime ichl H ichl fehlt G
hier hat (B)M ziemlich sinnstörend statt sinen goten gesetzt ge-
nesen; das franz. (Ebert u p. 34):
Entre ses hras porte ses dex
II ne les tenoit mie a tex
Qu'il li penssent rien valoir
tiitt für die echtheit von GH ein.
314, 6 heifst der arzt in M Lapis, in H Japis, in G Jaspis,
bei Benoit Yapis (Eb. n p. 34).
26, 32 GH: an Kartdgine der grözen
stunden turne tnere,
man saget daz ir were
rechte siben hundert,
swen so des xoundert usw.
B(M) wirft hier zwei verse aus und macht aus den siebenhundert
nur hundert türme, im franz. steht (Eb. n p. 6):
V. C tors avoit environ.
das sind nun allerdings nirlit 700, sondern nur 500 türme, aber
ZUR KRITIK DER E^E1DE 423
wie leicht iionnte nicli( in Veldekes franz. exemplar vii. c stehen,
jedesfalls beweist die iiltereinslinnTiung von GH mit dem franz.,
dafs es mehrere hunderte waren.
Nur eine stelle hat sich in den bisher bekannten stücken
gefunden , wo der französische text BM gegen GH recht gibt,
der fall aber ist wider so eigentümlicher art, dafs für die gute
von BM daraus gar nichts zu folgern ist. nämlich 113, 40 steht
in GH ze Troie in da-z laut, während BM an den sant hat. im
franz. steht (Eb. n p. 12):
Que li dona rois Menelax
Par desos Troie ä nn rivage
Quant d Ini ala d message.
durch dieses rivage wird der sant bestätigt, doch wenn man
sich daran erinnert, wie gewöhnlich und wie jedem schreiber
nahe liegend es sein muste, hinter einem ländei'namen daz laut
hinzuzufügen (vgl. 170, 31. 353, 17), so wird man dieses schreiber-
versehen leicht entschuldigen, diese annähme ündet eine merk-
würdige bestätigung durch M, welche folgendermafsen schreibt:
an daz la den sant {an daz la ausgestrichen), hier hat also auch
der Schreiber gleich GH lant schreiben wollen, sich aber noch
rechtzeitig durch einen blick auf die vorläge corrigiert.
Eine Schwierigkeit liegt in 135, 30. 40. hier steht im Ett-
müllerschen texte beide male rfrm hundert. Pey sagt darüber
(Eb. n p. 13): 'et cent Chevaliers (Veldeke dit trois cents)
arrivent ä leur secours.' H aber hat an beiden stellen hundert,
das drin steht v. 30 blofs in G, auch BM haben daselbst hundert
ritter. in v. 40 haben aber BMG das driu und H steht mit den
hundert allein, dafs Veldeke mit H dem original entsprechend
hundert schrieb, scheint klar, doch ist das durcheinander der hss.
merkwindig.
Dies ist das hauptsächlichste, was die gedruckten stücke des
franz. Originals für die hss.-beurteilung ergeben, es möge nun
hier eine besprechung einzelner stellen der Eneide folgen, welche
auch ohnedies die idierarbeilung iuBM klar zu siellen geeignet sind.
40, 23. 24 fehlen B(M), sind aber von Ettnniller bereits nach
GH restituiert.
47, 8 steigen in BM 50000 ritter aus dem bauche des rosses,
während 41, 29 gesagt ist, das ros habe 50 kammern gehabt und
dahinein habe man 50 hundert ritter gelegt; der Überarbeiter hat
2b*
424 ZUR KRITIK DER ENEIDE
also t'alirläfsig mit zehn multipliciert, während in GH richtig steht
fünf tnsent.
51, 5. Dido liegt im bette ohne schlaf, den ihr die minne
benommen f50, 38). sie walzt sich schlaflos umher, aber als
sich die müdigkeit mehrt (v. 5) — da schläft sie endlich ein,
wird man erwarten, aber nein, sie ändert ihre Stellung noch
einmal gründlich und steht zuletzt auf. es ist klar, dafs statt
müde von BM einer der beiden von GH gegebenen ausdrücke
stehen mufs.
51, 25. hier hat BM den reim genesen : Enedsen, denn so
ist der name zu accentuieren und nicht — wie Ettm. tut —
Eneas. die endung as ist lang, das e kurz, man mufs sogar öfter
Enjds lesen, zb. 108, 29 ,
der Silvjus Enjds heizen sdl.
vgl. hierzu Schade, Geistl. ged. p. 288. — Ettm. ist jedesfalls
durch den häutigen reim Eneas : was verleitet , das a kurz zu
setzen (ebenso macht er die nominative auf -us zu längen wegen
des reimes auf hüs usw. ; sie reimen alier auch auf sus). auch
im Serv. ist der reim Servds : was häufig, ohne dafs man deshalb
den namen Servas lesen darf. — ein reim -esen : -dsen wäre nun
aber ganz unerhört und es tlndet sich dagegen in GH das richtige :
V. 25 daz sie nimmer genäse : Enedse. dafs dies nicht etwa än-
derung von GH, sondern das ursprüngliche ist, geht schon aus
der unumgelauteten form genäse hervor.
53, 29. si clagete ir ir ummaht , wie Ettmüller hat, gibt
keinen guten sinn, in nnmaht kann man wol fallen (71, 14),
während der nnmaht kann man aber el)endieselbe nicht clagen,
V. 23 ist von der Dido gesagt, dafs sie michel ungemach hatte,
und dieses ir ungemach klagt sie der Schwester, wie es auch
138, 24 heilst: und clagete daz ungemach. in GH findet sich
nun auch v. 29 si clagete ir (gröz) ungemach : nacht, dieser unreine
reim erregte anstofs, jedoch hat derjenige, welcher die BM zu
gründe liegende überarbeitete hs. anfertigte, das ursprüngliche
ungemach stehen lafsen. das sehen wir aus M, welche ungemacht
hat, also einfach ein t aubieng, um dem reime aufzuhelfen. B
allein hat das nahe liegende, aber dem sinne nach unpassende
nmmaht dafür eingesetzt. — wie sehr aber GH mit ungemach im
rechte sind, ergibt sich evident aus dem verkommen desselben
reims im Servatius n 2037:
ZUR KRITIK DER ENEIDE 425^
Want in der naesler nacht
Velden ein groot onghemach.
hier macht Bormanns in der anmerkung ebenfalls die wolfeile
conjectur onmacht, die dem sinne ebensosehr zuwider ist, als in
der stelle der Eneide. durch den reim ongemach : nacht aber
werden die von mir aao. p. 282 ff besprochenen wenigen reime
der beiden verschiedenen ch für Serv. und Eneide um je ein
beispiel vermehrt. — und diesen ungenauen reim Veldekes hat
nun Wolfram nachgeahmt, gerade so wie er auch meister'-
phester seinem 'meister' Veldeke nachbildete (vgl. aao. p. 276).
die stelle ist Parz. 35, 20. hier ist unmaht ebenso schief, wie
in den besprochenen stellen bei Veldeke, man sollte erwarten:
in brähte diele in nngemach (: naht)
diu swarze Mwrinne,
denn von der minne leidet man nngemach, fällt aber nicht dicke
in unmaht vgl. zb. Mai u. Bcafl. 17, 16
Manegen diu minne reizte
von schoenen vrouwen, die er sach
von den er da leit nngemach.
vgl. ebenda 64, 5. — Roseng. C 5 durch die schienen frouwen sie
Uten ungemach.
Wol fast zur gewisheit erhoben wird diese Vermutung, wenn
man erwägt, dafs die alte hs. D an dieser stelle statt in unmaht
bietet en ungemacht, es ist klar, dafs diese unform nicht anders
entstanden sein kann, als dafs in der noch altern vorläge von
D das ursprüngliche ungemach stand, und D des rcimes wegen
nur das t anfügte, es liegt also hier derselbe fall vor, wie in
der hs. M der Eneide. die andern spätem bss. des Parz. haben
— wie B der En. — sämmtlich das formal so nahe liegende
unmaht in den text gesetzt. — diesen reim Wolframs (ebenso
wie den andern priester : meister) kann man kaum für etwas
anderes, als eine uachahmung Veldekes hallen, wenn man auch
betreffs sonstiger sprachlicher nachahmungen wol mit recht Benecke
nicht beipflichtet (mhd. wb. ii' p. 119"). — bei Veldeke aber ist
jener reim nicht gar so auffällig, da in jenen gegenden das nach
ch auslautende t oft verklingt, und zwar auch schon in älterer
zeit, wenn gleich in den heutigen dialekten häuliger, zb. Hagen,
Chronik 2842 up gerach{t) : saich. — Karlmein, geschach : sacht
234, 13 und 107, 15. 419, 9, vgl. Bartsch über Km. p. 252 0".
426 ZUR KRITIK DER ENEIDE
— genau unser fall kehrt im Karlm. wider und man ist auch
dort nicht zur einsetzung von umnäht berechtigt bei den reimen :
ungemach : bedacht 132, 22 (diese stelle ganz analog" der bei Wol-
fram!) und vngemach : gesacht 153, 52. auch an letzterer stelle
wäre unmaht falsch, denn Galie fällt nicht in ohnmacht, sondern
es kommt eine längere krankheit über sie, für welche ungemach
der richtige ausdruck ist (vgl. 157, 40!). auch 5, 27 statt lachte:
ungemache will Bartsch nnmahte lesen, abgesehen aber davon,
dafs umnähte dem sinne nach nicht passt, wäre sowol nnmahte
als ungemache als plural höchst bedenklich, es dürfte hier wol
ohne zweifei zu lesen sein :
Bat hey zo bedde lach
Ind wan so stark ungemach.
für den gebrauch von unmaht im Karlm. vgl. zb. 141, 61. 162,
45. 238, 23. 33. — derselbe reim naht : ungemach steht auch
bei Hartmann vom glauben 3140.
55, 29 — 35 ist nach BM durchaus unverständlich, so be-
hauptet zb. Anna v. 30. 31 den Eneas noch nie gesehen zu haben,
w'ährend sie gleich darauf seine Schönheit lobt! aber auch sonst
ist der Zusammenhang unklar, aus GH ergibt sich einfach:
V. 30 Alle?- der manne
die ich mit ougen ie gesach,
so ich mich verdenken mach^
33 der enwas nichein so wol getan.
Er ist ein edel Troiun
35 von hereme gesiechte usw.
30 .4lle die manne G 31 Die ich ?ioch ie g. G 33 ?iie keiner H
34 Ez ist H {Er ixt GM)
Ettmüllers allein auf B fufsende kritik ist hier übel gefahren.
V. 33 hat GH Der enwas, M der etiist , B er enist. hier stimmt
M mit der gruppe GH, ein beweis, dafs in der quelle von BM
gleichfalls der stand. Ettmüller aber macht aus dem er, welches
allein in B steht, ein sinnloses ir. das der von BM weist aber
bestimmt auf den in v. 30 stehenden genet. plur. manne hin,
welchen der bcarbeiter in den dat. sing, verändert hatte. — v. 34
nimmt E. die einseitige änderung von B hern si auf, gegenüber
den andern 3 hss. er (ez H) ist.
ZUR KRITIK DER ENEIDE 427
72, 18. weder si gelobete (B) noch si gelachete (Mj ist dem
zusammenhange angemefsen, das richtige ist si geflehete (GH).
94, 5. schwerlicli wird man si/r gegenüber dem vürich [vürin
G) von GH halten wollen, zu den feurigen äugen (93, 33) und
roten zahnen (94, 2) Charons passt wol eher ein feuriger,
als ein saurer mund.
123, 37. der Zusammenhang erfordert hier den couj. praes.
gewinne, so steht auch in H, wo jedoch der folgende vers ver-
derbt ist. BM aber und auch G änderten dem reime zu liebe
in gewunne, während der sinn hier das futurale praesens verlangt,
der reim gewinne : gunne bietet keinen anstofs (vgl. 232, 15).
124, 28. 29 lautet in GH:
28 daz ivas betalle ilwer schult,
daz ich so getobete,
daz ich daz ie gelobete,
29 daz ir Timms geswür.
die fafsuug von GH daz ir Turnus geswür wird bestätigt durch
231, 27 und 259, 2.
133, 32. diezen bezieht sich nur auf das gehör, dafs man
das diezen sehen könne, ist bisher unbelegt, aber auch abge-
sehen davon wäre wol für das fliefsen des blutes der ausdruck
diezen zu stark, der doch 'rauschen, tosen' bezeichnet, es ist
eben änderung von BM für das in GH erhaltene vliezen.
134, 16. 17 lauten in GH
e sin gesalzten ze rede,
warwnhe er ez hete getan.
das passt weit befser in den Zusammenhang, als das von BM
gebotene, welches wahrscheinlich eine durch die ungeläufige
Wendung ze rede setzen hervorgerufene änderung ist. diese Wen-
dung scheint so früh im mlid. nicht üblich gewesen zu sein
(das mhd. wb. n' 594' bietet keinen belog, sondern citiert nur
Haltaus), für Veldeke ist sie aber sicher, da sie noch einmal
durch alle hss. bezeugt steht 153, 22.
148, 34. 35 nach GH:
Die eine gofe was aphelgruwe
Und d'ander als ein lebart.
die eine gofe war also apfelgrau, die andere gefleckl. in der
änderung von BM ist nur von der einen gesagt, sie sei grau
gewesen wie ein lebart. das ist ein Widerspruch, da der lebart
428 ZUR KRITIK DER EISEIDE
gefleckt ist {lebartes mal Alexand.), die andere gofe aber ist ganz
ausgefallen.
157, 5. hier hat GH ganz evi<lent das allein richtige wizen,
gegenüber den änderungen von BM, welche auch schon Ettmüller
beseitigte.
160, 8 hat BM geändert halsbant statt GH nasebant. ein
kalsbant als teil des heims ist unbekannt, nicht aber das nasebant,
für dessen richtigkeit auch noch 244, 3 spricht, wo ebenfalls
neben der liste das nasebant genannt wird.
167, 40. als Eneas in Italien ankommt, baut er sich an der
Tibermündung eine bürg, die er Albane nennt (HO, 35.
157, 8). diese bürg steht also am meere (215, 7). wenn Eneas
nun zu Evander will, mufs er landeinwärts, er fährt also die Tiver
al ze berge (167, 23). und nachdem er die nacht und den nächsten
tag gefahren ist (v. 32), kommt er (v. 38) ze Pallante, aldä Röme
nu stet, nun folgt v. 40 in BM die wunderliche behauptung,
Eneas sei jetzt an der Tibermündung angekommen ! statt dieses
in der tat grofsen uusinns steht ganz passend in GH
40 In der Tiver, die da vore get
was er mit schiffen komen dar.
obwol die richtigkeit von GH schon an und für sich deutlich
genug ist, tritt hier noch obenein das fragm. des 1 2 Jahrhunderts
R bestätigend ein. daselbst lauten die beiden verse:
Die tyvere diu nur get
In der ums er komen dare.
177, 8 mufs es mit GHEP heifsen: der inner grabe der was,
da V. 14 der äufsere graben entgegengesetzt wird.
184, 24. mit GH ist hier der gräve Volzän zu lesen, er wird
im folgenden stets grdve genannt und auch im franz. steht an
der betreffenden stelle un quens (Essai p. 17).
204, 34. was BM hier hat: \vir scoln im wider steji nü, ist
so unpassend, dafs es unmöglich das richtige sein kann. Pallas
will den Turnus im einzelkampfe bestehen und deshalb konnte
es allenfalls wol heifsen ich wil im widersten. das richtige bietet
die andere gruppe. G ich kume im noch hnte zu — P ich bringe
iz noch hiute dazu — TIE mit änderung e dann ez kume morgen
frn. das ursprüngliche wird wol hier G haben, da das verbum
kume durch HE, noch hiute zu durch P gedeckt ist. es ist dem
sinne auch bei weitem am zuträglichsten. — hierzu kommt noch,
ZUR KRITIK DER ENEIÜE 429
dafs der reim endoe : toe in PG der inundart Veldekes angemef-
sener ist, als endoe : nü in BM.
205,21-26 fehlt BMMe, ist aber schon von Ettmüller aus
GH aufgenommen.
209, 6. 7. auch hier dürfte wol befser mit GH zu lesen sein:
Ware ich mit eren bliben tot
so wäre ich lihte verklaget
vgl. 204, 11. 206, 38. 258, 2.3.
2)2, 3 mufs es heifsen Wand im der arm müde icas (GH),
denn Eneas ist bisher nicht verwundet.
216, 30. 31. auch hier liegt die änderung von BM zu tage,
gesagt soll werden, dafs die tragbäume der bahre von elfenbein
waren, nach BM ist lin das subject und soll eben diese trag-
bäume bezeichnen, diese sind aber hier 'hölzern und elfenbeinern.'
wird man diese Zusammensetzung schon seltsam finden, so wird
dies noch verdächtiger durch 249, 10, wo die bäume ganz von
elfenbein sind. In H steht nun
Die sithoume waren
gut von elfenheine.
dies entspricht dem sinne befser, nur ist sitbonme nicht das echte,
sondern vom Schreiber für das ihm fremde linboume gesetzt; G hat
im übrigen genaii wie H, nur lintbomne statt sUboume. wenn es
nun wol auch sicher ist, dafs linboume die unseren textei) zu
gründe liegende form ist, so ist doch dieser ausdruck als be-
zeichnung der fragbäumc einer bahre sonst unhelegl. wir können
hier zufällig <las franz. original vergleichen, es heifst bei Pey
(Ebert u p. 22): Pallas est mis sur une biere:
Qni molt fu rice et molt fu chiere
D'ivore furent li limon
Taillie d or desi cn son
De soie fu li cordeis.
hierdurch wird nun zuerst die lesart von BM boumin und von
elfenbeine ebenfalls zurückgewiesen, sodann aber ist das dem lin-
boume »■ntsprechende worl // limon. limon hrzeichnet im neueren
französisch die gabeldeicbsel eines wagens. in den alll'r. wörler-
büchern findet sich das wort nichl, doch limonier erklärt Roque-
fort durch cheiHil de charrelle, wir werden daher dieselbe b<Mleutung
des Wortes im allfr. auzuncbmen haben, S(t dafs also die einer
gabeldeicbsel ähnlichen Iragbäume der bahre durch limon be-
430 ZUR KRITIK DER ENEIDE
zeichnet werden, denselben gegenständ bezeichnet ohne zweifei
linboume. die wörtliche Übersetzung dieses Wortes wäre 'lehn-
bäiime' und man könnte dabei an das ags. hlinbed, altfr. hlenbed
(Richthofen 818'') denken, doch haben die tragbäume mit einer
lehne gar nichts zu tun. eher würde man sich etwa ein bärboum
analog dem beddeboom (mndl. Elegast 910) gefallen lafsen. nimmt
man nun noch die merkwürdige ähnlichkeit von linboume und
li'mon in der ersten silbe hinzu , so drängt sich die Vermutung
auf, dafs Veldeke ursprünglich das französische wort beibehalten,
der dies nicht verstehende thüringische umschreiber aber es sich
auf die vorliegende weise mundgerecht gemacht hat.
240 zwischen v. 11 und 12 hat BM einen vers eingeschoben:
heliden geliehen, der einen dritten reim herstellt und sich dadurch
von selbst richtet.
257, 27. das dristunt in BM ist unbedingt falsch, es mufs
nach GH heifsen dnzicstunt. Turnus hat 140000 mann (140, 30.
145, 26), Eneas aber ist von Troja gekommen mit drin tüsent
mannen (47, 38), Evander hat ihm 10000 mitgegeben (174, 29),
also zusammen 13000. dristunt ist also viel zu niedrig gegriffen,
drizic aber wird von Veldeke, wie von so vielen anderen, zur
bezeichnung einer unbestimmten grofsen zahl gebraucht, zb. 264,
15: unde senfter drizich warf.
262, 27. 28 ist von BM ausgeworfen.
268, 1 — 4. hier liegt auch eine offenbare änderung von BM
vor. Nach GH(Wo) mufs gelesen werden
1 Unde dar nach schiere kalt.
2 Si quam in ir ungewalt,
3 Unsanfte sie lebete,
4 Si switzete unde bebete.
1 darnach vil sc/n'ere H dar nach ahn kalt G da ?iach Wo
2 Uri sie quam es in ungewalt H Sie enhete irs tibes nichein gewalt
G (vgl. hierzu 2S4, 28 u. 276, 29) Sie enwesse wes sy intgali M^o
3 JVand sie tinsamphte l. Wo
die minne macht bei V. stets heiz und kalt, nie heiz und sal,
wie eine grofse anzahl parallelstcllen zur genüge beweist: 280,
9. 299, 16. 263, 6. 268, 40. — 262, 27. 77, 4. 39, 12. 267, 34.
ferner erhält auch erst die wendung in v. 8. 9, dafs sie mäht
gewan und dafs ir daz herze wider quam, ihre rechte bedeutung
ZUR KRITIK DER ENEIDE 431
dadurch, dafs in v. 2 nach GH gesagt ist, dafs Lavine in Ohn-
macht fiel, was durch die änderung in RM verwischt ist.
268, 22. (laz ungemach GH hat RM in der kumber verändert,
hat aber vergefsen, in v. 24 es ist auch dem entsprechend in
er ist zu ändern, was erst der Schreiber von R beseitigt hat, in
M steht aber noch das alte ez ist.
273, 7 — 20. diese anrede der Lavine an die Minne ist vom
dichter offenbar so augelegt, dafs im reime stets das wort minne
abwechselnd mit einem andern worte steht, nach eben demselben
princip ist die correspondierende anrede des Eneas an die Minne
gebaut 295, 19 — 34. — in verkennung dieses princips hat nun
zuerst der bearbeiter von RM mehrfache änderuugen und Um-
stellungen vorgenommen, dann hat M noch selbständig zwei verse
ausfallen lafsen (9. lOj, was bei diesen immer gleichen reimen
allerdings leicht passieren konnte. — unversehrt haben wir diese
stelle nur in H, denn auch in G haben sich auslafsungen und
änderungen eingestellt, ich gebe hier die stelle nach HG.
273, 7 mit etelkhen sinne.
Waz hilf et dich daz Minne
daz ich sus smilze enbinne?
10 dii heizes unreht Minne,
als ich dich noch erkenne.
Du bist ein quäle, Minne!
Venus, here gotinne,
gesenfte mir die minne
1 5 unz ich rehte bekenne,
waz du sist Minne!
Ja sprach die kuneginne,
du trüges salbe, Minne:
IS daz ich der gewinne,
20 so genese ich, edel Minne;
des hastu michel ere
loan ich qnele alzu sere.
7 eleslichen G S Eya waz hitfel dich minne H ^^swelle H
(vgl. 295, 26) 10 heizes vil n. II 12 fehlt G 14 Nu gesenfte H
senfte G — statt 1.5—20 in G mir
Ja sprach die />onigynne
zu erkennen die minne
jnil alle ineijncm sinne.
22 fVeime H alzu Milt G
432 ZUR KRITIK DER ENEIDE
in BM ist geändert v. 12 quäk Minne in quelerinne, für qnale
minne spricht aufser der richtigkeit des reinis auch 281, 18. —
grofse Verwirrung wird dann noch durch die weitere änderung
von BM hervorgebracht, indem v. 17 (H) in BM um zwei verse
zurückgestellt ist (v. 15 Ettm.). abgesehen von der Zerstörung
der reinifolge, so würde sicli auch in dieser fafsung kuniginne
auf Lavinen beziehen müfsen. es ist aber dem gebrauche Vel-
dekes zuwider, diese so zu nennen, sie heifst magedin, maget,
junkfronive usw. unter kuniginne ist stets die mutter verstanden,
daher passt der vers auch nur an die stelle, wo ihn H hat (v. 17).
der sinn ist 'meine mutter die küuigin hat mir gesagt (265, 10),
du trügest salbe, Minne.' hierzu vgl. 271, 30 und 272, 26. —
übrigens hat auch p. 295 BM durch auslafsung von v. 21 die
reimfolge gestört, was Ettm. jedoch hier corrigiert hat.
308, 40 ff sagt nach (B)M 'darnach beherschte Troas Troja
viele jähre lang mit vil grozer gewalt , bis es zerstört wurde.'
das ist ein Widersinn, den wir dem dichter nicht zutrauen dürfen,
in den Ettmüllerschen Varianten steht 309, 1 H Vil grozen gewalt,
G Gros ere und gewalt. diese accusative passen natürlich nicht
zum vorhergehenden , aber zu 308, 40 gibt E. keine Varianten
von GH; doch ist dies nur ein versehen: denn in G heifst es
(Müller 11487) Sindt hete troie manic jar. jedesfalls wird auch
H dasselbe haben, wie wenigstens aus dem accusative in v. 309, 1
zu schliefsen. man hest also:
Sint hete Troie manic jar
309, 1 Gröz ere nnd geioalt
n7iz usw.
womit denn alles in Ordnung ist.
318, 31. hier ist mit GH zu lesen
Do trouwete er sich niet erweren,
iedoch loolder den Vtb gener en.
denn Turnus wollte sein leben generen, indem er sich zur flucht
wandte, ebenso 19, 17. 47,29. 135,37. 137, 1. 262,35. 309,7.
320, 16. GH swuz zwischen der innern müre was
und dem üzern graben usw.
das ist nämlich das vorborge (v. 21); die fafsung von M besagt
das nicht deutlich.
322, 38. auch hier wird man GH folgen müfsen
daz ichz ndme vor tusent mark,
ZUR KRITIK DER EISEIDE 433
dh. 'die grofse stärke, die Eneas dann haben würde, wäre mir
mehr wert als tausend mark.'
323, 9. GH hat richtig ichz {vingerlm), M fälsch ich si.
340, 27. das von M gebotene her knste sie ivol dristunt wird
gegenid)er der lesart von GH schwerlich hallbar sein, welche haben
her kuste sie wol drizicstimt,
womit dann — drizic wider als unbestimmt grofse zahl gefafst —
gesagt ist, dafs er sie sehr oft küste. ähnliche Wendungen sind
ja gerade vom küssen häufig, wer denkt nicht gleich an das
waltherische kust er mich? wol (ihentshml, oder an des Morungers
Owe, sie kuste üne zal In deine stufe mich, und ganz entsprechend
Lohengr. 723 mit kust sie mer dan drizecstunt.
Nimmt man nun noch die zahlreichen bei der Untersuchung
des dialekts in meiner früheren abhandlung angezogenen stellen
hinzu , in denen GH das einzig richtige bot , so wird man sich
wol nicht der Überzeugung verschliefsen dürfen, dafs die hss. BM
aus einer vielfach überarbeiteten quelle thefsen und dafs sie daher
durchaus nicht in erster stelle für die textesherstellung heran-
zuziehen sind.
Es ist nun noch übrig einiges nähere zur characteristik der
einzelnen hss. und insbesondere über die Stellung der fragmeute
zu den hssgruppen hinzuzufügen, wie schon früher bemerkt
teilen diese fragmente mit einer ausnähme die Überarbeitungen
von BM nicht und treten sonach zu GHE. dies läfst sich leicht
durch einige characteristische stellen beweisen.
Das fragment R enthält, soweit es von PfeitVer mitgeteilt ist,
166, 15 — 168, 31. da R 167, 40 die unsinnige änderung von
BM nicht hat, sondern zu GII stimmt (vgl. oben), so zeigt es
sich als der idjerarbeitung BM fremd.
Das Wolfenbütteler fragment (Wo) enthält die verse 265, 19
— 268, 4. für dasselbe ist 268, 1 characteristisch , wo es die
evidente änderung von BM nicht teilt.
Pfeiffers bruchstücke (P) bieten 176,25 — 180,2; 190,21
—194, 9; 201, 10 — 208, 13; 222, 8—229, 5. hier sind ent-
scheidend folgende stellen: 177,8 (vgl. oben). — 177,31. hier
folgt in GHE v. 31 auf 32, welche folge von P geteilt wird, es
hat also BM umgestellt. — 178, 28 (vgl. zs. für d. ph. iv 275). —
204,34 (vgl. oben). — 207,40 Veldeke schrieb hier nach PGIIE
Doe stont da hi up einen kiel (vgl. 208, 10).
434 ZUR KRITIK DER EiNEIDE
222, 21. 22 fehlt BM, steht aber iu PGHE. — 223, 16 Veldeke
schrieb nach PGHE
Dat gegenoe man heme ane dede,
im reim auf sede. diesen gut Veldekescheu reim entfernt der
hochdeutsche Schreiber von BM. — 226, 12 zwischen v. 12 und
13 hat BM zwei verse ausgelafsen, die sich in PGHE finden. —
man sieht hieraus, dafs diese fragmente den änderungen von BM
gegenüber zu GHE stimmen.
Das alte Meraner fragment (Me) allein gehört der Überarbei-
tung BM an und ist vielleicht vorläge von M, es enthält folgende
stücke: 204, 17-205, 32. 206, 9 — 208, 5. 240, 15 — 244, 10.
die genaue Übereinstimmung mit BM tritt überall hervor, zb.
205, 21—26 fehlt in Me ebenso wie in BM; 263, 30 teilt es die
änderung von BM (vgl. oben) usw. für die kritik hat das frag-
ment gar keinen wert, da wir den text der Überarbeitung durch
B3I schon hinlänglich kennen.
Aus dieser auffafsung folgt, dafs, wenn die eine dieser bei-
den hss. der andern und zugleich der nicht zu dieser ülierarbeitung
gehörigen gruppe entgegentritt, dies stets eine änderung dieser
hs. sein wird und dafs man also eine von B allein gebotene les-
art nicht mit EttmüUer in den text setzen, sondern sie von vorn
herein für falsch halten mufs. und gerade in B finden sich ver-
schiedene derartige änderungen, zb. 98, 26, wo in B die schlangen
bullen, gegen hnllen in MGH, — 115, 19 von B umgestellt, —
236, 6 leiten sie hat allein B, das richtige ist liefen sie (MGH),
denn sie waren schon unterwegs und gewaffnet (vgl. 23B, 1), —
241, 7 statt schameliche B mak es offenbar smaliche (Gll) heifsen,
auch M hat smaechleiche, ebenso Me, — 254, 24 herscJiaft (GHM)
gegen hereskraft (B) (vgl. zs. f. d. ph. iv 286) usw.
Der gruppe BM (Me) gegenüber, welche auf einer, vielfach
überarbeiteten quelle beruht, treten die andern hss. und frag-
mente GHEPRWo. an die letzteren mufs sich eine kritische
bearbeitung der Eneide anschliefsen und zwar kommt es hier
hauptsächlich auf die vollständigen hss. GHE an. diese teilen
sich wider zweifach, wir haben in den hss. HE und G zwei ge-
sonderte Überlieferungen, alle drei hss. geboren dem 14 resp.
15 Jahrhundert an, stehen also der hs. B an alter weit nach,
doch darf dies durchaus nicht gegen sie geltend gemacht werden,
da ihre vorlagen wol noch älter als B gewesen sein können.
ZUR KRITIK DER ENEIDE 435
sowol HE als G haben, wie dies ja nicht anders zn erwarten, hier
und da kleine änderungen und Zusätze erlitten, doch bietet in
der regel die eine für die andere, verglichen mit der Überlieferung
in RM, das correctiv dar. meist allerdings und glücklicherweise
in der grösfen zahl der von RM veränderten stellen stimmt H (E)
mit G überein und läfst also keinen zweifei, wo sie aber aus-
einandergehn, da ist bald bei der einen, bald bei der andern das
richtige zu linden, und eben hierbei leistet dann der durch die
Überarbeitung RM repräsentierte zweig oft wesentliche dienste.'
In genauem zusammenhange stehen also die beiden hss. H
und E. von E ist nur verhaltnismäfsig wenig von Pfeiffer im
quellenmaterial i bekannt gemacht, H kennen wir aus den sehr
reicbhalligen Variantenangaben bei Ettmüller. die hs. H geht
mit E sicher auf dieselbe vorläge zurück, welche bin und wider
änderungen erlitten hat. diese änderungen teilt also E mit H.
H widerum aber hat durch zwei verschiedene Schreiber einen
etwas ungleichujärsigen character bekommen, während nämlich
dei- zweite Schreiber (nach Ettmüllers angäbe von 214,20 bis zu
ende), sehr sorgfältig seiner vorläge folgte, erlaubt sich der erste
eben jene wortumstellungcn und vertauschungen der worte mit
synonymen, die Ettmüller p. xu rügt, so zb. 87, 29 statt wei^den
(: erden) setzt er ganz sorglos irgen, ähnliches 102, 7. 17. 115, 34.
119, 25. 131, 2. 133, 33. 145, 22. 150, 2. 10 usw. desgleichen
läfst er oft flüchtiger weise einen vers aus, so dafs der reim ver-
nichtet wird, zb. 19, 11. 38, 18. 45, 4. 59, 40. 72,8 usw.: zwei
verse sind sinnlos oder reimstorend ausgelafsen 60, 1. 2. 128,
28.29. 177, 12. 13. 197,21. 22. — alle diese flüchtigkeiten
meidet der zweite Schreiber, willkürliche wortumslellung im reime
hat er gar nicht, flüchtige auslafsung eines verses nur einmal
(230, 19), während dieser fall beim ersten Schreiber 15 mal statt
hat. die sudeleien des ersten Schreibers von II leilt nadirlich
die hs. E nicht, während sie, soviel aus den bekannten slücken
zu ersehen, die würklicben änderungen der in II vorliegenden
recension sämmilich teilt, diese änderungen lafsen sich durch
die Übereinstimmung der übrigen hss. leicht erkennen und dürfen
ja nicht in den text aufgenonuuen werden, wie Eltnuiller sogar
an einer stelle (203, 37) in sehr unkritischer weise tut, wo er
seiner hs. R und MG zuwider die aus dem dialect leicht erklär-
bare änderung von H einsetzt.
436 ZUR KRITIK DER ENEIDE
Von kaum geringerem werte als EH ist für die kritik die
hs. G, welche nach Ettmüller p. xii 'zumal in der gröfsern vor-
dem hallte ebenso oft zu BM als zu H stimmt.' das ist ganz
richtig, denn zu BM stimmt sie, wo in H änderungen vorliegen,
und dafs dies in der vordem hälfte öfter eintritt rührt eben von
dem nachläfsigen ersten Schreiber von H her. ohne eigne ände-
rungen und Zusätze ist natürlich auch G nicht, doch sind sie
als solche meist unschwer zu erkennen.
Die zugehörigen fragmente RPWo gestatten wegen ihrer ge-
ringen ausdehnung keine weitere gruppierung. ihre bedeutung
liegt hauptsächlich darin, dass sie für die durch GAE repräsen-
tierte tt'Xtgestalt alte Zeugnisse bilden, so dafs es auch dadurch
verwehrt wird, das alter der hs. B als schwer ins gewicht fallend
zu betrachten.
Leipzig. WILHELM BRAUNE.
NACHTRAa ZU DER GRABSCHRIFT AUS
DEM ACHTEN JAHRHUNDERT.
Unbegreiflicher weise habe ich bei meinen dem epitaphium
Aggiards hinzugefügten bemerkungen (oben s. 280) den wald vor
bäumen nicht gesehen, unter den plerique anlkorum der sogen.
annalen Einhards, welche in der fränkischen uachhut durch den
Überfall der Basken den tod erlitten, befand sich nach Einhards
leben Karls des gr. c. 9 auch der nur aus dieser erwähnung
bekannte Eygihardus regiae mensae praeposüus, er ist um so
sicherer der gegenständ unserer grabschrift, als durch sein hof-
amt in v. 8 die worte regi summus in aula fiiit eine treffliche
erläuterung finden, hiernach kann also mit Sicherheit behauptet
werden, was ich früher nur vermutete, dafs uns in dem todestage
Eggihards, dem 15 august, zugleich das datum jener berühmten
niederlage im tale von Roncesvalles erhalten sei.
E. DÜMMLER.
LÜGENMÄRCHEN 437
LÜGENMÄRCHEN.
Neue zeittiing aufz der ganzen weit.
Es bfchicht oft, wann man wandern \\'i\,
fo fchlagen fich der gfellen viel
zufamen in ein gfelfchaft gut
und reifen dann mit gutem mut.
5 viel abenteur get in zu banden
in dielen oder jenen landen,
der flehet difz, ein andrer das
und wer bafz kan der schikt fich bafz.
alfo giengs diefen gfellen all,
10 dern war nun ein zimliche zal,
warn jung, darzu von leib nit schwacli,
hatten verfucht keiu ungemacb,
bifzher in dwelt nie kommen aufz,
dann alzeit fie gewefen zhaus.
15 diefelben inen namen für
zu lafzen irer mutter tür,
in dfremde fich einmal zu wagen,
damit fie auch was könten lagen
von fachen die fie betten gfehen,
20 was hin und wider wer gefchehen.
w'as foll ein mann der nichts erfareu
hat in fein jungen heften ^aren ?
machen deshalben fich gefafzt,
irn keiiun* nichts dahinden lafzl,
25 wie fie vermeinten, diefer dingen
fo notig die reif zu verbringen
und ziehn darvon mit frifchem nuit,
gedenken : es w ird werden gut.
nun taten fie viel manche reif;
30 die zeit begunle werden beifz.
fie zogn durch dürfer und durch ftett,
irn keiner nie gezagel betl.
an freud und nuit in nicht gebrach,
die ^ielfchafl hatte gutte fach,
Z. f. P. A. neue folge IV. 29
438 LLGEIVMÄRCHEN
35 liefzen als trauren faren hin,
nach frolicheit ftnnd in der l'inn.
in dem die foune auf Tie fticht,
das wollen fie erleiden nicht,
legten fich nider an den fchatt;
40 alda fie fer gedürftet halt.
des Avafzers war da avoI genug,
fie dachten : es hat nicht gut fug
wafzer zu trinken in der hitz,
ie mehr man trinkt ie mehr man fclnvitzt;
45 kerten deshalb ins Aviertshaufz ein:
'herr wiert! nun gib uns külen wein,
damit wir löfchen unfern (kuTt.
frifch auf und frolich liebe burft!
heut hie, vielleicht anderftwa bald,
50 wer weifz wer unfer fchulden zalt?'
der wierte tat nach irm hegeren,
gedacht, er wolt in tapfer fchereu,
und fetzet alles auf den tifch:
brot wein fleifch vögel und gut fifch;
55 da ward kein maugel niendert gfpürt,
er machet in ein gute ürt.
'herr wiert! wir haben gefzen znacht,
die zech wird noch wol morn gemacht
zur morgen fupp; mit lärem bauch
60 zu wandern ift nicht unfer brauch.'
er legt fie in die hefte bett
die ei" im ganzen wiertshaus bett;
da fchliefens ein die ganze nacht
bifz dafz fie widerumb erwacht.
65 'auf! auf! wir fcblafen viel zu lang,
dafz man fich ruft und forte gang
in diefer morgens killen zeit,
nach mittag gen wir nicht fehr weit.'
das friiftuck hat der wiert gerüft,
70 das Hund bereit fchon auf dem tifch,
darneben ander mer gefchleck
mit einem frifchen butterweck.
da zechten fie ein gut geloch.
LLGENMAllCHEN 439
irn keiner konte vvifzen noch
75 wie übel stünden ire lachen,
heilzen deshalb die ürten machen.
der wierte war ein gl'chwinder mann,
die kreid in feine band i>al(l nani,
dielelb, wie es dann pllegt zu gen,
SO für einen ftrich recht kreidet zwen.
er macht ein x wol für ein u,
damit kam er der rechnung zu;
die traf fich eine gute fumm,
fie aber gaben nichts darum.
85 'lang her noch ein mafz oder vier!
die trinken wir, dann gen wir fchier.'
das bfchach; der wirt willfaret in,
gedacht: 'es ift doch dein gewinn.'
erft hebt fich an der betteldanz ;
90 da die zech war volfüret ganz
und man iezunder zalen folt,
herfüi- mit gelt irn keiner wolt.
iezunder erft da merken fie,
dafz in befchehen were wie
95 man gmeinlich fpricht: wer wandern will,
derfelbig hat zu ruften viel
und, wann er fich hat lang gerüft,
zuletit er doch das lieft vergift.
alfo befchach auch dielen gfellen.
100 diefelben, als fie wandern wollen,
da lafzeu sie daheim das gelt
des fie in trauren wurden gleit.
da folt einer gefehen bau,
wie fie fich üengen ftellen an:
105 der eine fich fer übel gbub,
der ander in feinni lacke grub
nach heilern, da war niendert nicht;
der ander feine holen blicht,
ob etwas drin verborgen wer?
110 da wolt niendert nichts klingen her;
der eine falz da wie ein ftock,
der ander fchwiege wie ein plock;
20*
440 LÜGENMÄRCHEN
dife die kratzen hiutern köpfen,
jene die fchwitzeu, dafz fie tropfen;
115 einer den andern ane fach,
gedacht: 'o wie komt ungemach
fo unverzogenhch auf freud!'
in fumnia, da war nichts denn leid,
was wollen fie da hahen than?
120 das gelte war da heim gelan!
der wiert fchaut zu und fchweiget füll.
da er fieht, dafz nichts naber will,
und merket, dafz es feien wolt,
gehöret einer haben folt
125 wie er mit inen da umgieng,
wie er zu reden ane fieng,
wie fie erfchracken über dmafz,
wie fie der angftig fcbweifz begofz !
'ir habt getrunken, liebe geft,
130 und gefzen auf das aller beft;
was euer herz nur hat hegert
desfelben hab ich euch gewärt,
nun ist es hie hei mir der brauch:
wer ifzt und trinkt der zahlet auch.
135 deshalhen herfiir mit dem geld,
wa ir mit lieb von hinnen wölt!'
einer zu reden ane fleug:
'herr wiert! ich fag euch wie es gieng.
als wir von heimat zogen aufz
140 aufz unfrer liehen eitern haus
vermeinten wir genommen han
alles was nötig auf die ban.
nun haben wir ein feckel gmacht,
all unfer gelt darein gebracht
145 hifz an ein wenig welches wir
hifzlier verzeret in der irr.
den feckel wir vergcfzen hand
daheim in unlerm vatterland;
wie dann gemeinlich pflegt zu gfchehen,
150 wann man will über fehle gehen,
hin und her man zu laufen hat.
LÜGENMÄUCHEN 441
verzieht licli lang oli iiuui genadt,
eh man lieh riilt, eh man lieh lalz
bfchauen von ieder auf der gafz.
155 wann einer lülTelt fonderhch,
da fcheidet es fchwedichen fich.
alfo, weil ich doch fagen mufz
die warheit (mir zu einer bufz),
befchahs mir aucli. der Teckel war
160 vertrauet mir von diefer fchar,
dann fie gel'püret wol an mir,
dafz ich zum gelt trug grofz begier,
vergebens auch nichts geb hinweg,
darum fie mir das gelt aufglegt,
165 gedenkend, weil ich fonft fo karg,
ich ward es nicht verforgen arg.
welchs dann gewislich gfchehen wer,
wer nicht difz unglück kommen her.
nun aber hat ich einen buln,
170 zu dem gieng ich in dloflelfchuln,
nachdem ich andern gfaget ab,
difer ich mich ergeben hal>;
die dunkt mich fchön, fie duukt mich fein,
dacht: fie mufz dein, du iren fein;
175 ift fie gweft einen andern gut,
fo freut fie dir auch deinen mut.
ir fchuch warn wie der fchnee so weifz
und fonft geziert mit allem lleifz.
was fag ich viel? mer kann ich nicht,
180 wann ich dran denk mein herz zerbricht.
wie ich von dannen fcbeidon folt,
da ich das elend bawen wolt
(fcheiden ift bittrer dann der tod,
behiit dich got vor folcher not!)
1S5 gedenk, was hat ich da für leid?
ich hat ganz kein entpfmdlichkeif.
meinr finnen, glaub ich, war ich braubt;
wers hat erfarn derfelb es glaubt.
die ftrafze lauf ich auf und ab,
100 bifz dafz gelegenheit fich gab.
442 LÜGENMÄRCHEN
dafz ich ins haus zu iren kam
und freundhch urlaul) von ir nam
nicht one leid, da fie mir diat
ein fchüne letze geben hat:
195 'difz bhalt von meinenlwegen lang,
gott wöll, dafz es dir wol ergang 1'
'dank hab! gut nacht!' difz war die nacht
die mich aufz freud in trauren bracht,
morndrigs, als ich verreifen wolt,
200 erfur ich, dafz fie kommen folt
des morgens frü an einen ort
da man fonft höret gottes wort;
ich in der unempiindlichkeit
wolt brauchen dife glegenheit.'
205 'ei', fprach in unmut difer wiert,
'hiemit zalt man mir nicht die ürt.
gelt her! was get michs an? gelt her!
wans noch fo ubol gangen wer;
den wein den iezund ich euch gab
210 mit fchwetzn ich nicht bekommen hab;
die fpeif man mir zwar auch nicht fchenkt,
<labei mein arbeit auch bedenkt!'
'ich bitt, herr wirt!' der wider fprach,
'höret zu unferm ungemach.
215 von mir komt diefes alles her,
ir keiner dahin graten wer,
wer ich nicht gweft. drum höret mich,
wie ich euch meiner fachn bericht.
des morgens ich mich früh auf macht,
220 der zeit nam ich ganz fleifzig acht,
verfüget mich an ort und end
da fie ir äugen zu mir wendt,
welchs mich der mafzen hat verwirt,
dafz ich niemandn valediciert,
225 und leg mit fchmerz mein fchenke ab,
dafz fie mir nichts zverweifen hab,
als hett ich ire gab gefchendt,
und gib mich recht in difz eilend;
hab recht gedacht, wie man iez fingt:
LÜGENMÄRCHEN 443
230 'zeit ander rofen wider bringt',
und zieli davon, gar nicht gedenk,
wie lieh das glück fo feltzam lenk,
wie ichs erfar mit grolzer gfar,
aufz freud in leid und traurigkeit,
235 da iezund ich hin kommen aufz
mit fchmerz und leid von meinem haus
und bfinne recht iezunder mich:
den feckel daheim liefze ich,
daher mich und mein gfellen gut
240 folch notturft überfallen tut.'
'ift fein', l'prach der wirt zorniglich,
'dafz die zech euch foU zalenich.
was hab ich mit eurm UifYeln ztun?
ich will, dafz ir mich zalet nun!
245 ein hotten ich abfenden will
zu euerm hulen in der ftill
fie zu berichten difer fach,
und fie euch fei vor ungemach.'
'ei nein, herr wirt! das tund mit nicht,
250 dann folchs mir gnad und gunft abbricht
bei ir. viel mer fo kere ich
widerum heim ganz fchnelliglich
und hol das gelt dazwifchen hie;
bifz ich wider kom warten die.'
255 'wie wolt er fo gern wider kern!
wie feil er feinen huln fo gern
und wolt dazwifchen feine gfellen
bei mir zu pfand und bürgen ftellen!
ein frefzig pfand! hat wol fein fug
260 als w^er man fonft nit fchuldig gnug!
wer weifz wenn er fich wider J'telt,
dazwifchen hett ich grad mein gelt.
lug iedr, dafz er zu zalen hab
fonft zieh ich ihn die kleider ab.'
265 'ei nicht, herr wiert! tund im alfo;
ich will alleine bleiben da
233 mit gvoCzem leid?
444 LÜGENMÄRCHEN
bifz dife kommen mit dem gelt,
ich weifz, dalz diefes euch gefeilt.'
'kein liedlin fingft du mir fo fchön,
270 dafz ich euch lafz unzalet gen !
wann diefe gfellen wem hinweg,
wie bald nemeltu auch den fteg,
und kam ich all'o umh das mein,
gelt her! es mufz hezalet fein.
275 wer gefzen hat und trunken wol,
derfelh auch hillich zalen foU.'
'ziecht ir uns unfer kleider aufz,
wie kommen wir nackend gen haus?
ir wolt einen nicht ziehen lan,
280 die anderen zum pfände han,
ir wolt auch einen hhalten nicht,
drumm weifz ich nit wie euch befchicht.
wolt ir kommen aufz difen sorgen,
fo müft ir uns die zeche borgen.
285 wir zalen euch on alle gfer
fobald uns got hilft wider her,
das woln wir euch geloben an,
ich hoff ir werdet kommen dran.'
'ich hab gehöret meine tag:
290 wer einm ein zech nicht Itorgen mag^
derfelbig fei ein armer wiert,
drum fei euch borget dife ürt.
verhoff, was ir verfprechet hie,
daran fo wei'dt ir feien nie.
295 zieht hin und feit fürhin vermahnt
wo ir kommet in fremde land,
dafz ir bei keinm wirt keret ein,
ir zalt dann euer geltelein
und lugt ob ir zu zalen habt,
300 fonft zieht man euch den mantel ab.
noch eins ich euch vergunnen will,
ir feit an der zal zimlich viel;
ir wcrdt durchreifen manche ftat,
da man viel neue zeitung hat,
305 die hör ich alfo wunder gern;
LÜGENMÄRCHEN 445
wer mich kan meiner bit gewern
(lemfelben ich fein iirten fchenk,
vielleicht noch eine daran henk.
das ift: welcher mir hringt gen hans
310 den grollen liig für ander aiiCz
(dann lugen iezl die zeitungn lind
die man in allen landen findt)
der hat fein iirten fclion bezalt;
noch eine ich im vorl»ehalt.'
315 der froh was waren dife gfellen;
wie heltens befzer wiinfchen wollen?
mit dank, mit freud zogens von dannen,
ein befzer herz als vor bekamen.
hatten fich gefzn und trunken fatt,
320 dafz iren keiner zalet hat,
zogen das land wol auf und ab,
wa hin ich nicht erfaren hab.
wie fie durchkommen wer zu lang,
darum ich folchs fiirübergang
325 und wil iezunder weiter fchreiben.
als fie das jar nicht aufzgeblieben
noch bunden au dem narrenftriek
gedachtens: wir haben das glück
erfaren gnug; es ift zeit nun,
330 dafz wir wider heim keren tun
zu unfern freundn und eitern fchon;
wami wir fo lang weren da von,
Co wurd man uns nicht kennen mer.
wol auf! heim zu! nach meiner 1er.
335 nun freu dich, holder bule mein !
der dich liebt konnnet wider heim,
der dich mer liebet weder fich
eilet dich zfehen fchnelliglich.
tu auf dein mund! biet mir dein band!
340 Iprich: wilkommcn aufz frcnulem landl
wie hab ich dich fo lang nie gfehen!
und ich dich auch, wann ichs fol! jehen.
mich dunkt es fei des todcs ftrafz,
auf dern ich bifzher gwefen was.
UQ LÜGEmiÄRCHEN
345 freut euch, ir freund und eitern mein!
ich hotr, ich woll bald bei euch fein
die ich fo lang nie gfeheu hab;
von euerm trauren lafzet ab!
freu fich der wirt da wir gezecht,
350 der uns die ürt geborget recht;
dein gefte kommen wider fehler
zu holen noch ein ürt bei dir.
ein iecler machet fich gerüft
mit einem lug, wie gmeldet ift,
355 und tratten in das wiertshaus fchlecht,
nicht mit einander, merk mich recht!
ie einer nach dem andern kam,
ein ieder feiner zeit war nam.
Die erfte zeittung.
Der erfte kam des morgens früh :
360 'ift iemand in dem wiertshaus hie?
ich efz das frühftuck alfo gern,
vor onmacht kau ichs nicht entbern;
ich bin gelaufn die lange nacht,
vor müde ich fehler gar verfchmacht.'
365 der wierte war ein gfcheider manu,
den geften wuft er vor zu gan,
empfieng den gaft, fragt in: waher
er kam? was neus vorhanden wer?
'(o kom ich aufz dem Lappenland,
370 aufz einer ftat Buxa genant;
da hört ich, dafz den ganzen tag
die glocken man zu leuten pllag.
was folches fei? ich fragen ward,
man fagt: Marei, gots mutter zart,
375 die fei mit tod gefcheiden ab.
nichts neues dann nur difz ich hab.'
'behüt uns gotl', fpracli da der wiert,
in feinem köpfe ganz verirt:
'folt unfer liebe mutier gots
3S0 verfcheideu fein des l>!ttern tods?
LÜGENMÄRCHEN 447
das kaii nicht lein, ich glanh es nicht,
man hat dich vielh'iehl falfch liericht.'
Die andere zeitnng.
In dem da kam der ander auch,
grüfzet den wierle nach gebrauch,
385 l)egert von im das morgenhrot,
dann lolches tu im heftig noht.
'waher? was neus? mein Hel)er gaft,
lag mir was du für zeitnng haft!'
'gen Kahhrat in Schlauraffenland
390 war icli von meinen freunden gfandl,
da kom ich licr. nichts neues, dann
. ich fah an himmel gliinet an
ein leitern lang, drauf alier gftalt
viel wei])er jung und kindcr alt
395 geftiegen mit ernft auf und ab;
trugen, wie ichs gefehen hab,
gelt zuckererbifz und lebkuchen,
die tatens unterweiln verfuchen ;
was folchs bedeute weifz ich nicht.
400 'gots mutter ift todt', der wirt fpricht;
'bei irer grebdnus hat ir fon
den armen die fpend geben fchon,
wie mir der crfte gaft gefagt;
ach! wer wolt da nicht fein verzagt?
405 wer tut fürhin für uns die bitt,
weil fie genommen aufz der mitt?'
Die tritte zeitnng.
Des Wirtes klag der tritt benam,
dann er eben gelretten kam
ins Wirtes haus, die morgenfupp
410 hiefz er im geben on auffchub.
der wirt fragt in: was neus er brächt,
dafz crs im fag(!t unverfchmächt.
er fprach: 'von Wien ich komme her
und bring nicht fonders neue mär,
415 als dafz der mächtig (lufz so grol'z.
448 LÜGENMÄRCHEN
die Donau, ungleiiblicher mafz
verbrennet ift auf einen häuf
von Wien gen Regenspurg hinauf.'
der wirte fieng zu pfeiffen an
420 dacht, diefer wirds gewunnen han,
fprach: 'guter freund, es mag wol fein,
doch geht es meinem köpf nicht ein.'
Die vierte z e i t u n g.
Der vierte difem glauben macht,
dann er gab darauf fleifzig acht,
425 dafz er alsbald hereine trett
fobald difer het aufzgeredt.
'herr wirf, got geh euch einen tag
fo gut ich immer wünfchen mag!
ich hab gefaftet alfo lang,
430 vor hungr und dürft ich fchier vergang;
gebt mir davon ich werde fatt!
darnach mein herz verlangen hat.'
'das foU gefchehn!' der wirte fprach;
'mit bitt tut nur ein klein gemach,
435 das efzen ift von ftund bereit,
dazwifchen faget mir befcheid
von etwan einer zeitung neu,
darab ich mich nicht wenig freu.'
'nichts fonders', fagt derfelbe gaft,
440 'dann ich mich drum nit kinure faft,
doch fag ich was mir gieng zu band
als ich kam aufz dem Ungerland ;
das reif ich auf, ertur doch nicht,
dafz bfchehen wer einige gfchicht,
445 allein lag der weg voller fifch,
die warn gebraten alfo frifch,
und wäret folches etlich meil,
dafz allenthalben lagen viel;
was aber folches hal) bedeut
450 wollen mir lagen keine lent,
weifz es auch nicht.' der wierte fprach:
'es ift noch war die vorig lach.
LÜGENMÄRCHEN 449
dafz die Donau vcrbrunnen fei,
dariniipu die fifch alfo frei
455 gebraten wordn, wie folchs vor dir
ein andrer gaft anzeiget mir.'
Die fünfte z eilung.
Der fünft begunt auch einher gan,
den Avirt um efzen langet an ;
der ward gefraget gleicher weif
460 um etwas neus mit ganzem fleifz.
der fpracli: 'bei Strafzburg hab ich gfehn
ein ruhen auf dem fehle ftehn,
die ilt gewach Ten alfo grofz,
dafz ich mit einem fchnellen ros
465 in treien fummer tagen lang
nicht hab können tun ein umbgang:
fo mechtig grofz und breit ift fie.'
'das ift ein grofze ruhen ie',
fprach fich der wirt; 'doch glouh du mir,
470 zu gfallen wil ichs glauben dir.'
Die fechste zeitung.
Dazu dann gleich der fechste kam,
])ei diefem wirt auch herberg nam,
welcher ihm dann entgegen gieng
und in ganz freundlichen einptieng:
475 'waher? was neus?' 'nicht fonders viel,
dann ich geritten in der eil,
den Zeitungen nicht nachgefragt;
doch hört ich, dafz man hat g<'fagt
von einem kefzel alfo grofz,
480 dafz ich kaum lagen darf die mafz,
daran werken drei hundert fchmidt
rings undier und zwelf in der mill,
einer vom andern alfo ferr
dafz, wann fie klopfen alfo fer
485 als immer müglich, keiner doch
den andern kan vernemmen noch.
was man darinnen fieden wil?
450 LÜGENMÄRCHEN
weil ichs nit weifz, fo fchweig icli Hill,'
der wirt hub an ein klein und lacht:
490 'was Avolt man darinn kochen' fprach,
'als die grofze mechtige ruh
die man bei Strafzburg aufzher grub?
nun fetzet euch, ir lieben geft,
ich trag euch auf das allerbeft.'
Die fibeude zeitung.
495 Indes der fibend einher tratt,
den wirt um fpeif und tränke bat;
das fagt er ime freundlich zu,
hiefz in ein wenig nemmen ruh
und fraget auch difen wie vor
500 die andern all. der fprach: 'fürwar!
ich bin gereifet lang und ferr
eh dafz mich der weg tragen her,
da ich gefehcn wunder ding
die nicht zu fchetzen alfo ring.
505 untr anderm ich gefehen hab
ein vogel der ein fchatten gal)
fitzend auf einem niderm bäum
(ich weifz wol, dafz irs glaul)et kaum)«
umb den mittag lang fiben meil;
510 ich glaub, folcher flndt man nicht vil.'
'es mag wol fein', der wirte fprach.
Die achte zeitung.
Indes da nahet lieh der acht.
er grüfzt den wirt und feine gelt,
gcgn die er fich nicht merken lefl,
515 empfienge darauf guten bfcheid,
die herberg im ward zugefeit,
der wirte kont es gar nicht lau,
er muft auch difen gfragct han :
wahcr er kom und was er bring?
520 d(!r faet im nun auch Wunderding.
LÜGENMÄRCHEN 451
'heiT wirt, icli lioiii aufz forren landrü,
da mir viel abeiitour riiclz zhanden;
iintr anderm ich ycfeheu hab
ein ei fo auf eini kircliliof lag,
525 das war fo wuiulerlichcn grofz,
dafz es übertraf alle mafz;
vil bauren fah ich auch dabei
mit bickeln hauen allerlei.
als man fich lang bemühet het
530 dasfelb zu bringen ab der ftet
und aber folchs unmüglich Avar
kamens dahin mit ganzer fchar,
wolten fehn was doch diünnen wer,
fchlugen drein mit den bickeln Ichwer.
535 ich hat mich auf ein l)ühel gmaclit
und nam difz handels el)en acht;
da fah ich, dafz mit arl)cit hart
zulezt die fchaln durchfchlagen ward,
irn keiner hatte ficlis verfehn,
540 dafz es fo übel iolte gehn:
das ei fieng an zu laufen aufz,
der baurn wuft keiner ein noch aufz,
fie wurden da erfeufet all,
ir haus und felde allzumal
645 vom felbigen ei uberfchwemt,
alfü der liauren hochnml demt.
ich war froh, dafz der bühel hoch
mich dicfer grofzen gfar entzoch.
ich weifz, wer ich bei inen gwefen
550 fo het ich auch nit können gnefen.
wa aber das ei kommen her
das weifz ich nicht.' hiemit fchwig er.
'ich weifz es a])er', fprach der wirt;
'und auf dafz ir euch nicht dran irt,
555 ein gaft mir vor zu häufe kam
aufz dem ich wundermär vernam
von einem grofzen vogel fi-ei
der legt on Zweifel diefes ei.'
452 LÜGENMÄRCHEN
Die neunto zeitung.
In des nahet der neunte fich.
560 der Avirt enipfieng in gütiglich,
liiefz im die ftiffel ziehen aufz
und lofiert in wol in dem haus,
der gafte hat ein heizrock an,
welches den wirte wunder nam,
565 fragt in die urfache warum
zu fummei'zeit er heiz hah um?
'das foll dich, herr wirl, wundern nicht
fo hald ich dich der fach hericht;
ich kom her aufz Ulopierland,
570 welchs z^^ar nicht vilen ift bekant;
im felben ift es alfo kalt
dafz einem die wort girieren hald
im luft, fol)ald man die geredt;
daher der heiz mir note tet.
575 fonft wer ich kommen nicht darvon,
die kelt het mir das leben gnou.'
Die z e h e n d e zeitung.
Der zehende fich kurz befan,
kam alfobald auf diefen an;
dem ward geöfnet hald das tor,
5S0 empfangen wie die andern vor,
vom wirf um neue zeitung gfragt,
die zeit er bald und kecklich fagt:
'ich wandre die weit auf und ah,
vil Wunderdings ich glehen hab,
5S5 doch unter allen ift nur eins
welches gwis überträfet koins.
ich kam in ein fo fchone ftatt,
dergleichen es vix eine hat;
darinnen gieng ich hin und her
590 fpazieren. fiehe! on als gfer
fieng etwas bei mir zreden an.
ich mich nit gnug verwundern kan
LÜGENMÄRCHEN 453
\va diefe ftimme doch herkiinib?
fchau zu, fo hör ich iiml» und umb
595 ein über wunder grolz gefchwetz,
welchs mich Ichier het in torheit gfezt.
ich fchauet hin, her l'chauet ich,
mich wundert dafz niemand unil) mich;
es war ein wundergrolz gefchroi
600 von weil) mann jung, alt mancherlei.
ich dacht: an dem ort bleib ich nicht,
AVer weilz was deutet dife gfchicht?
aufz grofzer forcht zog ich darvon,
hab fragen unter wegen glon,
605 kan auch noch iezt nicht Tagen frei
was folches immer gwefen fei.'
der wirt fprach: 'ich dirs fagen foU,
der mann im beiz erklert mirs wol ;
die wort die im gefroren find,
610 die gfrieren iezund auf gefchwind,
wann fich der fummer naht herzu,
und machen folche grofz unru;
deshalb du dich nicht wundern tu.'
Die eilfte zeitung.
'\yaher?' der wirt recht anefieng
645 zum eilften welcher einher gieng.
'fo koni ich laufen alfo bhend
von diefer weiten weite end.'
'komftu vom end der grofzen weit,
fo Tag mir wie ifts da lieftelt?'
620 'das kan ich euch mit warheit fagen:
mit bretern ift es unterfchlagen,
da ligen fonn und monefchein
die von anfang iemals gefin
über einander gworfen auf,
625 verfchimmcll ganz auf einen häuf.
an der wand ich geklopfet hab,
mir aber niemand antworl gab,
daher ich dann kerl wider umb
bifz dafz ich alhie zu dir kumb.'
Z. f. D. A. neue fokc IV. 30
454 LÜGENMÄRCHEN
630 der wirl verwiuulert fich zu ftuud,
Iprach : 'ich vermeint die weit wer rund,
daran liein anfang oder end;
fo feh ich wol ich bin verblendt.
es wird gewisHch noch fein wai",
635 wie ich gemeint vor manchem jar,
dafz der himmel rund gwolhet fei
wie ein hachofen alfo frei;
wer ich auf jenem berge doil,
ich weifz es ift am felben orl.'
Die z w e 1 f t e z e i t u n g.
640 Der zwelfte kam hiemit herbei,
den fraget der wirt wer er fei?
er fagt: er wer ein wandersmann
vind wolt gern umbs gelt zefzen hau.
der wirt fagt ime folches zu,
645 hiefz in fitzen und ptlegn der ru
bifz dafz das efzen wurd bereit
dafz man es auf den tifche treit.
'dazwifchen fag mir, lieber fi'eund,
was im land für Zeitungen find?'
650 er fprach: 'sland geh ich ab und auf,
bifz an der weit end geht mein lauf,
da dannen ich iezt kommen bin
und alhie bei dir keret ein.'
der wirt gedacht in feinem mut:
655 uutr (lifen einer liegen tut.
fie kommen l)eid vom end der weit,
lafz leben wie ir red fich helt.
'bift von der weit end kommen her,
fo fag mir davon neue mär;
660 wie fteht es da? wie hats ein gftalt?
fag her wie dir folch ort gefalt!'
er aber antwort alfo fchnell :
'herr wiert, ich bin ein armer gfell
und näm gleichwol nicht grofzes gelt
665 dafz ich wonel am end der weit,
kein fticken man da fohcn kan,
LÜGEISMÄRCHEN 455
man zünd«; dann ein feuer an.
man huret nichts, kein gfelllchart da
zu finden weder ferr noch nah;
670 da geht kein fonn kein mon nit auf,
Unglück hgt da auf einem häuf.
dafz einer fang hab ich gehört,
wuft doch mit nicht an welchem ort.
zog allo wider hinder fich,
675 in deinem häufe fieheft mich.'
der wirt wolt einen zfchanden machen,
erweget befzer doch die fachen
und fprach: 'du und der andr all beid
haben mir gehen rechten bfcheid
680 vom end der weit, du an einm ort
bift gwefen und der ander dort,
und eben grad zu einer zeit
feit ir da gwefen alle beid.
den du hörtft fingen war der mann
685 fo mir von erft difz kund getan;
derfelbig war an einem ort
und (hl am andern wie gebort.
dafz aber linfter gwefen ift
an dem ort da du gwefen bift,
690 urfacb ifl difz: die wand fo dick
all fonii und mounefchein erftickl,
durch welche keines tringet nicht,
fo hat die ander feitn kein liecht :
dafz ir beid allo habet war,
695 welchs ich täglichen auch erlar.'
Die treizehende zeituug.
auf difen der ti'eizehend kam,
defzen der wirl auch bald warnam;
gieng im eutgegn, emplienge in:
'waher? was ncus? wahin dein finn?'
700 'ich koudi da aufz der uecblten ftatt,
dafelbft man ein eiitliaupict bat,
weil er den fchnee beim ofen dörrt
und in darnach zu markt gefih't,
30*
456 LIGEISMÄRCHEN
denfelbigen für falz verkaupt,
'05 drum ward im gfchlagen ab fein haupt.'
'wer weifz ob es wol war fei?' fpracb
der wirt, hiib an und heftig lacht;
'mein geft die fagen Wunderding,
lafz fehn was der vierzehend bring!'
Die V i e r z e h e n d e z e i t u n g.
110 'wilkom, lanzknecht! wa komftu her?
mein! was bringftu für neue mär?
folch Wunderding mir nie fürkam
als ich von diefen geftn vernam.'
'ich bin ein lanzknecht unverzagt,
715 und, haben diefe wunder gfagt,
fo fag ich wunder über wunder;
aufzm krieg bring ich ein ganzen plunder.
da habn wir blegert eine ftatt;
als ich eins mals die fchiltwacht hat,
720 hat es geregnet alfo fer
dafz ich kont bleiben nimmer mer.
deshalb in ein kartaunen kroch,
mein fpiefz hinder mir naher zoch,
da weit ich fchiltwacht ghalten haben,
725 wufzt aber nicht dafz fie geladen
und aller dingen abgericht. ^
nun höret was mir da befchicht! i
ich war entfchlafen in der büchf, |
meiner drinn achtet man gar nix;
730 man zündet an, man fchofz fie ab;
was ich für gfar aufz gftanden hab, »
wer kans fagen? noch hat das glück J
folches zum heften mir gefchickt. ^
die büchf war grichtet gar zu hoch, ;
735 drumb ich über die ftatt her floch,
fonft hett ich nider gfchlagen als
was ich antroffeu diefes fals. i
nider fiel ich in einem wald, ]
darinnen es gar wunder kalt; J
740 damalen lag ein tiefer fchnee, |
LÜGENMÄRCHEN 457
tat alfo mir ik'V fall nicht weh,
dann ich fein lauft eniider falz,
des aufftchens doch nicht vergafz.
nachdem ich ein weil gnonmien rii
745 wolt ich wider dem leger zu;
ein grimmer wolf ungwarnter fachen
gieng gegen mir mit ofnem rächen,
ich aher acht gar nichts die gfar,
mein mannheit nicht erlofchen war;
750 mancher wer gflohen da hinweg,
ich aber trat herzu fo keck
und ftreck mein hand aufz gegen in
und greif im zu dem rächen ein
den leib durch bis zum hintern teil
755 (das heifzt wol verfuchen fein heil),
ergreif in wol bei feinem schwänz,
dabei ich in umkcret ganz;
dem wolf grad wie eim hafen bfchicht
Avann man im feinen balg abzeucht;
760 entgienge diefer gfar alfo.'
'da biftu billich gwefen froh',
fprach da der wirt, 'die fenfter auf!
dafz mir mein haus nit fall zu häuf.'
Die f ü n f z e h e n d e z e i t u n g.
Der fünfzeheud trat ein hiemit.
765 der wirt empfleng in recht nach fill,
hiefz ine freundlich wilkom fein
und fürt in in die wirlfchaft fein,
fragt in neu zeitung aufz dem land.
derfelb antwortet im zuband:
770 'vil Wunderdinges in der weit
einm und dem andern /.banden feil;
alfo befchah es billich mir.
nach wunder hat ich grofz begir,
darumb ich dann der liindern vil
775 durchzogen in gefchwiuder eil.
752 druck im
458 LÜGEIVMÄRCHEN
ich kam ins land Armenien
da hab ich einen berg gefehn,
darauf, fagt man mir ungefer,
dafz noch die arche Noe wer.
780 umb Wunders willen ich die wolt
bfchauen und wann ich fterben folt.
und alfo bald on alle raft
macht ich mich aller dingen gfafzt
fo nötig zu einr folchen reif,
785 fieng fteigen an mit allem fleifz,
das wäret manchen lieben tag
da ich vor onmacht oft gelag.
ein weil ich zimlich wetter hat,
hernach es fich verkeren tat
790 in froft und kelt fo wundergrim,
gedacht: nun kanftu weiter nimm,
trang doch mit gwalt durch froft und fchnee
bifz dafz ich kam in alle höh
in grofze hitz; doch hatte mich
795 die kelt durchbifzen meifterlich,
die hitz kont mir nichts gwinnen an.
den berg ich überwunden han
und kom zu oberft auf den fpitz;
dafelbst ein wenig nider fitz,
800 wolt umb mich felien wa ich wer,
fo fieh ich gar nichts umb mich hei-,
der berge war fo hoch gericht,
die weit verfchwand vor meinem gficht,
als ich mich richtet über fich
605 den himmel kont anrüren ich.
da klopft ich an; niemand mich bort,
ich dacht: es ift nicht srechte ort
da man in himmel lafzet ein,
oh, könt ich wider drunden fein 1
810 kroch alfo ich zwifchen dem berg
und dem himmel durch uberzwerg;
mit grofzer not ich ward verletzt,
am himmel rifz ich ab viel pletz;
ich flieg hinauf mit arbeit grofz,
LÜGENMÄRCHEN 459
815 bekomm iezt wider folclic mafz;
durch froft liilz rclinee regen und wind
ich endUch mich darnider find
und alhie zu dir komme her.
ich fag dir kein er(hchle mär,
820 (he pletze ich noch zeigen kau
die ich da ahgerifzen hau.'
der wirt hierzu begunte fagen :
'du muchteft wol abglogen haben.'
Die fechszehende zeitung.
Indem da kam der nächst daher.
825 der wierte dacht: was fagt dann der?
du muft in fragen. — 'guter freund!
viel Wunderzeitung kommen find,
die mir all diefe geft gefagt;
was du weift danunh bis gefragt!'
830 'herr wirt, icli komh anfz Indien,
da ich dann Wunderding gefehn:
von wüten leiiten ungeftaJt,
von wilten tiercn manigfalt,
von andern fachen mancherlei.
835 eines allein meld ich hierbei:
es hat immcn in aller mafz
dafelbften wie die fcbaf fo grofz.'
'ei', fagt der wirt, 'kau difz war fein?'
'ei', fprach der gaft, 'ja, wirte mein !'
840 'wie grofz ift dann das immenhaus
in welcbs fie fchliefen ein und aufz?'
'nicht gröfzer weder hie zu land',
derfelbe gaft alsbald hckanl.
'für war! dein red maclift mir zu kraus.
815 wie fchliefen fie dann ein und aufz?'
'herr wirt, umb folich ire fachen
tu ich mir nicht viel kiunnicr machen.
was gehts mich an wie fie heraufz
oder nein fchliefen in ir haus?
824 druck d. lozt 825 druck d. viorde fpracli
460 LÜGENMÄRCHEN
850 ich fall fie kriechen aiilz iiiul ein;
wie folches mag zugangen fein,
drumh lafz ich felherlt forgen fie.
ich hahs gefehn und rede liie,
dafz folches war mit nicht erlogen;
855 wers nicht glaubt mag wol weiter fragen.'
Die fiebenzehen de zeitung.
Der fiebenzehend fo nicht weit
alsbald zum wiert in dfluben fchieit:
ob er im wolle herberg geben
und speife dafz er möge le]»en?
860 der wirt reicht im die band, nimb warl
der gaft bot im die linke dar;
folch der wirt nicht annemen wolt,
fragt, wie er das verltehen folt:
'fo hab ich, dafz doch Gott erbarm !'
865 fagt der gaft, 'nur den linken arm,'
'wie ifts dir mit dem andern gangen?
wo haftu folchen fchadn empfangen?'
'das fag ich euch, mein lieber mannl
wann ichs vor wei wei weinen kan.
870 als man die nufz tet benglen ab
ein folchen wurf getan ich hab,
dafz ich aufz meinem leib den arm
hinweg warf, ach dafz gott erbarm !
ich wolt mit meiner fterke prangen,
875 drol) ift mirs alfo übel gangen.
ein ftarker wurf fiu'war das was.
wer hat doch ie gehöret das?'
Die achtz eilende zeitung.
Der wiert gedacht: botz regiment!
wenn band doch die zeitimgn ein end?
880 in dem erfiehet er ungferd
noch einen kommen auf eini pferd.
'herr wiert! ich kere bei euch ein,
876 wurf /'e/ili im dntvke
LÜGENMÄRCHEN 461
ir lierbergt mich uuds pferdc mein?'
'gar gern; geh! liirs nur in den Hall,
885 indeffen fertigt man das mal.'
der wiert in ftall felhll mit im gieng,
Zeitung zu fragen bald anfieng.
der glell fagt: "Zeitung Aveifz ich nicht,
als von mein pferden wundergfchicht.'
890 'ei was?' 'im land zu Ungern
tet eins mals mich fer hungern,
reit deshalbii in ein ftadt hinein,
ob ich umbs geld fünd brot und wein;
nicht weifz ich ob fie gwefen bliiul
895 oder mich ghalten für ein feind
oder wies mag zugangen fein,
dafz fie nicht band geachtet mein;
den fchutzgatlern fie fallen liefzen,
der hinder mir tet niderfchiefzen,
900 fchlug mir entzwei mein gutes pferd,
als wies gefchch mit einem fchwert.
noch blieb es dennoch alfo ftark,
dafz es mich trug noch auf den markt;
als ich dafelbften tummeln wolt,
905 und es nicht fprange wie es folt,
da fall ich erft, dem armen tier
das heu hang aufzm bauch herfiir!
dafelbft bei es erft mit mir nider.
difz pferd gab darfür man mir wider,
910 das hat auch tugend grofz an fleh,
als ich iezund berichte dich.
dann als eins mals mit ernft und lleilz
ich fetzen wolt über das eis,
dasfelbig aber mit mir brach,
915 dafz man weders pferd noch mich räch,
trabt es unter dem eis herein,
dafz ich nie dar von kommen bin;
trei tag ifts mit mir fort gerani,
l)ifz ich zulezt ein lucken fand,
920 da fprenget nmlig ich heraufz
und komme zu dir in dein haus.'
462 LÜGENMÄRCHEN
der wirt gedacht: der lug ift frifchl
fchwieg doch und füret in zum tifch:
'nun fitzt herliei, ir liehe geft,
925 es ift gekocht aufs allerheft;
fchaffet euch einen mute frifch
in meinem haus oh diefem tifch;
ich trag euch aui' brot und gut wein
und was darzu mag dienftlich fein.'
930 ach wirt! was haftu da gedacht,
dafz du die gfelln nicht hafz bedacht?
es ift die burfch fo vor einm jar
die zech dir fchuldig blieben war,
die keren iezund wieder ein;
935 nicht dafz fie zaler wollen fein
deffn das vor einm jar fie verzert,
fonder dafz folches werd erwert
fie bahn gelogen alle fer.
ich wolt nicht dafz ich richter wer!
940 fie habn gewunnen all den kränz.
herr wirt, mm fchlag die zech in dfchanzi
hetteft gewüft dafz diefe weren,
du hetteft in welln anderft fcheren.
doch weil du nicht aufgfehen fein,
915 fo ift der fchaden billich dein.
nun dafz ich fort far: diefer wirt
den geften macht ein gute ürt;
er fetzet auf alls was er hat:
fifch vogel tleifch darzu wildbrat;
950 da zechten fie mit ganzer macht
bifz dafz es fchier wolt werden nacht,
'herr wirt', der eine gaft anfieng,
'wift ir wie es vorm jare gieng
mit denen gfellen fo die zech
955 bei euch nicht konten zalen recht,
da ir inen habt auferleit
dafz wer euch die groft lugen feit
der folt fein der zech halber frei;
935 druck talcr
LÜGENMÄRCHEN 463
nun taler welcher es hie fei?
960 wir find iezt hie mit voller fch.iren
die wir vorm jar auch alhie waren.
ir haht ghort die Zeitungen frü
die wir euch angezeiget hie;
urteilet nun, und wer der beft
965 (lenfelhigen der zech frei left!
die andern zalen recht das ir,
wie vorlengft überkommen wir.'
'difz folt ich haben wol betracht',
der wiert mit lachen zu in fprach,
970 'an euern reden fo ir mir
gefagt, die ich hört mit begier.
ich merk an dem das ir gfagt band
dafz ir gelogen allefand
und folches alfo meifterlich
975 dafz iezt nicht kan urteilen ich
welcher die zech gewunnen hab,
(larumb den fchadn ich felberft hab.
was ir vor einem jar verzerl
(hisfelbig habt ir iezt erwert,
>80 gebt mir kein red noch antwort drumb!
damit ich aber widerumb
recht komb auf die iezige zeit,
fo gib ich euch gleich diefen bfcheid:
wer ich nicht gvvefen alfo tor,
^85 fo bette ichs gemerkt zuvor
dafz ir feit eben diele künden
die vor einm jar fich auch hie funden.
das ich auch fprach luin feie recht,
dem gröften hlgner gei'chenkt die zech;
990 was ich vorm jar geborget hab
und mir an diefer zech geht ab
macht mich nicbl arm, es macht mich weif
dafz ich ankere befzern tleifz.
Iiiemit fchenk ich euch auch dis mahl;
995 wann mir foll kommen gleicher fall
959 rat elf
464 LÜGE.NMÄRCHEN
wiiril ich nicht fein fo unbedacht,
mein fachen nemnien liefzer acht.'
hieniit zogn ire feckel auf,
wollen die zech legen zu häuf.
1000 der wirt wolts nicht, fie woltens nicht:
hiemit fo ward der krieg gericht.
Die hier wider abgedruckten lügenmärchen bilden einen anhang
zu der ersten ausgäbe des Lalenbnches vom j. 1597, wovon sich
das einzige bisher bekannte exeinplar im besitze der hies. kaiserl.
hofbibliothek befindet, hr scriptor JHanpt loar so freundlich mich
darauf aufmerksam zu machen und eine zum eigenen gebrauche
genommene abschrift der lügengeschichten mir zu iiberlafsen. die-
selben finden sich in prosa aufgelöst auch in des Olorinus Variscus
{Johann Sommer, s. Goedekes grundrifs i431) ethographia mundi 1
pars, in der mir vorliegenden ausgäbe Magdeburg 1610 bl. l4 — l7.
ein£r die einzelnen schwanke durch die litteralur von Bebel bis auf
den Münclihausen verfolgenden nachweisung mästen befsere vor-
arbeiten zum gründe liegen als bis jetzt auf diesem noch arg ver-
nachläfsigten gebiete vorhanden sind, ich könnte nur einzelnes bie-
ten das jeder finden kann nnd will darum nur auf die in IHubs
buche 'die komische und humo)istische literatnr der deutschen Pro-
saisten des \Q Jahrhunderts s. 352 aus dem ersten teil des nacht-
büchleins wieder abgedruckte ""gschicht von sechs Studenten die zogen
ins Ungerland, welcher die grasten lugen thet, het das mahl gewun-
nen' verweisen, worin die 1. 2. 3. 4. 7 und S unserer 'Zeitungen'
in anderer reihenfolge aber ga)iz gleicher einkleidung vorgeführt
iverden. -doch nicht etwa das nachtbüchlein unmittelbar hat dem
poetischen bearbeiter der lügengeschichten vorgelegen, die betrachtung
der reime unseres gedichtes zeigt deutlich dafs wir es hier nur mit
der widerholung, vielleicht auch einer erweiternden Überarbeitung
einer älteren vorläge zu thun haben, die mundart dieser vorläge
war die alemannische, denn nur in dieser reimen v. 127. 266. 325.
416. 447. 476. 480. 500. 509. 526. 622. 648. 653. 753. 759.
775. 815. 826. 836. 855. 895. 916, ja einmal ist sogar auch
aufser dem reime die alemannische voculisation beibehalten durch
seizerlapsus v. 469. aufserdem finden sich alemannische formen
durch den reim, gewahrt v. 48. 576. 604. 623. dafs eine erwei-
ternde Überarbeitung vorliegt könnte man schliefsen aus anderen
LÜGENMÄRCHEiN 465
entschieden nicht ahm. reimen: v. 81 : 82. 527 : 528. 599 : 600.
682:683. 834:835. 982:983. doch sind ' diese anhaltspnncte
schwankend, da schon bei Murner reime begegnen icie zeit : ahtrcit,
stein : hinein, vgl. Zarnckes commentar zum narrenschiff s. 11 ^^ .
jedcsfalls aber geht aus dieser hetrachtung als sicher hervor dafs
unser gedieht ganz oder theihveise in einer zeit entstanden ist wo
die mnndart ihr recht in Schriftwerken noch behauptete, spätestens
also in der ersten hälfte des \Q Jahrhunderts und wenn es, wie mir
wahrscheinlich ist, elsäfsischen Ursprung hat, kaum nach 1520. da
nun das nachtbiichlein erst im j. 1559 gedruckt wurde (s. Goedekes
grundrifs i 375), so kann der zeitungsdichter seinen stoff nicht dar-
aus entnommen haben, aber auch das umgekehrte Verhältnis möchte
ich so ohne weiteres nicht annehmen, die erzühlung des nachtbüch-
Icins hat einen völlig abgerundeten character, sie ist wie aus einem
gufs und läfst gegen die weitschweifige gereimte fa/'sung gehalten
nirgends etwas von Verkürzung oder zusammenziehung merken,
auch unverdaute verse oder stehen gebliebene reime fehlen, während
prosaauflösungen sonst derlei merkmale selten vermissen lafsen, und
selbst in der angehängten gereimten moral findet sich keine beriih-
rung mit unserem gedieht, da nun die in der prosa geschieh le ge-
nannten örtlichkeiten alle in Österreich-Ungern und in Baiern liegen,
so gelange ich zu dem ergebnis, dafs der grundstock der schwanke
(1. 2. 3. 4. 7. 8 unserer Zeitungen) seine heimat in Österreich oder
Baiern hat und dort zuerst ^ wohl noch zu anfang des IQ Jahrhun-
derts, aufgezeichnet und vermutlich auch einzeln oder in einer
Sammlung ähnlicher dinge gedruckt uutrde; dafs diese ältere auf-
zeichnung unversehrt uns durch das nachtbiichlein, welches ja wesent-
lich nur compilatorischen character hat, erhalten ist, und dafs endlich
dieselbe aufzeichnung der hier vorliegenden gereimten bearbeitung
zum gründe liegt, der dichter behielt die von seiner vorläge ihm
entgegengebrachten geschichten und ihre artige motivierung bei und
liefs an diesen kern anschiefsen was ihm von ähnlirhoi geschichten
sonst bekannt war. bis zur 12 zeilnng konnte er dabei der hübschen
weise der vorläge treu bleiben, welche jede geschichte auf zwei träger
vertheill, deren einer immer die lügen des anderen bestätigt und be-
kräftigt; von der 13 zeitung an hat er diesem verfahren entsagt, er
mochte wohl das schleppende einer fortgesetzten ausdehnung dieser
manier auch auf solche geschichte)! scheuen, bei denen sie mehr und
mehr zur müfsigen den leser ermüdenden Spielerei werden niuste.
466 NACHTRAG ZU DEN PREDIGTEMWÜRFEIS
die in der pivsaischen fafsung erwählten namen von örtlichkeiten hat
er zumeist verändert oder unterdrückt, dafs er die zu seinen zti-
thaten gehörige geschichte von der grofsen ruhe noch Strafsburg verlegt,
ist vielleicht ein fingerzeig auf seine engere alemannische heimat.
Wien. J. M. WAGNER.
NACHTRAG ZU DEN PREDIGTENTWÜRFEN
(zs. 15, 439).
Eine nochmalige vergleichung der aao. mitgeteilten predigtent-
würfe mit der hs. zeigte dafs das von mir früher angewandte rea-
gens erst nachträglich seine rechte würkung ausgeübt und dafs daher
eine reihe von stellen anders zu lesen sind als der (übrigens nicht
von mir corrigierte) abdruck ausweist, ich teile dieselben mit eini-
gen sonstigen verbefserungen im folgenden mit.
i 2 whfcirnd ist zweifelhaft. 5 wirt Aer. 16 Efayal'. 18
heuhit. 20 heiiiim. 21 ovhc über der zeile. 24 w'ten. 28
■\vrdeu L
II 4 Min leiit waz. 12 irlofit. 13 l über der zeile. viiP
herre. 14 E. 16 infih. IS Sole. 22 gezuccit (?) drug ez.
23 eugile. 24 et (?) def. 26 "'^"'''". 27 Im. gilcribiu. 31
liben w . . 33 Siibt . . . aparebit. opa eo^. 34 gibot. 35 ir-
barmb'c . . 37 Ir bert bif , . . fcen. 39 gifp^iigcu. 40 fpbceu.
bifpar . . . koiii 41 iif /ü'e une. 44 regni. 46 ziuiirficht.
49 ft repa . . . | 50 felbeu iv. 54 ziibihte. uü laceiit .
III 2 vn wä . . . r. 3 uater . . . welbe zuferliht. 5 rivve.
uvir. 9 karcher. da uor | uibt. 10 liep. angiftlihcim, oubc
fo. 11 g'ne lant (1). iien uarend (!) 12 irlofi wlihce (!) alfo.
14 aiic .... tmbe. 16 da d".
Ferner ist bei der beschreibnng nicht angegeben worden dafs
nr 1 auf der ursprünglich leeren Vorderseite des ersten hlattes der
hs., nr 11 1^ auf der unteren hälfte der rückseite des vorletzten sich
befindet, u 2' und in 2'' endlich das oben durch ein brandloch von
4 Zeilen länge verstümmelte letzte Matt ausfüllen.
Wien. J. M. WAGNER.
DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEIT DER PRIESTER 467
DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEIT
DER PRIESTER.
I
Die messe die ist wandeis fri,
swie des pf äffen leben si.
Ez was ein frier pfafle gar,
der hete keiner zuhte war.
m unkiusch het er sich geben
und het unpriesterlichez leben.
5 des het er einen iinderlän,
der hete zu im keinen ^än
daz sin messe iht wer genem,
wan sin leben was widerzem.
an einem heiigen tage geschach,
10 als der man sit wol verjach,
ilf dem velde er eine gienk
und auch mangen wek anvienk.
ein schonen hrnnnenlliiz er vant,
der was im gar unbekanl.
15 er nam des wazzers in den munt,
im was sin süeze gar unkunt.
ie mC'r so er des wazzers trank,
ie mer sin hist in dar zu twank.
[er s])racli] 'den nrspnink ich suchen wil
20 und wil mir da Irinken vil.'
sinen wec er ane viench,
den brunnenvliiz ze berg er giench.
einen allen man er vant,
der was im gar nnbekant.
25 sin angesibf was wiinneclich.
er sprach 'wer Iwingel hie zu dich,
daz (hl gest hie ml allein
und daz dn Ihnhst der Hute gemein
die alle hörent messe biut
1 E utid die äbersclirifl rol 2 keine 9 a in an rol 11 vf
14 der was] daz 18 dor 20 do 21 wegc au 2S fluliesl
468 DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEIT DER PRIESTER
30 alse gute cristenliut?'
er sprach 'daz wil ich iu nü sagen
und dar zu cleglichon clagen.
der pfaffe ist uukiusche gar
und wil in aller vvoUust var.
35 er wil sin alle tage trunkn,
des sint die sinne sin versunkn.
ich w6n sin mess si widerzem
unde got gar nngenem.'
dö die rede also geschach,
40 der alte man zu im dö sprach
'nü sag mir ATaz ist din ger,
oh ich dich iht müge gewer.'
er sprach 'daz ursprunch wolt ich vind,
dar zu Stent min sinne swind.
45 s6 sUezez wazzer ich nie vant
und ist auch keinem man hekant,
s6 daz ist daz vor uns göt,
swä auch nü sin ursprunch stet.'
der man der sprach 'nü gank mit mir,
50 daz ursprunch wil ich.wisen dir.'
daz ursprunch er dö schiere vant.
vor leide im sin herze swant.
da läge inne ein füler hunt,
daz wazzer giench durch sinen munt.
55 bleich wart er vor leide ser
und wolte von dem brunnen ker.
der alte man zu im sprach
'nim dir niht kein ungemach,
daz wazzer dir niht schaden tut,
60 des solt du haben guten miit.
daz wazzer dringet durch den hunt
und ist doch süeze und gesunt,
liUer und auch wol gesmak.
der hunt ez niht unreinen mak.
30 als :U 0 m er rol 34 wolluste vare 36 siut] sin 37
messe 38 vnd 39 d in dö rot div 41 gere 42 gewere
43 vinde 45 stlzcr 4S swo 49 d ?'« der 7'o< mir nach unterpunktierl
53 do 55 ward 61 wazze 64 vii'' unreinen
m
DREI GEDICHTE VON DER WLRDIGKEIT DER PRIESTER 469
G5 als6 ist auch der messe gut.
die vvile daz der priester tiU
allez daz zu der messe gehört,
daz er die messe niht zestnrt
und die wort ze rehte spricht,
70 daz im der keinz niht gebricht,
und ist wol unrein sin leben,
daz er in ^\ollust sich hat geben,
die messe doch ie reine hh'ht
svvie vii der pfaffe unkiusche tribl.
75 der hunt daz wazzer niht fiil macht
noch im sinen smak niht swachl;
alleine ez ge durch sinen munt,
doch ist ez süeze und auch gesunt.
also ist auch die messe giU
80 die wil daz man sie rehte tut.
die messe ist ie von wandel tri,
allein der priester unkiusch si.
die wil got wil den pfaffen lidn
so solt du niht die 'messe midn.
85 mit andaht solt du messe hörn
die mak dir ungelauben störn.
die heiige drivalt die ist da,
da von so sint die engel frö.
keine messe mak gesi,
90 da müezen engel wonen bi.
die mit andaht ze messe genl
und da in rehter minne st(^nt,
die habcnt die messe alle gehch,
ir keime mak sie niht entwich.'
95 der alte man alda verswant
daz er sin furliaz niht deuvanl.
der man zi^i dem pl'alTeii kam
uud in heimlich zu im nam,
er saget waz er het gesehen
100 und des der man im het verjehen.
72 Wollüste 75 fnlo 80 wile 82 allcine rnki'isclie S3 wilc
85 salt 87 div lieligo da SS soso 90 do 95 <1 m der ro^ aldo
Z. f. D. A. neue fol-e IV. 31
470 DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEIT DER PRIESTER
ilö der pfaffe die rede gehört,
zehaut zu got er sich d6 kärt,
er sprach 'unkiusche wil ich läzn
und alle trunkenheit verwäzu.'
105 uäch gotes 1er wir sulleii leben
und nach sinen huldeu streben.
II
Daz got ist in des pi'iesters haut,
daz wart einem man bekant.
In der veter leben wir lesen
waz bi den ziten ist gewesen.
von einem brüder man da saget
unde auch cleglichen claget,
5 der was niht an bösen wanch,
vvan sin gelaube der was kranch.
den sinen sin wolt er nit wendn
daz got w6r in des priesters hendu.
er sprach 'da ist win und bröt
10 da mit man got bezeicheut hat.'
die brüder im beweren woltn
mit der schrift auch als sie soltn,
daz da wer kein win noch bröt,
wan got selber gesprochen hat
15 'min reiner hp ist daz bröt
daz in der haut der priester hat,
ez ist auch der win min blilt,
wan min gotlich kraft daz tut.'
daz man. da sihet daz ist da niht,
20 des äugen kraft ist da denwiht,
da schinet bröt und auch win,
der mak keinez da gesiu.
got ist da den man niht sihet,
wan von im selber er des gihet.
102 kerle 105 lere
II 1 1 und die Überschrift rot 3 do 4 vnd 5 oii 6 krau
14 liol 16 prieste
DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEIT DER PRIESTER 47 1
25 die bnlder für den brüder batn
und (laz in rehter minne tätn,
daz got dos brüders wolle pllegen,
wan sie sieb sin beten erwegen,
ob er mit dem Unglauben sturh;
30 daz er an der sele verdurb.
dar nach schiere daz geschach,
daz der selbe brüder sach,
daz üf dem altar ein kint saz.
er trat zii dem altar baz.
35 der priester wolt die liute berihtn,
ein engel im daz hälfe slihtn.
ein mezzer in sin bant er nam,
und dö er zu dem kinde kam
er sneit daz kint in stucke gar,
40 da mit seit man die liute bewar.
der engel üf dem altar giench,
daz bhit er in den kelch auch viencb.
gotes lip die liut da namn,
und auch zu dem blüt sie kaum.
45 daz trunken sie mit grözer ger,
wan man sin nibt mak enper.
der prüder andäht dö denphiench
und auch zCi dem altar giench,
des kinds man im ein stucke IxM,
50 daz was sere von bhlle röt.
er sprach 'herre, ich des vergibe
daz ich üf dem altar sibe.
der schin des l»röts und auch der win
müz din heiliger licham sin.'
55 zebant daz vleiscb da wart ze brüt:
daz denpliench er d6 vil drät.
der brüder sin blintheit claget
und got da groze gnäde saget
der im derliuhlet het die sinn.
fiO den wolt er nü von herzen minn.
25. 31 il ml 2(1 das 2i( iiiift-eltTubcri Wi allare 30 g.nre
40 do bewarc 41 altare \'S lutc 45 groze gi-rc 4(1 onpcre
40 Rindes 53 brotes 56 drote
472 DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEIT DER PRIESTER
m
Man sol doch die priest er lidn,
ob sie di sund halt iiit vermSdn.
Uns saget auch der veter leben
daz si geschriben haben geben,
daz ein brüder saz allein
in einen Avalt von der gemein.
5 zu dem an heiigen tagen kam,
von dem er gotes licham nam,
ein priester von dem lande gangn.
der wart von im wo! enpfangn.
zu im ein ander liriuler kam
10 den er zu sich mit freuden nam.
er hielt in da über naht,
er pflak sin wol nach siner mäht.
der brüder von dem priester sagt
und von sinem leben clagt.
15 daz was dem brüder swere s^r
und wolt sich von siner friuntschaft ker.
dar nach der priester schiere kam,
der bnider in zu sich niht nam,
den priester wolt er nit cuphähn
20 und wolt im auch niht geuälin.
der priester do von dannan giench,
du er in niht enphiench.
von himel d6 ein stimme kam
die der brüder wol vernam,
25 sie sprach 'die liute min geriht
für mich üf erden wollen sliht.'
ze haut der brüder wart enzuckt
und der geist von im geruckt.
von gokle sach er einen brunn,
30 den wolt er aldä derkunn.
der eimer gar von golde was,
daz seil was lüter sam ein glas.
in sunde 1 U rol 4 walde 5 hcligen 10 er] e 12 pflage
16 siner] der? 23 v in von rol -11 ward 30 aldo 32 samme
DREI GEDICHTE VON DER WÜRDIGKEri DER PRIESTER 473
da bi stünt ein üzsetzik man
der daz wazzer schepfen hegan.
35 daz wazzer von dem eimer flöz,
der man in einez vaz ez g6z,
daz wazzer daz was süeze gar
wol gesmak und wol gevar.
des wazzers wolle er nit nem,
AO wan der mau was widerzeni.
ein stimme dö zu im sprach
'wes ablest du nibl diu gemacb,
war umme slesl du ungetrunkn?
wes sint die sinne din versunkn?
45 daz wazzer scbepfet da der man,
daz wazzer bat nibt scbukle dran,
ez ist lüter und gesunl,
reine gar ist aucb sin grunl.'
der brüder sine scbukle bekant
50 und wider nach dem priesler saut
und nam von im daz bimelbrOl
an daz nieman daz leben bat.
33 vzsezzik 34 sclieppfen 37. 3S gare : gevaie 39 woU nil
43 wor viii 45 scliüppfet 40 dar au 52 .-in
Die vorstehenden drei gedickte^ deren abschrift ich meinem
freunde JMWagner verdanke, befinden sich auf den bll. 27'' — 31''
der Klosterneuburger hs. 1244 in 8'* «hs dein lAjh., deren inhalt
im 3 bände der Diutiska s. 269 bis 274 verzeichnet ist. bei der
lexiesconstitution habe ich mich möglichst an die hs. angeschlofsen,
auch ungleichnüfsigkeiten derselben vne giencb neben gienk na. bei-
behalten: aber da die sämmllichen klingend reimenden zeilen 5 he-
bnngen zeigten, so deutete dieser umstand und reime wie ni 39. 4ü
darauf hin dafs der dichter sie bereits als slunrpfe behandelte and
ich habe sie auch demgemäfs gegen die hs., welche nnr zweimal
(lu 3. 4. 49. 50) die apokope in diesem falle aufweist, gekürzt,
mhd. uo gibt die hs. durch ü oder u ; ebenso bezeichnet sie aber
auch ü, kurzes u dagegen mit w )iur i 53. 54: darum habe ich auch
nu geschrieben, für ilc u)td in , }celclte die hs. durch ii darstellt,
habe ich die üblichen bezeichnungen m ermangelung passenderer ein-
geführt, über meine sonstigen abweichungen von der hs. geben die
474 ZU EBERNAND
lesarten ansknnft unter die auch alle die graphischen Varianten auf-
genommen sind, welche durch genauere Schreibung der streng jam-
bisch oder trochäisch gezählten verse, in denen die Senkungen nie
fiii 22 ist iool ein kleines wort ausgefallen) fehlen, veranlafst wurden.
Mödling. J. STROBL.
ZU EBERNAND.
So ganz unbeachtet, wie es uns jetzt bei dem mangel jeglicher
anspielung und bei dem Vorhandensein nur einer jungen hs. er-
scheinen möchte, ist das gedieht 'Heinrich und Kunegunde' seiner
zeit doch nicht geblieben, wenigstens befindet sich hier auf der k.
bibliothek ein zweispaltiges pergamentdoppelblatt aus dem 14 jh.
{bezeichnet ms. Germ. fol. 825), das früher zum umschlage von
rechnungen aus den jähren ] 626/7 diente und von dem, als es noch
in dieser eigenschaft einem Schlesischen kloster angehörte, kurze
nachricht im ersten bände von Gräters Idnnna und Her mode (IS \2)
s. 143 gegeben lourde. dasselbe enthält ein bruchstiick eines pro-
saischen auszuges aus dem werke Ebernands. das fragment beginnt
bei v. 1738 mit den worten im sant Benedictus vml trug aiii
klains scliarfs eysen und die erzählung die nicht selten die
reime des Originals beibehält oder durchblicken läfst schliefst sich
von dort bis 2174 ununterbrochen dem gange des gedichts an:
dann aber ist die reihenfolge 2741 — 2859. 2399 — 2478. 2229
—2307. 2490—2513. 2321—2398. 2514^, wo die worte vnd
noch kayser Hainreich wesas kung das ende bilden, es kann
nicht zweifelhaft sein, dafs diese Veränderung der folge erst von
dem bearbeiter herrührt, welcher dadurch einen befseren Zusammen-
hang zu erzielen glaubte: a)i eine nnordiumg in der ihm vorliegen-
den hs. des gedicktes darf man um so weniger denken, als er in
dem abschnitt 2321 /f deutlich die vorher übergangenen Zeilen 2429
bis 32 benutzt hat. da auf der Vorderseite des ersten blaltes unse-
res bruchstückes oben ein roter buchstabe steht der mir eher ein E
als ein C scheint und auch auf der des zweiten einer sich befand
der leider bis auf einen ganz geringen rest abgeschnitten ist, so
läfst sich vermuten dafs 4 blätter vorhergiengen — was auch ganz
dazu stimmt dafs die beiden erhaltenen je zwischen 400 und 500 v.
zu EBERNAND 475
des gedichts befafsen — und dafs das leben kaiser Heinrichs den
anfang der hs. bildete wenn dieselbe überhaupt noch weiteres ent-
hielt, eine mitteilnng des ganzen würde keinen nutzen haben, um
so weniger als die vollständige erzählung, von der das in rede
stehende pergatnentblatt nur ein stück bietet, aufnähme in die zahl-
reichen drucke des ^Sumer teils der heyligen leben' {Augsburg, Zeiner,
1472 bl l&'ff, Nürnberg, Sensenschmidt, 1475 bl. 6Vff) gefunden
hat. die sprachformen sind dort modernisiert und eine ansehnliche
menge misverständnisse eingedrungen: sonst stimmt alles wort für
wort, dafs das ganze ausschlie/'slich auf Ebernand basierte, ergibt
sich aus dem drucke noch deutlicher, die erzählung beginnt mit
V. 150 — 368, es folgt A4i — ]1 31 mit einigen kleinen Zusätzen bei
V. 1523. 1559. 1565, die ich auch in der lateinischen vita nicht
finde und aus mir unbekannten (luellen abgeleitet sein müfsen, dann
der inhalt des pergamentblattes und v. 2531 — 2692. 2895 — 3055.
3133 — 4331, worauf drei bei Ebernand Glicht erwähnte wunder,
deren erstes und drittes auch in den lateinischen mirakeln der h.
Kunegunde {MG 6, 824) vorkommt, den schlufs bilden, ja auch
Reimbote, auf dessen mündliche mitteilungen Ebernand sich v. 4029
beruft, wird genannt: nur ist der narne in Reinboldt verunstaltet,
da somit der vollständige auszug des Ebernandschen gedichtes, dessen
zweite hälfte sich ausschliefslich mit der kaiserin beschäftigt, über-
genommen wurde, so folgte Kunegunden leben unmittelbar auf Hein-
richs und sie wurde am 3 märz, ihrem tage, im Wtnterteile nicht
aufgeführt, wie sich die in den AASS vom \A juli s. 123'' er-
wähnte deutsche legende des Nonnosius von kaiser Heinrich und ihr
druck {Nonnosius custer, Dye legend vnd leben des heylige sandt
kegser Henrichs. Bomberg [151 IJ) zu der oben charakterisierten ver-
hält, weifs ich nicht anzugeben, da sie mir unzugänglich war.
was der anhang der Legenda aurea, welche wol in manchen fällen
die unmittelbare (juelle des ''Heiligenlebens' war, über Heinrich s. 897/'
Grässe gibt, ist nur ein auszug aus Adalberts vita un<l was er über
Kunegunde hat s. 905 — 10, ist von wort zu wort die vita Kune-
gundis und ihre miracula bis s. 825, 53 der MG. hier also hatte
das 'Heiligenleben' nicht den .larobus a Voragine vor sich, sondern
eine deutsche prosa, für deren verhältnismäfsiges alter das pergamenl-
fragment zeugt, es ist gar nicht undenkbar dafs diesidla' ntiwicke-
lung auch bei andern in die Sammlung aufgenommoien letipuden
staltgehabt hat.
476 DIE HEIMAT DES BUCHES DER RÜGEN
Um aber doch eine probe der art zu geben wie der bearbeiter
verfuhr und um zu erweisen , dafs würldich eine paraphrase des
Ebernandschen gedichls und nicht eine deutsche Übersetzung oder
bearbeitung der lateinischen quellen vorliegt, lafse ich hier den ab-
schnitt folgen der den versen 2399 — 2478 entspricht, kursiver druck
zeigt wörtliche Übereinstimmung mit Ebernand an.
Do der kayser merspurck gepawt het, do gab er ainen kelch
dar, vnd der was rot guidein : der kom seiner sei hernocli zu gros-
sem gut. er het auch ainen siten vnter der mess: noch des hei-
ligen opfern zeit als man den kelch wescht, vnd so ging er zii
dem altar vnd enpfing ablucionem. von dem priester mit grosser
andaht. ains mols was er zu merspurk mit vil fursten kumen.
vnd do die mess ain ent het, do wolt der kayser aus dem kelch
getrunken hahen. vnd do het er als grossevv vnmuss daz er sein
niht getun moht. do sprach er zu dem kuster 'du solt den kelch
ßeissiclcichen bewarn vntz pis ich dor aus mit ainem gesamten
niiit mag trinken vnd mussig wird.' also loard er viimussig vntz
an den andern morgen vnd do kom er zu dem munster vnd het
sich dor zu berait. And do man den kelch entdecket, do het es sich
verkert in plut. do ersrak er ser vnd het in got do mit geert. ■ —
STEIi> MEYER.
DIE HEIMAT DES BUCHES DER RÜGEN.
Der herausgeber des buches der rügen sagt zs. 2, 12 die
spräche weise den verfafser des gedichtes Süddeutschland zu, s. 14
aber werden Wolfram, Ulrich von Liechtenstein, ^Yernher der
gartener und SHelbling als dichter bezeichnet, die der heimat des
buches nahe stehen, nach diesen letzten angaben ist das gedieht
mehrfach für ein österreichisches gehalten worden: aber Wacker-
nagels vorsichtiger zweifei (LG s. 279) war berechtigt.
Für die a])fafsnng in Baiern oder Österreich scheint die
Orthographie zu sprechen: es findet sich öiiev schal schult schölte,
Met hieten, bischolfen, vodern ua. aber dies gehört nur dem Schrei-
ber, nicht dem dichter, der österreichische Schreiber hat in den
angegebenen formen seinen dialekt eingefidn't; dafs er aber eine
alemannische vorläge hatte, zeigen formen die alemannisch, aber
nicht österreichisch sind: wan für man 239 und won 1079 wo
«IE HEIMAT DES BUCHES DER RÜGEN 477
der Schreiber hinter won = wan noch wm« verbefsernd zusetzte;
cristan 3'2i. 1009; zwischan SSQ ; gaislekh immer mit österreichi-
schen vocalen , aber nach ab^nannischer art ohne t, s. Karajan
zu 457. auch die sechsmal im reim vorkommende endung e iu
der 2 person pluraHs schölte : loolte 553. 669. pecherle : erte 819
erklärt sich vielleicht am einfachsten daraus dafs der Schreiber
icolte usw. vorfand und den strich wegliefs. über sein s. unten.
Doch die sichere entscheiduug 'geben die reime, unerhört
bei einem Österreicher, dagegen natürlich bei einem alemanni-
schen verfafser ist das dreimalige geislich : vreish'ch 543. 911. 1633
(Weinhold AG § 174) und commendür : tür 517. aus dem aUfr.
commendeor wird mhtl. commendiur, und so steht im reime dem
cumtiure : gehiure Wolfd. D x 12. iu:ü reimt im alemannischen
vor r, Weinhold § 31, DHB 5, xv und vor n. endlicli machte:
trahte 1021 wo wol zu lesen ist kein sämelichz enmachte. AG § 222.
Neben diesen reimen findet sich kein einziger der ausschlicfs-
lich in österreichischen gedichlen vorkäme; wol aber sind manche
die im alemannischen und im österreichischen dialekt zugleich
begegnen, doch so dafs sie im österi-eichischen selten sind, da-
hin gehören zunächst die vom herausgeber s. 14 aufgezählten
reime s : z die in den i 656 versen des gedichtes nach a ö n
sechsmal vorkonnnen. im bairischen ist dieser reim nicht häufig,
Weinhüld BG § 153. wol aber im alemannischen, ebenso ist es
mit der 2 person pluralis auf -nt : ir sint : kint 541. ir roufent :
loufent 3 plur. 526. wenige beispiele hat Weinhold BG § 2S4.
nimi : kint 575 und : vint 971 sind alemannisch, s. Altdeutsche
Studien s. 59; im bairischen scheinen?»:», so oft sie in amlern
Verbindungen reimen, vor / gar nicht oder doch nur selten vor-
zukommen, die impei-alive liehe : sliche 1003 die nicht zu ändern
sind, kommen in beiden dialekten vor: WeinhoJd BG § 287. AG
§349. ebenso in: min 1015 wo das überlieferte mein zu min
geändert ist; es ist mit anderer interpunction zu lesen
setze dich niht wider in:
habe zuo der trinwe min,
sin swert snidet haz us\\.
die reime e»/t'm : jm/zu/e/'^ern 359. kern : nein 1211 und Klingend
leren :weren 15 (vergl. die klingenden reime klagen : sdi/m 027.
gote: geböte 161 7j sind österreichisch, aber auch alemannisch.
Weinhold AG § 38.
478 EIN URBAR DES ELFTEN JAHRHUNDERTS
Das ergebnis dafs das buch der rügen ein alemannisches
gedieht sei, wird auch durch ein par dialektische formen be-
stätigt, dreimal hat die hs. den schwachen plural sehi 42. 914.
1103 der nicht zu sele zu verändern ist, denn sf'Ze bildet in ale-
mannischen Schriften nach 1250 den plural schwach: belege habe
ich in der anmerkung zu Wolfd. D ix 4, 3 gegeben. — gedräte
813. 1232 nennt Haupt zum Erec 5500 nicht sehr häufig, ob
es aufserhalb des alemannischen vorkommt, weifs ich nicht: die
von Haupt angeführten beispiele sind alemannisch, und in diesem
dialekt findet es sich ziemlich oft, s. aufser den stellen bei Lexer
1, 774 zb. Wolfdietrich D iv 33, 4. 81, 2. 82, 4. v 51, 2. 64, 3
usw. Heinzelins Minnelehre 622. 1187. 2075. 1158 C. Virg. 670, 3.
ebenso in der Krone 15660. 15712. 20862. 29110: doch diese
stellen sind nur in der alemannischen Heidelberger hs. überliefert.
— auch joggen 741 das man nicht leicht mit Diemer in ochen ver-
ändern wird scheint dialektisch zu sein ; aber es ist sonst noch
nirgend nachgewiesen. qS^^^r JÄNICKE.
EIN URBAR DES ELFTEN JAHRHUNDERTS.
Das folgende vrbar befindet sich in der pergamenths. nr 660.
Rec. 3304 folio xi jh. der k. k. hofbibliothek zu Wien, die hs.
enthält Gregors homilien. fol. 148" xoird zu zwei dritteln von dem
ersten stücke des urbars eingenommen, nachdem durch abreiben des
ursprünglichen textes, dessen spuren noch durchschimmern, räum
geschafft worden rcar. die notizen fol. 149" stehen unterhalb des
textes, desgl. die auf fol. 155'', welches zugleich den schlufs des
codex ausmacht, während die homilien von einer hand des xi jhs.
geschrieben sind, gehört die schrift des urbars sicher dem xii jh.
an. ich habe es dessen ungeachtet i7is xi gesetzt, weil mir sowol
die form der namen als der besitzstand, welcher durch dieselben
bezeichnet icird, in diese zeit zu gehören scheint, nähere fixierung
wird historikern möglich sein.
Die im urbar vorkommenden namen gehören ihrer übergrofsen
mehrzahl nach den diöcesen von Pa/'sau und Salzburg an und
liegen die Ortschaften zumeist im Salzburgischen in Ober-, einige
auch in Nieder Österreich. Hund Metrop. Salisb. gibt — xpofern
EIN URBAR DES ELFTEN JAHRHUNDERTS 479
ich nichts übersehen habe — namen des urbars i 27. 28- n 12.
19. 31. 40. 53. 107. 109. 177. 229. 319, ganz insbesonders 366 /f
fundütio monasterii SNicolai extra Pataviam, 384. 385. 389.391.
392. die Mon. Boica xxvm 2. s. 157. 158. 161. 167. 176. 181.
182. 191. 213—215. 216, ganz besonders aber s. 4oSff redditus
Hofmarchice in Wiselburg. vgl. Edlbacher, Enlioickhmg des besitz-
standes der bischöß. kirche zu Pafsau (Linz 1870) s. 62.
Berlin, mai 1872. ANTON SCHÖNBACH.
fol. 148''. Hi maiifi conceffi hübe curie. De Vnllinge
curia I. De Mitich urfpringeii lll. maus. Ad Neuheim | nians.
dim. Ad Hevelde maus. I. Ad Heft maus. I. Ad Tantiiig maus. 1.
Ad Altheim maus. II. | Similfpc maus. I. Tipatiug maus, et dim.
Ad Altheim et Mofe maus. I. Item ad Altheim dim. m. | Ad
Waginheim maus. I. et molendinum in eodem loco. Ad Stephingen
dim. m. Ad Awarn dim. m. | Ad Seliachen m. I. Ad Tanpc m. I
Ad Elphawe dim. m. Ad Munolving m. I, | Ad Eichiiiloh m. I
Ad Wifing m. I. Mefindorf m. 1. Mulheijn m. I. RäJjinl'wanc m.
1. I Hoheureut dim. m. Steindorf dim. m. Apud Froflieim curia
I. .\d Grrdiugeu m. I. III au. | De Nevheim duo hübe XVI.
lii. frum. Hettpc huha VI. ni. Prunnadir hu])a V, mod | Zigiheige
huba V. m. Teiting curia I. octo m. trilici et dim. huha IUI.
m. tritici. Chalbach II. ni. | Iritici Witinlal VI. m. frum. Secun-
dum Witintal de huba et dim VIII. m. frum. Tancholling | III.
hübe III. hübe XVIIl. m, f. Megili>ah huba et dim. VIII. in. f.
Hymiltal dim. huba u"i. III. | Spreide. huba I. m. III. Ileruuiting
diin. huba XV. m. ferra Ilertvoc. m, I in. VI. f. | Ilejnr. m. I.
exq. m. VI. Hernjan m. I. exq. in. VI. Ortwin' m. I. exq. VI. m
Pifgin' m. I. de q m. VI. | et de dirn. m. III. m. De Vurt m. I.
et diiTi. m. Villi, f. Ilartwic' hubinarc de m. I. m. VI. | Liupold'
de m. 1. m. VI. Eziman de m. I. in. VI. Mvnolfing VII. hübe qq.
VI. m. f. Eichin | lohe III. hübe XVIII. m. f. IlAter huba. I. m. II.
f. et. I. carrada cerevuife. Tallicim hüba iii. I. | f. et dim. carrada
cui e. Vrbach VII. hübe et (pj. in. f. et diin. carr. cuife. Talheim
hüba m. I. | m. II. f. et carr cuife. De Tanheim h. hübe VIII.
m. f. et VI. m. aveue. Chogil hüba. I. in. 11. f. | et carr. cuife.
Lutwiii'. et Chunr. de 1. hüba i'ii. II. f. et carr. cuife. Ifinbl' de
diiii. hüba l. m. f. | et dinl. carr. Phloll huba. I. li'i. 11. f. el carr.
Delric' de diin. hul)a I. lii. f. et dim. carr. De Michilpge | XII.
480 ZUR TIIIERFABEL
niet. f. et. V, iirnaf cuife. De horburc hüba I. in. IL f. et carr.
Dietc' de horburc de huba in. II. f. ! et carr. Gunhfwanc huba
I. m. IL carr. De heinr. Speche dim. carr. De hohinreut dim.
hvba m. I. f. dim. carr. De Wullihahn Speche XXIIII. met f f.
XXII. I urnaf ceruife De Rabfwanc. IUI. hübe et dhn. Villi, m. L
et IUI. carr. ceruife.
fol. 149''. am schlnfse des Mattes zugefügt: huba Arnoldi I.
Sturm. I. Chornmaift'. 1. sahis i
fol. 155'^. am schlnfse: Maihnge. huba et dim. herlarpge I
Vh'ici de pahcheim 1. Elyber de vreiling I. decima de ehevinge [
Ilis infeodat' et düf Gundakarus huba Arnoldi I. Sturm. I.
Chormnaist' 1. Schaprün I. huntfheim I. |
2Hec fiit pdia cca. Helphäwe. q5. jr. in wert, aigen.
Jceger(?) mansorum habet In. Helphäwe III. heizingne. I.
Rudolf de rüt I. zuUo I. \ de q debet fmre nou nomem. Ad
fönte unü qö habt pto Haizingne I. q:(5 habet dii. | chunrad'.
lango I. f\ tti. It. Hatmari lllii I. f. m. av. [
' von anderer hmid ^ von hier ab andere band
ZUR THIERFABEL.
Von der verstümmelten SGaller hs., aus der ich (zs. 12, 459)
die letzten 2S verse des von Weiland später (zs. 14, 497 fl) er-
gänzten gedichtes Aegrum fama fuit qnondam jacuisse Jeonem zu-
erst herausgegeben habe, sind kürzlich in Bethmanns kataloge
der Vaticana die fehlenden stücke, darunter auch die ersten verse
jenes gedichtes, in dem aus SGallen stammenden codex 421 der
königin Christine aufgetaucht, vgl. Pertz Archiv 12, 279.
E. DÜMMLER.
NACHTRAG.
s. 168, 93 ist heilinch der hs. — = h;elinc heizuhehalten.
s. 210, 1595 loar die einfügung von ^nl nicht unumgänglich nötig.
s. 308, 188, 4 lies precedcntibus.
P^ Zeitschrift für deutsches
3003 Altertum und deutsche
^5 , Literatur
Bd. 16
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